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Veröffentlicht am 01.05.2023

Unter Feinden

Fünf Winter
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Winter 1941, Honolulu. Ein grausamer Doppelmord beschäftigt Detective Joe McGrady vom HPD. Der Neffe eines hochrangigen Generals und dessen Freundin, ein junges, japanisches Mädchen, wurden furchtbar gefoltert ...

Winter 1941, Honolulu. Ein grausamer Doppelmord beschäftigt Detective Joe McGrady vom HPD. Der Neffe eines hochrangigen Generals und dessen Freundin, ein junges, japanisches Mädchen, wurden furchtbar gefoltert und umgebracht. Die Spur des Mörders führt McGrady bis nach Hongkong - genau zu der Zeit, als dort die Japaner einfallen. Er wird nach Japan verschleppt und in ein Strafgefangenenlager gesteckt, wo ihm als mutmaßlichen amerikanischen Spion der Tod droht. Der Diplomat Takahashi Kansei und dessen Tochter retten und verstecken ihn bis Kriegsende. Dank Takahashi kehrt Joe mit neuen Erkenntnissen nach Honolulu zurück und macht erneut Jagd auf den Mörder; dieses Mal als Privatdetektiv.

Das (Hör)Buch fängt mega atmosphärisch an und wird durch die Stimme des Sprechers auch bis zum Schluss getragen. Solange die Ermittlungen in Honolulu laufen, sind sie richtig spannend. Die Zeit wird gut eingefangen und als Hörende weiß man ja auch, dass bald Pearl Harbor fällig ist und steht daher permanent unter Spannung. Auch als es McGrady nach Hongkong verschlägt und er dort gefangenen genommen wird, ist es noch spannend. Doch die gesamte Versteckzeit in Japan ist einfach zu langatmig, zumal es da natürlich mit dem Fall selbst nicht weitergeht. Außerdem hätte ich auf die Liebesgeschichte sehr gern verzichten können, zumal die mir auch das gesamte Ende versaut hat, welches für meine Begriffe so was von unnötig war. Als es dann endlich wieder auf die Spur des Mörders ging, wurde es kurzzeitig wieder spannend, der Showdown jedoch zu einfach und leicht abgehandelt und unwahrscheinlich. Alles in allem hätte eine Straffung dem Buch durchaus gutgetan, denn so konnte sich der Autor nicht richtig entscheiden, ob er lieber einen historischen Krimi oder ein historisches Drama schreiben möchte: beide Genres konnten durch das Vermischen nur verlieren.

Veröffentlicht am 03.04.2023

Mord auf Mallowan Hall

Die Dreitagemordgesellschaft
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Besuch hat sich angekündigt auf Mallowan Hall, für ein paar Tage werden acht Gäste dem Ehepaar Mallowan Gesellschaft leisten. Als noch ein neunter, unerwarteter Gast eintrifft, lässt Max Mallowan ihn aufgrund ...

Besuch hat sich angekündigt auf Mallowan Hall, für ein paar Tage werden acht Gäste dem Ehepaar Mallowan Gesellschaft leisten. Als noch ein neunter, unerwarteter Gast eintrifft, lässt Max Mallowan ihn aufgrund des schlechten Wetters bleiben. Doch am nächsten Morgen findet Phyllida Bright, die Haushälterin, den letzten Gast tot in der Bibliothek vor. Ein Skandal! Die Polizei trifft ein, Befragungen stören Gäste und Personal und Phyllida stellt fest, dass es wohl an ihr liegt, den Fall zu klären. Und wer wäre auch prädestinierter dazu als sie? Ist sie doch schon seit Jahren ein Fan von Hercules Poirot - und der wurde schließlich von ihrer Freundin und Chefin erschaffen, die in der Buchwelt besser unter dem Namen Agatha Christie bekannt ist ...

Hier handelt es sich um einen eher gemächlichen Auftakt der Reihe um Phyllida Bright, der energischen, tatkräftigen, intelligenten und außerordentlich modern denkenden Haushälterin von Agatha Christie. Mit strenger, aber gerechter Hand herrscht sie über die Dienstboten auf Mallowan Hall und strengt im Sinne Poirots ihre grauen Zellen an. Das ist eher interessant für Leute, die sich für die historischen Gegebenheiten in einem englischen Herrenhaus interessieren. Als Proletarierkind macht mich dieses Buckeln und Ertragen von Launen der herrschenden Klasse eher wütend und auch der Fall ging nur langsam voran. Dazu kommt, dass sich eine Enemies-to-Lovers-Story zwischen Phyllida und dem neuen Chauffeur anbahnt, was ich persönlich so gar nicht brauche.

Was mich auch nervt, ist der deutsche Titel, der auf Biegen und Brechen an den Erfolg des Donnerstagmordclub andocken möchte. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich diese Reihe weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 31.03.2023

Sprachprofiling

Die geheimen Muster der Sprache
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In diesem Buch geht es um eine noch relativ unbekannte Form kriminaltechnischer Untersuchungen: der forensischen Textanalyse. Dafür gibt es mittlerweile auch in Deutschland eine kleine Handvoll Sprachwissenschaftler, ...

In diesem Buch geht es um eine noch relativ unbekannte Form kriminaltechnischer Untersuchungen: der forensischen Textanalyse. Dafür gibt es mittlerweile auch in Deutschland eine kleine Handvoll Sprachwissenschaftler, die gerufen werden, wenn es zum Beispiel um Angriffe Unbekannter auf sprachlicher Ebene geht. Meistens handelt es sich um Drohbriefe oder Schreiben, in denen Unwahrheiten über Menschen behauptet werden, die kurz vor einer (öffentlichen) Entscheidung stehen, wie zum Beispiel Politiker oder Konzernvorstände. Patrick Rottler ist einer dieser Leute und er nimmt uns mit kurzen Fallbeispielen mit in seine Welt.

Hier handelt es sich um ein sachpopuläres Buch, das heißt, er erklärt in verständlichen Worten, was er tut. Nun bin ich weder Sprachwissenschaftler noch habe ich Germanistik studiert, aber selbst ich fand, dass er einfach zu sehr an der Oberfläche blieb. Auch in den Kapiteln, wo er über Wahrheit und Lüge spricht und Profitipps gibt, fand ich diese Tipps und seine Aussagen einfach zu allgemein und um ehrlich zu sein, hätte es da auch der gesunde Menschenverstand getan. So bekam man zwar einen kleinen und recht interessanten Einblick in die Welt von Leuten, die Droh- oder Verleumdungsbriefe erhalten, aber ich hatte im Endeffekt mehr Tiefe erwartet. Davon abgesehen nervte auch die Beweihräucherung von Rottlers Ausbilder, der sich erst selbst im Vorwort feiert und später auch noch mal von seinem Protegé gefeiert wird.

Veröffentlicht am 29.03.2023

New Valley

Equilon
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In einer nahen Zukunft nach nicht näher beschriebenen Naturkatastrophen lebt der Großteil der Menschheit unter ärmlichen Verhältnissen. Nur wer seinen Wert beweist und Scores punktet, hat eine Chance auf ...

In einer nahen Zukunft nach nicht näher beschriebenen Naturkatastrophen lebt der Großteil der Menschheit unter ärmlichen Verhältnissen. Nur wer seinen Wert beweist und Scores punktet, hat eine Chance auf ein besseres Leben. Jenna Mills gehört zu diesen Leuten. Ein Algorithmus hat sie ausgewählt, um in New Valley zu leben, der Welt der Privilegierten. Dorian hingegen ist am Ende. Sein Score ist low, sein Lebenswille ist low. Da trifft er auf Hanna, die ihm Maggie anvertraut, ein kleines Mädchen, und den Schlüssel zum Zerstören der Elite. Beide müssen auf ihre Weise versuchen, für ein besseres Leben zu kämpfen.

Zuerst einmal, was mir gut gefallen hat: die Themen. Klimakatastrophe, der Umgang damit, Genderidentität, Zerstörung eines funktionierenden Sozialsystems. Allerdings ließ die Umsetzung zu wünschen übrig. Dafür, dass Jenna als hochintelligent beschrieben wurde, hat sie ständig das Dümmste gemacht, was in dieser Situation angebracht wäre. Zu erwähnen wäre da ihre ständige Sauferei und Heulerei. Und wie es Maggie mit Hilfe von Dorian so weit geschafft hat, war auch eher unglaublich. Er zeichnete sich nicht gerade als Problemlöser aus - musste er auch nicht, Hanna hat ihm selbst auf dem Totenbett noch alles vorbereitet. Und das Ende war so was von unglaubwürdig und unrealistisch: Stellt euch vor, jemand zieht in der mega modernsten Anlage der Welt einfach einen Stecker und überall gehen die Lichter aus und die Schurken sind besiegt. So ungefähr hat sich die Autorin das ausgemalt. Es war geradezu lächerlich und unrealistisch, zumal der "Schlüssel" nach all der Zeit nicht mehr hätte funktionieren dürfen. Gibt ja so was wie gewisse Prozesse, die das einfach unmöglich machen.

Abgesehen von Nebenfiguren, die keine große Rolle spielten, war mir der gesamte Cast unsympathisch und vor allem ohne Tiefe. Und nicht nur, was die Logik und den Spannungsverlauf angeht, hätte das Lektorat mehr tun müssen, auch bei den Inquits wurde klar, dass am Autorenhandwerk noch gearbeitet werden muss. Alles in allem: nette Idee, aber subobtimal umgesetzt.

Veröffentlicht am 16.03.2023

Coole Chica

Die Hausboot-Detektei - Tödlicher Genuss
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Arie ist ein Ex-Polizist mit einem Hausboot, der nicht gern allein ist. Maddie und Jan haben schon mal für eine Sache vor Gericht gestanden, die ihnen am Herzen lag. Und Jack, der Engländer, hat Elin, ...

Arie ist ein Ex-Polizist mit einem Hausboot, der nicht gern allein ist. Maddie und Jan haben schon mal für eine Sache vor Gericht gestanden, die ihnen am Herzen lag. Und Jack, der Engländer, hat Elin, die Schwedin, angeschleppt. Zu fünft wollen sie eine Detektei gründen, doch die Fälle sind rar. Die meiste Zeit verbringen sie auf dem Boot, füttern ihr Eichhörnchen-Findling und freunden sich an. Dann kommt es zu einem Wettstreit zweier hochrangiger Caterer/Köche und plötzlich gibt es nicht nur einen toten Sommelier, sondern auch noch eine ebenso leblose Chocolatier. Endlich haben die fünf etwas zu tun.

Zugegeben, das Buch ist kurzweilig und teilweise amüsant zu lesen. Die fünf Leute sind äußerst sympathisch und es werden einige soziale Dinge gestreift, die auch heute noch eher unter den Tisch gekehrt werden. Umgang mit behinderten Personen zum Beispiel oder Transgenderpersonen. Aber der Fall/die Fälle haben eher wenig mit wirklicher Ermittlungsarbeit zu tun. Selbst Ms Marple hat mehr geleistet, wenn sie während des Strickens ihre Fälle löste. Im Prinzip wurde entweder von Anfang an verraten, wer wen ermordet hat oder es kam durch Zufall heraus. Auch mit der Logik ist es nicht weit hergewesen. Wieso sollte Arie sich gleich so viele Leute für seine Detektei an Bord holen (im wahrsten Sinne des Wortes!), wenn er noch nicht mal irgendwo eingetragen ist oder auch nur den Hauch einer Chance sieht, dass jemand ihn beauftragt? Um Leute zu treffen, hätte er auch einfach einen Kegelclub gründen können. Und alle arbeiten natürlich erstmal ohne Geld, sie kriegen ja schließlich Arbeitslosenhilfe. Klar.

Jetzt war das Buch auch nicht schlecht geschrieben und mir war das Personal so sympathisch, dass ich nicht abgeneigt wäre, mehr über diese Truppe zu lesen, aber ich erhoffe mir dann schon etwas mehr Raffinesse, was den reinen Krimianteil betrifft.