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Veröffentlicht am 26.05.2025

Persönlich & nahbar, mit vielen praktischen Tipps

Der Hormonwerte-Code
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Die approbierte Ärztin und fünffache Mutter Caroline Kreuzschmer ist selbst Jahrgang 1982 und somit in ihren Vierzigern. Aus dieser Position heraus, mit einer interessanten Mischung aus umfangreicher Berufserfahrung ...

Die approbierte Ärztin und fünffache Mutter Caroline Kreuzschmer ist selbst Jahrgang 1982 und somit in ihren Vierzigern. Aus dieser Position heraus, mit einer interessanten Mischung aus umfangreicher Berufserfahrung und dem eigenen Erleben hat sie dieses wertvolle Buch verfasst, das Frauen, die sich den Wechseljahren nähern oder sich schon in diesen befinden, dabei unterstützen soll, eigenverantwortlich die eigene Gesundheit zu analysieren und zu verbessern.

Das Buch beginnt mit einer Einführung in den weiblichen Zyklus, die Sexualhormone und gängige Herausforderungen, wenn sich die Menopause nähert, beispielsweise Progesteron-, Östrogen- oder DHEA-Mangel. In auch für Laien leicht verständlichen Worten erklärt die Autorin, was es damit auf sich hat und auch, welche Symptome darauf hindeuten könnten.

Wenn eine Frau solche Symptome an sich beobachtet hat, kann es sinnvoll sein, zur genaueren Diagnose die Hormone bestimmen zu lassen. Das ist sowohl im Speichel als auch im Blut möglich, je nachdem, was man wissen möchte. Die Leserinnen werden dazu angeleitet, verstehen zu lernen, welche Hormonbestimmung wann sinnvoll ist und wie man diese bei einem Labor veranlassen kann. Es ist also ein Buch, das mündigen Patientinnen auf Augenhöhe begegnet, das mag ich sehr daran.

Hat man dann die Laborergebnisse, gibt es Interpretationshilfen für verschiedene mögliche Resultate. Darauf folgen Behandlungsmöglichkeiten, sowohl im Bereich der bioidentischen Hormontherapie als auch andere Methoden wie Nährstoff- oder Phytotherapie, der Einfluss von Lebensstiländerungen und die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Das Thema Schwanger werden mit Ende 30, Anfang 40 wird auch kurz gestreift, zu diesem Thema gibt es aber spezialisiertere Bücher, die es noch wesentlich ausführlicher behandeln.

Am Ende des Buches finden sich schließlich noch interessante Beispiele aus der Praxis sowie ein Nachwort zum Thema Spiritualität und Wechseljahre.

Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen und es wird in meinem Regal einen Platz als wertvolles Nachschlagewerk für eventuell in der Zukunft auftretende Wechselbeschwerden bekommen. Ich kann es allen Frauen in dieser Lebensphase, die sich nicht nur auf ärztlichen Rat verlassen, sondern sich selbstständig mit ihrer hormonellen Gesundheit auseinandersetzen wollen, sehr empfehlen. Der Schreibstil ist persönlich, nahbar, leicht verständlich und unterhaltsam.

Ganz am Ende gibt es noch ein Nachwort zum Thema Spiritualität und Wechseljahre, dem man anmerkt, dass die Autorin sich auch mit diesem Thema sehr beschäftigt hat. An dieser Stelle hat es mich ein bisschen traurig gestimmt, diesen Zugang von ihr nur im Nachwort und auf so kleinen Raum reduziert mitzubekommen.

Auch wenn ich weiß, dass es im naturwissenschaftlich geprägten medizinischen Bereich immer noch sehr viel Mut erfordert, in einen ganzheitlichen Zugang das Thema Spiritualität zu integrieren, hätte ich persönlich mir gewünscht, es wäre etwas mehr davon in dem Buch zu finden gewesen. Denn gerade dadurch kommt nach meinem Empfinden so viel Nahbarkeit, Verbindung und Ganzheitlichkeit in den oft so klinisch-sterilen medizinischen Bereich hinein.

Denn alleine das wenige dazu, was sich auf diesen allerletzten Seiten findet - etwa zum großen Tanz zwischen Menarche und Menopause oder zum Mandala und dem Weg zurück - davon hätte ich gerne mehr gehört und auch gern Bilder davon gesehen und über Praxisbeispiele gelesen. Vielleicht findet die Autorin dazu ja in einer Neuauflage oder in einem weiteren Buch den Mut - ich bin mir sicher, sie hätte auch zu diesem Thema viel Wichtiges zu teilen.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Liebevoll geschriebenes, praxisorientiertes Buch zur Geburtsvorbereitung

Dein Geburtscoach
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Es gibt mittlerweile so einige Bücher zum Thema Vorbereitung auf eine gute Geburt am Markt. Viele davon sind von Hebammen oder Doulas geschrieben, und die allermeisten von Frauen. So finde ich es erfrischend ...

Es gibt mittlerweile so einige Bücher zum Thema Vorbereitung auf eine gute Geburt am Markt. Viele davon sind von Hebammen oder Doulas geschrieben, und die allermeisten von Frauen. So finde ich es erfrischend und interessant, einmal ein Buch von einem Mann zu diesem Thema zu lesen, der als leitender Oberarzt und Geburtshelfer jahrzehntelange Erfahrung in diesem Bereich gesammelt hat und nun neben vielen anderen Tätigkeiten Geburtscoachings anbietet.

Äußerst sympathisch finde ich die liebevolle, farbenfrohe und persönliche Gestaltung des Buches. Als Leserin werde ich mit "Du" angesprochen und das Buch ist auf eine Art und Weise verfasst, die ich als sehr persönlich und nahbar empfinde, was ich sehr schätze. Es gibt viele Fallgeschichten und persönliche Reflexionsfragen, das macht das Buch sehr praxisorientiert und anschaulich. Durch diesen persönlichen Zugang fühle ich mich als Leserin wertgeschätzt und begleitet auf meiner Reise der Beschäftigung mit dem Thema Geburt. Bei mir ist es eine Rückschau, denn ich persönlich bin gerade nicht schwanger, sondern beurteile das Buch aus der Perspektive als Mama eines kleinen Kindes, die viele im Buch beschriebene Erfahrungen schon hinter sich hat.

Gleich am Anfang wird das Buch mit folgendem Zitat einer Mutter an ihre Tochter eingeführt: "Wenn der Sturm sich gelegt hat, bist du Mutter, und wenn du deine starken Wurzeln anschaust, siehst du die Kraft, die du hast und die dich besser als je zuvor durchs Leben trägt."

Was für eine schöne, positive und lebensbejahende Perspektive! Ein Blick auf die Ressourcen und die Resilienz, die in einer Geburt liegen können... auch wenn sie schwer war. Mit einigen Jahren Abstand kann ich diesem Spruch durchaus zustimmen.

Sturm... Wurzeln... Kraft... um viele dieser Themen geht es dann auch im Buch.

Eingeteilt in angenehm kurze, übersichtliche und leicht lesbare Kapitel geht es um Themen wie Geburtsvorbereitung, Familiengeschichte, Mindset, Ressourcen, den Ablauf der Geburt an sich und damit verbundene Herausforderungen (Angst, Schmerz, Anspannung und Erschöpfung, das Gefühl, nicht mehr zu können), aber auch Wege, mögliche Hindernisse im Vorfeld aus dem Weg zu räumen oder damit umzugehen.

Dabei gibt es viele praktische Fragen, die zum Nachdenken oder auch mit eigenen Familienmitgliedern ins Gespräch kommen anregen, beispielsweise zur eigenen Familiengeschichte: "Wie bist du selbst zur Welt gekommen?... Gibt es in deiner Familie Mythen, Traditionen oder Aufträge in Sachen "Geburt"?... Wie gehst du mit Beziehung und Bindung um?" (S. 34)

Dieser ganzheitliche und systemische Zugang zum Thema Geburt gefällt mir sehr. Es ist auch selbstermächtigend, sich damit zu beschäftigen, welche anderen Themen alle damit zusammenhängen könnten und mir bewusst zu machen, dass ich auf so einiges davon Einfluss nehmen kann, indem ich mich genauer damit beschäftige. Schmunzeln musste ich auch über so manche positive Reframings, z.B. Pause-Durchatmen-Auftanken für PDA .

Insgesamt ist es ein äußerst positives, hoffnungsvolles und Mut machendes Buch, das auf eine positive Geburt einstimmen und einige verbreitete Mythen zum Thema Geburt kritisch hinterfragen kann (z.B. zum Thema Schmerz: laut Angaben des Autors gibt jede 6. Gebärende an, zwar Druck unter der Geburt zu verspüren, aber keinen Schmerz).

Am Ende noch ein paar wenige Einschränkungen: insgesamt ist es ein Buch, in dem sehr stark die natürliche Geburt empfohlen wird und ein Kaiserschnitt nur als Ausnahmelösung. Dies ist wahrscheinlich medizinisch fundiert und berechtigt. Es könnte aber sein, dass dadurch Schwangere, die - aus welchen Gründen auch immer - fix mit einem Kaiserschnitt rechnen, sich nicht ganz so gut davon abgeholt fühlen könnten. Und die Bedingungen in der Geburtshilfe finde ich etwas zu positiv dargestellt: da ist von einer freien Wahl des Geburtsortes die Rede, von der Möglichkeit, während der Geburt auf Wunsch die Hebamme zu wechseln und so einiges mehr... ich und wohl so einige weitere Frauen, von denen ich gehört und gelesen habe, haben da leider deutlich schlechtere Bedingungen im öffentlichen Gesundheitssystem erfahren.

Es ist auch insgesamt ein Buch, das zwar erwähnt, dass es Gewalt und insgesamt oft große Missstände in der Geburtshilfe gibt und ganz kurz darauf eingeht, insgesamt liegt hier aber kein Schwerpunkt dieses Buches (muss es auch nicht, dazu gibt es andere).

Ich verstehe auch, dass der Autor dieses Thema nicht zu sehr ausbreiten möchte, denn, wie er schreibt und damit ja auch durchaus Recht hat (S. 31): "Wer in Risiken denkt, schafft und provoziert sie - wer an die Chancen glaubt, vergrößert sie." So ein Buch ist das hier: ein positives, hoffnungsvolles, das dabei unterstützen will, an Chancen zu glauben. Die erwähnten Einschränkungen sollen also den Wert des Buches nicht mindern.

Ich empfehle es also nicht als einziges Buch, um sich mit dem Thema Geburtsvorbereitung zu beschäftigen (dafür ist es mir fast ein bisschen zu unrealistisch positiv in der Darstellung der Geburtsbedingungen in öffentlichen Krankenhäusern - einiges, was der Autor beschreibt, stellt dar, wie es im Idealfall sein sollte, aber nicht, wie es oft tatsächlich ist), aber als eines von mehreren kann es wertvolle Dienste leisten, um eine möglichst positive und angstfreie Haltung zur Geburt zu entwickeln - dafür ist es ein sehr wertvolles Buch!

Es wird jedenfalls einen fixen Platz in meinem Bücherregal bekommen, für alle Eventualitäten in der Zukunft, die das Leben in Bezug auf dieses Thema noch für mich bereitstellen wird, und zur Weiterempfehlung an andere für eine positive Einstimmung zum Thema Geburt.

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Sehr berührendes Epos über das Aufwachsen im kommunistischen China zwischen 1970 und 1989

Himmlischer Frieden
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"Himmlischer Frieden" ist das Debüt der mit ihrem Mann und den gemeinsamen zwei Töchtern in England lebenden, 1970 in China geborenen und aufgewachsenen, Autorin Lai Wen, die ihr Geburtsland 1989 nach ...

"Himmlischer Frieden" ist das Debüt der mit ihrem Mann und den gemeinsamen zwei Töchtern in England lebenden, 1970 in China geborenen und aufgewachsenen, Autorin Lai Wen, die ihr Geburtsland 1989 nach den Vorfällen auf dem Platz des Himmlischen Friedens für immer verlassen hat. Das Buch beschreibt die wahre Geschichte der Autorin in ihren ersten 19 Lebensjahren, leicht fiktionalisiert, aber grundsätzlich auf wahren Erlebnissen beruhend. Die Geschichte zieht sich über 560 Seiten und das braucht Zeit und Raum, zeitlich zum Lesen und auch emotional zum Verarbeiten.

Einfühlsam und unterhaltsam erzählt begleiten wir die Autorin von ihrer frühen Kindheit über ihre Grundschulzeit über die weiterführende Schule bis zur Zeit als Studentin der Literaturwissenschaft an der Pekinger Universität, in der es schließlich zu den Protesten für Demokratie und Meinungsfreiheit auf dem Platz des Himmlischen Friedens kommt, die am Ende - wie historisch bekannt ist - von der Chinesischen Regierung gewaltsam niedergeschlagen werden.

Eine besondere Stärke der Autorin liegt darin, menschliche Beziehungen und Emotionen spürbar zu machen. In diesem besonderen Buch geht es ganz viel um Beziehungen: um die Beziehung der kleinen Lai Wen zur geliebten Großmutter, die im gemeinsamen Haushalt mit der Familie lebt. Eine unbeugsame Frau mit sehr starken Meinungen, aber auch viel Humor und Liebe zur kleinen Enkelin, die aber tragischerweise gegen Ende ihres Lebens immer mehr im Nebel der Demenz versinkt, was ebenfalls ausführlich geschildert wird.

Vor dem Hintergrund dieser starken Persönlichkeit wirken Lai Wens Eltern sehr blass: der Vater wurde als Intellektueller während der Kulturrevolution verfolgt und vermutlich auch gefoltert, seitdem ist er nur mehr ein Schatten seiner selbst, körperlich zwar anwesend, psychisch und emotional kaum mehr. Die Mutter ist eine außergewöhnlich schöne, aber eher kalte Frau, die sich schwer damit tut, dem kleinen Mädchen ihre Liebe zu zeigen (und auch die Studentin Lai Wen fragt sich noch, ob die Mutter sie jemals geliebt habe). Es wird also spürbar, wie viel Traumatisierung in der chinesischen Gesellschaft nach der Kulturrevolution da ist.

Lai Wen wächst als grundsätzlich recht angepasstes, aber neugieriges und intelligentes Kind auf. Schon im Volksschulalter wird sie mit brutaler Polizeigewalt konfrontiert, als sie gemeinsam mit Gleichaltrigen eine Ausgangssperre missachtet, auf die Polizeiwache geschleppt und ihr von einem der Beamten der Arm ausgekugelt wird. Das wird ihre Angst vor dem Machtapparat noch verstärken. Gleichzeitig wird sie in der Schule mit kommunistischer Propaganda überschüttet, die Schulklasse macht einen Ausflug zur konservierten Leiche Maos und es wird immer wieder betont, wie wichtig der Verzicht für das große Ganze sei.

Als Jugendliche beginnt Lai Wen eine Beziehung mit einem ihrer Freunde aus der Kindergruppe, die gemeinsam gespielt und die Ausgangssperre missachtet hat. Er ist damals für sie eingetreten und hat vor der Polizei die Schuld auf sich genommen. Beide verbindet ihre Sensibilität und Intellektualität, gleichzeitig trennt sie der unterschiedlichen Klassenhintergrund: Lai Wen ist aus einer deutlich ärmeren Familie als er, und sein Vater ein hoher Beamter in der chinesischen Regierung.

Es gibt verschiedene Momente in Lai Wens Leben, die sie immer mehr politisieren: angefangen mit dem traumatischen Erlebnis als Kind und den Bruchstücken, die sie von ihrem Vater erfährt (einmal nimmt er sie mit zu einer Erinnerungsmauer an die Opfer der Kulturrevolution und öffnet sich ihr ein bisschen), ist es insbesondere auch die Literatur und die Freundschaft zu einem alten Buchhändler, der sie sehr fördert, die ihr helfen, einiges mit neuen Augen zu sehen: so liest sie beispielsweise das Buch "1984" von George Orwell, erkennt so einiges wieder und immunisiert sich damit gleichzeitig ein bisschen für die Zukunft gegen die Propaganda der gleich geschalteten Presse.

Ihre herausragenden intellektuellen Leistungen eröffnen ihr die Möglichkeit eines speziellen Förderunterrichts und schließlich, über einen Aufsatzwettbewerb, bei dem sie heraussticht, ein Stipendium für das Studium der Literaturwissenschaft an der staatlichen Universität Pekings. Dort wird sie sich mit verschiedenen anderen Studierenden anfreunden, ihre politischen Gedanken weiterentwickeln und ein (kleiner, unbedeutender, aber doch) Teil der Protestbewegung auf dem Tian'anmen-Platz werden.

Insgesamt ist das Buch besonders für jene interessant, die auch sehr gerne feinfühlige und tiefgründige Familiengeschichten lesen und sich gleichzeitig für eine wahre Geschichte aus der Zeit des kommunistischen Chinas interessieren. Ich lese solche sehr gerne und deshalb hat mir das Buch wirklich gut gefallen: ich mochte es, wie authentisch, feinfühlig und gleichzeitig unterhaltsam es der Autorin gelingt, die Tiefe und Differenziertheit menschlicher Beziehungen darzustellen. Wenn man sich darauf einlassen kann und will, wird man mit einer wunderschönen Geschichte belohnt und lernt wie nebenbei ganz viel über das Leben in Peking zwischen 1970 und 1989.

Wer hingegen lieber kurz und prägnant mehr über den Widerstand gegen das diktatorische Regime in China und über die Hintergründe des Tian-anmen-Aufstandes und -massakers lesen möchte, ist möglicherweise mit einem anderen Buch besser beraten: auch wenn der Titel das suggeriert, nimmt dieses Thema im Buch einen zwar wichtigen, aber angesichts des gewaltigen Umfangs insgesamt kleinen Teil ein: seitenmäßig weit ausführlicher geschildert werden die Details der verschiedenen Beziehungen, etwa zwischen Lai Wen und ihrer Großmutter, ihrem ersten festen Freund oder auch einer guten Freundin auf der Universität.

Mich persönlich hat das nicht gestört, im Gegenteil, ich mochte es und für mich hat es das Buch besonders gemacht. Insgesamt war es für mich dadurch auch deutlich angenehmer zu lesen als so manche andere Bücher, bei denen eine Gräueltat die nächste jagt... das ist hier zum Glück nicht im Zentrum des Buches, auch wenn naturgemäß gegen Ende, als es um den Tian-anmen-Platz geht, die dort verübten Grausamkeiten durchaus authentisch geschildert werden - aber das sind dann eben die letzten Seiten eines sehr langen Buches.

Es ist aber, wie bei allen Büchern, auch hier empfehlenswert, sich vorher damit zu beschäftigen, worum es sich handelt und ob man sich genau darauf gerne einlassen möchte. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und es wird einen festen Platz in meinem Herzen bekommen - Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.05.2025

Beeindruckende, vielperspektivische und einfühlsam erzählte Kurzgeschichtensammlung

Nach dem Krieg
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Im Erzählband „Nach dem Krieg“ nähert sich der britische Erzähler Graham Swift – selbst im Jahr 1949 und damit wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geboren – in zwölf verschiedenen Kurzgeschichten den ...

Im Erzählband „Nach dem Krieg“ nähert sich der britische Erzähler Graham Swift – selbst im Jahr 1949 und damit wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geboren – in zwölf verschiedenen Kurzgeschichten den vielen, in Europa weitgehend friedlichen, Jahrzehnten nach diesem verheerenden Krieg an. Auf spannende und vielfältige Weisen wird sich mit dem Thema Krieg, Frieden und der Zeit danach beschäftigt, dieses aus der Perspektive verschiedenster Figuren und Zeiten betrachtet, und so regt der Erzählband sehr zum Nachdenken, Nachspüren, Interpretieren und Miteinander-darüber-ins-Gespräch-kommen an.

Bei manchen Geschichten ist der Kriegsbezug sehr unmittelbar: beispielsweise wenn ein junger britischer Soldat mit jüdischen Wurzeln nach Ende der britischen Besatzungszeit auf einen ehemaligen Wehrmachtssoldaten trifft, der nun im Rathaus arbeitet und die Macht hat, ihm bei der Suche nach seinen verschollenen Verwandten mehr oder weniger behilflich zu sein – dieser Rathausbedienstete, durch dessen Gedankenwelt wir die Geschichte erleben, aber immer noch sehr in altem Denken in Bezug auf militärische Hierarchien und Konventionen verhaftet ist.

Oder, in einer anderen Geschichte, wenn überlegt wird, ob gerade noch schnell eine Hochzeit stattfinden kann, bevor vielleicht gleich ein neuer Krieg ausbrechen wird – es ist die Zeit der Kubakrise und das Gleichgewicht des Schreckens zwischen den Großmächten scheint äußert fragil. Nun wissen wir, der Krieg ist zum Glück damals nicht ausgebrochen, doch diese Geschichte macht das damals herrschende Bedrohungsgefühl sehr eindringlich nachfühlbar.

Dann gibt es wiederum Geschichten, die sich mit einer anderen Form von Krieg beschäftigen: etwa, wenn wir einen pensionierten Arzt kennen lernen, der sich während der Coronapandemie wieder zum Einsatz im Krankenhaus meldet und dort gemeinsam mit dem anderen Gesundheitspersonal versucht, den Kampf gegen den potenziell Tod bringenden Virus für so viele Patientinnen und Patienten wie möglich zu gewinnen… dabei aber gleichzeitig über sein Leben nachdenkt, Bilanz zieht über das, was er erlebt und erreicht hat.

Eine stille und nachdenklich machende Geschichte, so wie so viele in diesem Buch, die aber gleichzeitig eine immense emotionale Transformationskraft in sich tragen, sobald man sich tiefer auf sie einlässt und sie wirken lässt. Und Bilanz gezogen und zurückgeblickt, das wird überhaupt viel in diesem Buch, in späteren Lebensjahren der Figuren oder auch anlässlich des Begräbnisses geliebter Menschen, während die Hinterbliebenen noch zu geschockt sind, eigene Worte für die Feier zu finden – ein Gefühl, das sicher viele nachvollziehen können, die schon jemanden verloren haben.

Eine weitere Geschichte beschäftigt sich mit einem Paar Mitte 30, Ende der 1990er, auf Urlaub auf Zypern, das bisher nichts als Frieden erlebt hat, und doch – oder vielleicht auch genau deshalb? – innerlich nicht sehr erwachsen geworden ist und aus einer eher kindlichen Perspektive überlegt, doch noch selbst Eltern zu werden. Scheinbar passiert in dieser Geschichte gar nicht so viel, außer ein bisschen Urlaub und ein paar Überlegungen, doch unter der Oberfläche wird die Atmosphäre der letzten „goldenen Jahre“, bis etwa Ende der 1990er, perfekt eingefangen: eine Zeit des immer größer werdenden Wohlstands, eine Zeit, die für viele Menschen in Europa von jahrzehntelangem Frieden und Aufschwung geprägt war, aber in der man noch nichts von den neuen Krisen wusste, die in den darauffolgenden Jahrzehnten über die Menschheit hereinbrechen würden, und in der viele noch glaubten, es würde weiterhin immer nur aufwärts gehen.

Der Autor ist selbst schon in den reiferen Jahren seines Lebens angekommen und in so einigen – aber nicht in allen – Geschichten nimmt er auch diese Perspektive ein und erzählt aus dem Blickwinkel älterer Männer oder Frauen. Besonders berührt hat mich auch die letzte Geschichte, in der eine über 80-jährige Frau rund um ihren Geburtstag auf ihr Leben zurückblickt, über den letzten Reisepass nachdenkt, den sie sich noch machen hat lassen, und über die Gnade, die im Vergessen auch liegen kann, sowieso über ihr Leben insgesamt.

Buchrezensionen sind naturgemäß in ihrem Ausmaß beschränkt, doch möchte ich abschließend sagen, dass dieser Kurzgeschichtenband eine solche Tiefe hat, sodass ich über jeder der erwähnten und außerdem über alle nicht erwähnten Kurzgeschichten noch viel schreiben könnte… und selbst dann würden sich immer viele weitere Interpretationsebenen finden, die andere Menschen darin entdecken könnten, und die ich selbst noch nicht gesehen oder zumindest nicht erwähnt habe.

Ein großartiger Kurzgeschichtenband eines sehr talentierten Erzählers voll von tiefer Lebensweisheit, mit eindringlicher Sprache und äußerst einfühlsamen Charakterisierungen, der zutiefst nachdenklich macht über die letzten 80 Jahre und darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein und die Gnade zu erleben, zumindest in diesem Moment im Frieden leben zu dürfen… aber auch, wie diverse vergangene Kriege in der Welt, aber vor allem auch in der Psyche der Menschen, nachwirken. Ich werde mich auf jeden Fall in nächster Zeit nun mit weiteren Werken dieses Autors beschäftigen, dieser Erzählband hat mich richtig neugierig auf sein Werk gemacht. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.05.2025

Liebe im Schatten der Projektion

Die Liebe seines Lebens. Skizze eines Temperaments
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"Die Liebe seines Lebens - Skizze eines Temperaments" von Thomas, ursprünglich unter dem Titel "The Well-Beloved" im Jahr 1897 erschienen, und nun von Reclam neu herausgebracht, ist ein Buch, das ein zeitloses ...

"Die Liebe seines Lebens - Skizze eines Temperaments" von Thomas, ursprünglich unter dem Titel "The Well-Beloved" im Jahr 1897 erschienen, und nun von Reclam neu herausgebracht, ist ein Buch, das ein zeitloses Thema behandelt: die Liebe im Schatten der Projektion und die Frage, ob und wann wir die andere Person wirklich sehen und wann wir nur unsere eigenen Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen auf sie projizieren, wenn wir zu lieben meinen.

Gemäß dem Untertitel "Skizze eines Temperaments" erleben wir diesen Roman ausschließlich aus der Perspektive eines "jungen" Mannes, Jocelyn Pierston, der zwischen seiner Heimat auf einer halbfiktiven Halbinsel im Süden Englands und London pendelt. Das Buch ist in drei Teile geteilt: im ersten geht es um den jungen Mann von zwanzig Jahren, im zweiten um den "jungen" Mann von vierzig und schließlich um den "jungen" Mann von sechzig Jahren. Schon diese Titeleinteilung macht schmunzeln und zeigt, über was für einen besonderen Humor der Autor verfügt.

Unterhaltsam und humorvoll betrachtet verfolgen wir mit, wie der zunächst wirklich junge Mann um seine Jugendliebe Avice wirbt, aber diese schließlich aufgrund einer Nichtigkeit und einer Kurzschlussreaktion für eine andere Frau stehen lässt, die er aber schließlich auch nicht heiratet. Wobei heiraten, das möchte Jocelyn meist schnell und sofort, was wohl einerseits seinem impulsiven Temperament und andererseits dem konservativen Zeitgeist geschuldet ist, in dem eine lange unverbindliche Kennenlernphase zwischen Mann und Frau wohl auch in England nicht üblich war. Doch es wird meist nichts mit der Heirat, aus verschiedenen Gründen.

Beruflich etabliert sich Jocelyn, wird ein erfolgreicher Künstler und ist materiell gut abgesichert, doch in der Liebe immer noch nicht erfüllt. Mit 40 Jahren trifft er schließlich Avice wieder, die mittlerweile eine Tochter hat, Ann-Avice, halb so alt wie Jocelyn. In dieser meint Jocelyn Spuren seiner Jugendliebe wieder zu erkennen - und nennt sie beharrlich Avice, als ob sie ihre Mutter wäre - wenngleich er auch eingestehen muss, dass sie in manchem charakterlich ihrer Mutter nicht so gleicht, aber das meint er mit Bildung und Reisen beheben zu können. Es ist wohl eine Zeit, in der sich Männer Frauen noch sehr überlegen fühlten und meinten, diese erziehen zu können, insbesondere bei so einem Altersunterschied.

Doch es wird nichts mit der Heirat mit Ann-Avice, und Jocelyn zieht seiner Wege, die Jahre gehen ins Land, bis er mit 60 Jahren noch einmal in seine Heimatregion zurückkommt und wiederum Ann-Avice trifft, deren Babytochter (davon hatte er noch mitgekriegt) nun erwachsen ist und ebenfalls - damals auf Jocelyns Wunsch hin, der die junge Familie förderte, auch wenn es das Kind eines anderen war - Avice heißt. Auch um dieses junge Mädchen wird der nun 60 Jahre alte, aber innerlich sich noch jung fühlende Mann, werben, unterstützt von der Mutter Ann-Avice, die sich wünscht, ihre Tochter gut versorgt zu wissen.

Es sind interessante Fragen, die dieses Buch aufwirft. Zum Beispiel nach den Beziehungen zwischen Männern und Frauen im Spiegel der Zeit... es macht einem noch einmal mehr bewusst, wie wichtig der Kampf für die weibliche Emanzipation und Unabhängigkeit war, wenn man sieht, wie wenig Optionen es für junge Frauen in der damaligen Zeit gab und wie abhängig sie davon waren, eine gute Partie zu machen.

Gleichzeitig zeigt sich Hardy aber auch als feinsinniger Charakterbeobachter: nicht nur Jocelyn selbst, sondern vor allem die drei Avice-Frauen sind sehr differenziert porträtiert und es ist klar wahrnehmbar, wie gut der Autor - wenn auch nicht unbedingt sein männlicher Hauptcharakter - Frauen in ihrer Vielfalt und Differenziertheit wahrnehmen und wertschätzen kann.

Auch die zeitliche Entwicklung in Richtung Emanzipation zeigt sich: so ist die Tochter deutlich freier in ihrer Lebensweise als die Mutter, und die Enkeltochter auch, noch einmal auf eine andere Art und Weise. So ist das Buch insgesamt auch ein wertvolles Zeitporträt.

Dann regt es zum Nachdenken über das Wesen der Liebe an: was ist Liebe und wann können wir unsere Gefühle als solche bezeichnen? Wo beginnt Liebe und wo endet Projektion? Wann erkennen wir einen anderen Menschen wirklich und schätzen ihn dafür, wer er im Kern ist, und woran können wir das festmachen? Was ist echte Liebe, in all ihren Facetten? Jocelyn projiziert viel auf die von ihm verehrten Frauen, aber er zeigt sich in anderer Weise, speziell materiell, auch sehr fördernd und großzügig, auch, wenn es nicht zu der von ihm gewünschten Heirat gekommen ist. Er ist ein manchmal etwas in sich verlorener und selbstbezogener, aber dann auch wieder durchaus auch großzügiger Charakter und künstlerischer Freigeist.

Und schließlich stellt das Buch auch noch die Frage, wer wir sind: unser Geist oder unser Körper und wie beides miteinander in Verbindung steht? Es spricht das zeitlose Thema an, dass viele Menschen sich innerlich oft noch jung und so wie früher fühlen, während ihr Körper altert, aber auch die Frage nach Entwicklung, Reife und danach, wer passende Partner auf Augenhöhe sein könnten.

Es ist somit insgesamt ein sehr wertvolles Buch, unterhaltsam und lustig, aber auch tiefsinnig und zum Nachdenken anregend, und eignet sich damit bestens für eine interessante Lektüre und auch für spannende Diskussionsrunden. Leseempfehlung!

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