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Veröffentlicht am 10.12.2023

Berlin in den goldenen 20er Jahren

Lindy Girls
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Im Zentrum des Romans stehen Choreographin Wally Kaluza und ihre Lindy Girls, ein bunt zusammengewürfelter Haufen junger Frauen, die die Leidenschaft für moderne Tänze, wie sie aus Amerika nach Deutschland ...

Im Zentrum des Romans stehen Choreographin Wally Kaluza und ihre Lindy Girls, ein bunt zusammengewürfelter Haufen junger Frauen, die die Leidenschaft für moderne Tänze, wie sie aus Amerika nach Deutschland kommen, verbindet. Der Geschichte spielt im Berlin der goldenen 20er Jahre, als es nach dem Ersten Weltkrieg langsam aufwärts geht, aber auch die Nationalsozialisten schon langsam beginnen, ihr Unwesen zu treiben.

Die jungen Tänzerinnen kommen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Thea, die durch eine Erkrankung eine Gehbehinderung hat, die man beim Tanzen aber nicht bemerkt, ist aus ihrem wohlhabenden Elternhaus ausgebrochen, Alice trägt die Verantwortung für ihren minderjährigen Bruder und Gila, die selbst nicht tanzt, aber in enger Verbindung zu der Truppe steht, möchte Schriftstellerin sein und nicht nur Tippfräulein bei einer Zeitung.

So hat Anne Stern die Stimmung und die Lebensumstände dieser spannenden Zeit in Berlin sehr gut eingefangen und gezeigt, wie vielfältig die Leben der, sich langsam emanzipierenden, Frauen damals waren, dass die Männer aber dennoch in vielfacher Hinsicht dominiert haben und die Frauen mit allen möglichen Problemen zu kämpfen hatten. Auch das Elend abseits des Glamours auf den Bühnen und in den Nachtclubs kommt nicht zu kurz. Der Schreibstil der Autorin war gewohnt gut lesbar und anschaulich. Die Covergestaltung passt ebenfalls sehr gut zur Thematik des Romans.

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Veröffentlicht am 08.12.2023

Selbstjustiz?

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Der neueste Fall beschäftigt Pia Sander und Oliver von Bodenstein mit dem Mord an einer Schülerin, die nachts erdrosselt und hinter einem Marienaltar in der Nähe ihres Elterhauses abgelegt wurde. An ihrer ...

Der neueste Fall beschäftigt Pia Sander und Oliver von Bodenstein mit dem Mord an einer Schülerin, die nachts erdrosselt und hinter einem Marienaltar in der Nähe ihres Elterhauses abgelegt wurde. An ihrer Kleidung finden sich unter anderem DNA-Spuren eines jungen Asylbewerbers, der schon einmal für ein Sexualdelikt verurteilt und gerade aus der Haft entlassen wurde. Da dieser in seiner Unterkunft nicht anzutreffen ist, wird öffentlich nach ihm gefahndet, was direkt wieder einen Teil der Bevölkerung gegen Flüchtlinge aufbringt. Zudem wird kurz darauf die übel mit Bisswunden zugerichtete Leiche eines Mannes gefunden, der ebenfalls frisch aus der Haft entlassen war, nachdem er bei einem illegalen Autorennen eine schwangere Frau totgefahren hatte.

Ich fand diesen Kriminalroman sehr spannend, es deutete sich zwar relativ bald an, was hinter dem Tod des Mannes steckt, bezüglich der Schülerin gab es aber immer wieder falsche Fährten und erst ganz am Ende kam es zur Aufklärung des Falles. Auch das Privatleben der Ermittler:innen, insbesondere von Pia Sander, spielt eine gewisse Rolle, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Gut fand ich auch die aktuellen Bezüge mit der aufgeheizten Stimmung Flüchtlingen gegenüber. Der Schreibstil der Autorin war gewohnt gut lesbar und so anschaulich, dass man sich gut an die Orte des Geschehens versetzen konnte.

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Veröffentlicht am 30.11.2023

Blick hinter die Fassaden

Am Ende des Tages werden wir glücklich sein
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Im Mittelpunkt von Patricia Külls Roman steht eine moderne, ökologische Wohnanlage für Gutsituierte am Stadtrand mit ihren Bewohner:innen. Auf den ersten Blick sind alle zu beneiden, aber nach und nach ...

Im Mittelpunkt von Patricia Külls Roman steht eine moderne, ökologische Wohnanlage für Gutsituierte am Stadtrand mit ihren Bewohner:innen. Auf den ersten Blick sind alle zu beneiden, aber nach und nach kommt immer mehr ans Tageslicht, das die heile Welt trübt. Und so hegen einige insgeheim den Wunsch nach Veränderung, trauen sich aber noch nicht so recht, diesen Schritt auch wirklich zu gehen und alle Konsequenzen zu tragen.

Mir hat die Gestaltung des Romans sehr gut gefallen. Der Schreibstil ist frisch und modern, gleich zu Beginn wurde ich erst einmal überrascht. Nach und nach erfährt man dann immer ein bisschen mehr über einzelne Personen und ihre Geschichte und erkennt sich und sein eigenes Verhalten auch teilweise in ihnen wieder und erhält so auch selbst Denkanstöße. Nicht alle Protagonist:innen kommen sympathisch rüber, aber so ist das ja auch in echten Nachbarschaften. Die Covergestaltung hätte für meinen Geschmack etwas mehr Bezug zur Handlung aufweisen können, die gewählten Bilder wirken eher nichtssagend. Die Geschichte ist aber auf jeden Fall sehr lesenswert und manche Handlungsstränge würden sich auch für eine Fortsetzung anbieten.

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Veröffentlicht am 26.11.2023

Der Mörder ist unter uns

Mord im Christmas Express
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Die mit 49 Jahren gerade freiwillig in den Ruhestand gegangene Ex-Kommissarin Ross will mit dem Nachtzug von London in die schottischen Highlands, wo ihre Tochter vorzeitig in den Wehen liegt. Ihre bunt ...

Die mit 49 Jahren gerade freiwillig in den Ruhestand gegangene Ex-Kommissarin Ross will mit dem Nachtzug von London in die schottischen Highlands, wo ihre Tochter vorzeitig in den Wehen liegt. Ihre bunt zusammengewürfelten Mitreisenden in der Ersten Klasse wollen größtenteils zum weihnachtlichen Familienbesuch, das geben sie zumindest vor. Das Schneechaos sorgt dann allerdings dafür, dass der Zug mitten auf freier Strecke, fernab jeder Zivilisation entgleist und dann gibt es auch noch Tote, sodass Ross wohl oder übel zurück in ihre alte Rolle schlüpfen muss, um Spuren zu sichern und den Mörder aufzuhalten.

Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Atmosphäre im edlen Nachtzug und in den winterlichen Highlands, wo dieser schließlich strandet, einzufangen und auch die Charaktere der verschiedensten Mitreisenden gestaltete sie sehr überzeugend und auch die persönliche Geschichte von Ross spielt immer wieder eine Rolle. Etwas verwirrt haben mich manchmal nur die vielen verschiedenen Namen, da musste ich mich teilweise erstmal wieder orientieren, wer nun genau wer ist. Was und wer genau hinter den Morden steckte, blieb lange spannend, da immer wieder falsche Fährten gelegt wurden. Somit handelt es sich um einen empfehlenswerten Krimi für die (Vor-) Weihnachtszeit und/oder eine lange Zugfahrt.

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Veröffentlicht am 19.11.2023

Gegen alle Regeln

Im nächsten Jahr zur selben Zeit
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Der neueste Roman von Jana Voosen spielt in Hamburg zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1940. Anni ist die Tochter eines Süßwarenfabrikanten und möchte sehr gerne ins Familienunternehmen einsteigen, ...

Der neueste Roman von Jana Voosen spielt in Hamburg zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, im Jahr 1940. Anni ist die Tochter eines Süßwarenfabrikanten und möchte sehr gerne ins Familienunternehmen einsteigen, während ihr Vater möchte, dass sie einen Parteifreund heiratet, damit dieser später die Fabrik übernehmen kann, da sie ja nur eine Frau ist. Irgendwann bekommt Anni mit, dass die polnischen Fremdarbeiter in der Fabrik nicht gut behandelt werden und lernt den jungen Polen Pawel kennen, in den sie sich verliebt, was beide in Lebensgefahr bringt.

Mich hat die Geschichte sehr gefesselt und ihr genauer Ausgang war bis zum Schluss nicht wirklich vorhersehbar. Anni war mir mit ihrer Art sehr sympathisch und ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und mit ihr fühlen. Jana Voosen ist es sehr gut gelungen, die Umstände in dieser schlimmen Zeit sehr eindrucksvoll zu schildern. Der Schreibstil war gut nachvollziehbar und anschaulich. Ich freue mich schon auf das nächste Buch der Autorin.

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