Spannend - Leseempfehlung
HimmelerdenblauHimmelerdenblau, ein Thriller von Romy Hausmann
Verlag: Penguin
„Das Leben ist, was wir daraus machen“ (Seite 447)
Was für ein Buch. Was für ein Thriller.
Himmelerdenblau hat mich tief gepackt – an ...
Himmelerdenblau, ein Thriller von Romy Hausmann
Verlag: Penguin
„Das Leben ist, was wir daraus machen“ (Seite 447)
Was für ein Buch. Was für ein Thriller.
Himmelerdenblau hat mich tief gepackt – an meiner sensiblen Seite, an meinem Mitgefühl, an meiner Neugierde!
Julie Novak, 16 Jahre alt, verschwindet 2003 spurlos aus ihrem Elternhaus in Berlin-Grunewald. Der Vater, Prof. Dr. Theo Novak, ein angesehener Chirurg, sucht unermüdlich nach ihr. Doch ihm läuft die Zeit davon. Seine Demenz lässt immer mehr von den klaren, strukturierten Gedanken des Mannes verschwinden, der er einmal war. Und trotzdem hält er an einem einzigen Gedanken fest: Was ist mit seiner Tochter Julie passiert?
20 Jahre später rollen die True Crime Podcasterin Liv Keller und ihr Kollege Phil den Fall wieder auf. Liv, selbst gezeichnet von einer schweren Kindheit, kämpft mit alten Wunden, mit Selbstzweifeln und mit dem Wunsch, von ihrem Kollegen und Partner gesehen zu werden. Ihr Begehren nach Aufklärung, nach einem Vater wie Theo, nach Anerkennung, all das treibt sie immer tiefer in die Geschichte hinein.
Was Romy Hausmann hier erzählt, ist nicht einfach ein Thriller. Es ist das Aufreißen einer alten, noch immer blutenden Wunde. Der Schmerz ist greifbar, in Theos verwirrten Gedanken, in der verzweifelten Stimme der Schwester Sophia, die den Verlust nie verkraftet hat, im gebrochenen Leben des Ex-Freundes Daniel, der heute als Pflegekraft versucht, irgendwie zurechtzukommen.
Man spürt, wie sehr alle Beteiligten unter dem ungeklärten Verschwinden leiden und darüber hinaus die Frage: Lebt Julie noch?
Eine Mail. Ein einziges Wort. Ein Wort, das Julie als Kind erfunden hatte. Und plötzlich ist da wieder Hoffnung – oder ein perfides Spiel?
Der Thriller lebt von Perspektivwechseln, von unerwarteten Wendungen, von einem stetigen Rätseln, das nie langweilig wird. Man wird immer wieder in die Irre geführt, denkt, man ist nah dran und liegt doch wieder daneben.
Der Spannungsbogen bleibt konstant hoch, auch wenn einige Passagen etwas ausführlicher geraten sind. Doch das stört nicht – im Gegenteil: Diese Tiefe macht die Figuren greifbar.
Was mich besonders berührt hat, ist die Darstellung von Theos Demenz. Hausmann beschreibt sie so eindringlich und feinfühlig, dass man seine Verzweiflung spürt. Die klaren Momente werden seltener, die Gedanken entgleiten ihm und doch gibt es diesen einen, festen Anker in seiner Gedankenwelt: Julie!
Auch Livs Suche nach Wahrheit, nach Nähe, nach sich selbst, all das wirkt authentisch. Sie kämpft sich durch dunkle Erinnerungen und eigene Unsicherheiten, wird getrieben von einer Mischung aus journalistischem Ehrgeiz und ganz persönlicher Sehnsucht.
Und das Ende? Ich hatte irgendwann ein Gefühl, aber wurde immer wieder abgelenkt, fehlgeleitet, um dann doch ganz überrascht dazusitzen. Romy Hausmann spielt geschickt mit Erwartung und Realität.
Was bleibt? Ein fesselnder, psychologisch klug durchdachter Thriller, der nicht nur Spannung liefert, sondern tief berührt. Ein Buch über das Verschwinden, aber auch über das Suchen, das Erinnern, das Hoffen.
Und darüber, wie viele Leben zerstört werden, wenn ein Mensch einfach verschwindet.
Im Nachwort erzählt uns die Autorin, dass nicht alle Begebenheiten fiktiv sind. Einige Erzählungen stammen aus wahren Begebenheiten.
Gerne gebe ich für diesen fesselnden Thriller meine Leseempfehlung.