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Veröffentlicht am 09.08.2026

Ein Buch, das zu viel will

Good Girl Exit
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Frauen sollen sich anpassen, immer nett sein, eben ein echtes „Good Girl“ – doch was wäre, wenn damit Schluss ist? In ihrem ersten Buch „Good Girl Exit“ beschäftigt sich die Journalistin, Autorin und Content ...

Frauen sollen sich anpassen, immer nett sein, eben ein echtes „Good Girl“ – doch was wäre, wenn damit Schluss ist? In ihrem ersten Buch „Good Girl Exit“ beschäftigt sich die Journalistin, Autorin und Content Creatorin Silvi Carlsson damit, wie wir uns dieser Rolle, die für uns Frauen vorgesehen zu sein scheint, ein für alle Mal entziehen.

Im ersten Teil des Buches springt sie nur so von Thema zu Thema. Von Scham und Schuldgefühlen über das Muttersein, von der Beautyindustrie zu Britney Spears, vom Male Gaze zu Beziehungen und Sisterhood. Jedes Kapitel kann demzufolge nur sehr kurz auf das Schlagwort in der Überschrift eingehen, dazwischen streut die Autorin eigene Erfahrungen ein und verweist auf Autorinnen, die der aktuellen Thematik ein ganzes Buch gewidmet haben. So fühlte ich persönlich mich einfach nur noch gehetzt, während Silvi Carlsson versucht, einfach viel zu viel in ein einziges Buch zu pressen.

Im zweiten Teil soll es dann eigentlich darum gehen, wie wir diesen „Good Girl Exit“ schaffen können, aber die Lösung bleibt wenig konkret. Im Prinzip sollen wir uns einfach weniger mit Männern beschäftigen und solidarisch sein. Dann folgen noch ein paar Beispiele aus anderen Ländern, wie Korea, Liberia oder Island, die zwar interessant sind, aber keinerlei Bogen zur Situation in Deutschland schlagen (können).

Alles in allem bleibt das Gefühl, dass Silvi Carlsson in diesem Buch einfach zu viel will: jedes Schlagwort behandeln, jedes Werk von Kolleginnen anbringen, Beispielfälle aus den Medien und dann noch ihre persönliche Geschichte einweben. Und all das ist natürlich gut und auch legitim, dennoch wünschte ich, sie hätte sich auf eine Sache beschränkt: entweder ein Sachbuch über das Thema der weiblichen Verfügbarkeit oder ein Memoir über ihren persönlichen Weg. Beides zusammen nimmt der jeweils anderen Sache, in meinen Augen, wertvollen Raum.

Fazit: Interessant für einen Einstieg ins Thema. Wer jedoch bereits die im Buch genannten Werke kennt, wird hier wenig Neues finden und Silvi Carlssons eigener Weg verschwindet zwischen Schlagworten.

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Veröffentlicht am 02.08.2026

Arbie und Val ermitteln wieder

Mord im Studierzimmer
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Arbie schreibt gerade am zweiten Teil seines Geisterreiseführers für Großbritannien und möchte eigentlich nur die Einladung der Eigentümer des neuen, luxuriösen Hotels Dashwood House in vollen Zügen auskosten. ...

Arbie schreibt gerade am zweiten Teil seines Geisterreiseführers für Großbritannien und möchte eigentlich nur die Einladung der Eigentümer des neuen, luxuriösen Hotels Dashwood House in vollen Zügen auskosten. Doch dann trifft nicht nur eine ganze Festgesellschaft für eine Verlobungsfeier ein, sondern unter ihnen ist auch noch seine Kindheitsfreundin Val, mit der er im letzten Jahr einen Mord aufgeklärt hat. Und Val weiß genau, was sie will: Arbies Sekretärin werden, um nicht allzu bald heiraten zu müssen. Als schließlich ein Gast tot aufgefunden wird, müssen die beiden einfach wieder gemeinsam ermitteln.

„Mord im Studierzimmer“ ist bereits der zweite Band der Reihe rund um Arbie und Val aus der Feder der britischen Autorin Faith Martin. Die deutsche Übersetzung verfasste auch hier Karin Dufner. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Arbie und Val, die beide jeweils ihre Stärken und Schwächen bei der Mordermittlung haben. Arbie strotzt nur so vor Faulheit und würde am liebsten gar nichts tun. Hat er jedoch einmal eine Fährte aufgenommen, führt die ihn zielsicher zum Täter. Val hingegen kommt immer dann ins Spiel, wenn eine Person gebraucht wird, der andere vertrauen. Das ist hinsichtlich der Geschlechterrollen natürlich etwas klischeehaft, das Buch spielt allerdings auch in den 1920er Jahren, wo das wohl zu erwarten ist.

Die Reihe lebt definitiv von der Dynamik zwischen der selbstbewussten Val und dem Lebemann Arbie. Dessen Tätigkeit als Autor von Reiseführern für Geisterjäger bringt ihn immer wieder in kuriose Situationen; in diesem Band sucht er beispielsweise den Geist eines geheimnisvollen Reiters und lauert ihm in einer herrlichen Szene gemeinsam mit Val auf. Diese Episoden lockern das eigentliche Kriminalgeschehen auf, welches intelligent konstruiert ist und zum Mitraten einlädt. Besonders gut gefällt mir auch, dass die Autorin – zumindest bisher – ihren beiden Hauptcharakteren keine Liebesgeschichte andichtet. Ich bin gespannt, wie sich das in den weiteren Bänden entwickeln wird.

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Veröffentlicht am 16.07.2026

Wichtiges Buch, das traurig, wütend und hoffnungsvoll zugleich macht

Unshame
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Louisa Dellert ist Content Creatorin und Moderatorin. Ursprünglich begann sie auf Social Media mit einem Account als Fitnessinfluencerin, bis sich dieser Weg für sie als der Falsche erwies. Heute setzt ...

Louisa Dellert ist Content Creatorin und Moderatorin. Ursprünglich begann sie auf Social Media mit einem Account als Fitnessinfluencerin, bis sich dieser Weg für sie als der Falsche erwies. Heute setzt sie sich für eine positive Einstellung zum eigenen Körper ein und spricht auf Instagram neben ihrem Buchcafé SISU LOU, dem Leben mit Partner und einer Horde Kuscheltiere auch ganz persönlich über den täglichen Kampf, wertschätzend zu sich selbst zu sein.

Ebenso persönlich ist ihr erstes Buch „Unshame“, ein Mix aus Sachbuch, Ratgeber und autobiografischen Elementen. Hier beschäftigt sich Louisa Dellert mit einer Vielzahl von wichtigen Themen, angefangen bei Schönheitsidealen, Diäten und der Debatte um Body Positivity über Filter auf Social Media, die Sexualisierung der weiblichen Brust oder Beauty-OPs. Besonders gut gefällt mir dabei, dass für die Autorin nicht immer nur alles schwarz oder weiß ist. Wir müssen nicht von heute auf morgen alles an unserem Körper mögen. Und auch wenn wir ihn mögen, dürfen wir uns Veränderungen an ihm wünschen.

Wichtig finde ich auch, dass Louisa Dellert sehr genau weiß, dass sie aus einer privilegierten Position heraus schreibt. Das betont sie im Verlauf des Buches immer wieder und verweist daher auch auf andere Personen wie beispielsweise Tupoka Ogette oder Melodie Michelberger. Ergänzt wird dies durch eine Liste ganz am Ende, in welcher Louisa Dellert teilt, welche Menschen sie inspirieren und diese in kurzen Worten vorstellt. Denn schließlich ist Solidarität einer der Schlüssel zu Veränderung.

„Unshame“ ist ein Buch, das traurig und wütend zugleich macht. Wie schön wäre eine Welt, in der wir alle unseren Körper positiv annehmen könnten, in der wir nicht immer danach beurteilt würden, wie dünn oder wie schön wir sind, ob unsere Beine rasiert sind oder ob wir unsere Kinder in der Öffentlichkeit stillen. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass eine ganze Industrie ein Interesse daran hat, dass wir stattdessen lieber alles an uns verändern wollen. Umso wichtiger, dass Louisa Dellert sich dem in aller Ehrlichkeit entgegenstellt.

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Veröffentlicht am 02.07.2026

Nicht unbedingt Fang Fangs stärkstes Werk, aber immer noch sehr lesenswert

Ich geh' jetzt los und bring mich um
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He Hanqing ist in ihrer Familie das Mädchen für alles. Pausenlos kümmert sie sich um den Haushalt und die Wünsche ihrer Schwiegereltern, der Schwägerin und ihres Mannes. Obwohl sie unter chronischer Verstopfung ...

He Hanqing ist in ihrer Familie das Mädchen für alles. Pausenlos kümmert sie sich um den Haushalt und die Wünsche ihrer Schwiegereltern, der Schwägerin und ihres Mannes. Obwohl sie unter chronischer Verstopfung leidet, bleibt ihr nicht einmal genug Zeit, um in Ruhe auf die Toilette zu gehen. Nebenbei verdient sie auch noch Geld als Reinigungskraft, während ihr Mann nach seiner Entlassung in der eigenen Werkstatt kleine Autos aus Holz schnitzt. Als eine Bekannte von Hanqing mit Selbstmord droht, findet sie das erst ziemlich albern, aber dann beginnt der Gedanke auch in ihrem Kopf Form anzunehmen.

„Ich geh jetzt los und bring mich um“ ist der neuste Roman aus der Feder von Fang Fang und wurde von Karin Betz ins Deutsche übersetzt. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistin Hanqing, so dass wir beim Lesen all ihre Frustration und Verzweiflung, aber auch ihre Zerrissenheit zu spüren bekommen. Denn eigentlich will sie gar nicht sterben, sie will nur einfach ein anderes Leben, in dem sie als Mensch geschätzt und geachtet wird.

Wie es in China traditionell üblich ist, zog Hanqing nach der Heirat bei der Familie ihres Mannes ein. Ihr obliegen nun sämtliche Aufgaben und damit auch die Pflege der Schwiegereltern, die auf sie herabschauen, weil sie vom Land stammt und nicht besonders intelligent ist. Selbst Hanqings Sohn, der für sein Studium weggezogen ist, meldet sich nur dann bei seiner Mutter, wenn er Geld braucht. Im Gegensatz dazu ist sie bei den Nachbarn und all ihren Bekannten hoch angesehen und erhält dort mehr Freundlichkeit, als im eigenen Zuhause.

Alles verändert sich, als Hanqing das Haus verlässt, um sich das Leben zu nehmen – und doch bleibt andererseits auch alles so, wie es vorher war. Das macht den Roman ebenso frustrierend wie realistisch. Am Ende ist nur von Bedeutung, dass es Hanqing gelingt, eine Entscheidung zu treffen, die über ihre weitere Zukunft bestimmen wird. Für mich ist „Ich geh jetzt los und bring mich um“ nicht unbedingt Fang Fangs stärkstes Werk, aber immer noch sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Eine Reihe für die Seele

Eine Prise Glück im Restaurant der verlorenen Rezepte (Die Food Detectives von Kyoto 3)
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In einer Seitengasse in Kyoto liegt ganz versteckt das kleine Restaurant des Witwers Nagare Kamogawa und seiner Tochter Koichi. Die beiden sind nach dem Tod der Ehefrau bzw. Mutter ein eingespieltes Team, ...

In einer Seitengasse in Kyoto liegt ganz versteckt das kleine Restaurant des Witwers Nagare Kamogawa und seiner Tochter Koichi. Die beiden sind nach dem Tod der Ehefrau bzw. Mutter ein eingespieltes Team, auch wenn sie sich gerne gegenseitig aufziehen. Vor allem Katze Hirune (=Mittagsschlaf) sorgt regelmäßig für Streitigkeiten, weil Nagare sie nicht im Gastraum haben will. Gemeinsam erfüllen die beiden sehnsüchtigsten Essenswünsche der Menschen, die ihr Restaurant aufsuchen.

„Eine Prise Glück im Restaurant der verlorenen Rezepte“ von Hisashi Kashiwai ist bereits der dritte Band aus der Reihe rund um Vater-Tochter-Gespann auf der Suche nach den Lieblingsgerichten ihrer Kundschaft. Die deutsche Übersetzung verfasste Kristine Kress. Der Ablauf der Handlung ist dabei aus den ersten beiden Teilen gut bekannt: Ein Gast sucht das Restaurant der Kamogawas mit dem Wunsch nach einem bestimmten Rezept auf, beide machen sich an die Arbeit und zum Schluss wird das Gericht serviert und alle sind zufrieden. Das mag zwar sehr gleichförmig klingen, ist aber einfach herrlich entspannend und unterhaltsam.

Auch in diesem Band sind wieder sechs ganz unterschiedliche Geschichten vereint. Da ist zum Beispiel ein Sohn, der das Gefühl hat, seinen Vater enttäuscht zu haben, weil er nicht – wie er selbst – Noh-Schauspieler geworden ist. Oder eine Pianistin, die noch einmal die Yakisoba essen möchte, die ihre erste Liebe für sie gekocht hat. Besonders beeindruckt hat mich jedoch die junge Frau, die den Krokettenstand finden möchte, an dem sie als Kind immer gestohlen hat – diese Geschichte hat eine besonders schöne Wendung.

Es geschieht nicht allzu viel in den Bänden rund um das „Restaurant der verlorenen Rezepte“, aber jede Episode lässt uns einen kurzen Einblick in das Leben von Menschen werfen, die etwas bereuen oder jemanden vermissen. Besonders schön finde ich auch Nagares Einstellung zum Essen: Ein Gericht muss keine Sterneküche sein, um einem Menschen etwas zu bedeuten. Gerade einfaches Essen hat einen gewissen Zauber an sich – vor allem, wenn es jemand zubereitet hat, der uns liebt.

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