Nicht nur über die Mütter und Frauen - zum Nachdenken
Sehr geehrte Frau MinisterinAuf der Rückseite des Buchcovers ist der folgende Satz zu lesen:
„Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern.“
Mein Interesse an dem Roman wurde ...
Auf der Rückseite des Buchcovers ist der folgende Satz zu lesen:
„Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern.“
Mein Interesse an dem Roman wurde sofort geweckt. Ich wollte mehr darüber lesen, über das Gelesene nachdenken und mit den eigenen Erfahrungen als Mutter vergleichen.
In dem Roman gibt es eigentlich nur zwei solche Beziehungen, davon nur eine, die in der Gegenwart spielt.
Über Philipp, den Sohn von Eva Patarak, lese ich im ersten Teil des Buches, mit dem Titel „Eva“. Philipp hat sein Studium abgebrochen, lebt auf Kosten seiner Mutter, die als Verkäuferin in einem Kräuterladen angestellt ist. Der arbeitslose Sohn verbringt ganze Tage vor dem PC in seinem Zimmer. Er hat keine Zeit für seine Mutter und will nicht mit ihr sprechen.
Gleichzeitig lenkt die Autorin die Aufmerksamkeit des Lesers auf einen anderen Sohn und seine Mutter. Es sind der römische Kaiser Nero und seine Mutter Agrippina, beide kommen in dieses Buch aus der Antike. Agrippina spielte eine bedeutende Rolle in dem Römischen Reich, verhalf ihrem Sohn Nero an die Macht zu kommen, und hat zum Schluss einen hohen Preis dafür bezahlt.
In dem zweiten Teil mit dem Titel „ab ovo“ übernimmt die Rolle der Hauptfigur die Altphilologin Silke Aschauer, eine Latein-Lehrerin, die sich stark für Tacitus „Annalen“ interessiert. Silke kann aufgrund seiner schweren Krankheit keine Kinder bekommen. Womöglich deswegen interessiert sie sich brennend für das Leben von Mutter und Sohn Patarak und, wie Eva Patarak behauptet, spioniert sie die beiden aus.
In dem drittel Teil „als ob“ wurde der arbeitsreiche Tag der Justizministerin geschildert, über ihren steilen Karriereweg und über ihre Familie gesprochen. Der Mann der Justizministerin, ihre Tochter und Sohn freuten sich jedes Mal auf einen gemeinsamen Tag mit der Frau und Mutter.
So viel zu dem literarischen Inhalt des Buches, das von seinem Leser höchste Konzentration verlangt. Denn die Geschichten wurden weder chronologisch noch linear erzählt. Das mehrsträngige Erzählen, in dem ein ständiger Wechsel zwischen Personen und den Zeitebenen stattfindet, macht diese anspruchsvolle Lektüre nicht gerade leseleicht.
Dabei geht es in dem Buch nicht nur um verhängnisvolle Mütter-Sohn-Beziehungen. Drei unterschiedliche Frauenschicksale in der Gegenwart, realistisch dargestellt, machen auf die Rechte der Frau in unserer Gesellschaft aufmerksam.
Die Autorin spricht viele brisante politische Themen an, erwähnt Probleme, die von der Antike bis aktuell existieren. Es sind Probleme, die uns alle beschäftigen und die gelöst werden wollen. Ein Buch mit solch brisanten Thematik dürfte m. E. nicht nur dem ausgewählten Kreis der Liebhaber des „schweren Kosten“ zugänglich sein, es sollte auch gerne und mit größtem Interesse von allen Lesern gelesen werden.
Ich fand das Buch interessant, aber insgesamt sehr schwer zu lesen. Der anspruchsvolle Schreibstil empfand ich an vielen Stellen des Buches als zu kompliziert. Auch der Wechsel zwischen den Personen und Zeitebenen war sehr oft verwirrend.
Fazit: interessant, jedoch schwer zugänglich.