Was macht den Menschen aus?
In einer nahen Zukunft ist es Forschern gelungen, mit einer experimentellen Therapie Krebs zu heilen. Dabei werden menschlichen Zellen durch so genannte Naniten, also Roboterzellen, ersetzt. Überwacht ...
In einer nahen Zukunft ist es Forschern gelungen, mit einer experimentellen Therapie Krebs zu heilen. Dabei werden menschlichen Zellen durch so genannte Naniten, also Roboterzellen, ersetzt. Überwacht wird dieses Projekt in Kapstadt von Dr. Mali Beeko, die sich jedoch gerade einem Problem gegenüber sieht: Der Literaturwissenschaftler Dr. Yonghun Han – ihr Patient Eins – ist verschwunden. Hat die neue Nanitentechnologie etwas damit zu tun?
„Toward Eternity“ ist der erste Roman des preisgekrönten Übersetzers Anton Hur, der zum Beispiel die Texte von Bora Chung oder Park Seolyeon ins Englische übertrug. Hurs eigenes Werk übersetzte Cornelius Reiber, wobei der Autor selbst sich dafür einsetzte, dass dessen Name auf dem Cover genannt wird. (Wie es, ehrlich gesagt, ja auch sein sollte!) Erzählt wird die Handlung aus der Perspektive der verschiedensten Figuren, mal in der Vergangenheits-, mal in der Gegenwartsform, aber immer aus der Ich-Perspektive. Das lässt uns die Geschichte sehr unmittelbar erleben.
Neben Dr. Beeko und Dr. Han spielen noch weitere wichtige Charaktere eine Rolle. Da ist zum Beispiel Ellen van der Merwe, eine Cellistin und Patientin Zwei, die nach der Nanitenbehandlung mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Oder Pandit, ein Computerprogramm für die Analyse literarischer Texte, das von Dr. Han erschaffen wurde und ein eigenes Bewusstsein zu besitzen scheint. Und schließlich sind da noch die Evas, eine Armee von Soldatinnen, die alle aus demselben Prototyp eines Nanodroiden erschaffen wurden – doch auch in ihnen regt sich ein eigener Wille. Verbunden werden die einzelnen Kapitel durch ein Notizbuch, in welchem die Figuren ihre Gedanken festhalten.
„Toward Eternity“ spricht eine Vielzahl von interessanten Themen an: Wenn alle Zellen des eigenen Körpers ersetzt werden, ist man selbst dann überhaupt noch ein Mensch? Und was macht einen Menschen aus? Existiert die Seele? Und ist die Unsterblichkeit, die mit der Behandlung einhergeht, Fluch oder Segen? Anton Hur ist hier ein grandioser Roman gelungen – nur hätte ich gerne bei manchen Figuren länger verweilt.