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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2025

Tiefgang, der sanft trägt

Das Multiversum der Menschlichkeit
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Vorweg: Ich liebe alles an diesem Buch – aber der Reihe nach.



Schon beim Auspacken war ich positiv überrascht: Die Haptik und das Layout des Buches sind außergewöhnlich hochwertig. Die Rillenstruktur ...

Vorweg: Ich liebe alles an diesem Buch – aber der Reihe nach.



Schon beim Auspacken war ich positiv überrascht: Die Haptik und das Layout des Buches sind außergewöhnlich hochwertig. Die Rillenstruktur der Broschur gefällt mir besonders gut – sie liegt nicht nur angenehm in der Hand, sondern lädt regelrecht dazu ein, öfter darüber zu streichen. Auch das Inhaltsverzeichnis und die gesamte Struktur wirken durchdacht und übersichtlich. Türkisfarbene Akzente schaffen eine klare visuelle Trennung zwischen den Themen.



Das Buch umfasst zehn Kapitel, eine Einleitung und einen Epilog. Was mich sofort gepackt hat, war der herausragende Schreibstil und die kluge Metaphorik: Menschliches Empfinden und Handeln wird mit universellen Prinzipien verknüpft – bildhaft, tiefgründig und zugleich leicht zugänglich.



Die Kapitel widmen sich Themen wie Liebe, Selbstfürsorge, Wut, Mut, Vergebung, Empathie, Hoffnung, Geduld, Dankbarkeit und Authentizität – allem, was den Menschen als Mikrokosmos ausmacht. Jedes dieser Themen wird durch Phänomene aus dem Universum oder der Physik erklärt. Dabei bleibt alles verständlich und einprägsam – auch für Leser*innen ohne naturwissenschaftliche Vorkenntnisse.



Besonders gefallen hat mir, dass jedes Kapitel durch kurze Geschichten ergänzt wird, die ein Gefühl von Optimismus und Mitgefühl wecken – ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Am Ende jedes Abschnitts wird der Inhalt noch einmal „auf den Punkt gebracht“, was das Nachschlagen besonders leicht macht.



Das Buch lässt sich sowohl kapitelweise als auch am Stück lesen – ich selbst habe es in einem Rutsch verschlungen. Doch ich werde es definitiv noch einmal lesen – diesmal mit Notizen zu den schönsten Stellen.



Was ich erst im Nachgang realisiert habe: Dieses Buch hat mich auf einer tieferen Ebene berührt. Ich selbst schreibe an einer Dystopie und steckte zuletzt in einer kreativen Sackgasse. Das Multiversum der Menschlichkeit hat mir geholfen zu erkennen, worüber ich eigentlich schreiben will – nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Haltung. Es hat etwas in mir geklärt, das vorher diffus war. Und allein dafür bin ich sehr dankbar.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Ein wundervolles Kinderbuch

Die kleine Spinne Widerlich - Mini-Spinni kommt in den Kindergarten
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Die beliebte Kinderbuchreihe "Die kleine Spinne Widerlich" von Diana Amft ist um einen Band gewachsen. Dieser Teil lautet "Mini-Spinni kommt in den Kindergarten" und damit ist auch klar und deutlich definiert, ...

Die beliebte Kinderbuchreihe "Die kleine Spinne Widerlich" von Diana Amft ist um einen Band gewachsen. Dieser Teil lautet "Mini-Spinni kommt in den Kindergarten" und damit ist auch klar und deutlich definiert, worum es in der Geschichte geht.

Wer die Geschichten um die kleine Spinne und ihre Familie nicht kennt, hat definitiv etwas verpasst. Viele bringen Spinnen mit Ekel oder gar Angst in Verbindung. Bei diesen liebevoll gestalteten Charakteren haben unangenehme Gefühle und Gedanken gar keine Chance. Die Vermenschlichung der Spinnen baut Sympathie auf. Man kann sich an den detaillierten und herzlichen Illustrationen gar nicht satt sehen.

Auch dieser Band hat nicht nur mich, sondern auch meine Nichte überzeugt. Man begleitet Mini-Spinni bei ihrem ersten Tag im Kindergarten. Hier lernt Mini-Spinni den Ablauf in Ruhe kennen, macht bei ersten Spielen mit und verbringt dort den Mittagsschlaf. Zuhause wird der Tag abschließend mit der ganzen Familie gefeiert. Natürlich gibt es Elemente aus dem Kindergarten-Alltag, die nicht aufgegriffen werden. Das Wichtigste wird allerdings abgehandelt. Der Spaß und die Freude daran endlich zu den großen Kindergarten-Spinnen zu gehören steht im Vordergrund. Das ist durchaus gelungen. Der Kindergarten wird als ein warmherziger Ort dargestellt, an dem man nicht nur Freunde finden kann, sondern auch jede Menge neue Spiele kennenlernt. Genau so soll es sein.

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Die Erleuchtung liegt auf dem Holzweg

Es war zweimal
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Jan Philipp Zymny hat einen sehr eigenständigen Humor. Sicher nicht jedermanns Geschmack, ich mag es sehr.

In "Es war zweimal" wird Unsinn zur Kunstform, aber keineswegs zu Blödsinn. Der Wortausdruck ...

Jan Philipp Zymny hat einen sehr eigenständigen Humor. Sicher nicht jedermanns Geschmack, ich mag es sehr.

In "Es war zweimal" wird Unsinn zur Kunstform, aber keineswegs zu Blödsinn. Der Wortausdruck ist schneidig, immer passend. Manchmal albern, manchmal makaber. Manchmal nachdenklich, manchmal absurd. Das alles wechselt oft von einem Satz zum nächsten. Wirkt der eine Satz noch fast grotesk, wirkt der nächste gesellschaftskritisch, der nächste auf intelligente Weise schwachsinnig und der nächste wiederum stellt das Geschehen der ganzen Welt infrage.

Man muss es wirklich mögen und dafür muss man denke ich einfach selbst rein lesen oder sich sein Comedy-Programm anschauen. Man kann es wahrscheinlich nur lieben oder zu dem Entschluss kommen, dass es für einen einfach nichts ist. Dazwischen wird es nicht viel geben.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Schaut nicht weg!

Ist das okay?
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Es gibt Themen über die man nicht gerne spricht. Themen, bei denen man selbst vielleicht lieber weg sehen und stumm bleiben würde. Nur verschwinden sie damit nicht. Auch hilft es nicht die Augen zu verschließen. ...

Es gibt Themen über die man nicht gerne spricht. Themen, bei denen man selbst vielleicht lieber weg sehen und stumm bleiben würde. Nur verschwinden sie damit nicht. Auch hilft es nicht die Augen zu verschließen. Es macht es schlimmer. Sexuelle Gewalt an Kindern ist eines dieser Themen. Dabei kann frühe Aufklärung präventiv helfen.

Ein Buch über dieses Thema zu schreiben und damit sowohl Kinder, als auch Bezugspersonen aufzuklären stelle ich mir schwer vor. "Ist das okay?", wagt diesen Versuch. Zunächst einmal fiel mir auf, dass das Buch sehr direkt in seiner Sprache ist. Kein Drumherum reden. Es bringt die Dinge auf den Punkt, bietet dabei viele Infos, Statistiken und breit gestreute Fragen, um mit dem Kind ins Gespräch zu kommen.

An die direkte Sprache ohne Umschreibungen, musste ich mich im Bezug auf Kinder erst ein wenig gewöhnen. Es ist aber wohl notwendig bei einem Thema wie sexueller Gewalt nichts zu beschönigen. Es bleibt durchgehend sachlich und informativ, ohne in explizite Details zu gehen. Im Vorwort wird darauf hingewiesen das Buch zunächst alleine ohne Kinder komplett zu lesen. Diesem Tipp würde ich zwingend folgen. Jedes Kind ist anders und gerade bei einem sensiblen Thema wie diesem sollte gut überlegt werden wie man das Buch bespricht. Es ist meiner Meinung kein Buch, das man mit Kindern in kurzer Zeit abhandeln sollte. Es wird zwar im Vorwort empfohlen es öfter zur Hand zu nehmen und auch nur eine Seite anzuschauen. Ich würde aber sogar sagen, es sollte auch nicht viel mehr am Stück gelesen und besprochen werden. Es könnte überfordern oder ängstigen. Auch finde ich manche Seiten eher für ältere Kinder aufbereitet und nicht dem Alter ab 6 angemessen. Einige Seiten würde ich daher eher und andere später aufgreifen.

Insgesamt ein gut geschriebenes Buch, das Kindern hilft zu erkennen, ob und ab wann Grenzen überschritten werden. Scheuklappen bei dem Thema bringen leider nichts. Zumindest nichts den Kindern, nur den Täter:innen. Ein mutiges Buch, das dringend Kindern näher gebracht werden sollte. Besser jetzt ein Buch mit harter Thematik besprechen, als später Taten, die vielleicht verhindert hätten werden können. Es muss Täter:innen schwerer gemacht werden die Grenzen zu übertreten und hier wird ein kleiner Leitfaden dazu geboten.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Spionage, Liebe und Kunst

Die tausend Farben von Paris
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Zunächst sei das außerordentlich schöne Cover gelobt. Es gefällt mir farblich mit den pastelligen Tönen sehr gut. Es wirkt dadurch sehr cozy. Davon sollte man sich allerdings nicht bezüglich der Handlung ...

Zunächst sei das außerordentlich schöne Cover gelobt. Es gefällt mir farblich mit den pastelligen Tönen sehr gut. Es wirkt dadurch sehr cozy. Davon sollte man sich allerdings nicht bezüglich der Handlung täuschen lassen. Es geht zwar auch um cozy Lovestories (ja, zwei!), aber eben auch Spionage und ein dunkles Kapitel des NS-Regimes.

Es fiel mir sehr leicht in das Geschehen des Buches einzutauchen. Der Lesestil ist außerordentlich gut, locker, leicht, aber gleichzeitig niveauvoll. Es werden komplexe Geschehnisse mit sehr viel Leichtigkeit eingestreut. Die Charaktere konnten mich alle auf Anhieb begeistern. Sie zeichnen verschiedene Facetten und Eigenschaften ab und fügen sich gut zueinander. Frank, kommt zunächst etwas sprunghaft rüber. Jack, Künstler durch und durch und Lebemann. Rose, die Fotografin, aus gutem Hause. Dazu noch Amelie, die in einem bescheidenen Blumenladen arbeitet und sich lieber von zu viel Drama fern halten will. Hinzu kommen zahlreiche größere und kleinere Nebencharaktere, die vor allem für die Krimikomponente des Romans entscheidend sind.

Das Buch macht jede Sekunde Freude zu lesen und man möchte wissen wie es weitergeht. Manches wurde etwas zu einfach zum Ende hin gelöst. Es passte ins Gesamtbild hinein, aber damit hätte man noch mehr spielen können.

Ich hatte das Buch innerhalb eines Tages durch. Damit hatte ich bei einem historischen Roman gar nicht gerechnet. Daher eine klare Empfehlung!

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