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Veröffentlicht am 25.08.2023

Komplexer, lehrreicher Roman

Jaffa Road
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„Jaffa Road“ habe ich geschenkt bekommen und war ehrlich gesagt skeptisch, ob dieses Buch etwas für mich ist. Die Thematik sprach mich nicht wirklich an und die knapp 700 eng beschriebenen Seiten schreckten ...

„Jaffa Road“ habe ich geschenkt bekommen und war ehrlich gesagt skeptisch, ob dieses Buch etwas für mich ist. Die Thematik sprach mich nicht wirklich an und die knapp 700 eng beschriebenen Seiten schreckten mich ab. Nach einigen Monaten auf dem SuB habe ich mich nun also an den Roman gewagt – und wurde positiv überrascht.
Der Schreibstil von Daniel Speck liest sich überwiegend angenehm und kurzweilig, manchmal war es mir etwas zu ausschweifend.
Ich hatte keine Vorkenntnisse über den Nahostkonflikt und somit war es interessant und lehrreich für mich, etwas darüber zu erfahren. „Jaffa Road“ ist die Geschichte eines nie endenden Krieges. Eine Geschichte von Gewalt, Verlust und Ungerechtigkeit. Man sitzt oft fassungslos mit dem Buch in der Hand da. Teilweise liest es sich wie ein Schulbuch. Zahlen und Fakten werden knallhart aneinander gereiht. Trotz der vielen Details empfand ich es manchmal schwierig, all diese Zusammenhänge zu verstehen. Die Brutalität und die Ungerechtigkeiten, die diesen Menschen widerfahren, sind schwer auszuhalten und war mir an einigen Stellen zu viel.
Lebendig wird „Jaffa Road“ an Hand der Protagonisten, zu denen ich leicht eine Bindung aufbauen konnte. Nina und Joelle begeben sich auf die Spuren ihres verstorbenen Vaters / Großvaters Moritz. Was sie über sein Leben herausfinden erschüttert sie zutiefst und stellt alles in Frage, was sie zu wissen glaubten.
Die Lebensgeschichte von Moritz und seinen Frauen wird durch Erinnerungen seiner Kinder erzählt, was ich etwas unglücklich gewählt fand.
Dritte Personen, die nicht anwesend / noch nicht einmal geboren waren, als sich bestimmte Ereignisse zutrugen, können niemals dermaßen detailreich erzählen, wenn sie Sachverhalten nur vom Hörensagen kennen.
Aufgrund der vielen Charaktere und Orte sowie Moritz Eigenart, sich immer wieder neu zu erfinden, ist die Handlung wirklich sehr komplex und erfordert einiges an Konzentration.
„Jaffa Road“ ist eine Fortsetzung von „Picola Sicilia“. Man kann beide Bücher getrennt lesen, wenn man vor hat, beide zu lesen, sollte man allerdings die Reihenfolge einhalten, da „Picola Sicilia“ in Band 2 stark gespoilert wird.

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Veröffentlicht am 20.08.2023

Antworten im Fall Lilli

Der Strand: Vergessen
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Im Finale von ihrer „Der Strand“ Trilogie bekommt der Leser endlich Antworten, was mit Lilli passiert ist. Die Autorin begeistert mit einer überraschenden Auflösung. Insbesondere Teil 2 und Teil 3 haben ...

Im Finale von ihrer „Der Strand“ Trilogie bekommt der Leser endlich Antworten, was mit Lilli passiert ist. Die Autorin begeistert mit einer überraschenden Auflösung. Insbesondere Teil 2 und Teil 3 haben mich gefesselt und überzeugt. Der Fall bzw. die Fälle sind komplex und die Täter sind nicht einfach nur Bösewichte. Immer wieder kommt es zu einer Verkettung von Tragödien, was den Auslöser für weitere Straftaten gibt.
Karen Sander war mir vor „Der Strand“ nicht bekannt. Mir hat gefallen, wie sie ihre Charaktere ausarbeitet, so dass der Leser eine Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Insbesondere Mascha ist ein Person, mit der ich mich gerne anfreunden würde.
Tom und Mascha geben ein tolles Team ab, sowohl beruflich, als auch privat.

Ich stehe dem Konzept, einen Fall auf drei Bücher aufzuteilen, noch immer skeptisch gegenüber. Man kann die Bücher nicht einzeln lesen und irgendwie empfinde ich dies als Geldmacherei. Zumal man auch einfach einen dicken oder wegen mir zwei Bände hätte daraus machen können, wenn man auf die vielen Leerseiten und den großen Zeilenabstand verzichtet hätte.
Beim ersten Teil war ich mir noch sicher, dass ich keine weiteren Reihen lesen möchte, die so aufgebaut sind. Da ich im Verlauf der Geschichte Mascha, Tom und seine Tochter Romy sehr ins Herz geschlossen habe und wissen möchte, wie es bei ihnen weitergeht, werde ich die nächste Trilogie „Der Sturm“ doch lesen (allerdings erste, wenn alle Bände erschienen sind).
Hoffentlich spielt dann auch Maschas Beruf Kryptologin eine größere Rolle.

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Veröffentlicht am 01.07.2023

Voller Tragik und Skrupellosigkeit

Das Unrecht
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Jetzt bin ich wieder up-to-date und habe allen Ellen Sandberg Bücher gelesen. Bei den letzten beiden Romanen hatte ich bemängelt, dass die Geschichten immer ähnliche Elemente haben. Dies war bei „Das Unrecht“ ...

Jetzt bin ich wieder up-to-date und habe allen Ellen Sandberg Bücher gelesen. Bei den letzten beiden Romanen hatte ich bemängelt, dass die Geschichten immer ähnliche Elemente haben. Dies war bei „Das Unrecht“ zum Glück überhaupt nicht der Fall!
Für mich war es ein richtiges Ellen Sandberg Highlight. Die Handlung ist sehr dramatisch und ging mir beim Lesen unter die Haut.

Die Hauptfigur Annett wagt 1988 mit ihrem damaligen Freund einen Fluchtversuch aus der DDR, der leider gehörig schief ging.
In der Gegenwart lebt Annett mit ihrem Mann in Bamberg, hat zwei erwachsene Kinder und führt mehr oder weniger ein zufriedenes Leben.
Ihre Erlebnisse von damals lassen sie allerdings bis heute nicht los, vor allem die Frage wer ihre Fluchtpläne verraten hat belasten sie.
Als Annett zu recherchieren beginnt, stürzt ihr Leben ein wie ein Kartenhaus.

Ich habe zwar schon recht früh geahnt, wer der Verräter ist, trotzdem war ich gemeinsam mit Annett über jede Enthüllung und Lüge schockiert. Die Rückblicke in die Vergangenheit sowie die Beschreibungen der Untersuchungshaft und der Verhörmethoden lassen glaube ich keinen Leser kalt.

Lange Zeit war ich überzeugt, dass ich „Das Unrecht“ mit 5 Sternen bewerten werde. Gegen Ende wurde mir die Entwicklung der Geschichte allerdings etwas zu bunt und ich wunderte mich, wie ein Mensch, der 30 Jahre recht normal wirkte, plötzlich komplett wahnsinnig werden kann.
Den Schluss kann man nicht anders als krass beschreiben, da hat man schon etwas Gänsehaut bekommen und auch eine leichte Übelkeit. Ellen Sandberg beweist mit dem Finale in jeden Fall Mut und überrascht mit einem ungewöhnlichen Ende.
Alles in allem eine wirklich heftige Geschichte, voller Tragik und Skrupellosigkeit.
Ein kleiner Bonus für mich war, dass ich ebenfalls aus Oberfranken komme und die Gegend in und um Bamberg kenne und mir somit die Szenerie sehr gut vorstellen konnte.

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Veröffentlicht am 23.06.2023

Etwas schlechter als Band 1 und 2

Dunkelwald
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Nachdem mich die ersten beiden Teile der Hanna Duncker Reihe komplett begeistert haben, erwartete ich mit großer Vorfreude das neue Buch von Johanna Mo. „Dunkelwald“ war im Großen und Ganzen ein solider ...

Nachdem mich die ersten beiden Teile der Hanna Duncker Reihe komplett begeistert haben, erwartete ich mit großer Vorfreude das neue Buch von Johanna Mo. „Dunkelwald“ war im Großen und Ganzen ein solider Krimi, jedoch leider etwas schlechter als die beiden Vorgänger.
Ich fand den dritten Teil thematisch recht überladen. Neben Hannas privaten Ermittlungen um ihren Vater arbeitet sie mit ihren Kollegen an einem Cold Case.

Vor 20 Jahren ist Mikael spurlos verschwunden. Da er eine Reise geplant hatte, wurde vermutet, dass er sich ins Ausland abgesetzt hat. Nun wurde sein Skelett gefunden und die Schulfreunde von damals geraten ins Visier der Polizei.
Die Geschichte ist gespickt, mit sehr vielen Personen und Namen. Neben den Freunden sind die Familie des Mordopfers, Lehrer und andere Wegbegleiter wiederkehrende Charaktere.
Trotz vieler Figuren, Gesprächen und Rückblenden ist „Dunkelwald“ ein Krimi von der eher ruhigen Sorte. Es haut einen vor Spannung nicht um, aber interessant ist die Handlung auf jeden Fall.
Eine kleine Runde von Verdächtigen hatte sich schon ab der Hälfte für mich herauskristallisiert. Mit der Auflösung des konkreten Tathergangs gelang es der Autorin trotzdem mich zu überraschen.

Was Hannas Ermittlung hinsichtlich dem Kriminalfall, in den ihre Familie verwickelt ist angeht, habe ich das Gefühl, dass wir uns im Schneckentempo vorwärts bewegen. Die ganze Sache nimmt viel Raum in Hannas Denken ein, aber es ist in jedem Buch nur ein Brosamen an neuen Informationen, der hinzukommt. Dabei geht es hier ja um keine Bagatelle sondern um Mord, einen Justizirrtum und einen Täter, der vor nichts zurückschreckt. Schließlich wurde Hanna bei einem Brandanschlag fast getötet. Für diese Schwere läuft das Ganze viel zu sehr nebenbei. Ich weiß auch nicht, wie lange es sich noch hinziehen soll, erwartet hatte ich nämlich einen deutlichen Fortschritt in Band drei.
Auch wenn mich „Dunkelwald“ nicht so begeistert hat wie „Nachttod“ und „Finsterhaus“, habe ich es trotzdem gerne gelesen und bin gespannt auf Band 4, insbesondere, da es natürlich mit einem ordentlichen Cliffhanger geendet hat.

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Veröffentlicht am 10.06.2023

Bildgewaltig

So weit der Fluss uns trägt
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Wunderbar bildgewaltig zeichnet Shelley Read ein Bild von Colorado zwischen 1948 und 1971. Obwohl es natürlich deutlich später spielt, lösen die beschriebenen Szenarien manchmal „Unsere kleine Farm“ Vibes ...

Wunderbar bildgewaltig zeichnet Shelley Read ein Bild von Colorado zwischen 1948 und 1971. Obwohl es natürlich deutlich später spielt, lösen die beschriebenen Szenarien manchmal „Unsere kleine Farm“ Vibes in mir aus. Staubige Straßen, Farmen, Einöden... die Schauplätze werden zum Greifen nah beschrieben und ich konnte mir alles, inklusive der Hitzesommer oder der kalten Winter originalgetreu vorstellen.
Die Charaktere in diesem Roman leben in Einklang mit der Natur und ich denke, dass die Autorin selbst viel Zeit im Wald verbringt, denn die Beschreibungen von Flora und Fauna sind ihr außerordentlich gut gelungen. Teilweise kam es mir so vor, als würde ich die Rehe mit eigenen Augen sehen und den Duft der Pfirsiche riechen.
Die Hauptfigur der Geschichte ist Victoria, die zu Beginn 17 Jahre alt ist. Nach dem Unfalltod ihrer Mutter und weiteren Familienangehörigen lebt sie ein freudloses Leben mit ihrem Vater, ihrem niederträchtigen Bruder Seth und ihrem kriegsversehrten Onkel Og. Harte körperliche Arbeit auf der Pfirsichfarm prägt ihren Alltag. Als sie sich in den Jungen Wilson Moon verliebt, fühlt sie sich zum ersten Mal wie der Teenager, der sie eigentlich ist. Doch Wil ist ein Ausgestoßener und eine Tragödie, die noch jahrelang ihre Schatten voraus wirft, nimmt ihren Lauf.

„So weit der Fluss uns trägt“ ist ist vor allem eins, nämlich trist. Nach dem Klappentext hatte ich mir in irgendeiner Form eine Liebesgeschichte vorgestellt, aber tatsächlich ist die Geschichte fast durchgängig düster.
Victorias Leben ist geprägt von Verlust (Menschen, Heimat, Tiere...) und einem konstanten Kampf ums Überleben. Sie ist eine Einzelgängerin, die wenig Kontakt zu anderen Menschen hat. Deswegen wird in diesem Buch phasenweise sehr wenig gesprochen. Man ist als Leser sehr nah an Victorias Gedanken und inneren Monologen dran und sieht die Welt mit ihren Augen. Ich mochte sie gerne und es war interessant zu beobachten, wie sie über die Jahre immer stärker wird und vom jungen, hilflosen Mädchen zu einer erfolgreichen Farmerin wird.
Obwohl mir die Atmosphäre des Romans wirklich gut gefallen hat, empfand ich die Geschichte teilweise als zu ruhig. Die Kapitel sind lang und manchmal passiert über mehrere Seiten nicht wirklich viel.
Ich habe „So weit der Fluss uns trägt“ gerne gelesen, da Shelley Read eine sehr talentierte Schriftstellerin ist. Neben ihren wunderbaren Naturbeschreibungen gelingt es ihr auch sehr gut, Emotionen zu transportieren. Auf den letzten Seiten hat mich der Roman sehr berührt und mir war ein wenig nach weinen zumute.
Auf dem Klappentext wird damit geworben, dass 2023 jeder über dieses Buch sprechen würde. Deswegen hatte ich eine ziemlich große Erwartungshaltung und je näher ich dem Ende kam, desto mehr fragte ich mich, wann denn nun etwas Außergewöhnliches passieren wird. Antwort: nie.
Es ist keine Zeitverschwendung das Buch zu lesen, es ist, wie bereits erwähnt, wirklich gut geschrieben, teilweise fast poetisch. Aber die Geschichte hat nichts, was mir länger in Erinnerung bleiben wird oder weswegen es in aller Munde sein könnte. Es ist sogar so, dass man etwas Ausdauer mitbringen sollte, insbesondere für den recht ruhigen Mittelteil.

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