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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2025

Hat noch ein wenig Luft nach oben

Eine Melange zum Verlieben
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Wie Titel und Cover verraten, spielt dieser Roman in einem Wiener Kaffeehaus, nämlich im Café Schopenhauer in Wien-Währing.

Wir lernen, Katie, Lisi und Elena, drei Freundinnen, alle ein wenig über dreißig, ...

Wie Titel und Cover verraten, spielt dieser Roman in einem Wiener Kaffeehaus, nämlich im Café Schopenhauer in Wien-Währing.

Wir lernen, Katie, Lisi und Elena, drei Freundinnen, alle ein wenig über dreißig, kennen. Katie, Langzeitstudentin arbeitet seit längerer Zeit im Schopenhauer als Kellnerin, während Lisi, Ärztin im nahegelegenen AKH ist und Elena, eine Blumenverkäuferin mit abgeschlossenem Kunststudium ist. Ihre Nachmittagspausen sie regelmäßig im Schopenhauer. Man spricht über Gott und die Welt, aber eigentlich über Männer im Allgemeinen und die aktuellen bzw. verflossenen im Besonderen. Jeder Gast, ob Mann oder Frau, erhält vom Trio einen Spitznamen. Die beiden Schachspieler nennen sie „Schach“ und „Matt“ oder den Mann in Nordic Walking Outfit „Johnnie Walker“.

Seit kurzem hat das Kaffeehaus einen neuen Gast - einen geheimnisvollen Gast, der im dunklen Anzug und mit einem Aktenkoffer jeden Mittwoch erscheint und wortkarg eine Melange bestellt. Wer mag das sein? Die drei Freundinnen laufen zur Höchstform auf, wenn es darum geht, die Profession des Mannes zu erraten. Von Banker über Geheimagent ist einiges dabei. Sie nennen ihn einfach El Sol, obwohl er mit seiner schwarzen Kluft das Gegenteil von Sonne ist.

Das heimliche Anhimmeln des schwarz gekleideten Gastes findet ein jähes Ende, als eines Tages sein Koffer unter dem Tisch stehengeblieben ist, und das Trio ihn öffnet, um die Identität des geheimnisvollen Gastes zu lüften ....

Meine Meinung:

Hin und wieder muss auch ich eine zuckerlrosa Geschichte lesen, besonders dann, wenn sie in einem bekannten Wiener Kaffeehaus, dem Schopenhauer spielt. Dieser Roman passt schon alleine durch sein Cover in dieses Genre.

Bis auf eine kurze Szene spielt sich das Geschehen ausschließlich im Kaffeehaus ab. Aber, Geschehen ist zu viel gesagt, denn eigentlich plätschert die Handlung wochenlang ohne größere Wellen einfach so dahin. Beinahe hätte ich die Geduld mit Katie verloren. Die Frau ist über dreißig, Kellnerin und traut sich einen Gast nicht anzusprechen? Benimmt sich wie ein Teenager? Immerhin die anderen beiden Frauen sind nicht ganz so lethargisch.

So recht packen kann mich diese Geschichte nicht. Es passiert einfach zu wenig. Der Showdown kommt dann ein wenig unerwartet.

Gut gelungen ist die Beschreibung des Ambiente des Café Schopenhauer. Der Schreibstil ist leicht und locker. Allerdings kann ich mich mit der Imitation des Wienerischen nicht ganz anfreunden. Die Autorin bekennt, dass sie zehn Jahre in Wien gelebt und die Sprachmelodie liebgewonnen hat. Aber leider klingt es nicht authentisch. Das ist in etwa so, als würde ich als Wienerin in Hamburg platt schnacken. Das ist vermutlich Ansichtssache und fällt anderen Leserinnen vielleicht gar nicht auf oder macht diese Romanze gerade interessant. Ich jedenfalls ziehe für den gekünstelten Wiener Dialekt einen Stern ab.

Fazit:

Dieser Roman, der die Kaffeehausliteratur einmal anders interpretiert, erhält von mir (siehe oben) 3 Sterne.

Veröffentlicht am 10.04.2025

Hat mich nicht ganz überzeugt

Intrigen an der Loire
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Während eines rauschenden Kostümfest auf dem, durch Königin Katherina de Medici und und ihre Rivalin Diane de Portiers, bekannten Schloss Chenonceau wird der Chefgärtner, der als Neptun verkleidet ist, ...

Während eines rauschenden Kostümfest auf dem, durch Königin Katherina de Medici und und ihre Rivalin Diane de Portiers, bekannten Schloss Chenonceau wird der Chefgärtner, der als Neptun verkleidet ist, ausgerechnet durch seinen eigenen Dreizack ermordet.

Obwohl Baron Philippe du Plessis beschlossen hat, seine Tätigkeit als Detektiv an den Nagel zu hängen, wird er in den Fall hineingezogen. Zunächst als Zeuge, weil er Gast dieses rauschenden Fests war und dann, weil die ermittelnde Polizistin, Charlotte Maigret, ihn zur Mitarbeit verdonnert, denn sie wäre urlaubsbedingt sonst auf sich alleine gestellt.
Man kennt sich aus einem früheren Fall (Mord an der Loire) und ist sich nicht grün, was zu der einen oder anderen amüsanten Szene führt. Doch in der Not frisst der Teufel Fliegen und Maigret nützt die vielfältigen Beziehungen des Adeligen.

Die Ermittlungen gestalten sich als zäh und als man sich auf ein Motiv in Richtung Beziehungsdrama festlegt, gibt es einen zweiten Toten.

Meine Meinung:

In diesem zweiten Loire-Krimi, der für mich der erste dieser Reihe und von Autorin Catherine Duval ist, ermittelt ein höchst unterschiedliches Paar: Zum einen der Privatermittler Baron Philippe du Plessis und zum anderen Madame le Commissaire Charlotte Maigret.

Eigentlich könnte dieser Krimi recht spannend und durch das ungleiche Paar auch amüsant sein. Für ist er weder noch. Philippe und Charlotte stochern jeweils für sich im Leben des homosexuellen Ermordeten herum, und glauben in Rache und Eifersucht ein mögliches Motiv gefunden zu haben. Dass Philippe ein wenig dilettantisch durch den Krimi stolpert, kann ich noch gelten lassen. Er hat zwar eine Ausbildung als Detektiv genossen, hat es aber auf Grund seiner Vermögensverhältnisse gar nicht nötig, wirklich einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen, auch wenn die Renovierung seines eigenen Schlosses, recht kostspielig ist. Er wirkt auf mich ziemlich blasiert und unsympathisch.
Allerdings ist auch Charlotte Maigret, trotz des bekannten Namens, keine toughe Ermittlerin. Ständig beklagt sie sich über den Personalengpass, würde lieber in den Urlaub fahren und benimmt sich wie ein trotziger Teenager. Sie ist sichtlich auf du Plessis Lebensstil neidisch, weshalb sie ständig unpassende Bemerkungen darüber macht. Ein- oder zweimal sich darüber lustig zu machen, ist verständlich. Das dauernde Quengeln hat mich ziemlich genervt.

Der witzigste Charakter in diesem Krimi ist Philippes Tante Aude, die die Urnen ihres Ehemanns, mehrerer Liebhaber sowie ihres Pferdes im Vertiko stehen hat. Ihr nimmt man die skurrilen Ideen gerne ab.

Die Ermittlungen geraten durch die detaillierten Beschreibungen der Kleidung aller Figuren ein wenig in den Hintergrund. Dass eine Kriminalbeamtin im Dienst mit Minirock unterwegs ist, halte ich übrigens für ziemlich unwahrscheinlich.

Das Cover ist eine wahre Augenweide.

Fazit:

Leider hat mich dieser Krimi nicht wirklich überzeugt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Hat mich diesmal nicht ganz überzeugt

Revanche à la Provence
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Die Ankündigung dieses Provence-Krimis verspricht eine fesselnde Handlung rund um ein verschwundenes Top-Model, Gier und Intrigen in der Modewelt sowie Demonstrationen gegen Immobilienspekulation und Fast-Fashion. ...

Die Ankündigung dieses Provence-Krimis verspricht eine fesselnde Handlung rund um ein verschwundenes Top-Model, Gier und Intrigen in der Modewelt sowie Demonstrationen gegen Immobilienspekulation und Fast-Fashion. Alles Zutaten, die Lust machen, dieses Buch lesen zu wollen.

Zwar beginnt der 5. Fall für den Dorfgendarmen Pascal Chevrier, der eigentlich ein ruhiges Leben abseits von MOrd und Totschlag führen will, mit der Entführung des ghanaesischen Top-Models Jezebel im Rahmen des Pierre-Cardin-Festivals noch einigermaßen dramatisch, nur um dann in ein Geplänkel rund um stinkenden Fisch (Anleihe bei Asterix?), allerlei Dorfgeschwätz und zu Lokalgrößen, die alle ihre eigenen Suppen kochen, abzugleiten.

Erst gegen Ende nimmt die Handlung ein wenig Fahrt auf ...

Meine Meinung:

Ich finde es sehr schade, dass aus den eingangs erwähnten Zutaten wie Gier und Intrigen in der Modewelt, Ausverkauf von Grund und Boden an Spekulanten sowie der immense Verbrauch von Wasser für die Erzeugung von Kleidung, die kaum getragen wird, nicht mehr herausgekommen ist.

Nicht nur, dass es eine gefühlte kleine Ewigkeit dauert, bis der Dorfgendarm Pascal Chevrier mit den Ermittlungen beginnen kann, plätschern die auch nur so lauwarm dahin. Erst recht spät nehmen sie Fahrt auf.

Pascals Familienleben sowie die dörfliche Idylle des kleinen Ortes Lacoste, das seit einiger Zeit von Immobilienspekulanten heimgesucht wird, spielen eine große Rolle. Die Polizeiarbeit eher weniger, da sie zu allgemein und oberflächlich wirkt. Da können auch bekannte Namen wie Marquis de Sade oder Pierre Cardin (1922 - 2020) auch nicht viel helfen. Die Information, dass Cardin Uniformen für Polizei und Postbedienstete entworfen hat, ist einmal ganz witzig, wenn sie mehrmals wiederholt wird, langweilig. Da verstehe ich Pascal, wenn er die Augen verdreht. Nicht verstehen kann ich, dass er sich durch die Annahme von illegal, weil in der Schonzeit geschossenes Wild, korrumpieren lässt.

Die Charaktere wirken blass und manche Handlungen kann ich ihnen nicht abnehmen. Geärgert habe ich mich darüber, dass Pascal quasi zum Helden stilisiert wird, weil er einmal seine Enkelin wickelt. Bitte was ist das für ein Weltbild?

Nett finde ich, dass immer wieder die Bezeichnung Mannequin verwendet wird.

Obwohl ich häufig eine Reihe mit dem letzten Band derselben beginne, um anschließend dann doch beim ersten Band zu beginnen, werde ich diesmal darauf verzichten. Das Strickmuster, ehemaliger Elitepolizist/Kriminalist hat von der Großstadt Paris genug und zieht es vor als einfacher Dorfgendarm eine vermeintlich ruhige Kugel zu schieben (was selten gelingt), ist in mehreren anderen Serien besser gelungen.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich leider nicht gepackt, daher nur knappe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2025

Protokolls eines Aufsehen erregenden Prozesses von 1822

Eine Biedermeierelegie
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Hinter diesem, als Hardcover mit opulentem Blumencover gebundenen, Schwergewicht mit 1.064 Seiten, entführt uns Autor und Verleger in eine Zeit, die man gemeinhin als Biedermeier bezeichnet. Es sind die ...

Hinter diesem, als Hardcover mit opulentem Blumencover gebundenen, Schwergewicht mit 1.064 Seiten, entführt uns Autor und Verleger in eine Zeit, die man gemeinhin als Biedermeier bezeichnet. Es sind die Jahre ab dem Wiener Kongress von 1814/15 bis hin zu den Revolutionen von 1848/49. Im Kaisertum Österreich regiert bis 1835 Kaiser Franz II./I.(1726-1835). Also offiziell, hinter dem Kaiser zieht ein ganz anderer die Fäden: Staatskanzler Fürst Clemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859). Und Metternich wird auch in diesem Buch, das einen einzigartigen Prozess zum Thema hat, eine Rolle spielen.

Noch ein paar Worte zur Zeitgeschichte: Eine dünne Schichte von Adeligen und eine langsam sich bildende Bürgerschicht stehen den Massen an kleinen Handwerkern, Dienstboten beiderlei Geschlechts und Tagelöhnern gegenüber. Diese Mehrheit der Bewohner Wiens, fristet ihr Leben in Schmutz und Elend. Das macht sie zum Spielball der Launen und Verbrechen, die von Adeligen verübt, aber nur äußerst selten geahndet werden. Je näher man dem Kaiserhof steht, desto geringer die Strafverfolgung. Deshalb ist dieses Buch, dem ein wahrer (im doppelten Sinne) Aufsehen erregender Kriminalfall zu Grunde liegt so interessant.

Ernst Hausner hat hier die wortgetreue Wiedergabe der Anzeigen und Prozessakten veröffentlicht. Wem wird nun 1822 der Prozess gemacht und warum?

Angeklagt ist niemand geringerer als Aloys Fürst von Kaunitz-Rietberg-Questenberg (1774-1848), Wirklicher Geheimer Rat und Kämmerer, hochdekorierter Diplomat, Besitzer mehrerer Herrschaften. Und zwar, der „Schändung, Nothzucht und Kuppeley in vielen Fällen“. Allein in Wien umfasste die Untersuchung rund 200 Vorgänge mit unmündigen Mädchen, viele davon aus dem damals berühmten Wiener Kinderballett. Man muss eine deutlich höhere Dunkelziffer annehmen, denn nicht alle Mädchen bzw. deren Eltern haben Anzeige erstattet. Zudem lebte Kaunitz auch einige Zeit in Madrid und Rom, von wo er jeweils abberufen worden ist.

Das Kinderballett zieht vor allem adelige Männer an, weil hier die Kinder nur leicht bekleidet tanzen. Nach den Vorstellungen werden sie gerne in die Wohnungen eingeladen und missbraucht. Dafür erhalten Eltern, Kuppler oder auch die Ballettmeister ein Entgelt. Diese Kinderballette werden im Anschluss an den Prozess verboten.

Aus den Akten, die Ernst Hausner in diversen Archiven aufgestöbert hat, ist ersichtlich, dass die Mädchen oft erst zehn oder zwölf Jahre alt waren, manchmal auch noch jünger, als sie von Kupplerinnen oder auch den eigenen Eltern dem Fürsten mit Absicht zugeführt worden sind, um prostituiert zu werden. Oft haben diese Kinder damit ihre gesamte Familie ernährt.

In insgesamt 21 Kapiteln beleuchtet Autor Ernst Hausner den Prozess, der einzigartig in der damaligen Geschichte ist:

Aus der Wiener Lebenswelt
Zeitgenössisches über das Kinderballett
Kinder auf dem Theater
Die Strafgerichtsbarkeit
Die Untersuchung gegen den Fürsten Kaunitz
Das Verhörprotokoll des Fürsten Kaunitz
Untersuchung Eva und Rosina Ricki, Melwinger, Spiwak und Lenhart
usw.

Der Prozess endet mit einem Landesverweis und dem „Schuldenausgleichs-Verfahren“ bei dem so gut wie alle Liegenschaften und Fahrnisse des Fürsten unter den Hammer kommen. Eine Gefängnisstrafe hat Fürst Metternich, denn er ist in erster Ehe mit eine Cousine von Aloys‘ verheiratet war, gerade noch verhindern können.

Bezeichnend ist, dass Kaunitz seine hohe Stellung stets hervor streicht und die Aussagen der geschändeten Mädchen als nicht glaubwürdig diffamiert. Sie seien ja „niederer Herkunft“. Kaunitz wird 1823 auf sein Schloss Austerlitz in Mähren verbannt. Doch auch von dort langen bei der Polizei-Hofstelle Berichte über ähnliche Verbrechen ein. Es gab Stimmen unter seinen Bekannten, die seinen pädophilen Zwang als Krankheit angesehen haben.

Meine Meinung:

Die Idee, diese Prozessakten, die mehr als hundert Jahre gesperrt waren, nun der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, finde ich sehr gut. Allerdings ist das Buch ziemlich mühsam zu lesen. Das liegt zum einem an der Schriftgröße und den seltenen Absätzen (da wäre das Buch noch umfangreicher geworden), und zum anderen daran, dass nur wenige verbindende Zeilen in moderner Sprache Platz gefunden haben, sondern fast ausschließlich die Sprache der damaligen Zeit zu lesen sind. Da hätte ein wohlmeinendes Lektorat unterstützen können. So liest man sich durch Hunderte Seiten von Protokollen, die akribisch die Aussagen der Befragten und Zeugen wiedergeben, Rechtschreib-, Grammatik-und Hörfehler inklusive. Manchen Namen begegnet der aufmerksame Leser in unterschiedlichen Schreibweisen, so dass hier ganz sorgfältig und genau gelesen werden muss. Jede Silbe, die bei den Befragungen, gesprochen worden ist, ist dokumentiert, auch wenn es sich um mehrfach gestellte Fragen handelt. Da hätte doch ein wenig gekürzt werden sollen. Gegen Ende des Buches häufen sich dann Tipp-Fehler im Text, die wohl einem übermüdeten Korrektorat geschuldet sind.

Die Rechtfertigungen des Fürsten Kaunitz ähneln jenen aktueller Angeklagten, die ebenso „Niemanden gekannt und keine Erinnerung haben (wollen)“. Zudem hätten sich die Fräuleins ihm an den Hals geworfen, weil sie Geschenke erwarteten.

Der Prozess um Kaunitz ist so unappetitlich wie spektakulär. Der genaue Wortlaut, den der Autor akribisch aus den Prozessakten übernommen hat, gibt einen Einblick in die Arbeit der Polizei und des Gerichts. Die transkribierten Akten stellen die damals übliche Vorgangsweise authentisch dar und sind daher ein Dokument jener Zeit. Man muss sich also von der als lieblich-geblümt dargestellten Zeit des Biedermeiers, in der Hauskonzerte und literarische Salons gepflegt worden sind, verabschieden. Für der größten Teil der Bevölkerung waren diese Jahrzehnte ein Leben im Elend.

Fazit:

Dieses Buch mit seinen 1.064 eng bedruckten Seiten ist wohl nur etwas für Spezialisten. Daran können die zur Auflockerung abgebildeten zahlreichen Faksimiles der Protokolle, des Schriftverkehrs sowie einige Porträts wenig ändern. Sich dieses Themas anzunehmen, die Akten zu sichten und zu transkribieren kann ich mit vier Sternen bewerten, muss aber einen Stern wegen der oben genannten Unzulänglichkeiten wieder abziehen, bleiben 3 Sterne.

Veröffentlicht am 02.03.2025

Hat noch Luft nach oben

Stralsund ermittelt - Falsche Koffer lügen nicht
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ufgeklärt.

Als dann Laura, Schauspielerin am Stralsunder Theater in der vermeintlichen Detektei um Hilfe sucht, von Nele abgewiesen und wenig später ermordet wird, fühlt sich Nele verpflichtet, Nachforschungen ...

ufgeklärt.

Als dann Laura, Schauspielerin am Stralsunder Theater in der vermeintlichen Detektei um Hilfe sucht, von Nele abgewiesen und wenig später ermordet wird, fühlt sich Nele verpflichtet, Nachforschungen anzustellen.

Das Trio Nele, Fanny und Hektor beginnt im Theater zu schnüffeln, um herauszufinden, was es mit dem ominösen Koffer, der in Lauras Erzählung eine große Rolle spielt, auf sich hat. Dabei stoßen sie auf einen narzistischen Regisseur, eine umtriebige Requisiteurin und diverses Bühnenpersonal, das dem einen oder anderen Nebenjob unauffällig nachgeht. Und ja, Nele trifft einen Polizisten mit den schönsten blauen Augen der Welt, der weil in Stralsund eigentlich nichts los ist, im Café seines Freundes aushilft.

Meine Meinung:

Die Idee, den Schauplatz einer TV-Serie als Dreh- und Angelpunkt eines Krimis zu machen, hat mir gut gefallen. Die Umsetzung hat mir dann doch nicht ganz so gut gefallen. Man verrennt sich immer wieder in Nebensächlichkeiten. Manches wie die detaillierte Schilderung der Gartenpflege durch Hektor, füllt zwar die Seiten, bringt aber die Handlung nicht weiter. Auch die Sequenz, mit dem Nebengebäude, das die schrullige verstorbene Vorbesitzerin Hektor zu betreten verboten hat, weckt Interesse, das wenig später in einer Enttäuschung endet. Zwar entdeckt man zwei Oldtimer aus DDR-Zeiten, einen Barkas 1000 (VW-Bulli-Verschnitt) und einen, als Schwalbe bekannten Motorroller. Da hätte ich mir ein wenig mehr erwartet. Manches wirkt wie ein kurz eingeworfener Gedanke, der nicht zu Ende geführt wird.

Zwischendurch folgen wir Nele gedanklich wieder nach New York, erleben dort das Kennenlernen von David, das Gspusi mit ihm und ihre britische Mitbewohnerin Rosie. Diese Rückblenden sind meiner Ansicht nach viel zu ausführlich und unterbrechen den Lesefluss.

Der Einblick in das Verhältnis Peter und Friedhelm sowie der Auftritt von Friedhelms Mutter ist ebenfalls zu aufwändig beschrieben.

Von den Charakteren finde ich Rosie, die britische Mitbewohnerin in New York noch am interessantesten. Nele scheint zwar beruflich erfolgreich zu sein und für ihre Klienten die richtige Therapie zu haben. Bei sich selbst versagen aber Intuition und Ausbildung. Nebenbei, wie kann eine beruflich offensichtlich bestens etablierte Frau, sich wie ein kleines, unerfahrenes Mädchen auf einen Mann einlassen, den sie kaum kennt? Auch die ständige Frage, ob Nele in Stralsund bleiben oder wieder nach New York zurückgehen soll, nervt ein wenig. Eine toughe Frau, die es in New York geschafft hat, sieht anders aus. Eine Jugendstilvilla in Stralsund wird auch nicht gerade billig sein und diese dann auch noch online zu kaufen, erscheint mir ein wenig weit hergeholt.

Es scheint, als wäre die Autorin nicht sicher, ob sie eine Geschichte einer von der Liebe gleich zwei Mal enttäuschten jungen Frau erzählen wollte, oder einen Krimi. Irgendwie ist das Buch nicht Fisch und Fleisch. Das ist ziemlich schade, denn die Idee mit der Villa als Schauplatz hat mir ja, wie schon erwähnt, gut gefallen. Schmunzeln musste ich vor allem, mit welchen Vorstellungen die Fans hier auftauchen. Die Beteuerungen Neles, kein Detektivbüro zu betreiben, dringen bei den Besuchern nicht durch. Dieser Aspekt hätte ein wenig mehr herausgearbeitet werden können.

Letztlich wird nach einigem hin- und her das Rätsel um den Koffer sowie dessen Inhalt gelöst. Annabel Raven hat sowohl das Trio Weingold als auch mich als Leserin ein wenig an der Nase herumgeführt. Wenn die Autorin also das ganze (Liebes)Klimbim weggelassen und das Buch ein wenig gestrafft hätte, wäre ein durchaus fesselnder Krimi herausgekommen. So plätschert die Handlung ein wenig unstet vor sich hin.

Fazit:

Dieser Stralsund-Krimi hat noch Luft nach oben, daher nur 3 Sterne.