Kann sich sehen lassen
The Beasts We Bury (Band 1)Mancella Cliff ist die Thronerbin des Glaslandes – und gilt, seit sie im Alter von acht Jahren mit Magie gezeichnet wurde, als genauso grausam wie ihr Vater. Der amtierende Primus hat es sich zur Aufgabe ...
Mancella Cliff ist die Thronerbin des Glaslandes – und gilt, seit sie im Alter von acht Jahren mit Magie gezeichnet wurde, als genauso grausam wie ihr Vater. Der amtierende Primus hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kriege zu provozieren, seine Untertanen auszubeuten und selbst im eigenen Schloss seine ihm gewährte Macht auf blutige, herzlose Art zu demonstrieren. Nur ein lebensmüder Dieb aus dem Randgebiet könnte so waghalsig sein, sich in das Anwesen der Cliffs zu schleusen, um die Herrschenden zu bestehlen … Tja, und Silver ist genau dieser Typ – niemals hätte er damit gerechnet, dass gerade die gefürchtete Schlächterin dafür sorgen könnte, seinen Auftrag, seine Hoffnung auf eine Zukunft und seinen Hass in den Hintergrund zu schieben …
„The Beasts we Bury“ beinhaltet frische und originelle, von mir bisher nie gelesene Ansätze in Sachen Worldbuilding und Magiesystem, die unweigerlich faszinieren und konstant eine gewisse Spannung schaffen. Leider fand ich die Ausarbeitung insgesamt als dürftig und löchrig – statt kreisender Monologe und der sich ausbreitenden romantischen Komponente hätte ich mir hier mehr gewünscht – mehr Informationen und Details.
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive von Mancella und Silver, sodass wir die beiden Jugendlichen, die viel zu früh erwachsen werden, Gräuel und Tod erblicken mussten, ausreichend kennenlernen, in ihre Situation eintauchen und ihre Entwicklung verfolgen können.
Kommen er Dieb und seine KumpanInnen Vie und Rooftop gerade so über die Runden, die Angst, entdeckt zu werden, im Nacken, froh über jeden Auftrag, mag er noch so zwielichtig sein, lebt Mancella in Prunk, mit einer glorreichen Perspektive vor Augen – Blut an den Händen und zahlreiche Tiere in ihrem Leib, einsam, dazu erzogen, hart und unerbittlich zu sein. Während Silver nicht erwartet hätte, was er in Mancella findet, sie ihn zum Zweifeln bringt, zu Schuldgefühlen, gibt der Dieb der Magischen Hoffnung – auf Gemeinschaft und Veränderung. Dabei ahnt sie nicht, in welches Netz aus Lügen sie tritt, in welchen Manipulationen sie gefangen ist. ...
D. L. Taylor zeichnete ihre Hauptakteure so, dass es leicht fällt, sie zu verstehen, wenn auch die entstehende Vertrauensbasis und die wiederholte Leichtgläubigkeit in Anbetracht der Umstände zu leicht und naiv wirkten. Actionreich, blutig, grausam waren die Kampfszenen und das Schicksal, welches die Cliff-Schwestern ereilte – ich fühlte und fieberte mit. War von den einen oder anderen, sich im Verlauf offenbarenden Hintergründen und Geheimnissen, Mancellas Magie geschockt. „The Beasts we Bury“ hält neben Tyrannei, Machtgier, Dunkelheit und diverser Magie einige Twists bereit, Momente, die schmerzen, und Figuren, die für Misstrauen und Abscheu sorgen. Ob es die seichte Romanze gebraucht hätte? Nun, zumindest bietet sie Silver eine Entwicklungsmöglichkeit.
Diese Geschichte beinhaltet harte, aufwühlende Themen, Melancholie und eine gewisse Schwere – konträr ist der Stil, mit dem die Story erzählt wird. Einerseits mit sehr einfachen, für die Zielgruppe passenden Worten, andererseits gingen dadurch mMn auch Spannung und Ernst verloren. In den letzten Kapiteln überschlagen sich die Ereignisse, Lücken füllen sich, und dann … dann endet die Story rund und stimmig.
Meiner Ansicht nach braucht es den Epilog, der wirkt, als wollte man aus einer abgeschlossenen Handlung unbedingt noch mehr herausholen, nicht. Immerhin wissen wir doch, dass künstlich in die Länge gezogene (Buch-)Serien nur selten Anklang finden …
Daher: Wenn auch in Sachen Magiesystem und Worldbuilding eher an der Oberfläche gekratzt wurde, ist „The Beasts we Bury“ für mich ein guter Dark-Fantasy-Standalone, der sich zwar sprachlich an Jugendliche richtet, jedoch inhaltlich durchaus auch ältere LeserInnen fesselt.