Empowernder Coming-of-age-Roman gegen Fatshaming
Eigentlich freut Ruby sich darauf, nach Ende der Prüfungen den Sommer mit ihren Freundinnen April, Jessica und Salma beim Rollschuhfahren im Park zu genießen, doch sie stößt auf ein altbekanntes Problem:
„Ich ...
Eigentlich freut Ruby sich darauf, nach Ende der Prüfungen den Sommer mit ihren Freundinnen April, Jessica und Salma beim Rollschuhfahren im Park zu genießen, doch sie stößt auf ein altbekanntes Problem:
„Ich habe noch nie verstanden, weshalb manche Menschen so dreist ihre Meinung zu meinem Körper kundtun müssen: was damit nicht stimmt, wie der Makel zu beheben wäre. Danach habe ich nie gefragt. Genau genommen wünsche ich mir nichts weiter, als arglos mein Leben leben und tun und lassen zu dürfen, was ich will - und renne stattdessen in einem fort gegen diese Flutwelle aus Bullshit an. Warum machen es die Leute es einem bloß so schwer?“
Dieses Mal ist es ihr älterer Bruder Jake, der abfällige Kommentare über Rubys Körper abgibt und außerdem ihre kleine Schwester Sasha wegen ihres Aussehens hänselt. Das ist zuviel für Ruby: Ehe sie darüber nachdenken kann, behauptet sie, den traditionellen 5-Kilometer-Lauf ihrer Schule gewinnen zu können, wie zuvor schon ihr Vater und Bruder.
Ruby möchte damit zum einen Jake beweisen, dass sie genausogut Sport treiben kann wie er oder jeder andere – und vor allem öchte sie Sasha ein Vorbild sein.
Damit steht Ruby allerdings vor einer echten Herausforderung, denn bisher war sie noch nie laufen – und ihr erster Versuch endet damit, dass sie ihrem süßen Nachbarn Ollie direkt vor die Füße kotzt. Wie peinlich – doch Ollie bietet ihr überraschenderweise an, ihr beim Training zu helfen. Mit jeder Woche wächst damit nicht nur Rubys Laufleistung, sondern auch die Anziehung zu Ollie ... Nach und nach sieht es so aus, als würde auch Ollie Gefühle für Ruby entwickeln. Wie soll sie es schaffen, in nur 6 Wochen fit für den 5-Kilometer-Lauf zu werden und mit dem Gefühlschaos klarzukommen?
Zum Glück stehen ihr ihre Freundinnen zur Seite, auch wenn sie sich nicht immer in Rubys Körper und Gefühle hineinversetzen können. Erst, als Ruby sich mit der ebenfalls dicken Liv anfreudet, ändert sich etwas.
„'Ich glaube, für mich hat sich etwas Entscheidendes verändert, als ich aufgehört habe, 'dick' als diese ... keine Ahnung, diese eine prägende Eigenschaft zu betrachten, die mich ausmacht, vor allem anderen.'
'Wie meinst du das?', frage ich. Dabei beschleicht mich die Ahnung, dass mir klar sein sollte, wovon sie spricht. Aber das ist es nicht.
'Ich habe einfach meine Perspektive verändert. Mir einfach gesagt, das Dicksein eben ... eine Spielart menschlicher Vielfalt ist. Wir sind buchstäblich alle unterschiedlich. Wir reden über das Dicksein, als wäre es das Allerschlimmste auf der Welt - etwas, da es Einfluss nimmt auf Persönlichkeit, Verhalten, was weiß ich. Aber das ist doch Quatsch. Menschen können eben einfach so aussehen. Deshalb brauchst du mit deiner Schwester auch gar nicht darüber zu reden, als wäre es etwas ganz furchtbar Beängstigendes, irgendein ... schreckliches Stigma oder so. Du kannst es ihr einfach als ganz normale individuelle Eigenheit präsentieren, sowas wie Haarfarbe oder dergleichen. Denn genau das ist es.'“
„Ruby’s big summer“ von Bethany Rutter ist ein einfühlsamer Coming-of-Age-Roman, der ein wichtiges Thema leichtgängig, aber mit Tiefgang behandelt. Ruby ist eine sympathische und starke Protagonistin. Der Schreibstil ist gut lesbar und unterhaltsam. Besonders die Botschaft, dass Sport für JEDEN ist und nicht von Leistungsfähigkeit oder Körper abhängig sein sollte, kommt gut herüber.
Mir hat dieses empowernde Buch sehr gut gefallen und ich empfehle es für alle Leser*innen ab 12 Jahren.