Cover-Bild Wovon wir leben
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14,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 192
  • Ersterscheinung: 12.03.2025
  • ISBN: 9783442774586
Birgit Birnbacher

Wovon wir leben

Roman
Von der Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher – »Ein diagnostischer Blick mit großem literarischen Geschick.« SWR-Bestenliste

Ein einziger Fehler katapultiert Julia aus ihrem Job als Krankenschwester zurück in ihr altes Leben im Dorf. Dort scheint alles noch schlimmer: Die Fabrik, in der das halbe Dorf gearbeitet hat, existiert nicht mehr. Der Vater ist in einem bedenklichen Zustand, die Mutter hat ihn und den kranken Bruder nach Jahren des Aufopferns zurückgelassen und einen Neuanfang gewagt. Als Julia Oskar kennenlernt, der sich im Dorf von einem Herzinfarkt erholt, ist sie zunächst neidisch. Oskar hat eine Art Grundeinkommen für ein Jahr gewonnen und schmiedet Pläne. Doch was darf sich Julia für ihre eigene Zukunft erhoffen?

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2025

Ein sensibler, kluger Roman

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„… alles, was uns nicht umbringt, ist nicht der Rede wert.“ (58)

Was ist es, wovon wir tatsächlich leben – Luft und Liebe? Wasser und Nahrung? Ein warmes Bett und ein Dach über dem Kopf? Freunde und Familie? ...

„… alles, was uns nicht umbringt, ist nicht der Rede wert.“ (58)

Was ist es, wovon wir tatsächlich leben – Luft und Liebe? Wasser und Nahrung? Ein warmes Bett und ein Dach über dem Kopf? Freunde und Familie? Oder vielleicht müsste man die Frage anders stellen: Was macht das Leben, das wirkliche, echte Leben eigentlich aus? Diese Fragen und noch viele mehr begleiteten mich nach der Lektüre von Birgit Birnbachers klugem, sensiblem Roman „Wovon wir leben“.

Der Inhalt ist rasch erzählt: Julia verliert wegen eines aus Unachtsamkeit begangenen Fehlers ihren Job, um ihre Gesundheit steht es nicht zum Besten, und ihre Liebesbeziehung ist von Vornherein zum Scheitern verurteilt. In dieser desolaten Lage kehrt sie zurück in ihr Heimatdorf (ausgerechnet!), zurück ins Elternhaus, zum wortkargen Vater und zu grau getünchten Erinnerungen. Von der Mutter ist keine Unterstützung zu erwarten, sie hat sich kürzlich emanzipiert und ist auf und davon. Einzig Oskar, der Kurgast, der ebenso versehrt zu sein scheint wie Julia, vermag ihr ein wenig Trost zu spenden. Und vielleicht auch mehr?

Zugegeben: Es könnte der Plot einer jener pastelligen, zuckerverkrusteten Romane sein, in denen die Protagonistin sich aus den Unbilden herauskämpft, um mit strahlenden Augen und erhobenen Hauptes einem goldglänzenden Neuanfang entgegenzuschreiten – wenn die Geschichte nicht von einer so überragenden Autorin wie Birgit Birnbacher erzählt würde. Unaufgeregt und mit großer Klarheit zeigt sie ebenso subtil wie eindringlich, was das Leben als solches ausmacht. Es sind die vielstimmigen Zwischentöne, die die Melodie der Erzählung tragen. Es geht um Freiheit und Verantwortung, um Würde und Selbstbestimmung – kurz: Es geht um nicht weniger als das Leben und was es ausmacht.

„Wovon wir leben“ ist ein Roman, der gerade durch seine Stille lange nachklingt. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Selbstgerechte und selbstmitleidige Protagonistin

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Die Grundidee dieses Romans und die Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Bachmannpreisträgerin handelt, haben mein Interesse geweckt. Die Geschichte konnte mich jedoch nicht überzeugen. Dies ...

Die Grundidee dieses Romans und die Tatsache, dass es sich bei der Autorin um eine Bachmannpreisträgerin handelt, haben mein Interesse geweckt. Die Geschichte konnte mich jedoch nicht überzeugen. Dies liegt vor allem an der wehleidigen und selbstgerechten Ich-Erzählerin:
Julia hat ihren Job als Krankenschwester in Salzburg verloren und seither auch mit großen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Sie sieht sich daher gezwungen, in ihr Elternhaus in Innergebirg zurück zu kehren. Doch dort sind die Verhältnisse anders als erwartet. Die Mutter lebt nun in Italien und statt dass die Eltern sich um sie kümmern, ist Julia gezwungen, sich um den Vater zu kümmern. Was für sie natürlich ganz furchtbar ist.
Dass etwa der Vater alleine nach Salzburg fährt, dort ihre Wohnung ausräumt und übergibt, all ihre Sachen zusammenpackt und zurück transportiert, sieht sie als selbstverständlich an. Wenn sie mal eine Suppe für ihn kocht, erscheint dies dagegen bereits als beinahe unzumutbare Anstrengung.
Wie sie auch sonst alles an ihrer Familie und ihrem nunmehrigen Wohnort in düsteren Farben sieht.
Auch die Bekanntschaft mit dem ebenfalls rekonvaleszenten „Städter“ Oskar, der eine deutlich positivere Lebenseinstellung hat, ändert daran nichts, sondern lässt ihren Negativismus nur umso deutlicher hervortreten.
Bei all dem fiel es mir zunehmend schwerer, Sympathien für die Protagonistin aufzubringen oder mit ihr mitzufühlen. Bei der von ihr gezeigten Geisteshaltung ist es kein Wunder, dass es ihr mit fast 40 Jahren nicht gelungen ist, sich ein eigenes soziales Umfeld abseits von (entfremdeter) Familie und (verhasstem) Herkunftsort aufzubauen, von dem sie Unterstützung erwarten könnte.
Auch das hier vermittelte Frauenbild ist problematisch. Schlimm genug beispielsweise, dass es Männer gibt, die Frauen als unfähige Hascherln sehen. Dieses Bild muss nicht auch noch von einer Autorin transportiert werden. Beispiel: Dem Vater wird mehrmals, um nicht zu sagen ständig, vorgeworfen, dass er Jahrzehnte vorher – diese Episode dürfte ca in den 1980er oder 1990er Jahren spielen – der Bitte der Mutter nicht nachgekommen ist, mit dem kranken Bruder rechtzeitig ins Krankenhaus zu fahren. Der Mutter wird an der mutmaßlich daraus resultierenden Behinderung jedoch keinerlei Schuld gegeben. Dabei hätte sie wohl - auch wenn sie, wie ebenfalls ständig beklagt wird, keinen Führerschein hatte - ein Taxi oder die Rettung rufen oder eine Freundin oder einen Nachbarn um Hilfe bitten können.
Irgendeine Form von Eigeninitiative ist aber offensichtlich nicht vorgesehen, lieber jammern und den Umständen die Schuld geben. (Zugegeben, auch die meisten Männer machen diesbezüglich keine bessere Figur.)
Aus all diesen Gründen fand ich die Lektüre über weite Strecken nervig und häufig richtiggehend ärgerlich. Außerdem war für mich nicht erkennbar, worauf die Autorin mit ihrer Geschichte eigentlich hinaus will.