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Veröffentlicht am 28.03.2026

Ein wahres Kunstwerk

Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen
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In „Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ gibt die Autorin Hazel Atkinson, mit fachlicher Unterstützung durch die Historikerin Diane Purkiss, einen gelungenen, kindgerechten Überblick über die ...

In „Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ gibt die Autorin Hazel Atkinson, mit fachlicher Unterstützung durch die Historikerin Diane Purkiss, einen gelungenen, kindgerechten Überblick über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Hexerei und Magie. Dabei schafft sie den Spagat zwischen einer wissenschaftlichen Herangehensweise auf der einen Seite und einer eher spirituellen und persönlichen auf der anderen, die Magie als etwas darstellt, an das man glauben darf, wenn man möchte. Das schätze ich sehr, weil es der jungen Zielgruppe erlaubt, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.

In Kapitel 1 werden in einer Art Einleitung sehr grundlegende Fragen darüber beantwortet, was Hexen eigentlich sind oder ob alle Hexen Frauen waren. Kapitel 2 beschäftigt sich dann mit den historischen Ursprüngen von Hexerei und Magie in den unterschiedlichsten Kulturen. Hier gefällt mir besonders gut, dass das Buch sich nicht nur auf die westliche Welt beschränkt, sondern Beispiele von allen Kontinenten gezeigt werden. In Kapitel 3 geht es um das Zusammenspiel zwischen Religion, Mythen und Magie, während sich Kapitel 4 behutsam, aber ohne zu beschönigen, der Hexenverfolgung widmet. Kapitel 5 gibt schließlich einen Überblick über die Gegenwart und mögliche Ausblicke in die Zukunft.

So lernen wir zum Beispiel etwas über Circe, die Odysseus’ Männer in Schweine verwandelte, über Alice Kyteler, die als erster Mensch in Irland der Hexerei angeklagt wurde oder über Jeanne D’Arc, die im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Wir lesen über magische Pflanzen, über die Hexenprozesse in Salem oder das Zeitalter der Aufklärung – kurz gesagt: das Thema wird in all seinen Facetten beleuchtet.

„Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ steckt voller Wissen, das sorgfältig aufbereitet wurde und von dem auch Erwachsene noch etwas lernen können. Besonders in Auge stechen aber natürlich die wunderbaren Illustrationen von Camelia Pham, die unglaublich viel Charme und Lebendigkeit besitzen. Sie unterstützen den Text, lenken den Blick und machen das Buch zu einem wahren Kunstwerk.

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Französisch-japanische Backkunst

Japanisch Backen
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Die „Takumi Patisserie“ gilt als Frankreichs erste Adresse, wenn es um authentischen japanischen Cheesecake geht. Das vorliegende Buch „Japanisch Backen“ macht es nun möglich, die Rezepte aus der angesagten ...

Die „Takumi Patisserie“ gilt als Frankreichs erste Adresse, wenn es um authentischen japanischen Cheesecake geht. Das vorliegende Buch „Japanisch Backen“ macht es nun möglich, die Rezepte aus der angesagten Pariser Konditorei selbst zuhause nachzumachen. In einer kurzen Einführung wird zunächst der Begriff „Takumi“ erklärt, im Japanischen ein Meisterhandwerker, der für gute Arbeit und Perfektion steht. Anschließend folgen Gedanken über die Coffeeshop-Kultur in Japan, das Verschmelzen verschiedener Gerichte über Ländergrenzen hinweg und ein kleiner Exkurs über Geschmacksrichtungen, Texturen, Aromen und Farben.

Der Rezept-Teil ist in sechs verschiedene Bereiche untergliedert und behandelt neben Brot, Kuchen und Torten, Klein- und Feingebäck sogar Getränke. Dabei wird jedes Kapitel von der Basis her aufgebaut; es folgt also zunächst ein Grundrezept, dann eine Weiterentwicklung oder bestimmte Ausführung und schließlich verschiedene Varianten. Wir lernen also beispielsweise erst, wie man einen Vorteig anfertigt, dann den zugehörigen Brotteig und schließlich, wie dieses Brot in süßer oder herzhafter Form abgewandelt werden kann.

Besonders raffiniert ist dabei, dass das Buch auf 5 Grundrezepten von Konditorcremes und damit 5 Geschmacksrichtungen aufbaut: Schokolade, Matcha, Yuzu, Himbeere und Schwarzer Sesam. Mit diesen Varianten lässt sich nun beinahe jedes Rezept im Buch anpassen und ich kann mir, ganz nach Situation oder Laune, aussuchen, ob ich nun Matcha-Cookies oder Himbeer-Cheesecake oder Yuzu-Madeleines zubereiten möchte.

Die Rezepte vereinen dabei typisch französische Grundrezepte mit traditionell japanischen Geschmacksrichtungen oder Zutaten. Der Schwierigkeitsgrad variiert, aber durch den Mix aus salzig und süß, einfach und komplex sollte für jedes Backlevel etwas dabei sein. Die schlichte, aber stilvolle Aufmachung mit den ansprechenden, fast schon künstlerischen Fotos macht „Japanisch Backen“ außerdem zu einer Zierde für jedes Bücherregal.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Interessante Frauenfiguren

Tokyo Flower Shop – Der kleine Blumenladen der Neuanfänge
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Kikuko Kimina ist erst 24 Jahre alt, fühlt sich von ihrer Arbeit jedoch bereits völlig ausgelaugt. Durch Zufall lernt sie Rita Tojima kennen, die Besitzerin eines kleinen Blumenladens, die ihr nicht nur ...

Kikuko Kimina ist erst 24 Jahre alt, fühlt sich von ihrer Arbeit jedoch bereits völlig ausgelaugt. Durch Zufall lernt sie Rita Tojima kennen, die Besitzerin eines kleinen Blumenladens, die ihr nicht nur hilft, sich gegen ihren übergriffigen Chef zu wehren, sondern ihr übergangsweise auch einen Job in ihrem Geschäft anbietet. Und so lernt Kikuko alles über Blumen, ihre Bedeutung und wie man sie geschickt zu Sträußen bindet. Sie lernt die unterschiedlichsten Menschen und ihre Schicksale kennen und findet langsam wieder zu sich und ihren Träumen zurück.

„Tokyo Flower Shop“ von Yukihisa Yamamoto wurde im Original bereits im Jahr 2022 veröffentlicht und von Sabrina Wägerle ins Deutsche übersetzt. Wir begleiten die gesamte Zeit über die Protagonistin Kikuko, deren Geschichte in der dritten Person und der Vergangenheitsform erzählt wird. Dabei können wir hautnah ihre Entwicklung erleben: von einer sehr unsicheren und ausgebrannten Angestellten im Marketing zu einer jungen Frau, die ihre Liebe zu Blumen entdeckt hat und darüber endlich wieder ein Selbstbewusstsein für sich und ihre eigentliche Begabung als Grafikdesignerin findet.

Die Atmosphäre im Blumenladen ist einfach zum Wohlfühlen. Kikuko hat nicht nur nette Kollegen, sondern zieht als Auslieferungsfahrerin mit dem kleinen Blumenmobil des Ladens die Aufmerksamkeit auf sich. Schon bald macht ein Gerücht die Runde, dass das kleine rosa Fahrzeug Glück in der Liebe bringt. Kikuko wird überall mit Freude empfangen – und vielleicht wird sie ja auch selbst ihr Glück finden, im Beruf und in der Liebe?

Neben dem Alltag im Blumenladen werden auch wichtige Themen angesprochen, zum Beispiel sexuelle Gewalt, Trauer oder Konflikte zwischen Familienmitgliedern. Yukihisa Yamamoto erzählt dabei sehr einfühlsam und ohne Klischees von seinen hauptsächlich weiblichen Figuren in den unterschiedlichsten Altersgruppen und den Problemen, denen sie sich gegenübersehen– hier könnte sich so manch ein Autor eine Scheibe abschneiden und ich würde wirklich gerne mehr von ihm lesen.

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Gelungene Fortsetzung

Die Rätsel meines Großvaters
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Nach den schockierenden Erlebnissen ihres letzten großen Falles haben Kaede und ihr geliebter Großvater mit dem Spitznamen Himonya-san trotz allem nicht die Freude an spannenden Rätseln verloren. Dieses ...

Nach den schockierenden Erlebnissen ihres letzten großen Falles haben Kaede und ihr geliebter Großvater mit dem Spitznamen Himonya-san trotz allem nicht die Freude an spannenden Rätseln verloren. Dieses Mal untersuchen sie zum Beispiel eine mysteriöse Reihe von Suiziden oder den Fall des verschwundenen Weihnachtsmanns. Doch Kaede muss sich auch fragen, ob die Demenzkrankheit ihres Großvaters nicht bald zu weit fortgeschritten sein wird, um dieses gemeinsame Hobby noch weiterzuführen.

„Die Rätsel meines Großvaters“ ist der zweite Band der Reihe um Kaede und ihren Großvater aus der Feder von Masateru Konishi, der als Autor für Fernsehen und Radio arbeitet. Die Reihe ist als Trilogie angelegt und verarbeitet Erfahrungen, die Konishi bei der Pflege seines demenzkranken Vaters gesammelt hat. Die deutsche Übersetzung des Romans stammt von Karina Hermes. Die Struktur der einzelnen Handlungssegmente ist immer ähnlich: Kaede präsentiert ihrem Großvater einen neuen Fall und dieser löst ihn allein durch logisches Kombinieren und aus den Hinweisen, die er von der Schilderung der Ereignisse erhält.

Diese Art, ein Rätsel zu lösen, ist vielleicht nicht unbedingt immer stimmig, aber ich persönlich empfinde das auch nicht als den zentralen Kern der Romane. Für mich geht es umso mehr um die Lewy-Körper-Demenz des Großvaters, die ihn zeitweise unter Halluzinationen und Verwirrung leiden lässt; er beweist aber gleichzeitig, dass sein Verstand immer noch messerscharf ist und er die Empathie besitzt, sich in andere Menschen einzufühlen.

So lösen Kaede und er einige sehr persönliche Fälle in diesem gelungenen zweiten Band. Kaedes Freund Iwata beschäftigt das Schicksal seinen verschwundenen Vaters, Shiki – ihr anderer Freund – verhält sich seit einiger Zeit seltsam und eine Suizidwelle, die scheinbar etwas mit Alfred Hitchcocks Filmen zu tun hat, gibt der Polizei Rätsel auf. Besonders berührt hat mich der Fall um Suzu, die sich verflucht fühlt und den Großvater um Hilfe bittet – wow, was für eine Wendung! Ich bin schon sehr gespannt auf den dritten und letzten Band, auch wenn ich Kaede und ihren Großvater noch nicht verlassen möchte.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Nicht das, was ich mir vorgestellt hatte

Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung
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Als der Student Fumiya Gerüchte über eine Buchhandlung hört, in der man genau das Buch findet, das man gerade sucht, muss er einfach sein Glück versuchen. Denn sein Vater ist schwer krank und Fumiya will ...

Als der Student Fumiya Gerüchte über eine Buchhandlung hört, in der man genau das Buch findet, das man gerade sucht, muss er einfach sein Glück versuchen. Denn sein Vater ist schwer krank und Fumiya will ihm unbedingt noch ein ganz bestimmtes Buch zurückgeben, das er einmal von ihm geliehen und dann verloren hatte. In der kleinen Buchhandlung mit Teesalon nördlich von Tokio findet er nicht nur das passende Buch, sondern auch einen Nebenjob und neue Kollegen.

„Kirschblüte in der Freitagsbuchhandlung“ ist der erste Band einer aus insgesamt vier Teilen bestehenden Reihe der Schriftstellerin Sawako Natori über die namensgebende Buchhandlung, ihr Personal und ihre Kundschaft. Die Übersetzung erfolgte jedoch aus dem Französischen, nicht aus dem japanischen Original, und wurde von Nadine Lipp ins Deutsche übertragen. Der Roman spielt sich hauptsächlich in und in der näheren Umgebung des Buchladens ab, nur manchmal machen wir einen Ausflug in das Privatleben des Protagonisten Fumiya.

Ich will ganz ehrlich sein: Die Prämisse einer Buchhandlung, die genau das Buch parat hat, das man gerade braucht, klang einfach wunderbar. In der Realität geht es zwar tatsächlich in jedem Kapitel um ein bestimmtes Buch und dessen Bedeutung für die Figuren, doch daran ist nichts weiter Magisches. Eine Person betritt das Geschäft und findet das gesuchte Buch, weil die Buchhandlung über ein sehr großes Lager verfügt. Das war’s, irgendwie schade, oder? Noch dazu stellt sich mir die Frage nach dem Titel. Warum heißt die Buchhandlung „Freitagsbuchhandlung“? Und überhaupt: Im gesamten Buch ist keine einzige Kirschblüte zu finden, warum ist die im Titel so prominent?

Auch die Handlung rund um das Personal der Buchhandlung ist etwas spröde. Student Kumiya verliebt sich beinahe sofort in Chefin Makino, die selbst jemandem nachzutrauern scheint. Chefkoch Sugawa geizt mit Worten und Ladenbesitzer Yasu ist ein sprödes Großmaul, das Verbindungen zur Yakuza haben soll. Alles irgendwie etwas wirr und leider so gar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte!

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