Geht in der Vielzahl ähnlicher Romane unter
Das kleine Antiquariat von Tante Sango-sanNach dem Tod ihres Bruders Jiro hat Sango-san sein Antiquariat im Tokioter Stadtteil Jimbocho übernommen, doch die 70-Jährige kann sich nicht so recht für diese Arbeit begeistern. Außerdem musste sie dafür ...
Nach dem Tod ihres Bruders Jiro hat Sango-san sein Antiquariat im Tokioter Stadtteil Jimbocho übernommen, doch die 70-Jährige kann sich nicht so recht für diese Arbeit begeistern. Außerdem musste sie dafür ihr Leben in Obihiro zurücklassen, in welchem sie an einem wichtigen Wendepunkt stand. Unterstützt wird Sango-san von ihrer Großnichte Mikiki, deren Mutter das Geschäft lieber in den Händen ihrer Tochter sehen würde, als denen einer alten Frau. Auch Mikiki träumt davon, das Antiquariat selbst zu führen, doch Sango-san scheint das nicht in Erwägung zu ziehen. Was soll Mikiki also tun?
„Das kleine Antiquariat von Tante Sango-san“ ist der zweite, im Deutschen vorliegende Roman von Hika Harada, die Übersetzung stammt von Janett Blesch. Erzählt wird abwechselnd aus Sangos und Mikikis Perspektive in der Ich- und Gegenwartsform, so als würden wir selbst an den Ereignissen teilnehmen. Ich muss allerdings sagen, dass in meinem Ebook keine klare Trennung zwischen den Perspektiven zu sehen war und diese manchmal von einer Zeile auf die nächste wechselte. Somit musste ich ständig aus dem Kontext schließen, wer eigentlich gerade erzählt – da hätte ich mir doch eine klare Abgrenzung gewünscht.
Jedes Kapitel ist zudem so aufgebaut, dass einem Kunden oder einer Kundin ein bestimmtes Buch empfohlen und im Anschluss gemeinsam ein japanisches Gericht gegessen wird. Diese Kombination wirkte etwas gewollt auf mich, denn Sango-sans Antiquariat hat nicht etwa ein angeschlossenes Restaurant, sondern sie lädt einfach regelmäßig jemanden, der bei ihr einkauft, zum Essen ein. Hier hätte sich die Autorin besser auf die Literaturempfehlungen beschränkt, so wirkt es überfrachtet.
Die eigentliche Handlung ist nicht unbedingt spektakulär. Sango und Mikiki verkaufen Bücher, grübeln über die Zukunft des Ladens und versuchen nebenbei herauszufinden, was für ein Leben ihr Bruder bzw. Großonkel in den letzten Jahren geführt hat. Dabei machen sie am Ende eine – für sie – große Entdeckung, die uns als Leser*innen aber nicht wirklich vom Hocker haut. In der Vielzahl der Romane um kleine Läden geht dieser leider unter.