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Veröffentlicht am 14.03.2024

Jostein Gaarders philosophischer Klassiker als Graphic Novel!

Sofies Welt oder die Geschichte der Philosophie - Bis heute
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Josteins Gaarders Roman "Sofies Welt" habe ich vor inzwischen etwa 25 Jahren gelesen. Damals ging ich noch zur Schule. Jetzt – viele Jahre später – ist beim Carl Hanser Verlag die Übersetzung der französisch-sprachigen ...

Josteins Gaarders Roman "Sofies Welt" habe ich vor inzwischen etwa 25 Jahren gelesen. Damals ging ich noch zur Schule. Jetzt – viele Jahre später – ist beim Carl Hanser Verlag die Übersetzung der französisch-sprachigen Graphic Novel in zwei Teilen erschienen: "Sofies Welt oder die Geschichte der Philosophie – Von den Anfängen" und "Sofies Welt oder die Geschichte der Philosophie – Bis heute". Es war schon spannend, meine eingerosteten Gehirnzellen nochmals mit den verschiedenen Denkern und Epochen der Philosophie zu bemühen, mit Sofie durch die Zeit zu reisen und dabei aktuelle Probleme – wie die Gleichberechtigung von Frauen und die Klimakrise – nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Autoren, die Illustratoren und die Übersetzerin:

Jostein Gaarder (geboren 1952) studierte Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaften. Er arbeitete als Philosophielehrer und lebt inzwischen als freier Autor in Oslo. Sofies Welt (1993) wurde in über 50 Sprachen übersetzt. Weitere Bücher von ihm sind Das Kartengeheimnis (1995), Das Orangenmädchen (2003), Noras Welt (2013) oder Ist es nicht ein Wunder, dass es uns gibt? Eine Lebensphilosophie (2023)
Vincent Zabus (geboren 1971) ist ein belgischer Autor von Comicbüchern und Theaterstücken. Er studierte Literaturwissenschaft und arbeitete eine Zeit lang als Französischlehrer, bevor er sich dem Schreiben widmete.
Nicoby (geboren 1976) ist ein französischer Comicautor und -zeichner.
Ina Kronenberger (geboren 1965) studierte Romanistik und Skandinavistik in Freiburg. Sie übersetzt Texte aus dem Französischen und dem Norwegischen.

Inhalt:

„Es geht weiter! Jostein Gaarders Weltbestseller als Graphic Novel – die Philosophie der Moderne in pointierten Dialogen und Bildern auf den Punkt gebracht
Wie einst die weltberühmte Romanvorlage begeistert nun die Graphic Novel „Sofies Welt“ Jugendliche für Philosophie. Im zweiten Band geht es mit Sofies Abenteuern weiter: Sie trifft viele bedeutende Denker von René Descartes über Immanuel Kant und Søren Kierkegaard bis hin zu Jean-Paul Sartre und natürlich Simone de Beauvoir (endlich eine Philosophin!). Dabei lernt Sofie die wichtigsten philosophischen Theorien von der Aufklärung bis heute kennen und stellt sich zuletzt den großen Fragen ihrer eigenen Existenz.“ (Produktbeschreibung)

Gedanken zu den Graphic Novels:

Die Cover der beiden wirklich schweren und umfangreichen, gebundenen Büchern sind bunt und ansprechend gestaltet, sodass die Zielgruppe (ab 14 Jahren) hier gut getroffen wurde. Bei beiden Covern sehen wir Sofie, wie sie auf einer Weltkugel steht, die mit verschiedenen Dingen bestückt ist, welche auch im Buch selbst dann eine Rolle spielen werden. Der Titel ist so gestaltet, dass man sofort erkennt, dass wir es hier mit einem Comic oder besser gesagt einer Graphic Novel zu tun haben.

Diese modern aufgemachte Graphic Novel bietet allen, die Sofies Welt von Jostein Gaarder gelesen haben, die Möglichkeit einer Auffrischung der Story. So ging es mir zumindest, die das Buch vor einem viertel Jahrhundert zuletzt gelesen hat. Und scheinbar wurden neue Themen, die die Menschen der heutigen Zeit beschäftigen, mit eingeflochten. Ich kann mich zumindest nicht mehr daran erinnern, dass die Klimakrise bereits bei Jostein Gaarders Werk ein Thema war. Sie wurde hier aber von den Machern gut in die Rahmenhandlung eingebunden, die Sofies Alltag außerhalb ihres Philosophiekurses beschreibt.

Zitat: "Ich denke, also bin ich." (Descartes)

Während wir also durch die Seiten der beiden Werke blättern, erfahren wir einiges über bekannte Denker wie Sokrates, Platon, Aristoteles, Descartes, Spinoza, Kant, Marx, Darwin, Freud, Sartre, Madame de Beauvoir oder Nietzsche und die Strömungen der Philosophie wie Kynismus, Stoizismus, Epikurismus, Neu-Platonismus, Rationalismus, Empirismus, Aufklärung, Romantik, Kapitalismus, Marxismus, Leninismus, Naturalismus, Existenzialismus etc. Wichtige Ereignisse wie die Verbreitung des Christentums oder die Aufspaltung des römischen Reiches werden beschrieben und szenisch dargestellt. So erhalten wir eine gut verständliche Übersicht über die einzelnen Epochen, Denker sowie Ereignisse mit allerhand Beispielen und Informationen.

Die Illustrationen an sich sind jetzt nicht unbedingt außergewöhnlich, vielleicht hin und wieder auch leicht altmodisch. So manches Mal störte ich mich auch an der harten Mimik und die vielen Wutmomente, in denen Sofie dargestellt wird und die ein wenig wiederholend daher kamen.

Die Rahmenhandlung, also Sofies Alltag, wird eher knapp dargestellt. Da mochte ich die Romanfassung mehr, weil dort dafür mehr Raum gelassen werden konnte. Durch die wenigen Episoden aus Sofies wahrem Leben, bleibt auch Sofie etwas fremd und das Lesen wurde zwischenzeitlich ermüdend, wenn man von einem Denker zum nächsten und von einer Epoche in die nächste springt. Als Darwin seinen Auftritt hatte, wurde ich aber wieder abgeholt, da es sich um die Entstehung der Welt und die Veränderung der Kontinente sowie der Evolution der Tiere drehte, was ich einfach immer wieder super interessant finde.

Fazit:

"Sofies Welt oder die Geschichte der Philosophie – Bis heute" ist eine sehr informative Graphic Novel, die einen tollen Einstieg in die Philosophie bieten und alle Informationen äußerst szenisch und gut verständlich darstellt. Man sollte sich allerdings wirklich Zeit für dieses dicke Buch nehmen, um sich alles merken und dann verarbeiten zu können. Es gibt unheimlich viele Informationen auf den insgesamt gut 250 Seiten zu finden, die sich bei einer Graphic Novel natürlich viel stärker ballen, als es das bei der Romanvorlage der Fall ist. Hätte ich den Roman nicht schon gelesen, würde ich es nun vermutlich tun, denn diese beiden Werke machen einem definitiv Lust auf mehr.

Zitat: "Letztendlich sind wir ja nichts anderes als Sternenstaub." (Vincent Zabus & Nicoby: Sofies Welt oder die Geschichte der Philosophie – Bis heute, (S. 259))

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Veröffentlicht am 07.03.2024

Eine klassische Ballade als Bilderbuch!

Der Erlkönig
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Goethes Ballade "Der Erlkönig" wurde im Jahr 1782 verfasst und ich schätze mal, dass einige unter uns diese auch durch den Schulunterricht kennen. Ich zumindest musste sie einmal auswendig lernen. Als ...

Goethes Ballade "Der Erlkönig" wurde im Jahr 1782 verfasst und ich schätze mal, dass einige unter uns diese auch durch den Schulunterricht kennen. Ich zumindest musste sie einmal auswendig lernen. Als meine Tochter dann genau jene Ballade als Hausaufgabe auswendig lernen sollte, erinnerte ich mich an die toll bebilderten Klassiker des Kindermann Verlags und entdeckte dort auch den Erlkönig. Die Zeichnungen der Illustratorin Sabine Wilharm sind fast ein wenig gruselig, aber das passt auch sehr gut zur Thematik, denn schließlich geht es um den Tod.

Zitat: "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? – Es ist der Vater mit seinem Kind" (Johann Wolfgang von Goethe: Der Erlkönig)

Der Autor und die Illustratorin

Johann Wolfgang (1749-1832) von Goethe gilt als bedeutendster Dichter und wichtigster Vertreter der deutschen Klassik. Seine berühmte Ballade Der Erlkönig basiert auf der dänischen Volksballade Ellerkonge.
Sabine Wilharm (geboren 1954) studierte Illustration und arbeitet freiberuflich für verschiedenen Verlage und Zeitschriften. Außerdem lehrte sie bis 2009 an der HAW Hamburg im Fachbereich Gestaltung.

Inhalt:

„Wer kennt ihn nicht, den wohl bekanntesten Vater-Kind-Ritt der Literatur? Sabine Wilharms ausdrucksstarke und traumschöne Illustrationen beleben Goethes beliebte Ballade neu und schaffen ein weiteres Juwel in der Reihe POESIE FÜR KINDER.“ (Klappentext)

Kritik und Fazit:

Auf dem Cover sieht man nicht den Vater mit seinem Sohn zu Pferde, sondern den Erlkönig, eine grüne Gestalt mit dreifacher Krone auf dem Haupt. Er grinst uns Leser:innen etwas gruselig an. Um ihn herum schwirren weitere Gestalten, jedoch wesentlich kleiner. Im Verlauf des Geschehens werden wir lernen, dass es sich dabei um die Töchter des Erlkönigs handelt.

Um dem Leser ein wenig Angst zu nehmen, wurde in den Vor- und Nachsatzpapieren eine Rahmenhandlung durch Comic-ähnliche Bilder geschaffen, in derer man Vater und Sohn auf einer Bahnreise sieht, auf welcher der Junge die Geschichte des Erlkönigs liest. So wird sofort deutlich gemacht, dass es sich hier um eine fantasievolle Erzählung handelt, die einen zwar gruseln kann, aber nicht ängstigen muss.

Die bekannten Zeilen wurden über das Buch verteilt, sodass auf jeder Doppelseite vier Zeilen Platz haben und durch je eine große Illustration in Szene gesetzt werden. Dabei sind die Bilder zwar recht bunt, aber dennoch auch düster gehalten. Schließlich ist der Erlkönig keine freundliche Gestalt, er ist der Verführer und raubt die Seelen der Menschen.

Zitat: "Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort – Erlkönigs Töchter am düstern Ort? – Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau: – Es scheinen die alten Weiden so grau." (Johann Wolfgang von Goethe: Der Erlkönig)

Die Bilder beschreiben eindrücklich die Sorgen des Kindes, aber auch die Eindrücke des Vaters. Denn dieser kann den Erlkönig schließlich nicht sehen. Und so wird der Sohn immer wieder vom Erlkönig und seinen Töchtern heimgesucht. Ein wenig unheimlich sind die Bilder und sie konnten mich auch nicht zu 100% überzeugen, aber das ist sicherlich Geschmacksache.

Das Bilderbuch "Der Erlkönig" in der Version des Kindermann Verlags erweckt die berühmte Ballade des Johann Wolfgang von Goethe zum Leben. Leicht gruselige und äußerst fantastische Bilder stehen den bekannten Zeilen anbei und zeigen, welchen Gestalten sich der Junge kurz vor seinem Ableben gegenübersieht. Gleichzeitig macht die Rahmenhandlung ganz deutlich, dass wir es hier mit einem Märchen zu tun haben.

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Veröffentlicht am 16.02.2024

Schönes Thema mit Schwächen in der Ausarbeitung

Book Lovers - Die Liebe steckt zwischen den Zeilen
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"Book Lovers" von Emily Henry beschreibt ein Setting, welches jeder Buchliebhaber gerne mag. Zwei Protagonisten, die eine gemeinsame Leidenschaft haben und diese in der Buchbranche als Literaturagentin ...

"Book Lovers" von Emily Henry beschreibt ein Setting, welches jeder Buchliebhaber gerne mag. Zwei Protagonisten, die eine gemeinsame Leidenschaft haben und diese in der Buchbranche als Literaturagentin und Lektor ausleben, treffen in einer kleinen, verschlafenen Stadt mit schnuckeliger Buchhandlung aufeinander. Man erlebt viele intelligente Diskussionen und Gedanken, jedoch war der Text hin und wieder etwas holprig oder gar unbeholfen formuliert, was nicht zu den Protagonisten passte. Vielleicht lag es auch an der Übersetzung? Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, ob nur ich das so empfunden habe, da ich selbst Lektorin bin und mit einem geschulteren Auge lese, oder ob es auch euch da draußen als normale Leser so erging.

Die Autorin:

Emily Henry machte ihren Abschluss in kreativem Schreiben und lebt inzwischen als Autorin und Lektorin in Cincinnati, Ohio und Kentucky. Ihre Geschichten drehen sich um Liebe und Familie und ihre Romane landen immer wieder auf der New York Times-Bestsellerliste.

Inhalt:

„Die New Yorker Literaturagentin Nora Stephens ist das Gegenteil jeder romantischen Romanheldin. Sie ist tough, scharfzüngig und nicht auf der Suche nach der großen Liebe. Einzig für ihre Schwester Lilly würde sie alles tun – sogar einen Sommer in der idyllischen Kleinstadt Sunshine Falls verbringen, dem Schauplatz von Lillys Lieblingsromanen. Von Picknick auf Blumenwiesen und Dates mit attraktiven Landärzten jedoch keine Spur! Stattdessen begegnet Nora ausgerechnet dem arroganten und unnahbaren New Yorker Lektor Charlie Lastra in Sunshine Falls wieder. Nach und nach muss sie jedoch erkennen, dass nicht nur in Büchern, sondern auch im wahren Leben manches anders ist, als es auf den ersten Blick scheint.“ (Klappentext)

Kritik und Fazit:

Es war das Cover, welches direkt meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ein Mann und eine Frau sitzen mit dem Rücken zueinander auf Koffern, die mit Büchern gefüllt sind. Sie lesen jeweils ein Buch und ganz entgegen der eigentlichen Wirkung durch die zugewandten Rücken, reicht die Frau dem Mann ein Buch. Titel und Untertitel werden außerdem wohl jeden Buchliebhaber zu diesem Roman greifen lassen.

Auch im Inneren wurde die Liebe zu Büchern spürbar. So sind die Kapitelanfänge immer mit einer kleinen Illustration eines Buchs oder mehrerer Bücher versehen.

Zitat: "Für Frauen gelten ganz andere Regeln. Man muss die perfekte Balance finden zwischen ernst genommen werden, aber nicht als zickig gelten. Das ist ein ständiger Kampf. Die Leute wollen einfach nicht mit Frauen arbeiten, die wie Haie sind …" (Emily Henry: Book Lovers. Seite 113)

Nora, die Hauptprotagonistin aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, ist eine zynische Person die aufgrund ihrer Erfahrung in der Vergangenheit eine Mauer um ihr Herz errichtet hat und gefühlskalt in neue Beziehungen startet. Selbst zu ihrer Schwester Libby hat sich in den letzten Monaten eine gewisse Distanz entwickelt, die Nora sehr schmerzt. Nachdem sie das merkt, möchte sie alles dafür tun, um die alte Leichtigkeit zwischen den beiden herzustellen, weshalb die Schwestern gemeinsam in den Urlaub fahren. Dort trifft Nora auf Charlie, den sie früher bereits während er Arbeit kennengelernt und als unhöflichen Mann in ihrem Kopf abgespeichert hat.

Zitat: "Dieses Lokal sieht aus, als hätte eine Südstaaten-Restaurantkette ein Baby mit einer verrauchten Spelunke bekommen, und jetzt ist dieses Baby ein Teenager mit mangelnder Körperhygiene, der an seinen Sweatshirtärmeln herumkaut.“ (Emily Henry: Book Lovers. Seite 85)

Nora denkt oft in vielen witzigen Bildern, was sehr gut zu ihrer Tätigkeit in der Buchbranche passt. Sie ist ein kreativer Kopf und kann ziemlich gut mit Worten umgehen. Auch Charly ist als Lektor sehr sprachgewandt und so stellen sich zwischen den beiden immer wieder intelligente und schlagfertige Gespräche ein, die mir als Leser viel Spaß bereitet und den ein oder anderen Lacher entlockt haben.

Manchmal ist der Text selbst allerdings etwas holprig, es scheinen sogar hin und wieder Details (wie z. B. eine Nachricht von Charlie) zu fehlen. Mit den Worten „der Traum geht so:“ zu einer Traumszene einzuläuten, empfand ich zudem als sehr steif. Hier fehlte ein flüssiger Übergang, der den Textfluss nicht stört. So gibt es immer wieder Passagen, die mich irritierten, was in einem starken Kontrast zur Thematik und den tollen und tiefgründigen Gesprächen zwischen den Hauptprotagonisten steht. Dafür, dass wir es hier mit einer Geschichte zu tun haben, in welcher es um eine Literaturagentin und einen Lektoren geht, barg die Erzählung für mich doch ein paar Stolpersteine, sodass einzelne Teile nicht immer ausreichend verständlich waren. Manche Textstellen wirkten ungenau, als ob etwas im Text fehlen würde. Wieso zum Beispiel spricht Libby ihre Schwester Nora manchmal mit dem Namen Sissy an? Ob das alles an der Übersetzung lag oder bereits im Original seinen Ursprung findet, kann ich nicht sagen.

Zitat: "je mehr man über sich selbst erzählt, desto mehr Macht gibt man ihm." (Emily Henry: Book Lovers. Seite 120)

Während Nora durch ihre Vergangenheit eine gewisse Rüstung trägt und durch ihre Regeln versucht, auf der Spur zu bleiben, ist Charlie ein Mann der sehr gut in die Tiefe blicken kann und sich nicht so schnell abschütteln oder auf eine falsche Fährte bringen lässt. Er versteht Nora, weil er ähnlich wie sie tickt und gleichzeitig ein Gefühl oder ein Gespür dafür hat, zwischen den Zeilen zu lesen. Was sein Beruf schließlich mit sich bringt. Charlie bringt Nora im positiven Sinne aus dem Gleichgewicht. Sie bricht aus ihren gewohnten Mustern aus, wird dadurch zugänglicher und offener. Die Charaktere sind hier wirklich stimmig ausgearbeitet worden.

Die Bilder und Dialoge zwischen beiden Protagonisten sind vielfältig und wirklich klug. Ich mag es, wie Nora und Charlie miteinander umgehen. Demgegenüber stehen Schwächen in der Ausarbeitung der Erzählung. Diese weist immer wieder kleiner Ungereimtheiten oder Lücken auf, die mich aus der Story gerissen haben. Trotzdem bin ich angenehm und zügig durch die Seiten geglitten. Das nächste Buch der Autorin werde ich dann einfach mal im englischen Original lesen.

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Veröffentlicht am 18.12.2023

Eine Geschichte zur weihnachtlichen Einstimmung!

New Wishes
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Schon seit einer Ewigkeit stehen die Bücher von Lilly Lucas auf meiner Wunschliste. Doch bisher fehlte immer die Zeit und es drängelten sich andere Bücher vor. Jetzt mit dem neu erschienen Buch "New Wishes", ...

Schon seit einer Ewigkeit stehen die Bücher von Lilly Lucas auf meiner Wunschliste. Doch bisher fehlte immer die Zeit und es drängelten sich andere Bücher vor. Jetzt mit dem neu erschienen Buch "New Wishes", welches mir der Verlag freundlicher Weise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat, konnte ich endlich in eine von der Autorin kreierte Welt eintauchen. In null Komma nichts bin ich durch das Buch geflogen und hatte gemütliche und lustige Lesemomente. Ich hätte mich ja sehr gefreut, ein Exemplar mit dem auf der Webseite gezeigten wunderschönen Farbschnitt der ersten Auflage zu bekommen.

Die Autorin:

Lilly Lucas studierte Germanistik in Bamberg. Die Autorin hat inzwischen einige Liebesromane geschrieben. Die Bücher "New Promises", "New Dreams", "New Horizons", "New Chances", "Find me in Green Valley," "A Place to Love", "A Place to Grow", "A Place to Belong", "A Place to Shine" und "New Wishes" wurden zu Spiegel-Bestsellern. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Würzburg.

Inhalt:

„Rebecca Fitzgerald hatte schon bessere Tage. Erst wird sie von ihrem Job in Colorado Springs beurlaubt, dann erfährt sie, dass ihr Vater sich die Hüfte gebrochen hat und ausgerechnet im Advent als Reverend ausfällt. Kurz entschlossen fährt sie in ihre Heimat Green Valley, um ihre Familie zu unterstützen. Zu Hause muss sie überrumpelt feststellen, dass ihre Eltern in ihrem Zimmer den Eishockeytrainer Leo Braxton einquartiert haben. Rebecca kann eigentlich weder mit Eishockey noch mit Sportlern etwas anfangen – selbst wenn sie so attraktiv wie Leo sind. Doch dann ist Leo zur Stelle, als Rebecca Hilfe braucht, und überrascht sie in mehrfacher Hinsicht …“ (Klappentext)

Kritik und Fazit:

Das Cover reiht sich wunderbar unter die der ersten fünf Bände ein. Gold glitzernd springt uns zunächst das Wort „NEW“ in dicken Lettern ins Auge, welches die Reihenzugehörigkeit sofort deutlich macht. Darunter in geschwungener Schrift das Wort „Wishes“, was in der schwarzen Farbe stark hervorsticht. Dahinter schimmern Eiskristalle, die die winterliche Stimmung in diesem Buch hervorhebt. Die stilisierten Schneeflocken drum herum fangen die weihnachtliche Atmosphäre ein.

Die Autorin hat eine äußerst leichte und heitere Art, ihre Geschichten zu schreiben. Man wird sofort mitgezogen und fliegt nur so durch die Seiten, sodass man einfach eine ganz tolle und entspannte Zeit mit den Charakteren verbringen kann. Da gab es keine konstruierten Konflikte, keine übermäßige Dramatik, sondern einfach eine Geschichte, die man sich gemütlich eingemummelt in einer Decke zu Gemüte führen möchte.

Zitata: "Wenn das ein Date wäre, würde ich jetzt unter der Tribüne knutschen, statt mit meinem kleinen Bruder zu tanzen." (Lilly Lucas: "New Wishes", Seite 193)

Aber auch witzige Momente gibt es hier zu erleben. Ich musste öfters vor mich hin lächeln oder kichern. Da sind einige heitere Szenen und schöne Aussagen der Protagonisten zu entdecken, welche einem das Lesen versüßen. Für all jene, die die vorherigen Bände der Reihe kennen, ist es bestimmt toll einige der Charaktere jener Bücher wiederzutreffen.

Mein einziger Kritikpunkt ist das abrupte Ende der Story, welches mich dann etwas unbefriedigt zurückließ. Der Schluss kam so plötzlich, es gab keinen richtigen Ausblick auf die Zukunft der beiden Protagonisten als Paar. Ein Epilog wäre wunderbar gewesen. Das ist schade, so wirkte die Geschichte ein wenig unfertig. Dennoch werden die vorangegangenen Bände bestimmt auf die ein oder andere Weise noch bei mir einziehen, denn ich hatte eine so entspannte Lesezeit, wie lange nicht mehr.

"New Wishes" ist eine schöne leichte Lektüre mit weihnachtlichem Ambiente. Ich habe es genossen, Rebeccas und Leos Geschichte zu folgen und hatte schöne sowie entspannte Stunden in Green Valley. Ich wäre gerne selbst vor Ort gewesen, hätte die schneebedeckte Landschaft genossen und einen Shake im Diner getrunken sowie den Kindern bei ihrem Krippenspiel auf dem Eis zugeschaut.

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Veröffentlicht am 13.12.2023

Vom Zuhören und dem Äußern eigener Bedürfnisse

Morgen hör ich besser zu
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Oft kommt es vor, dass die lieben Kleinen nicht so recht zuhören, wenn man mit ihnen spricht. Ich habe auch so ein Exemplar zu Hause und dachte mir, dass das Bilderbuch "Morgen hör ich besser zu" von Britta ...

Oft kommt es vor, dass die lieben Kleinen nicht so recht zuhören, wenn man mit ihnen spricht. Ich habe auch so ein Exemplar zu Hause und dachte mir, dass das Bilderbuch "Morgen hör ich besser zu" von Britta Sabbag & Eefje Kuijl einen guten Anstoß bieten könnte, um mit dem eigenen Kind spielerisch an diese Thematik herangehen zu können. Das Buch überraschte mich dann sogar noch mehr, denn es hält noch einen weiteren Punkt parat, nämlich sich selbst deutlich zu artikulieren und seine Wünsche zu äußern.

Die Autorin und die Illustratorin:

Britta Sabbag (geboren 1978) studierte Sprachwissenschaften, Psychologie und Pädagogik. Sie verfasste bereits Romane, Kinder- und Jugendbücher sowie Bilderbücher. Außerdem schreibt sie Songs und Drehbücher. Sie ist die Autorin der "Die kleine Hummel Bommel" Buchreihe.
Eefje Kuijl (geboren 1978) studierte Illustration an der School of Arts in Utrecht. Mit ihrer Familie lebt sie heute im Süden der Niederlande und illustriert farbenfrohe Bilder für Kinderbücher, Magazine, Puzzles und vieles mehr.

Inhalt:

„Die Freundschaft von Bär und Biber ist groß wie ein Berg und weit wie der Himmel. Natürlich weiß Biber darum ganz genau, womit er Bär eine Freude bereiten kann! Und so machen die beiden den ganzen Tag nur Dinge, die Biber sich für Bär ausgedacht hat: Einrad fahren, Honig ernten, Flöte spielen. Aber der Bär wird bei dabei immer grummeliger … Bis er sich traut, seinem besten Freund zu sagen, dass er sich einen schönen Tag eigentlich ganz anders vorstellt. Die beiden erkennen, wie wichtig es ist, einander gut zuzuhören. Und dem anderen deutlich genug zu sagen, was man möchte.“ (Produktinformation)

Kritik und Fazit:

Auf dem Cover sehen wir eine entspannte und harmonische Szene, in welcher der Bär und der Biber auf einer Wiese liegen, in den Himmel schauen und es sich gut gehen lassen. Dabei schenken sie einander Aufmerksamkeit, wie man an den zugewandten Augen sehen kann. Die Freundschaft der beiden wurde damit sehr schön eingefangen.

Der Text, welcher in einem verspielten Schrifttyp gedruckt ist, wurde in leicht verständlichen Worten verfasst und die Sätze sind nicht zu lang geraten. Auf den Doppelseiten wird immer eine Szene der Geschichte eingefangen, mal in einem großen Bild, mal in mehreren kleinen. Die dazu passenden Texte sind etwas umfangreicher, aber für Kinder ab 4 Jahren noch gut verdaubar, um das Buch in einem Rutsch vorzulesen.

Ein wenig wiederholend ist die Geschichte allerdings hin und wieder. Der Biber bietet dem Bären nämlich einige Aktivitäten an, auf die der Bär eigentlich gar keine Lust hat, es aber für seinen Freund durchzieht. Dabei geht für den Bären immer etwas schief und so nimmt der Tag seinen Lauf. Der Bär wird immer grummeliger, sagt aber nicht klar und deutlich, dass er keine Lust auf die Aktionen hat, die der Biber gerne machen möchte. Erst ganz zum Schluss macht er endlich den Mund auf. Und siehe da, was kommt dabei heraus? Der Biber wollte es dem Bären recht machen und hatte selbst keinen großen Spaß an den vorangegangenen Aktivitäten.

Am Ende des Buches gibt es dann noch einen Liedtext und über einen QR-Code kann man sich das Lied von Biber und Bär dann auch noch anhören. Leider stimmt der Text im Buch an der ein oder anderen Stelle nicht genau mit dem gesungenen Text überein, was ich als etwas unschön empfunden habe. Aber mein Sohn hat dem Song gerne gelauscht und seine Freude an Lied wie auch am Buch gehabt.

"Morgen hör ich besser zu" bietet sogar mehr Themen, als ich erwartet hatte. Es geht nicht nur darum, dass man besser zuhören sollte, sondern auch darum, dass man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse klar äußern sollte, um selbst glücklich zu sein, sowie um unnötige Missverständnisse vermeiden zu können. Bekanntlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille. Manchmal liegt es gar nicht unbedingt an dem Zuhörenden, sondern auch an dem Sender einer Botschaft. Beides ist möglich, beides kommt vor und an beidem lässt sich arbeiten. Für eine bessere Kommunikation untereinander. Dieses Bilderbuch bietet bunte und natürliche Illustrationen mit einem herzlichen Text und wird gekrönt durch einen Song, den die Kinder sich sicherlich immer wieder gerne anhören werden.

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