Wahnsinn ist nur die Antwort einer gesunden Psyche auf eine kranke Gesellschaft.........
Indem sie schweigen, reden sie – Rostocks Peiniger von Christin Kindt
Das Buch ist das Erstlingswerk der Autorin. Hierbei handelt sich es um einen Thriller, der auf dem Kommissariat der Rostocker Polizei ...
Indem sie schweigen, reden sie – Rostocks Peiniger von Christin Kindt
Das Buch ist das Erstlingswerk der Autorin. Hierbei handelt sich es um einen Thriller, der auf dem Kommissariat der Rostocker Polizei spielt. Der Roman ist sozusagen die erste Geschichte in Rostock, und soll wohl eine Serie werden. Hauptprotagonistin ist Elena Küster, eine 36jährige Kommissarin, die von Berlin nach Rostock versetzt wurde, auf eigenen Wunsch. Das heißt nicht ganz. Eigentlich wollte sie in eine andere Stadt, doch in Rostock war gerade Not am Mann. Elena ist Mutter von zwei Töchtern, die eine noch kleiner im Kindergartenalter von 4, die andere pubertierend und 16, und geschieden, da ihr Ex – Mann Tom sie damals mit einer anderen Frau betrogen hat. Nach und nach erfährt man im Buch immer mehr, auch über ihre eigene Vergangenheit, ebenso wie die einiger ihrer Polizeikollegen. Und es gibt noch andere Thematiken im Buch, die hier aber nicht verraten werden, die ich mir aber sehr gut in einem Folgeband, oder sogar einer Buchserie vorstellen könnte. Dieses Netz um die Ermittlerin, ihre Familie, und die Kollegen wurde sehr schön aufgebaut, und man wird den meisten sicherlich wieder begegnen.
Das Buch beginnt mit einem Selbstmord, zu dem die Polizisten gerufen wurden. Ein junges Mädchen hat sich von einem hohen Haus gestürzt, die Arme blutig geritzt. Da es in der letzten Zeit schon mal zwei Suizide von jungen Mädchen in genau diesem Alter gegeben hat, die sich ebenfalls wo runtergestürzt haben, werden die Polizisten nun hellhörig, denn jede hat einen Abschiedsbrief bei sich, und alle ähneln sich. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, und die Geschichte nimmt an Fahrt nochmals auf. Ein soziales Netzwerk, in dem sich alle Mädchen angemeldet haben, lässt darauf schließen, dass vor ihrem Tod alle mit demselben jungen Mann Kontakt hatten. Doch ist in diesem Buch wirklich jeder derjenige, der er zu sein scheint? Das ist die große Frage. Und ich möchte hier auch gar nicht zu viel verraten, da es sich um einen Thriller handelt, und da sollte man nichts der Spannung wegnehmen, weil so viele kleine Indizien wichtig für den Verlauf der Geschichte sind…… wenn man sie denn bemerkt J
Auch mit relativ wenigen Seiten, nämlich nur knapp 200, schafft der Thriller es trotzdem, schnell Spannung aufzubauen. Man ist sofort im Geschehen drin. Der Schreibstil ist nicht stockend, sondern schön flüssig, so dass man auch schnell vorankommt, und das Buch eigentlich in einem Rutsch durchlesen kann. Und…trotz der Kürze…ist es nicht minder verstörend.
Die Buchfiguren sind nicht geschönt, sondern aus dem Leben gegriffen.
Das Buch ist im Thema wirklich hochaktuell, und beschreibt die Gefahren des Internets genauso, wie die Thematik des Daten – und Identitätsklaus in Internetforen. Ebenfalls greift es das Thema Mobbing in der Schule auf. Das fand ich persönlich sehr schön, weil sowas zu leicht in Vergessenheit gerät, weil es natürlich kein sehr angenehmes Thema ist.
Die Schreibweise ist ebenfalls sehr modern, da der Roman ja auch in unserer aktuellen Gegenwart spielt, so dass einem an einigen Stellen wirklich bewusst wurde, wie die Dinge heutzutage sind. Manchmal verschließt man ja gerne die Augen vor der Realität. Doch hier gab es einen Blickwinkel auf unsere Zeit.
Das Cover fand ich von Anfang an gut, doch habe ich mich tatsächlich gefragt, ob ich auch diesmal die Verbindung zwischen Text des Romans und dem Cover finde. Vorher – nein, Nachher – ja. Ich glaube die Antwort gefunden zu haben.
Der Thriller hat mich gut unterhalten, und ich habe ihn tatsächlich in einem Ruck durchgelesen. Wer also für einen Nachmittag oder Abend eine spannende Zeit haben will, kann getrost zu diesem Buch greifen.