Gesellschaftskritisch, feministisch, kreativ.
How To Kill a Guy in Ten Ways „𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.
Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ...
„𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.
Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, gründet Millie „Message M“ – einen 1-Frau-Service, bei dem sie so oft wie möglich dem weiblichen Geschlecht aus brenzligen Situationen verhilft. Denn Millie kann die Überzeugung, gerade bei dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben versagt zu haben, nicht abschütteln.
Eines Nachts gerät ein „Einsatz“ außer Kontrolle – von da an verändert sich etwas in ihr, in ihrem Denken unwiderruflich …
Wie ein Buch bewerten, das von Selbstjustiz und moralischer Verwerflichkeit in den schwärzesten, humoristischsten Zügen erzählt?
Nun, ganz einfach: Ich fand diese Story – inkl. der aufgegriffenen Themen und deren origineller Umsetzung – wirklich sehr gut.
Eve Kellman bedient sich skurrilen, ernsten und bekannten Situationen – von Belästigung, Stalking, s*xuellen Übergriffen und Missbrauch bis hin zu anzüglichem, respektlosem – eben „männlichem“ – Verhalten und greift als Reaktion nicht einzig Gedanken und Fantasien auf, solche, die wahrscheinlich häufiger in den Köpfen von Frauen umherschwirren, sondern geht um einiges weiter.
Auch die fehlenden Kapazitäten der Justiz, um derartige Fälle zu ahnden, und der Mangel an echter Hilfe für (potenzielle) Opfer wurden eingeflochten – zielgenau.
Mit viel Sarkasmus und Charme lernen wir die Protagonistin, ihren Alltag und ihre weit zurückreichenden Motivationen, ihr eigenes Trauma kennen, begleiten sie in ebenso verfänglichen, adrenalingeladenen wie alltäglichen Szenarien. Die Autorin spricht die LeserInnen quasi direkt an, bindet uns ein, nimmt uns mit. Dies schafft mitsamt des direkten, natürlichen Tons und der offensichtlichen Ironie eine persönliche Ebene.
Millies Liebe – zu ihrer Schwester und zu ihrer Freundin Nina – wurde überraschend intensiv inszeniert. Denn Millie ist kein schlechter Mensch. Sie hat einfach nur die Nase voll von Gottkomplexen und Übergriffen, von dem Gefühl, machtlos zu sein. Ihr Wunsch, Frauen und Mädchen zu helfen, sie zu schützen, lag trotz des bitteren Beigeschmacks von Verfehlung, von „zu einfach“, über allem. Aber obgleich der unterhaltsamen Umsetzung schwangen Hilflosigkeit und Verzweiflung, die eigene Verletzlichkeit so eindringlich mit, dass ich’s spüren konnte. Und verstand.
Abgesehen von der griffigen, nahbaren Hauptakteurin, die in die Rolle der „aus Versehen Serienkıllerin“ gerät, bestückt Kellman ihre Story mit detailreich ausgearbeiteten, manchmal blutigen Ereignissen, deutlicher Kritik an der Gesellschaft und unserem System sowie mit Nebenfiguren, die für Amüsement, Konflikte oder herzerwärmende, innige Augenblicke sorgen, Hass schüren. Gerade Nina nimmt einen wichtigen Part ein und offenbart unerwartete Facetten. Hingegen rutscht die Mutter der Schwestern in eine Schublade, der ich kaum mehr als eine Prise Abscheu entgegen brachte.
Meiner Meinung nach war Millies Entwicklung sehr authentisch, zeigt diese in aller Deutlichkeit, dass Skrupel abnehmen, dann, wenn wir unsere moralischen Grenzen erst einmal übertreten oder ausgeweitet haben. Wozu wärst du selbst fähig, wenn der Antrieb stimmt?
Der Verlauf ist turbulent, aber nachvollziehbar aufgebaut, voller perfider Pläne und Twists. Millies Wagemut, ihre Wut und ihre Impulsivität tragen signifikant zur Spannung bei. Genau wie ihre Suche, die sie letztlich zu ungeahnten, unangenehmen Wahrheiten führt… Die Frage, wann die ambitionierte Frau einen Fehler begeht, sich endgültig in der Rache verliert, fesselt ungemein an die Handlung. Und als James immer häufiger mitmischt, steigen Tempo und Gefahr ...
Mein einziger Kritikpunkt besteht darin, dass sich in den eingebundenen „Erinnerungen/Rückblenden“ Wiederholungen tummeln.
„How To Kill a Guy in Ten Ways“ ist auf mehreren Ebenen real, regt gekonnt zum Nachdenken an und bewegt auf eine ganz eigene Art.