Ein Ort zum Wohlfühlen
Yu-jins Bücherküche der großen TräumeJahrelang stürzt Yu-jin sich nur in die Arbeit, doch dann erfährt sie durch Zufall von einem Grundstück im kleinen Dorf Soyangri, das zum Verkauf steht. Sie zögert nicht lange und eröffnet dort ihre „Bücherküche“, ...
Jahrelang stürzt Yu-jin sich nur in die Arbeit, doch dann erfährt sie durch Zufall von einem Grundstück im kleinen Dorf Soyangri, das zum Verkauf steht. Sie zögert nicht lange und eröffnet dort ihre „Bücherküche“, eine Kombination aus Café und Buchladen mit einer angeschlossenen kleinen Pension. Diese wird nicht nur für Yu-jin ein absoluter Neustart, sondern bietet auch ihrem Personal und ihren Gästen einen Ort, an dem sie sich darüber klarwerden können, was sie eigentlich vom Leben erwarten.
„Yu-jins Bücherküche der großen Träume“ ist der Debütroman der Journalistin Jee-Hye Kim, die während der Coronapandemie ihre Anstellung aufgab, um als freie Übersetzerin zu arbeiten und selbst zu schreiben. Die deutsche Übersetzung verfasste Tamina Hauser. Mit der „Bücherküche“ hat die Autorin einen Platz erschaffen, den wohl jeder Leser oder jede Leserin gerne besuchen würde. Yu-jin veranstaltet kleine Events in ihrer Buchhandlung und umsorgt ihre Gäste liebevoll, bietet aber auch Räume, um ungestört den eigenen Gedanken nachzugehen.
Der Roman wird durch alle vier Jahreszeiten hinweg erzählt, von der Pflaumenblüte im Frühling, als Yu-jin die „Bücherküche“ eröffnet, bis hin zum Winter, als sie zu einer kleinen Weihnachtsfeier für Mitarbeiter und Stammgäste einlädt. So haben wir die Chance, nicht nur Yu-jins Entwicklung und die ihres Geschäfts mitzuverfolgen, sondern auch die Träume und Sehnsüchte der Menschen kennenzulernen, die bei ihr einkaufen oder übernachten. Da ist zum Beispiel eine bekannte Sängerin, die mit dem Tod ihrer Großmutter hadert oder ein junger Mann, der nach 10 Jahren endlich seine erste Liebe wiedersieht, die ihn abrupt verlassen hat.
Wie es bei solchen episodenhaften Romanen üblich ist, bleiben natürlich auch hier Leerstellen. Die Autorin erzählt zwar das Schicksal einiger Charaktere recht ausführlich und fügt für einzelne sogar einen Epilog an, andere hängen am Ende des Buches jedoch ziemlich in der Luft. Ob das Absicht ist und vielleicht manches in einem zweiten Band aufgegriffen werden soll, kann ich nicht sagen. Die Atmosphäre in der „Bücherküche“ war hingegen wunderschön.