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Veröffentlicht am 27.06.2021

Vor was hast du am meisten Angst?

Die Nacht der Acht
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Die Nacht der Acht von Philip Le Roy

Die Angst in uns, ist immer so eine Sache. Was genau bereitet Angst, lässt uns ängstlich, oder gar panisch werden? Ein vielschichtiges Thema, über das man nun stundenlang ...

Die Nacht der Acht von Philip Le Roy

Die Angst in uns, ist immer so eine Sache. Was genau bereitet Angst, lässt uns ängstlich, oder gar panisch werden? Ein vielschichtiges Thema, über das man nun stundenlang diskutieren könnte. Denn natürlich ist die Angstschmerzgrenze bei jedem Menschen anders. Wenn ich alle Horrorfilme vergleichen müsste, die ich je gesehen habe (und ich hatte früher mal eine richtige Horrorfilmzeit), so würde ich ganz an die Spitze wirklich einen setzen, bei dem man das „Monster“, den „Geist“, das „Übernatürliche“, oder wie man es sonst nennen will, nie gesehen hat. Und durch dieses Nichtsehen, hat sich in meinem Kopf ein ganz eigener Grusel gebildet. Nur Geräusche hörend, ohne Bilder, die einem quasi ein Bild in den Kopf setzen bildet sich ein eigenes Kopfkino, dessen Abbildung mir nicht abgenommen wurde, und dessen Existenz in meinen Kopf nicht durch Bilder und Vorstellungen eines Regisseurs hingezaubert wurden. Brrrr! Das war gruseliger als jede Samara, schwarze Frau, jede Zahnfee, oder gar Hillbillies in den Hügeln, die Augen haben. Sei‘s drum! Angst kann auch Todesangst sein, oder die vor Menschen, die unser Leben bedrohen. Mal ganz abgesehen, von den eigenen Ängsten, die man im Leben noch so hat, sind das unsere Urängste. Ängste als Instinkt, der uns sagt, bei drohender Gefahr für Leben wegzulaufen, um uns zu schützen. Und ihr fragt euch nun sicher, ob es in diesem Buch um dieses Thema geht? Meiner Meinung nach schon. Denn Angst ist das zentrale Thema, um das sich alles dreht. Die Geschichte, die Figuren, und die Grundidee. Was genau gibt es im Buch also für eine Geschichte zu entdecken?

Was das Buch uns erzählt:

Der Inhalt ist schnell erzählt. Acht Jugendliche, die zusammen auf eine Kunstschule in Frankreich gehen, sind die Gruppe „Die Acht“. Sie bestehen aus 4 Jungs und 4 Mädels, und scheinen nicht die allerbesten Freunde, halten als Clique aber zusammen, und spalten sich von den anderen ab, weil sie unter sich bleiben wollen. Jeder von ihnen steht somit auch für eine bestimmte Richtung der Kunst, die seinen Fähigkeiten entspricht. Immer neue Ideen gegen die Langeweile der Welt suchend, schlägt Quentin, einer der „Acht“ vor, die Nacht in der Villa seiner Eltern zu verbringen, die völlig abseits jeglicher Zivilisation in den Bergen liegt. Das Ziel der Nacht ist es, sich gegenseitig Angst einzujagen. Und jedes Mal, wenn jemand Angst hat, oder sich erschrickt, muss getrunken werden. Ein Trinkspiel, wie es so viele andere gibt, und doch auf besondere Art und Weise. Denn die gegenseitigen Streiche schlagen um in Ernst, als plötzlich Gestalten erscheinen, Geräusche im und außerhalb des Hauses sind, und keiner mehr weiß, ob es sich um einen gegenseitigen Streich oder etwas Bedrohenderes handelt. Die ausgelassene Stimmung schlägt um. Als dann nacheinander alle der Gruppe verschwinden, heißt es quasi die Nacht durchzustehen, denn der Kontakt zur Außenwelt ist ebenfalls abgeschnitten. Und den Rest, die große Auflösung, sollte man dann selbst lesen.

Cover:

Das Cover ist minimalistisch, und man sieht nicht viel. Trotzdem befinden wir uns ja hier im Horror-Genre. Und wir wissen ja, dass das, was man NICHT sieht, einem mehr Angst macht als alles Sichtbare zusammen. Symbolisch gesehen finde ich es deshalb gar nicht so schlecht, weil es nach der Lektüre sogar noch mehr Sinn macht, und einen Bezug zur Geschichte hat. Der Inhalt der Tüte kann alles sein, blutig sieht sie ja schon aus.

Fazit und Gedankenallerlei:

Das Buch reizt. Es spielt mit Extremen, und bringt uns oft in die Situation, in der wir darüber nachdenken müssen, ob das so richtig oder falsch ist. Ganz nach dem Motto „Ist das Kunst, oder kann das weg?“, wobei das gar nicht böse gemeint ist. Denn um Kunst und ihre Ausdrucksweise geht es wirklich (wir erinnern uns: Kunstschule). Und darum, dass Kunst und Performance oftmals von einigen als etwas ganz Anderes gesehen wird. Nämlich Provokation. Kunst muss sich etwas trauen, Kunst muss aus sich herausgehen. Kunst muss so sein, dass man dem Künstler entweder nachsagt, er sei bei der Herstellung seiner Kunst wohl verrückt gewesen, oder andersherum ist sie so wunderschön, dass sie uns in einen Rausch versetzt. Kunst kann also provozieren, und uns beruhigen. Aber niemals lässt sie uns kalt, so, dass wir gar nichts dazu zu sagen hätten. Die Acht im Haus schlachten die Horrorklischees aus, sie jagen sich gegenseitig Angst ein. So ist das Spiel, die Inszenierung. Wer Angst hat, musst trinken. Und Trinken ist in deren Fall das Spiel (ja, nun könnte man auch sagen, das ist nicht gut Trinken in einem Buch so zu verherrlichen. Aber wie ich am Anfang schon mal sagte: Das Buch reizt und provoziert, und man muss nicht alles gut finden, was die Jugendlichen tun.). Gleichzeitig ist es irgendwie eine Hommage an das Horrorgenre mit all seinen Stilmitteln. Es ist wie eine Zeitreise durch das Horrorgenre, von Klassikern der Filmgeschichte, bis zu den Filmen in der jüngsten Vergangenheit, die allen das Fürchten lehren (oder eben manchmal auch nicht). Eine Laudatio. Eine Ehrung im Hinblick darauf, wie viele Menschen dieses Genre lieben. Und auch, wenn man manchmal vor dem Buch sitzt, und weiß, dass nicht wirklich etwas passiert, so ist das so ähnlich, wie in den Kultfilmen, die man kennt, und bei denen man den genauen Ablauf weiß. Gruppe von Jugendlichen. Leeres Geisterhaus. Man trennt sich („Ähh Leuteee, das Monster ist ja irgendwo im Haus, und da schlage ich vor, dass wir uns trennen, um es besser zu finden.“ Zack. Das erste Opfer ist gefunden :D. Und ich nur so: Hä?! O_o). Ein Klischee in Filmen, das ich nie ganz verstehe, aber trotzdem verehre, weil es einem während dem ganzen Grauen ein Lachen ins Gesicht zaubert. Quasi wie ein alter Freund, der einen immer wieder besucht, obwohl man seinen Makel kennt, ihn eigentlich nicht gutheißen kann, aber weil es ein Freund ist, verzeiht man ihm diesen. Das Buch spielt ebenfalls mit dem Stilmittel dessen, dass wir nichts sehen, sondern oftmals Dinge nur hören. Der dunkle Keller, in dem man gar nichts sieht, aber Dinge hört, kann uns mehr Angst einjagen, als ein Monster, das auf einen zu krabbelt, oder ein Clown, der langsam auf einen zukommt (na welchen Clown könnte ich da wohl meinen? :D). Oftmals hat das Buch uns Klischees aufgezeigt. Und zwar die in ungefähr allen Horrorfilmen, die es gibt. Zusätzlich wurden dazu auch noch immer die Szenen aus den Filmen beschrieben, so dass man als Kenner des Genres sofort weiß, was gemeint ist, und als Nichtkenner zumindest nachgoogeln kann, und sofort zu einem Ergebnis kommt. So bildet sich etwas aus der eigenen Vorstellung, Erinnerung, oder dem neuen Wissen, heraus.

Worüber ich mal einfach hinweg sehe, es aber trotzdem erwähnen möchte ist, dass ich Trinkspiele an sich total doof finde, und auch schon immer fand. Hierzu darf natürlich jeder seine eigene Meinung haben. Und DAS fließt auch nicht in meine Bewertung ein. Denn das Trinkspiel ist hier im Buch Mittel zum Zweck für die Party. Der Alkohol macht unaufmerksam, steigert die Nervosität, und auch ein wenig die Aggressionen und Hemmungen. Und dadurch die Angst. Kurz gesagt: Der Abend wäre nichts für mich gewesen, aber durch das Buch hindurch ging es dann doch irgendwie, die Zeit mit den Acht zu verbringen. Ich gebe zu, ein wenig schlechter ins Buch hineingekommen zu sein, was aber eher daran lag, dass man die erste Zeit über natürlich wusste, dass alles von den Acht ausgeht, jede gruselige Situation, jede böswillige Szene. Schauspielerei und Schein spielt hier also ebenfalls eine große Rolle. Und die Gabe, andere mit einem Pokerface von Dingen zu überzeugen. Zweitens hatte ich anfangs mit den sich ähnelnden Namen der Protagonisten Probleme, was sich aber dann gelegt hat. Ich konnte lange Zeit keine Zusammengehörigkeit, keine Einheit der Acht erkennen. Eventuell ist DAS aber nur aus meiner Sicht so, weil ich Vertrauen zwischen Menschen sowohl real, als auch in Büchern, wichtig finde, weswegen ich erstmal in die Geschichte hineinfinden musste. Denn irgendwie ist Jeder sich selbst am nächsten, erst recht, wenn Gefahr für Leben droht.

Die Geschichte ist für mich nicht gleichmäßig gut oder schlecht. Sie ist nicht gleichbleibend, wankelmütig. Was am Anfang noch irritiert, und ein wenig stört, das wird in der Mitte des Buches, oder auch zum Schluss hin dann Nebensache. Das Genre verschiebt sich nicht in ein anderes, aber die Geschichte wird genretreuer mit ihrem Fortlauf. Bedeutet: Man kann gegen Mitte und Ende beinahe vergessen, dass man mit den Figuren nicht ganz so klarkommt, weil man sich auf die Horrorszenarien konzentriert, meist daran denkt, wie man selbst in so einer Situation entscheiden würde, und feststellt, dass man ein mächtiger Angsthase ist, auch wenn man behauptet, es nicht zu sein. Das ist wie die berühmte Stelle im Horrorfilm, bei der man in einen Spiegel schaut, kurz seinen Kopf nach unten ins Waschbecken steckt, den Kopf wieder hochruckt, und im Spiegel steht ein Geist. Ich glaube der menschliche Geist kann gar nicht anders, als sich in diesem Moment ein wenig zu erschrecken. Selbst wenn man weiß: „Das ist nur ein Film, und nicht echt“. Zuerst weiß man, dass die Angststreiche nicht echt sind, später verschwimmt alles, und man ist sich nicht mehr sicher. Und ich fand, diese Atmosphäre wurde gar nicht mal so übel hinbekommen. Denn ja. Auch ich warte in Horrorfilmen immer genau auf diese Szenen, und sage so etwas wie „Wieso sind die so doof, und trennen sich? Die wissen doch, wie sowas meist endet.“ Wissen sie? Nun. Keiner kann Angst beeinflussen, mit jedem stellt sie etwas Anderes an. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich, wenn meine Denkzellen ausgeschaltet sind, und ich mich nur noch auf meine Angst konzentrieren kann, ich nicht auch kopflos und gedankenlos reagieren würde, und Dinge anstellen würde, über die andere nur den Kopf schütteln. Angst ist ein schlimmes Gefühl. Ein mächtiges, das unser aller Tun beeinflussen kann. Viele sind ängstlich und haben vor allem Angst, andere sind mutig, und haben trotzdem einen Angstschwachpunkt. Man muss diesen nur kennen :). Und wenn man jemanden kennt, und er seine Maske der Mut fallen lässt, dann lernt man jemanden kennen. Im Buch passiert das erst ziemlich spät, so dass man die Protagonisten nicht wirklich kennenlernen durfte. Ihr Inneres, ihr Selbst. DAS ist dann tatsächlich auch ein Kritikpunkt. Wer allerdings damit klarkommt Charaktere nicht so gut kennenzulernen, und nur die Geschichte erleben will, dem sei gesagt, dass er vielleicht ganz anders denkt, und das Buch anders beschreiben würde, als ich es tue.

Die Angst und Bedrohung findet viel im Kopf statt. Für einen Jugendroman ist das Ganze aber völlig okay finde ich. Erst ist es nicht so unheimlich, später wurde das Ganze dann besser. Das Spiel der Acht hat gleichzeitig eine Atmosphäre erschaffen, in der man sich wohl bedroht, als auch in Sicherheit befunden hat, und das Ganze in einer Wechselhaftigkeit, die auf den Leser übertragen wurde. Und ich muss zugeben, dass es wirklich einen Unterschied macht, ob man das Buch am hellichten Tag, oder alleine bei Nacht und in der Stille der Dunkelheit liest. Denn da haben wir wieder unsere Kraft der Imagination im Kopf. Eine Illusion, die sich im Gehirn bildet, die wir uns selbst hineinmalen, eine Illusion der Bedrohungen. Und eine Illusion von Sicherheit, die es nicht gibt, wenn die Bedrohung in uns aufgekeimt ist, und wir uns nirgends vor ihr verstecken können. Und nach fast jedem Kapitel fragt man sich: War das jetzt echt, oder spielt jemand ein Spiel, oder ist es gar einer der Streiche der Acht? Merkwürdigerweise fragt man sich das wirklich nach jedem Streich. Auf alle Fälle macht das Buch etwas mit einem, und bringt einen zum Nachdenken. Worüber auch immer. Vielleicht über den menschlichen Instinkt zur Flucht, den menschliche Instinkt der Angst, der uns zwingt zu flüchten, um damit unser Leben zu retten, es zu bewahren Denn das ist wohl immer mit Angst verbunden, wie die Bedrohung auch immer aussehen mag.

Die Punkte die ich abziehen musste? Zum einen konnte ich mich nicht in die Protagonisten hineinfühlen, warum das so war, kann ich nicht mal sagen. Ich konnte mich nicht in sie hineindenken. Vielleicht auch, weil sie zu verschieden im Gegensatz zu mir sind. Und Protagonisten sind ja immer das Wichtigste für mich in einer Geschichte. Zum anderen wurden die Protagonisten zwar vorgestellt, blieben aber sehr blass. Siehe Punkt 1. Das Ganze ändert aber nichts daran, dass ich die Geschichte an sich gut fand, auch wenn ich nicht gleich von Anfang an reinkommen konnte, weil es anfänglich noch eine ganz normale Teeniegeschichte war, von Jugendlichen, die eben eine Party feiern, und sich selbst Streiche spielen. Wobei wir bei einem anderen Punkt sind. Ich habe die Freundschaft untereinander nicht gespürt, was ich sehr schade fand. Sind hier doch immerhin Jugendliche, die eine Extremsituation zusammen erleben. Und da habe ich mich oftmals gefragt: „Wärst du nun in dieser Villa und hättest Angst, wolltest du mit genau diesen Personen darin sein, oder lieber mit jemandem, der besser zu dir passt, und auf deine Ängste eingeht, und bei dem du fühlst, dass er ein wirklicher und wahrhaftiger Freund ist?“ Puh, das war nun ein langer Satz. Entschuldigt. Ich hoffe ihr wisst, was ich meine :). Ich bin also ein wenig gespalten, und würde der Geschichte gerne 3,5 Sterne geben, welche ich in den Portalen auf 4 aufrunde, in denen es keine halben Sterne gibt. Die Grundgeschichte und – idee ist nämlich gar nicht so schlecht. Und wären die Protagonisten anders miteinander umgegangen, hätte ich mich wahrscheinlich viel leichter in die Geschichte fallen lassen können, um die gruselige und unheimliche Atmosphäre zu genießen.

Die Charaktere wollen als Freunde nicht so zusammenpassen, sind eher einzelne Individuen, und stehen oftmals für eine Schublade, in die sie gesteckt werden. Stereotypen eben. Oft fragt man sich wie genau diese Acht wohl zusammenfinden konnten, und was sie zusammenhält. Es passt nicht, lässt aber Raum für Konflikte der Geschichte. Und vielleicht muss man ja auch erst Dinge gemeinsam durchstehen um zueinander zu finden, selbst wenn man völlig verschieden scheint? Denn um Andersartigkeit geht es im Buch ebenfalls. Der Zusammenhalt bröckelt in der Gruppe, obwohl er anfänglich schon nicht so ganz zu spüren war. Die Situation, dass plötzlich eine echte Bedrohung da ist, lässt alle nervös werden. Das Fundament des wenigen Vertrauens wurde zerstört durch die Streiche, und der Mut aufgeweicht, so dass alle nun nervös sind, und sich gegenseitig weiterhin beschuldigen, und ihrer Angst freien Lauf lassen. Dazu kommt, dass wir als außenseitige Leser zwar die Situation der Acht erkennen und anerkennen, aber auch sagen müssen, dass sie alle gar nicht so sehr Außenseiter sind. Zumindest nicht so, wie sie sein wollen. Denn ihre Art zu zeigen, dass sie etwas Besonderes sind, zeigt auf eine andere Art auch ihre eigene Überheblichkeit. Und wer überheblich ist, nur an sich denkt, und nicht an andere, der hat es schwer, wenn es um Zusammenhalt in einer Bedrohungssituation geht. Natürlich waren manchmal auch krasse Szenen dabei, bei denen man sich gedacht hat „Muss das wirklich sein?“. Aber ja. Ich schätze, wenn die Andersartigkeit nicht so vorhanden gewesen wäre, hätte der Roman vielleicht anders gewirkt. Denn die Jugendlichen betrachten ihre Streiche als Kunst. Und Kunst ist ja bekanntlich auch etwas, an dem sich ………….Achtung schlechtes Wortspiel……. Die Geister scheiden :)

Man muss dem Buch zu Gute halten, dass man unweigerlich sehr viel Musik aus Frankreich kennenlernt, die das Ganze authentischer macht. Denn ja, es gibt eine Playlist zum Buch. Und ich als Musikmensch musste mir diese natürlich sofort anhören, und habe dabei den ein oder anderen französischen Ohrwurm gefunden, den ich ohne das Buch eventuell nie kennengelernt hätte. Danke dafür!

Heute mal kein Rezensionslied, sondern eins meiner Lieblingszitate vom Meister persönlich, das vielleicht besser zum Text passt, weil er so gut ausdrückt, was in Menschen vorgehen kann.

„Monster sind echt und Geister sind auch echt. Sie leben in uns und manchmal gewinnen sie.“ - Stephen King.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.06.2021

Henry Voigt geht auf archäologisch abenteuerliche Suche nach was auch immer ein Schatz sein mag.

Das Geheimnis des Bussards
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Das Geheimnis des Bussards - Henry Voigt Abenteuer Band 3 von David Reimer

Hallo ihr Lesenden und Buchliebhaber. Es geht wieder auf Buch-Schatzsuche, und das diesmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. ...

Das Geheimnis des Bussards - Henry Voigt Abenteuer Band 3 von David Reimer

Hallo ihr Lesenden und Buchliebhaber. Es geht wieder auf Buch-Schatzsuche, und das diesmal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Nämlich im Sinne von „Yo-ho, Yo-ho, Piraten haben‘s gut“ und „Trinkt aus Piraten, yo-ho“. Ihr wisst mal wieder nicht, von was ich hier eigentlich schreibe, oder? :D. Denn was bedeutet es eigentlich für uns Menschen, wenn wir darüber etwas erzählen, dass wir einen Schatz gefunden haben? Einige geraten nun wohl ins Schwärmen, und summen vor sich hin „Ich habe einen Schatz gefunden, und er trägt deinen Namen. “. Jaja, die lebendigen Schätze in unserem Leben. In unserem Bereich freut man sich wohl darüber, wenn man ein langersehntes buch endlich in die Finger bekommt, und es ab diesem Zeitpunkt zu den eigenen Buchschätzen gehört. Wiederum andere sehen wortwörtlich in Schätzen Geld, Gold und Schmuck. Das sind dann meistens die, die nru auf Reichtum und Macht aus sind, die durch den Reichtum unterstützt wird. Ich gebe zu, ohne es belegen zu können, dass das wohl die größten Schatzsuchen unserer Zeit sind. Die Suche nach Geld und Ruhm. Und auch wenn die Form des Goldes sich verändert hat, und die Schatzsuchenden heute meist in feinen Anzügen auftreten, so ist eines geblieben: Die Habgier, etwas besitzen zu wollen. Piraterie. In der altbekannten Form so im Heute nicht mehr sichtbar, würde ich trotzdem sagen, dass es die „Piraten der heutigen Zeit“ immer noch gibt. Doch was bedeutet es überhaupt ein Pirat zu sein? Und sind sie wirklich alle so schlecht, wie ihr Ruf, oder verbirgt sich meist mehr dahinter? Ihr könnte es gerne herausfinden, und zwar in diesem Buch. Und nun? Wer heute also auf Schatzsuche gehen will, der darf mir gerne folgen, und sich überraschen lassen, welchen Buch-Schatz, und welches Geheimnis, dieses Buch verbirgt. Mal sehen, was für euch der größte Schatz der Welt ist. Denn: „Ihr wollt meinen Schatz? Den könnt ihr haben! Sucht ihn doch, irgendwo habe ich den größten Schatz der Welt versteckt!" (sorry One Piece, ich musste mir eure Worte gerade mal leihen :D) Also natürlich nicht ich. Sei‘s drum :D. Ihr Lesenden dürft also kurzfristig zu Schatzjägern werden :)

Welche Geschichte uns das Buch erzählt (oder auch: Der Weg zum Schatz):

Henry Voigt, Archäologe, bestreitet in diesem Buch schon sein drittes Abenteuer. Und wie in all seinen Abenteuern, stolpert er mal wieder einfach so hinein. Einfach so? Nicht ganz. Denn Frank, ein alter Freund von Henry wurde entführt. Mitten in einer Museumseröffnung nimmt also ein mysteriöses Phantom Kontakt zu Henry und seinen Freunden auf. Im Tausch gegen Franks Freilassung, soll Henry dem Anrufer dabei helfen, ein altes Buch in die Finger zu bekommen, dessen Geheimnis zu entschlüsseln, welches dann wiederum das Geheimnis in sich birgt zum Schatz eines Piraten zu gelangen. Jaja, ganz schön viele Geheimnisse, und das ist ja gerade das Tolle daran :D. Und weitere kann ich euch nun gar nicht verraten, denn diese muss man selbst herausfinden, um das Geheimnis des Buches zu lösen. Nur eines sei gesagt: Wo ein großer Piratenschatz ist, da sind die Phantome, die ihn finden wollen, nicht weit. Moment! Phantome? Ach so. Selbst herausfinden, liebe Leserschaft :). Denn als Zweites sei gesagt, dass Henry seine Geheimnissuche natürlich nicht alleine bestreitet, und man selbst als Leser alten Bekannten wieder begegnet. Oder sie, und einige ganz neue Aspekte an ihnen, eben auch neu kennenlernen kann (Im Ernst Isaac, MAGNETE?! :D. Du bist ja fast so schlimm, wie ich :D). Und mit diesem kryptischen Geheimnis lasse ich euch nun allein.

Cover und Titel:

Ich bin vollkommen zufrieden mit dem Cover. Nein, ich finde es gar richtig toll. Ich mein: Es ist ein Bussard drauf, wenn das mal nicht Grund genug ist, etwas toll zu finden :D. Aber ganz im Ernst: Ich finde, das Cover fängt gut die Atmosphäre des Buches ein, die Haupthandlung, und man weiß ungefähr, worum es geht, und wo es einen hinführt. Selbst, wenn es sein Geheimnis nicht vollkommen offenbart. Und gerade beim Titel ist man nach der Lektüre wirklich schlauer. Wer weiß, was der Bussard so alles für Geheimnisse in sich trägt?! :) Alles ist also schön stimmig, passend, und symbolisch gut an die Geschichte angelehnt.

Fazit und Gedankenallerlei:

Wie ihr in meinen vorherigen Textfetzen schon gemerkt habt: Jaaa, ich habe das Wort „Geheimnis“ ziemlich oft benutzt :D. Denn ich kann es nicht anders sagen. Das Buch beinhaltet eines. Das Buch ist wie eine lebendig gewordene Schatzkarte und -suche in einem. Denn die Geschichte selbst birgt das Auffinden und die Suche nach einem Schatz. Und oftmals wird einem mit der Lektüre erst klar, dass Schatz nicht gleich Schatz ist, nicht für jeden das Gleiche, und jeder Mensch in Schätzen etwas Anderes sieht. Deswegen glaube ich wohl auch erkannt zu haben, dass es im Buch unterschwellig um viel mehr geht, als nur eine Geschichte um die Suche nach einem Schatz. Nämlich darum, was wir alle in unserer Menschheit als Schatz ansehen, und was uns miteinander verbindet, egal zu welcher Zeit wir leben. Sein es die Piraten im 18. Jahrhundert, die einen Ort für sich gesucht haben, an dem sie in Freiheit leben konnten, was für sie wohl das größte Gut war. Sein es Menschen, die uns so wichtig und kostbar sind, dass wir für sie alles tun. Sein es neu entdeckte menschliche Schätze, die noch frisch sind, und die man beschützen will. Oder sein es Relikte der Archäologie oder gar Gold und Juwelen, die einem immer mehr Macht und Eigentum verleihen. Doch Habgier ist natürlich nie ein guter Berater. Und nicht immer ist alles Gold was glänzt, nicht immer ist ein Schatz das, was wir darin vermuten zu sehen. Nicht immer ist das Offensichtliche genau das, was es sein soll, und manchmal ist es direkt vor unseren Augen, und wir bemerken es nicht, oder gar zu spät. Hinweise, Schatzsuche, Schnitzeljagd……ich gebe es zu….. das alles hat auf alle Fälle unheimlich viel Spaß gemacht, und war auch das, was mich im Buch mitgerissen hat. Mal wieder. Denn ich durfte Henry Voigt schon in Band 2 begleiten. Dazu sei gesagt, dass jede Geschichte für sich gelesen werden kann, da sie eigenständig ist. Aber wie bei allen Büchern macht es natürlich mehr Spaß, wenn man die Hintergründe der Vorgängerbücher kennt, und die Protagonisten schon mal kennengelernt hat, und weiß, wie sie zueinanderstehen.

Im Buch befinden wir uns also schon im dritten Abenteuer von Henry Voigt, seines Zeichens Abenteurer und Schatzjäger, aber eigentlich Archäologe. Könnte einem irgendwie bekannt vorkommen, und an einen anderen Henry mit dem Namen Jones erinnern? Könnte es, muss es aber nicht. Denn unser Henry Voigt ist natürlich Jemand ganz andres. Selbst wenn ich bei den Büchern immer wieder erinnern muss, dass ich als Indiana Jones Fan den Vergleich immer toll finde, weil ich wohl einfach ein riesiger Indiana Jones Fan bin. Und nun kommt es: Die neue Komponente. Denn plötzlich befinde ich mich nicht nur in meinem eigenen Indiana Jones Kopfkino, sondern das Ganze wird ergänzt und komplettiert durch Fluch der Karibik und die Schatzinsel! WAS?! Ja! Mein Kopf stellt eben manchmal merkwürdige Dinge an, obwohl wir uns im Buch gar nicht in der Karibik befinden. Denn diesmal führt uns die Buchreise nach…. Aufpassen!……. London, Capri, Hamburg, in die Pyrenäen von Frankreich, nach La Réunion, auf die Seychellen, nach Mahé und zu kleineren Atollen rundherum. Wenn das mal keine interessante Reise ist, die leichtes Weltreisefeeling vermittelt, dann weiß ich ja auch nicht. Die Atmosphäre der kleinen Reise ist gegeben, man fühlt sich nämlich immer genau vor Ort. Und alles ist so beschrieben, dass man sich beim Lesen so fühlt, als ob man bei der Schatzsuche dabei wäre. Ihr wisst ja wie das ist. Hitze. Meerwasser. Sand in den Schuhen oder gar barfuß in ihm tapsend. Wisst ihr nicht? Naja. Nach dieser Lektüre ganz sicher. Denn die Fantasie wird auf alle Fälle angeregt.

Ebenfalls lernen wir eine ganz neue Seite der Geschichte der Piraterie kennen. Und zwar so beleuchtet, dass sie historisch sogar stimmen könnte. Denn ist es nicht immer so, wenn wir jemanden verurteilen, dass wir immer nur die Seite der Urteilgeber kennen? In diese Mischung aus Historie und Fiktion, aus Realität, Überlieferung und Mythos, sollte man sich in der Lektüre unbedingt fallen lassen. Denn sie nimmt einen nicht nur mit auf ein aufregendes Abenteuer, sondern dazu noch an wunderschöne Plätze der Erde. Man lernt mal wieder sehr viel über Geschichte und Historie, über Herrscher, Piraten, Klöster, alte Bücher, und was alles miteinander zu tun hat. Und, dass viel davon auf wahren Fakten basiert, und keinesfalls ausgedachte Geschichten der Fantasie sind, wenn sie auch fantastisch erscheinen. Denn nicht alles im Buch ist ausgedacht, und einiges wirklich passiert. Genauso, wie man die Orte des Buches auch in der Realität findet (oder in meinem Fall auf Google Maps, das ich nebenher mal immer zur Hilfe genommen habe, um Bilder zu Orten zu finden). Wir haben hier die Verwebung von Aktualität und Historie beziehungsweise Geschichte und Legende. Und von einem Mythos, den es noch heute gibt. Ebenso die Erkenntnis, dass die Schatzsucher von damals auch heute noch unterwegs sind. Wenngleich die Schätze im Heute ganz andere sind, so ist die Faszination nach Ruhm und Geld, nach Gold, und dem Anhäufen von immer mehr Besitztümern und Macht, doch heute noch genauso allgegenwärtig wie damals in den Jahrhunderten der Piraterie, und natürlich allen anderen Jahrhunderten und Jahrtausenden davor, seit Anbeginn der Anhäufung von Besitz in unserer Menschheit.

Das Ganze mutet an wie eine Geschichte über Seeräuber. Ist selbst aber eine Mischung aus der schon genannten Schatzinsel und Fluch der Karibik nur ohne Karibik, und bekannten Filmen, die aus Agenten, Archäologen und Abenteurern bestehen. Doch dadurch, dass es eben ein Mix ist, ist es auch etwas völlig Neues. Und ich habe mich mit Wagemut ins Meer….. nein halt…. In die Geschichte gestürzt. Denn das Meer ist rau, Frauen auch. Sie sind ebenfalls kurvig. Und ihr jetzt so: Hä? :D. Was das Ganze mit dem Buch zu tun hat? Wer weiß das schon. Vielleicht ist auch alles ein Rätsel, das ihr lösen müsst, und was ich euch unterschwellig stelle. Und ihr dürft es, natürlich zusammen mit Henry Voigt und seinen Freunden, lösen. Denn mit der Lektüre begebt ihr euch auf eine Abenteuerreise voller Symbolik und Metaphorik. Ein weiterer Pluspunkt, denn ich rätsele gerne. Nicht nur, dass ich Symbolik total liebe, so wird die Schatzsuche gleich noch spannender. Und ist es nicht genau das, was wir an Schatzsuchen so lieben? Die symbolischen Geheimnisse aufzudecken?

DA ich bei Band 2 der Reihe schon 4 Sterne vergeben habe, und Band 3 nun nochmal eine Schippe draufgelegt hat, was Spannung und Abenteuer angeht, erhält es von mir nun 5 Sterne, da ich rein geschichtlich vollkommen zufrieden war, und das Buch mich entführt hat in sein eigenes Abenteuer. Was bei mir immer noch ein ganz wichtiger Aspekt eines Buches ist. Mein zweiter wichtiger Aspekt, nämlich die Protagonisten, ist auch zu finden. Und zwar in ihrer Menschlichkeit. Alle werden wunderbar menschlich dargestellt, nicht wie Übermenschen, nicht perfekt, sondern in einigen Situationen auch mit menschlichen Schwächen reagierend, aber nie schwach anmutend. Henry Voigt ist ein ganz normaler Mann mit Ängsten, und seine Schwachstelle ist das, was wohl für ihn sein „Schatz“ ist. Und hey, immerhin hat auch Indi Angst vor…ja ok … es sind Schlangen. Aspekt Nummer 3 wäre dann noch, dass der Zeitdruck im Buch, der mit der Suche einhergeht, quasi die ganze Zeit spürbar und gegeben ist. Und das baut solch eine Spannung auf, dass es für mich einfach nur eine Freude war, das Buch zu lesen, und die Geschichte miterleben zu dürfen.

Und am Ende? Nun, wollt ihr ein Geheimnis wissen, welches ich euch verrate? Ich GLAUBE im Buch unterschwellig erkannt zu haben, dass es irgendwie weitergehen MUSS mit der Reihe. Nicht aufgrund eines Cliffhangers, aber aufgrund von offenen Fragen in meinem Kopf, die ich bitte gerne in den nächsten Bänden geklärt wissen will :P

In Schatzkisten kann man viel finden. In diesem Buch auch. Gold, Geld, Macht, Herzen (ja okeee, bin mal wieder bei Davy Jones‘ Truhe gelandet O_o). Ähnlich wie in einem Glas voll Dreck, sind Besitztümer die wir anhäufen für uns mal mehr, und mal weniger wertvoll. Für mich war dieses Buch eine kleine wertvolle Schatztruhe, denn es hat mir eine gute Zeit beschert. Und DAS ist für mich ein sehr großer Schatz. Und auch, wenn mir ab und an ein kleiner Schreibfehler über den Weg gelaufen ist, so kann man diesen ja tilgen, und danach bleibt immer noch die tolle Geschichte übrig.

Heutiges Rezensionslied! Ich hätte nun einige Lieder über Schätze, über Gold, und Schatzsuchen finden können, doch DIESES war das erste, und das Letzte, das mir im Kopf herumgespukt ist. Vielleicht wegen des Zusammenhaltes, den das Lied ausdrückt, vielleicht auch wegen der Symbolik, dass Piratengeschichten nie sterben, solange man über sie erzählt. Oder einfach, WEIL es überhaupt eine Symbolik gibt, und das Erkennen von Symbolen wichtig für eine Schatzsuche ist :D:

„Die Königin wurde vom König entführt. Am Ende siegte er. Es ist vollbracht er hat die Macht. Uns gehört das Meer.

Joho, zugleich hisst die Flagge, zeigt sie. Soll‘n sie uns verdammen, doch wir sterben nie.

Joho. Steht zusammen. Hisst die Flagge, zeigt sie. Soll‘n sie uns verdammen, doch wir sterben nie!“

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2021

Eine nicht immer auf Jubel gebaute Geschichte über die Zukunft von 4 Jungs

Auf Jubel gebaut
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Auf Jubel gebaut von Rainer Kitting

Wie ist es, wenn wir gleich, und doch verschieden sind? Versteht ihr nicht? Alsooo. Kein Mensch ist gleich. Wir alle haben verschiedene Leidenschaften, Dinge, mit denen ...

Auf Jubel gebaut von Rainer Kitting

Wie ist es, wenn wir gleich, und doch verschieden sind? Versteht ihr nicht? Alsooo. Kein Mensch ist gleich. Wir alle haben verschiedene Leidenschaften, Dinge, mit denen wir uns beschäftigen. Wir alle sind schon mal einfach verschieden in unserem Sein. In unseren Hobbies und darin, was wir am liebsten tun. Sind verschieden darin, wie wir Dinge regeln, und mit ihnen klarkommen. Und trotzdem kann es sein, dass wir untereinander uns selbst die besten Freunde sind, und es diese eine Sache gibt, die uns verbindet. Dass wir füreinander da sind und einstehen, selbst, wenn wir nicht immer einer Meinung sind. So in etwa wie im vorliegenden Büchlein. Doch worum geht es eigentlich genau? Das….. verrate ich euch jetzt :)

Die Geschichte des Buches:

Wir nehmen teil an einer kurzen Episode im Leben von Ben, Christian, Rami und Paul. Alle sind im selben Fußballverein, in der U-17 Mannschaft. Doch nicht nur das. Dem Verein, dem FC Tüche, ist eine Akademie angegliedert, um alle darauf vorzubereiten, Profifußballe zu werden. Und so leben die Jungs nicht nur im Fußball miteinander, sondern auch mit den Problemen ihres Lebens. Es gibt ein Finalspiel, das bevorsteht, und natürlich gewonnen werden will. Aber die Gedanken der Jungs kreisen nicht nur darum, sondern auch um die Zukunft, um das, was sie im Leben wirklich wollen, und die Frage, was für wen am besten ist. Und natürlich, ob die gemeinsame Freundschaft dies alles aushält.

Cover und Titel:

Die Farbwahl des Covers ist stimmig, weil alles schön zusammenpasst. Das Licht, das für mich natürlich den Jubel darstellt, aber auch die Dunkelheit der 4 Jungs, die uns eigenen Interpretationsraum gibt, wie wir sie uns in unseren Köpfen vorstellen können. Gut getroffen sind sie allemal, weil die Silhouetten damit auch die Altersgruppe darstellen, für die das Buch angedacht ist. Nämlich AB 12 (aber ruhig auch älter und ins Teenageralter reingehend). Zusätzlich bringt das Ganze etwas Ruhe ins Cover rein, weil man die Lichter, und damit die Vorfreude auf eine große Fußballveranstaltung hat, aber gleichzeitig auch Ruhe, weil es nicht überladen ist mit Menschen, die sich im Stadion befinden. Das gefällt mir. Und ich finde es wirklich gelungen. Denn das ein Cover zweierlei Atmosphären ausstrahlt, das ist doch schon toll. Der Titel, ja. Ich könnte jetzt interpretieren, dass der Jubel eines Endspiels vielleicht nicht alles im Leben ist, und er deswegen vergeht und bröckelt, weil die Jungs merken, dass auch andere Dinge im Leben wichtig sind. Ist aber nur meine Interpretation :)

Fazit und Gedanken zum Buch:

Im Grunde genommen zeigt dieses Buch einem wunderbar auf, wie es sein kann, wenn man sich ein wenig vom Status Quo abwendet, wenn man die Vielfalt liebt, und sich ein wenig aus seiner eigenen Komfortzone herausbewegt. Anhand der Protagonisten, deren wichtigstes Gut ihre Freundschaft ist, merken wir, dass man auch als Fußballer Musik lieben kann, oder sich für Comics interessiert, und trotzdem ein super Stürmer ist. Hier wird niemand in eine Schublade gepresst. Niemand hat so und so zu sein, wie man sich das und dies eben vorstellt. Was ich sehr schön finde. Denn auch in der heutigen Zeit wird man oftmals immer noch in diese Schubladen geschoben, und hat kaum eine Chance, sich daraus zu befreien. So ist es schön anzusehen, dass Ben, Christian, Paul und Rami so neugierig auf die Welt der jeweils anderen sind, dass sie sich darauf einlassen und einander zuhören. Und das ist gut so. Denn würden wir in altem Schubladendenken leben, dann sollte ich als Frau ja wohl auch keine Bücher über Fußball lesen. Und eine schöne Aussage ist ebenfalls, dass alle einzeln etwas können und wissen, was die anderen noch nicht können oder in ihrem Repertoire haben, und dieses voneinander lernen und zusammenhalten ergibt aus allen Teilen zusammen ein Ganzes. Und vielleicht zeigt das Buch auch auf, dass wir als Menschen nicht immer nur in eine Schublade gedrängt werden sollten. Wir sind nicht „Der Fußballer“, „Das Sport-Ass“ „Der Musikfreak“ oder gar „Der Bücherwurm“. Wir können mehr sein, nicht nur in einer Schublade, sondern in einem ganzen Arsenal davon stecken. Was wäre, wenn man der „alleswissende Nerd ist, der Bücher liebt, aber gleichzeitig ein Spor-Ass“ ist? Oder der „Musikfreak der nebenher gerne kocht, und lieber isst, als sich sportlich zu betätigen“? Mir gefällt diese Denkweise, und auch, dass sie im Buch unterschwellig vorkommt. Dass es nicht einfach nur um Jungs geht, die eben gerne Fußball spielen, sondern dass alle sehr vielschichtig sind, viele Leidenschaften haben und nicht nur eine, und man sie somit besser als Mensch mit Emotionen versteht.

Wir gehen im Laufe des Buchs immer mehr in die Tiefe und die Vergangenheit der Jungs, und erfahren viel über sie. Dabei werden einem alle nochmal sympathischer als Protagonisten. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen, und so bleiben sie uns nicht fremd, sondern ganz im Gegenteil, kommen einem sehr nahe, was ein wenig den Reiz des kleinen Büchleins ausmacht. Man fühlt mit, leidet mit, lacht manchmal mit ihnen, aber hat oft auch nachdenkliche Momente. Gerade, oder vielleicht deshalb, weil es genau um die Jugendzeit der Jungs geht, die so viele Entscheidungen einfordert. Alle Jungs haben Verluste in der Vergangenheit erlitten, und vielleicht gerade deshalb ist ihnen ihre Freundschaft so wichtig, und das Thema des Verlusts ist untergründig im Buch überall zu spüren. Sei es der Verlust der Freundschaft, der eigenen Kontrolle, über seine Zukunft, oder der Verlust einer Tätigkeit, die einem wichtig ist. Oder der Verlust dessen, was man von sich selbst denkt zu sein. Hinzukommen die Charaktereigenschaften der Jungs, die sehr gut beschrieben sind.

Was im Buch toll gezeichnet ist, das sind die symbolischen Begegnungen der Jungs mit älteren Menschen, in verschiedensten Konstellationen, die zur Entscheidungsfindung führen könnten, und damit zum Glück, und dazu, was die Jungs im Leben machen möchten. Dabei hören wir uns die Geschichten aller an, bekommen aber keine Entscheidung aufgedrängt, oder stehen unter Druck, dass nun dies oder jenes getan werden muss um ein gutes Leben zu führen. Es zeigt Richtungen an. Und Entscheidungen müssen von den Jugendlichen selbst getroffen werden. Hierbei haben wir Vorbilder in allen Bereichen, nicht nur im Fußball und der Musik, also nicht nur im Können, sondern auch in den Taten, die den Jungs begegnen.

Es geht um die eigene Zukunft, um gemeinsame Zeiten, um Abschied, und die Zeit die man miteinander hat. Um ein Wiedersehen, und dass man nie alleine ist, selbst wenn man sich verabschiedet, weil die Freundschaft bleibt. Auch wenn wir unseren eigenen Weg gehen. Und dass jeder im Leben seinen eigenen Weg finden und gehen muss, und man sich trotzdem weiterhin nah sein kann, selbst, wenn man auseinander ist, und sich nicht mehr so oft sieht. Die Dinge, die man zusammen erlebt hat, die bleiben einem nämlich. Dass es im Leben darauf ankommt, dass wir die Dinge, die wir gerne tun, eben auch gerne machen und tun sollten, dass sie uns Ruhe und Zufriedenheit und ein Gefühl von Glück geben, und nicht, dass wir Dinge tun, und unsere Zeit damit verplempern, wenn es nicht genau das ist, was uns erfüllt, das erfahren wir als Botschaft. Aber auch, dass man im Leben wichtige Entscheidungen treffen muss, manchmal auch zwischen verschiedenen Dingen oder Menschen.

In fast jedem Kapitel erlebt man eine kleine Botschaft. Zum Beispiel freundlich miteinander umzugehen, auf andere zu achten, Empathie zu zeigen, oder auch Menschen nicht zu verurteilen aufgrund ihres Status, dem was sie im Leben tun, aber auch, wie sie aussehen. Wir lernen Fairness im Spiel, und sich über Unterlegene nicht lustig zu machen. Wir lernen, dass Freundschaft über Rivalität stehen sollte. Neid und Missgunst untereinander nicht sein sollte, weil man sich selbst für etwas Besseres hält, diese aber auch unter eh schon gegnerischen Mannschaften nicht sein soll, weil so etwas nie gut ist. Und dann ist da das Erkennen, dass man sich selbst nicht immer der Wichtigste sein kann, sondern die Menschen drum herum als ebenso wichtig anzuerkennen hat. Die Lehre, dass jeder Moment im Leben wichtig ist, dass Freunde und Familie wichtig sind, das Teamsein an sich, und dass es niemandem guttut, nur an sich zu denken und als Egoshooter zu agieren hat mir sehr gefallen.

Dass man im Leben offen sein sollte für Neues, um sich nicht festzufahren in einer Sache, dass man neugierig auf anderen sein sollte, denn selbst in den Unterschieden, die man untereinander oft erkennt, kann man Gemeinsamkeiten finden, ist eine tolle Sache. Immer mit offenen Augen durchs Leben zu gehen, Dinge nicht vorzuverurteilen, denn oftmals kann sich hinter etwas, das ich anfangs verurteile, etwas ganz Tolles verbergen, das ich nie erfahren hätte, wenn ich nicht meine Augen dafür geöffnet hätte. Sprich: Sich auch mal auf etwas einlassen, von dem man anfangs nicht überzeugt ist, und ihm die Chance zu geben, überzeugend zu sein. Das alles sind wichtige Botschaften, von denen ich finde, man kann sie gar nicht oft genug weitergeben. Erst recht an Jugendliche, verpackt in einer kleinen Geschichte über Fußball und andere tolle Dinge, die das Leben so lebenswert machen. Bücher, Musik, Comics, Menschen zu helfen, und natürlich…..Marvel Superhelden :D. Um nur einen Teil davon zu nennen :)

Einige kleine ernste Untertöne, die mit ihrer Botschaft wunderbar im Buch versteckt sind, aber nicht so, dass man sie nicht finden kann, sind dann auch da. Mir gefällt außerordentlich gut, dass so etwas in einem Jugendbuch angesprochen wird. Zum Beispiel glaube ich eine kritische Betrachtungsweise herausgelesen zu haben, dass jeder immer in allem perfekt sein muss, dass nur Menschen toll und gut sind, die immer perfekt in allem sind, und dass Menschen, die nicht immer mit Können glänzen, gerne mal aussortiert werden, weil es so viele andere gibt, die es stattdessen besserkönnen. Um was auch immer es geht. Aber auch Fremdenhass, Leistungsdruck, Rivalität….und dies alles im Fußball, kommt vor, und zeigt auf, wie unschön es ist, wenn es nicht mehr mit Fair Play von statten geht. Auch schön ausgearbeitet wurde, dass es wichtig ist, immer miteinander zu reden, und Menschen nicht in der eigenen Wut anzufahren. Denn jederzeit könnte es für Entschuldigungen zu spät sein richtig? Und Freunde und Familie, das ist ja das wichtigste im Leben, und es sollte auch immer so bleiben. Der Fokus ist gar nicht so sehr auf Fußball an sich gerichtet, wenngleich es natürlich einen großen Teil im Leben der Jungs einnimmt, schon allein deswegen, weil sie sich auf einer Fußballakademie befinden.

Und das ist mir besonders positiv aufgefallen. Die 4 Jungs sind alle zusammen in ihrer Liebe zum Fußball, unterscheiden sich charakterlich aber doch sehr. Wir haben den Musiker, der schon Musik von kleinauf macht, und dem Musik alles bedeutet, den sozial sehr toll eingestellten Comic- und Superheldenfreak, den Klugen, der einfach alles Wissen anhäuft, und den Krawallmacher, der von sich eingenommen ist. Und trotzdem kommt ungemein toll rüber, dass alle ein Team und Freunde sind. Dies erinnert mich dann auch schon an die Geschichten meiner eigenen Kindheit, wo es jugendliche Teams gab, die Kriminalfälle gelöst haben, aber jeder für sich so einzigartig, und alle so verschieden waren, dass man sich über diese Vielfältigkeit von Charaktereigenschaften einfach nur gefreut hat. Somit ist das Büchlein eine Geschichte über die Bedeutung von Freundschaft. Sehr gut ausgearbeitet ist somit, dass alle verschiede Leidenschaften haben, und die eine große Leidenschaft sie alle gemeinsam befallen hat. Fußball. Dass alle verschieden und individuell sind, aber in einer Sache gleich.

Durch mehrere Perspektivwechsel gibt es dann auch mehrere Sichtweisen der 4 Jungs auf das Geschehen. Für ein Erstlingswerk ist das Ganze wirklich richtig schön ausgearbeitet. Und tatsächlich soll es mit den Jungs weitergehen, und eine Fortsetzung geben. Einen ganz kleinen halben Stern Abzug gibt es dann doch, jedoch nur wegen einer Formsache, die mir gar nicht soooo viel ausgemacht hat. Es wird viel mit Hauptsätzen gearbeitet, statt diese in etwas längere Sätze aufzuteilen, die sich dann in Haupt und Nebensatz gliedern. Und so bekommt das Buch von mir 4,5 Sterne, die ich hier als 4 Sterne darstellen muss, da keine Halbsterne vergeben können werden. Und trotzdem: Gerade, weil die Geschichte so bunt und kreativ ist, hat sie auch Potenzial für eine kleine Buchserie über den weiteren Werdegang der Jungs. Alles schreit förmlich danach, dass ich wissen möchte, wie die Lebensgeschichten weitergehen. Und ich denke darauf kommt es bei Büchern an.

Ja, ich schätze das Buch hat durch seine vielen verschiedenen Themen irgendwas in mir berührt, weil es zum Nachdenken anregt. Und so etwas mag ich. Egal wie klein oder dünn ein Buch sein mag. Denn wie beim Menschen sollte man aufgeschlossen sein und ein Buch erst im Inneren kennenlernen, bevor man urteilt. Wir haben wenig Buchstabeninhalt, denn das Buch ist nicht sehr dick, und somit eher eine Kurzgeschichte, aber diese hat viel, und damit umso mehr Botschaftsinhalt. Die knapp 150 Seiten fühlen sich trotzdem gut gefüllt an.

Das heutige Rezensionslied für die Rezension? Ich wollte eben, dass es irgendwie Fußballatmosphäre vereint, zusammen mit der Atmosphäre von Zusammengehörigkeit, weil es trotzdem kein Fußballlied ist. Und damit so vielseitig wie die Jungs in unsrem Roman:

„Wer friert uns diesen Moment ein? Besser kann es nicht sein. Denkt an die Tage, die hinter uns liegen. Wie lang wir Freude und Tränen schon teilen.
Hier geht jeder für jeden durch's Feuer. Im Regen stehen wir niemals allein. Und solange unsere Herzen uns steuern, wird das auch immer so sein.

Ein Hoch auf das, was vor uns liegt, dass es das Beste für uns gibt.
Ein Hoch auf das, was uns vereint. Auf diese Zeit.“

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.05.2021

Gefallen vom Himmel, aber nach dem Aufprall nicht zerbrochen.

Alles, was du für mich bist
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Alles, was du für mich bist von Nora Welling

Freiheit und Fliegen. Der Himmel. Verlust. Aber auch in sich gefangen sein. Den Himmel verlieren. Den Himmel wiederfinden. Sich selbst wiederfinden, und neu ...

Alles, was du für mich bist von Nora Welling

Freiheit und Fliegen. Der Himmel. Verlust. Aber auch in sich gefangen sein. Den Himmel verlieren. Den Himmel wiederfinden. Sich selbst wiederfinden, und neu entdecken. Andere auf eine neue Art neu entdecken. Ängstlich sein. Nicht mehr ängstlich sein. Wieder fliegen können, aber auf eine andere Weise. Es geht um das sich nicht zu Menschen, oder einer Familie zugehörig fühlen, und dass man nicht mehr in seinen Freundeskreis gehört, weil diese einen meiden, da sich etwas geändert hat. Heute mache ich meinen Einleitungstext gar nicht so lange, weil ich in meinem Gedankenteil etwas mehr zum Buch sagen möchte. Trotzdem gab es oben ein paar Stichpunkte, worum es in diesem Buch gehen könnte. Fangen wir also gleich an.

Welche Geschichte uns der Wind im Buch zuflüstert:

Luis, Mitte 20 und Kitesurf-Weltmeister, ist der Sonne zu nah gekommen, und wie Ikarus vom Himmel gestürzt. Der lange Weg danach, zwischen Krankenhaus, Reha und Selbsthass, führt ihn zurück nach Hause. Zur Hacienda seiner Kindheit in Andalusien, von der er als Teenager in die große weite Welt, und vor allem in den Himmel und die Freiheit aufgebrochen ist. Im Kreise der vielen Menschen, die dort leben, unter anderem seine beiden älteren Brüder und viele Angestellte, lebt auch Nuria, die Tochter der Hausdame, Luis‘ beste Freundin aus Kindheitstagen, und mittlerweile Physiotherapeutin. Die Annäherung der beiden, die sich so lange nicht gesehen haben, die Konflikte zwischen Familie, Luis‘ Genesung, und der Umgang der Menschen drum herum, sowohl mit Luis, als auch mit Nuria, das ist der Kern der Geschichte, den man selbst erkunden muss. DA möchte ich gar nicht zu viel sagen, man muss es erleben.

Cover:

Ich liebe die Symbolik des Covers zum Buch, weil ich finde, dass es tatsächlich eins zum Träumen ist. Wir sehen das Wasser, das Meer, eine Weite, und die damit verbundene Freiheit. Und somit auch all das, was Luis genommen wird. Man versteht durch das Cover ein wenig die Sehnsucht nach Weite. Und kann sich ein bisschen in Luis hineinversetzen. Aber auch in Nuria. Eigentlich dachte ich beim Blick aufs Cover, ich käme viel mit dem Element des Wassers in Berührung, dabei sind es alle Elemente der Natur, die uns im Buch begegnen. Doch am allerwichtigsten ist nicht das Meer, das Wasser, die Gezeiten, sondern der Himmel, und die Freiheit die er in sich birgt.

Fazit und ganz langes Gedankenallerlei:

Erstmal ein ganz großes WOW. Dieses Buch hat mich mitgerissen und fliegen lassen. Man ist gleichzeitig himmelhochjauchzend und ab und an zu Tode betrübt, und fühlt sich trotzdem wohl im Roman, denn das Gleichgewicht aus beiden Dingen, Himmel und Hölle, der Fall vom Himmel, zieht einen trotzdem an keiner Stelle runter, lässt einen aber definitiv mitleiden, und ab und an, bei mir eher öfter, auch mitweinen. Das Ganze ist so vielschichtig und bittersüß, dass man mitfiebert, leidet, und jeden versteht, um ihn dann wieder nicht mehr zu verstehen. Es ist ein Auf und Ab der mitfiebernden Art, und jeder geschriebene Satz lässt einen kaum mehr los und fängt einen ein, zieht den Leser ins Buch, um dort zu verweilen. Und irgendwie hat mir das Buch Frühling und Sommer ins Herz gezaubert, und das zu einer Zeit, als sich mein Frühling noch nicht richtig für sich selbst entscheiden konnte. Zumindest nicht dauerhaft und beständig. Wie schon ist es also die Beständigkeit nicht nur in den Jahreszeiten, sondern auch in Menschen zu sehen und zu fühlen. Es wurden einem auf der einen Seite Lebendigkeit gezeigt, auf der anderen auch Abgründe in uns. Die beiden Seiten, die das Leben ausmachen. Die nicht nur fröhlich sein können, sondern auch tiefschwarz. Durch das ganze Buch weht eine Stimmung von Bittersüße, weil man merkt, wie es ist, wenn das alte Leben zwangsweise einem neuen weichen, Platz machen muss. Man fühlt den Schmerz, alles verloren zu haben, was einen ausgemacht hat, und was man im Leben geliebt hat, gleichzeitig fühlt man aber auch ALLES, was ein Mensch für einen sein kann, der einen in diesem Verlust begleitet, und für einen da ist. Dabei ist das Buch einfach nur ehrlich zu einem. Es beschönigt nichts, kommt mit all seiner Wahrheit daher, und bezaubert trotzdem durch seine Wortschönheit.

Die Atmosphäre der Zusammengehörigkeit zwischen Luis und Nuria ist definitiv spürbar, und eigentlich vom ersten Moment an vorhanden, so dass man gar nicht anders kann, als den Weg der beiden zu begleiten, und dabei ein Lächeln auf dem Gesicht zu haben. Auch kommt die Nähe und das beidseitige Vertrauen, das Zueinanderstehen unheimlich gut rüber. Und, dass sich beide gegenseitig ein Zuhause sind, ein Ort zum Wohlfühlen, der keinen Ort braucht, aber auch immer jeweils derjenige, der einen vor der Außenwelt schützt, und manchmal vor sich selbst. Wenn eine Autorin es schafft, dass die Nähe, das Vertrauen und die Gefühle zwischen zwei Menschen im Buch schon fast greifbar sind, dann bin ich quasi völlig hin und weg, verloren, möchte untertauchen, aber bitte auch gerne wieder auf, um besagte Emotionen weiter und die ganze Lektüre hinweg spüren und fühlen zu können, wenn möglich auch noch nach Beendigung des Buches. Was soll ich sagen? Ich denke das wurde hier geschafft. Wurde eingefangen in der Atmosphäre, und zwischen Buchseiten für die Menschen konserviert. Poetisch alles umschmeichelnde Wortkreationen, die Szenen in sich bergen, die nicht nur zum Träumen und Nachdenken einladen, sondern einen auch noch mitten ins Herz treffen. Nicht auf die kitschige Weise, aber garantiert auf die sehnsuchtsvolle. Sehnsucht nach Liebe, Erfüllung, Freiheit, Wärme, Nähe, und seinem Spiegel-Ich, die Person, die einen ergänzt, obwohl sie einem so unähnlich und doch ähnlich in allem ist. Da ist diese Verbindung, und diese ist einfach spürfühlbar.

Die Schwächen machen die Figuren menschlicher, aber nicht schwach. Ganz im Gegenteil erscheinen sie recht stark trotz ihrer Beeinträchtigungen. Sich niemandem zugehörig fühlen, fehl am Platz zu sein, keiner traut einem was zu. Nuria wird unterschätzt in ihrer Rolle als immerwährendes kleines Mädchen, und Luis unterschätzt man in dem, was er noch fähig ist zu tun. In diesem Buch geht es um Freiheit, um das Ausbrechen aus Käfigen, in denen wir gefangen sind, in unseren Körpern, unserem Aussehen, dass wir denken, andere würden uns danach beurteilen. Aber aus unserem Körper können wir nun mal nicht raus. Es geht ebenso um das Ausbrechen aus Beurteilungen, darum, wie uns Menschen von außen sehen, und wie wir nicht gesehen werden wollen. Als Beispiel, dass alle in uns immer das kleine Mädchen sehen werden, auch wenn wir schon eine erwachsene Frau sind. Das Ausbrechen aus all diesen Dingen ist Buchthema. Luis muss unweigerlich aus seinem alten Leben ausbrechen, da ihm keine andere Wahl durch den Unfall bleibt. Nuria muss sich abspalten und entfernen davon, was es mit ihr anrichtet, wie andere sie sehen. Doch in beider Abspaltung vom alten sieht man auch ein Zueinanderkommen der beiden. Und irgendwie hat das Buch für mich die wunderschöne Message und Botschaft, dass man sich für keinen Menschen verbiegen sollte, wenn er einen nicht so akzeptiert und nimmt, wie man ist. Weil er dann ja jemand anderen will, und nicht das eigene gefühlte Selbst. Nuria ist also lieber mit gar Niemandem zusammen, als dass sie sich an jemanden schmeißt, bei dem sie gar nichts fühlt, und es keine Nähe gibt? Bravo Nuria! Mir gefällt ungemein, dass im Roman Dinge angesprochen werden, über die so in der Realität niemand spricht. Weil Menschen manchmal nicht hören möchten, dass jemand davon erzählt, wie es ist, anders als normal zu sein. Dies oftmals stigmatisierend daherkommt. Und die Menschen dann nur solche Dinge wie Mitleid empfinden. Was keinem hilft! Jemand der sich selbst schon nicht mag, für das, was er ist, der kann kein Mitleid ertragen. Ein wahrer Pluspunkt im Buch. Wenngleich es nicht nur diesen gibt, weil ich das Buch allgemein als verkörperten Pluspunkt in all seiner Wunderhaftigkeit sehe. Denn ja, das Buch ist materialisierte, und auf Papier gedruckte Emotion, ist Gefühl in Worten und Buchstaben. Und mit der Lektüre wurde ich weggetragen in eine ganz eigene Buchwelt. Vielleicht bin ich ja geflogen. Denn das Fliegen, ich wiederhole es noch mal, hat hier im Buch eine zentrale Rolle. Und da es im Buch weites gehend um den Himmel und ums fliegen geht, weil es das ist, was Luis nun verwehrt bleibt, kommt diese Sehnsucht nach Himmel, nach Freiheit und Fliegen, nochmal umso mehr durch. Ja, irgendwie lässt einen das Buch fliegen, und nimmt einen mit, in die sehnsüchtigen Gedanken der Freiheit, des Fliegens, und der wunderschönen Arten vom Himmel. Egal, wo sich dieser Himmel für uns gerade befindet. Und so, wie der Wind uns beim Himmelsurfen zum Fliegen über dem Meereshimmel mitnimmt, so hat uns das Buch in Höhen und Tiefen mitgenommen, und uns darin fliegen lassen.

Die Sprache ist so bildhaft, dass das eigene Kopfkino im Moment des Leseanfangs eingeschaltet wird. Und dazu muss man nicht mal die Augen schließen, man kann einfach mit offenen Augen träumen. Sich zu den Orten träumen. Sich in die Gefühle und Emotionen der Charaktere versenken. Die Gezeiten und Jahreszeiten mit all ihrer Gewalt und Sanftheit spüren. Und den Schmerz, aber auch das Glück der Empfindungen. Alles ist menschlich. Man erlebt mit, statt einfach nur etwas über jemanden zu lesen. Man ist dabei. Fühlt die Verzweiflung. Und hat oftmals auch den Duft der Dinge in der Nase, die angesprochen werden, und im Buch vorkommen. Dies ist tatsächlich eines der Bücher, in denen ich seit Längerem solch einen Haufen von Empfindungen gleichzeitig gefühlt habe, dass ich beinahe vergessen hätte, mir ein wenig was zu notieren, weil ich das Lesen einfach nur genießen wollte. Und das habe ich dann auch getan. Also verzeiht: Meine jetzigen Gedanken kommen von meiner Nachbetrachtung, und sind ein Nachhall meiner eigentlichen Gefühle beim Lesen. Das muss ein Buch ja auch erst einmal schaffen :). Alles ist einfach nur wundervoll atmosphärisch geschrieben. Ja, das Buch spielt richtiggehend mit den Atmosphären. Der Stil ist leicht, zart, fast poetisch, und ab und an trotzdem durchwirkt durch eine Schwere und Fülle. Beides im Zusammenspiel ergibt eine Mischung, die einen glücklich, betrübt, traurig aber auch voll Hoffnung zurücklässt.

Und ich kann es nicht anders sagen. Die Geschichte lässt einen mit einem Glücksgefühl zurück, und das ob des doch eher unglücklichen Themas. Wobei: Was ist schon Unglück? Wie kann man das definieren? Und liegt in einem Unglück vielleicht manchmal der Schlüssel zum Glück? Alte Tür zu, neue Tür auf? Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich die nächste. Auf alle Fälle wurde ich nach der Lektüre zurückgelassen mit einem hoffnungsvollen Gefühl, auch wenn die Geschichte nicht gleichbleibend auf ein Happy End zufliegt. Wir haben Rückschläge in den Stimmungen, Stimmungsschwankungen, was das Ganze noch realistischer macht. Es gibt durchaus lustige Stellen, aber auch tiefgehend depressive, die zum Nachdenken anregen. Man wird durch die Worte bittersüß gefangen genommen, schleicht und wankt durch die Leichtigkeit des Seins, verwoben mit einem Dasein, dem die Leichtigkeit beraubt wurde. Oder vielleicht auch nicht? Unter all dieser Schale aus gebrochenen Träumen und verbitterten Gedanken erkennt man, wenn man tiefer gräbt, in vielen Situationen so etwas wie Humor. Schwarzer Humor, Galgenhumor, aber auch Humor, der uns zum Schmunzeln bringt, und genau an den richtigen Stellen für eine Auflockerung des Themas sorgt, das uns sonst in eine Gedankendauerschleife bringen würde. Ein Buch über das Leben, den Verlust des alten, und den Gewinn eines neuen Lebens, wie auch immer Leben aussehen mag, und wie wir es definieren. Leben das nicht mehr lebenswert ist, und plötzlich doch wieder. Leben mit, und ohne eine bestimmte Person. Leben, das nur lebenswert mit DIESER Person ist. Leben auf einer Hacienda, die Flucht von dieser, und das Zurückkehren. Das Leben in seinem Beginn als Kind. Und wie alles miteinander alles dem Leben zugehörig zusammenhängt. Ist es doch die Freiheit, dieses Gefühl absoluter Losgelöstheit, das Luis letztendlich durch seinen Sturz das nimmt, was er beim Kitesurfen empfindet. Die Lebendigkeit der Sinne, und damit das Leben auf seine normale Weise, und mit all den Dingen, die ein Leben glücklich machen. Ein Zuhause. Doch irgendwann erkennt er, dass dieses Glück auch in einer Person liegen kann, ebenso wie ein Zuhause. Und dadurch das Leben lebenswert ist, trotz der Tragik darin.

Man fühlt wie sich ganz langsam etwas aufbaut, sich durch die Zerbrechlichkeit zweier Personen wühlt, die sich einander annähern, obwohl sie sich als Kind schon so nah waren, und dann das Leben und der Lauf der Zeit und eigene Träume dazwischenkamen. Wir haben zwei Personen die angebrochen, aber nicht völlig zerbrochen oder gebrochen sind, und die sich zusammen mehr wert sind, als anderen, dies aber dafür glaubhaft und überzeugend. Nuria will anerkannt und respektiert werden. Luis will nicht als Krüppel gesehen werden, ist aber so verbittert, dass er sich selbst so sieht. Ähnlich ist es mit Nuria. Verbitterung auf beiden Seiten aus verschiedenen Gründen. Und doch ähneln sich beide, und geben sich gegenseitig das, was andere ihnen nicht geben können, und genau das macht es so glaubhaft und schweißt beide zusammen. Da ist ein Paar, so ganz anders, mit eigenen Problemen, aber zusammen einfach beneidenswert, zueinanderstehend, voller Zusammenhalt und einfach wunderbar. Die Gefühle kommen ganz leicht und zart daher, fast wie bei einem Windhauch über dem Meer, der einen fliegen lässt. Und trotzdem empfindet man sie gleichzeitig der Tiefe wegen auch wie bei einem Sturm, der den Flug durcheinanderbringt, und den Fliegenden straucheln lässt. Das Buch bewegt, und lässt gleichzeitig still innehalten, ob seiner wunderschönen Sprache, die irgendwie verzaubert. Wir dürfen als Leser teilhaben an einer puren Ehrlichkeit und Intimität, die so rein und schön, und auf gar keinen Fall peinlich ist. Und tatsächlich verspürt man nach der Lektüre eine gewisse Dankbarkeit, der Geschichte und ihren Figuren gelauscht zu haben, und möchte Dankeschön sagen, dass sie uns ihre Geschichte erzählt haben. Übrigens: Aufgrund zweier Perspektiven und deren Wechsel kommen uns die Emotionen sehr nah, und man ist immer in den jeweiligen Gedanken von Luis oder Nuria.

Die Beschreibungen der Szenerien, sind atmosphärisch schön, bildhaft gezeichnet, so dass man sich die ganze Zeit in der Geschichte wähnt, und sich so fühlt, als ob man direkt bei allen Ereignissen dabei wäre. Die Beschreibungen der Orte, der Landschaften, oder einfach nur des Windes, der im Buch weht - Geschrieben mit lebendig werdender Sprache. Selbst die Nebenfiguren leben auf. Diese wird man übrigens aus Teil 1 kennen, denn dies ist Teil 2 einer Trilogie, in der jeder Teil auch für sich gelesen werden kann. Denn wir haben 3 Brüder auf der Hacienda, und somit weiß nun jeder, dass es noch einen Teil geben wird :)

Und am Ende möchte man dann einfach nur sagen: „Ach Luis, du brauchst die Freiheit und das Glück des Himmels doch gar nicht, wenn Nuria dir das Glück und den Himmel auf die Erde bringt, auf der du so unglücklich gelandet bist.“ Die endlose Weite des Himmels, seine scheinbare Unendlichkeit und Freiheit gegen das Gefangensein im eigenen Körper, wenn dieser nicht mehr tut, was man von ihm will. Aber auch die Hoffnung in Form eines neuen menschlichen Himmels.

Und weil der Himmel eben nicht nur dort oben sein kann, sondern auch unten bei uns auf der Erde, auf der wir manchmal hart landen, konnte es gar kein anderes Rezensionslied geben, als dieses, weil es einfach so perfekt passt:

„And we're spinning with the stars above. And you lift me up in a wave of love.
Ooh, baby, do you know what that's worth? Ooh, Heaven is a place on Earth.
They say in Heaven, love comes first. We'll make Heaven a place on Earth.
Ooh, Heaven is a place on Earth.“

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 17.05.2021

Elsa trifft auf Mister Right…äh Wrong…..nein…Q…“

Liebe, Männer, Eierlikör und andere Katastrophen
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Liebe, Männer, Eierlikör und andere Katastrophen von Elsa Stern

Die Suche nach dem einen perfekten Menschen in unserem Leben, mit dem wir genau dieses bis ans Ende verbringen wollen, beschäftigt uns ja ...

Liebe, Männer, Eierlikör und andere Katastrophen von Elsa Stern

Die Suche nach dem einen perfekten Menschen in unserem Leben, mit dem wir genau dieses bis ans Ende verbringen wollen, beschäftigt uns ja schon sehr. Nicht nur in der Realität. Auch in filmen, in Büchern, in Liedern, Geschichten. Die wahre Liebe zu finden, ist nicht einfach. Manche nehmen ihr Glück selbst in die Hand, andere glauben ans Schicksal. Manche nehmen es locker, und lassen alles auf sich zukommen, andere sind so verzweifelt, dass sie nach jedem Trinkhalm packen. Oder alternativ nach jedem Partner, Hauptsache nicht allein. Und eventuell verbirgt sich dann ja genau unter DIESEM EINEN der Richtige auf immer und ewig? Tja, wer weiß das schon so genau?! Vielleicht steht ja wirklich alles in den Sternen geschrieben. Vielleicht aber auch irgendwie in uns selbst. Fakt ist, dass es schon so manche schicksalshafte Begegnung gegeben hat, und daraus eine Liebe versponnen wurde. Solche Zufälle gibt es, genau wie Ratgeber, die einem sagen, was man zu tun und zu lassen hat, um dem Richtigen oder der Richtigen zu begegnen. Nicht ganz so romantisch, ich weiß. Tjaaaa. Aber wenn nun das Zufallsschicksal zuschlägt, und uns Geschichten von Dingen erzählt, die beinahe unglaublich scheinen, von Liebenden, die sich kennengelernt haben, weil Dinge eingetroffen sind, die es eigentlich gar nicht g eben kann, dann ist das doch……….Awww <3 :D. Und weil ich so etwas auch mag, und es an meiner romantischen Ader rührt, habe ich dieses Buch wohl auch so liebgewonnen. Worum es eigentlich geht? Ach so. Um die Liebe, und das Finden von dieser.

Welche Geschichte uns im Buch erzählt wird:

Alles beginnt mit einem Tagebuch, nämlich genau DEM Tagebuch der 16jährigen Elsa Stern, unserer Hauptprotagonistin, die im Heute keine 16 mehr ist, sondern eine Frau, kurz vor der magischen 30. Weitere Einzelheiten der Geschichte sind ein Auffahrunfall, die Suche nach dem Mann, der einem vorherbestimmt ist, eine abergläubige Freundin, die Vorhersage eines…..äh….Geistes? :D, und ein gegnerischer Anwalt namens……… ja wie heißt er eigentlich? :D. Beinahe könnte man die Geschichte so stehen lassen, weil man sich den Rest einfach selbst durchlesen sollte, um aus dem Schmunzeln nicht mehr rauszukommen. Trotzdem ein paar Worte. Elsa wurde als junges Mädchen ihr Traummann vorhergesagt. Ihre beste Freundin, damals selbst dabei, möchte sie nun an der Seite eines Mannes sehen, damit sie kein Single mehr ist. Dies möchte auch Elsas Mutter, wenn auch aus anderen Gründen. Läuft die Zeit ihrer Tochter doch davon, noch einen anständigen Kerl abzubekommen. Elsas Freundin will da für sie eher den Einen, wenn möglich den vom Schicksal vorhergesagten. Aber wer soll das eigentlich sein?! Wenn das Schicksal es gut mit ihr meint, kann es doch niemals wollen, dass Elsa mit diesen Kerlen anbandelt, die sie auf einmal umgeben. Oder doch? Irrungen und Wirrungen sind vorprogrammiert. Den Rest der Geschichte muss man einfach selbst erleben.

Cover:

Wir haben hier ein knallbuntes Cover, das sofort gute Laune macht. Dazu Symbole für Männer, Liebe, und Eierlikör. Aber Katastrophen sehe ich auf dem Cover definitiv NICHT. Ebenfalls schön finde ich, den angedeuteten Hintergrund, der aussieht wie Sterne. Und in denen liegt doch unser Schicksal, oder? ;)

Fazit und Gedankenallerlei:

Elsa ist einer dieser Menschen, der nicht pragmatisch mathematisch wissenschaftlich geordnet lebt, und nicht alles schafft, was sie in Angriff nimmt. Zumindest nicht gradlinig und ohne Umwege. Sie ist vielmehr Herrin der Ordnung in ihrem eigenen Chaos, das Fettnapftreten ist mir dann auch sympathisch. Denn Tatsache ist, dass ich mit Perfektion und auf Pragmatismus ausgerichteten Personen ebenfalls nie etwas anfangen konnte. Elsa ist nicht dumm, und nicht schusselig, nein, viel mehr grätscht ihr das Schicksal und das Universum ständig in ein wohlgeordnetes Leben hinein, so, dass wir sehr häufig Missgeschicke erleben, und peinliche Situationen, die gar nicht peinlich sind, sondern eher zum Schmunzeln, oder gar zum Grinsen. Hier wimmelt es nur so von Kuriositäten. Sowohl in Situationen, als auch in Menschenform.

Alles läuft schief, und mit Volldampf wird in jede noch so peinliche Situation gelaufen. Doch richtig gut ist es, dass uns aufgezeigt wird, in einer sehr überzogenen Art und Weise, dass man auch mit Peinlichkeiten im Leben klarkommen kann, selbst wenn man sich darüber ärgert. Vielleicht eine kleine, aber feine Lehre im Buch. Denn schlimmer geht es immer. Und auch wenn ich sehr tollpatschig bin, so ist Elsa tollpatschiger. Wo ich im Boden vor Scham versunken wäre, da packt Elsa noch einen drauf. Aber genau das macht den Geist des Buches aus. Das Ganze ist somit chaotisch liebenswert und liebenswert chaotisch. Also in etwa so, wie unsere Protagonistin Elsa Stern.

Elsa trifft auf ihrer Katastrophenreise auf mehrere Mistertypen. Wrong, Right, Q….. und dann ist da ja noch die Liebe, die einem irgendwie zwischendrin auch begegnet, und die wie ein Stern vom Himmel fällt, und schicksalshaft einfach da ist :D. Doch welcher der vielen Misters Elsas Sternenherz erobern wird, das bleibt die Frage, auf die ihr tatsächlich am Ende eine Antwort bekommt. Denn Fehlschläge und Missverständnisse gehören doch zu jedem ordentlichen Weg, dessen Endziel eine ordentliche und wunderbare Liebesbeziehung ist, oder? Tarnt sich hier das Glück in Form von Unglücken, Katastrophen und Missverständnissen, oder läuft alles auf eine Schicksalsform der Sterne hinaus, Frau Stern? Was einem das Ganze noch näherbringt an der Geschichte ist, dass uns alles Aus Elsas Sicht erzählt wird. Und nicht nur das. Wir bekommen die Geschichte und alte Kalauer und verschiedene Geschichten aus Elsas Leben direkt von ihr erzählt. Sie richtet das Wort direkt an uns, und gibt uns somit einen Einblick in ihre Geschichte, ihre Missgeschicke, ihre Tollpatschigkeit und ihre Fettnäpfe, die keine Näpfchen mehr sind. Jaja. Die Elsa, das Fräulein Stern, ist schon etwas ganz Besonderes, finde übrigens nicht nur ich, sondern auch Herr Q. Und Besonderheiten kann man ja immer so auslegen, wie man sie möchte.

Ich habe die Geschichte wirklich genossen, weil ein lustiges Highlight das nächste gejagt hat. An manchen Stellen war es gar wirklich schwarzhumorig, mit Zynismus, Sarkasmus und Ironie gespickt. DA muss man mit jeder Lebenslage, und dem gesamten Leben in seiner Buntheit klarkommen, der Verkettung von Missverständnissen und Ereignissen. Das ist alles auf so eine fröhlich spritzige Weise geschrieben, die uns rasant durch die Liebeleien, die nicht vorhanden sind, nervende Verwandte, nicht immer beste Freundinnen, und Traummänner pustet. Und das in Sternengeschwindigkeit. Falls es die gibt. Falls nicht, tut es das ab heute. Ohne alle Szenen im Buch zu ernst zu nehmen, nehmen die Szenerien sich nicht zu wichtig. Die Komik ist da, die Pannen ebenso, fast schon überzogen. Aber so, dass sie wohl auch über sich selbst lachen können. Die Geschichte ist somit herrlich originell und witzig, ein wenig aus der Realität gefallen, und doch in ihr stattfindend.

Jaja, das böse böse Schicksal (oder ist es eine andere höhere Geistermacht?! :D), überlegt es sich hier ständig anders, macht Bögen, läuft nicht gradlinig aufs Ziel zu, will alles auflösen, und tut es dann doch nicht, um sich einen Moment länger über Elsa lustig zu machen, und ihr dann doch wieder Steine in den Weg zu legen, damit sie ihre Bogenumwege geht. An einigen Stellen steht man soooo kurz vor einer Lösung des Problems und der Verwicklungen, und in der nächsten Sekunde ist man doch wieder tiefer in der Bredouille, als vorher. Das bedeutet für den Leser, zumindest für mich, dann natürlich auch, dass man während der Lektüre gerne mal dauergrrrrrt, sich die Hand gegen den Kopf schlägt (aua!), und irgendwie…… nun ja………… mitfiebert, und sich fragt, wann das endlich ein Ende hat. Natürlich nicht das Buch! Sondern die Qual der Elsa Stern, die doch endlich mal ihr Happy End bekommen sollte (und ich mein Leserhappyend). Doch manche Menschen sind wohl so chaotischtollpatschigschusselig und irgendwie mit einem liebenswerten Brett vor dem Kopf gesegnet, dass es immer neue „Katastrophenabenteuer“ geben wird. Und auf die würde ich mich dann auch tatsächlich freuen. Natürlich in Buchform.

Trotz, dass wir von dem Mann, der am meisten im Buch herumspukt, den Name nie erfahren, merkt man doch die Atmosphäre, die sich sternenhaft und schicksalslastig zwischen Elsa und…. nuja… eben Herr Q… ausbreitet. Und dieser Wortwitz macht das Ganze noch humoriger. Denn trotz, dass wir von einigen Figuren keine Namen erfahren, und sie nur „Die A. oder die E. oder eben Herr Q“ sind, bleiben sie nicht grau, sondern leben in der Geschichte, und die Geschichte lebt irgendwie von ihnen. Dabei hat jeder seinen Spleen. Esoterisch angehauchte Freundinnen, die an das Schicksal glauben, Freundinnen die Systeme erfinden, wie Männer und Frauen am besten zusammen agieren, kommen hier genauso vor, wie eine Mutter, die ihre Tochter unbedingt an den Mann bringen will. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Männercasting? Verrückt :D

Die Geschichte nimmt sich selber nicht zu ernst, ehrlich gesagt sogar gar nicht, und spielt mit den Klischees der Suche von Singlefrauen nach dem passenden Mann fürs Leben. Hinzu kommt die Weisheit einer Mutter Bennett, die ihre Töchter in Stolz und Vorurteil auch unbedingt unter der Haube sehen wollte. Und eine kleine Prise der schusseligen Abenteuer von Bridget Jones. Wenngleich Elsa wohl noch ein klein wenig schlimmer ist, was diese Dinge anbelangt. Das Hineinmanövrieren in die Absurditäten des Schicksals und Elsas Leben, ist dann wirklich so humorig, dass man dauerhaft und bei jedem Satz nur lachen könnte. Ich bin ja nie niemals fürs Verkuppeln, aber was Elsas Freundin E. und ihre Mutter hier so treiben, das ist dann doch so lustig, dass man es nicht ernst nehmen kann, was aber genau den Reiz ausmacht. Elsa stampft und stolpert von einer Katastrophe in die nächste. Ja, und irgendwie zieht Elsa den Schlamassel auch magisch an, was sie allerdings nur umso sympathischer macht. Doch Elsa tritt nicht von einem Fettnäpfchen ins andere, nein, sie tritt von einem Eierlikörbecherchen ins nächste, doch ohne die Macht des Fettnapfes, der alles verkompliziert. Denn obwohl hier nicht alles nach einem festen Plan läuft, läuft es. Punkt. Und wohin? Natürlich in Richtung des Schicksals, das sich eine ganz besondere Pointe ausgedacht hat, und alle ein wenig in seiner Veräppelung mitnimmt. Also alles leichter, als es klingt, denn Elsa verliert ihren Zynismus nie. Man sollte das Ganze nicht zu ernst nehmen, und so ist es wohl auch gar nicht gewollt. Denn die Lektüre und Situationskomik ist einfach nur erheiternd und dauerpräsent.

Ja, Elsa, das Sternderl, ist Österreicherin, und das bekommt man in einigen Worten des Buches auch genau mit. Trotzdem. Es ist nicht wirklich störend, oder zumindest habe ich es nicht als störend empfunden. Und trotz, dass mal der ein oder andere Begriff auftaucht, kann man das Buch und die Geschichte trotzdem verstehen, weiß im Groben, was damit gemeint ist, und lernt dazu noch ein paar Wörter :)

Die Welt ist ein Dorf, und so ist es auch in diesem Buch. Alles hängt miteinander zusammen. Jeder hat eine Verbindung zu jedem. Und das Schicksal, oder auch das Sternenuniversum, schleicht um alle herum, und hat für jeden einen Plan. Mal mehr, mal weniger. Die Verwicklungen und Verwirrungen, passen alle ineinander, fügen sich in die Linie der Geschichte, und das, obwohl nichts planmäßig läuft. Das Schicksal nimmt hier einen sehr wackligen, merkwürdigen und holprigen Weg. Irrungen und Wirrungen eben. Dann sind da noch jede Menge Missverständnisse und falsches Verstehen, sowie Dinge einfach anders zu deuten als die, auf die es dabei ankommt. Kurz gesagt. Hier gibt es nicht nur eine Menge Irrungen und Wirrungen, das Buch besteht daraus. Und das ist ein Kompliment. Denn diese Irrwirrungen machen das Ganze rasant, und gleichzeitig gemütlich, aber vor allen Dingen humorig wundervoll und chaotisch lustig. Und das Unheil, oder gar Unglück nimmt seinen Lauf. Oder ist es gar das Glück, das in Form des Unglückes erscheint? Das gilt es herauszufinden.

Und weil die Sterne auf dem Cover schon magisch anziehend sind, und voller Schicksal leuchten. Und weil Elsa eine Stern ihres Namens ist. Und weil es schwer ist, ein Herz einzufangen, und die Liebe zu finden, dachte ich, das heutige Rezensionslied passt zum Buch:

„Trying to catch your heart, is like trying to catch a star. So many people love you, baby. That must be what you are.

Waiting for a star to fall, and carry your heart into my arms, that's where you belong, in my arms, baby, yeah.“

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