Eine Geschichte die nicht nur ihre Hauptprotagonistin weglaufen lässt
Genau hier bei dirMit „Genau hier bei dir“ führt uns die Autorin Tine Nell zurück in das beschauliche Nora in Schweden.
Wir starten in der Geschichte direkt dort, wo es am ersten Teil endete mit dem Kuss zwischen Liv und ...
Mit „Genau hier bei dir“ führt uns die Autorin Tine Nell zurück in das beschauliche Nora in Schweden.
Wir starten in der Geschichte direkt dort, wo es am ersten Teil endete mit dem Kuss zwischen Liv und Cai. Doch braucht die Geschichte ein bisschen Zeit, um sich zu entwickeln und daher geht Liv erstmal zurück nach Stockholm in ihre WG und ihren Job.
Eine gewisse Zeit später, führt eine Misere in Nora dazu, dass sie wieder zurück zu Ihrer Halbschwester und in das Haus Ihrer Tante zieht. Da sie zwingend Geld benötigt, um Ihrer Tante zu helfen, beginnt sie im Elchpark bei Cai als Führerin zu arbeiten.
Da die Stimmung zwischen beiden recht frostig ist, fühlt sich Liv in seiner Gegenwart nicht immer ganz wohl. Doch neben dem Gefühl, das er ihr zu gefährlich werden kann, ist dort immer noch die Erinnerung an den Kuss und die Spannung zwischen den beiden steigt.
Wenn im ersten Teil die Schönheit Schwedens, der Seen, der Natur und von Nora so wunderbar beschrieben wurde und es ein reiner Wohlfühlroman war, wo man mit den beiden Hauptcharakteren mitgefiebert hat, war es hier einfach nur eine kalte Schlammschlacht mit wenig Gefühl für das Land und die dort lebenden Menschen.
Es gibt zwar Feste, Hochzeiten und örtliche Besonderheiten, aber diese werden alle zu schnell und zu oberflächlich abgearbeitet. Gefühle und der Wunsch dabei zu sein, war mir nicht übermittelt wurden. Und der große Elefant im Raum, der leider nicht zu übersehen ist, ist die Hauptcharakterin Liv.
Liv ist in den 20ern und alle andere als eine bodenständige und selbstreflektierte Frau. Sie kann null mit Kritik umgehen, flüchtet, sobald ihr die Situation aus den Händen gleitet und sie keine Kontrolle mehr hat. Bockig und selbstsüchtig, wie eine Pubertierende ist sie gegenüber Cai und ein kleiner Engel innerhalb der Familie.
Cai ist für sie ein rotes Tuch, da dieser seine Emotionen klar äußert und wenn er schlechte Laune hat dies auch zeigt. Für mich menschlich, da er auch nie beleidigend oder übergriffig im Buch gewesen ist.
Und so nähern sich zwei Leute, die beide nicht selbstreflektiert und bodenständig in ihren Gefühlen sind und beide ihre persönlichen Baustellen und Dramen der Vergangenheit mitbringen, welche sie noch immer nicht bewältigt haben.
Ich habe Verständnis für schlechte Erfahrungen aus der Kindheit oder einer vorangehenden Beziehung, aber das war mir einfach zu überzogen. Wenn man so schlecht damit umgehen kann, geht man in die Therapie und romantisiert die Geschichte nicht.
Für mich fehlte es an positiven Gefühlen, an das richtige Geknisterte, denn reiner Sex hat für mich nichts mit Romantik zu tun.
So war das Ende hervorsehbar und der typischen Knall nach Schema A davor.
Ich halt den ersten Teil in liebevoller Erinnerung und flüchte mich in ein neues Buch und verdränge dieses, denn das scheint ja bei den meisten lesenden Personen der richtige Weg zu sein.