Cover-Bild Es wird keine Helden geben
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7,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Verlag Friedrich Oetinger GmbH
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Ersterscheinung: 20.01.2014
  • ISBN: 9783862747917
Anna Seidl

Es wird keine Helden geben

Berührend, fesselnd, unfassbar: Wenn nichts mehr ist, wie es war.

Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt - aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe?

Das großartige Debüt von Anna Seidl, die erst 16 Jahre alt war, als sie diese aufwühlende Geschichte geschrieben hat: eine intensive Auseinandersetzung mit den Folgen eines Amoklaufs für die Überlebenden, mit Schuld und Trauer, schonungslos erzählt.

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Lesejury-Facts

  • Dieses Buch befindet sich bei Jecke in einem Regal.
  • Jecke hat dieses Buch gelesen.

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2026

Ein beeindruckendes Debüt, mit klarer Sprache

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Mit Ihrem Debüt hat die gerade mal 16 Jährige Anna Seidl einen tiefgründigen und berührenden Roman geschrieben, der den Leser am Ende geschockt und fassungslos zurücklässt. Sie erzählt schonungslos die ...

Mit Ihrem Debüt hat die gerade mal 16 Jährige Anna Seidl einen tiefgründigen und berührenden Roman geschrieben, der den Leser am Ende geschockt und fassungslos zurücklässt. Sie erzählt schonungslos die Geschichte eines Amoklaufs und dessen Folgen aus Sicht eines 15 Jährigen Teenagers. Dabei beschreibt sie sher authentisch wie Miriam versucht das Geschehene zu verarbeiten und damit zu leben: sie schwankt zwischen Wut, Trauer und Hass. Sie sucht Hilfe und Verständnis, lehnt dabei jedoch jeden Versuch Ihrer Familie ihr zur Seite zu stehen, ab. Sie kann die schrecklichen Bilder des Amoklaufes nicht vergessen. Lediglich die Bilder an glücklichere Tage, die in regelmäßigen Abständen die allzu düstere Gegenwart unterbrechen, scheinen kurzfristig eine Ablenkung für Miriam zu bieten. Der Leser erfährt, wie Ihr Leben vor der schrecklichen Tat gewesen ist, und rückt den Amoklauf damit noch mehr als das was er ist in das Bewusstsein des Lesers: Die grausame und gewaltsame Tat eines Einzigen die binnen Minuten das Leben einer Vielzahl an Menschen zerstört, die bis dahin scheinbar ohne Probleme miteinander Tag für Tag & Seite an Seite gelebt haben. Aus Sicht von Miriam erfährt der Leser ebenfalls wie Ihre Freundinnen mit dem Trauma umgehen, und auf welch unterschiedliche Wege sie dies verarbeiten.
Mit Ihrem Roman zeigt uns Anna Seidl wie schnell und grausam sich das Leben verändern , und das Unglück über Menschen hereinbrechen kann ,und schließlich nichts mehr so ist, wie es einmal war.
Besonders beeindruckend fand ich die Auseinandersetzung mit der Schuldfrage. Zunächst sind Miriam und Ihre Freundinnen nur Eines: Opfer einer grausamen Gewalttat. Doch nach und nach fangen Sie jede für sich an über das Geschehene nachzudenken und sich zu fragen: „Wer trägt Schuld an der Tat?“. Denn nicht nur Miriam hat den Amokläufer diskriminiert. Trägt Sie eine Mitschuld an dem Amoklauf Ihres Mitschülers und an dem Tod Ihres Freundes? Die Abgründe die sich beim lesen des Buches auftaten haben mich tief bewegt und noch lange, nachdem ich das Buch bereits zu Ende gelesen hatte, beschäftigt. Nicht nur die Frage nach dem „Warum“; sondern auch die Tatsache wie schnell sich das Leben ändern kann, wie Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen und versuchen wieder aufzustehen. Anna Seidl ist ein beeindruckendes Debüt, mit klarer Sprache gelungen, dass nicht nur Jugendliche lesen sollten.

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Veröffentlicht am 21.08.2024

✎ Anna Seidl - Es wird keine Helden geben

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„Es wird keine Helden geben“, was bei meiner Aktion „vergessene Schätze“ Zwerghuhn damals vorgestellt hatte, ist schon das zweite Jugenddrama unter meinen Büchern, welches einen Amoklauf zum Thema hat. ...

„Es wird keine Helden geben“, was bei meiner Aktion „vergessene Schätze“ Zwerghuhn damals vorgestellt hatte, ist schon das zweite Jugenddrama unter meinen Büchern, welches einen Amoklauf zum Thema hat. 2013 las ich bereits „Klassenziel“.

Schon bei den ersten Zeilen wurde ich direkt ins Jahr 2002 katapultiert. Der Amoklauf in Erfurt wird wahrscheinlich nie aus meinem Gedächtnis verschwinden. Ich selbst war damals auf einem Gymnasium, 60km entfernt. Die Angst griff um uns, obwohl wir nicht unmittelbar betroffen waren. Heute spüre ich die Angst noch intensiver, denn ab September wird mein eigenes Kind auf eine große Schule gehen …

Die Geschichte wird aus Miriams Sicht erzählt. Somit haben wir ein Opfer, welches hautnah dabei war.
Die Autorin schildert den Weg während des Amoklaufs und ganz ausführlich die Zeit danach. Oft gibt es zudem Rückblenden in das Leben vor der Tat.

Die emotionale Ebene von Miriam hat Anna Seidl gut eingefangen. Zwar konnte ich nicht wirklich mit ihr mitleiden, doch das lag eben daran, wie sie sich früher benommen hat. Ich kann ihr kein Mitleid entgegenbringen, weil ich sie vielmehr für ihre Fehler hasse. Sie und ihre Freundinnen haben sich benommen wie der letzte Dreck! Mobbing ist einfach nie ok!

»All diese Dinge bereue ich erst jetzt, wo es zu spät ist, sie noch zu ändern. Ich werde damit leben müssen. Für den Rest meines Lebens.« (S. 80)

Ja, verdammt! Und es ist richtig so in meinen Augen. Man kann sich mal daneben benehmen, aber dann sollte es auch wieder gut sein und nicht das Leben eines anderen Menschen zerstören!
Und trotzdem möchte ich den Amoklauf nicht schönreden oder gar gutheißen, denn:

»Das Leben ist eine zerbrechliche, kurze Sache. Jeder lebt nur ein einziges Mal. Jeder ist etwas Besonderes. Und deshalb zerstört man nicht nur einen Menschen, sondern eine ganze Welt. Deshalb hat niemand das Recht, eine Waffe auf dich zu richten. Niemals.« (S. 205)

Das ist dann auch etwas gewesen, was mich arg gestört hat: die Stereotypen. Miriam und ihre Freund
innen waren top, Matias hingegen fett, unbeliebt, ein Opfer.

»Ich habe ein schönes Leben. Bin beliebt, habe den perfekten Freund, die tollste beste Freundin der Welt. Ich habe keine Mutter, die Stress macht wie Joannes. Ich fühle mich einfach wunderbar und zeige das auch allen.« (S. 96)

Auch Miriams früheres Leben stößt bei mir eher auf Unverständnis. Sie war bereits früh (mit 14?) das erste Mal besoffen. Und auch die Jungfräulichkeit ist in ihrem Alter ein großes Problem. Ich finde dies sehr verantwortungslos in einem Jugendbuch, denn das setzt Lesende enorm unter Druck, obwohl es das nicht sollte.

Gut dargestellt wurden die unterschiedlichen Auswirkungen des Amoklaufs auf die unterschiedlichen Personen. Manche haben schnell „zurück“ gefunden, manche nie wieder. Obwohl mich Miriam selbst emotional nicht wirklich berühren konnte, hat es die Autorin mit einer Szene jedoch geschafft. Und diese nehme ich ihr auch ab.

Da das Attentat selbst nur am Anfang detailliert erwähnt wird, sind die Ursachen für Miriams emotionale Empfindungen leicht austauschbar. Es hätte ebenso ein Unfall mit Todesfolge oder dergleichen sein können.

Das Ende fand ich dann zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Vielleicht braucht man ein Happy End nach einer solch schweren Kost, doch dieses hier ist einfach nur unglaubwürdig.

Mich persönlich hat der Roman wenig abholen können, doch ich denke, als Klassenlektüre würde er so manchen die Augen öffnen.

©2024 Mademoiselle Cake

weitere Zitate:

»Wenn die Stille dir das Leben rettet, definierst du neu, was laut und was leise ist.« (S. 11)

»Denn das Leben ist es, wovor wir Angst haben sollten. Während der Tod die Erlösung ist, zwingt uns das Leben immer wieder in die Knie.« (S. 28)