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Veröffentlicht am 24.06.2026

Wie ein kleines Familientreffen

Das Postamt der verlorenen Briefe
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Die junge Wissenschaftlerin Risa Katō hat sich eine 1-monatige Auszeit von ihrem Job an der Universität genommen, um in einem Postamt auf der kleinen Insel Awashima ein ganzes Archiv voller verlorener ...

Die junge Wissenschaftlerin Risa Katō hat sich eine 1-monatige Auszeit von ihrem Job an der Universität genommen, um in einem Postamt auf der kleinen Insel Awashima ein ganzes Archiv voller verlorener Briefe zu katalogisieren. Als Tochter eines Briefträgers liegt ihr Post am Herzen, die den Weg zu ihrem Empfänger nie gefunden hat. Doch Risa hat noch ein weiteres Ziel, denn sie ist sicher, dass ihre Mutter, zu der sie keine einfache Beziehung hatte, vor ihrem Tod ihre Briefe an das kleine Postamt auf Awashima geschickt. Die muss Risa unbedingt finden, denn vielleicht kann sie dann ja endlich verstehen, was ihre Mutter durchgemacht hat.

„Das Postamt der verlorenen Briefe“ ist bereits der vierte Roman der italienischen Schriftstellerin Laura Imai Messina, die mit ihrem japanischen Ehemann und zwei Kindern bei Tokio lebt. Die Übersetzung aus dem Italienischen verfasste Judith Schwaab. Unter den vier Romanen ist dieser bereits der dritte, der eine Geschichte rund um einen realen Ort erzählt, denn das kleine Postamt auf der Insel Awashima existiert tatsächlich. Dort werden Briefe aufbewahrt, die den Adressaten nie erreichen konnten. Vielleicht, weil derjenige schon verstorben ist, weil es sich um einen Brief in die Zukunft handelt oder an ein unbelebtes Objekt. Die Besucher können sich die Briefe ansehen und einen mitnehmen, falls dieser an sie selbst gerichtet sein sollte.

Um diesen magischen Ort herum baut die Autorin nun ihre Handlung auf. Risa hat stark unter dem wechselhaften Verhältnis zu ihrer Mutter gelitten, die ab einem gewissen Zeitpunkt in ihrer Kindheit kaum noch psychisch für sie zu erreichen war. Seitdem meidet die junge Frau, bis auf ihre beste Freundin Sayaka, den Kontakt zu neuen Menschen und fürchtet, eines Tages wie die eigene Mutter zu werden. Deren Briefe sollen ihr sagen, ob das tatsächlich eintreten wird.

Laura Imai Messina ist wieder ein besonderer Roman gelungen und ich liebe es, dass sie mit ihren Werken einen eigenen kleinen Kosmos erschafft. Dieses Mal sehen wir Charaktere aus allen drei Vorgängerromanen wieder und es fühlt sich wie ein kleines Familientreffen an.

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Veröffentlicht am 18.06.2026

Wohlfühlroman über die wichtigen Dinge im Leben

Der vergessene Wald
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Die Architektin Saskia Tilbury-Martin hat ein ehrgeiziges Projekt. Sie will die Schlossruine von Gair aufwändig restaurieren, die sie schon seit ihrer Kindheit liebt. Doch da diese mitten im Wald liegt ...

Die Architektin Saskia Tilbury-Martin hat ein ehrgeiziges Projekt. Sie will die Schlossruine von Gair aufwändig restaurieren, die sie schon seit ihrer Kindheit liebt. Doch da diese mitten im Wald liegt und die Pläne kompliziert umzusetzen sind, hat sie bisher keinen Bauleiter gefunden. Dann trifft sie auf Owen Eliott, der das Geld wirklich gut gebrauchen könnte – und irgendwie findet er Saskias Vorhaben auch spannend. Für seinen Geschmack ist die Bauherrin allerdings zu reich, zu schwierig – und will außerdem direkt neben der Baustelle ihr Tiny House aufstellen.

„Der vergessene Wald“ ist bereits der fünfte Roman der britischen Autorin Sharon Gosling und wurde, wie auch schon die Vorgänger, von Sibylle Schmidt ins Deutsche übertragen. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Saskia und Owen erzählt, die auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Leben führen. Saskia hat genug Geld, um sich in ein wahnwitziges Architekturprojekt zu stürzen, während Owen Schulden hat und sich mit seiner Frau und Tochter nicht einmal ein kleines Häuschen in der Gegend leisten kann. Nach und nach finden beide aber heraus, dass sie weniger trennt, als sie denken.

An Sharon Goslings Romanen schätze ich vor allem, dass es in ihnen zwar um Liebe geht, nie aber eine klassische Romanze im Vordergrund steht. Ja, Charaktere verlieben sich, aber auch andere Formen der Liebe spielen eine große Rolle: die Liebe zu unseren Freunden, zu unserer Familie, zur Natur und zum eigenen Beruf. Saskia hat ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet, diese Ruine zu restaurieren, weil sie als Kind dort viel Zeit mit ihrem verstorbenen Vater verbrachte. Seit seinem Tod hat sie kein einfaches Leben gehabt und musste vieles überwinden. Auch Owen hat sich alles eigentlich anders vorgestellt: die Ehe zu seiner Frau Tasha kriselt stark und dann wird Saskias Bauprojekt auch noch von außen sabotiert.

„Der vergessene Wald“ ist ein richtiger Wohlfühlroman über die Dinge, die uns im Leben wichtig sind. Besonders schön fand ich auch die kleine Anspielung auf alte Bekannte, die wir schon aus einem vorherigen Roman kennen.

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Veröffentlicht am 11.06.2026

Stark vereinfachte Botschaft

Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche
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Shûichi Okadas Leben verläuft nicht wirklich nach Plan. Gerade erst hat er in seinem Beruf als Versicherungsvertreter 20 Kunden auf einmal verloren. Seine Tochter will schon seit Monaten nicht mehr zur ...

Shûichi Okadas Leben verläuft nicht wirklich nach Plan. Gerade erst hat er in seinem Beruf als Versicherungsvertreter 20 Kunden auf einmal verloren. Seine Tochter will schon seit Monaten nicht mehr zur Schule gehen und nun möchte auch noch seine Mutter dringend etwas mit ihm besprechen. Auf dem Weg zur Schule seiner Tochter steigt er auf einmal in ein seltsames Taxi. Der Fahrer verspricht, ihn stets dorthin zu bringen, wo sein Leben eine große Veränderung nehmen kann. Doch auch Okada-san muss seinen Teil zu diesem Handel beitragen.

In Japan ist Yasushi Kitagawa bereits Bestsellerautor und gilt als „der Schriftsteller, der Leben verändert“. „Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche“ ist sein erster Roman, der auf Deutsch erschienen ist, die Übersetzung verfasste Bernd Sambale. Erzählt wird die Handlung aus der Sicht des Protagonistin Shûichi, so dass wir hautnah Zeuge der Veränderung werden, die er im Laufe der Geschichte durchmacht.

Zu Beginn ist Okada-san ein echter Griesgram, der davon überzeugt ist, dass sein Leben schon immer nur von Pech durchzogen ist. Weil er auf einen Schlag so viele Kunden verloren hat, stellt er sich bereits auf seine Kündigung ein und darauf, seiner Frau erklären zu müssen, dass der geplante Urlaub storniert werden muss. Als er dann schließlich auf den namenlosen Taxifahrer trifft, ist er zunächst wenig überzeugt – das muss doch alles Unsinn sein! Doch nach und nach verändert sich seine Einstellung zum eigenen Leben.

„Okada-sans wundersame Reise mit dem Taxi der geheimen Wünsche“ ist ein typischer Roman des japanischen magischen Realismus. Die Botschaft ist hier ganz klar: wer Gutes tut und positiv denkt, der kann den Punktestand auf seinem Karmakonto irgendwann einlösen. Ich bin da eher auf Shûichis Seite, der (zumindest am Anfang) darauf hinweist, dass es durchaus Menschen gibt, die einen schlechten Start ins Leben hatten und die eben nicht nur lächeln und positiv sein müssen, um über die Runden zu kommen. Mir ist zwar klar, was der Autor hier aussagen wollte, aber mir persönlich war diese Botschaft zu einfach.

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Veröffentlicht am 01.06.2026

Spannender Thriller

Tokyo
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Tokyo, 1990. Mehrere Morde an Kindern erschüttern die Bevölkerung. Kommissar Saeki steht unter Druck, die Fälle schnell aufzuklären, liegt sein rasanter Aufstieg die Karriereleiter hinauf doch auch in ...

Tokyo, 1990. Mehrere Morde an Kindern erschüttern die Bevölkerung. Kommissar Saeki steht unter Druck, die Fälle schnell aufzuklären, liegt sein rasanter Aufstieg die Karriereleiter hinauf doch auch in bestimmten familiären Beziehungen begründet. Gleichzeitig irrt Matsumoto durch die Straßen, völlig verzweifelt und auf der Suche nach einem neuen Sinn in seinem Leben. Als er diesen in einer Sekte findet, geht es für ihn endlich wieder bergauf. Dann aber bemerkt er erste Unstimmigkeiten und hört Gerüchte über dunkle Machenschaften in den höheren Rängen. Was spielt sich hinter den Kulissen der Sekte ab?

„Tokyo. Schwarzer Sommer“ ist der Debütroman des japanischen Schriftstellers Tokuro Nukui und erschien im Original bereits 1993. Die deutsche Übersetzung verfasste Heike Patzschke. Die Geschichte wird im Wechsel aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt: auf der einen Seite verfolgen wir die Ermittlungen rund um die mysteriöse Mordserie, auf der anderen Seite beobachten wir das Abgleiten eines verzweifelten Mannes in die Fänge einer Sekte. Es ist klar, dass diese beiden Stränge sich irgendwann treffen werden, wann und wie bleibt aber lange unklar.

Der Thriller gibt einen guten Einblick in die Strukturen der japanischen Polizei. Saeki ist ein so genannter Karrierebeamter, der durch entsprechende Förderung viel schneller einen hohen Rang erreicht hat, als das bei andere Kandidaten möglich wäre. Das macht ihn bei seinen Kollegen nicht besonders beliebt, so dass er mit Anfeindungen zu kämpfen hat und jeder nur darauf wartet, dass er einen Fehler macht. Auf der anderen Seite stehen Glaubensgemeinschaften im Fokus, die Menschen in bestimmten Lebenssituationen ausnutzen. An Matsumotos Beispiel wird sehr deutlich, wie eine solche Sekte den Selbstwert eines Menschen zu eigenen Zwecken wieder aufbaut und eine Art Ersatzfamilie vortäuscht.

Lange war ich überzeugt, durchschaut zu haben, wie die beiden Handlungsstränge zusammenhängen, doch dann kam am Ende noch ein echtes Überraschungsmoment. Gestört hat mich jedoch, dass nicht alle Fälle aufgeklärt werden – ich hoffe, es existiert ein Folgeband?

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Veröffentlicht am 31.05.2026

Tolle Einführung in die koreanische Küche

Cook Korea!
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Egal ob Kimchi, Tteokbokki oder Gimbap – die koreanische Küche hat auch in Deutschland viele Fans. In seinem neusten Kochbuch „Cook Korea!“ stellt uns der Koch und frühere MasterChef-Teilnehmer Billy Law ...

Egal ob Kimchi, Tteokbokki oder Gimbap – die koreanische Küche hat auch in Deutschland viele Fans. In seinem neusten Kochbuch „Cook Korea!“ stellt uns der Koch und frühere MasterChef-Teilnehmer Billy Law viele Klassiker der koreanischen Küche vor und zeigt, wie man sie zubereitet und was hinter ihnen steckt. In seiner kurzen Einleitung erzählt er von der Liebe zur koreanischen Küche und was sie für ihn so besonders macht.

Anschließend folgen Rezepte in insgesamt acht Kategorien: Kimchi, Streetfood, Anju (Snacks), Reis & Nudeln, Suppen & Eintöpfe, koreanisches Festessen, Banchan (Beilagen) sowie Saucen & Dips. Jede Kategorie wird mit einen knappen, erklärenden Text eingeleitet und listet dann die jeweiligen Rezepte auf. Auch jedes einzelne Rezept verfügt über einen Einführungstext, den koreanischen und übersetzten Namen des Gerichts sowie Zutaten, Zubehör und Zubereitungshinweise. Oft werden auch Variationen vorgestellt, so dass ganz nach den eigenen Wünschen gekocht werden kann.

Neben den Rezepten stechen sofort auch die tollen Fotografien von Daniel Herrmann-Zoll und Haeri Lee ins Auge. Es wird nicht nur jedes Gericht mit einem Bild präsentiert, das einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt, sondern es sind auch immer wieder Doppelseiten eingebunden, die Impressionen aus Korea zeigen und die Reiselust wecken. Die bunten grafischen Seiten zu Beginn einer jeden Kategorie und der Farbschnitt ergänzen die Gestaltung und schaffen ein modernes, ansprechendes Layout.

„Cook Korea!“ ist eine wahre Fundgrube für alle, die selbst in die koreanische Küche einsteigen und die Zubereitung der klassischen Gerichte erlernen wollen. Hier ist für jeden Schwierigkeitsgrad, jede Jahreszeit und jeden Geschmack etwas Passendes dabei, seien es Pfannkuchen in allen Variationen, Korean Fried Chicken oder die aus der Serie „Squid Game“ bekannten Zuckerplätzchen. Zu jedem Gericht gibt Billy Law interessante Tipps zur Zubereitung oder der Beschaffung bestimmter Komponenten des Rezepts. Ein alphabetisches Zutatenregister am Ende macht es einfach, das passende Rezept nachzuschlagen.

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