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Veröffentlicht am 13.02.2025

Die unbewältigten Traumata des Krieges

Portrait meiner Mutter mit Geistern
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Im Mittelpunkt des beeindruckenden Familienromans stehen starke Frauen aus verschiedenen Generationen.Als die junge Raisa ,die alleine mit ihrer Mutter lebt,beginnt Fragen zu ihrer Herkunft zu stellen,stößt ...

Im Mittelpunkt des beeindruckenden Familienromans stehen starke Frauen aus verschiedenen Generationen.Als die junge Raisa ,die alleine mit ihrer Mutter lebt,beginnt Fragen zu ihrer Herkunft zu stellen,stößt sie bei ihrer Mutter auf wenig Gegenliebe.Doch ihre Hartnäckigkeit führt letztendlich zum Erfolg und ihre Mutter Martha beginnt zu reden.Es geht um die Liebe ihres Lebens ,aber auch um viele Lügen,welche aus den unterschiedlichsten Gründen ausgesprochen wurden.Neben der ganz persönlichen Familiengeschichte spielen die Schrecken der Nazizeit,inklusive der Geschichte der Juden eine größere Rolle.Der Roman hat stark autobiographische Züge, weil es sich um die Familiengeschichte der Autorin,beziehungsweise die ihrer Mutter,handelt.

Schon zu Beginn des Buches wird klar ,dass es nichts zum schnellen Nebenbeilesen ist.Es erfordert äußerste Konzentration,weil die Zeiten und Personen im stetigen Wechsel sind.Hier erweist sich der vorangestellte Familienstammbaum als sehr hilfreich.Der Schreibstil ist sehr besonders,teilweise schnörkellos,teilweise poetisch.Manch wichtige Details sind in lapidaren Nebensätzen versteckt,vieles bleibt unausgesprochen.Es gibt etliche Leerstellen,die den LeserInnen Raum für eigene Überlegungen gewähren.

Öfter habe ich innegehalten,um über das gelesene nachzudenken,manchmal zurückgeblättert,um etwas besser zu verstehen,und immer wieder den Stammbaum bemüht.Die beeindruckende Intensität hat mich durchgehend begeistert.

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen,was zu einigen neuen Erkenntnissen führte und sehr bereichernd war.Gerne spreche ich eine Leseempfehlung ,verbunden mit fünf Sternen aus.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Elisabeths Neustart

Blumen im Schuh
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Nach außen hin führt die Protagonistin mit ihrem Mann ein sorgenfreies Leben,er führt die Firma, Sie kümmert sich um den Haushalt und engagiert sich in einer Kirchengemeinde. Nach einem Tipp durch eine ...

Nach außen hin führt die Protagonistin mit ihrem Mann ein sorgenfreies Leben,er führt die Firma, Sie kümmert sich um den Haushalt und engagiert sich in einer Kirchengemeinde. Nach einem Tipp durch eine Bekannte, erwischt sie ihren Mann Inflagranti bei einem Seitensprung mit einer jungen Mitarbeiterin, und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Völlig geschockt verlässt Elisabeth das Haus und sucht Unterschlupf bei ihrer Schwägerin Anja, die mit ihrem Bruder seit einem Rechtsstreit total zerstritten ist und mit der sie bisher kaum Kontakt hatte.Anja lebt sehr unkonventionell,führt ein offenes Haus und hat einen großen Freundeskreis.Mit ihren lockeren und dennoch sehr lebensklugen Sprüchen ist sie genau das ,was Elisabeth gerade braucht.Denn natürlich läßt ihr Mann sich Elisabeths verhalten nicht so ohne weiteres bieten. Er zieht alle Register eines geschickten Manipulators und versteht es, die richtigen Leute auf seine Seite zu ziehen und Elisabeth das Leben schwer zu machen ,schreckt nichtmal davor zurück,den Sohn gegen seine Mutter zu beeinflussen.In dem Anwalt Arndt,einem Freund Anjas,hat er aber einen adäquaten Gegner gefunden.
Als Elisabeth begreift, wie sehr sie sich während ihrer Ehe von ihrem Mann manipulieren ließ, der sie kontinuierlich immer kleiner machte, findet sie endlich den Mut zu einem Neuanfang. Sie reicht die Scheidung ein und bemüht sich um eine Arbeit, um wieder unabhängig leben zu können.

Ich habe das Buch von Anfang an förmlich verschlungen,Elisabeth,sowie Anja und ihre Freunde waren mir von Beginn an sympathisch.Gerne habe ich den Neustart von Elisabeth begleitet, der trotz einiger Tiefschläge sehr positiv verläuft.
Eine kleine Rolle spielte auch der christliche Glaube,das Handeln der Gläubigen wurde kritisch hinterfragt.
Auch das Ende hat mir gut gefallen,es war zwar durchaus positiv,aber nicht so übertrieben rosarot überzogen.
Auch der etwas ungewöhnliche Titel wurde am Ende sehr humorvoll aufgelöst.
Von mir eine absolute Leseempfehlung und verdiente fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Liebe ist grenzenlos

Damals waren wir frei
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Im Jahr 1968 besucht Elly, eine junge Frau aus Ostberlin, ein Konzert von „The Doors“ in Frankfurt am Main.Dort lernt sie Uli,einen angehenden Lehrer,kennen und verliebt sich unsterblich in ihn. Die Beiden ...

Im Jahr 1968 besucht Elly, eine junge Frau aus Ostberlin, ein Konzert von „The Doors“ in Frankfurt am Main.Dort lernt sie Uli,einen angehenden Lehrer,kennen und verliebt sich unsterblich in ihn. Die Beiden verbringen unvergessliche sieben Tage miteinander. Danach reist Elly zu ihrer Familie ,Ehemann Bernd und Sohn André zurück.Uli schreibt ihr mehrere Briefe,die sie jedoch nicht beantwortet,aber vergessen kann sie ihn nicht,vor allen Dingen ,weil ihre kurze Beziehung nicht folgenlos blieb.
Im Jahr 1988 betreibt Elly einen angesagten Tanzpalast in Ostberlin ,in welchem ihre ganze Familie tätig ist.Dort lernt ihre Tochter Mina ,die versucht im Musikgeschäft Fuß zu fassen ,Jan kennen ,einen angehenden Arzt aus dem Westen.Als Mina zufällig ein Gespräch zwischen ihrer Mutter und ihrer Großmutter belauscht, erfährt sie, dass Bernd nicht ihr leiblicher Vater ist. Zuerst ist sie entsetzt, dass ihre Mutter ihr diese Tatsache 20 Jahre lang verschwiegen hat, nach einem klärenden Gespräch ist sie jedoch fest entschlossen,auf Spurensuche zu gehen.
Die Geschichte wird nun im Wechsel auf zwei Zeitschienen erzählt, wobei es der Autorin sehr gut gelungen ist, die verschiedenen Epochen darzustellen. Die Beschreibung der einzelnen Personen war so genau,dass ich von Beginn an klare Bilder im Kopf hatte.
Da ich sowohl den Bau der Mauer , als auch die Ereignisse des 9.November 1989 ,erlebt habe,obwohl ich keine Berührungspunkte zur DDR hatte,wurden viele Erinnerungen geweckt.
Die beiden Liebesgeschichten und ihre Verbindung mit dem Zeitgeschehen,war sehr gut gelungen.Ein lesenswertes Buch,dem ich sehr gerne fünf Sterne gebe.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Anonymer Hass

Was wir nicht kommen sahen
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Als die 18jährige Ada sich abends von ihren Eltern verabschiedet, um zu ihrer Freundin zu fahren und dort zu übernachten, ahnen diese nicht, dass sie ihre Tochter nicht lebend wiedersehen werden. Die Nachricht ...

Als die 18jährige Ada sich abends von ihren Eltern verabschiedet, um zu ihrer Freundin zu fahren und dort zu übernachten, ahnen diese nicht, dass sie ihre Tochter nicht lebend wiedersehen werden. Die Nachricht der Polizei, dass Ada von einer Brücke gesprungen ist,um ihr Leben zu beenden, trifft sie völlig ahnungslos. In den nachfolgenden Kapiteln wird nun im Wechsel aus der Sicht von Ada ,ihrer Mutter Jenny und einer sogenannten Anonymität berichtet,welche in wechselnden Personen in Erscheinung tritt.
Die verschiedenen Ereignisse,die Adas Suizid voraus gingen, werden eingehend beleuchtet. Ihre Eltern gehen unterschiedlich mit dem Verlust um. Während ihr Vater sich zurückzieht und einsam trauert, versucht ihre Mutter Antworten auf die Frage nach dem Warum zu finden.
Die Licht- und Schattenseiten des Internets,speziell der stetig wachsende Hass ,der sich in der Anonymität dieses Mediums verbreitet,wird eingehend erläutert.Die Autorin legt den Finger ganz tief in die Wunde ,rüttelt auf und fordert die Gesellschaft zum Handeln auf.
Auch wenn das Buch streckenweise durch die Vielzahl der Themen etwas überladen war,kann ich es wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Liebe und Tod

Die Farben der Revolution. Éléonore und Robespierre
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Die junge Malerin Éléore Duplay und Maximilian Robespierre begegnen sich im Jahre 1791 nach einer dramatischen Demonstration auf dem Marsfeld,einem geschichtsträchtigen Ort, bei dem sie nur knapp einem ...

Die junge Malerin Éléore Duplay und Maximilian Robespierre begegnen sich im Jahre 1791 nach einer dramatischen Demonstration auf dem Marsfeld,einem geschichtsträchtigen Ort, bei dem sie nur knapp einem Blutbad entgeht.Diese Begegnung verändert das Leben von Éléonore ,die sich,obwohl bereits einem Mann versprochen, von Grund auf.Während die junge Malerin leidenschaftlich für die Rechte der Frauen kämpft, versucht Robespierre, den Traum von einer freien Republik zu verwirklichen. Auf diesem Weg verlieben Sie sich mehr und mehr ineinander, wird diese Liebe Erfüllung finden?

Meine Meinung:

Die Autorin hat die Liebesgeschichte der beiden starken Persönlichkeiten ,auf eine beeindruckende Weise mit den Geschehnissen rund um die französische Revolution verbunden.Die Ziele und Widerstände der Revolutionäre,welche konträr zur politischen Meinung verlaufen ,wurden bildlich genau dargestellt.

Ich muß gestehen,dass ich bisher wenig über diese Zeit wußte,das hat sich durch dieses Buch geändert.Man merkt dem Roman die Leidenschaft,mit welcher sich die Autorin diesem Thema gewidmet hat,sehr deutlich an.Die ausführliche Recherche ist deutlich spürbar.Ein Roman,in welchem reale und fiktive Personen auf geschickte und spannende Art miteinander verbunden werden,wodurch anspruchsv Unterhaltung geboten wird.

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