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Venatrix

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Hat noch ein wenig Luft nach oben

Stars
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Zunächst habe ich das Cover sowie das Thema Astrologie und Sternzeichen recht witzig gefunden, weil nur wenige Menschen zugeben, sich ernsthaft mit Horoskopen zu beschäftigen. Dabei haben zahlreiche Herscherinnen ...

Zunächst habe ich das Cover sowie das Thema Astrologie und Sternzeichen recht witzig gefunden, weil nur wenige Menschen zugeben, sich ernsthaft mit Horoskopen zu beschäftigen. Dabei haben zahlreiche Herscherinnen und Herrscher oft nicht eineml einen Schritt aus ihrem Bett getan, ohne ihren hochangesehenen Astrologen zu konsultieren.

So scheint die Astrologie hier zunächst auch nur ein Zeitvertreib, der das karge Salär von Carla Mittmann ein wenig aufbessert, zu sein. Mit Hilfe einer Gratissoftware bietet sie unter dem Namen Cosmic-Charly kurze Beratungen an.

Als sie dann unverhofft vor ihrer Wohnungstür einen vollen Schuhkarton mit fein gebündelten Dollarnoten findet, ergreift sie die Gelegenheit beim Schopf, kündigt ihren öden Bürojob. rüstet die Website auf und betreibt nun die Astrologie als Hauptberuf. Hat sie zuvor nur per eMail Beratungen angeboten, so gibt es nun auf persönliche Gespräche, die einen recht harschen Stundensatz von anfangs 200,00 bis 500,00 Euro haben. Trotz des hohen Honorars hat Carla recht bald einen treuen Kundenstock, der bis in die höchsten Kreise reicht.

Meine Meinung:

Es ist schon erstaunlich, wie aus einer kleinen, vagen Spielerei, ein großes Business werden kann. Wir begleiten Carla auf ihrem Weg, checken mit ihr die Mitbewerber und manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie die eine oder andere Kundschaft ein wenig veräppelt.

Die Idee hat mir ja ganz gut gefallen, die Umsetzung finde ich weniger gut gelungen. So bleibt die Herkunft der ominösen Schuhschachtel mit den Dollarnoten völlig im Dunkeln, obwohl sie zu Beginn eine große Rolle gespielt hat.
Auch die im Klappentext versprochene „sprühende Unterhaltung“ vermisse ich ein wenig. Die Erzählung wirkt stellenweise ein bisschen sprunghaft.

Außerdem wirkt keiner der Charaktere so richtig sympathisch. Dass dann Carla Mittmanns ehemalige Bürokolleginnen für sie arbeiten, kommt dann irgendwie überraschend.

Schmunzeln musste ich darüber, als Carla im Nachlass ihrer verstorbenen Mutter die eigene Geburtsanzeige aus dem Krankenhaus findet, die ein anderes Geburtsdatum aufweist. Ein Zahlendreher? Nur, wie kann es sein, dass sie fast fünfzig Jahre mit einem falschen Geburtsdatum lebt? Ich habe dazu zwei spontane Ideen, die ich aber nicht verraten möchte.

Ob das ein Aufhänger für eine eventuelle Fortsetzung sein soll? Wäre reizvoll.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Debütroman von Katja Kullmann, die sich unter den kundigen Fittichen des Hanser-Verlages bestimmt entwickeln kann, gute 3 Sterne.

Veröffentlicht am 20.04.2025

Gute Idee, verschenktes Potenzial bei der Umsetzung

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Der Klappentext verspricht einen atmosphärischen Krimi aus dem Herzen Neapels, jener pulsierenden Stadt, die man gemeinhin mit dem Vesuv, dem organisierten Verbrechen und einer ausufernden Volksfrömmigkeit ...

Der Klappentext verspricht einen atmosphärischen Krimi aus dem Herzen Neapels, jener pulsierenden Stadt, die man gemeinhin mit dem Vesuv, dem organisierten Verbrechen und einer ausufernden Volksfrömmigkeit in Zusammenhang bringt. Leider kann die Vorschau mit der Umsetzung nicht mithalten. Ja, die Einwohner sind, wie jedes Jahr auf das Blutwunder von San Gennaro, einem umstrittenen Heiligen, fixiert. Das Leben kommt ob dieser Hysterie beinahe zum Erliegen.

Just in diesem Chaos erscheint ein Mann bei Commissario Gaetano und ersucht um Hilfe, weil er sich bedroht fühlt. Wenig später ist der Mann tot, doch nicht nur tot sondern enthauptet wie San Gennaro.

Salvatore Gaetano und sein Team beginnen zu ermitteln, doch scheint es keine und viele Verdächtige geben. Niemand hat etwas gesehen oder gehört, will oder kann Auskunft geben. Dass der Tote ein Norditaliener war, verschärft die zähen Ermittlungen, die auch deswegen nicht vom Fleck kommen, weil sich Gaetano in seinen persönlichen Problemen verstrickt.

Meine Meinung:

Ich glaube nicht, dass Commissario Gaetano und ich gute Freunde werden. Ich habe mich auf einen KRIMI, der am Fuße des Veusvs spielt, gefreut und bekommen habe ich einen Roman, der sich vor allem um zahlreiche Nebensächlichkeiten dreht. Der im Titel vorkommende lügende Fisch hat mich einerseits an die Botschaft der Mafia bzw. an den Begriff „nasser Fisch“, der in der Zwischenkriegszeit für unaufgeklärte Kriminalfälle in Deutschland geprägt worden ist, erinnert. Leider spielt der lügende Fisch hier nur eine marginale Rolle.

Keiner der Charaktere wirkt auf mich besonders sympathisch, auch Gaetano nicht. Klar, sein dementer Vater und sein, nach einem Unfall schwerst behinderter Bruder, machen ihm große Sorgen und vermutlich ein schlechtes Gewissen.

Ich kenne mich in den Arbeitnehmerschutzgesetzen von Italien nicht wirklich aus, aber, dass eine Polizistin, die Zwillinge erwartet, im fünften Monat ihrer Schwangerschaft noch gefährlichen Außendienst und Überstunden macht, halte ich für eine grobe Verletzung der Sorgfaltspflicht des Dienstgebers. Natürlich ist Bürotätigkeit oft eintönig, aber der Schutz der werdenden Mutter und der Kinder geht vor. Warum Gaetano hier nicht rechtzeitig eingreift und seiner Mitarbeiterin den Kopf wäscht?

Gut gelungen ist die Darstellung der Abneigung der Süditaliener den Norditalienern (und umgekehrt) gegenüber. Das Bild Neapels hingegen wirkt lieblos. Besteht die Stadt wirklich nur aus Lärm und Abfall? Hat sie nicht doch etwas Liebenswertes an sich?

Fazit:

Wie schon erwähnt, werden Commissaio Gaetano und ich nicht die besten Freunde werden, Die Idee hätte Potenzial, die Umsetzung weniger. Daher gibt es nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 13.04.2025

Hat noch ein wenig Luft nach oben

Eine Melange zum Verlieben
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Wie Titel und Cover verraten, spielt dieser Roman in einem Wiener Kaffeehaus, nämlich im Café Schopenhauer in Wien-Währing.

Wir lernen, Katie, Lisi und Elena, drei Freundinnen, alle ein wenig über dreißig, ...

Wie Titel und Cover verraten, spielt dieser Roman in einem Wiener Kaffeehaus, nämlich im Café Schopenhauer in Wien-Währing.

Wir lernen, Katie, Lisi und Elena, drei Freundinnen, alle ein wenig über dreißig, kennen. Katie, Langzeitstudentin arbeitet seit längerer Zeit im Schopenhauer als Kellnerin, während Lisi, Ärztin im nahegelegenen AKH ist und Elena, eine Blumenverkäuferin mit abgeschlossenem Kunststudium ist. Ihre Nachmittagspausen sie regelmäßig im Schopenhauer. Man spricht über Gott und die Welt, aber eigentlich über Männer im Allgemeinen und die aktuellen bzw. verflossenen im Besonderen. Jeder Gast, ob Mann oder Frau, erhält vom Trio einen Spitznamen. Die beiden Schachspieler nennen sie „Schach“ und „Matt“ oder den Mann in Nordic Walking Outfit „Johnnie Walker“.

Seit kurzem hat das Kaffeehaus einen neuen Gast - einen geheimnisvollen Gast, der im dunklen Anzug und mit einem Aktenkoffer jeden Mittwoch erscheint und wortkarg eine Melange bestellt. Wer mag das sein? Die drei Freundinnen laufen zur Höchstform auf, wenn es darum geht, die Profession des Mannes zu erraten. Von Banker über Geheimagent ist einiges dabei. Sie nennen ihn einfach El Sol, obwohl er mit seiner schwarzen Kluft das Gegenteil von Sonne ist.

Das heimliche Anhimmeln des schwarz gekleideten Gastes findet ein jähes Ende, als eines Tages sein Koffer unter dem Tisch stehengeblieben ist, und das Trio ihn öffnet, um die Identität des geheimnisvollen Gastes zu lüften ....

Meine Meinung:

Hin und wieder muss auch ich eine zuckerlrosa Geschichte lesen, besonders dann, wenn sie in einem bekannten Wiener Kaffeehaus, dem Schopenhauer spielt. Dieser Roman passt schon alleine durch sein Cover in dieses Genre.

Bis auf eine kurze Szene spielt sich das Geschehen ausschließlich im Kaffeehaus ab. Aber, Geschehen ist zu viel gesagt, denn eigentlich plätschert die Handlung wochenlang ohne größere Wellen einfach so dahin. Beinahe hätte ich die Geduld mit Katie verloren. Die Frau ist über dreißig, Kellnerin und traut sich einen Gast nicht anzusprechen? Benimmt sich wie ein Teenager? Immerhin die anderen beiden Frauen sind nicht ganz so lethargisch.

So recht packen kann mich diese Geschichte nicht. Es passiert einfach zu wenig. Der Showdown kommt dann ein wenig unerwartet.

Gut gelungen ist die Beschreibung des Ambiente des Café Schopenhauer. Der Schreibstil ist leicht und locker. Allerdings kann ich mich mit der Imitation des Wienerischen nicht ganz anfreunden. Die Autorin bekennt, dass sie zehn Jahre in Wien gelebt und die Sprachmelodie liebgewonnen hat. Aber leider klingt es nicht authentisch. Das ist in etwa so, als würde ich als Wienerin in Hamburg platt schnacken. Das ist vermutlich Ansichtssache und fällt anderen Leserinnen vielleicht gar nicht auf oder macht diese Romanze gerade interessant. Ich jedenfalls ziehe für den gekünstelten Wiener Dialekt einen Stern ab.

Fazit:

Dieser Roman, der die Kaffeehausliteratur einmal anders interpretiert, erhält von mir (siehe oben) 3 Sterne.

Veröffentlicht am 10.04.2025

Hat mich nicht ganz überzeugt

Intrigen an der Loire
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Während eines rauschenden Kostümfest auf dem, durch Königin Katherina de Medici und und ihre Rivalin Diane de Portiers, bekannten Schloss Chenonceau wird der Chefgärtner, der als Neptun verkleidet ist, ...

Während eines rauschenden Kostümfest auf dem, durch Königin Katherina de Medici und und ihre Rivalin Diane de Portiers, bekannten Schloss Chenonceau wird der Chefgärtner, der als Neptun verkleidet ist, ausgerechnet durch seinen eigenen Dreizack ermordet.

Obwohl Baron Philippe du Plessis beschlossen hat, seine Tätigkeit als Detektiv an den Nagel zu hängen, wird er in den Fall hineingezogen. Zunächst als Zeuge, weil er Gast dieses rauschenden Fests war und dann, weil die ermittelnde Polizistin, Charlotte Maigret, ihn zur Mitarbeit verdonnert, denn sie wäre urlaubsbedingt sonst auf sich alleine gestellt.
Man kennt sich aus einem früheren Fall (Mord an der Loire) und ist sich nicht grün, was zu der einen oder anderen amüsanten Szene führt. Doch in der Not frisst der Teufel Fliegen und Maigret nützt die vielfältigen Beziehungen des Adeligen.

Die Ermittlungen gestalten sich als zäh und als man sich auf ein Motiv in Richtung Beziehungsdrama festlegt, gibt es einen zweiten Toten.

Meine Meinung:

In diesem zweiten Loire-Krimi, der für mich der erste dieser Reihe und von Autorin Catherine Duval ist, ermittelt ein höchst unterschiedliches Paar: Zum einen der Privatermittler Baron Philippe du Plessis und zum anderen Madame le Commissaire Charlotte Maigret.

Eigentlich könnte dieser Krimi recht spannend und durch das ungleiche Paar auch amüsant sein. Für ist er weder noch. Philippe und Charlotte stochern jeweils für sich im Leben des homosexuellen Ermordeten herum, und glauben in Rache und Eifersucht ein mögliches Motiv gefunden zu haben. Dass Philippe ein wenig dilettantisch durch den Krimi stolpert, kann ich noch gelten lassen. Er hat zwar eine Ausbildung als Detektiv genossen, hat es aber auf Grund seiner Vermögensverhältnisse gar nicht nötig, wirklich einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, auch wenn die Renovierung seines eigenen Schlosses, recht kostspielig ist. Er wirkt auf mich ziemlich blasiert und unsympathisch.
Allerdings ist auch Charlotte Maigret, trotz des bekannten Namens, keine toughe Ermittlerin. Ständig beklagt sie sich über den Personalengpass, würde lieber in den Urlaub fahren und benimmt sich wie ein trotziger Teenager. Sie ist sichtlich auf du Plessis Lebensstil neidisch, weshalb sie ständig unpassende Bemerkungen darüber macht. Ein- oder zweimal sich darüber lustig zu machen, ist verständlich. Das dauernde Quengeln hat mich ziemlich genervt.

Der witzigste Charakter in diesem Krimi ist Philippes Tante Aude, die die Urnen ihres Ehemanns, mehrerer Liebhaber sowie ihres Pferdes im Vertiko stehen hat. Ihr nimmt man die skurrilen Ideen gerne ab.

Die Ermittlungen geraten durch die detaillierten Beschreibungen der Kleidung aller Figuren ein wenig in den Hintergrund. Dass eine Kriminalbeamtin im Dienst mit Minirock unterwegs ist, halte ich übrigens für ziemlich unwahrscheinlich.

Das Cover ist eine wahre Augenweide.

Fazit:

Leider hat mich dieser Krimi nicht wirklich überzeugt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt

Revanche à la Provence
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Die Ankündigung dieses Provence-Krimis verspricht eine fesselnde Handlung rund um ein verschwundenes Top-Model, Gier und Intrigen in der Modewelt sowie Demonstrationen gegen Immobilienspekulation und Fast-Fashion. ...

Die Ankündigung dieses Provence-Krimis verspricht eine fesselnde Handlung rund um ein verschwundenes Top-Model, Gier und Intrigen in der Modewelt sowie Demonstrationen gegen Immobilienspekulation und Fast-Fashion. Alles Zutaten, die Lust machen, dieses Buch lesen zu wollen.

Zwar beginnt der 5. Fall für den Dorfgendarmen Pascal Chevrier, der eigentlich ein ruhiges Leben abseits von MOrd und Totschlag führen will, mit der Entführung des ghanaesischen Top-Models Jezebel im Rahmen des Pierre-Cardin-Festivals noch einigermaßen dramatisch, nur um dann in ein Geplänkel rund um stinkenden Fisch (Anleihe bei Asterix?), allerlei Dorfgeschwätz und zu Lokalgrößen, die alle ihre eigenen Suppen kochen, abzugleiten.

Erst gegen Ende nimmt die Handlung ein wenig Fahrt auf ...

Meine Meinung:

Ich finde es sehr schade, dass aus den eingangs erwähnten Zutaten wie Gier und Intrigen in der Modewelt, Ausverkauf von Grund und Boden an Spekulanten sowie der immense Verbrauch von Wasser für die Erzeugung von Kleidung, die kaum getragen wird, nicht mehr herausgekommen ist.

Nicht nur, dass es eine gefühlte kleine Ewigkeit dauert, bis der Dorfgendarm Pascal Chevrier mit den Ermittlungen beginnen kann, plätschern die auch nur so lauwarm dahin. Erst recht spät nehmen sie Fahrt auf.

Pascals Familienleben sowie die dörfliche Idylle des kleinen Ortes Lacoste, das seit einiger Zeit von Immobilienspekulanten heimgesucht wird, spielen eine große Rolle. Die Polizeiarbeit eher weniger, da sie zu allgemein und oberflächlich wirkt. Da können auch bekannte Namen wie Marquis de Sade oder Pierre Cardin (1922 - 2020) auch nicht viel helfen. Die Information, dass Cardin Uniformen für Polizei und Postbedienstete entworfen hat, ist einmal ganz witzig, wenn sie mehrmals wiederholt wird, langweilig. Da verstehe ich Pascal, wenn er die Augen verdreht. Nicht verstehen kann ich, dass er sich durch die Annahme von illegal, weil in der Schonzeit geschossenes Wild, korrumpieren lässt.

Die Charaktere wirken blass und manche Handlungen kann ich ihnen nicht abnehmen. Geärgert habe ich mich darüber, dass Pascal quasi zum Helden stilisiert wird, weil er einmal seine Enkelin wickelt. Bitte was ist das für ein Weltbild?

Nett finde ich, dass immer wieder die Bezeichnung Mannequin verwendet wird.

Obwohl ich häufig eine Reihe mit dem letzten Band derselben beginne, um anschließend dann doch beim ersten Band zu beginnen, werde ich diesmal darauf verzichten. Das Strickmuster, ehemaliger Elitepolizist/Kriminalist hat von der Großstadt Paris genug und zieht es vor als einfacher Dorfgendarm eine vermeintlich ruhige Kugel zu schieben (was selten gelingt), ist in mehreren anderen Serien besser gelungen.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich leider nicht gepackt, daher nur knappe 3 Sterne.