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Veröffentlicht am 10.04.2025

düstere Märchenadaption

Winters zerbrechlicher Fluch
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Ich habe die Geschichte gehört und muss gleich vorweg erwähnen, dass es dafür einen Stern Abzug gibt. Normalerweise gewöhne ich mich im Laufe der Story an die Sprecher*innen, aber in diesem Fall fand ich ...

Ich habe die Geschichte gehört und muss gleich vorweg erwähnen, dass es dafür einen Stern Abzug gibt. Normalerweise gewöhne ich mich im Laufe der Story an die Sprecher*innen, aber in diesem Fall fand ich die Stimme sehr anstrengend und emotionslos. Einzig die Bösen wurden mit verstellter Stimme ganz gut gesprochen. Der Rest klang total abgelesen und irgendwie auch kalt.

Ich habe von der Autorin bisher den ersten Teil der "Dreizehnten Fee" gelesen und muss sagen, dass ich das Buch im Gegensatz zu sämtlichen anderen Leserinnen nicht mochte. Es war mir zu emotionslos und zu kaltherzig irgendwie. Das kann ich über "Winters zerbrechlicher Fluch" nicht sagen. Es ist sehr düster, es ist sehr anders und in alter Sprache. Man hat schon das Gefühl ein Märchen aus einer Zeit zu lesen, in der Märchen halt damals geschrieben wurden. Das fand ich wirklich bemerkenswert.

In dieser Adaption werden die Prinzessinnen noch einmal ganz anders dargestellt. Cinderella ist hier eher eine Nebenfigur, aber was für eine! Sie ist hier nämlich quasi die Böse und nicht das arme Mädchen, das unter ihren Stiefschwestern sowie ihrer Stiefmutter leidet. Im Kern der ganzen Geschichte steht die Prinzessin Mary von Athos, eine wunderschöne junge Frau, die um die Zuneigung ihres Vaters kämpft, der sie wiederum Prinz Duncan von Maywater versprochen hat. Prinz Duncan lernt Mary kennen und versichert ihr, dass die zwei sich trotz arrangierter Ehe wirklich ineinander verlieben werden und Mary empfindet tatsächlich diese Zuneigung zu dem ihr versprochenen Prinzen. Obwohl alles unter Dach und Fach sein sollte, muss der Prinz dennoch einen Ball abhalten, in der die Damen und Prinzessinnen des Landes um seine Gunst werben dürfen. Mary ist sorglos, da das Bündnis zwischen ihnen bereits feststeht. Doch auf dem Ball taucht plötzlich Cinderella auf und Duncan scheint Hals über Kopf in sie verliebt und würdigt Mary keines Blickes. Cinderella verliert ihren Schuh bei dem Ball und Duncan macht sich auf um sie zu suchen. Das Bündnis mit Mary wird vertraglich storniert. Sie soll fortan die Gemahlin von Prinz Tarek werden, mit dem sie in der Vergangenheit bereits eine gemeinsame Nacht verbrachte. Der scheint sie zu hassen, willigt aber dennoch ein. Er ist es, der Mary immer "Dornröschen" nennt.

Mary bemerkt, dass irgendetwas an der Sache faul ist und will Duncan zur Rede stellen. Ihre Zofe und Freundin Susanne ist die ganze Zeit treu an ihrer Seite. Sie dringen in die Schatzkammer des Prinzen ein und stehlen Cinderellas Glasschuh. Dabei stellt sich heraus, dass er unzerstörbar ist und dass er Mary zwar passt, sie ihn aber hätte niemals anziehen dürfen. Der Schuh ist verzaubert und ebenso Prinz Duncan. Alles gerät schrecklich außer Kontrolle. Duncans Vater (der einstige Gemahl der Schwanenkönigin) stirbt und viele Menschen müssen in der Geschichte leiden. Mary ist eine mutige junge Frau, die versucht die Wahrheit aufzudecken. Sie tat mir so leid beim Lesen. Die Männer in diesem Buch finde ich allesamt fragwürdig, aber ich bin gespannt wie es weitergeht.

Das Buch endet mit einem Cliffhanger, bei dem Mary sich in Gefahr befindet.

Zugegeben, es ist zwischendurch auch immer mal verwirrend, da die einzelnen Kapiteln jenen Personen gewidmet sind, die in der Geschichte auftauchen (so muss es wohl auch bei Game of thrones gewesen sein). Vorn im Buch sind aber die Königshäuser aufgeführt, damit man einen Überblick erhält.

Ich fand die Geschichte bis auf die Vertonung sehr gut. Es ist mal eine etwas andere Adaption und ich mag den altertümlichen Erzählstil Außerdem gibt es immer wieder Geheimnisse aufzuklären und Vergangenheit und Zukunft spielen hier zusammen.

Frühlings Tod:
Tatsächlich will ich gleich zu Beginn sagen, dass es eine gute Fortsetzung ist, aber ich denke, ich werde es nicht weiterlesen. Die Geschichte endet zwar mittendrin, fast schlimmer als manch Cliffhanger, aber diesen Teil der Geschichte hätte man auch an Band 1 anknüpfen können.

Da ich die Bücher gehört habe, beeinflusst die Stimme und Lesung der Sprecherin meine Entscheidung ebenfalls nicht weiterzuhören. Ihre Stimme gepaart mit diesem extravaganten Schreibdstil können mich nicht so weit überzeugen, dass ich den letzten Teil noch höre.

Die Geschichte ist im Allgemeinen auch ziemlich verworren. Im Zentrum steht nach wie vor Mary von Athos (ihre Kapitel sind aus der Ich-Perspektive beschrieben). Im Band zuvor floh sie mit ihrer Zofe und sie wurden überfallen. In der Not flüchtete sich Mary in den Blutwald, vor dem ihre Mutter sie immer gewarnt hat. Dort wird alles irrsinnig. Winter ist in den Köpfen der Menschen und versucht sie zu beeinflussen. Wie zum Beispiel auch den Jäger, der an Marys Seite ist und mit dessen Hilfe sie in eine Traumwelt gelangt, in der sie vergangene Momente neu erlebt wie beispielsweise den Tod ihrer Mutter. Sie trifft dort sogar auf Cinderella und entdeckt ihre Sympathie für sie. Sie redet mit Duncan, mit Tarek und Philipp und sie erkennt wer ihr wirklich wichtig ist.

Zwischendurch fand ich ihre unterschiedlichen Zuneigungen für die Männer sehr irritierend und etwas zu viel, aber mir hat gefallen, dass sie erkennt, dass ihre Zofe Susanne eine wahre Freundin ist und dass sie sie unbedingt retten möchte.

Susanne hingegn ist schwer verletzt im Blutwald und trifft auf Tarek, den sie darum bittet Mary zu retten. Tarek selbst ist ein schwieriger Charakter. Er lässt nicht immer blicken was er denkt und ist oft sehr verhalten. Seine treue Freundin und Drachentöterin Elena tut mir so leid, weil er ihre Zuneigung nicht erwidert.

Durch die unterschiedlichen Kapitel der verschiedenen Personen ist eine sehr komplexe Geschichte. Man erfährt nach und nach die Beweggründe der einzelnen Personen und man möchte natürlich erfahren, ob Winters Fluch gebrochen werden kann.

Allerdings war es für mich ein bisschen hinausgezögert mit der Traumwelt und teilweise ist mir die Geschichte auch zu verworren, aber an sich ist es eine gute Adaption für verschiedene ineinander fließende Märchen und vielleicht empfiehlt es sich eher die Geschichten zu lesen antatt sie zu hören.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Noahs Reise durch Europa

You are my Light
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Das Buch ist eine Novelle zur eigentlichen Story "The light ins us" und sie ist so solide wie der Vorgänger.

Die Geschichte beginnt damit, dass Noah im Krankenhaus ist aufgrund seiner häufigen Migräne-Anfälle. ...

Das Buch ist eine Novelle zur eigentlichen Story "The light ins us" und sie ist so solide wie der Vorgänger.

Die Geschichte beginnt damit, dass Noah im Krankenhaus ist aufgrund seiner häufigen Migräne-Anfälle. Da Charlotte endlich wissen will was in Europa passiert ist als Noah ihr allein von Land zu Land gefolgt ist um an ihrer Tournee teilzunehmen. Sie findet in seiner Tasche auf seinem Laptop ein Manuskript und liest es. Das Manuskript thematisiert seinen Leidensweg mit der Blindheit, sein Kennenlernen mit Charlotte und wie sie sich ineinander verlieben. Ebenso beschreibt Noah die Erfahrungen jeder einzelnen Stadt auf seiner Reise durch Europa. Auch hier liest man bereits, dass er oft einen Migräne-Anfall erleidet.

Noah beschreibt sehr gut wie schwierig es für einen Blinden ist sich zurechtzufinden. Allein Flughäfen bereiten schon Schwierigkeiten und der Leser ist immer voller Mitgefühl für ihn. Viele Menschen bieten ihm Hilfe an oder aber er fragt sogar danach. In Amsterdam widerfährt ihm leider nichts Gutes. Er wird leichtsinnig und ist gutgläubig auf Leute zugegangen um auch mal neue Bekanntschaften auf seiner Reise zu schließen und wird dabei übel abgezockt und betrogen. Als ihm dann Margrit hilft, schlöpft Noah aber wieder Hoffnung und diese Begegnung war für den Leser echt schön, weil Noah es wirklich verdiente, dass ihm jemand hilft.

Alles in allem war es wie der Vorgänger nett zu hören, emotional, traurig, aber auch wieder extrem klischeehaft. Die Spice-Szene im Hotel mit der Reaktion der Zimmernachbarn war völliger Schwachsinn und das Happy End war auch wieder etwas drüber.

Der Schreibstil von Emma ist immer wunderbar, aber ich frage mich, ob sie es als Autorin nicht erträgt, wenn ihre Protagonisten am Ende einfach nur zufrieden sind und nicht übertrieben glücklich mit einem Happy End nach dem anderen. Für meinen persönlichen Geschmack ist das immer ein bisschen zu viel.

Wer "The light in us" gelesen hat, sollte sich die dazugehörige Novelle auf jeden Fall einverleiben, da man hier aus Noahs Sicht alles über seine Reise erfährt.

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Veröffentlicht am 04.06.2024

Eine Amerikanerin in Paris

Die Muse von Dior
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In "Die Muse von Dior" geht es um Copper (eigentlich Oona), eine Amerikanerin, die mit ihrem Mann Amory in den Kriegsjahren nach Paris geht. Ihr Mann ist Kriegsreporter und Copper selbst ist Journalistin. ...

In "Die Muse von Dior" geht es um Copper (eigentlich Oona), eine Amerikanerin, die mit ihrem Mann Amory in den Kriegsjahren nach Paris geht. Ihr Mann ist Kriegsreporter und Copper selbst ist Journalistin. Eine Anstellung fand sie dank ihm. Ihr Kollege, ein Trunkenbold, ist oft nicht in der Lage seine Berichte und Texte rechtzeitig abzugeben, sodass sie diese verfasst und in der Redaktion einreicht.

Ihr Mann Amory ist ihr regelmäßig untreu. Er entschuldigt sich zwar dafür, tut es jedoch immer wieder. Irgendwann kann Copper es nicht mehr ertragen, da er auch in ihrem eigenen Zuhause keine Ausnahme macht. Als sie eines Abends mit ihm weggeht und Christian Dior begegnet, der liebevoll, aufmerksam und ehrlich ist, wendet sich das Blatt. Amory reißt selbst an diesem Abend wieder eine Frau auf, mit der er die Bar verlässt. Als Copper von Dior nach Hause gebracht wird, finden sie ihren toten Kollegen im Hausflur und alarmieren die Polizei. Am nächsten Tag als Amory heim kommt, beendet Copper ihre Beziehung und fordert die Scheidung. Christian Dior gibt ihr Unterschlupf in seiner Wohnung und besorgt ihr kurze Zeit später eine eigene Wohnung, die sogar möbiliert ist. Dank ihm gelangt sie in andere Kreise und bekommt Freunde, wie Suzy Solidor oder Bekannte wie Ernest Hemmingway.

Eines Tages steht Pearl vor ihrer Tür. Die Frau, die Amory an dem Abend aufgelesen hat, als ihr Kollege verstarb. Sie entschuldigt sich bei Copper und möchte ihre Mitbewohnerin werden. Die Unterhaltung zwischen den beiden ist sehr witzig, weil Pearl total dreist und Copper völlig entsetzt ist. Die Sprecherin hat das sehr gut umgesetzt. Man konnte stets raushören, wen der beiden Frauen sie spricht. Generell ist das Hörbuch sprachlich sehr zu empfehlen. Letztlich nimmt Copper sie tatsächlich auf und die zwei werden sogar Freundinnen, auch, wenn Pearl ein ganz anderes Kaliber ist. Sie ist dank ihres Freundes kokainsüchtig, will zwar clean werden, schafft es aber nicht.

Copper verkehrt indes in Diors Kreisen und bendelt mit Suzy an. Sie ist vernarrt in Copper und will sie unbedingt für sich haben. Kurzzeitig sah es so aus, als würde Copper darauf eingehen, aber dann lernt sie Henri kennen und entscheidet sich letztlich für ihn.

Dior hat ihr derweil schon das ein oder andere Kleid designt und dank ihr Inspiration gefunden.

Obwohl Henri 20 Jahre älter ist als sie, heiratet sie ihn letztlich, wenn auch mit vielen Komplikationen. Amory hingegen verkraftet die Bilder, die er im Krieg hautnah miterlebt sehr schlecht und versucht sogar sich das Leben zu nehmen.

Christian Dior wirkt während der ganzen Geschichte wie der netteste Mensch der Welt. Er ist immer aufrichtig, verständnisvoll und liebenswert. Und er leidet, weil er nicht weiß wo seine Schwester Cathrin ist und ob sie noch lebt. Er besucht regelmäßig eine Wahrsagerin, die tatsächlich mit allem was sie prophezeit letztlich recht hat. Irgendwann kommt Cathrin nach Hause und sie finden sich wieder, aber sie ist vom Krieg und der Gefangenschaft gezeichnet. Generell lernt man während dieser Geschichte, wie schlimm die Kriegsjahre auch für diejenigen waren, die überlebt haben, aber wenig besaßen, nicht wussten, ob ihre Angehörigen noch lebten und dass selbst Reporter nicht stark genug waren, die Bilder zu ertragen, die sich ihnen boten. Auch wird hier noch einmal erwähnt, dass zwar die Deutschen verachtet wurden, aber auch die eigenen Landsleute irgendwann zu schlimmen Taten fähig waren.

Als Dior widerwillig eines Tages nach langem Hin und Her endlich das Angebot annimmt, in ein Modehaus einzusteigen, seine eigene Kollektion zu entwerfen und finanzielle Mittel bekommt, verändert er sich. Er ist unhöflich, aufgekratzt, sehr kritisch mit sich selbst und ungehalten. Aber Copper steht ihm zu Seite, als Fotografin und Freundin. Dior genießt bei seiner ersten Kollektion einen bahnbrechenden Erfolg, aber auch dieser wurde zum Teil stark kritisiert.

Ich bitte jeden Leser/Hörer unbedingt dem Nachwort Beachtung zu schenken. Dort wird zu einzelnen Personen noch einiges berichtet, natürlich auch zu Dior selbst. Und ich bin jetzt sehr angeregt seine Biografie zu lesen. Denn der Roman war wirklich gut geschrieben und gesprochen. Ich mochte das Setting und den französischen Flair, aber das Hin und Her zwischen Copper und Suzy fand ich anstrengend und Dior selbst kam mir in der Geschichte auch zu kurz. Ohne den Titel hätte ich der Geschichte auch nicht unbedingt entnommen, dass Copper seine Muse war. Denn so kam es für mich nicht rüber und es wurde auch nicht so bestätigt. Dennoch ist es eine gelungene Geschichte, wenn man etwas über die französische Mode und über Paris in den Kriegsjahren lesen möchte. Ich hätte mir nur gewünscht, dass Dior mehr darin auftaucht.

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Veröffentlicht am 13.12.2023

Die Geheimnisse von Verity Crawford

Verity
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Dieses Buch wurde lange Zeit sehr gehyped und daher war ich neugierig was es damit auf sich hat. Zugegeben: Ich besitze das Buch schon eine Weile, habe es aber dennoch erst kürzlich gelesen. Ich musste ...

Dieses Buch wurde lange Zeit sehr gehyped und daher war ich neugierig was es damit auf sich hat. Zugegeben: Ich besitze das Buch schon eine Weile, habe es aber dennoch erst kürzlich gelesen. Ich musste auch erst einmal alles sacken lassen, bevor ich hierzu eine Rezension verfasse.

Ich fand das Buch unheimlich spannend geschrieben. Ich konnte es kaum aus der Hand legen und wollte immer wissen wie es weitergeht. Es beginnt damit, dass die Hauptprotagonistin Lowen Augenzeugin eines tödlichen Unfalls wird und das gemeinsam mit Jeremy, den sie bis dato nicht kannte. Sie ist so nah am Geschehen, dass sie das Blut des Toten auf ihre Kleidung bekommt und kurzer Hand sich umziehen muss. Jeremy geht mit ihr zusammen in ein Tankstellenklo und leiht ihr sein Hemd (fragwürdig durchaus). Lowen ahnt nicht, dass sie ihn kurze Zeit später wiedersieht. Sie benötigt die frische Kleidung um zu einem Meeting mit ihrem Agenten zu gehen, dem auch Jeremy und einige Vertreter des Verlages seiner erkrankten Frau beiwohnen. Lowen wird das Angebot zuteil, die begonnene und berühmte Thriller-Reihe von Jeremys Frau fortzuführen, da sie aufgrund eines Unfalls nicht in der Lage sei, das selbst zu tun.

Lowen will den Auftrag erst ablehnen, benötigt aber dringend das Geld. So verhandelt sie eine gute Provision und erklärt sich bereit die Reihe fortzusetzen. Jeremy bietet ihr an, in seinem Haus - genauer gesagt im Arbeitszimmer seiner Frau - die Recherchen aufzunehmen, da sich dort die bisher erschienen Bände der Reihe sowie die dafür nötigen Recherchematerialien und Notizen zu finden sind. Lowen ist anfangs unwohl dabei, in einem fremden Haus in Kartons zu wühlen, aber da sie einen Räumungsbescheid für ihre Wohnung erhalten hat, weil sie mit ihren Zahlungen im Rückstand ist, bleibt ihr kaum eine Wahl.

An dieser Stelle muss ich sagen, dass es mich gewundert und auch gestört hat, dass Lowen keinerlei sozialen Kontakte hatte, bis auf die "Ex-Beziehung" zu ihrem Agenten. Sie konnte bei niemandem wohnen, hat bis zum Ableben ihrer Mutter diese gepflegt, die ihr wiederum nichts hinterlassen hat, aber abgesehen davon hat sie weder Freunde noch Familie - was sehr verwunderlich ist. Letztlich hält sich Lowen mehr als 2 Wochen im Haus der Crawfords auf, da sie zum einen auf eine erschreckende Entdeckung gestoßen ist und zum anderen nach wie vor kein Geld für eine eigene Bleibe hat.

SPOILER:

Jeremy hat seine Zwillingstöchter verloren: die eine ist ertrunken, die andere hatte einen allergischen Schock. Seine Frau ist pflegebedürftig. Dafür kam er mir sehr gefasst vor. Jeder andere hätte wahrscheinlich nicht länger auf der Welt weilen wollen. Er war etwas in sich gekehrt und natürlich nicht lebensfroh, aber auch nicht dem Leben abtrünnig, trotz der schmerzhaften Verluste. Ein gemeinsames Kind blieb: der kleine Crew.

Lowen entdeckt gleich zu Beginn ihres Aufenthalts im Haus der Crawfords ein Manuskript, das Verity als Autobiografie verfasst hat. Ich muss sagen, die Kapitel der Biografie sind dermaßen verstörend, schrecklich und zugegebenermaßen tierisch spannend, dass man als Leser immer wissen will wie es weitergeht. Verity ist in ihrer Biografie von Jeremy und besonders von seiner Liebe und Zuneigung zu ihr absolut besessen. Immer wieder erwähnt sie den phänomenalen Sex der beiden und dass sie so sehr um seine Liebe und Anerkennung buhlt. Sie wird ungeplant schwanger und ist eifersüchtig auf die Kinder, versucht sogar sie loszuwerden. Die Einzelheiten zu lesen, war sehr schlimm und hat mich gut beschäftigt. Sie wollte Jeremy für sich allein und nicht um seine Liebe mit ihren gemeinsamen Kindern konkurrieren. Es war psychotisch und verstörend, aber absolut spannend.

Irgendwann fallen Lowen merkwürdige Dinge auf. Ein Messer mit dem Crew sich schneidet, das plötzlich verschwindet; Verity, die sie durchs Fenster direkt anstarrt; Crew, der behauptet, seine Mom würde mit ihm sprechen, obwohl sie doch angeblich nicht ansprechbar ist; irgendwann steht Verity sogar auf der Treppe und beobachtet Lowen und Jeremy.

Da aber auch Lowen selbst mir merkwürdig vorkam, wusste ich die ganze Zeit über nicht was ich von den einzelnen Charakteren halten soll. Sie selbst ist Schlafwandlerin und wacht sogar einmal bei Verity im Bett neben ihr auf, nimmt starke Tabletten, hat wie gesagt keine sozialen Kontakte und vor allem: ist niemals aus diesem Haus geflüchtet. Bei allem was sie gelesen, beobachtet und miterlebt hat, hätte jede andere Frau das Weite gesucht, auch trotz der Gefühle zu dem verheirateten Jeremy, der diese Emotionen offenbar erwidert.

Ich denke, ich habe genug gespoilert. Fazit: Das Buch ist sauspannend geschrieben, insbesondere die Kapitel aus Veritys Biografie. Allein deshalb sollte man es ruhig lesen, wenn man Thriller oder auch Romance-Thrill gern liest. Was mich gestört hat, war wie gesagt Lowens Verhalten bzw. ihr Leben, das offenbar keinerlei soziale Kontakte beinhaltete, dass sie nie aus dem Haus geflüchtet ist und das Ende. Denn das Ende finde ich etwas fragwürdig und auch ziemlich drüber und ehrlich gesagt, ist Verity selbst Schuld. Vieles hätte anders laufen können, wenn die Datei der Autobiografie nicht so frei zugänglich gewesen wäre. Ich besitze das Buch ohne den Epilog. Den muss ich aber auch unbedingt noch lesen. Theoretisch könnte man auch eine kleine Buchreihe dazu entstehen lassen. Denn ich würde gern noch mehr über die Hintergründe und über Jeremy erfahren und auch was die Wahrheit über alles ist.

Ich empfehle: Lest es, es ist so dermaßen spannend geschrieben, dass man es nicht weglegen möchte.

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Veröffentlicht am 25.07.2023

Die etwas andere Geschichte über Medusa

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
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Ich muss sagen, ich habe eine Weile benötigt um mit dem Schreibstil bzw. den wechselnden Perspektiven der Götter/Sterblichen oder wem auch immer klarzukommen. Denn tatsächlich tauchen unwahrscheinlich ...

Ich muss sagen, ich habe eine Weile benötigt um mit dem Schreibstil bzw. den wechselnden Perspektiven der Götter/Sterblichen oder wem auch immer klarzukommen. Denn tatsächlich tauchen unwahrscheinlich viele Personen in der Geschichte auf, aber am Ende des Buches ist ein Glossar über die einzelnen Charaktere, in dem man immer mal wieder nachlesen kann, wer eigentlich wer ist und zu wem gehört.

Zu Beginn war es etwas verwirrend, aber es war auch mal abwechslungsreich so kurze Kapitel zu lesen.

Medusa wird zu den Gorgonen gebracht und von ihren dortigen Schwestern Euryale und Stheno wie ein eigenes Kind aufgezogen. Die Beziehung der drei hat mich sehr gerührt und bewegt. Im Hintergrund werden aber etliche Komplotte geschmiedet.

SPOILERALARM

Leider geht es in dem Buch weniger um Medusa als ich es erwartet habe. Dass sie zudem ein so schnelles Ende findet, fand ich doppelt enttäuschend. Was mir gut gefallen hat, ist die Recherche über die Gottheiten vorweg. Denn die einzelnen Charaktere und deren Eigenschaften kommen so zur Geltung wie man es bisher oft gelesen hat. So muss ich wieder sagen, dass Athene für mich die authentischste Person ist. Ob man sie mag oder nicht, sei irrelevant, aber sie hat auf jeden Fall Charakter, der auch in diesem Buch sehr gut rüber gebracht wurde. Dasselbe gilt für die Gleichgültigkeit des Zeus und seiner klugen Frau Hera. Poseidon ist hier wieder einmal ein Ekel, aber damit habe ich gerechnet.

Die Entwicklung und Darstellung von Athene sowie der schwesterliche Zusammenhalt der Gorgonen hat mir am besten gefallen. Wer für mich absolut unsympathisch war, war Perseus. Er war nervig, gierig und unausstehlich. Noch dazu glänzte sein Charakter leider nicht mit Intelligenz. Das hat mich zuweilen auch gestört Die Dialoge zwischen ihm und Athene oder auch in Zusammenhang mit Hermes waren sehr flach und Fragen wurden wiederholt gestellt und beantwortet. Da hatte ich schon manchmal das Gefühl, dass die Kapitel irgendwie gefüllt werden müssen. Auch hat mir das Ende nicht gefallen. Denn letztlich war Medusa in ihrer eigenen Geschichte eine Nebenfigur, Perseus wurde ab einem gewissen Punkt zur zentralen Figur und man hat nicht erfahren wie es für alle einzelnen Personen weiterging, beispielsweise für die Gorgonen, die um ihre Schwester trauerten. Und was ist letztlich aus Perseus und Andromeda geworden nachdem Athene ihm das Haupt der Medusa abgenommen hat?

FAZIT:

Ich denke, wenn man nicht darauf aus ist, die komplette Geschichte fokussierend auf Medusa zu lesen und mit den wechselnden Erzählperspektiven zurecht kommt, kann das schon mal ein Roman der anderen Art sein. Auf jeden Fall sind die Gottheiten sehr gut ausgearbeitet.

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