Cover-Bild Das Wochenende
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9,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 26.03.2013
  • ISBN: 9783257603316
Bernhard Schlink

Das Wochenende

Nach 20-jähriger Haft hat ihn der Bundespräsident begnadigt. Zum ersten Wochenende in Freiheit lädt seine Schwester die alten Freunde ein. Für sie ist das Leben weitergegangen. Und für ihn? Was bleibt von der Zeit der Gewalt? Legenden? Bewältigung? Sprachlosigkeit?

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Zwischen Schuld und Versöhnung

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Bernhard Schlinks „Das Wochenende“ erzählt von einem Wiedersehen unter alten Freunden, das längst vergangene Ideale und unausgesprochene Schuldgefühle ans Licht bringt. Im Mittelpunkt steht Jörg, ein ehemaliger ...

Bernhard Schlinks „Das Wochenende“ erzählt von einem Wiedersehen unter alten Freunden, das längst vergangene Ideale und unausgesprochene Schuldgefühle ans Licht bringt. Im Mittelpunkt steht Jörg, ein ehemaliger RAF-Terrorist, der nach über zwanzig Jahren Haft entlassen wird. Seine Schwester organisiert ein gemeinsames Wochenende auf dem Land, um ihn wieder in den Kreis der alten Bekannten einzuführen. Doch was als versöhnliches Treffen gedacht ist, wird schnell zu einem stillen Tribunal.
Schlink zeichnet seine Figuren mit großer psychologischer Genauigkeit. Jede und jeder der Anwesenden trägt eigene Enttäuschungen, verpasste Chancen und alte Verletzungen mit sich. Zwischen Gesprächen über Politik, Verantwortung und persönliche Freiheit entfaltet sich ein dichtes Geflecht aus Nähe und Abwehr, aus Nostalgie und moralischer Müdigkeit. Das Haus auf dem Land wird zum Schauplatz einer Generation, die an ihren Überzeugungen und an der Zeit gescheitert ist.
Sprachlich bleibt Schlink, wie man ihn kennt, ruhig und kontrolliert. Sein Stil ist unaufgeregt, beinahe kühl und gerade dadurch entsteht eine leise Spannung. Er wertet nicht, sondern lässt seine Figuren und ihre Widersprüche für sich sprechen. Dabei gelingt es ihm, das große Thema, die Auseinandersetzung mit Schuld und Verantwortung, in eine sehr persönliche, menschliche Dimension zu bringen.
„Das Wochenende“ ist kein Buch, das laut auftrumpft. Es lebt von Zwischentönen, vom Schweigen zwischen den Sätzen. Wer Schlinks „Der Vorleser“ kennt, wird auch hier den moralischen Ernst und die stille Nachdenklichkeit wiederfinden, wenn auch in einer anderen, reiferen Form. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass weder die Vergangenheit noch die Ideale je ganz zu bewältigen sind, sie begleiten uns, wie alte Bekannte, die man nie ganz loswird.

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Veröffentlicht am 02.08.2021

Hart, derb, menschlich!

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Titel: Das Wochenende
Verlag: Diogenes
Seiten: 240
Erscheinungsjahr: 2010 (2008)
ISBN: 978-3-257-23965-2
Genre: Klassiker, Krit. Unterhaltung, Zeitgeschehen
Art: flexibler Einband


"Sie fand auch ...






Titel: Das Wochenende
Verlag: Diogenes
Seiten: 240
Erscheinungsjahr: 2010 (2008)
ISBN: 978-3-257-23965-2
Genre: Klassiker, Krit. Unterhaltung, Zeitgeschehen
Art: flexibler Einband


"Sie fand auch Jörg krank. Muss nicht krank sein, wer Leute umbringt, nicht aus Leidenschaft und Verzweiflung, sondern klaren Kopfs und kalten Bluts? (. . .) Nein, Margarete konnte nur das Mitgefühl haben, das man mit Kranken hat. War das zu wenig?"



"Christiane hatte eine Tischordnung gemacht, und vor jedem Teller stand ein Kärtchen mit Namen und Bild - einem Bild von damals. "






Jörg wird zwanzig Jahre nach seinen terroristischen Vergehen im Rahmen der RAF aus der Haft entlassen, kurz vor der erwarteten Begnadigung durch den Bundespräsidenten. Seine Schwester Christiane holt ihn ab und bringt ihn zu dem alten Landsitz, wo sie ein gemeinsames Wochenende mit den Freunden von damals verbringen werden, die sie zu diesem Anlass eingeladen hat und die Jörg bereits erwarten. Dazu gehört der Journalist Henner, der früher Christiane den Hof gemacht hat, aber angesichts ihrem engen Verhältnis zu ihrem Bruder aufgegeben hat. Jörg ist über dessen Anwesenheit nicht erfreut, weil er davon ausgeht, dass Henner ihn damals verraten hat. Auch der Laborkettenbetreiber Ulrich, die Bischöfin Karin und die schriftstellerische Lehrerin Ilse, Anwalt Andreas und Christianes Mitbewohnerin Margarethe sind mit von der Patie. Sie alle haben während der zwanzig Jahre ihren Weg ins bürgerliche Leben gefunden und zucken nicht vor einer großen Menge an Vorwürfen gegen Jörg zurück. Einzig der deutlich jüngere Marko möchte ein neues revolutionäres Feuer in Jörg entfachen und ihn zu weiteren Kämpfen antreiben. Und dann taucht auch noch Jörgs Sohn Ferdinand auf, der seiner Enttäuschung Luft lässt. Schaffen sie es, der aufgewühlten Vergangenheit standzuhalten und neu zueinander zu finden?



"Die Terroristen unsere verirrten Brüder und Schwestern?‘ Ulrich schüttelte den Kopf und verzog das Gesicht zu einem Ausdruck nicht nur der Ablehnung, sondern der Abscheu. ‚Glaubt ihr das auch?‘ Er sah in die Runde."







Ich gehöre wohl zu den wenigen Leser*innen, die an diesem Buch mindestens genau so viel Gefallen finden wie an Schlinks bekanntestem Werk "der Vorleser". In meinem Fall sogar noch ein Ticken mehr. Dagegen hat "Das Wochenende" von vielen Literaturkritikern eine eher dürftige Bewertung erhalten.

Ich habe das Buch zweimal hintereinander als Hörbuch gehört, weil ich an einigen Stellen unaufmerksam war und es so kompensieren wollte. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, es direkt mit der gedruckten Version zu versuchen. Nicht, weil die Vertonung zu wünschen übrig ließe, sondern weil ich mir vieles markieren wollte und es nicht konnte. Eine Eigenheit des Romans sind die verschlüsselten Elemente bezüglich der Figurenkonstellation. Wer ist jetzt nochmal wer und auf welcher Erzählebene befinden wir uns? Ich mag sowas ja, allerdings hat das Audioformat die Orientierung nochmal erschwert.

Wer sich intensiv mit der RAF-Thematik beschäftigen will, der ist hier vielleicht nicht richtig. Das Thema wird oberflächlich bzw. aus philosophischer, ethischer Perspektive aufgegriffen (Kann Schuld verjähren? Welche Strafe ist angemessen? Bis zu welchem Punkt sind Revolutionen gerechtfertigt? Inwiefern sind die Taten der RAF besser als die eines jeden anderen Terrorismus oder sogar des Nationalsozialismus?), was einer der Hauptpunkte der Kritik ist. Ich kann diesen Punkt nicht nachvollziehen, da nie der Anspruch erhoben wurde, es handle sich um eine aufklärende Schrift. Ich fand es spannend zu sehen, wie die Vergangenheit Keile zwischen die Freunde treibt und Risse in der neu gebildeten bürgerlichen Fassade hinterlassen. Müsste ich zusammenfassen, worum es geht (Grins), so würde ich die Rolle des Terrorismus gar nicht in den Mittelpunkt stellen, sondern das Spannungsverhältnis von Vergangenheit und Gegenwart: Können wir unsere Werte und uns selbst im Laufe unseres Lebens verändern? Hier gibt es genug Zündstoff für solche und noch mehr Gedanken.
Ich fand es in diesem Sinne auch gut, dass durch das Zusammentreffen auch andere, belanglosere Themen aufkamen. Ce la vie!

Wiedermal typisch für Schlink, ein geschichtspolitisches Thema aus Sicht der Gegenwart aufzuarbeiten und dabei auch sexuelle Themen mit ins Spiel zu bringen. Die Sprache ist reich an wörtlicher Rede, hier und da auch ein wenig derb.

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