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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.10.2024

Die perfekte Herbst new-adult Romanze

Take Me Home to Willow Falls (knisternde New-Adult-Romance mit wunderschönem Herbst-Setting)
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Der Herbst ist stürmisch und nass-kalt, aber auch mit goldenem Licht und voller wunderschöner Farben, insbesondere in der bezaubernden Kleinstadt Willow Falls, die uns Jared gleich zu Beginn voller Liebe ...


Der Herbst ist stürmisch und nass-kalt, aber auch mit goldenem Licht und voller wunderschöner Farben, insbesondere in der bezaubernden Kleinstadt Willow Falls, die uns Jared gleich zu Beginn voller Liebe vorstellt. Jahre nach der ersten Begegnung von Jared und Cassie treffen sie sich unter denkbar ungünstigen Umständen wieder, aber der „Farbtopf“ Willow Falls wird zur Zuflucht vor dem Sturm, im übertragenen Sinne. Denn Cassie wird für die geplatzte Hochzeit zwischen ihrer Freundin und ihrem Ex verantwortlich gemacht…
Forced proximity, fake dating, slow burn: Cassies unerwartete und plötzliche Anwesenheit in Jareds Leben sorgt für einen herzwärmend familiären Beziehungsaufbau, der seine Geschwister einschließt. Während Cassie mit dem Cybermobbing ihrer Freundin und ihrem verpatzten Examen ihren Weg finden muss versucht Jared die Familienfirma zu retten, zwischen allem die Frage, ob es Hoffnung auf ein „Jared & Cassie“ gibt. Für uns Lesende wird schnell klar, die beiden tun sich gut. Und das ist unfassbar schön zu lesen. Auch, weil der Schreibstil locker, alltagsnah und einladend daher kommt, was durch die Ich-Erzählperspektiven noch verstärkt wird. Die Entwicklung der Story ist recht vorhersehbar, meinem Mitfiebern hat das aber keinen Abbruch getan.
Die Art, wie das Buch social media thematisiert hat mit gefallen. Es wird gleichzeitig deutlich, dass das Verhalten auf solchen Apps weitreichende Konsequenzen haben kann, aber auch, dass Beziehungen über diese Filterblase hinausgehen können. Social media ist in dieser Darstellung mit dem Leben offline verwoben ohne ihm gleichgesetzt zu sein, eine Nuance die sich gut in die Erzählung einfügt.
Aus meiner Sicht hat die Autorin die new-adult Lebensphase gut getroffen und eine überzeugende Mischung aus Freundschaft, Liebe, Familie, Verantwortung und Lebensträumen geschaffen. Es ist leicht mit den Protagonist*innen mit zu fühlen und zu fiebern. Eine solide cosy Romance, perfekt für den Herbst!

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Veröffentlicht am 02.10.2024

ein Liebes-Märchen

A thousand heartbeats - Der Ruf des Schicksals
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Die Erzählung der Geschichte von Annika und Lennox besticht durch ihre ruhige, aber bestimmte Entfaltung. Alles zu seiner Zeit, hin zu einem zwar vorhersehbaren, dadurch aber nicht weniger passenden und ...

Die Erzählung der Geschichte von Annika und Lennox besticht durch ihre ruhige, aber bestimmte Entfaltung. Alles zu seiner Zeit, hin zu einem zwar vorhersehbaren, dadurch aber nicht weniger passenden und bedeutungsvollen Ziel. Zunächst lernen wir die beiden Hauptcharaktere in ihrem jeweiligen Alltag kennen, schließen sie unabhängig voneinander ins Herz, so feinfühlig wie Kiera Cass die Nuancen ihrer Sehnsüchte und Ängste beschreibt. Mit der Zeit kommen die Spannungen, was die beiden miteinander verbindet und ob diese Verbindung nicht das Gegenteil eines miteinander heißt.

Der Schreibstil ist beständig, das Tempo insgesamt gemächlich, für mich wurde die Erzählung aber keineswegs langweilig oder eintönig. Vielmehr ist in diesem Buch der Weg das Ziel. Es fühlt sich wie eine Ehre an, die Entwicklungen der Charaktere zu verfolgen. Da sind ernste Momente und Schwermut genauso wie Witz und gestohlene Momente der Hoffnung. Annika und Lennox dabei zu zusehen, wie sie ihr Potential ausschöpfen und ihre starren Regeln und Rollen als Prinzessin und Soldat hinterfragen und ihr Schicksal formen macht Freude.

Dabei fehlt es der Erzählung nie an den richtigen Details um lebendig zu werden. Die Art wie wir in kleinen Erlebnissen statt ausufernden Beschreibungen am Worldbuilding teilhaben unterstreicht perfekt den Fortgang der Geschichte. Die beiden Ich-Erzählperspektiven unterscheiden sich im Schreibstil nicht, sodass sie sich für mich im Laufe der Geschichte immer weiter verwoben haben. Kiera Cass weiß es dieses stilistische Mittel zu nutzen, zaubert aus parallelen Beschreibungen und dem Fakt, dass wir als Lesende immer mehr wissen als Annika und Lennox eine angenehme Spannung und Involviertheit. Auch wenn der Fokus durch die Erzählperspektiven klar gesetzt ist haben alle Charaktere eine ansprechende Tiefe.

Ich fand „a thousand heartbeats” flüssig und leicht zu lesen. Alle Aspekte der Erzählung konnten mich berühren und ich dieses Buch guten Gewissens weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 10.07.2024

Vom Person sein unter brutalen Umständen

Nach uns der Sturm
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Vanessa Chan legt hier ein starkes Debüt vor. Nichts an den Themen dieses Buches ist leicht, alles erfordert große Konzentration und emotionale Kapazität, sofern die Themen nicht abgetan werden sollen. ...

Vanessa Chan legt hier ein starkes Debüt vor. Nichts an den Themen dieses Buches ist leicht, alles erfordert große Konzentration und emotionale Kapazität, sofern die Themen nicht abgetan werden sollen. Die Erzählung ist offen und beschönigt nicht, ist aber gleichzeitig auch nicht darauf aus zu schocken nur um eines Schocks willen. Die Menschlichkeit unserer Hauptcharaktere trägt die Erzählung.

Die Erzählperspektive wechselt nach jedem Kapitel, so lesen wir aus der Perspektive von Cecily während der britischen und japanischen Besetzung und aus den Perspektiven ihrer Kinder. Dieses Zusammenspiel der Perspektiven ist meiner Meinung nach einer der besten Aspekte des Buches, aber er war für mich auch der anstrengendste. Einige Kapitel fühlen sich in sich rund an, als könnten sie auch alleine stehen und sind nur aufgrund der menschlichen Verwobenheit in Familie und Geschichte Teil eines größeren Ganzen. Das hat mich beeindruckt, denn die jeweiligen Persönlichkeiten, Ausgangslagen und Herangehensweisen der einzelnen Familienmitglieder werden so sowohl in ihrer Selbstständigkeit als eben auch ihrem Zusammenhang deutlich. Insbesondere in der Darstellung von Cecily, als der Grundsteinlegerin ihrer Familiengeschichte, berührt die Entscheidung nicht chronologisch zu erzählen. Manchmal bekommt eine nicht-chronologische Erzählwiese so etwas von „Vorherbestimmung“ oder Unfreiheit der Charaktere, Vanessa Chan schafft es, diesen Fallstrick komplett zu umgehen und Cecily’s Handeln als ihr Handeln wertzuschätzen ohne den Kontext und das nicht-wissen-können um die Zukunft auszublenden. Die Schuldfrage bleibt eine Gewissensfrage für Cecily selber, als Leser kommt bei mir nicht das Bedürfnis auf zu urteilen. Die Autorin hält hier eine Balance die mich beeindruckt hat.

Sprachlich liest sich das Buch in der Übersetzung gut und flüssig. Ich mag, dass die sprachliche Gestaltung unverschnörkelt ist. Sie fühlt sich an, wie an der Hand gehalten werden, sie lenkt deutlich, aber ohne Aufhebens meine Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Alles in allem ein Buch für das ich mir Zeit nehmen musste aber eben auch gern genommen habe.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

differenziert ohne dabei unkritisch zu werden

Unter Verrückten sagt man du
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Lea de Gregorio legt mit „Unter verrückten sagt man du“ ein sehr tief recherchiertes, dichtes und trotzdem von persönlicher Erfahrung und Überzeugung getragenes Buch vor. Dir Fülle an Zitaten und Referenzen ...

Lea de Gregorio legt mit „Unter verrückten sagt man du“ ein sehr tief recherchiertes, dichtes und trotzdem von persönlicher Erfahrung und Überzeugung getragenes Buch vor. Dir Fülle an Zitaten und Referenzen von medizinischen, soziologischen, philosophischen Konzepten erfordert viel Mitdenken und Vorwissen und wird zum Teil ermüdend. Angesichts des Gegenwindes von Gegnern des Buches sind sie aber auch ein solides Fundament und Mauer gegen „die hat ja keine Ahnung“ Aussagen. Es ist traurig, dass es das braucht und De Gregorio geht auf genau diese epistemischen Angriffe und saneistischen Gesellschaftsmuster ein. Ihre eigenen Erfahrungen werden immer wieder reflektiert und rückgebunden, sie ist sehr sorgsam darin graphische Beschreibungen oder „Schockmomente“ und Zuspitzungen zu vermeiden ohne die Realität der eben auch gewaltsamen Geschichte und Gegenwart des Psy-systems und die Folgen dessen zu leugnen. Das Bemühen um Ausgewogenheit und Fairness, darum deutlich zu sein ohne vor den Kopf zu stoßen, wird an vielen Stellen deutlich. Mich haben die späteren Kapitel mehr angesprochen als die ersten, was sicherlich auch an meinen eigenen Interessensgebieten im Thema liegt. Ich habe unterstrichen, an mehreren Stellen „Wiederfindezettel“ verteilt und ein paar Sätze bzw Abschnitte so gut und mutig und treffend gefunden, dass ich sie abgeschrieben habe. „Unter verrückten sagt man du“ ist in vielerlei Hinsicht keine leichte Lektüre, dieses Buch fordert seine Leser*innen heraus, bietet ihnen aber auch viel. Ich möchte es gerne empfehlen!

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Veröffentlicht am 05.05.2024

unterhaltsam, berührend und manchmal vielleicht ein bisschen Klischee

The Happiness Blueprint
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Dieses Buch ist eine gelungene Mischung aus Witz, Herzschmerz, Zuckerguss und schweren Themen. Gerade am Anfang war ich etwas erschlagen von der Schwere der Alex-Kapitel, da es sehr viel um den Tod seines ...

Dieses Buch ist eine gelungene Mischung aus Witz, Herzschmerz, Zuckerguss und schweren Themen. Gerade am Anfang war ich etwas erschlagen von der Schwere der Alex-Kapitel, da es sehr viel um den Tod seines Bruders und Alex Trauer geht. Das kam etwas unerwartet, passt aber zu dem Charakter und letztlich auch zur Geschichte. Die Missverständnisse zwischen Alex und Klara sorgen für jede Menge Herzschmerz, manchmal auch Frust und ein die beiden schütteln wollen „verdammt jetzt redet halt mal drüber!“. Witzig ist es allerdings und die Beziehung zwischen Alex und Klara wartet neben diesem Humor auch mit genug Zuckerguss auf um für den Herzschmerz zu entschädigen (oder ihn noch mehr in die Höhe zu treiben?). Slow burn im Sinne von sweet torture, ich habe gelitten und es geliebt. Ally Zetterberg hat hier zwei Charaktere wie für einander geschaffen und trotzdem legen beide noch eine ordentliche Charakterentwicklung hin. Nebencharaktere, die am Anfang etwas einseitig erscheinen, wie Klaras Schwester, werden im Laufe der Zeit immer runder, was direkt auf Klaras Entwicklung zurückzuführen ist und meiner Meinung nach einen sehr gelungenen Umgang mit dem perspektivischen Erzählen darstellt. Wie sehen die Welt wirklich durch Klaras und Alex Augen, was insbesondere dann spannend wird, wenn die beiden einander sehen.
Diese Geschichte ist unterhaltsam, berührend und manchmal vielleicht ein bisschen Klischee.

(Ich fand leider die gewählten Schriftarten fast durchgängig anstrengend zu lesen, zt waren die Kontraste nicht gut und das Druckbild unscharf.)

Achtung, (eventuell) Spoiler:
Klara war für mich sehr offensichtlich autistisch, dies kommt allerdings erst zum letzten Drittel hin explizit zur Sprache, da Klara dies selber zu Beginn nicht weiß. Auf diese Art dürfen Lesende Klara mit ihrer Art die Welt zu sehen und in ihr zu interagieren erstmal unvoreingenommen kennenlernen, lachen mit ihr aber nicht über sie. Ally Zetterberg schafft gerade bevor das Thema explizit wird eine sehr runde ausgewogene Darstellung, die durch ihre Selbstverständlichkeit überzeugt. Die Auseinandersetzung mit der Diagnose ist dann doch etwas oberflächlich beschrieben, der Prozess der Verarbeitung für die Geschichte beschleunigt dargestellt. Kernelemente sind trotzdem vorhanden und in gewisser Weise wird auch hier die Selbstverständlichkeit des so-seins aus dem Beginn der Erzählung beibehalten. Insgesamt aus meiner Sicht eine gelungene Darstellung einer autistischen Hauptperson, bei der weniger Wert auf sachliche Aufklärung gelegt, sondern einfach fundamental das autistische Erleben dieser einen Person dargestellt wird.

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