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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2025

19 unterschiedliche Kurzkrimis

Arsen und Spargelspitzen
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Die beiden Herausgeber dieses Kurzkrimi-Sammelbands, Klaus Maria Dechant und Brigitte Glaser, bereiten ihre Leser mit folgenden Worten auf die 19 höchst unterschiedlichen Geschichten vor:

„Kurzgeschichten ...

Die beiden Herausgeber dieses Kurzkrimi-Sammelbands, Klaus Maria Dechant und Brigitte Glaser, bereiten ihre Leser mit folgenden Worten auf die 19 höchst unterschiedlichen Geschichten vor:

„Kurzgeschichten sind wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was drin ist.“

Und, ja, das stimmt. Besser hätte ich das auch nicht formulieren können. Namen wie Isabella Archan, Jennifer B. Wind oder Dieter Aurass verheißen Humor und Spannung, fiese Bösewichte und enttäuschte Menschen, die sich nicht anders als mit Gewalt zu helfen wissen. Obwohl, Gewalt ist keine Lösung ...

Wie immer, lässt mich so eine Sammlung von Kurzgeschichten ein wenig zwiegespalten zurück. Einerseits halte ich es für hohe Schreibkunst auf rund 25 Seite eine komplexe Geschichte zu erzählen, andererseits sind mir Kurzkrimis immer zu kurz. Das ist natürlich mein ganz persönliches Problem.

Gut gefällt mir, dass unterschiedliche Autorinnen und Autoren zu einem bestimmten Motto (hier die Austragung der Criminale in Schwetzingen) in einem Buch vereint sind, so dass ich einen Eindruck von allen jenen bekomme, die ich noch nicht kenne.

Nicht alle Geschichten haben mich gleichermaßen begeistert. Als besonders dramatisch empfinde ich gleich die erste Geschichte, in der ein Mädchen die Elternrolle für ihren alkoholkranken Vater übernehmen muss, obwohl es selbst durch den Unfalltod der Mutter traumatisiert ist und sich selbst dafür die Schuld gibt.

Fazit:

Dieser Pralinenschachtel „Arsen und Spargelspitzen“, die Häppchen in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen enthält, gebe ich gerne 4 Sterne.

Veröffentlicht am 10.04.2025

Ein gelungenes Debüt!

Arrivederci Jesolo
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Es ist Hochsommer in Jesolo Pineta, die Urlauber genießen das Meer und im nahen Venedig rüstet man sich für die berühmte Biennale, die reich und schön anlockt. Der bekannte Maler Gustav Görlitz hat eine ...

Es ist Hochsommer in Jesolo Pineta, die Urlauber genießen das Meer und im nahen Venedig rüstet man sich für die berühmte Biennale, die reich und schön anlockt. Der bekannte Maler Gustav Görlitz hat eine Enthüllung angekündigt. Doch daraus wird nichts, denn der Maler hängt erstochen am Clown der Hüpfburg von Jesolo.

Commissario Vialli wird mit den Ermittlungen betraut und unverzüglich klebt Ambra Santoro, die Journalistin von Jesolo24 an seiner Seite. Sie wittert ihre Chance, Hintergründe der Bluttat aufzudecken, um einen Sprung auf der Karriereleiter hinaufzuklettern. Ihre Insiderinformationen zur Kunst- und Klatschszene erweisen sich als aufschlussreich. Gemeinsam durchleuchten Vialli und Santoro das Privatleben des Malers, das zahlreiche Geheimnisse enthält. Geheimnisse, die besser nicht enthüllt werden sollten ...

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist das Debüt der Journalistin und Filmemacherin Nadia Weiss, weshalb der Alltag der Reporterin Ambra Santoro recht anschaulich geschildert ist. So erfährt man einiges darüber, dass sich halbe Wahrheiten sich besser verkaufen als ganze, dass jede Schlagzeile, so abstrus oder reißerisch sie sein mag, Klicks, Quoten und Reichweite bringt.

Wir erhalten Einblick in die Geschäftspraktiken von einigen Galeristen, die manchmal sowohl den Künstler als auch den Kunstliebhaber über den Tisch zu ziehen versuchen.

Die Charaktere haben so ihre Ecken und Kanten, und wirken, bis auf wenige, durchaus sympathisch. Der Krimi liest sich leicht und flott. Man kann direkt das Meer und das Sonnenöl riechen sowie den Sand unter den Fußsohlen knirschen hören.

Fazit:

Dieser Krimi eignet sich gut als Sommerlektüre, egal ob am Strand von Jesolo oder in den Bergen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 07.04.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Grado im Glück
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„Du willst das alles nicht wirklich wissen.“

Dieser 10. Krimi rund um die Gradeser Commissaria Maddalena Degrassi ist ein wenig anders als die neun vorherigen. Es geht weniger um klassische Ermittlungsarbeit ...

„Du willst das alles nicht wirklich wissen.“

Dieser 10. Krimi rund um die Gradeser Commissaria Maddalena Degrassi ist ein wenig anders als die neun vorherigen. Es geht weniger um klassische Ermittlungsarbeit sondern eher um das Psychogramm einer langjährigen Freundschaft unter sechs Frauen, die einander doch nicht ganz so vertrauen wie sie glauben. Die Tote ist (fast) nur Nebensache.

Der Krimi beginnt mit dem Auffinden einer zunächst unbekannten toten Frau am Fuße einer Treppe in einem Wohnhaus in Grado, in dem die Bewohner auffallend schweigsam sind. Ein unglücklicher Treppensturz oder hat hier jemand nachgeholfen?

In zahlreichen Rückblicken erhalten wir Leser Einblick in die letzten zehn Tage VOR dem Tod der Frau, die sich als eine der sechs Freundinnen, die sich regelmäßig treffen, um über gelesene Bücher zu diskutieren. Carolina, Romina, Mariella, Anastacia, Giorgia und Ludmilla - wer von diesen Frauen ist die Tote?

Meine Meinung:

Wer sich einen Krimi nach der bekannten Schreibweise von Andrea Nagele erwartet, wird hier ein wenig irritiert sein. Andrea Nagele, langjährige Psychotherapeutin, legt diesen Krimi ein wenig anders an. Statt wie gewohnt, einen Whodunit-Krimi in den Händen zu halten, sind wir Leser mit Abgründen der menschlichen Seele konfrontiert.

Der Satz „Du willst das alles nicht wirklich wissen.“ zieht sich durch das ganze Buch.

Kann eine langjährige Freundschaft so viele Geheimnisse und Lügen überstehen? Wie weit kann, darf oder muss Freundschaft gehen? Soll oder muss der Ehemann, der eine Frau regelmäßig misshandelt, angezeigt werden? Auch gegen deren Willen? Wie sehr darf eine Freundschaft strapaziert werden? Ist es legitim darauf zu hoffen, Geld geliehen zu erhalten?

Fragen über Fragen, mit denen wir hier konfrontiert werden.

Interessant ist, dass auch hier, wie in beinahe jedem meiner jüngst gelesenen Krimi, gleichgeschlechtlich Liebende, eine Rolle spielen. Diese Geschichte dieses Paares hat allerdings auf den Fortschritt der Geschichte bzw. die Ermittlungen keinen Einfluss.

Fazit:

Kein Krimi im herkömmlichen Sinn, aber nicht weniger interessant. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.03.2025

Ein Hauch von Spaghetti-Western

Stumme Zypressen
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Der vierte Fall für Commissario Luca hat einen Hauch von einem Spaghetti-Western. Wieso?

Ein schwarz gekleideter Mann trifft mitten in der Nacht mit Auto und Anhänger in Montegiardino ein und mietet ...

Der vierte Fall für Commissario Luca hat einen Hauch von einem Spaghetti-Western. Wieso?

Ein schwarz gekleideter Mann trifft mitten in der Nacht mit Auto und Anhänger in Montegiardino ein und mietet ein Zimmer bei der betagten Signora Carlotta. Schweigsam wie weiland Charles Bronson, aber ohne Mundharmonika, dreht er auf dem Dorfplatz seine Runden. Sofort machen die wildesten Gerüchte die Runde.

Die Dorfgemeinschaft ist in heller Aufregung als wenig später zwei Gänse tot im Garten liegen und ein deutscher Wanderer, der eine Ähnlichkeit mit dem Fremden hat, die über die schwarze Funktionskleidung hinaus geht, wird angeschossen.

Selbstverständlich macht man den schweigsamen Fremden dafür verantwortlich. Sogar eine Bürgerwehr wird aufgestellt. Als Luca gemeinsam mit seiner alten Freundin Aurora, der Vice-Questorin, den Namen des Mannes durch den Polizeicomputer jagt, entdecken sie, dass auch die Vice-Questorin keinen Zugriff erhält auf seine Akte erhält.

Ist er ein Mitarbeiter des Geheimdienstes oder eine Person in einem Zeugenschutzprogramm?

Meine Meinung:

Dieser 4- Fall für Commissario Luca beginnt eher gemächlich, mit dem täglichen Kleinkram eines Dorfpolizisten wie dem Abstrafen von Schnellfahrern oder den Streitigkeiten zwischen Nachbarn über zu lautes Krähen eines Hahnes mit dem Namen Gaius Iulius Caesar, um sich zu einem veritablen Kriminalfall auswächst.

Wir begegnen zahlreichen Personen, die das Leben in der schönen Toskana schon in den vorherigen Krimis, bereichert haben. Nicht zu vergessen die „Nachrichtendienste“ Maria und Fabio.

Sehr gut ist wieder das Dolce far niente des Dorfes herausgearbeitet, wenn es nicht gerade durch lärmende Hähne, tote Gänse und unheimliche Fremde gestört wird. Auch die kulinarischen Genüsse dürfen nicht fehlen.

Fazit:

Ein eher ruhiger Krimi in einer schönen Ecke Italiens, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Die Hausboot-Detektei – Tödlicher Grund
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Auch der zweite Fall für die Hausboot-Detektei konnte mich fesseln und überzeugen. Diesmal bekommen es die Detektive mit einem äußerst komplexen Fall zu tun. Zunächst sieht es nach einem einfachen Auftrag ...

Auch der zweite Fall für die Hausboot-Detektei konnte mich fesseln und überzeugen. Diesmal bekommen es die Detektive mit einem äußerst komplexen Fall zu tun. Zunächst sieht es nach einem einfachen Auftrag aus: Tessa vermutet, dass ihr Freund fremdgeht und wendet sich an Arie & Co. Noch ahnt niemand, dass der Auftrag Maddie für eine Nacht ins Gefängnis und die Truppe in weiterer Folge sogar nach Südamerika führen wird.

Wieder mit an Bord sind Arie & Co mit Hund und Fru Gunilla sowie der missgünstige und überfordert wirkende Hofdcommissaris Wessel de Boer, der es Arie heimzahlen will. Nur was eigentlich? Eigentlich hätte Arie Grund Wessel, seinem Ex-Freund und Ex-Kollegen gram zu sein. Wessel hat Arie die Frau ausgespannt und auch gleich nach der Scheidung geheiratet. Hängt bei ihm der Haussegen schief? Ich denke, wir werden es in einem der nächsten (?) Fälle erfahren.

Dieser komplexe Fall erfordert aufmerksames Lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 2. Fall, der uns in die Welt der Umweltschützer und ihrer Gegner, die den Meeresboden industriell ausbeuten wollen, einführt, 4 Sterne.