Ein Aufregerbuch
»Mama, bitte lern Deutsch«Die Mutter braucht keine Deutschkenntnisse - sie hat ja ihren Sohn. Der liest ihr vor, füllt Fomulare aus, setzt sich mit Behörden auseinander. So einfach wird ihm eine unbeschwerte Kindheit verwehrt. ...
Die Mutter braucht keine Deutschkenntnisse - sie hat ja ihren Sohn. Der liest ihr vor, füllt Fomulare aus, setzt sich mit Behörden auseinander. So einfach wird ihm eine unbeschwerte Kindheit verwehrt. Sein Fazit: „Danke für nichts, Mama.“ Das klingt verbittert und ist es auch. In seinem Frust überzieht Tahsim Durgun, verallgemeinert an falschen Stellen. Fairerweise muss festgestellt werden, dass Nichts und Niemand seiner harschen spitzzüngigen Kritik entkommt. Wie kann man das Aussehen seiner Schwester mit einem Kondom vergleichen? Den Bruder abschieben wollen wegen eines fehlenden Buchstabens? Ironie vom Feinsten fehlt bei ihm an keiner Stelle. Aber: worüber beschwert er sich noch? Kostenlose Kleidung? Eine günstige Wohnung? Gelungenes Abzocken von Spenden? Keine Geschenke von der Kioskverkäuferin? Über den zusätzlichen Deutsch- Unterricht? Ja, der ist suboptimal gelaufen, das ist aber nicht die Regel. Gelungener und bewusster Maisklau von Feldern? Nächtliche Alkoholpartys für Minderjährige am Strand .. ? Ach nein, laute Musik, der Dreck und das Erbrochene am See gefallen ihm doch nicht. Oder ist es gar das im Vergleich zur Türkei bessere deutsche Gesundheitssystem? Nicht nur seine Familie wird nicht sofort oder liebevoll behandelt.
Tahsim rechnet mit Deutschland ab. Jetzt ist der 1995 in Oldenburg Geborene Lehramtsstudent und angekommen.
Sein Schreibstil ist eloquent, präzise und mit bissigem Humor. Liest sich flüssig, ist sein Ventil.