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Veröffentlicht am 20.03.2025

Gesellschaftskritisch, feministisch, kreativ.

How To Kill a Guy in Ten Ways
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„𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.

Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ...

„𝐇𝐨𝐰 𝐓𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐚 𝐆𝐮𝐲 𝐢𝐧 𝐓𝐞𝐧 𝐖𝐚𝐲𝐬“:
Female Revenge – scharfzüngig, zynisch und triefend vor bitterböser Realität.

Nachdem ihrer Schwester etwas Unfassbares angetan wurde und Katie nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, gründet Millie „Message M“ – einen 1-Frau-Service, bei dem sie so oft wie möglich dem weiblichen Geschlecht aus brenzligen Situationen verhilft. Denn Millie kann die Überzeugung, gerade bei dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben versagt zu haben, nicht abschütteln.
Eines Nachts gerät ein „Einsatz“ außer Kontrolle – von da an verändert sich etwas in ihr, in ihrem Denken unwiderruflich …

Wie ein Buch bewerten, das von Selbstjustiz und moralischer Verwerflichkeit in den schwärzesten, humoristischsten Zügen erzählt?
Nun, ganz einfach: Ich fand diese Story – inkl. der aufgegriffenen Themen und deren origineller Umsetzung – wirklich sehr gut.
Eve Kellman bedient sich skurrilen, ernsten und bekannten Situationen – von Belästigung, Stalking, s*xuellen Übergriffen und Missbrauch bis hin zu anzüglichem, respektlosem – eben „männlichem“ – Verhalten und greift als Reaktion nicht einzig Gedanken und Fantasien auf, solche, die wahrscheinlich häufiger in den Köpfen von Frauen umherschwirren, sondern geht um einiges weiter.
Auch die fehlenden Kapazitäten der Justiz, um derartige Fälle zu ahnden, und der Mangel an echter Hilfe für (potenzielle) Opfer wurden eingeflochten – zielgenau.

Mit viel Sarkasmus und Charme lernen wir die Protagonistin, ihren Alltag und ihre weit zurückreichenden Motivationen, ihr eigenes Trauma kennen, begleiten sie in ebenso verfänglichen, adrenalingeladenen wie alltäglichen Szenarien. Die Autorin spricht die LeserInnen quasi direkt an, bindet uns ein, nimmt uns mit. Dies schafft mitsamt des direkten, natürlichen Tons und der offensichtlichen Ironie eine persönliche Ebene.
Millies Liebe – zu ihrer Schwester und zu ihrer Freundin Nina – wurde überraschend intensiv inszeniert. Denn Millie ist kein schlechter Mensch. Sie hat einfach nur die Nase voll von Gottkomplexen und Übergriffen, von dem Gefühl, machtlos zu sein. Ihr Wunsch, Frauen und Mädchen zu helfen, sie zu schützen, lag trotz des bitteren Beigeschmacks von Verfehlung, von „zu einfach“, über allem. Aber obgleich der unterhaltsamen Umsetzung schwangen Hilflosigkeit und Verzweiflung, die eigene Verletzlichkeit so eindringlich mit, dass ich’s spüren konnte. Und verstand.

Abgesehen von der griffigen, nahbaren Hauptakteurin, die in die Rolle der „aus Versehen Serienkıllerin“ gerät, bestückt Kellman ihre Story mit detailreich ausgearbeiteten, manchmal blutigen Ereignissen, deutlicher Kritik an der Gesellschaft und unserem System sowie mit Nebenfiguren, die für Amüsement, Konflikte oder herzerwärmende, innige Augenblicke sorgen, Hass schüren. Gerade Nina nimmt einen wichtigen Part ein und offenbart unerwartete Facetten. Hingegen rutscht die Mutter der Schwestern in eine Schublade, der ich kaum mehr als eine Prise Abscheu entgegen brachte.
Meiner Meinung nach war Millies Entwicklung sehr authentisch, zeigt diese in aller Deutlichkeit, dass Skrupel abnehmen, dann, wenn wir unsere moralischen Grenzen erst einmal übertreten oder ausgeweitet haben. Wozu wärst du selbst fähig, wenn der Antrieb stimmt?
Der Verlauf ist turbulent, aber nachvollziehbar aufgebaut, voller perfider Pläne und Twists. Millies Wagemut, ihre Wut und ihre Impulsivität tragen signifikant zur Spannung bei. Genau wie ihre Suche, die sie letztlich zu ungeahnten, unangenehmen Wahrheiten führt… Die Frage, wann die ambitionierte Frau einen Fehler begeht, sich endgültig in der Rache verliert, fesselt ungemein an die Handlung. Und als James immer häufiger mitmischt, steigen Tempo und Gefahr ...
Mein einziger Kritikpunkt besteht darin, dass sich in den eingebundenen „Erinnerungen/Rückblenden“ Wiederholungen tummeln.

„How To Kill a Guy in Ten Ways“ ist auf mehreren Ebenen real, regt gekonnt zum Nachdenken an und bewegt auf eine ganz eigene Art.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Mutig, intensiv, echt.

Tausend Splitter zu dir – Based on Lena's True Story
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»Ich war so glücklich mit dir, dass es unheimlich war. Also dachte ich, ich müsste dir mein Herz wegnehmen, bevor es irgendwann beschließt, ohne dich nicht mehr schlagen zu können.«

In „Tausend Splitter ...

»Ich war so glücklich mit dir, dass es unheimlich war. Also dachte ich, ich müsste dir mein Herz wegnehmen, bevor es irgendwann beschließt, ohne dich nicht mehr schlagen zu können.«

In „Tausend Splitter zu dir“ erzählt Antonia Wesseling eine Geschichte, die einerseits unvorstellbar tragisch ist, andererseits auf den echten Erfahrungen von Lena, einer Kämpferin, basiert.

Dieser Roman wurde in zwei Teile gegliedert – zuerst lernen wir Ellie als 17-Jährige kennen, kurz vor ihrem Abitur, gefangen in der Depression. Die Beziehung ihrer Eltern ist brüchig und das Befinden ihrer jüngeren Schwester fragil – Dinge, die auch auf Elena selbst zutreffen.
Durch erschütternde Einblicke in das „Damals“ werden ihre Empfindungen und Reaktionen greifbar; ihre Dämonen real. Ursache und Ausmaß ihres Traumas gehen nah. Sehr nah. Treffen tief. Sorgen für Gänsehaut, enge in der Brust, Mitgefühl.
Bis Louis in Ellies Zimmer, ihrem Safe Space, auftaucht, hätte sie niemals damit gerechnet, dass sie einen Menschen in ihr Leben, in ihr Herz lassen, die Wahrheit aussprechen, so viel Liebe und Vertrauen empfinden kann.
Da wir das Geschehen aus wechselnder Perspektive verfolgen, lernen wir auch Louis und seine Situation kennen – der zunehmende Druck, die Verpflichtungen und Erwartungen, mit denen er täglich ringt. Aber alles, wofür er so hart gearbeitet, gelernt, trainiert hat, rückt in den Hintergrund, wenn er Ellie-Ellie nur lieben darf …

»(...) wir sind vielleicht kein für immer gewesen, aber wir waren dennoch echt.«

Neun Jahre später …
Elena Sommers Wunsch, als Journalistin zu arbeiten, ist wahr geworden. Nachdem sie ihre Stelle bei einer erfolgreichen Zeitschrift verloren hat, arbeitet sie nun für ein kleines Magazin und tippt stumpfsinnige Texte. Bis ihr Vorgesetzter sie heimlich auf eine Story ansetzt, die ebenso riskant wie gefährlich werden und erneut jede Menge Ärger bedeuten könnte. Louis hat sich seiner Arbeit als Investmentbanker verschrieben und hofft, durch einen gelungenen Pitch bei Amrum Financial Group seiner Karriere einen Aufschwung zu verschaffen. Dass er hier ausgerechnet auf Ellie, sein fehlendes Puzzleteil trifft, und es sich anfühlt, als wäre nicht fast ein Jahrzehnt vergangen, damit hat wohl keiner der beiden gerechnet.

Antonias Stil ist modern und ausdrucksstark. Einfühlsam, authentisch und vorstellbar, manchmal mit einer Prise Witz, hier und da mit prickelnder Anziehung, aufrichtiger Liebe, doch oft auch mit Schwermut unterlegt, zieht der Verlauf rasch in seinen Bann. Die harten Themen und die Tatsache, dass dieser Roman im Kern keine Fiktion ist, geben dem Geschehen extra viel Gewicht.
Im Vergleich zu der Teenagerin wirkt die erwachsene Elena zwar gefestigt und selbstbewusst, doch keineswegs frei von ihrer Vergangenheit, den Erinnerungen und der Angst. Sommer hält ihre Empfindungen hinter einer Mauer geschützt, ist stark und arbeitet engagiert, wenn es um die Wahrheit geht, darum, die Täter zu entlarven, Opfern eine Stimme zu geben. Wenn ihr Auftrag und die Recherche weniger Raum einnimmt als erwartet, braucht die Welt genau solche JournalistInnen. Jene, die unbequeme Themen auf den Tisch bringen, allen Risiken zum Trotz.
Louis ist noch immer so sanft, so rücksichtsvoll und aufmerksam wie zu Schulzeiten. Auch seine Abneigung gegen Lügen hat sich ebenso wenig verändert wie das, was Ellie-Ellie in ihm entfacht. Aber wie viel ist diese bereit für die Chance auf Gerechtigkeit zu opfern?

Vor allem der erst Teil hat durch die Kombination aus der süßen, besonderen Jugendliebe und dem vergangenen Schrecken, den Schmerz, das Potenzial zu fesseln, Emotionen zu entlocken. Hoffnungslosigkeit, Ungerechtigkeit und Verzweiflung lasten schwer. Der nachfolgende Verlauf, inkl. der charakterlichen Entwicklungen, ist ohne Frage interessant, jedoch fehlte mir hier ein bisschen mehr Tiefe an relevanter Stelle, mehr Tempo und Spannung, scheint die Handlung eher in eine „typische“ Richtung gedriftet zu sein. Zudem gab es Szenen, die nicht ganz stimmig sind. Wesseling bestückt ihre Geschichte mit einigen Nebenfiguren, die Schwestern der Protagonisten und Carla sind bspw. wunderbar integriert, Atmosphäre und Orte wurden lebendig beschrieben und auch der Romance-Aspekt war einfach schön.
Am Ende wartet ein vorhersehbarer Schluss und zwei lesenswerte, wichtige Nachworte.

„Tausend Splitter zu dir“ ist mehr als ein Second-Chance-Liebesroman. Antonia Wesseling und Lena geben Menschen, die Grausames erlebten, eine Stimme. Mit einer Mischung aus Einfühlungsvermögen und Authentizität generieren die zwei Frauen Aufmerksamkeit für unbequeme, tabuisierte Themen und Missstände. Diese intensive Geschichte versichert Betroffenen: Du bist nicht allein, macht Mut.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Ich habe wenig erwartet und wurde positiv überrascht.

Broadway Lights 1: Broken Shine
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„Broken Shine“ ist ein wunderbares Buch, das zu Herzen geht, zum Träumen und zum Schmunzeln verleitet aber auch zum Mitfühlen bringt.

Cassie erhofft sich in New York nicht nur einen Neuanfang, weit weg ...


„Broken Shine“ ist ein wunderbares Buch, das zu Herzen geht, zum Träumen und zum Schmunzeln verleitet aber auch zum Mitfühlen bringt.

Cassie erhofft sich in New York nicht nur einen Neuanfang, weit weg von ihrer Vergangenheit, sondern auch auf die Erfüllung ihres Traums, als Musical-Darstellerin auf der Bühne zu stehen. Alles scheint großartig zu sein, außer Jake. Der Hauptdarsteller macht aus seiner Abneigung gegenüber der „Neuen“ keinen Hehl und dass sich die beiden von nun an eine WG teilen sollen sorgt nicht gerade dafür, dass sich ihr Verhältnis entspannt …

Ach, ich mochte als Kind Musicals schon sehr – Elle Ellis bannte das Broadway-Setting, das New-York-Feeling und die kuscheligen WG-Vibes sehr lebendig und greifbar auf Papier. Dass Cassie eine taffe Frau ist, die jedem die Stirn bieten kann, lässt sich bereits durch die Buchbeschreibung erahnen und so gibt sie ihren unfreundlichen, abweisenden Tanzpartner rege Konter. Diese Wortgefechte waren wirklich unterhaltsam und bilden einen starken Kontrast zu den emotionalen Szenen und schweren Themen. Denn Jakes Verhalten, seine Art haben einen Ursprung … Und auch die Rückblicke in Cassies Leben zeigen eine dunkle Seite, werfen einen Schatten auf ihr Lachen.

Die Dynamik zwischen den beiden, ihre individuelle sowie die romantische Entwicklung war ganz toll und sehr nachvollziehbar inszeniert. Der Strang um das Musical, die schweißtreibende Arbeit und die Leidenschaft empfand ich authentisch, und ebenso ausreichend eingebracht wie die verschiedenen Nebenfiguren, von denen sich einige in mein Herz schlichen.

„Broken Shine“ ist eine gefühlvolle, spaßige Romance, die mit Wendungen, Spannung und facettenreichen Charakteren überzeugt und Lust macht, gleich Band zwei, die Geschichte von Seth und Zelda, zu lesen.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Spannende Unterhaltung.

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
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„Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ ist ein Young-Adult-Crime mit Mystery-Charme, True-Crime-Vibes und dem Setting eines Horrorhotels.

Aus gesundheitlichen Gründen ist Robyn Jackson an ihre Wohnung ...

„Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ ist ein Young-Adult-Crime mit Mystery-Charme, True-Crime-Vibes und dem Setting eines Horrorhotels.

Aus gesundheitlichen Gründen ist Robyn Jackson an ihre Wohnung gefesselt, die gegenüber des berüchtigten Hotel Ambrosias liegt. Als Fan von True-Crime und mit dem Wunsch, eines Tages selbst einen Cold-Case zu lüften, zieht das Gebäude auf der anderen Seite sie in ihren Bann. Als sie einer Podcasterin versichert, dass im Ambrosia echte Verbrechen vor sich gehen und sich diesen persönlich annehmen möchte, ist sie auf Hilfe angewiesen. Und diese bekommt sie durch einen Straßenjungen. Denn die 17-Jährige ist überzeugt davon , tatsächlich eine Entführung mit angesehen zu haben. Und das Opfer war keine Fremde …

Zwar wird die Story aus der Sicht von Robyn geschildert, die aufgrund von Medikamenten mal mehr, mal weniger vertrauensvoll ist, jedoch nutzt Katie Kento E-Mails, Skizzen und Chat-Ausschnitte sowie Telefon- und Gedächtnisprotokolle, um ihrer Geschichte noch mehr Griffigkeit und Authentizität zu verleihen.
Zu Beginn lernen wir erstmal die Teenagerin, ihre Lebensumstände und die Erkrankung, die sie offensichtlich nicht nur körperlich sondern auch psychisch beeinträchtigt, kennen. Robyns Kampf wurde mit viel Gefühl beschrieben, Spurensuche und Recherche lassen öfter die Frage aufkommen, was real ist, was Fiktion. Kento baut langsam eine einnehmende Spannung auf, welche von einer bedrohlichen, dichten Atmosphäre ummantelt wird.
Ahnungen werden geschürt und widerlegt, Verstrickungen neu geknüpft und Puzzleteile fügen sich nach und nach zusammen. Kurz: die Autorin hält konstant Neugier und Interesse aufrecht, wenn auch nicht alles zu 100 % realistisch und nachvollziehbar schien.
Zwar schwang im Stil eine gewisse Distanz mit und der selbsternannten Ermittlerin haftete ein Mix aus Naivität, Unnahbarkeit und Sturheit an, jedoch vergingen die Kapitel durch einen lockeren, leichten Ton rasend schnell, bis zum großen, überraschenden Finale.

Fazit: „Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.“ ist ein Jungend-Krimi, der auch älteren LeserInnen spannende, aufregende Stunden und so manch Gänsehautmoment beschert.

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Veröffentlicht am 24.01.2025

Tolle Fortsetzung, die Überraschungen bereithält und gespannt auf das Finale warten lässt.

Dragon Games - Flügel aus Stahl
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„Fluegel aus Stahl“ ist der langersehnte zweite Band der Fantasy-Serie „Dragon Games“ –
Knapp sieben Monate sind vergangen, seit Victoria Black ihr Geheimnis offenbarte und vornehmlich dazu beitrug, die ...

„Fluegel aus Stahl“ ist der langersehnte zweite Band der Fantasy-Serie „Dragon Games“ –
Knapp sieben Monate sind vergangen, seit Victoria Black ihr Geheimnis offenbarte und vornehmlich dazu beitrug, die Attentäter, die es auf Drachenritter abgesehen hatten, zu stoppen. Zwar ist Callum noch immer flüchtig und das drohende Unheil, welches Robert Moore prophezeite, unvergessen, doch an der Seite von Sir James und als die erste offizielle Drachenritterin lebt Vic in annehmlichen Verhältnissen. Alles könnte so schön sein, wären da nicht die veralteten, patriarchalischen Strukturen, engstirnige reiche Männer und die neuen Aufgaben ihres Geliebten. Denn statt mit Onyx, Vic und Daireann durch die Lüfte zu gleiten, verbringt dieser den Großteil des Tages in den Fabriken, mit Verhandlungen und politischen Debatten. Sein Vorhaben, aktiv für die dringend benötigten Veränderungen in den Minen und Armenvierteln einzutreten, scheint vergessen – im Gegensatz zu Kriegsbesprechungen. Dieser Umstand lastet schwer auf der Beziehung. Und dann verschwinden auch noch immer häufiger Drachen …

Zuerst möchte ich auf die am Beginn zu findende Zusammenfassung inkl. des Personenverzeichnisses hinweisen. Dies erleichtert den Einstieg und ist bei Serien unglaublich hilfreich.
Spielte sich der Auftakt der Trilogie im staubigen Ferridum ab, (ent)führt die Autorin ihre taffe Protagonistin nun hinter das Kulethische Meer, auf den verloren geglaubten Teil der Welt. Látaiea steht im starken Kontrast zu dem, was Victoria kennt – es grünt und blüht. Die Menschen leben minimalistisch, im Einklang mit der Natur und ihresgleichen, sind frei. Genau wie die Drachen. Und doch wird ihr Dasein immer stärker von dem rigorosen, ausbeuterischen Verhalten des Stahlimperiums, der wachsenden Industrie und dem steigenden Kohleabbau beeinflusst: Hitze, Ascheregen und Stürme sind nur einige der Auswirkungen, denen das vergessene Volk ausgesetzt ist. Doch nicht nur die Natur, sondern auch die geflügelten Wesen leiden …
Ein Wandel muss her – wenn auch mit Gewalt.
Mittendrin Vic. Doch auf welcher Seite wird sie kämpfen?

Den Hauptteil des Geschehens verfolgen wir aus der Perspektive der Drachenritterin, die von all den Enthüllungen und Wundern überrumpelt ist, jedoch zusehends stärker an dem, was sie kennt, an den altbackenen Strukturen, zweifelt. War ihre Abscheu gegenüber dem System, in dem sie aufwuchs, von Anfang an greifbar und ihr das Leben, das sie an der Seite von James führt, zuwider, so wird sie nun mit dem Ausmaß der Zerstörung konfrontiert, muss sich mit unleugbaren Tatsachen und dem Wanken ihrer Loyalität auseinandersetzen. Dass dieser Kontinent einige Gefahren zu bieten hat und nur wenige BewohnerInnen von Látaiea einer potenziellen Feindin aufgeschlossen gegenüberstehen, erfährt Vic rasch am eigenen Leib. Wenig hilfreich, bei all dem Chaos, das in ihr tobt, ist ihr widersprüchlicher, ruppiger Entführer. Zwar rettet Kill ihr mehrfach das Leben, weiht sie in Religion und Regeln seiner Heimat, in Geheimnisse und Schlachtpläne ein … doch Victoria zweifelt nicht, dass sich der Krieger ihrer jederzeit entledigen würde, sollte sie den Clans bei ihrem Ziel in die Quere kommen.
In deutlich weniger Kapiteln begleiten wir James, der aus purer Verzweiflung bereit ist, nicht nur auf Schlaf und sein Erbe zu verzichten … Aber wie soll er ohne Unterstützung Lady Victoria finden, wenn die Spur ins Nichts weist und allseits von Krieg geflüstert wird? Wo lauert die wahre Bedrohung?

Mit dem Settingwechsel und den neuen Gegebenheiten überrascht die Autorin ebenso sehr wie mit Twists und der Fülle an frischen Eindrücken und interessanten Entwicklungen. Der Verlauf ist angefüllt mit Humor und viel Gefühl, mit ereignisreichen, bedrohlichen und rasanten Szenen, wenn ich auch weniger Aufregung und Spannung als im Vorgänger empfand. Auch fehlte es mir öfter an Ernsthaftigkeit in Vics Ton und Verhalten – nichtsdestotrotz handelt die Drachenritterin selbstlos, mit dem Ziel, das Richtige zu tun und zu helfen.
Ursas Stil ist wie gewohnt detailliert und verständlich, Wesen und Charaktere wurden lebendig, die Storyline logisch und die Probleme nachvollziehbar gezeichnet. Für Abwechslung sorgen Látaieas Gefahren und der originelle, mystische Glaube, Victorias inneres Straucheln und die Vielzahl realitätsnaher, kritischer Gedanken. Wie Jaumann in ihrem Fantasy-Roman die (unsere) Ausbeutung von Flora und Fauna sowie die verheerenden Auswirkungen aufgriff, hat es mir ebenso angetan wie die wundervollen Drachen und Killian, der eine frische, prickelnde Komponente in die Dynamik des romantischen Strangs, der sich mMn nicht in den Vordergrund drängt, bringt.
Am Ende wartet ein Cliffhanger, der uns atemlos zurück- und das Finale herbeisehnen lässt.

Wärst du bereit, alles zu verraten, was du kennst, woran du glaubst und was du liebst, um zu retten, was wirklich zählt?
Würdest du eine blutige Schneise durch die Welt schlagen – um für das Richtige zu kämpfen?

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