Community-Leserunde mit @le.lyssa zu "Evil Eye" von Etaf Rum

Ein feinsinniger Page-Turner
Cover-Bild Evil Eye
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Etaf Rum (Autor)

Evil Eye

Roman | Feinsinniger Pageturner der palästinensisch-amerikanischen Bestsellerautorin

Heike Reissig (Übersetzer)

Nach außen hin führt Yara ein perfektes Leben: Sie hat ein abgeschlossenes Studium, einen guten Job, erzieht parallel die beiden Töchter und bereitet das Abendessen vor, wenn ihr Mann nach langen Arbeitstagen nach Hause kommt. Doch wieso fühlt es sich nicht richtig an? Woher kommen ihre Unzufriedenheit, ihre Wutausbrüche, ihre zunehmende Verzweiflung? Als Yara nach einem Zwischenfall auf der Arbeit gezwungen wird, eine Auszeit und psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen, kommt ein Stein ins Rollen und sie beginnt, sich ihren Gefühlen zu stellen. Evil Eye erzählt von der Bedeutung eines erfüllten Lebens und wie unsere unbewältigte Vergangenheit unsere Gegenwart beeinflusst.

Timing der Leserunde

  1. Bewerben 14.03.2025 - 23.03.2025
  2. Lesen 07.04.2025 - 24.04.2025
  3. Rezensieren 25.04.2025 - 11.05.2025

Bereits beendet

Schlagworte

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Teilnehmer

Diskussion und Eindrücke zur Leserunde

Veröffentlicht am 11.05.2025

Berührende, authentische Achterbahnfahrt der Emotionen aus dem Trauma zu sich selbst

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Äußerlich scheint Yara ein perfektes Leben zu führen: Sie hat zwei wundervolle Töchter, ein abgeschlossenes Studium, einen guten Job und einen Ehemann, der ihr den Weg aus einem einengenden Elternhaus ...

Äußerlich scheint Yara ein perfektes Leben zu führen: Sie hat zwei wundervolle Töchter, ein abgeschlossenes Studium, einen guten Job und einen Ehemann, der ihr den Weg aus einem einengenden Elternhaus ohne Liebe geebnet hat. Äußerlich hat die Tochter palästinensischer Einwanderer in die USA mehr erreicht als Generationen von Frauen vor ihr. Woher kommen also ihre Wut, Trauer und Verzweiflung, die sie innerlich aufzufressen drohen?

Nichts ist so perfekt, wie es scheint. Das zeigt Etaf Rum mit ihrem Roman „Evil Eye“ auf berührende, eindrucksvolle Weise. Den elterlichen Käfig hat Yara gegen eine lieblose Ehe getauscht, in der Geringschätzung, Schulgefühle und das Zurücksetzen von Yara Bedürfnissen an der Tagesordnung stehen. Ungeschönt begibt man sich mit Yara in eine Achterbahn der Gefühle, für die es keinen Stopp-Knopf gibt. Wut, Trauer, Hoffnung, Fassungslosigkeit und Erleichterung: All die Emotionen, die Yara fühlt, empfindet man als Leserin. Man will schreien, Dinge an die Wand werfen, Yara schütteln und in den Arm nehmen, weinen – wahlweise aus tiefer Trauer oder Erleichterung.

Da ist kein Millimeter Raum für Distanz zwischen der Ich-Erzählerin und der Leserin. Das tut oft weh, ist aber unendlich wertvoll für die Geschichte und das Thema. Gefühle und psychische Erkrankungen werden ohne Tabu behandelt, genauso wie Traumata, die über Generationen weitergegeben werden. Yara ist in ihrer Charakterentwicklung und ihrem Weg authentisch. Es ist keine geradlinige, schön stilisierte Reise aus dem Trauma zu sich selbst. Immer wieder geht es bergab und rückwärts, wo es erst deutlich bergauf und vorwärts gegangen ist. So funktioniert Heilung und genauso authentisch und berührend wird sie in „Evil Eye“ beschrieben – abseits romantischer Selbstfindungsklischees.

Auch das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, das Rollenbild einer Frau in extremen patriarchalen Strukturen wird klischeebefreit und abseits jeglicher Opferrollen veranschaulicht. Das macht es leichter zu verstehen, dass Frauen – abseits jeglicher kulturellen Unterschiede – mit Sexualisierung und Unterdrückung zu kämpfen haben. Die in die Wiege gelegten Hürden mögen für Frauen wie Yara deutlich höher sein, doch sollte gemeinsam gegen jene Strukturen angekämpft werden anstatt sich gegenseitig mit vermeintlichen Unterschieden runterzumachen. Das macht Etaf Ruf auf eine subtile Weise klar, die man dennoch nicht leugnen kann und deren Gewissheit noch lange in einem nachhallt.

Fazit
Etaf Rum ist mit „Evil Eye“ ein berührendes Meisterwerk der Emotionen gelungen. Yaras Schicksal hatte eine derartige Sogwirkung auf mich, dass ich das Buch nicht zur Seite legen konnte. Ihr authentischer Charakter und Weg schaffen eine tiefgehende Verbindung. Zudem gelingt es der Autorin auf einzigartige Weise, hinter die oftmals tabuisierte Fassade von psychischen Erkrankungen und generationenübergreifenden Traumata zu blicken – ohne jegliche Opferrollen und Klischees zu bemühen. Ein wichtiges und wertvolles Buch in konfliktgeprägten Zeiten, in denen das Trennende oft vor dem Verbindenden und der Egoismus vor Verständnis und Solidarität steht. Eine kleine klare Leseempfehlung

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Sehr berührendes Buch

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Die junge Yara führt ein nahezu perfektes Leben. Sie hat einen gut bezahlten Job, ein abgeschlossenes Studium, ist Mutter von 2 süßen Mädchen und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt, bis irgendwann ...

Die junge Yara führt ein nahezu perfektes Leben. Sie hat einen gut bezahlten Job, ein abgeschlossenes Studium, ist Mutter von 2 süßen Mädchen und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt, bis irgendwann ein Stein ins Rollen kommt, der nicht mehr aufzuhalten ist. Nach einem Vorfall in ihrem Job muss sie sich in therapeutische Behandlung begeben und beginnt ihr angeblich so perfektes Leben zu hinterfragen.

Die Autorin kannte ich bisher noch nicht und bin von ihrem Schreibstil total angetan. Die Geschichte um Yara, die verschiedenen Problematiken, wie Trauma, kulturelle Verbundenheit und Ansprüche sowie Selbstfindung, hat mir sehr gut gefallen. Es ist keine einfache Lektüre, da man als Leser eine Achterbahn der Gefühle durchlebt und hin und wieder das Gefühl bekommt, dass man eingreifen möchte. Yara mit palästinensischen Wurzeln ist in Brooklyn aufgewachsen und kennt auch die eine andere Seite zur palästinensischen Kultur. Das Buch ist nicht nur eine Geschichte um eine junge Frau, welche plötzlich aus ihrem ach so perfekten Gefängnis ausbricht, sondern auch gegen ihre inneren Ängste, traumatischen Erfahrungen und Trauer ankämpft und auf diesem Wege zu einer starken Frau entwickelt. Abgesehen davon erfährt man aber auch viel über die palästinensische Kultur.

Mein Fazit:
Ein beeindruckendes Buch, welches man unbedingt gelesen haben sollte. Ich vergebe hierfür 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Der Weg in die Freiheit

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Yara fühlt sich gefangen und in einem Teufelskreis. Sie will mehr aus ihrem Leben machen, aber sie weiß noch nicht wirklich wie.

Dieses Buch hat mir gezeigt wie wichtig es ist gegen Klischees und gesellschaftliche ...

Yara fühlt sich gefangen und in einem Teufelskreis. Sie will mehr aus ihrem Leben machen, aber sie weiß noch nicht wirklich wie.

Dieses Buch hat mir gezeigt wie wichtig es ist gegen Klischees und gesellschaftliche Normen zu kämpfen. Es hat mich frustriert, zum weinen, aber auch zum lachen gebracht.
Ich konnte so gut mit Yara mitfühlen und habe mit ihr mitgefiebert.
Yara ist eine unglaublich starke Frau, die wir bei ihrem Weg zu sich selbst begleiten dürfen. Sie ist eine Inspiration und sie gibt mit Hoffnung, dass es sich lohnt zu kämpfen und sich nicht unterkriegen zu lassen.

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Großartiges Buch

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Ein großartiges Buch von einer mir bis dahin unbekannten Autorin. Mir gefällt der Schreibstil von Etaf Rum, die einem in diesem Roman viele Einblicke in die Gedankenwelt von Yara gewährt, sodass es sich ...

Ein großartiges Buch von einer mir bis dahin unbekannten Autorin. Mir gefällt der Schreibstil von Etaf Rum, die einem in diesem Roman viele Einblicke in die Gedankenwelt von Yara gewährt, sodass es sich sehr persönlich anfühlte.

Die Autorin traut sich verschiedene Traumata und Probleme anzusprechen, die dazu führen, dass Yara mit ihrem Leben unzufrieden ist und psychisch zu kämpfen hat. Yara kämpft mit einem Kindheitstrauma und einem kulturellen Trauma in Kombination mit ehelichen und familiären Problemen. Ihr Ehemann hat mich wütend gemacht und mein Mitgefühl für Yara noch vergrößert. Denn am Ende erwartet fast jeder von Yara, dass sie den kulturellen Erwartungen entspricht. Konfrontiert mit viel zu wenig Unterstützung aus ihrer Familie wird Yara immer wieder mit Zweifeln konfrontiert.

Insgesamt kann ich nur sagen: Ein wunderbares Buch, das zu Mitgefühl und Verständnis für unterschiedliche Kulturen aufruft und gleichzeitig Gleichheit für Mann und Frau verlangt.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Intensiv und ein Lese-Muss!!!

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“Evil Eye” von Etaf Rum ist ein Roman, der unter die Haut geht. Und zwar nicht leise, sondern in Wellen – mit jeder Seite etwas mehr. Es ist die Geschichte von Yara, einer palästinensisch-amerikanischen ...

“Evil Eye” von Etaf Rum ist ein Roman, der unter die Haut geht. Und zwar nicht leise, sondern in Wellen – mit jeder Seite etwas mehr. Es ist die Geschichte von Yara, einer palästinensisch-amerikanischen Frau, die in North Carolina lebt, verheiratet ist, zwei Kinder hat, an einem College unterrichtet – und trotzdem jeden Tag das Gefühl hat, nicht frei atmen zu können. Ihr Leben sieht nach außen stabil aus, beinahe ideal. Doch im Inneren brodelt etwas. Eine Unzufriedenheit, ein stummes Aufbegehren, eine Wut, die keine Worte findet – noch nicht.

Schon auf den ersten Seiten wird klar: Etaf Rum schreibt nicht einfach eine Geschichte, sie gibt ihrer Protagonistin eine Stimme, die sich tief ins eigene Bewusstsein schleicht. Man liest nicht über Yara – man ist mit ihr. Man spürt ihre Unsicherheit, ihre Erschöpfung, ihre kleinen Fluchten, ihre Sehnsucht nach etwas, das sie kaum benennen kann. Und je weiter man liest, desto klarer wird: Was sie erlebt, ist nicht „nur“ ihr persönlicher Konflikt, sondern ein ganzes Geflecht aus kulturellen Erwartungen, familiären Verpflichtungen, patriarchalen Strukturen und generationenübergreifenden Traumata. Und das passiert nicht “nur” in dieser Geschichte, sondern tagtäglich überall auf der Welt!

Yaras Alltag ist geprägt von tief verwurzelten Glaubenssätzen – besonders aus ihrer palästinensischen Herkunftsfamilie –, die das Rollenbild der Frau klar definieren: gehorsam, stark, opferbereit. Ihre Mutter und Großmutter sind Figuren, die man auf den ersten Blick verurteilen möchte – doch Rum zeichnet sie mit so viel Tiefe, dass man deren “warum” erkennt, nachfühlen kann und somit besser sieht, wieso sie so handeln, wie sie es nun mal getan haben. Das gilt übrigens für sämtliche Figuren in diesem Roman: Sie sind nicht nur Kulisse für Yaras Geschichte, sondern tragen selbst ganze Welten in sich. Ob Ehemann, Eltern, Schwiegereltern, Kinder, Kolleg:innen oder Therapeut:innen – jede Begegnung fühlt sich absolut echt an. Und das macht diesen Roman so kraftvoll.

Man liest Seite um Seite mit wachsender Beklommenheit, weil sich eine immer stärker werdende Wut in einem selbst aufbaut – darüber, wie wenig Raum Frauen oft zugestanden wird, wie laut das Schweigen über Generationen hinweg sein kann, wie schmerzhaft unausgesprochene Regeln ein Leben bestimmen und einengen können. Yaras Weg zu ihrer eigenen Stimme, ihrer eigenen Wahrheit - über Therapie, dem Hinterfragen ihres eigenen Lebens, Tagebuchschreiben, etc. - ist kein lauter Aufbruch, sondern ein langsames, schmerzhaftes Tasten ins Ungewisse. Und genau deshalb fühlt es sich so real an.

Gerade als Frau kann man sich vielem, was Yara durchlebt, nicht entziehen – auch wenn man in einem ganz anderen Kontext und deutlich privilegierter lebt. Die Art, wie sie ihre Rolle als Ehefrau und Mutter ausfüllt, wie sie sich klein macht, wie sie das eigene Denken permanent hinterfragt, ist so nachvollziehbar, dass man beim Lesen manchmal das Gefühl hat, mit ihr im Raum zu sein. Es ist ein intimes, mitreißendes und auch aufwühlendes Leseerlebnis.

Etaf Rum gelingt es, all das mit einer erzählerischen Klarheit und Empathie zu schreiben, die wirklich beeindruckt. “Evil Eye” ist weder dramatisch überzeichnet noch emotional manipulativ. Es ist einfach ehrlich und bringt die Realität so unendlich vieler Frauen auf diese Seiten. Die Sprache ist ruhig, präzise und so voller Gefühl. Jede:r sollte dieses Buch lesen! Unbedingt. Um Vorurteile aufzubrechen, die Frauen in seinem Umfeld deutlicher zu sehen, öfters über das “warum” anderer nachzudenken und am Ende auf allen Ebenen klarer zu sehen!!!

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