Verwirrende und enttäuschende Handlung trotz tollen Anfangs und toller Ausgangslage - kommt nicht an den ersten Band heran
HEN NA IE - Das seltsame HausWorum es geht
Der namenlose Ich-Erzähler ist ein auf Okkultismus spezialisierter Autor. Ein Bekannter bittet ihn, den Grundriss eines Hauses zu prüfen, das er eventuell kaufen möchte. Gemeinsam mit Kurihara, ...
Worum es geht
Der namenlose Ich-Erzähler ist ein auf Okkultismus spezialisierter Autor. Ein Bekannter bittet ihn, den Grundriss eines Hauses zu prüfen, das er eventuell kaufen möchte. Gemeinsam mit Kurihara, einem befreundeten Architekten, der ebenfalls Interesse an Okkultismus hat, sieht der Erzähler sich den Grundriss an. Die beiden entdecken schnell, dass es einige Auffälligkeiten gibt, die, je mehr man den Grundriss untersucht, immer beunruhigender scheinen. Vor allem das Kinderzimmer gibt Rätsel auf. Als die beiden dann noch einen weiteren Grundriss zu Gesicht bekommen, der mit dem ersten zusammenhängt, kommen Geheimnisse ans Licht, die zu grauenhaft scheinen, um wahr zu sein...
Meine Meinung
Nachdem ich im ersten Band "Seltsame Bilder" ein neues Lesehighlight gefunden habe, war ich unheimlich gespannt auf den zweiten Band. Die beiden Bücher lassen sich unabhängig voneinander lesen. Ein Blick auf die Rückseite verrät, dass "Das seltsame Haus" eigentlich das Debüt von Uketsu ist und in Deutschland die Reihenfolge genau umgekehrt war.
Ich bin mit hohen Erwartungen in die Geschichte gestartet - und wurde leider enttäuscht. Die erste Hälfte konnte mich noch mitreißen, die zweite Hälfte war dann enttäuschend und nur noch verwirrend.
Zunächst wird, wie im ersten Band bereits ein Bild, ein Grundriss abgebildet. Als Leser ist man wieder gefragt, mitzurätseln und zu forschen ob man etwas Ungewöhnliches entdeckt. Dieser Start hat mir wieder mal sehr gut gefallen, die Spannung wird direkt zu Beginn aufgebaut und hoch gehalten. Kurihara als Architekt hat dann natürlich nochmal eine ganz andere Sichtweise auf den mysteriösen Grundriss, er und der Ich-Erzähler ergänzen sich in der ersten Hälfte des Buches wirklich gut. Das gesamte Buch ist mehr oder weniger in Dialogform erzählt, was eine gute Dynamik in die Geschichte bringt, einem als Leser jedoch auch immer etwas fern und distanziert bleibt. Emotionen oder Beschreibungen, die nicht zwingend zur Situation passen, werden nicht beschrieben.
Die Grundrisse der Häuser sind in der ersten Hälfte für meinen Geschmack etwas zu viel abgedruckt. Man kann damit dem Geschehen und den Vermutungen immer sehr gut folgen, aber manchmal erweckte es den Anschein, dass der Autor die Seiten "füllen" wollte und der Grundriss deshalb auffallend oft gedruckt war. Vor allem als der zweite Grundriss auftauchte und klar war, dass beide zusammenhängen, wurde es nochmal spannender. Mit neuen Personen, die in den Fall involviert sind, nimmt die Geschichte bis zur Hälfte an Tempo auf - um sich dann selbst zu verheddern und eine "an den Haaren herbei gezogene" Geschichte und Auflösung zu erarbeiten. Als hätte der Autor in der zweiten Hälfte selbst nicht mehr gewusst, wohin er uns Leser und die Geschichte führen will, haut er mit Namen, Familienkonstellationen und Begebenheiten nur so um sich. Die Story flacht zusehends ab, spätestens bei der Erklärung mit den viel zu vielen Namen war ich raus. Die Grundrisse, die in der ersten Hälfte überhand nehmen, fehlen im zweiten Teil als Stammbäume oder Zeitleisten.
Die Geschichte, die Kurihara hinter den beiden Grundrissen vermutet, ist für mich schon sehr aus der Luft gegriffen, ohne die Hintergründe oder Familie, die darin gelebt hat, zu kennen, kann man nicht schlussfolgern, dass es dort ein mordendes Kind gegeben haben soll. Ich hatte im zweiten Teil einen richtig guten Plottwist erwartet oder eine Auflösung, die ich so nicht habe kommen sehen, aber es plätscherte nur so dahin.
Für Europäer mag es nochmal deutlich schwieriger sein, die japanischen Namen und Familienkonstellationen auseinander zu halten, jedoch passte der zweite Teil nicht zum tollen Anfang und der Ausgangslage der Story. Auch das Nachwort hat mir eher noch mehr verwirrt als Aufklärung zu schaffen - vielleicht hat Uketsu aber auch genau das im Sinn gehabt: was ist real, was ist ausgedacht oder erweitert und was kann man wirklich glauben?
Mein Fazit
"Das seltsame Haus" kommt für mich leider nicht an den ersten Band des Autors heran. Mit dem Wissen, dass dieser Band hier das Debüt ist, schaue ich auch nochmal anders auf den ersten Band. Man merkt, dass Uketsu sich beim Schreiben weiterentwickelt hat und die Handlung und Figuren stimmiger und runder sind. Wer noch nicht "Seltsame Bilder" gelesen hat: lest es unbedingt, es ist ein völlig neues Genre und das Miträtseln ist dort garantiert. Dieses Buch hier konnte mich leider nicht überzeugen, schade!