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Veröffentlicht am 05.02.2024

Düstere Zeiten

Die Hexen von Cleftwater
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„Die Hexen von Cleftwater“ ist ein historischer Roman, der in East Anglia zu Zeiten der Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert angesiedelt ist. Die Protagonistin Martha Hallybread ist in ihrem Dorf als ...

„Die Hexen von Cleftwater“ ist ein historischer Roman, der in East Anglia zu Zeiten der Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert angesiedelt ist. Die Protagonistin Martha Hallybread ist in ihrem Dorf als Hebamme und Heilerin die Anlaufstelle für Gebährende und Kranke. Seit Jahrzehnten durch ein Halsleiden stumm kann sie sich dabei allerdings nur mit Händen und Füßen verständigen. Als bei einer Geburt ein gezeichnetes Baby zur Welt kommt und direkt verstirbt, wird ihre Helferin Prissy im Nachgang als Hexe verfolgt. Hexenjäger Makepeace hinterlässt nichts als verbrannte Eder und Martha muss alles geben, um ihrer Freundin zu helfen. Dabei muss sie tunlichst aufpassen, nicht selbst in Verdacht zu geraten.

Der Autorin ist es in ihrem Roman-Debüt hervorragend gelungen, die Zeit der Hexenverbrennung, das Elend auf dem Land mit den furchtbaren Lebensumständen, die patriarchalische Gesellschaft und die unaufgeklärte Gesellschaft einzufangen. Oft musste ich das Buch ob seiner Grausamkeiten zur Seite legen. Ich bin mehrfach wütend über die damaligen Zustände und den Aberglauben der Bevölkerung geworden. Jeder verdächtigt jeden und stellt ihn an den Pranger. Hinzukommend die Unwissenheit über medizinische Zusammenhänge, die für uns heute so selbstverständlich ist. Das hat mich beim Lesen sehr mitfühlen lassen. Leider wurde ich jedoch mit der Protagonistin Martha nicht recht warm. Möglicherweise lag dies an ihrer Faszination für den Atzmann, der immer wieder eine Rolle spielte. Hiermit konnte ich, vermutlich aus meiner heutigen aufgeklärten Sicht, einfach nichts anfangen. Zudem reihten sich die einzelnen Aktionen etwas lieblos und häufig nicht nachvollziehbar aneinander, weshalb ich inhaltlich mit der Geschichte leider nicht allzu viel anfangen konnte. Nichtsdestotrotz fand ich den Einblick in die damalige Zeit und vor allem die Denkweise sehr wertvoll und durchaus gelungen.

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Veröffentlicht am 02.02.2024

Lebensgeschichte

Florence Butterfield und die Nachtschwalbe
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Florence „Florrie“ Butterfield ist 80 Jahre alt und lebt in einem Seniorenheim bei Oxford. Als eines nachts die Heimleiterin aus dem Fenster stürzt, kann Florrie nicht an einen Selbstmordversuch glauben. ...

Florence „Florrie“ Butterfield ist 80 Jahre alt und lebt in einem Seniorenheim bei Oxford. Als eines nachts die Heimleiterin aus dem Fenster stürzt, kann Florrie nicht an einen Selbstmordversuch glauben. Kurzerhand fängt sie mit eigenen Ermittlungen an, die sie nicht nur in die Vergangenheit der Heimleiterin, sondern auch in ihre eigene Lebensgeschichte, eintauchen lassen.

„Florence Butterfield und die Nachtschwalbe“ ist entgegen meiner Erwartungen kein Kriminalroman, sondern ein Unterhaltungsroman. Inhaltlich dreht sich alles um die sehr gut ausgearbeitete Protagonistin Florrie, die neben ihren eher zufallsbedingten Ermittlungen ihr Leben Revue passieren lässt. Im Vorfeld habe ich etwas ganz anderes erwartet und empfand den Roman in der Gesamtschau daher als etwas zu betulich und lieblich. Die Rückblenden auf Florries Leben wurden mir nach und nach zu viel und der Roman uferte mir zu sehr aus. Hier hätte deutlich gekürzt werden können. Was mir allerdings wirklich gut gefallen hat, sind die intensiv ausgearbeiteten Figuren und das Setting. In Kombination mit einem sehr angenehmen Sprachstil bietet der Roman durchaus stimmungsvolle Wohlfühlatmosphäre.

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Veröffentlicht am 28.12.2023

Mäßig

Das Buch der gestohlenen Träume
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Der Roman "Das Buch der gestohlenen Träume" von David Farr ist für Kinder ab dem 11. Lebensjahr geeignet. Aus wechselnder Perspektive der Hauptfiguren wird die Geschichte von Rachel und ihrem Bruder Robert ...

Der Roman "Das Buch der gestohlenen Träume" von David Farr ist für Kinder ab dem 11. Lebensjahr geeignet. Aus wechselnder Perspektive der Hauptfiguren wird die Geschichte von Rachel und ihrem Bruder Robert dargestellt, die in einem Land leben, in dem eine Diktatur herrscht. In dieser Diktatur haben Kinder keine Rechte und werden unterjocht, zugleich verbietet der Präsident Charles Malstain das Lesen vieler Bücher. Eines dieser Bücher ist magisch und soll dem Präsidenten helfen, eine Krankheit zu überstehen. Durch verschiedene Zufälle gelangt es in die Hände von Rachel und Robert, die alles daransetzen, das Buch vor dem Präsidenten zu retten.

Mich persönlich konnte der Roman leider nicht vollends überzeugen. Es ist eine kindgerechte Adaptation des Romans "Fahrenheit 451" mit kleinen magischen Elementen, blieb mir dabei aber zu nah am bekannten Original. Es war sehr politisch - was sicherlich kein Fehler ist - erwartet habe ich aber einen deutlich höheren Fantasy-Anteil. In diesen politischen Zeiten ist dies sicherlich ein gutes Lehrstück, mich als Erwachsene hat es aber nicht so recht vom Hocker hauen können.

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Veröffentlicht am 11.12.2023

Slow Burn

A Night of Shadows and Betrayals
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Nachdem ihre Schwester von abtrünnigen Vampiren entführt wurde, versucht Winnie alles, um Sasha wiederzufinden. Obwohl sie ihrer Nachbarin Jo die Schuld für Sashas Entführung gibt, lässt sie sich von ihr ...

Nachdem ihre Schwester von abtrünnigen Vampiren entführt wurde, versucht Winnie alles, um Sasha wiederzufinden. Obwohl sie ihrer Nachbarin Jo die Schuld für Sashas Entführung gibt, lässt sie sich von ihr helfen. Bald schon überschlagen sich jedoch die Ereignisse und Winnies Vertrauen wird erneut auf eine harte Probe gestellt.

„A Night of Shadows and Betrayals” ist Band 2 einer Fantasy-Trilogie von Anne Pätzold und knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an. Endlich erfahren wir, wie es mit Jo, Winnie und Sasha weitergeht. Ich habe recht lange gebraucht, um wieder in der Geschichte anzukommen – zwischen den Veröffentlichungen liegt doch recht viel Zeit. Die Autorin ist ihrem Stil treu geblieben und die Handlung entwickelt sich auch weiterhin nur sehr langsam (slow burn). Mir persönlich fehlte in Band 2 bis zum letzten Viertel die Action. Alles dreht sich um Winnies Gefühlswelt und ihre unmittelbare Umgebung – wie unglaublich lange ihre Sinneseindrücke z.B. zu einer Tasse Tee geschildert werden, hat mich manchmal fast wahnsinnig gemacht. Ich empfand Band 2 als noch gefühlsbetonter als Band 1. Grundsätzlich finde ich es gut, wenn die Figuren ihre Emotionen zeigen. Meiner Meinung nach suhlt sich Winnie jedoch ewig in ihrem Selbstmitleid und lässt sich mehr oder wenig naiv auf alles ein. Im Gegensatz dazu fand ich ihre Schwester Sasha in diesem Band nicht nur faszinierend, sondern ihre Handlungen auch deutlich nachvollziehbarer. Von ihr hätte ich gerne noch sehr viel mehr gelesen! Richtige Spannung kam für mich insgesamt erst im letzten Viertel des Romans auf – dort gab es dann aber eine gewaltige Entladung und einen bösen Cliffhanger. So muss ich natürlich unbedingt wissen, wie es nun ausgeht und geduldig auf Band 3 warten!

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Veröffentlicht am 24.11.2023

Berlin im Staccato

Südstern
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Berlin. Vanessa ist Pharmakologin und nebenberuflich Dealerin. Als sie im Privatleben auf den Polizisten Deniz trifft, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Ein moderner Roman mit Großstadtflair.

„Südstern“ ...

Berlin. Vanessa ist Pharmakologin und nebenberuflich Dealerin. Als sie im Privatleben auf den Polizisten Deniz trifft, wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Ein moderner Roman mit Großstadtflair.

„Südstern“ von Tim Staffel hat es in sich. Ungeschönt werden die tägliche Polizeiarbeit, das Leben auf den Straßen einer Großstadt sowie Einzelschicksale dargestellt. Alles spielt und dreht sich um Berlin-Kreuzberg. Ein Stadtteil, den man so sehr lieben wie hassen kann. Zwischen Liebe und Gewalt ist der Roman inhaltlich unglaublich schön und berührend. Zugleich bedient er viele aktuelle Themen, denen der Autor eine zusätzliche Perspektive oder Ebene verschafft. So ist nicht alles schwarz oder weiß – auch keine Drogendealerin mitten in Berlin. Dennoch hatte ich es mit dem Roman nicht leicht. Denn der Sprachstil ist überaus modern und gewöhnungsbedürftig. Stakkatoartig, ohne Satzzeichen, mit nur wenigen Dialogen und in hektischen Sätzen fliegt einem der Blocksatz nur so um die Ohren. Bisweilen empfand ich dies als anstrengend und zäh. Oft war mir gar nicht klar, welche Person gerade ihre Gedanken vor mir ausbreitet. Ich habe eine Weile für den Roman gebraucht, aber in der Gesamtschau hat er mich packen können, denn inhaltlich empfand ich ihn als sehr berührend.

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