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Veröffentlicht am 03.09.2025

Crazy American Story

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Zum Schreibstil:
Ich musste mich hier echt erst ein wenig einlesen. Und das lag nicht nur daran, dass im Präsens geschrieben wurde, sondern vor allem auch daran, dass ich mich mit Phoebe erst anfreunden ...

Zum Schreibstil:
Ich musste mich hier echt erst ein wenig einlesen. Und das lag nicht nur daran, dass im Präsens geschrieben wurde, sondern vor allem auch daran, dass ich mich mit Phoebe erst anfreunden musste und (und das gehört für mich auch immer zum Schreibstil) die sehr vergangenheitslastige Erzählweise hat mich unheimlich darin gebremst, mich einzufühlen. Dazu kamen auch im späteren Erzählverlauf immer wieder längere Erzählpassagen, die nicht so richtig vorankamen.
Ansonsten ist der Schreibstil eher humoristisch, aber auch trocken und oft dramatisch, ohne dies auf einem Grundlevel zu halten. Ich war deshalb oft einfach irritiert und konnte nicht so richtig mit dem Flow gehen. Der Humor konnte dafür aber gut die eher depressive Anfangsstimmung von Phoebe ausgleichen.

Zur Geschichte allgemein:
Phoebe war für mich echt kein leichter Charakter. Einfach, weil ich mich so komplett gar nicht mit ihr identifizieren konnte. Sie lässt sich komplett hängen, macht alles von anderen abhängig von zeigt anfangs das Gegenteil von Optimismus. Man erfährt außerdem erst etwas später, weshalb sie so drauf ist, was natürlich erstmal viel Unverständnis erzeugt. Aufklärung gibt es über die Rückblicke, die aber gerade anfangs sehr große Teile der Geschichte einnehmen und den Eindruck bestätigen, dass Phoebe eher in der Vergangenheit lebt als in der Gegenwart.

Erst nach circa 100 Seiten nimmt das Buch so richtig Fahrt auf. Es wird wild und crazy. Denn auf der Hochzeit läuft plötzlich alles gar nicht mehr so wie geplant und Phoebe ist mittendrin. Schön war, wie Lila und Phoebe sich ergänzen. Wie sie voneinander lernen und beide nach und nach in ihrem Charakter reifen. Umso enttäuschender war es dann, als Phoebe doch wieder Rückschritte macht. Man weiß während der ganzen Handlung also praktisch nie, woran man ist. Selbst das Hochzeitspaar wird in Frage gestellt. Erzähltheoretisch war das super. Es passierten immer wieder unerwartete Dinge, alle müssen sich fragen, was sie wirklich wollen und die Charaktere der Figuren kamen immer mehr zum Vorschein. Was dabei aber vergessen wird, ist, dass Phoebe sich anfangs suizidieren will und es danach wenig bis gar nicht mehr thematisiert wird. Das finde ich schon eher problematisch, da es statistisch gesehen doch sehr unwahrscheinlich ist, dass ein Mensch das so ohne weiteres, nur durch eine wilde Hochzeit, vergisst bzw. überwinden kann.

Auch, wenn das Thema und auch Phoebes Depressionen eher schwach thematisiert wurden, haben die Figuren dennoch bewiesen, dass sie auch tiefgründigere Gespräche führen konnten. Durch die durchwachsene Hochzeitsgesellschaft kamen immer wieder ganz unterschiedliche Leute dazu, miteinander zu reden und bringen immer mehr Facetten in Phoebes wie auch Lilas Perspektive. Das mochte ich ganz gerne und hat einen guten Ausgleich zu den eher lustigen Handlungselementen geschaffen. Es passierte aber auch nicht selten, dass die Dialoge ins schräge umschwenkten und es auf einmal komisch wurde, zu lesen oder auch einfach lang. Einiges hätte man an solchen Stellen definitiv noch kürzen können, während Phoebes Ausarbeitung noch ein paar Seiten mehr gebraucht hätte.

Ganz allgemein kann man dann vielleicht noch sagen, dass dies definitiv eine sehr konstruierte Geschichte ist. Ein Aufeinandertreffen von Figuren, die normalerweise eher nicht miteinander reden würden, Situationen, die wohl eher nicht gehäuft auftreten und eine Hochzeit, die vlt. im realen Leben schon längst abgesagt worden wäre. Damit muss man umgehen können:)

Fazit:
Das Buch konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Der Schreibstil wirkte auf mich oft sperrig, da die stark vergangenheitsorientierten Passagen den Lesefluss bremsten und der humoristisch-trockene Tonfall nicht immer stimmig wirkte. Auch Phoebe als Hauptfigur blieb mir lange fremd und schwer zugänglich, was das Einfühlen deutlich erschwerte. Zwar nahm die Handlung ab einem gewissen Punkt Fahrt auf und bot einige überraschende Wendungen sowie spannende Charakterentwicklungen, doch die schwache und stellenweise problematische Thematisierung von Phoebes Depressionen hinterließ einen faden Beigeschmack. Insgesamt wirkte die Geschichte zu konstruiert und unausgewogen, sodass die positiven Momente leider nicht genug Gewicht hatten.

2 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Mir fehlte die Liebe

Hidden Scars
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Schreibstil:
Den Schreibstil fand ich ganz okay. Ich kam gut in die Geschichte rein und konnte der Handlung gut folgen. Einzig die fehlende Nahbarkeit hat mich beim Lesen etwas gestört. Es wirkte ein wenig ...

Schreibstil:
Den Schreibstil fand ich ganz okay. Ich kam gut in die Geschichte rein und konnte der Handlung gut folgen. Einzig die fehlende Nahbarkeit hat mich beim Lesen etwas gestört. Es wirkte ein wenig wie gespielt und nicht, wie aus dem Moment gegriffen. Besonders in Situationen, in denen die Protagonisten in einer hektischen Situation waren.

Zur Geschichte allgemein:
Es wird komplett aus der Perspektive von Hazel erzählt, die am Anfang dieses Buches gerade aus Portugal in die Staaten zurückkehrt und ein eher beschauliches Leben lebt. Als sie „Logan“ kennenlernt, ahnt sie somit überhaupt gar nichts. Sie ist aber nicht nur unwissend, sondern generell gutgläubig und ein wenig naiv. Charaktereigenschaften, die im Handlungsverlauf sowohl in die gute als auch in die schlechte Richtung gehen können. Bei Hazel war es ein wenig von beidem. Sie ist unfassbar liebenswert mit ihrem unterschütterlichen Glauben in das Gute in jedem Menschen. Gleichzeitig war ich aber auch oft genervt von ihr, weil sie sich stets von allen anderen nur herumschubsen ließ. Sei es ihre beste Freundin, die eigentlich ziemlich bitchy ist, oder eben Caleb, der sie immer wieder auflaufen lässt. Aber dazu später mehr. Erst einmal soll es um Hazel gehen, die noch eine krasse Backgroundstory mit sich herum trägt: (Achtung, vielleicht ist das jetzt ein Spoiler für euch, sowie Triggerwarnung) Sie hat eine Essstörung. Oder hatte. So ganz verstanden habe ich das über den Handlungsverlauf hinweg nicht, denn es wird zwar immer wieder aufgegriffen, aber eine richtige Auseinandersetzung in Hazels Gedanken gibt es dazu nicht. Der Einzige, der es offen mitbekommt und Hazel dort in ihrer Entwicklung unterstützt (bei ihr aber leider nicht richtig wahrnehmbar), ist Caleb, der ihr zeigt, dass er sie unabhängig von ihrem Gewicht liebt. Das fand ich sehr süß und auch sehr wichtig. Er lässt da nichts auf sie und ihn kommen und kann so überzeugend auf sie einwirken. Nur fehlt bei Hazel eben die Auseinandersetzung. Es geschieht einfach ganz plötzlich, dass sie sich jetzt gut mit ihrem Körper fühlt und kann dann auch mal ganz easy, ohne irgendwelche negativen Gedanken, zu einem Bademodenshooting gehen. Etwas, dass ich mir als eher problematisch für jemanden vorstelle, der schon lange Zeit mit sich und seinem Körper kämpft.

Diese Kurzsichtigkeit bezieht sich auch auf die anderen Figuren in diesem Buch. Logan beispielweise macht echt krasse Sachen, zeigt aber nie Reue oder wird auch nur mal richtig zur Auseinandersetzung mit seinen Taten gezwungen. Stattdessen wird es einmal erwähnt und ist dann erledigt. Genauso ist es mit Grace, Oliver, Hazels Mutter und eigentlich allen anderen. Und eben Caleb.

Caleb ist anfangs noch in verdeckter Mission unterwegs, wenn man es denn so nennen will. Im Gegensatz zu Hazel kommt man als Leser:in aber sehr schnell auf die Lösung des Rätsels. So ist es keine wirkliche Überraschung als herauskommt, dass Caleb Caleb ist. Von ihm bekommen wir einige Einblicke in seine frühste Vergangenheit, die sehr emotional und berührend sind. Sie teasern eine tiefgründige Backgroundstory an, diese wird aber erst sehr spät im Handlungsverlauf aufgegriffen und konnte mich aufgrund der fehlenden Kommunikation seinerseits mit Hazel und allen anderen auch nicht komplett einnehmen. Es war nicht spürbar, nicht mitreißend und bestenfalls gut konstruiert, aber nicht ausgeschrieben. Das fand ich super schade, weil anfangs schon ein paar Christian-Grey-Vibes rüberkamen, diese aber nicht verfolgt wurden. Stattdessen blieb er durchweg ein Geheimnis.
Caleb war aber auch auf anderer Ebene für mich nicht überzeugend: Ich konnte ihn nicht mit Hazels Herzchen in den Augen ansehen. Etwas, was ich normalerweise bei fast jedem Liebesroman kann, weil ich mich mit der Protagonistin in den Love Interest (oder andersherum) verliebe. Hier war es aber nicht so. Zwar war/ist Caleb anfangs nett, aber er zeigt auch sofort Red Flags, die ich einfach nicht ignorieren konnte. Dazu gehörte: Er wertschätzt sie nicht, alles muss immer nach ihm gehen, er fühlt sich nicht in sie ein, er ist gewalttätig (zum Glück nicht ihr gegenüber), er gibt immer ihr die Schuld und er entschuldigt sich nie. Das zieht sich durch die ganze Handlung und macht es echt schwer, Hazel nicht entgegen zu schreien, sie solle ihn einfach verlassen. Ehrlich gesagt habe ich anfangs auch mal wieder den Klappentext nicht gelesen und war mir erst gar nicht sicher, wer nun der Love Interest ist. Logan oder Caleb. Und dann war ich etwas entsetzt, dass sie Caleb gewählt hat. Denn ganz ehrlich: Sobald ein Typ anfangt, um sich zu schlagen, bin ich raus.
Und Hazel, naiv wie sie ist, ignoriert jede einzelne dieser Red Flags. Ja, es gibt eine Auseinandersetzung, ja, es wird deutlich, dass er irgendwo was falsch gemacht hat. Aber immer ist es an Hazel, es wieder gerade zu biegen. Damit ist es für mich eine toxische Beziehung und nicht unbedingt eine, zum Schwärmen.

So war die Verbindung zwischen den beiden für mich nicht so richtig spürbar und auch die anderen Figuren blieben für mich schlecht greifbar. Calebs Vater ist auch so ein Kandidat zum Beispiel. Ich denke, da hätte man eigentlich noch viel mehr rausholen können, denn die Grundsteine waren gut gelegt. Das tatsächliche ständige Auf und Ab ohne richtige Aufklärung und ohne, dass Emotionen übertragen wurden, machte es aber sehr schwer, sich von der Handlung mitreißen zu lassen. Die Widersprüche häuften sich, die spicy Szenen haben dann auch eigentlich nie Sinn gemacht und das Ende war eher an den Haaren herbeigezogen. Da hat auch der Epilog nichts Gutes mehr beitragen können.

Fazit:
Für mich war dieses Buch leider eine Enttäuschung. Die Storyline ist nicht wirklich mitreißend und erzählt eher die Geschichte einer toxischen Liebe zwischen einer naiven Protagonistin und einem Protagonisten, der die Red Flags geradezu sammelt. Die Grundidee fand ich dabei super und in Calebs Vergangenheit lagen definitiv viele Emotionen. Es konnte aber im Handlungsverlauf nicht umgesetzt werden. Somit kann ich dieses Buch leider nicht weiterempfehlen.

2 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 06.10.2024

Kein Pageturner

We Conquer the Dark
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Ich lese schon lange Bücher von Emma Scott und bin normalerweise sehr begeistert von ihrem Schreibstil, der zwar locker ist, aber auch immer die richtigen Worte findet, um jede Menge Tiefe zu erzeugen. ...

Ich lese schon lange Bücher von Emma Scott und bin normalerweise sehr begeistert von ihrem Schreibstil, der zwar locker ist, aber auch immer die richtigen Worte findet, um jede Menge Tiefe zu erzeugen. Hier allerdings fehlt mir das ein wenig. Es wirkte etwas runtergeschrieben.
Zur Geschichte allgemein:
Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, weil die Fantasyelemente sehr groß angekündigt wurden. So war ich voller Vorfreude und guter Dinge, als es auch sofort losging mit der Fantasy. Lucy trifft auf Casziel und erst danach wurden beide Figuren uns Leser:innen erklärt. Lucy ist introvertiert, verkriecht sich gerne in ihrer kleinen Wohnung, lässt sich bei der Arbeit herumschubsen und ihr fehlt jegliche Orientierung im Leben. Eigentlich ist sie einfach nur da und macht weiter. Als Casziel in ihr Leben tritt, passiert für sie zum ersten Mal etwas Spannenderes. Und Casziel ist spannend, denn er erzählt erstmal nicht wirklich viel. Was aber gleich deulich wurde: Lucy hat vor ihm keine Angst und fühlt sich mit ihm verbunden und irgendwie sind da auch noch so Träume, die sie mit ihm in Verbindung bringt. Eine überirdische Verbindung also anscheinend, die sie sich erstmal nicht erklären kann.

Die Geschichte besteht dann daraus, dass Casziel uns in seinen kurzen POVs mitnimmt in seine Welt oder zumindest seine Welt auf Erden. Was dabei glaube ich klar gemacht werden soll: Casziel ist böse. Oder wird zumindest so dargestellt. Das steht im krassen Kontrast zu dem, was er mit Lucy zusammen erlebt, denn in ihrer Welt macht er geradezu langweilig normale Dinge mit ihr. Eine kleine Fake-Love-Story wird eingeflochten, die ich aber an keiner Stelle als sinnvoll erachtet habe, denn keiner war mit dem Herzen dabei und die Beweggründe waren auch keine richtigen. Stattdessen tingeln sie also durch Lucys langweiligen Alltag und ich musste mich zusammenreißen, keine Seiten zu überspringen.
Von vorneherein hat man außerdem das Gefühl, man liest keine Liebesgeschichte, sondern nur das Ende einer. Durch Einschübe aus der Vergangenheit/Träume wird dies natürlich nochmal extra deutlich und soll ja auch der Sinn der Geschichte sein, aber es kam dadurch keine Spannung auf. Ich habe beim Lesen einfach nur darauf gewartet, dass irgendwas Spannendes passiert. Dass ich ein besseres Gefühl für Casziel und seine „Bösartigkeit“ bekomme und dass die Fantasyromance ihren Fantasyteil auch bekommt. Leider bleibt diese Facette der Geschichte sehr grob erzählt. Die Welt der Dämonen wurde für mich nicht greifbar.

Schwierig fand ich auch die Entwicklung der Protagonisten. Beide hängen sehr in ihren Selbstzweifeln fest, was in geballter Ladung nicht unbedingt zuträglich für die Story ist. So stützen sie sich nur bedingt bzw. gar nicht. Lucy entwickelt sich zwar, aber irgendwie nicht auf natürliche Art und Weise. Stattdessen scheint sie ihren Charakter nur mit einem anderen zu überschreiben und fertig ist. Casziel findet zumindest ein wenig mehr Selbstvertrauen, aber er braucht sehr sehr lange dafür und seine „Wendung“ artet dann auch in ziemlicer Überdramatik aus.

Die Lovestory zwischen den beiden fand ich dadurch alles andere als heiß. Das Buch wird als Romance mit Tendenz zur Dark Romance beworben. Dark war für mich hier aber tatsächlich gar nichts. Casziel zeigt seine böse Seite nie und generell sind alle Dämonen hier ziemliche softies. Man versteht ein wenig, dass so Tiefe erzeugt werden soll, indem eben nicht jeder einfach nur gut der böse ist, aber die Abkehr vom Bösen, der sie angeblich verfallen sind, erfolgte so schnell, dass es einem Wetterumschwung in der Regenzeit glich: von jetzt auf gleich. Die Sexszenen waren ebenfalls eher soft und wenig spektakulär. Wer sich hier also auf Dark Romance freut, den/die muss ich leider enttäuschen. Wer nicht so gut damit klarkommt: dieses Buch sollte kein Problem für euch sein.
Ein letzter Punkt und eigentlich auch mein wichtigster: Die Story ist nicht neu. Klar, dass muss sie letztlich auch nicht sein, aber ich habe solche Geschichten vor einigen Jahren massenhaft gelesen, weil sie da gerade total im Trend waren. Jetzt ist das vielleicht abgeflacht und einige werden sowas vielleicht auch noch nicht gelesen haben, für mich aber hat es der ohnehin schon wenig spannenden Geschichte noch mehr Spannung genommen. Es waren einfach viele Klischees, die da aneinandergehängt wurden.

Fazit:
Leider konnte mich diese Story überhaupt nicht überzeugen. Ich kam schlecht in einen Lesefluss, weil mir die Spannung fehlte. Die Chemie zwischen den Protagonisten ist zwar da, aber durch Klischees, eine eher alte Storyidee und wenig vorwärts in der Handlung, kam sie auf das Jetzt bezogen nicht gut zur Geltung. Es wirkte eher wie das Ende einer Lovestory. Das tatsächliche Ende war mir dann fast zu dramatisch und gleichzeitig der Einzige richtige Fantasyanteil. Das war mir deutlich zu wenig. Schade, ich glaube hier haben meine (durch viele viele Emma Scott-Bücher vorher geschürte) Erwartungen einfach nicht mit der Story übereingestimmt.

2 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 02.08.2024

Mir fehlte der "Schritt" in die Story

The Hurricane Wars
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Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich sehr bildlich und ausschweifend, teilweise auch etwas kompliziert bzw. verbaut. Ich hatte öfters das Gefühl, dass das Wesentliche gar nicht beschrieben ...

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich sehr bildlich und ausschweifend, teilweise auch etwas kompliziert bzw. verbaut. Ich hatte öfters das Gefühl, dass das Wesentliche gar nicht beschrieben wurde, Unwesentliches dafür sehr ausführlich. So fiel es mir lange Zeit schwer, der Handlung und vor allem den vorgestellten Figuren und historischen Ereignissen zu folgen. Ich fühlte mich die ganze Zeit höchstens als Beobachterin und nicht wirklich, als wäre ich dabei. So war der Schreibstil wenig nahbar und gab auch wenig über seine Figuren preis, da Emotionen usw. großteilig weggelassen wurden.
Was ich außerdem noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber nicht unbedingt schlecht fand, waren die Wechsel der POV innerhalb eines Kapitels. Ich hätte mir aber dennoch öfters mal ausführlichere Schilderungen innerhalb der Perspektiven statt kurzer Einschübe gewünscht.

Zur Geschichte allgemein:
Ich bin wirklich schlecht in die Story reingekommen und eigentlich kann man auch nicht davon sprechen, das ich überhaupt irgendwann hineingefunden habe. Gleich zu Anfang werden unheimlich viele Namen, Geschehnisse und Sachverhalte der dargestellten Welt dargelegt. Einerseits ist das natürlich in dem Genre ganz normal, dass man sich anfangs in der Welt zurechtfinden muss und vielleicht auch erstmal leicht überfordert ist, andererseits war es aber auch schlicht zu viel. Man war mehr damit beschäftigt, zu versuchen, die Welt zu verstehen, als der Handlung zu folgen.
Dazu kam, dass Talasyn nicht wirklich zugänglich wirkte. Sie ist abgeklärt, nahezu emotionslos, denkt nicht wirklich über den Tellerrand hinaus und handelt in den meisten Fällen auch nicht selbstständig. Es braucht immer einen Stoß von jemandem von außen, bevor sie überhaupt etwas macht. Das machte sie für mich eher schwach und unselbstständig, zudem konnte ich ihre Person nicht gut greifen. Die Verweise auf ihre Vergangenheit, die sie immer sehr vage gehalten hat, haben da auch nicht mehr helfen können.

Anders war es bei Alaric. Durch die Hintergründe mit seinem Vater, seine Gedanken zu Talasyn, zum Krieg und seiner Person als Kaiser hat er für mich weitaus mehr Tiefe bekommen und dazu auch Gefühle gezeigt. Mit ihm konnte ich fühlen, habe mitgefiebert und fand seine POV-Kapitel dann auch immer sehr gut. Aber auch an ihm wurde Talasyns fehlende Tiefe spürbar, denn es ist gerade anfangs nicht leicht, seiner Schwärmerei zu folgen.

Die Welt, in der man sich hier bewegt, ist eigentlich recht spannend. Sie ist groß aufgebaut, hat ihre Mythen und magischen Elemente, verschiedene Einwohner:innen und Landschaftsstriche und noch dazu gibt es einiges, was die Welt geradezu in sich selbst lebendig erscheinen lässt. Besonders letzterer Aspekt hat wesentlich zur Handlung beigetragen und konnte sogar Spannung erzeugen.
Gleichzeitig aber ging es die Hälfte des Buches nur um Krieg. Das fand ich etwas schade für diese Welt und noch zudem eher langweilig. Vieles blieb lange quasi im Repertoire bis es gebraucht wurde, statt aktiv bezeichnend für die Welt zu sein. Man merkte richtig, wie die Autorin nach und nach etwas hervorholte, wenn sie meinte, es würde dann jetzt helfen. Und das, obwohl es schon vorher beschrieben wurde.

Der Spannungsverlauf war für mich praktisch gar nicht gegeben. Da ich keine richtige Verbindung zur Hauptprotagonistin aufbauen konnte, war es mir gelinde gesagt egal, was sie als nächstes tut. Ich habe gelesen und darauf gehofft, dass jetzt endlich mal etwas passiert, was mich gebannt den Atem anhalten lassen würde. Irgendwas, dass mich dazu hat bringen können, über das weitere Vorgehen nachzudenken, mich miträtseln zu lassen.
Zwar wurde es ab dreiviertel des Buches etwas besser, aber es reichte nicht, um mich an die Handlung zu fesseln und ich war mehrmals geneigt, das Buch abzubrechen und habe es dann nur zu Ende gehört.

Letzen Endes fühlte sich die Story an, als würde sie lediglich auf etwas hinauswollen, es aber noch nicht selbst erzählen. Wie eine riesengroße Einleitung vielleicht. Nur verwunderlich, dass dann so trotzdem noch einiges ungeklärt blieb, Figuren einfach auftraten, ohne, dass ich sie zuordnen konnte, und das Buch fast sechshundert Seiten lang ist.



Einzig positiv werten konnte ich die Liebesgeschichte, die mich an klassische Fantasybücher erinnert hat, weil es sehr Slow Burn war und der Fokus nicht auf der Liebesgeschichte lag, sondern wohl mehr auf dem Drumherum (liegen sollte).

Fazit:
Hurricane Wars konnte mich leider so gar nicht überzeugen. Es war mir zu flach, zu kompliziert erzählt, ich konnte keine Verbindung mit der Hauptprotagonistin aufbauen und die Spannung fehlte einfach komplett. Es ist ein Fantasybuch, ja, aber Fantasy kann auf 600 Seiten durchaus mehr und das hat die Autorin hier nicht bewiesen. Es gab einfach zu viele Lücken, die den Lesefluss gebrochen haben.

Gerade so 2 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 12.02.2024

Manchmal braucht es doch ein wenig mehr Realität

A Whisper Around Your Name
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Schreibstil:
Emma Scott schreibt gewohnt gefühlvoll und gefühlsgeladen. Ihre Worte sind mit Bedacht gewählt und sorgen für jede Menge Zitate und Sätze, die Eindruck machen.

Zur Geschichte allgemein:
Evan ...

Schreibstil:
Emma Scott schreibt gewohnt gefühlvoll und gefühlsgeladen. Ihre Worte sind mit Bedacht gewählt und sorgen für jede Menge Zitate und Sätze, die Eindruck machen.

Zur Geschichte allgemein:
Evan und Jo sind am Anfang der Geschichte noch blutjung. Es beginnt alles mit dem ersten Tag an der Schule und zwei unverstandenen Jugendlichen. Was ich cool fand: Evan’s Type war eine völlig neue. Er ist gutaussehend, schlau, arbeitet hart – und ist dennoch in der Schule ein Ausgestoßener. Jo dagegen legt es darauf an, ausgestoßen zu werden. Sie ist zufrieden mit ihrer kleinen Welt und weiß genau, wie sie auf andere wirkt. Statt aber mit dem Strom zu schwimmen und zu versuchen, beliebt oder zumindest gemocht zu werden, möchte sie nichts davon. Kein Wunder also, dass genau diese beiden speziellen Persönlichkeiten aufeinandertreffen.
Das Besondere an der Geschichte ist wohl, dass Evan am Anfang bereits vier Minuten unter Wasser bleiben kann, am Ende sind es dann elf. Es zeigt nicht nur die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden und macht den Fortgang der Geschichte deutlich, sondern deutet auch auf den ersten ungewöhnlichen Einschlag der Geschichte hin. Evan hat nämlich gewisse Vorausahnungen. Im ersten Teil des Buches bleiben diese Teil der Vergangenheit. Es ist etwas, wodurch die beiden zueinander finden, weil sie sich gegenseitig vertrauen und Jo ihm glaubt. Im zweiten Teil dagegen, ein paar Jahre später, wird es geradezu mystisch. Evan ahnt nämlich, welche Ort Jos verschollene Erinnerungen wieder aufleben lassen und begibt sich so mit ihr auf einen Roadtrip zwischen Angst vor dem Erwischt werden und den Glücksgefühlen, sich wieder an glücklichere Zeiten zu erinnern.
Ich fand die Geschichte bis hierhin ganz gut lesbar. Beide Figuren haben es, wie man es von Emma Scott gewohnt ist, nicht leicht und so finden sie ganz zart und innig zusammen. Auch der Bruch ist noch typisch und okay dramatisch. Allerdings habe ich mich das erste Mal bei einer ihrer Geschichten gefragt, ob es jetzt gerade wirklich noch so gut für die beiden Figuren ist, zusammen zu sein. Und auch, ob die Geschichte ein Happy End haben wird. Denn ehrlich gesagt, haben mich Evans Vorahnungen etwas gegruselt, weil sie nicht erklärbar waren und es auch nicht wurden. Dadurch kam man ein wenig ins Grübeln darüber, ob er sie nicht auf irgendeine Art und Weise beeinflusst, weil er sie von den anderen abkapselt, indem er möchte, dass sie ihm vertraut. In einer gesunden Beziehung überhaupt kein Problem, aber was ist, wenn diese Beziehung nicht ganz gesund ist?
Keine Sorge, alle, die hier eine Liebesgeschichte erwarten, wie wir sie von Emma Scott kennen, können sich weiterhin beruhigt zurücklehnen: der Psycho-Touch wird nicht richtig aufgenommen. Stattdessen ist da Vertrauen und Liebe zwischen zwei Menschen, die sich gegenseitig die Welt bedeuten.
Heftig wird die Geschichte nochmal dadurch, dass Jo es nach dem Cut mit einer Form von Gewalt zu tun hat, die keiner von uns erleben will. An der Stelle kam nochmal richtig Spannung in die Geschichte, aber auch hier war ich über die Heftigkeit der Ereignisse und die eigentliche Hoffnungslosigkeit auf ein Happy End überrascht.
Es ergab sich dann natürlich trotzdem irgendwie, aber irgendwie wollte die Geschichte bei mir nicht so ganz Anklang finden. Mir war es zu weit weg von der Realität, die Liebe zwischen den beiden hatte für mich zu wenig Zeit, tief zu wachsen und das Happy End ist mir zu zerbrechlich. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es schon zwei Sätze nach dem Ende wieder zu etwas völlig anderem werden könnte.
Vielleicht wäre es hier tatsächlich mal ganz cool gewesen, wenn die Autorin sich aus ihrer Wohlfühlzone gewagt und das Ganze aus Jos Sicht mehr und anders hinterfragt hätte. Wenn sie die Zweifel und Gedanken gefüttert hätte und vielleicht eine ganz andere Begründung für Evans Vorausahnungen gefunden hätte. So aber war es für mich irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes, denn dafür war es zu viele Fragen auf. Man muss es schon ziemlich glauben wollen.

Fazit:
Leider konnte mich die Geschichte dieses Buches nicht von sich überzeugen. Zwar sind die Charaktere wie gewohnt zerbrochen und finden in dem Miteinander Halt, allerdings kommen viele Faktoren hinzu, die an einem Happy End zweifeln lassen, das aber dennoch eintrifft. Mir fehlte etwas die Realität und ich hätte es gut gefunden, wenn die Geschichte die Möglichkeiten, die es gab, genutzt hätte, um von dem üblichen Weg der Autorin abzuweichen. Zudem geht es alles so schnell, dass die wirklich tiefen Gefühle nicht bei mir ankamen.

Von mir gibt es deshalb nur 2 von 5 Sternen diesmal.

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