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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2025

Atmosphärisch und Übernatürlich

LAKE – Das Haus am dunklen Ufer
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Die Schauspielerin Casey Fletcher muss den Verlust ihres Mannes verkraften und den Nullpunkt ihrer schauspielerischen Karriere. Um wieder ins Leben zurückzukommen, verfrachtet ihre Mutter sie an den Lake ...

Die Schauspielerin Casey Fletcher muss den Verlust ihres Mannes verkraften und den Nullpunkt ihrer schauspielerischen Karriere. Um wieder ins Leben zurückzukommen, verfrachtet ihre Mutter sie an den Lake Greene in Vermont, ausgerechnet dorthin, wo ihr Mann vor einigen Monaten verstarb. Dies und die absolute Ruhe lassen Casey immer häufiger zur Flasche greifen und zu einem alten Fernglas. Doch Casey beobachtet nicht die weite Natur, sondern das Haus an der gegenüberliegenden Uferseite und damit das Ehepaar Tom und Katherine.

Schnell merkt Casey, dass bei den beiden mehr Schein als Sein existiert und plötzlich verschwindet Katherine spurlos. Sie ist sich sicher, dass Tom etwas damit zutun haben muss.

Lake von Riley Sager klang nach einem spannenden (PsychThriller, doch leider war das Buch eher ruhig und atmosphärischer. Lange baut Sager erst eine extrem dichte und düstere Atmosphäre auf, die dazu führt, dass Caseys Gedanken- und Gefühlswelt sehr gut aufgestellt werden und eine gewisse Nähe zu ihr aufgebaut wird. Doch insgesamt passiert in der Zeit nur wenig spektakuläres.

Im letzten Viertel wird dann jedoch das Tempo stark angezogen und mit einigen Twists und Wendungen gespielt. Manche sind überraschender, andere weniger und leider sind manche ganz schön übernatürlich. Ich bin kein Fan, wenn übernatürliche Dinge passieren und in diesem Fall wurde das nicht nur dick aufgetragen, sondern kam auch urplötzlich und aus dem Nichts. Aufgrund des bis dato aber doch eher zähen Verlaufs, habe ich zumindest das daraus resultierende Tempo gerne mitgenommen. Denn die angesprochene Spannung konnte es definitiv gebrauchen und auch die (natürlichen) Wendungen gefielen mir gut.

Wer auf atmosphärische und eher ruhige Thriller steht, die auch übernatürliche Elemente haben dürfen, der ist bei Lake genau richtig. Wer mindestens eins davon gar nicht mag, der könnte hier eine große Enttäuschung erleben. Für mich darf es gerne etwas ruhiger und atmosphärischer sein, wenngleich es mir hier doch ein paar Seiten zu viel waren und deswegen, sowie aufgrund der übernatürlichen Dinge, reicht es leider 'nur' für drei Sterne.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Spuk im Harz

Villa Obscura
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Die angesehene Fotografin Constanze Eschede veranstaltet eine Halloweenparty in einer abgelegenen Villa im Harz. Was als berauschender Abend in Erinnerungen bleiben sollte, wird für sechs Jugendliche zu ...

Die angesehene Fotografin Constanze Eschede veranstaltet eine Halloweenparty in einer abgelegenen Villa im Harz. Was als berauschender Abend in Erinnerungen bleiben sollte, wird für sechs Jugendliche zu einem absoluten Albtraum, denn zwei maskierte Fremde nehmen sie als ihre Geiseln und schicken sie mit auf einen tödlichen Trip.

Villa Obscura von Melissa C. Hill und Anja Stapor ist ein Jugendthriller für Leser:innen ab 14 Jahren, der perfekt für die Halloweenzeit scheint, doch auch zu jeder anderen Jahreszeit Grusel verspricht. Besonders gut gefallen hat mir die Einarbeitung des Settings - des Brocken im Harz - in die Geschichte, die für eine mysteriöse Atmosphäre sorgen konnte.


Doch das Konstrukt um die sechs Jugendlichen wird durch Perspektivwechsel gut dargestellt, sodass wir erfahren warum die sechs Personen auf der Party erscheinen und welche Beziehung sie zur Veranstalterin haben. Dennoch wirkte bereits die Zusammenstellung sehr konstruiert, wie dann auch der weitere Storyverlauf, was mir ein wenig die Lesefreude nahm.

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Veröffentlicht am 25.12.2024

24 (+1) Tage in New York

Mistletoe Moments. Ein Adventskalender. Lovestorys für 24 Tage plus Silvester-Special
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Mistletoe Moments verspricht winterlich, (vor-)weihnachtliche Kurzgeschichten aus New York, die ans Herz gehen. Sechzehn Autor:innen haben sich am buchigen Adventskalender beteiligt und 16 verschiedene ...

Mistletoe Moments verspricht winterlich, (vor-)weihnachtliche Kurzgeschichten aus New York, die ans Herz gehen. Sechzehn Autor:innen haben sich am buchigen Adventskalender beteiligt und 16 verschiedene Kurzgeschichten erschaffen. Jeden Tag lässt sich ein Kapitel lesen, viele Geschichten sind jedoch auf zwei Kapitel aufgeteilt. Neben dem 24. Türchen gibt es zum Schluss noch das Silvester-Special.

Das Buch zu bewerten ist natürlich schwierig, denn sechzehn verschiedene Autor:innen sorgen natürlich dafür, dass man die jeweiligen Schreibstile anders wahrnimmt und nicht mit jedem Türchen warm werden kann. Die Grundidee von Mistletoe Moments finde ich aber wunderschön, denn es hat unglaublich Spaß gemacht, sich jeden Tag in eine neue Geschichte zu stürzen und vor allem neue Autor:innen kennenzulernen. Die Idee selbst bekommt von mir daher die volle Punktzahl.

Die Umsetzung hat mich häufig jedoch enttäuscht. Ich habe mich auf winterlich und (vor-)weihnachtliche Geschichten aus New York gefreut, die mir das Gefühl der amerikanischen Weihnachtsfilme übermitteln. Doch leider konnten bei mir nur wenige Geschichten diese Atmosphäre wirklich rüberbringen und an dem Punkt rede ich noch nicht davon, ob mir diese Geschichten inhaltlich oder im Bezug auf den Schreibstil gefallen haben. Das finde ich schade, denn die wenigen, die es konnten, haben das Potenzial dieser Idee überragend übermitteln können und mich nach New York transportiert.

Auch war ich mir bezüglich des Konzepts zwischenzeitlich unsicher, Charaktere der Vorgeschichte wurden meistens eingebaut - was super gelingen kann, manchmal aber auch zwanghaft und dadurch unauthentisch wirkt -, aber in wenigen fehlen diese - aufgrund der Erwartungen die man durch die anderen Geschichten erlangt hat, wirken diese dann leider als würden sie nicht „dazugehören“. Dann hatte ich das Gefühl, dass das jeweilige Türchen das Ende der Geschichte darstellt, eine Tür hat dies aber komplett über Bord geworfen und damit auch für eine „Fehlnote“ bei mir gesorgt.

Doch bei aller Kritik bleibe ich dabei, dass die Buchidee hervorragend ist. Es gibt jeden Tag ein Kapitel auf das man sich freuen kann, die Kurzgeschichten, die einen nach New York transportieren, sorgen für ein kurzweiliges Lesevergnügen und eine Menge Schneechaos. Durch die verschiedenen Autor:innen hat man dann auch noch das Vergnügen neue Schreibstile zu entdecken.

In meinem Fall konnten Saskia Louis und Sabine Schoder (mit ihren erschaffenen Charakteren, ihren Schreibstilen und dem Erfüllen meiner Erwartungen) mich am meisten überzeugen und damit habe ich direkt zwei Autorinnen entdeckt, deren Bücher ich bisher (noch) nicht auf den Schirm hatte.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Ertrunken in den vielen Handlungssträngen.

A Study in Drowning (A Study in Drowning, Band 1)
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Euphemia ‚Effy‘ Sayre möchte Literatur studieren, doch als Frau ist ihr das in Llyr untersagt, weswegen sie sich für ein Architektur-Studium entscheidet. Als einzige Frau in ihrem Studiengang, hat sie ...

Euphemia ‚Effy‘ Sayre möchte Literatur studieren, doch als Frau ist ihr das in Llyr untersagt, weswegen sie sich für ein Architektur-Studium entscheidet. Als einzige Frau in ihrem Studiengang, hat sie es allerdings auch dort nicht leicht. Allerdings erhält sie durch ihr Studium die traumhafte Möglichkeit das Anwesen ‚Hiraeth Manor’ ihres verstorbenen Lieblingsautors zu renovieren. Doch das Anwesen ist nicht nur heruntergekommen, sondern droht zunehmend vom Meer verschlungen zu werden und dann ist da auch noch ausgerechnet der Literaturstudent Preston Héloury, der den Nachlass des Autoren sichtet. Gemeinsam kommen sie einem dunklen Geheimnis auf die Spur.

A study in drowning von Ava Reid ist ein historischer Fantasyroman mit düsterer Atmosphäre, der durch einen tollen, detaillierten Schreibstil und einer spannenden Grundidee überzeugen kann.

Die Autorin macht über knapp 460 Seiten sehr viele Handlungstränge auf, da wäre der feministische Aspekt, der unter anderem durch Effys Studiumswahl präsentiert wird, die Enemies-to-Lovers-Romance zwischen Effy und Preston, die Mythen und der Elfenkönig. Jeder einzelne Aspekt hatte ein gutes Grundgerüst, allerdings fehlte mir überall die Tiefe, weswegen ich nie wirklich im Buch ankam. Es hätte für meinen Geschmack mehr Raum gebraucht, auch um die einzelne Handlungsstränge einordnen und mitfühlen zu können. Die vorhandene Oberflächlichkeit führte dann hingegen eher zu langatmigen Passagen.

Dennoch haben mir die Atmosphäre, die Ideen der einzelnen Handlungsstränge und das Ende durchaus gefallen und konnten mich unterhalten.

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Veröffentlicht am 03.12.2024

1468-2019, Murano.

Das Geheimnis der Glasmacherin
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1468: Venedig. Der tragische Tod des Glasvirtuosen Lorenzo Rosso wirft Trauer über Venedig. Seine Tochter Orsola nimmt das Schicksal der Familie in die Hand, trotz den Konventionen und erlernt das Handwerk ...

1468: Venedig. Der tragische Tod des Glasvirtuosen Lorenzo Rosso wirft Trauer über Venedig. Seine Tochter Orsola nimmt das Schicksal der Familie in die Hand, trotz den Konventionen und erlernt das Handwerk ihres Vaters.

Das Geheimnis der Glasmacherin von Tracy Chevalier kann mit einem einnehmenden Schreibstil punkten, der mir die Geschichte der Glasmacherei und die Zeiten auf Murano unfassbar gut übermitteln konnte, sodass ich insgesamt sehr gut durch die Geschichte gekommen bin.

Ich fand die Veränderung der Arbeitsabläufe, die sich über die fast 600 Jahre ergaben, super interessant und habe sehr gerne über diese Entwicklung gelesen. Allerdings konnte mich eine Sache gar nicht überzeugen und hat bei mir die Lesefreude doch minimiert, eine Protagonistin (und weitere Charaktere), die wesentlich langsamer altern. Ist Orsola anfangs 9-Jahre alt, beenden wir ihre Geschichte mit Ende 60. Sie ist also knapp 60 Jahre, in 600 Jahren gealtert.

Bei einer solchen Geschichte, hätte ich vermutet, dass wir über die Jahre mehrere Familien/Generationen kennenlernen und nicht nur einer Protagonistin folgen. Das war für mich zu viel (unerwartbare) Fantasy.

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