Interessanter Roman mit unbefriedigendem Ende
Dieser Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen: In der Gegenwart gerät das geordnete Leben des Sprachwissenschaftlers Adam Riese durcheinander, als er erfährt, dass es eine Spur zu seinem vor fast 20 ...
Dieser Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen: In der Gegenwart gerät das geordnete Leben des Sprachwissenschaftlers Adam Riese durcheinander, als er erfährt, dass es eine Spur zu seinem vor fast 20 Jahren verschwundenen Vater gibt. Obwohl Adam immer wieder unter außerplanmäßigkeitsinduzierter Panik leidet, sich mit einer Leuchtreklametafel in seinem Kopf herumschlagen muss und sämtlichen Widrigkeiten durch das Erstellen von Listen mit genau sieben Elementen begegnet, wächst er in den nächsten Tagen über sich hinaus und bringt eine wahre „Heldenreise“ hinter sich.
Parallel dazu werden Rückblicke in die Vergangenheit geworfen. Erzählt wird unter anderem von Adams Großeltern, die auf der kleinen ostfriesischen Insel Platteoog eine Bäckerei betreiben, vom Auftauchen des Leuchtturmrestaurators Hubert Riese auf Platteoog und von Adams Kindheit, wo bald offenkundig wird, dass „etwas mit dem Jungen nicht so läuft, wie es soll.“
Das Buch ist in einem angenehmen und mitreißenden Stil verfasst, weist aber dennoch einen gewissen Tiefgang auf. Man erfährt zwar (anders als der Titel suggerieren würde) so gut wie nichts über die Erfindung der Sprache oder andere Aspekte der Sprachwissenschaft. Dafür kann man aber interessante psychologische Phänomene beobachten sowie Dynamiken innerhalb einer Familie und einer Dorfgemeinschaft miterleben.
Adam ist ein sympathischer Protagonist, den ich trotz oder gerade wegen all seiner psychischen Probleme gerne begleitet habe. Doch es treten auch einige andere faszinierende und skurrile Charaktere auf, beispielsweise Adams Großmutter, die jeder Schwierigkeit mit dem passenden Essen begegnet, ein Arzt mit ständiger Bereitschaft zur Fortbildung oder eine Logopädin mit Hang zum Diminutiv.
Der einzige wesentliche Schwachpunkt ist das Ende. Nicht nur, dass zum Schluss hin einiges unrealistisch wirkt. Es bleiben auch viele Fragen offen bzw sind die Erklärungen, die für manche Ereignisse aus der Vergangenheit gegeben werden, nicht wirklich überzeugend.
Dadurch wird der an sich positive Gesamteindruck dann doch getrübt.