Fast ein neues Leben: Vom Wunsch, nicht anders zu sein - 4,5⭐️
In ihrem Erzählband „Fast ein neues Leben“ von Anna Prizkau geht es um Immigration und Integration, um den Wunsch, nicht „anders“ zu sein, sondern dazuzugehören.
Eine Familie kommt aus ihrem alten Land ...
In ihrem Erzählband „Fast ein neues Leben“ von Anna Prizkau geht es um Immigration und Integration, um den Wunsch, nicht „anders“ zu sein, sondern dazuzugehören.
Eine Familie kommt aus ihrem alten Land nach Deutschland, doch das alte Leben lässt sie nicht los.
Die Tochter und Ich-Erzählerin wird im neuen Land erwachsen, doch sie behält immer das Gefühl, hier eine Fremde zu bleiben, niemals dazuzugehören.
"Die drei Cousinen, sie waren älter, erzählten alles. Das, was ich selbst kannte, seit ich Kind war, doch niemandem erzählte Punkt nicht meinen Freundinnen, nicht meinen Freunden. Jetzt aber, nachdem ich hörte, was meine drei Cousinen sagten, erzählte ich ihnen die gleichen, ähnlichen Geschichten in dieser einen Nacht: Das fremde Leben in einer fremden Sprache in einem fremden Land. Das Lügen im neuen Land. Das Schweigen und Verschweigen. Der Wunsch, so auszusehen, so zu sprechen wie alle anderen. So zu sein wie sie. Die Angst vor dieser einen Frage: woher kommst du?"
"... ich war wie er auch anders, kam wie er auch aus einem anderen Land, aber ich hatte keinen Mut, keinen Turban, ich hatte Angst, es jemandem zu zeigen. Einfacher war es, alles zu verstecken, was anderes war. Deshalb versteckte ich meine Eltern, meine alte Sprache. Ich ahnte, dass ich mich selbst betrog."
Die Reihenfolge der Erzählungen ist nicht chronologisch, so dass sie sich erst am Ende zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Ich fand das sehr interessant gemacht.
Der Schreibstil von Anna Prizkau gefällt mir sehr gut, sehr fein und atmosphärisch.
Das Gefühl der Fremdheit und die Sehnsüchte der Protagonistin konnte ich gut nachfühlen.
Ich kann dieses Buch auf jeden Fall empfehlen!
4,5⭐️