Ein Buch, das zu viel will
Good Girl ExitFrauen sollen sich anpassen, immer nett sein, eben ein echtes „Good Girl“ – doch was wäre, wenn damit Schluss ist? In ihrem ersten Buch „Good Girl Exit“ beschäftigt sich die Journalistin, Autorin und Content ...
Frauen sollen sich anpassen, immer nett sein, eben ein echtes „Good Girl“ – doch was wäre, wenn damit Schluss ist? In ihrem ersten Buch „Good Girl Exit“ beschäftigt sich die Journalistin, Autorin und Content Creatorin Silvi Carlsson damit, wie wir uns dieser Rolle, die für uns Frauen vorgesehen zu sein scheint, ein für alle Mal entziehen.
Im ersten Teil des Buches springt sie nur so von Thema zu Thema. Von Scham und Schuldgefühlen über das Muttersein, von der Beautyindustrie zu Britney Spears, vom Male Gaze zu Beziehungen und Sisterhood. Jedes Kapitel kann demzufolge nur sehr kurz auf das Schlagwort in der Überschrift eingehen, dazwischen streut die Autorin eigene Erfahrungen ein und verweist auf Autorinnen, die der aktuellen Thematik ein ganzes Buch gewidmet haben. So fühlte ich persönlich mich einfach nur noch gehetzt, während Silvi Carlsson versucht, einfach viel zu viel in ein einziges Buch zu pressen.
Im zweiten Teil soll es dann eigentlich darum gehen, wie wir diesen „Good Girl Exit“ schaffen können, aber die Lösung bleibt wenig konkret. Im Prinzip sollen wir uns einfach weniger mit Männern beschäftigen und solidarisch sein. Dann folgen noch ein paar Beispiele aus anderen Ländern, wie Korea, Liberia oder Island, die zwar interessant sind, aber keinerlei Bogen zur Situation in Deutschland schlagen (können).
Alles in allem bleibt das Gefühl, dass Silvi Carlsson in diesem Buch einfach zu viel will: jedes Schlagwort behandeln, jedes Werk von Kolleginnen anbringen, Beispielfälle aus den Medien und dann noch ihre persönliche Geschichte einweben. Und all das ist natürlich gut und auch legitim, dennoch wünschte ich, sie hätte sich auf eine Sache beschränkt: entweder ein Sachbuch über das Thema der weiblichen Verfügbarkeit oder ein Memoir über ihren persönlichen Weg. Beides zusammen nimmt der jeweils anderen Sache, in meinen Augen, wertvollen Raum.
Fazit: Interessant für einen Einstieg ins Thema. Wer jedoch bereits die im Buch genannten Werke kennt, wird hier wenig Neues finden und Silvi Carlssons eigener Weg verschwindet zwischen Schlagworten.