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Veröffentlicht am 18.10.2024

Winterfeldtstraße, 2. Stock

Winterfeldtstraße, 2. Stock
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Berlin 1923. Charlotte ist im 5. Monat schwanger, als ihr Mann sich das Leben nimmt. Sie kann es nicht fassen und findet nur langsam zurück in die Normalität. Dazu kommen finanzielle Sorgen. Schwanger ...

Berlin 1923. Charlotte ist im 5. Monat schwanger, als ihr Mann sich das Leben nimmt. Sie kann es nicht fassen und findet nur langsam zurück in die Normalität. Dazu kommen finanzielle Sorgen. Schwanger findet sie keine Arbeit, Geld hat sie keins – nur eine große Wohnung. So entscheidet sie sich, die einzelnen Zimmer zu vermieten. Neben ihrem Bruder zieht dessen Freund ein, später findet sie durch Zufall noch Claire und auch Theo. Doch ihr Bruder hält nicht viel von Arbeit und gerät auf die schiefe Bahn und Theo ist auch nicht der, der zu scheinen er vorgibt. Und so hat Charlotte bald neue Sorgen…
Mir hat das Buch gut gefallen. Durch die verschiedenen Untermieter hat Charlotte Zugang zu allen Kreisen. Den ganz armen Menschen, die mit Mühe und Not in Zeiten der Inflation versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Aber auch in die der Reichen, die die Nächte durchfeiern und für die Berlin gerade in den 1920er Jahren ein billiges Pflaster ist. Der Autorin Johanna Friedrich gelingt es, auch die politischen Probleme dieser Zeit in das Buch einzubauen, ohne dass es langweilig wird oder aufgesetzt wirkt. Man kann die Menschen verstehen, die sich für etwas entscheiden- sei es die Kommunisten, die Sozialdemokraten oder auch die Mitgliedschaft in den sogenannten Ringvereinen oder später in der NSDAP. Die Figuren sind überwiegend sympathisch und man kann ihre Entscheidungen nachvollziehen. Das Leben in dieser Zeit kommt gut rüber, auch die Verwirrungen und die Probleme. Und trotzdem ist es eine gut erzählte Geschichte. Das macht das Buch auf jeden Fall lesenswert und auch eine Fortsetzung würde mir gefallen.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Janusmond

Janusmond
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Louisson in Südfrankreich im Sommer. Es ist brütend heiß, als der Deutsche Leon Bernberg in den Ort kommt, um seine seit über 10 Jahren verschwundene Zwillingsschwester Lune für tot erklären zu lassen. ...

Louisson in Südfrankreich im Sommer. Es ist brütend heiß, als der Deutsche Leon Bernberg in den Ort kommt, um seine seit über 10 Jahren verschwundene Zwillingsschwester Lune für tot erklären zu lassen. Er stellt es sich ganz einfach vor – nur ein Papier von der Polizei und gut. Doch der Polizist Christian macht es sich nicht so einfach. Er beginnt, nach Lune zu suchen bzw. ihre alten Spuren zu verfolgen. Und verfällt irgendwie mehr und mehr in den Bann dieser sehr eigenartigen Frau. Und auch in den von Christian. Ein paar Tage lässt er ihn sogar bei sich und seiner Familie (Frau und 3 Kinder) leben. Doch mehr und mehr häufen sich eigenartige Vorfälle und dann sterben 2 Männer, die früher viel mit Lune zu tun hatten …

Zuerst an dem Buch aufgefallen ist mir die Gestaltung. Der Schnitt ganz schwarz, der Einband ebenfalls mit nur wenig roter und weißer Schrift. Innen ist es genau umgekehrt – rot überwiegt. Schon hier wird sehr deutlich gemacht, worum es in dem Buch geht. Die zwei Seiten eines Menschen oder eben zwei unterschiedliche Zwillinge oder auch zwei Sicht auf jedes Ereignis. Das zieht sich konsequent durch das ganze Buch. Zuerst kennt man nur die Version von Leon, der von seiner Frau und seinem Freund/Anwalt gedrängt wird, Lune für tot erklären zu lassen, damit sie an ihr Erbe von 8 Millionen kommen. Er verschweigt allerdings, dass die Mutter der Zwillinge, die Lune als Kind immer gequält hat, auf eigenartige Weise gestorben ist. Im Verlaufe des Buches erfährt man einiges aus Sicht von Lune durch ihre Briefe. Und im Fortgang der Geschichte hat man mehr und mehr Zweifel, dass Leon das alles so richtig erklärt hat und welche Rolle er bei dem ganzen spielt. Genau das macht die Spannung des Buches aus. Immer wenn man das Gefühl hat, jetzt klärt sich etwas, ist der nächste Abschnitt schon wieder mit neuen Sachen verwirrend. Man ahnt oder weiß, Leon ist nicht einfach nur der, der er vorgibt (was auch auf einige andere Personen zutrifft), aber man kann ihn nicht fassen. Und genau so geht es auch Christian, der mit seinem Kollegen ermittelt. Erst ganz am Ende gibt es eine zum Teil sehr überraschende Wende und trotzdem schließt das Buch auch wieder nicht völlig ab. Dieses Eigenartige und auch Zwiespältige hat mir gut gefallen. Es ist eben nichts eindeutig schwarz/weiß (oder eben hier schwarz/rot), die Seiten wechseln oft.
Auf eine Fortsetzung mit dem Polizisten Christian oder auf ein ganz anderes Buch der Autorin freue ich mich jedenfalls sehr.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Engelsgleich

Engelsgleich
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In Berlin wird eine grausame Entdeckung gemacht. In einem alten Industriegelände wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Sicher nicht so ungewöhnlich in einer Großstadt. Doch beim Absuchen des Tatorts ...

In Berlin wird eine grausame Entdeckung gemacht. In einem alten Industriegelände wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Sicher nicht so ungewöhnlich in einer Großstadt. Doch beim Absuchen des Tatorts werden direkt daneben in alten Abfallgruben 11 weitere Leichen gefunden – alles Kinder, Mädchen und Jungen, gefoltert und verstümmelt. Die Kommissare Kalkbrenner und Muth sind fassungslos und die Ermittlungen gestalten sich schwierig.
Dann ist da noch die Geschichte einer Pflegemutter. Juliane sucht ihre verschwundene Pflegetochter Merle. Niemand nimmt sie Ernst, denn Merle stammt aus schwierigen Verhältnissen und ist nicht zum 1. Mal verschwunden. Während Juliane nicht aufgibt bei ihrer Suche, zerbricht ihre Beziehung daran, sie verliert den Job und alle Freunde.
Zeitgleich geht es um Markus. Er ist ein kleiner Drogendealer und „arbeitet“ sich so nach und nach in der Hierarchie nach oben, verwickelt in die russische Mafia und Cristal Meth aus Tschechien. Und auch hier geschehen grausame Morde.
Martin Krist gelingt es sehr gut, die so unterschiedlichen Handlungen mit viel Spannung zu verknüpfen. Dabei geht es um aktuelle Themen aus dem Bereich (Kinder)Prostitution, Drogenhandel und Entführung. Es geht um Machtkämpfe auf der Straße und innerhalb der Polizei. Die Ermittler sind glaubhaft, normale Leute mit einem normalen Leben. Es gibt einige sehr überraschende Wendungen, einige sind vorhersehbar, aber deshalb nicht weniger gelungen. Was mir besonders gefallen hat, ist der Zusammenhang dieser vielen Themen. Man hat trotzdem nicht das Gefühl, dass hier versucht wurde, alles „reinzupacken“ und unterzubringen. Im Gegenteil – es greift stimmig ineinander. Auch wurde das Ende nicht „rosarot“ verklärt und aufgelöst und es sieht nach einer Fortsetzung der Geschichte aus. Ich würde sie gern lesen.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Der Preis der Treue

Der Preis der Treue
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Ein 54-jähriger Mann sitzt in seinem Arbeitszimmer. Zu Hause – bei Frau und Tochter, die er eigentlich nur noch am Wochenende sieht. Denn in der Woche lebt er in Paris als Anwalt und hat eine wesentlich ...

Ein 54-jähriger Mann sitzt in seinem Arbeitszimmer. Zu Hause – bei Frau und Tochter, die er eigentlich nur noch am Wochenende sieht. Denn in der Woche lebt er in Paris als Anwalt und hat eine wesentlich jüngere Freundin. Anfangs fand er es ganz toll. Er fühlte sich wieder jung, fand den Sex mehr alt gut, hatte neuen Spaß am Leben. Doch mehr und mehr gerät er in den Zwiespalt, dass er sich bei seiner Familie ebenfalls wohl fühlt und sie unheimlich vermisst. So beschließt er, vor dem geplanten Familienurlaub eine Entscheidung zu treffen: für seine Familie oder für seine Freundin?
Eigentlich könnte man sagen: die Geschichte ist total banal. Da ist ein schon älterer Mann, der mit einer wesentlich jüngeren Freunden den 2. Frühling erlebt. Trotzdem hat das Buch etwas ganz eigenes. Der Mann – man erfährt seinen Namen nicht – erzählt geradlinig und direkt, wie er in die Situation geraten ist. Er wägt das Für und Wider von Freundin und Frau ab, vermischt seine Wünsche mit dem realen Geschehen, möchte am liebsten alle – Frau, Freundin, Tochter – irgendwie zusammenbringen, weiß aber, dass es nicht geht. Das ganze Geschehen erfolgt in der Ich-Form und nur aus Sicht des Mannes. Die Ansichten von Frau und Freundin beruhen auf seinen Annahmen. Ob es stimmt, kann man nicht wissen. Aber irgendwie tut er einem leid. Normalerweise würde man die Frauen als die Leid tragenden ansehen. Aber hier kann man den Mann irgendwie nicht verurteilen und möchte nur wissen, wie seine Entscheidung ausfällt.
Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen, es hat eine ganz eigenartige innere Spannung, man kann schlecht loslassen.
Nicht so gut gefallen hat mir das Cover, ich fand es irgendwie altmodisch und auch etwas einseitig auf die Freundin ausgerichtet.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Madame Picasso

Madame Picasso
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„Madame Picasso“ ist ein zauberhaftes Buch. Es geht um Eva. Sie ist ein Kind polnischer Einwanderer und wächst in einem Pariser Vorort auf. Aber sich möchte mehr aus ihrem Leben machen, als nur den von ...

„Madame Picasso“ ist ein zauberhaftes Buch. Es geht um Eva. Sie ist ein Kind polnischer Einwanderer und wächst in einem Pariser Vorort auf. Aber sich möchte mehr aus ihrem Leben machen, als nur den von den Eltern vorgesehenen Mann zu heiraten und Kinder zu bekommen. So läuft sie von zu Hause weg und geht nach Paris. Sie bewirbt sich als Näherin im berühmten Moulin Rouge. Nach Anfangsschwierigkeiten setzt sie sich mit ihrem Willen und können aber durch und beginnt, unser den Theaterkünstlern Freunde zu finden. So lernt sie auch Maler und Dichter kennen, u. a. auch Pablo Picasso. Es ist auf beiden Seiten Liebe auf den ersten Blick. Doch Picasso hat noch eine Dauerfreundin, die sich „Madame Picasso“ nennen lässt. Und Eva ist sich zu schade, um nur eine Daueraffaire zu werden. So dauert es eine Weile, bis aus beiden ein Liebespaar wird.
Bei dem Buch fällt als erstes das Cover ins Auge, wunderbar gelungen zeigt es den Eiffelturm, den man sofort mit Paris verbindet. Dazu eine Frau, die ihren Weg geht und gleichzeitig so „typisch französisch“ leicht wirkt. Auch der innere Einband ist richtig gelungen.
Gleiches kann man von den Buch sagen. Der Stil ist einerseits „luftig“ leicht, andererseits voller kluger Gedanken. Man kann das Leben von Eva nachvollziehen, ihre Wünsche und Träume, ihre Beharrlichkeit bei der Umsetzung, ihr Willen zum Lernen, ihre große Liebe zu Picasso. Auch die vielen Schwierigkeiten, die sie bei Picassos Freunden und Bekannten überwinden muss, sind absolut nachvollziehbar. Der Autorin ist es gelungen, Eva als eine sehr starke und trotzdem verletzliche Frau darzustellen, die ihrer Zeit manchmal voraus ist, trotzdem aber in ihr verhaftet. Picasso dagegen wirkt manchmal ein bißchen blass, was aber vielleicht gewollt ist, denn auch er ist ein sehr starker Mensch und Künstler gewesen, der viele Eigenheiten hatte. So aber bleibt in diesem Buch Eva die Hauptperson.

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