Wie ein kleines Familientreffen
Das Postamt der verlorenen BriefeDie junge Wissenschaftlerin Risa Katō hat sich eine 1-monatige Auszeit von ihrem Job an der Universität genommen, um in einem Postamt auf der kleinen Insel Awashima ein ganzes Archiv voller verlorener ...
Die junge Wissenschaftlerin Risa Katō hat sich eine 1-monatige Auszeit von ihrem Job an der Universität genommen, um in einem Postamt auf der kleinen Insel Awashima ein ganzes Archiv voller verlorener Briefe zu katalogisieren. Als Tochter eines Briefträgers liegt ihr Post am Herzen, die den Weg zu ihrem Empfänger nie gefunden hat. Doch Risa hat noch ein weiteres Ziel, denn sie ist sicher, dass ihre Mutter, zu der sie keine einfache Beziehung hatte, vor ihrem Tod ihre Briefe an das kleine Postamt auf Awashima geschickt. Die muss Risa unbedingt finden, denn vielleicht kann sie dann ja endlich verstehen, was ihre Mutter durchgemacht hat.
„Das Postamt der verlorenen Briefe“ ist bereits der vierte Roman der italienischen Schriftstellerin Laura Imai Messina, die mit ihrem japanischen Ehemann und zwei Kindern bei Tokio lebt. Die Übersetzung aus dem Italienischen verfasste Judith Schwaab. Unter den vier Romanen ist dieser bereits der dritte, der eine Geschichte rund um einen realen Ort erzählt, denn das kleine Postamt auf der Insel Awashima existiert tatsächlich. Dort werden Briefe aufbewahrt, die den Adressaten nie erreichen konnten. Vielleicht, weil derjenige schon verstorben ist, weil es sich um einen Brief in die Zukunft handelt oder an ein unbelebtes Objekt. Die Besucher können sich die Briefe ansehen und einen mitnehmen, falls dieser an sie selbst gerichtet sein sollte.
Um diesen magischen Ort herum baut die Autorin nun ihre Handlung auf. Risa hat stark unter dem wechselhaften Verhältnis zu ihrer Mutter gelitten, die ab einem gewissen Zeitpunkt in ihrer Kindheit kaum noch psychisch für sie zu erreichen war. Seitdem meidet die junge Frau, bis auf ihre beste Freundin Sayaka, den Kontakt zu neuen Menschen und fürchtet, eines Tages wie die eigene Mutter zu werden. Deren Briefe sollen ihr sagen, ob das tatsächlich eintreten wird.
Laura Imai Messina ist wieder ein besonderer Roman gelungen und ich liebe es, dass sie mit ihren Werken einen eigenen kleinen Kosmos erschafft. Dieses Mal sehen wir Charaktere aus allen drei Vorgängerromanen wieder und es fühlt sich wie ein kleines Familientreffen an.