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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.11.2025

Erster Teil sehr start, Schluss weniger überzeugend.

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Ein riesiger Erfolg in Japan. Dies war der erste Band von dem ominösen Uketsu. Ein Fall, der anscheinend durch die japanische Presse ging und dann von diesem Unbekannten in Buchform aufgegriffen wurde. ...

Ein riesiger Erfolg in Japan. Dies war der erste Band von dem ominösen Uketsu. Ein Fall, der anscheinend durch die japanische Presse ging und dann von diesem Unbekannten in Buchform aufgegriffen wurde. Spannend daran ist die Art, denn das Buch ist voller Grundrisse von zwei verschiedenen Häusern. Das ist die Grundlage des Rätsel, dass es zu lösen gilt. Und als Leser:in ist man immer dabei das Rätsel mit zu lösen.
Der in Japan als zweites erschiene Band – Seltsame Bilder – erschien auf Deutsch als erstes und hat mich wirklich sehr überzeugt. Das Buch fand ich super gut. Und dann las ich dieses hier: Das seltsame Haus.
Der Einstieg war wieder mega gut, viele Grundrisse und ein stätiges miträtseln. Auch die Charaktere waren klar, der Geschichte war einfach zu folgen. Aber dann im zweiten Teil des Buches, wurde das Tempo sichtlich angezogen, es gab immer weniger Grundrisse, Bilder und die Anzahl an Personen und Verlinkungen stieg auch. Vielleicht sind mir die japanischen Namen einfach zu wenig geläufig um sie mir beim schnelleren Lesen zu merken. Vielleicht hätte ich mir auch anfangen sollen einen Stammbaum zu zeichnen, immer wenn ein neuer Name auftauchte.
Wie dem auch sei, ich hab es zu Beginn gerne gelesen, finde das Konzept weiterhin mächtig gut, aber der Schluss hat mich etwas enttäuscht.

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Veröffentlicht am 14.06.2025

Ein Buch voller Flair!

Le Sud
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Kochbücher sind einer meiner Leidenschaften und ich liiiiiiebe es sie nach Rezepten zu durchforsten. Dabei dürfen sie gerne ansprechend gestaltet sein und mich komplett einnehmen. Soviel zur Vorrede. Nun ...

Kochbücher sind einer meiner Leidenschaften und ich liiiiiiebe es sie nach Rezepten zu durchforsten. Dabei dürfen sie gerne ansprechend gestaltet sein und mich komplett einnehmen. Soviel zur Vorrede. Nun zu diesem Kochbuch le SUD von Rebekah Peppler mit Fotografien von Joann Pal.
Hier bin ich in einem starken Zwiespalt, seit einer Woche blättere ich darin herum versinke in den MEGA tollen Fotografien und liebe einfach den nonchalanten Vibe dieses Buches. Einfach traumhaft bei Hitze hier zu blättern und sich in Südfrankreich wieder zu finden. Die Gestaltung, das Flair, die Fotografien, toll in Szene gesetzt. Das hat Joann Pal super gut gemacht.
Nun kommen wir zum Rest. Also gut, dass über dem Titel Rezepte und Geschichten aus Südfrankreich steht. Es ist aus meiner Sicht mehr Coffeetable Book und ein tolles Geschenk für Südfrankreich Liebhaber als ein brauchbares Kochbuch. Warum? Weil ich für „La Piscine“ kein Buch brauche: Glas, Eiswürfel und dann den Wein. Was hier aber auch passiert. Ist eine Erzählung in Speisen und Genuss. Das ist wiederum toll.
Ihr seht ich bin amivalent was dieses Buch angeht. Würde aber sagen: Tolles Geschenk, liest und schaut sich gut an. Aber bitte nicht als praktisches Kochbuch verstehen.

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Verdrängte Wahrheiten unter dem Eis

Die Schrecken der anderen
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Martina Clavadetschers „Die Schrecken der anderen“ ist ein kluger, tiefgründiger Roman über Verdrängung, Verantwortung und das, was unter der Oberfläche lauert – im Eis, in der Erinnerung, in der Gesellschaft. ...

Martina Clavadetschers „Die Schrecken der anderen“ ist ein kluger, tiefgründiger Roman über Verdrängung, Verantwortung und das, was unter der Oberfläche lauert – im Eis, in der Erinnerung, in der Gesellschaft. In ruhiger, aber eindringlicher Sprache entfaltet sich ein Netz aus Geschichten, die zunächst lose wirken, sich aber langsam und konsequent miteinander verweben.
Der Roman beginnt mit einem bildstarken Auftakt: Ein Junge entdeckt beim Schlittschuhlaufen einen Toten im Eis – eine Szene, die sich sinnbildlich durch das ganze Buch zieht. Clavadetscher erzählt abwechselnd aus der Perspektive zweier Figuren: Schibig, ein ängstlicher Archivar, der sich von einer alten Frau in einen Strudel aus Beobachtung und Deutung ziehen lässt, und Kern, ein reicher Erbe, dessen körperliche und moralische Blindheit eng mit der verdrängten Vergangenheit verwoben ist. Wie diese und andere Figuren zusammenhängen, erschließt sich Stück für Stück – und gerade das macht einen großen Reiz des Buches aus.
Stilistisch bewegt sich der Roman zwischen poetischer Sprachkraft und bewusster Sperrigkeit. Manche Passagen verlangen Geduld, wirken fast distanziert, doch dann folgen wieder Momente voller Klarheit und emotionaler Wucht. Besonders stark sind jene Stellen, in denen die Autorin die historischen Schatten der NS-Zeit mit heutigen gesellschaftlichen Fragen verschränkt – nie platt, sondern subtil und wirkungsvoll.
Nicht alle Erzählstränge sind gleich überzeugend, und gelegentlich hätte ich mir mehr Nähe zu den Figuren gewünscht. Trotzdem: „Die Schrecken der anderen“ ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, lange nachwirkt und der zeigt, was Literatur im besten Fall kann – sichtbar machen, was viele nicht sehen wollen.
Fazit: Anspruchsvoll, literarisch, relevant – ein Buch, das fordert und belohnt.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Grotesk, böse - brillant?

Nimms nicht persönlich
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Tom Hoflands „Nimms nicht persönlich“ ist ein wilder Ritt durch die Abgründe der modernen Arbeitswelt – bitterböse, surreal und voller dunklem Witz. In seinem Mix aus Thriller, Horrormärchen, Groteske ...

Tom Hoflands „Nimms nicht persönlich“ ist ein wilder Ritt durch die Abgründe der modernen Arbeitswelt – bitterböse, surreal und voller dunklem Witz. In seinem Mix aus Thriller, Horrormärchen, Groteske und tragikomischem Büroalltag entwirft Hofland ein Szenario, das gleichzeitig unterhält und verstört.
Im Zentrum steht Lute, Qualitätsmanager bei einem Pharmakonzern, der mit der Entlassung seiner gesamten Abteilung betraut wird – eine Aufgabe, der er sich zunächst entziehen will, nur um sie dann ausgerechnet dem mysteriösen Personalvermittler Lombard zu überlassen. Was als kafkaeske Reorganisation beginnt, gleitet zusehends ins Mythisch-Makabre: Verschwundene Kollegen, sprechende Tiere, unheimliche Headhunter – alles scheint möglich in dieser verstörend absurden Welt, die irgendwo zwischen Max Frisch, „Fleisch ist mein Gemüse“ und einem HR-Workshop in der Hölle liegt.
Hofland gelingt es, die Absurdität neoliberaler Arbeitslogiken literarisch zu überzeichnen, ohne sie ihrer beängstigenden Realität zu berauben. Besonders stark sind die Szenen, in denen sich das Grauen hinter der nüchternen Sprache der Effizienz und Selbstoptimierung verbirgt. Die Dialoge sind pointiert, der Stil teilweise bewusst sperrig, was gut zur thematischen Schwere passt – wenngleich der Einstieg fordernd bleibt.
Was den Roman besonders lesenswert macht, ist sein doppelter Boden: Unter der grotesken Oberfläche verhandelt er Fragen nach Schuld, Anpassung, Verantwortung – und dem Preis, den wir zahlen, wenn wir die Kontrolle über unser Handeln abgeben. Lute ist keine Heldenfigur, sondern ein ambivalenter Mitläufer, ein Antiheld im Angestelltenkostüm.
Kleine Schwächen hat der Roman dennoch: Die Symbolik (Pudel, Wildschwein, Erdhaufen) wirkt stellenweise überfrachtet, manche Nebenfiguren bleiben schemenhaft. Auch das surreale Finale mag Leser:innen spalten – zwischen „genial durchkomponiert“ und „zu viel des Guten“.
Fazit: „Nimms nicht persönlich“ ist kein Buch für zwischendurch – aber für alle, die sich gern literarisch fordern lassen, schwarzem Humor nicht abgeneigt sind und Lust haben auf ein modernes, bissiges Märchen über Macht, Angst und die Banalität des Bösen.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Eine Ehe in den 50er Jahren der USA

Es geht mir gut
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Ein schmaler Roman der eine Ehe beleuchtet, wie sie in den 50er Jahren in den USA sicherlich millionenfach vorkam. Geheiratet wurde früh, aus naiver Liebe mit viel Pragmatismus. Und dann kam der Alltag. ...

Ein schmaler Roman der eine Ehe beleuchtet, wie sie in den 50er Jahren in den USA sicherlich millionenfach vorkam. Geheiratet wurde früh, aus naiver Liebe mit viel Pragmatismus. Und dann kam der Alltag. Der Mann als Ernährer und die Frau als Hausfrau und Mutter. Wer da nicht depressiv wird…und das auf beide Seiten. Jeder bleibt in einer traditionellen Rolle verhaftet, die eng und ungewollt ist, nur um einem Ideal der Gesellschaft zu entsprechen mit den Erinnerungen aus den Weltkriegen gepaart. Das schreit nach Ausbruch und so kommt es hier auch.
Leiser als erwartet, viel viel leiser als erwartet. Insgesamt hatte ich eine hohe Erwartungshaltung an diesen schmalen Band der leider nicht erfüllt wurde. Aber auch geschuldet der nicht so sonderlich geglückten Übersetzung von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Ob es im Original („The Most“) ist kann ich nicht beurteilen, denke aber schon, dass die Geschichte besser transportiert wird.
Es geht um die Ehe von Kathleen und Virgil. Beide seit 9 Jahren verheiratet und kürzlich nach Delaware gezogen. Er hat einen neuen Job angenommen und die Familie muss mit. Nun statt in einem Haus in einem heruntergekommenen Apartmentgebäude gelandet mit einem kleinen Pool, der scheinbar nie genutzt wird.
Über die Zeit kommen Unzulänglichkeiten, Fehler und Emotionen ans Licht für uns Leser:innen. Es hängt fortwährend eine depressive, kaum aushaltbare Stimmung in der Luft.
Toll ist die Schilderung was zu jener Zeit als „normal“ galt, der Norm entsprechend, welche Rolle Männer zugeschrieben wurde und wie Frauen zu sein hatten. Das ist aus meiner Sicht die große Stärke des Romans.
An der deutschen Ausgabe schätze ich die das tolle Cover sowie und die schöne Hardcoverausgabe!
Fazit: „Normal war nicht länger hinnehmbar“ (S. 151)

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