Profilbild von carola1475

carola1475

Lesejury Star
offline

carola1475 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit carola1475 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2023

Zweifel und Geheimnisse

Frau Morgenstern und der Abgrund
0

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin, und der Ex-Söldner Miguel Schlunegger leben immer noch im Untergrund, verstecken sich vor ihrem früheren Arbeitgeber, dem Tell-Ministerium, und verdienen ihren ...

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin, und der Ex-Söldner Miguel Schlunegger leben immer noch im Untergrund, verstecken sich vor ihrem früheren Arbeitgeber, dem Tell-Ministerium, und verdienen ihren Lebensunterhalt mit Auftragsmorden.
Wobei Violetta diesmal im ersten Fall doch Zweifel kommen hinsichtlich einer Liquidation und auch gesundheitliche Zipperlein machen ihr zu schaffen. Sie hadert mit dem Altwerden. Ihrem Partner Miguel sagt sie aber nichts davon, der ihr seinerseits auch nicht erzählt, was ihm schlaflose Nächte verursacht.
Gemeinsam recherchieren die Beiden pro bono zu einem Mord, dessen Spuren zurück in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts führen. Hierbei glänzt die kreative Frau Morgenstern ausgesprochen bewundernswert wieder durch ihre genaue Beobachtungsgabe und grandiose Schlussfolgerungen, und die irre Geschichte entwickelt sich zum spannenden Krimi.

Wie auch in den Vorgängerbänden um Frau Morgenstern und Miguel Schlunegger ist die Figurenzeichnung bei aller Skurrilität glaubhaft, die Protagonisten sind ausgesprochen menschlich. Marcel Huwyler unterhält mit schwarzem Humor, absurden Einfällen und äußerst bildhaften witzigen Vergleichen und amüsanten, sprachgewandten Wortspielen und -Neuschöpfungen. Die oft spöttischen Sticheleien und schlagfertigen Dialoge zwischen Violetta und Miguel sind einfalls- und geistreich, lustig und machen das Lesen zum großen Vergnügen. Schweizerdeutsche Ausdrücke sorgen für Lokalkolorit und mir unbekannte Wörter verstehe ich in ihrem Zusammenhang.
Dieser fünfte Band ist unabhängig von den Vorgängern lesbar, trotzdem empfehle ich, auch andere Band der Reihe gelesen zu haben, um die Hintergründe und die Entwicklung der beiden sympathischen, doch eigenwilligen Protagonisten besser verstehen und nachvollziehen zu können, vom bisher entgangenen Lesespaß ganz zu schweigen.

Mir hat die Geschichte wieder sehr gut gefallen - bis auf das Ende, das mich mit vielen Fragen und großer Ungeduld auf den nächsten Band warten lässt.

Veröffentlicht am 07.10.2023

Eine berührende Geschichte vom Sterben und vom Leben

Die Löffelliste
0

Die Pflegefachfrau Karin Kaufmann ist an einem Tiefpunkt angekommen und will ihrem Leben ein Ende setzen. Auf dem Dach des Krankenhauses trifft sie allerdings auf den todkranken Reto Rösti, der dort immer ...

Die Pflegefachfrau Karin Kaufmann ist an einem Tiefpunkt angekommen und will ihrem Leben ein Ende setzen. Auf dem Dach des Krankenhauses trifft sie allerdings auf den todkranken Reto Rösti, der dort immer noch regelmäßig raucht. Die Beiden kommen ins Gespräch und beschließen, sich gemeinsam davon zu machen, zuerst einmal nach Sankt Moritz. Dort erstellt Reto eine Liste mit Dingen, die er vom geliebten Ort aus noch unternehmen will, bevor er 'den Löffel abgibt'.

Erzählt wird aus Karins Ich-Perspektive, wodurch ich der Protagonistin sehr nah kommen und ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen konnte. Blanca Imboden zeichnet die Protagonisten glaubwürdig und authentisch und vermittelt nicht nur beim Abarbeiten der Löffelliste auch viel Wissenswertes und Überraschendes über St. Moritz, so dass ich der Geschichte ganz gebannt gefolgt bin. Die Autorin hat einen Monat als Writer in Residence in Sankt Moritz verbracht und u.a. der reale Gemeindepräsident Christian Jott Jenny spielt im Roman eine Rolle, was ich ungewöhnlich finde. Der Schreibstil ist eingängig, sehr angenehm zu lesen, die Erzählung um die allmähliche Genesung von Karins Seele einerseits und Retos nahenden Tod andererseits ist mit scheinbarer Leichtigkeit gleichzeitig ernst, humorvoll und berührend. Die bildhaften Beschreibungen Graubündens und des Engadins machen Lust auf eine Reise nach St. Moritz.
Es werden auch gesellschaftliche Themen angesprochen wie der Pflegenotstand oder die schwierige Lage von Einheimischen in einem teuren und beliebten Nobel-Urlaubsort.

'Die Löffelliste' zeigt, wie wichtig Freunde sind, trifft auch an traurigen Stellen immer den richtigen Ton, spendet Trost und macht Mut. Sehr gut passt auch das freundliche gelbe Cover zur Geschichte. Raffaels Putten machen neugierig auf den Zusammenhang mit St. Moritz und der „erledigt“-Haken statt eines i-Punkts beim Titel ist ein schöner, augenzwinkernder Einfall.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen und vergebe 4,5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.09.2023

Wolf Haas ganz persönlich

Eigentum
0

Wolf Haas schreibt über seine Mutter, eine Frau, die sich selbst als ewiges Opfer sah, wenn sie erzählte. Sie wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, sie starb mit fast 95 und Haas schildert ihr Leben. ...

Wolf Haas schreibt über seine Mutter, eine Frau, die sich selbst als ewiges Opfer sah, wenn sie erzählte. Sie wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, sie starb mit fast 95 und Haas schildert ihr Leben. Erzählungen aus ihrer Perspektive, authentisch und im ihr eigenen Sprachstil wiedergegeben, die er abwechselnd mit seinen eigenen, oft assoziativen Überlegungen und Kommentaren niederschreibt, auch mit der Angst im Hinterkopf, die Erinnerungen der Mutter nie mehr loswerden zu können. Zu oft hat sich ihm die rhetorische Trias eingeprägt, die die Mutter meisterlich beherrschte. Trotz Arbeit, Arbeit, Arbeit und sparen, sparen, sparen blieb ihr der Erwerb von Eigentum verwehrt, ihr lebenslanger großer Kummer.
Haas verbringt während der letzten drei Tage seiner Mutter viel Zeit bei ihr im Pflegeheim und trotz ihrer Demenz gelingt es ihm immer wieder, zu ihr durchzudringen. Seine Erzählung zeugt von Respekt und Liebe, ist aber auch eine Auseinandersetzung mit der Kindheit als Sohn dieser Mutter. Haas reflektiert seine Prägung, sein Tun, sein Leben, arbeitet sich an der Mutter ab, erzählt auch von seinen eigenen Erinnerungen. Dabei schreibt er feinsinnig humorvoll, bewegend, mit scheinbarer Leichtigkeit, pointiert und lässt teilhaben am Leben der Marianne Haas, das sicherlich dem Leben vieler Menschen ihrer Generation ähnelt, wie Geschichten aus meiner eigenen Familie vermuten lassen.

Das Cover ist außergewöhnlich, es sieht aus wie gebrauchtes Packpapier mit einem auffälligen Stempel und passt perfekt zum Buch. Unter dem Schutzumschlag kommt überraschend die Zeichnung eines alten Handys zum Vorschein, dessen Bedeutung für den Autor am Ende des Romans klar wird und mich abschließend berührt. 'Eigentum' zeigt eine sehr persönliche Seite des Autors, die ich gern kennengelernt habe.

Veröffentlicht am 21.09.2023

Spannende Zeitreise-Science-Fiction

Time Shifters
0

Time Shifters sind Zeitreise-Agenten, die 24 Stunden zurück reisen können, um Katastrophen abzuwenden. Micaela ist eine dieser Agenten und soll die Explosion einer Bombe an einer Schule in Bologna verhindern.

Erzählt ...

Time Shifters sind Zeitreise-Agenten, die 24 Stunden zurück reisen können, um Katastrophen abzuwenden. Micaela ist eine dieser Agenten und soll die Explosion einer Bombe an einer Schule in Bologna verhindern.

Erzählt wird kapitelweise aus verschiedenen Perspektiven und abwechselnd vor und nach „Stunde Null“, das ist der Explosionszeitpunkt. Durch klare Zeitangaben als Kapitelüberschrift fiel es mir leicht, den Überblick zu behalten. Die technischen Details der Zeitreise und ihre physischen Auswirkungen auf den Agenten werden anschaulich beschrieben, auch unter diesem Aspekt hat mir Micaela am meisten imponiert.
Die beiden jugendlichen Protagonisten sind glaubhaft beschrieben, Rons und besonders Enricos Sorgen, Probleme und Gefühle empfinde ich als authentisch und ich habe mich über die Entwicklung gefreut, die die Jungen im Lauf der Geschichte erleben. Nähe konnte ich zu keiner Figur aufbauen, was vielleicht an den häufigen Perspektivwechseln liegt oder an der Tatsache, dass ich viel älter als die Zielgruppe bin.
Andere Charaktere tragen zur Spannung bei, indem ich ihre Rolle und Bedeutung lange nicht bestimmen konnte. Viel Action und überraschenden Wendungen machen Davide Morosinottos Jugendbuch zum kurzweiligen und spannenden Lesevergnügen, sein klarer Schreibstil ist lebendig, bildhaft und angenehm zu lesen. Die Erzählebenen werden am Ende schlüssig und ohne Logiklöcher zusammengeführt.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich sagen, dass das eher dunkel gestaltete Cover mit der einsamen Figur gut zum Thema passt. Mir hat 'Time Shifters' sehr gut gefallen und ich empfehle das Buch nicht nur jugendlichen, sondern allen Lesern, die sich für Zeitreisen interessieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.08.2023

Großartige Möglichkeiten oder erschreckende Horrorvorstellung?

KRYO – Die Verheißung
0

Im neuen Thriller von Petra Ivanov geht es um die Optimierung des Menschen durch den Einsatz verschiedener technologischer Verfahren wie den Einsatz von KI, Kryotechnologie, Stammzellentherapie, Transfusionen ...

Im neuen Thriller von Petra Ivanov geht es um die Optimierung des Menschen durch den Einsatz verschiedener technologischer Verfahren wie den Einsatz von KI, Kryotechnologie, Stammzellentherapie, Transfusionen des Blutplasmas junger Menschen, digitale Bewusstseinsspeicherung.
Schon der Prolog ist spannend und wirft viele Fragen auf. Verschiedene Erzählperspektiven und Handlungsstränge sind zu Beginn verwirrend, da der Zusammenhang nicht offensichtlich ist, sondern sich erst im Verlauf der Geschichte zeigt. Das Personenverzeichnis zu Anfang des Buchs erweist sich als hilfreich.
Michael, Arzt und Journalist, ist bei den Recherchen zum Thema Transhumanismus spurlos verschwunden und seine Mutter Julia, die selbst ein belastendes Geheimnis hat, begibt sich auf die gefährliche Suche nach ihm. Julia beweist Einfallsreichtum, Schauspieltalent und Kombinationsstärke, als sie Michaels Spuren folgt und immer mehr über die gewinnträchtigen Geschäfte der Zukunft herausfindet.
Die Figurenzeichnung ist gelungen, die Charaktere authentisch, auch die verschiedenen Schauplätze werden atmosphärisch beschrieben. Petra Ivanovs Schreibstil ist klar, angenehm zu lesen und fesselnd. Die Geschichte ist komplex und intelligent konzipiert, hat ein hohes Erzähltempo, überraschende Wendungen und bleibt auf hohem Niveau durchgehend spannend. Die wissenschaftlichen Hintergründe sind sehr gut recherchiert und verständlich erklärt. Die Interviews, die Michael führt, erscheinen mir wie eine Diskussion über die Vor- und Nachteile des Transhumanismus und lassen mich über meine eigene Meinung zur den verschiedenen Aspekten der Verbesserung des Menschen nachdenken.
Das Cover zeigt einen Eisblock, der mit seinen Einschlüssen etwas rätselhaft wirkt. Autorenname oben und Verlag unten in rot, Titel und Untertitel in schwarz-weiß, mir gefallen Layout und die Kombination besonders der Farben.
'Kryo – Die Verheißung' hat mich gut unterhalten, und einige offene Fragen am Ende des Thrillers lassen mich gespannt auf den 2. Band der Trilogie warten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere