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Veröffentlicht am 18.02.2020

Die Würde des Menschen ist unantastbar……auch im World Wide Web.

Im Netz des Lemming
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Im Netz des Lemming von Stefan Slupetzky

Seid ihr schon mal im Internet für etwas verurteilt worden, für das ihr gar nichts könnt? Hat euch schon mal jemand einfach etwas unterstellt, ohne euch nach den ...

Im Netz des Lemming von Stefan Slupetzky

Seid ihr schon mal im Internet für etwas verurteilt worden, für das ihr gar nichts könnt? Hat euch schon mal jemand einfach etwas unterstellt, ohne euch nach den genauen Hintergründen zu fragen, nur, weil er sich im Kopf eigene Gedanken macht, und diese für richtig hält, und euch keine Chance gibt, euch zu verteidigen, oder das Missverständnis aus der Welt zu räumen? Ein unangenehmes Gefühl, nicht wahr? Das Internet ist nicht grundsätzlich böse, aber mittlerweile leider ein Tummelplatz für all jenen geworden, die gerne einfach etwas verbreiten möchten, das gar nicht stimmt. Und dabei werden diese jene mutiger, als man sie aus dem richtigen Leben kennt. Sie sind anonym, und lassen im Internet durch genau jenen Mut der Anonymität alles heraus, was ihnen stinkt. Sind beleidigend. Oder einfach nur frech. Dies ist die eine Seite. Die andere beschäftigt sich mit der Kälte dieser Menschen. Man selbst wird nur noch wenig als Mensch wahrgenommen, sondern ist nur noch eine Nummer, ein Nickname, hinter dem sich was weiß ich was verbergen kann. Oftmals hat man das Gefühl, nicht mehr mit Menschen zu sprechen, sondern mit Robotern, die standarisierte Antworten geben, und sich nicht mehr mit dem Einzelmenschen beschäftigen. Und ja, verliert euch nicht im Internet. Kleiner Tipp: Bleibt ihr selbst, seid freundlich, und sagt, wenn euch etwas stinkt. Aber immer mit Respekt. Denn jeder weiß doch, dass Gewalt Gegengewalt erzeugt, und dann ist man gefangen in einer Spirale aus Gegenargumenten, gehetzten Menschen, die dazu noch traurig sind, und dies alles kostet mehr Energie als uns allen guttut. Nun kann ich hier meine Sprüche aufsagen, wie ich möchte. Idiotische Menschen wird es leider immer geben. Und ja. Bei einigen, wahrscheinlich sogar den meisten, rede ich mit meinen Worten gegen eine Wand. Jeder ist nur noch auf sich und sein eigenes Wohl bedacht, und versucht dieses durchzusetzen, seine Meinung unbedingt zu verbreiten, um wichtig zu erscheinen, in diesem Wust aus Menschen, die auf der Erde leben. Und ja, dafür hat das Internet eben die größte Reichweite. Willkommen also bei den Selbstdarstellern, Hassmenschen die ihre Wut auslassen müssen, Mürrisch Unterdrückten, die so versuchen ihre Unterdrückung zu kompensieren, und Jenen, die einfach alles und Jeden hassen, nur aufgrund dessen, weil Derjenige anders ist, als es die „Normalität“, der Standard, vorgibt.

Dieses Thema folgt mir nun schon eine ganze Weile, just in meinen Lektüren. Derjenige, den ihr für blöd haltet, ist vielleicht in Wahrheit ein Genie. Denjenigen, den ihr für faul haltet, ist vielleicht in Wahrheit fleißig, und kann momentan einfach nicht so viel tun, da ihn eine Krankheit plagt. Und ja, nur, weil man dies uns das anzieht, ist man noch lange nicht wunderlich und merkwürdig, sondern eher kreativ und bunt und wundervoll :) Was auf jeden Fall kein Mensch ist, das ist etwas Schlechteres, nur aufgrund einer ihm angeborenen Krankheit. Was das alles mit dem Buch zu tun hat? Nun ja. Solch ein 11jähriger Junge ist Ausgangspunkt für den Anfang des Buches.

Die Geschichte des Buches:

Hauptprotagonist ist Leopold Wallisch, alias der Lemming, seines Zeichens früher bei der Polizei, und nach einigen Schwierigkeiten dort, nun aktuell als Tierwärter im Zoo Schönbrunn beschäftigt. Sein alter Freund bei der Polizei ist Polivka.

Mario ist unser 11 Jahre alter Junge, und hat eine Hasenscharte und begeht Selbstmord, nachdem im sozialen Netzwerk „Jabberpal“ ein Kommentar gegen ihn gerichtet wurde. Die Geschichte um Mario ist umso tragischer. Seine Mutter wurde vor Jahren von einem Flüchtling vergewaltigt, und ist anschließend ihren Verletzungen erlegen. Sein Vater ist Regisseur, und macht gerade auf sich in der Presse aufmerksam durch einen neuen Film, in dem er über Flüchtlinge berichtet. Wir alle kennen das Internet. Heute. Ein Ort wo jeder seinen Dreck ablegen darf, und alles schreiben kann. Gesinnungen werden offenbart, auch wenn sie nicht offensichtlich sind. Solch ein Selbstmord hat also nicht einfach nur deswegen Präsenz, weil ein 11jähriger Junge Suizid begangen hat, und nicht mehr leben wollte. Sondern auch deswegen, weil die Kommentare über diesen Selbstmord, und nun kommt das eigentlich Schlimmste, im Internet nicht nur Entsetzen auslösen, sondern auch Freude und Genugtuung. Nazis, die mal wieder ihre blöden Behauptungen aufstellen, dass ein Regisseur, der sich mit dem Islam quasi beschäftigt, es nicht anders verdient hat, dass nach seiner Frau, die durch einen Ausländer gestorben ist, auch noch sein Sohn stirbt. Für sie ist das die gerechte Strafe dafür, dass der Regisseur Kurt Rampersberg es wagt diesen Film zu drehen, der die österreichische Gesellschaft im Buch spaltet. Aber damit nicht genug. Lemmings Sohn Ben ist mit Mario in eine Jahrgangsstufe in der Schule gegangen, was den ganzen Fall persönlich macht, denn so lernt Lemming Mario erst kennen. Da dieser in der Bahn mit Mario gesessen hat, als dieser sich in den Tod gestürzt hat, wird Lemming schnell ins Fadenkreuz genommen. Denn weil er Marion auch noch einen Bonbon angeboten hat, wird er natürlich zusätzlich von einem alten Mann als Pädophiler angesehen, der auf Kinderjagd ist, sich an Mario ranmachen wollte, und damit der Grund für Marios Todessturz ist. Dem Lemming wird gekündigt, denn solch einen Menschen kann niemand beschäftigen, der seinen Ruf wahren will. Polivka wurde hingegen beurlaubt, hat dann aber selbst den Hut genommen, und ist gegangen. Ihm wurde vorgeworfen, den Lemming nicht festgenommen zu haben. Alles stehen in einem schlechten Licht da. Ohne Beweise, nur wegen Hörensagen und Gerüchten, weil ein alter Mann Lemming angezeigt hat. Rufmord eben. Einer gibt etwas vor, andere ziehen hinten nach. Rufmord, damit der Tag interessanter wird? Man erzählt Märchen, um sich wichtig zu fühlen, selbst wenn man keine Beweise dafür hat? Um wirklich jemandem zu schaden? Aus Gehässigkeit? Oder weil man rundum wütend auf alles ist? Denn halt, da gibt es ja noch was im Buch: Menschen in hohen politischen Ämtern, oder Ämtern, die viel Macht innehaben, die wollen manchmal Dinge vertuschen und verschleiern, um besser da zu stehen, deswegen gibt es ein Ablenkungsmanöver. Und ja. Die Verbreitung des Manövers wird gerne im Internet oder in der Presse veranstaltet. Die Menschen sind dann auf einmal darauf fixiert und das Manöver hat geklappt. Und wenn man mit dem Thema der Ablenkung noch in ein Wespennest gestochen hat, dann geht ein Buschfeuer um, welches wahrlich schwer zu löschen ist. Eine Meinungsmache geht durch das Volk. Und Finten.

Wir haben im Buch also mehrere Themen, die aufeinander knallen. Wie es eben im richtigen Leben auch so ist. Wir haben Shitstorms, Mobbing im Internet, Fremdenfeindlichkeit, Hetze, Nazis, der raue Ton in den sozialen Netzwerken, Shitstorms, die Machthabe in der Politik…………….. und dass einfach jeder Mensch Kommentare abgeben darf, wie er gerade will. Und mal ehrlich. Jeder hat schon mal dumme und hirnlose Kommentare im Internet gelesen. Wie auch nicht? Die gibt es ja zu genüge.

Und zwischendrin im Buch erfährt man von Regisseur Rampersberg, dass er den Film über Flüchtlinge eigentlich für seinen Sohn und als Erinnerung an seine Frau drehen wollte. Deshalb, weil er dem Sohn klarmachen wollte, dass kein Mensch automatisch zum Monster und gewalttätig wird, nur, weil er eben ein Fremder oder Anders ist. Sondern weil das oft eine Reaktion auf eigene Folter ist. Ein gefolterter oder jemand, der sich schlecht behandelt fühlt, holt sich den Respekt, den er nicht bekommt, dann eben mit Gewalt. Schrecklich, ich weiß. Ich wollte es trotzdem mal gesagt haben. Denn da gibt es auch noch Amar. Ein Flüchtling, den Rampersberg bei sich aufgenommen hat….. Man merkt. Das Buch ist ein Tummelplatz aus verschiedenen Menschen, Meinungen, Geschehnissen…. Und alles hängt irgendwie zusammen.

Heute mal keine Cover- sondern eine Titelbeschreibung:

Und wie unfassbar gut passt der Titel, und wie wunderbar doppeldeutig er ist. Das Netz des Lemming, weil das Wallischs Spitzname sozusagen ist, und er sich in einem Netz aus fiesen Kommentaren befindet, und gleichzeitig diese sich im Netz, dem Internet abspielen. Aber anders kann man den Titel auch so auslegen, dass es einfach ein heilloses Durcheinander gibt, wenn Lemminge sich in einem Netz verfangen. Denn Lemminge folgen sich gegenseitig. Springt einer in den Tod, hüpfen die anderen hinterher. Dass es im Buch natürlich auch noch um solch einen Todesfall geht, bringt ebenfalls einen Zusammenhang. Aber ein wenig spielt es auch darauf an, dass die Lemminge im Internet eben einem folgen, der etwas behauptet. Und schon folgen die anderen mit miesen Kommentaren. Manches mal……. sind Menschen eben einfach nur wie Lemminge, die stupide jemandem hinterherrennen, oder etwas tun, was jemand getan hat, ihm zustimmen, ohne mal selbst darüber nachzudenken, was sie da eigentlich tun.

Fazit und eigene Gedanken:

Das Buch ist nicht grausam in seinen Taten und seinem Wirken. Und trotzdem sitzt man ab und an davor, uns muss sich sammeln. Es strahlt viel mehr eine Art Grausamkeit der Worte aus, und die können ja bekanntlich viel mehr verletzen, als es Taten und Wirken können. Die Worte der Social Media Verläufe und Kommentare könnten realer nicht sein, und sind das Spiegelbild dessen, was wir täglich lesen, wenn wir im Internet unterwegs sind. Und genau das macht es noch ein Stück grausamer, als die Worte an sich. Dass einem klar wird, dass dies nicht Fiktion ist, sondern Realität, die geschieht, während man genau dieses Buch liest. Die Missstände in der heutigen Welt werden einem hier aufgezeigt. Außerdem, wie genau es zu Sensationsgier und Hysterie kommt. Es zeigt, was in unserer Zeit falsch läuft und agiert dabei sehr politisch. Wir haben auch hier wieder eine Fratze, einen Spiegel, der der Gesellschaft vorgehalten wird, und in dem eine hässliche und Fratze der Bösartigkeit auftaucht, das Ganze ist besorgniserregend. Gibt es Menschen, die andere dafür bezahlen, Meinungen in der Gesellschaft anzufeuern und Feuer zu schüren? Doch dabei ist es kein düsteres Buch im Sinne der Schreibweise. Es ist humorig und wortwitzig. Einfach gut durchdacht in seinen Einzelheiten. Die ganze Erzählweise und die Dialoge zwischen Lemming und Polivka, aber auch der anderen, sind sehr lustig, fast schon schwarzhumorig, geschrieben, vielleicht auch ein bisschen aufgrund dessen, dass die Geschichte sonst zu grausam wäre. Nicht wegen der Handlungen. Sondern wegen des Geschehen, was einen wohl nicht kaltlässt. Ja und irgendwie rechnet der Autor auch ein wenig mit der österreichischen aktuellen Politikszene ab, die irgendwie so ähnlich derer in anderen Ländern scheint. Es ist kritisch der heutigen Politik gegenüber, und zeigt auf, dass dort auch gerne verschleiert wird, und nicht immer alles ist, wie es scheint. Viele nur Macht haben wollen, und sich nicht um die Belange des kleinen Mannes kümmern, stattdessen „Probleme“ angehen, die verschleiern sollen, wo es wirklich im Land brennt.

Die Menschen im Buch wissen nicht mehr, was richtig, und was falsch ist, und schlagen sich auf eine Seite. Und was dem Menschen fehlt ist Empathie (Ich vergleiche hier einfach mal zwischen Buchmenschen und realen). Empathie gegenüber andersartigen. Empathie gegenüber Andersdenkenden. Empathie gegenüber Fremden aus anderen Religionen, oder gar Ländern. Empathie ist nur für sich selbst da. Und Atem gehalten. Denn…. Wer weiß schon, was sich hinter dem Schleier eines jeden einzelnen Menschen verbirgt? Wer weiß, wie genau dieser Jenige, oder ein anderer tickt, was ihn wirklich bewegt, oder in ihm vorgeht? Wir werden es wohl nie herausfinden, wenn wir weiter nicht empathisch sind, und unsere Fühler ausstrecken, gegenüber Jedem. Mal hinter das Sein, den Schein, und die Fassade schauen. Und uns fragen, warum Menschen das tun, was sie manchmal eben tun.

Das Buch ist absurd, und das, meine ich nicht mal gemein. Es ist absurd, wenn man es liest, weil man sich denkt „Au Backe, sowas kann doch gar nicht wirklich passieren.“ Bis man überlegt, und sich denkt „Mist, doch…eigentlich passiert GENAU DAS täglich.“ Und ganz besonders in unserer technisierten Zeit der Shitstorms, wo alle Freiheiten haben, und denken, sie können diese Freiheit dafür nutzen, andere fertig zu machen, anonym, damit sie sich selbst besser fühlen, und ihre Wut und ihren Frust loswerden. Internettrolle sähen Misstrauen, hetzet andere auf, provozieren und beleidigen, und sind damit Jemand der fest seinen Standpunkt verteidigt, keine anderen Meinungen zulässt, nicht diskutieren will, und wenn er keine Argumente mehr hat, dann gleich beleidigend wird, oder gar droht. Anonymität kann in Marios Fall im Internet auch gut sein, da ihn dort keiner kennt, ihn keiner nach dem Aussehen und seiner angeborenen Hasenscharte beurteilt. Gleichsam ist die Anonymität also Fluch und Segen. Es kommt immer darauf an, was der Mensch mit seiner Anonymität anfängt. Will er pöbeln oder nur Freunde und Akzeptanz finden? Beide wollen das Gleiche…. Leute die der gleichen Meinung sind. Und es kommt immer auf den Menschen selbst an. Trotzdem: Grausamkeiten und Bosheit sind im Internet auf einmal gesellschaftsfähig. Die häufige Sprache und das Klima im Internet sind rau, unpersönlich, KALT, beleidigend….. und manchmal sehr verletzend. Das Schlimme daran ist, dass es niemanden schert, ob er damit einen Menschen tief im Innern trifft, oder nicht. Einige wollen einfach loswerden, was ihnen auf der Seele liegt, oder noch schlimmer, einige wollen einfach nur Stunk machen. Hass verbreiten. Ihre Wut und Aggression loswerden, auf die Welt, die Politik, andere Menschen. Ein Novum in unseren Tagen, nicht unbedingt. Denn es gab schon immer aggressive und feige Menschen, die Böses verbreitet haben. Der Unterschied zu heute liegt nur darin, dass es ihnen noch nie so leichtgefallen ist. Kaum im Internet geschrieben und angekommen, wird der Kommentar von Massen gelesen. Man selbst fühlt sich befriedigt, weil man seinen Gedanken, die tief in einem schlummern, und niemals so gesagt werden dürfen, losgeworden ist. Nie war es so einfach jemanden in Sekundenschnelle anzuschwärzen. Zufällige Fotos, zufällige Filme…wer weiß schon wo dies alles hochgeladen wird mit welchen Kommentaren auch immer?! Das zeigt einem wie vorsichtig man in allen seinem Tun sein muss, dass einem nicht ein anderer anschwärzt, der einen vielleicht nicht so mag, oder eben gar nicht mal kennt. Auch hier wird aufgezeigt, dass unsere heutige Welt oftmals nur das sieht, was sie sehen will, und nicht hinterfragt. Man muss vorsichtig sein, natürlich. Aber Übervorsicht, und andere zu sehr anzukreiden, das kann nie gut sein. In Lemmings Fall ist es das auf keinen Fall, wird sein Fall doch schnell zum Politikum zwischen Zeitungen, sozialen Netzwerken, dem Aufzeigen seiner Unschuld, der Zeitung, die behauptet Polivka würde Lemming decken, und der Frage…………… warum Mario sich überhaupt umgebracht hat? Denn am Ende kommen ja auch noch wieder die User der Sozialen Netzwerke ins Spiel. Es ist alles etwas komplex. Schwer zu erklären, macht aber durchaus Sinn. Was hier richtig, und was falsch ist, wird nicht mal unbedingt angezeigt. Aber man weiß solche Dinge natürlich selber. Und ganz sicher hat jeder eine Meinung dazu.

Dabei sind die Internetböslinge nicht mal immer die Loser der Gesellschaft. Nein, es sind vielmehr auch gut situierte Leute, die Angst davor haben, genau das zu werden. Nämlich Loser. Die Angst davor haben, dass etwas so laufen könnte, wie sie es auf gar keinen Fall wollen. Angst davor, dass sich etwas ändert, zu Ungunsten von ihnen selbst. Und dass sie aus ihrer momentanen Schutzblase gedrängt werden könnten, sei es durch andere, die sie dann als Bedrohung ansehen, oder durch neue Regelungen der Politik. Und es gibt ja auch noch die Leute, die an der Macht sind, und ALLES dafür tun, um dort zu bleiben. Alle wollen Macht haben, und diejenigen die sie besitzen, wollen sie mit eben aller Macht verteidigen, und täuschen dafür sogar Dinge vor, die der kleine unmächtige Mensch nur zu gerne glaubt.

Die humorige Sprache und der lustige Umgang von Lemming und Polivka hat mir sehr gefallen, trotz der Schwere des Themas im Buch. Schwere deswegen, weil alles nicht leicht verdaulich ist. Die Thematik und der Schreibstil sind zwar locker und flockig, und geben dem Ganzen eine Leichte. Hinter dieser Leichtigkeit verbirgt sich aber ein brandaktuelles Thema, das man genau genommen, nur schwer verdauen kann, weil es so schrecklich ist. Schon allein wegen des kleinen Mario, der keinen Lebenssinn mehr sieht. Das macht das Buch zum einen zu einem „Schmunzelbuch“, des Schreibstils wegen, zum anderen aber sehr nachdenklich. Es hält uns das vor Augen, was wir täglich hören, sehen, lesen. Nachrichten in TV, der Zeitung und dem Internet. Diese ganze Beschallung und Ballung von negativen Nachrichten und Schwingungen, gibt es hier im Kleinen, an Hand von einer Geschichte. Und genau das hat mich überzeugt. Es ist kein Buch zum Lachen, trotzdem lacht man. Und nicht angenehm zu lesen, wobei teils doch. Dabei ist es nicht so, dass es blutrünstig ist, aber trotzdem grausam. Auf eine unterschwellige stille Art. Der Art des Internets und seiner Hasskommentare eben. Sein sie auf Andersartige gerichtet, oder einfach nur in Form von Vorurteilen gegen jemanden, über den man gar nichts weiß. Man glaubt der Presse, man glaubt dem Internet. Sensationen. Falsche Berichte. Und Vermutungen. Dazu Fremdenfeindlichkeit. Man schwankt im Buch zwischen „Lol“ und Kopfschütteln, und sich klarwerden, dass dies alles irgendwie real als realer ist. Es ist ein hochaktuelles und brisantes Thema, dazu hochsensibel.

Ach ja. Die Beschreibungen von Wien gefallen mir als Handlungsort übrigens außerordentlich gut.

Also herzlichen Dank an Stefan Slupetzky, dass er uns Lesern des Buches die Augen dafür geöffnet hat, wofür andere blind sein mögen. Sowohl die Normalos, als auch die Mitgänger, die den Rattenfängern folgen, oder einfach die, die nicht kritisch genug hinterfragen, und hinter den Vorhang schauen……. Denn manchmal spielt sich dahinter nur ein schmieriges Komödianten-Theater ab, welches aus Illusionen besteht. Denn das Ende des Buches überrascht, und der Weg dorthin führt über Irrwege, und Sackgassen. Die nicht minder verstörend sind, wie das eigentliche Ende. Und trotzdem empfehle ich das Buch.

Mein heutiges Rezensionslied darf nicht fehlen:

„Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin……….. Die meisten Leute haben ja gar nichts Böses im Sinn…………..Es ist ihr eintöniges Leben, was sie quält……..Und der Tag wird interessanter, wenn man Märchen erzählt.

Und wahrscheinlich ist ihnen das nicht mal peinlich. Es fehlt ihnen jede Einsicht. Und wieder mal zeigt sich. Sie sind kleinlich. Unvermeidlich fremdenfeindlich.“

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2020

Und jetzt fassen sich alle Menschen mal an die eigene Nase, und räumen mit Vorurteilen auf :)

Zur Sache, Mädels
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Zur Sache Mädels – Short Storys to go Reihe Band 2 von Ina Kloppmann

Wer von uns hat nicht schon damit zu tun gehabt. Vorurteile. Ich liebe sie…….. GANZ und GAR NICHT! :D. Aber in Zeiten wie unseren, ...

Zur Sache Mädels – Short Storys to go Reihe Band 2 von Ina Kloppmann

Wer von uns hat nicht schon damit zu tun gehabt. Vorurteile. Ich liebe sie…….. GANZ und GAR NICHT! :D. Aber in Zeiten wie unseren, ist es einfach, Vorurteile zu haben, und vor allem, sie zu verbreiten. Solche Dinge wie „WAS? Der hat diese Note in der Schule gehabt, der muss dumm sein. WAS? Derjenige ist ja dick, und somit sowas von faul. WAS? Schau nur, wie diejenige sich anzieht, kein Wunder, das muss eine……sein“, nun, ja, ich glaube ihr wisst was ich meine :). Dabei fand ich es schon immer schön, hinter die Fassade von Menschen zu schauen. Derjenige mit schlechten Noten, ist vielleicht ein Genie, und hat sich in der Schule einfach nie getraut, sich zu melden, weil er unheimlich schüchtern ist. Derjenige, der etwas dicker ist, kann eine Krankheit haben, die es ihm erschwert, abzunehmen, trotz fleißiger Versuche. Und jemand, der sich dies uns das anzieht, tut es vielleicht nur aus Spaß an der Freude, und nicht, um damit tausende Männer, oder eben Frauen abzuschleppen. Ihr seht. Manchmal ist nicht so, wie es scheint. Und man muss immer hinterfragen. Ich könnte noch tausende Beispiele aufzählen. Sowas wie……“Was?! Derjenige hat keine Zeit hierfür und dafür? Der soll sich mal nicht so haben, und s ich beeilen!“…… dabei könnte es einfach sein, dass derjenige krank ist, und gerade nichts tun kann. Es ist nämlich nicht alles immer so, wie man es sich gerne mal zusammenreimt, nur, weil es für einen selbst einfacher und stimmiger ist.

In unseren heutigen Zeiten, hat sich ein Medium gefunden, welches es Menschen vereinfacht, ihren Hass, ihre Wut, ihre Vorurteile, in die Welt zu schreien. Das Internet. Dabei will ich es gar nicht mal kritisieren. Viel eher kritisiere ich die Menschen. Manche. Nicht alle. Die dieses nutzen, um andere zu beleidigen, sich Urteile zu bilden (die nicht immer stimmen), und das gerne auch mal kundtun. In folgendem Buch geht es im weitesten Sinne, um genau so eine Situation. So habe ich die Geschichte auf jeden Fall gesehen. Nun fragt ihr euch, worum es genau geht? Ich sag es euch. Also passt auf.

Die Geschichte des Buches:

Suzan ist Mitte 30, und lebt mit ihrer Tochter zusammen. Diese ist 18. Und jeder, der des Rechnens mächtig ist, weiß nun, wie alt Suzan war, als sie Nina, bekommen hat (Vorurteil Nummer 1 könnte nun auftauchen). Sie ist alleinerziehend (Vorurteil Nummer 2), und um ein bisschen Geld zu verdienen, veranstaltet sie Toy Partys ( O. M. G.…. Vorurteil Nummer 3 klopft an). Es gibt nun Menschen, die sagen könnten „Dieses leichtlebige Mädchen von damals, kein Wunder, dass sie so früh schwanger geworden ist, und nun macht sie auch noch diese Partys für Sexspielzeug, nur das eine im Kopf“. Aber zum Glück gehöre ich, und viele andere nicht zu diesen vorurteilslastigen Menschen. Und da ich durch das Buch Suzan kennenlernen durfte, kann ich nur sagen. Suzan ist eine aufgeweckte junge Frau, die stark ist, ein super Verhältnis mit ihrer Tochter hat, sehr sympathisch, ein ganz normales Leben führt, und den Vater von Nina nur verlassen hat, weil er sie eben immer mehr und mehr betrogen hat. Für mich also verständlich und nachvollziehbar. Es wird sowohl angesprochen, wie schwierig es für eine alleinerziehende Mutter sein kann, einen Mann kennenzulernen. Als auch, dass es eigentlich heutzutage keine Probleme machen sollte, dass man eben alleinerziehend ist, oder sein Geld mit dem Verkauf bestimmter Dinge verdient. Doch hier kommt wieder das Internet zur Sprache, bzw. die sozialen Medien. Suzan wird verstrickt in eine Spirale aus Mobbing, Hass, und ja………… eines ganz gewaltigen Shitstorm. Dazu kommen Schmierereien auf dem Auto, und zur Krönung noch geteilte Fotos von ihr. Was im Buch super darauf aufmerksam macht, wie leicht einfach ein ungewolltes Foto von einem selbst im Internet landen kann, und wie schwierig es ist, sich da zu wehren. Wer derjenige ist, der Suzan mobbt, warum er dies alles tut, und wie die Geschichte ausgeht……….. das könnt ihr dann im Buch lesen :). Zu viel möchte ich euch ja auch nicht verraten, aber eine kleine Liebesgeschichte ist auch mit dabei.

Cover und Format:

Das Cover gefällt mir ganz besonders gut. Es ist rot, damit signalfarbig, und trotzdem nicht überladen und zu schrill. Eben passend für Frauen. Natürlich würde ich aber auch hier sagen, dass die Geschichte keine reine Frauengeschichte ist, sondern auch gerne von jedem Mann gelesen werden kann, denn dieser kann genauso daraus lernen, und eine Erkenntnis haben. Das Format ist schmal, und passt genau in die Handtasche, wenn man unterwegs ist, und Zeit überbrücken muss.

Fazit:

Manche von euch werden es kennen, andere nicht. Das Lesen an öffentlichen Orten, dort wo viele Menschen aneinandergedrängt sind, das schafft immer Aufsehen. Besonders auch, wenn man im Wartezimmer beim Arzt sitzt, auf engstem Raum, an einem Tag, wo das Wartezimmer einfach überfüllt ist. Am Tag des Lesens dieses Buches geschehen, irgendwo in Deutschland. Nun ja, und ich war eben mittendrin. Ihr werdet es kaum glauben. Aber ich habe es getan. Richtig gehört. Ich habe tatsächlich mal etwas so gelesen, wie der Vorschlag dazu lautet. Dies ist natürlich nur ein erwähnter Vorschlag, aber tatsächlich habe ich die 2 Stunden Wartezeit bei meinem Arzt genutzt, um die Nervosität weg zu lesen, und in diese Geschichte eintauchen zu können. Und ich muss sagen. Mission ist gelungen. Und es ist doch auch wunderbar herrlich, wenn man plötzlich auflachen muss, oder den Kopf schüttelt, über das, was im Roman so los ist, und die Leute außen rum schauen einen nur an, als ob man sie nicht mehr alle hätte :)

Der Roman ist nicht grausam, aber sanft mahnend. Er hat keine richtig grausigen bösen Szenarien, aber zeigt sanft auf, wie es im Leben sein kann, und manchmal auch ist. Mahnende Bosheit, die vom Mensch ausgeht. Ein kleiner Fingerzeig, ein Wink, der sanft sagt, man sollte Vorsicht walten lassen. Ja, die Geschichte reißt einen kurzzeitig mit, und man empört sich ob der Ungerechtigkeiten von Shitstorms, und all dem, was so im Internet Gang und Gebe ist. Denn manche sind sich des Risikos und der Gefahr von Facebook, Twitter und Co. Gar nicht bewusst. Denn vor allem lehrt das Buch uns, ob der Unsicherheiten des heutigen Lebens mitsamt Internet, sozialen Medien, und dass alles sofort online sein kann, egal in welcher Situation man sich gerade befindet. Das Internet vergisst nie. Und es muss nicht mal die eigene Schuld sein. Denn an Daten, Fotos, oder ähnliches, kommen auch Menschen, die wir vielleicht gar nicht so gut kennen. Die Gefahren lauern überall. Und das nicht nur für die „junge Generation“, sondern für jeden, der sich auf den Pfaden des World Wild Webs bewegt. Es geht dabei auch nicht darum, einem das Internet madig machen zu wollen, sondern viel mehr darum, einfach ein wenig mehr Vorsicht walten zu lassen.

Damit ist es eine hochaktuelle Story, die einfach nah am heutigen Zeitgeschehen ist. Wir haben alle möglichen Arten von Menschen, die sich im Roman tummeln, wie es nun mal heute ist. Die Welt ist bunt, schön, tolerant………… aber auch das genaue Gegenteil, nämlich böse, und voller Hass. Genau das wird hier wiedergespiegelt. Die Konstellationen sind so, wie man sie auch in der eigenen Nachbarschaft finden würde. Realistisch eben. Ja, es erscheint alles sehr real. Das ganze Geschehen. Nichts ist dabei, von dem man sagen könnte, dass es nicht genau so hätte geschehen können. Und sogar die Vorurteile im Buch erscheinen sehr real. Leider. Und zeigt damit direkt die Gefahren des Internets auf. Es geht ein bisschen um den Gläsernen Mensch. Um Technisierung. Um Aggressionen in der Gesellschaft von Typen, die mit ihrem Leben unzufrieden sind, und dann Pläne schmieden, es einfach mal jemanden zu zeigen, um sich dadurch besser und mächtiger zu fühlen. Ich würde mir eine Welt wünschen, in der mehr auf die Menschen eingegangen wird, und auch mal hinter die Fassade geschaut werden würde. Und nicht nur auf sich selbst geachtet werden, wie wir Vorurteile schüren, andere verurteilen, und das manchmal oder oft zu unrecht.

Das Buch hat eine schöne Aussage und Lehre am Ende. Gerade der Epilog ist nochmal toll, den sollte man unbedingt lesen, natürlich zusammen mit dem ganzen Buch :).

Der Sprachstil hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen, ich war mitten in der Geschichte drin, und habe wirklich alles um mich herum vergessen. Und ja… Der Freundeskreis um Suzanne war wirklich toll beschrieben, und es hat Spaß gemacht, so manche Situation mit genau diesen Freunden zu erleben. Hat man sich bei ihnen doch wirklich zuhause gefühlt.

Das Buch ist ausgesprochen tiefgehend, mit aktuellen Themen, typischem Schubladendenken, und trotzdem hat es einfach Spaß gemacht, war spannend, und die Lösung war bis zum Ende nicht aufzudecken. Das ist grandios gelungen. Wer das Buch liest, dem möchte ich besonders den Epilog ans Herz legen (jaja, ich weiß, dass ich das schon mal hier erwähnt habe, ich wiederhole es aber gerne nochmal), denn damit hat die Autorin eines meiner Herzthemen getroffen. Einfach vorsichtig im Internet zu sein. Es zeigt auf ungewöhnliche Weise an, wie die Welt heute tickt, und setzt ihr den Spiegel vor. Und das nicht nur in seiner schönen Seite, sondern auch von der hässlichen.

Das Buch ist Band 2 aus einer Serie von kleinen Geschichten, die alle von der Seitenzahlt nicht hoch sind. Hier haben wir zum Beispiel 80 Seiten. Aber der Inhalt kann mit einem großen Buch mithalten. Sowohl von Handlung, als auch von Dramatik, Spaß und Schreibstil. Der mir übrigens ganz besonders gut gefallen hat. Die 80 Seiten sind also gut gefüllt.

Und auch heute lasse ich die Rezension nicht vergehen, ohne ein Rezensionslied dazu zu schreiben:

„On a bridge across the Severn on a Saturday night…………. Susie meets the man of her dreams.

She says: „Don't let go. Never give up, it's such a wonderful life.““

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.02.2020

Man weiß erst was man hatte, wenn man es verloren hat

Ben und Teo
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Ben und Teo – Zwei sind einer zu viel von Martin Baltscheit mit Bildern von Sandra Brandstätter

Sei vorsichtig was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen. :)

Wir Menschen sind in der Regel so ...

Ben und Teo – Zwei sind einer zu viel von Martin Baltscheit mit Bildern von Sandra Brandstätter

Sei vorsichtig was du dir wünschst, es könnte in Erfüllung gehen. :)

Wir Menschen sind in der Regel so gepolt, dass wir einzigartig sein wollen, etwas Besonderes. Gerne auch besser als die anderen, damit wir uns gut fühlen. Als Individuum. Um nicht in der Masse unterzugehen, oder gar einem anderen zu gleichen. Natürlich spreche ich damit nicht jeden Menschen an, aber einen Teil davon. Das kann man nicht leugnen. Sonst gäbe es auf diesem Planeten keine Wettbewerbe gegeneinander. Aber was ist mir den Menschen, die uns wirklich ähnlich sind? Agieren wie wir, einen ähnlichen Charakter haben, uns verstehen, ohne dass wir ihnen unser Leid klagen müssen? Ist es ein Fluch, fast gleich zu sein, oder eher ein Segen? Diese Frage ist wohl besonders bei Zwillingen gegeben, die sich zwar auch unterscheiden können, aber wohl auch etwas mehr zusammenhalten, als andere Menschen es tun. Um solch ein Zwillingspaar geht es im Buch „Ben und Teo – Zwei sind einer zu viel“. Dabei handelt es sich um die Söhne des Autors und Zwillingsvaters Martin Baltscheit, der damit eine wundervolle kleine Geschichte über seine Kinder geschrieben hat, die man gerne auch seinen eigenen Kindern vorlesen kann. Denn aus dieser Geschichte lernen wir etwas. Aber dazu später. Ben und Teo, wollen auf jeden Fall als „Ben UND Teo“ wahrgenommen werden, und nicht als „BENUNDTEO“. Das Buch ist für Kinder ab 8 bis………….. ich würde sagen unendlich. Denn auch ältere Zwillinge, oder eben junge oder ältere Einlinge, oder einfach Jeder, der Lust auf eine schöne Geschichte hat, der darf dieses Buch lesen. Zusammen, Alleine. Wie jeder möchte. Ganz individuell eben. Aber worum geht es im Buch?

Die Geschichte des Buches:

Ben und Teo sind Zwillinge, und leben mit ihren Eltern zusammen. Sie sind eigentlich allerbeste Freunde im Leben, und fühlen sich zusammengehörig. Aber manchmal nervt es eben auch, wenn die Umwelt sie nur als Team wahrnimmt, und nicht als Einzelperson. Kann Ben doch zum Beispiel viel besser Klavier spielen als Teo, der wiederum besser Fußball spielen kann. Eines Tages finden sie per Zufall einen Spiegel, der magisch ist, und ihnen Fragen beantworten kann. So zum Beispiel wie ihre gemeinsame Zukunft aussieht. Als es mal wieder zu einer kleinen Streitigkeit zwischen den beiden kommt, fragen sie jeder für sich den Spiegel, wie es ohne den jeweils anderen im Leben wäre. Zwar aufgeschreckt durch die Erkenntnis des Erkennens im Spiegel, wagen die beiden trotzdem ein kleines Experiment, und wollen so herausfinden, wie es wäre, wenn sie beide Einzelkind wären. Das Experiment klappt, beide erleben alternative Existenzen mit ihren Eltern als Einzelkind. Doch wem soll man abends von seinen Erlebnissen erzählen? Es ist schön Einzelkind zu sein, aber wem soll man seine Sorgen anvertrauen, wenn man alleine ist, und niemand da? Nicht mal der eigene Zwillingsbruder? Sie merken also, was sie aneinander haben…………… doch ist es schon zu spät, um ihrer beider Existenz als Zwillinge zu retten? Klappt die Rettung, wenn man gemeinsam, wieder als Team arbeitet? Ihr dürft gespannt sein.

Das Cover und die Illustrationen:

Die Zeichnungen sind richtig gut gezeichnet, machen Spaß, und zaubern einem ein Lächeln ins Gesicht. Sie stammen, wie auch das Cover, von Sandra Brandstätter, die sowohl Illustratorin, als auch Comiczeichnerin ist, was man den spielerisch leichten Zeichnungen anmerkt, bei denen man wirklich nur Grinsen kann, und die wunderbar die Eigenarten von Ben und Teo rüberbringen.

Fazit:

Jaja. Wir wissen nicht, was wir besitzen und haben, bevor es nicht einmal verloren gegangen ist. So ist es auch im Buch. Das Ereignis des Verlustes des Zwillingsbruders zwingt die beiden zu einem Umdenken. Ben und Teo wollen auf jeden Fall wieder Brüder sein, sollten sie auch vorher, aber da gab es immer diese Unsicherheit, und eben das Streben nach Einzigartigkeit. Damit ist es für mich ein wunderbares Buch über das Streben nach Einzigartigkeit eines jeden Individuums. Denn diese Botschaft am Ende, und die Lehre, finde ich ganz wichtig. Nicht nur für Zwillinge, oder für Kinder. Nein vielmehr für jeden Menschen. Einzigartig sein ist gut, natürlich. Aber dadurch alleine sein, weil man mit aller Macht versucht diese Einzigartigkeit durchzusetzen, das ist falsch. Viel mehr ist es wichtig, was wir über uns selbst denken. Denn jeder Mensch IST einzigartig. Sogar Ben und Teo unterscheiden sich, und sei es nur im Fußballspiel oder dem Klavierspiel.

Auch wenn die beiden es toll finden, ihr Leben allein als Einzelkind zu leben, so merkt man schnell, dass sie sich gegenseitig brauchen, um sich ihre Erlebnisse, eben genau als dieses Einzelkind, zu erzählen. Sie brauchen sich, und merken es nicht. Oder eben erst spät. Vielleicht haben sie aber auch die ganze Zeit gefühlt, dass sie sich brauchen, und es nur nicht wahrhaben wollen. Wer weiß das schon? Das bleibt wohl der Fantasie des Lesers überlassen :)

Sie sehen gegenseitig eine Welt ohne den jeweils anderen. Allein. Als gewünschtes einzigartiges Individuum. Das erscheint beiden aber schnell fade und langweilig ohne den Geschwisterteil. Das Glück des Alleinseins ist nicht gut und fühlt sich nicht richtig an. Gleichzeitig ist die Aussage im Buch auch schön, dass man sein Leben genießen soll, jeden Tag, egal ob als Kind, Jugendlicher, junger Erwachsener, oder eben alter Mensch. Und auch wenn man, wie Ben und Teo, das Ende des Weges kennt, weil der Zauberspiegel es einem gezeigt hat, so sollte man auch das Dazwischen genießen, und den Mut nicht verlieren. Denn ja, auch das kann der Zauberspiegel zeigen, wie es bei Zauberspiegeln eben mal so ist :D. Die Zukunft, die man vielleicht manchmal gar nicht wissen sollte. Also lassen wir am besten die Spielerei mit „Spieglein, Spieglein an der Wand………….“.

Das Geplänkel der beiden Jungs im Buch miteinander ist übrigens herrlich. Auch hier musste ich mit einem Dauerlächeln weiterlesen, weil es so alltäglich und real erscheint, und so, wie es eben manchmal unter Geschwistern, auch normalen, so ist. Der Familienalltag ist…… so wie in vielen Familien mit Kindern, die voller Ideen und Tatendrang sind, und genau dieser Alltag wird richtig gut beschrieben, so dass man auch hier einiges selbst erkennt :). Es wird je immer eine Episode aus dem Leben von Ben, abwechselnd mit der Sicht von Teo erzählt. Und diese Episoden bauen trotzdem aufeinander, und erzählen uns eine Reihenfolge von Ereignissen, die das Gesamte der Geschichte erzählen, und uns zur Lehre am Ende führen.

Gerade in dieser unserer Zeit wo jeder besser und schneller und weiter und höher sein will, als der andere, eben besonders, einzigartig und gut. Und gerade wo uns, und gerade Kindern, von allen Seiten genau diese Denkweise hingeworfen wird, da ist es wichtig, auch mal anders zu denken.

Das Vergessen darüber, wer man eigentlich ist, als eigenständiges Individuum, sollte nicht da sein. Aber alleine und ohne Verstärkung von anderen Menschen, sollte man trotzdem nicht durch die Welt gehen.

Auch dieses Buch hat also wieder ein schönes Ende mit einer tollen Aussage, und wäre von meiner Seite aus deswegen zu empfehlen :). Und die Moral von der Geschicht……ach….. lest doch am besten selbst, ob Mission Brüderzusammenführung klappt :D

Und auch diesmal habe ich ein Lied für mein Rezensionsende, weil ich beim Lesen daran denken musste:

„Wenn ich dein Spiegel wär…………. dann würdest du dich in mir sehn.

Dann fiel's dir nicht so schwer…………. Was ich nicht sage, zu verstehn.

Bis du dich umdrehst………. Weil du dich zu gut in mir erkennst.“

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Veröffentlicht am 10.02.2020

It's gettin hot in here, so take off all your clothes.......:D

Dirty Neighbor
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Dirty Neighbor von Sarah Saxx

Tjaja, da ist er wirklich dieses Wochenende bei mir eingezogen. Nebenan. Der „Dörti Nachbar“, wie ich ihn so schön nenne. Und er ist wirklich heiß. Und ich schaue ihn so ...

Dirty Neighbor von Sarah Saxx

Tjaja, da ist er wirklich dieses Wochenende bei mir eingezogen. Nebenan. Der „Dörti Nachbar“, wie ich ihn so schön nenne. Und er ist wirklich heiß. Und ich schaue ihn so gerne an, auch wenn es nur beim Schauen…..ähm Starren…. bleibt. Und dabei kann man so schön summen „It’s gettin hot in here, so take off all your clothes“. Und überhaupt……………. Stopp!? Was war das denn? Achso! Ich muss mir gerade eingestehen, dass das wohl nur einer meiner Tagträume war. DA ist gar kein dirty sexy Nachbar bei mir eingezogen :D Man wird ja wohl mal träumen dürfen :). Was allerdings wirklich bei mir eingezogen ist, und zwar in mein Buchregal, das ist der gute Ralph, und die nette Jaime, zusammen mit ihrer Geschichte, die dieses Buch beschreibt.

Just habe ich mal behauptet, Buchleser wollten keine Bücher darüber lesen, wie Menschen ihre Wäsche waschen, oder das Geschirr abspülen. Nun, ja. Ob sie es wohl interessanter fänden, bei einem alltäglichen Umzug in eine neue Wohnung, dabei zu sein, mit all seinen Vorkommnissen? Reingelegt! Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ich ein Buch über Umzüge, Wäsche waschen, und Alltag lesen würde, wenn da nicht mindestens ein heißer Kerl vorkommen würde :D. Also Umzug in eine neue Wohnung? Check! Heißer Kerl? Doppelcheck! Das Schöne beim Rezensieren ist doch, dass ihr meine roten Wangen nicht sehen könnt :D

Danke also liebe Sarah Saxx, dass du Ralph erfunden und erdacht hast. Der kein komplettes Arschloch ist, und trotzdem heiß. Der Unsicherheit, aber auch Selbstsicherheit ausstrahlt. Dabei auf keinen Fall ein Weichei ist, und trotzdem Gefühle zulässt, oder zumindest in seiner Gedankenwelt herumkreisen lässt. Der vernünftig, aber auch unvernünftig ist, gerne mal mitdenkt, aber seine Gedanken auch mal schweifen, und sich fallen lässt. Manchmal zu viel denkt, und irgendwie doch Arschiansätze hat… Kurz gesagt….. der einfach nicht einzuordnen ist in eine Sparte. Was mir sehr gut gefällt :) Für diejenigen, die sich nun denken, was ich hier eigentlich schreibe, da ich doch eigentlich ein Buch besprechen soll, denen sei gesagt….. das kommt nun!

Das Buch und seine Geschichte:

Für mich ist die Geschichte gefühlsmäßig in mehrere Teile aufgeteilt. Das Anstarren durchs Fenster, Das Kennenlernen der beiden, die Erkenntnis, dass sie zusammen arbeiten und damit der Abstand zwischen ihnen…..Das Überwinden des Abstands, aber Geheimhalten, das Leugnen sich selbst gegenüber….und oh GOTT…… Das Knacken meines Herzens, in dem Moment, als es gebrochen wurde, und man es entzwei geteilt hat. Nun ist eben die Frage, ob es auch ein gefühlsmäßiges Happy End gibt…..oder nur ein gefühlsmäßiges End….. welches ihr selber lesen dürft :). Und nun zur Story.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Es gibt zwei Fenster, von gegenüberliegenden Wohnungen. In der einen lebt Ralph, in der anderen Jaime. Und keiner der beiden hat Vorhänge……. Oder so. Fertig. Nein. Spaß! Also nochmal:

Jaime zieht nach einer gescheiterten Beziehung von New Haven nach New York. Doch wer nun denkt, es sei eine ganz normal Beziehung, die in die Brüche gegangen ist, der irrt. DA steckt nämlich viel mehr dahinter. Verleumdung. Rufmord….. und noch einiges anderes. Kurz gesagt. Sie muss ein neues Leben anfangen, und sich aufbauen. Ein neuer Job in der Redaktion des angesagtesten New Yorker Magazins für Frauen, und eine neue Wohnung finden sich schon bald. Und ja. Neue Wohnung bedeutet, der vielgerühmte Umzug steht an. Und just in der Wohnung gegenüber von Jaime, lebt Ralph. Der keine Vorhänge hat. Genauso wie Jaime noch keine besitzt. Das führt nun zu einem ganz besonderen Kino für Jaime. Denn tatsächlich kann sie in Ralphs Wohnung schauen, so wie er in ihre. Der gute Ralph hingegen hat auch eine nicht soooooo tolle Beziehung hinter sich, und geht irgendwie auf das „Anstarren der neuen Nachbarin“ ein. Was sich ergibt ist was ganz anderes, als man am Anfang meint. Denn zwischen den beiden entsteht, über mehrere Umwege, Intimität und Nähe. Dass allerdings nicht alles glattgeht, und später Schwierigkeiten auftauchen, in Form davon, dass Ralph sich als Jaimes neuer Chef in der Redaktion entpuppt, das konnte ja keiner so vorhersehen. Und dann passiert zwischen diesen Buchdeckeln eben auch noch viel mehr! Und ja. An manchem Stellen hat mein Herz ganz schön „Bubummmm“ gemacht, was mit meinem Puls war, das will ich gar nicht wissen :D. Und dass mein Herz wenig später auch kurzfristig einfach mal so „Knack knack“ gemacht hat, ist ebenfalls nicht weiter verwunderlich. Denn irgendwie prickelt und knistert es ganz schön in diesem Buch. Und ja, ich habe während des Lesens verschiedene Dinge empfunden. Unsicherheit, Scham, Wut. Enttäuschung, Selbstbetrug, Angst, Verunsicherung……………. Aber ich gebe auch zu, dass ich von anderen Männern, in anderen Romanen, schon schlimmer hinters Licht geführt wurde :). Da lass ich mir auch mal kurzfristig das Herz zwischendrin brechen. Apropos. Enttäuschungen in der Liebe haben Ralph und Jaime damit beide mitgemacht, und sind irgendwie gebrannte Kinder.

Das Cover:

Das Cover ist…. Ja hui….. ein ganz schön heißes :D. Heute sag ich gar nicht mehr dazu :)

Fazit:

Was mir super positiv auffällt ist, dass wir es hier nicht mit dem typischen Bad Boy zu tun haben. Nicht dem Typ, der auf dies uns das steht, nicht jenem, der einen riesigen Frauenverschleiß hat, und erst bekehrt werden muss, um sich zu einer EINZIGEN Frau zu bekennen, weil er für diese Gefühle entwickelt. Vielmehr ist das Bekennen an sich die Thematik des Buches.

Und wir haben als weiblichen Gegenpart nicht das schüchterne Mäuschen, aber auch nicht die vor Selbstbewusstsein strotzende Frau. Es sind zwei normale Menschen, die wir hier kennenlernen. Mitten in ihrem Alltag. Mitten mit ihren Bedürfnissen, Enttäuschungen, und in ihrem Lebensweg. Dass der männliche Part eben ziemlich sexy ist, und wirkt, und auch die weibliche Hauptrolle eine Anziehung ausübt, das ist nun mal so. Und auch dies mag in der Realität tatsächlich mal wirklich vorkommen.

Ebenfalls lässt das Buch einen darüber nachdenken, wie alleine man sich fühlt, wenn man für jemanden nur eine Affäre ist, und trotzdem jeder sein eigenes Leben nebenher weiterlebt. Wenn man jemanden an seiner Seite hat, der eben nicht an der Seite ist, und für den man nicht zum Leben dazu gehört, sondern nur zu den spaßigen Seiten einer rein körperlichen Beziehung, eingeschlossen in Räumen, und verborgen vor der Welt, vor der man die Affäre verheimlichen muss. Und wie es ist, wenn jemand nicht zu einem steht, und einen eben als Mensch verheimlichen will. Ja, das hat ein wenig mein Herz gebrochen. Ich gebe es zu :/. Als Heimlichkeit betrachtet zu werden ist unschön. Jaime wurde von ihrem Ex als solche betrachtet, und hat heute noch darunter zu leiden. Jaime versucht sich selbst wieder zu finden, aber auch sich nicht neu zu verlieren, und sie selbst zu bleiben. Was schwerer ist als gedacht, denn Geheimhaltung und damit einhergehende Schauspielerei vor der Umwelt ist nie etwas Gutes. Uns sich dauerhaft zu verstellen ebenfalls nicht. Irgendwann verliert man sich selbst dabei. Jaime erkennt sich fast nicht wieder.

Ralph und Jaime müssen eine emotionale Distanz wahren, doch das ist einfacher gesagt als getan. Auch wenn die körperliche Distanz klappt, so wirkt Ralph bei Jaime nach, und umgekehrt. Und auch hier ist die Frage, ob es möglich ist, dass wenige Augenblicke, die sehr intensiv waren, und gemeinsam geteilt wurden ausreichen, um Gefühle zu entwickeln. Meiner Meinung nach geht das ja hervorragend. Aber es gibt natürlich immer noch Menschen auf diesem Planeten, die sagen, dass man sich erst ineinander verlieben kann, wenn man so und so viel Zeit miteinander verbracht hat, und alles übereinander weiß. Doch manchmal kann jemand, der uns ganz nahesteht, und viel ferner sein, als derjenige, der uns nicht nahesteht, aber mit dem man einen ganz kurzen Moment der Intimität geteilt hat.

Ja, und dann ist da noch WER uns eigentlich verbietet, unserer Sehnsucht, unserem Sehnen nachzugehen…………… Ob nur wir selbst es sind, die uns dieses Verbot erteilen? Oder wird die Welt auf uns hinabblicken, und mit dem Kopf schütteln, und uns verurteilen, ob der Dinge, die wir tun, und uns wünschen? In diesem Fall die Kollegen in der Redaktion, die zu oft erwähnen würden, Jaime hätte diesen Artikelplatz in der Zeitung nur bekommen, weil sie ein Verhältnis mit dem Chefredakteur, eben Ralph, hätte. Beide haben auf ihre Weise mit diesem Thema Erfahrung, und beide haben ihr Päckchen zu tragen.

Das Missverstehen zwischen dem was man sagt, und was man eigentlich will. Missverständnisse, die dazu führen, dass wir uns unsere eigenen Gedanken machen, und noch unsicherer werden, als wir es eh schon sind. Missverständnisse, die dazu führen, dass wir uns unerwünscht fühlen, wenn sich jemand nicht meldet, oder auf Abstand geht, selbst wenn man es besprochen hat. Es ist nicht rational zu analysieren. Aber so ist das eben, wenn man in der Gefühls – und Emotionswelt, nicht auf sein Bauchgefühl hört, sondern manchmal auch auf seinen Kopf, und Verstand. Doch der…………. Hat in Liebesdingen meist gar nichts zu suchen, glaubt mir :D. Man macht sich manchmal selbst Dinge madig, und weiß, dass tief im Innern der andere Part der Richtige für einen ist. Aber aus Angst denkt man über dies und jenes nach, sucht Ausreden, um verschiedene Dinge an ihm schlecht zu machen, und einen Grund zu haben, denjenigen auf Distanz zu halten. Seuftz. So nah, und doch so fern.

Und auch in diesem Buch gibt es ein Engelchen, und ein Teufelchen. Eine Distanz zwischen dem, was wir tun sollten, weil es richtig ist, und was wir tun möchten, weil es auch irgendwie richtig für uns ist. Dinge, die wir sein lassen sollten, und aber wünschen, und bei denen wir uns dann fragen, warum sie uns verboten sind, und wer das entscheidet, ob wir sie uns verkneifen, um uns nicht vor der Welt bloßzustellen, oder weil es an unseren eigenen Ängsten liegt. Und wie oft man selbst vor der Entscheidung steht „Tu ich das nun, oder tu ich es nicht, auch wenn es diese und jene Folge haben könnte“. Soll ich unvernünftig sein, oder die Vernunft walten lassen, mit der Unvernunft aber viel glücklicher sein?

Beide sind ein Widerspruch in sich selbst. Dabei weiß doch jeder, dass wenn man nicht zueinander steht, und aneinander festhält, und alles nur lose sieht, und nichts Ernstes eingehen möchte………….. schnell jemand andres kommen kann, der denjenigen, den wir wollen, vor unserer Nase wegschnappt. Und das dann nur, weil wir selbst uns nicht getraut haben, wirklich dazu zu stehen, dass derjenige uns guttut, und richtig für uns ist. Wer jemanden nicht direkt sagt, dass er mit ihm zusammen sein will, der braucht sich dann nicht zu wundern, wenn der Andere sich anderweitig umsieht. Denn man hat keine Stütze des Gerüsts, der Beziehung, wie auch immer diese geartet ist, alles ist lose. Und damit gibt es keine Beständigkeit. Dazu kommen Missverständnisse, Ungesagtes und Verschwiegenes, welches zwischen den beiden hängt. Aber auch, und das ist das Schöne: Gegenseitiges Vertrauen obwohl man sich nicht kennt, und trotzdem intime Momente miteinander teilt. Sich aufeinander einlassen, und dann mehr voneinander zu wollen. Und das Ganze fängt an als ein reiner Fensterflirt. Nur durch Blicke und das macht das Ganze so intensiv, die Atmosphäre spürt man. Da prickelt es richtig beim Lesen.

Ab und an verspürt man in Büchern die Kälte und das Sterile in einer Beziehung, wie auch immer diese geartet ist, oder bezeichnet wird, dies ist hier gar nicht der Fall. Ich mag die Wärme, die ausgestrahlt wird zwischen den Personen. Es erscheint nicht kitschig, nicht überflüssig plüschig, sondern einfach gut, und emotional warm. Auch dass Ralph sich verletzlich zeigt, und nicht immer nur den stahlharten Kerl spielt, mag ich sehr. Das gibt einem ein klein wenig mehr Vertrauen in die Menschheit zurück, und dass es wohl doch noch so etwas wie Emotionen in dieser Welt gibt :). In solchen Büchern fühl ich mich wohl.

Ich mag die Atmosphäre, das Prickeln, die Stimmung und die Chemie, die zwischen den beiden Protagonisten herrscht und fast fühlbar ist, so dass man als Leser einfach mitgehen muss.

Beide Protagonisten haben übrigens Selbstzweifel. Diagnostizier ich jetzt einfach mal.:D. Jaime wegen Robert und Ralph wegen Madeleine. Es gibt für beide also einen BestBuddySidekick :D Kelly, die beste Freundin von Jaime, und Callum, Ralphs bester Freund. Dies wäre zu erwähnen, weil die beiden gar nicht mal so unwichtig für die Geschichte sind, und Lockerheit und Humor mit reinbringen.

Für mich ist das Buch eine wundervolle Geschichte des Zueinanderstehens und Zueinanderbekennens.

Dies ist übrigens mein erster Roman von Sarah Saxx, und ich bin froh, diese nun als Autorin entdeckt zu haben.

Und da Jaime sich oft unsicher ist, ob sie Dinge tun soll, oder nicht, lasse ich ihr noch ein Lied da, wie in jeder meiner Rezensionen. Dies ist nun das, was mir mal wieder beim Lesen sofort in den Kopf geschossen ist:

„Somethin' 'bout you………….. makes me feel……… like a dangerous woman…….

Somethin' 'bout, somethin' 'bout, somethin' 'bout you……

Makes me wanna do things…………. that I shouldn't………………

Somethin' 'bout, somethin' 'bout, somethin' 'bout……“

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Veröffentlicht am 09.02.2020

Die Wahrheit ist irgendwo da draußen....... :D

Scheintod
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Scheintod von Louise Boije af Gennäs

Unsere Demokratie. Sie bedeutet viel, und unter anderem auch den Schutz der Grundrechte eines jeden Menschen. Weil jeder Mensch gleich ist. Das denkt ihr doch, und ...

Scheintod von Louise Boije af Gennäs

Unsere Demokratie. Sie bedeutet viel, und unter anderem auch den Schutz der Grundrechte eines jeden Menschen. Weil jeder Mensch gleich ist. Das denkt ihr doch, und so habt ihr es gelernt, richtig? Nun ja. Was wäre, wenn ich euch nun sagen würde, dass die Demokratie gar nicht existiert. Das heißt. Natürlich existiert sie……………immerhin sind unsere Stützpfeiler darauf gebaut, wir haben Wahlen, und können eine Menge entscheiden. Doch was, wenn unsere Demokratie, nur etwas ist, das versucht davon abzulenken, was im wahren Hintergrund abläuft. Entscheidungen werden getroffen. Von denen nur wenige wissen. Entscheidungen, die staatenübergreifend sind. In denen es um so viel mehr geht, als in der „einfachen Politik des kleinen Mannes“. Um Gelder. Korruption. Geheimdienste. Und damit auch irgendwie wieder um…………. Macht. Wer sie hat, wer nicht, und wer sie sich einfach nimmt.

Meine Damen und Herren. Unaufgeklärte politische Rätsel, schreckliche korrupte Geschäfte, Machtspiele in den höchsten Etagen der Firmen, die unsere Welt lenken. Ungelöste Rätsel, nicht aufgeklärte Affären. Aufträge, Befehle, Erpressung, finanzielle Transaktionen und undurchsichtige Geschäfte…… von denen die normale Bevölkerung nie etwas erfahren soll. Etwas läuft ab im Hintergrund. Wenn die Mächtigen also in genau diesem Hintergrund ihre Strippen ziehen, und ihr wahres Gesicht als hässliche Fratze zeigen, nur um sich selber mehr Vorteile anzueignen, und vor dem Rest der Welt gut dazustehen……………. Dann kann das alles sehr unschön werden. Denn meist ist dieses „Gut da stehen“ mit Geheimniskrämerei, Gemauschel, Beziehungen untereinander und Korruption verbunden. Und um das Geheimnis zu wahren, dass man eben doch nicht so gut ist, wie man offensichtlich erscheint, müssen die Wisser, die über den Umstand Bescheid wissen, manchmal irgendwie…….. verschwinden. Alles, um das Geheimnis zu wahren, dass man in Wahrheit ein selbstsüchtiger, böser Mensch ist, der nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist. Gerade bei den Mächtigen der Welt, kommt das wohl nicht so gut an, wenn man davon weiß. Und ja …… es gibt diese bösen Menschen. In unserer Realität. Auf unserem Planeten. Wer wissen anhäuft, lebt also gefährlich. Doch warum erzähle ich euch das Ganze mal wieder? Mächtige gefährliche Männer in Teil 1 der Widerstandstrilogie? Vergesst es! Teil 1 war nur der Anfang. Das Ganze ist noch tiefgehender und gefährlicher, als es in eurer Vorstellung sein könnte. Denn mittlerweile befinden wir uns schon in Teil 2 der Widerstandstrilogie, mit dem schönen Namen „Scheintod“.

Worum geht es im Buch?:

Menschen in Machtpositionen nutzen die Unerfahrenheit und das Unwissen der Menschen aus. Grob gesagt. Und natürlich gibt es noch mehr Handlung. Wir befinden uns in Band 2 der Widerstandstrilogie, und dieser sollte nicht gelesen werden, ohne Band 1, „Blutblume“, gelesen zu haben.

Sara, unsere Hauptprotagonistin, versucht nach Band 1 wieder Fuß zu fassen, und Ordnung in ihr Leben zu bekommen, und die Ereignisse von Band 1 zu vergessen. Ein neuer Job in einer angesehenen Unternehmensberatung, eine neue Wohnung…. All das soll ihr helfen, darüber hinwegzukommen, was in Band 1 geschehen ist. Doch so einfach macht man es ihr nicht. Diese geheimnisvolle Organisation ist immer noch da, möchte etwas von Sara, von dem sie selbst nicht weiß, was es sein soll. Sara wird langsam paranoid, kann niemandem mehr trauen, weiß weder WAS derjenige der sie vielleicht verfolgt, von ihr will, noch WER derjenige ist, falls es denn einen Jenigen gibt, und nicht alle miteinander verschworen sind. Hinzu kommen weitere gesammelte Zeitungsartikel von Saras Vater. Was genau diesmal darin steht, verrate ich nicht, um die Spannung nicht wegzunehmen. Ebenso den weiteren Verlauf der Geschichte, denn der ist diesmal wieder sehr komplex.

Nun ist es nicht mehr wie in Band 1, dass Sara nicht weiß, ob die Dinge, die sie erlebt, real sind, und wirklich geschehen, denn diesmal geschehen sie eben…………… ganz wirklich und real. Man macht Sara Angst, Saras Mutter unterliegt ihrer eigenen Angst, und sieht Dinge, und diesmal wird sogar Saras Schwester Lina mit hineingezogen, so wie alle Personen um Sara herum. Warnungen und Mordversuche, vor aller Augen. Das Angstmachen ist nun nicht mehr anonym, es passiert öffentlich, und für alle einsehbar. DIE (so nenne ich sie nun ab jetzt) versuchen Sara systematisch zu zermürben, sie von allen anderen abzuspalten, die ihr noch Halt geben, versuchen, dass sie sich fühlt, als sei sie allein auf der Welt, ohne jegliche Unterstützung. Ausgegrenzt von allen. Denn dann, wenn man wirklich alleine ist, ist man am verletzlichsten, und kann leichter gebrochen werden. Denn Sara hat etwas, was DIE wollen. Und sie weiß selbst nicht WAS das sein soll.

Das Cover und Buchtitel:

Das Cover ist eine wunderbare Metapher dafür, was im Buch passiert. Man sieht einen Bären, und einen Schwan. Das alles ist wunderbar symbolisch verwoben und man lernt ja auch, wie man quasi dem Bären entrinnt, der im Buch kein Bär ist, sondern jemand, der Sara Böses will, und sie jagt. Scheintod bedeutet sich tot zu stellen, zu kapitulieren vor dem Gegner oder Angreifer, sich tot zu stellen, damit kein Angriff erfolgt. Die genauen Zusammenhänge purzeln einem sofort ins Gehirn, während man liest. Man darf aber nicht zu viel verraten. Hier ist also mal wieder meine Grenze der Wiedergabe erreicht, und ihr müsst selber lesen :). Doch eins sei gesagt. Das Cover ist an Symbolik fast nicht zu übertreffen.

Fazit:

Im Gegensatz zum ersten Band ist dieser düsterer, und auch die Längen, die es in Band 1 gab, sind hier nicht mehr vorhanden, was auch logisch erscheint, war ich doch sofort im Geschehen drin. Es gab keine Vorgeschichte, sondern hat direkt angesetzt, wo Band 1 aufgehört hat. Mit all seinen Geheimnissen. Deswegen war es gleichsam von Anfang an spannend.

Die Düsternis erstreckt sich über das ganze Buch hinweg. Hat Sara in Teil 1 noch glückliche Tage empfunden, und haben wir das auch so mitbekommen, so ist sie nun, in Teil 2, quasi mittig, im wahrsten Sinne des Wortes mittendrin im Geschehen. Sie hat natürlich vereinzelt noch die Überlegungen, ob sie verrückt ist, aber erfährt viel mehr, und das Geheimnis wird Schicht um Schicht aufgedeckt. Am Ende kann man dann nur hoffen, dass am Ende aller Schichten die Lösung und eine Antwort auf alle Fragen wartet. Trotz allem davon aber nicht zu viel. Immerhin gibt es ja noch einen dritten Teil. Wir tauchen trotzdem immer mehr in die Verstrickungen und Verwicklungen ein, finden gesponnene Fäden von Verschwörungen…………. Und am Ende sitzen wir da, und hoffen am Ende von Band 3 endlich schlauer zu sein, und das vollkommene Wissen erlangt zu haben. Ja. Hier wird es geschafft, dass Geheimnisse von Band 1 gelöst werden, aber wieder neue auftauchen. Ein nie endender Reigen aus Geheimnissen. Zusätzlich konnte ich Sara diesmal auch besser greifen, sie hatte mehr Substanz und war mir gefühlsmäßig näher, und ich konnte ihre Gefühle nachvollziehen. Alles war dichter, und mit mehr Emotionen und Psychologie gefüllt. So wie ich es eben mag.

Das Buch ist symbolisch, schon allein wegen der Verbindungen vom Cover zur Geschichte, die dann wiederum etwas Vergangenes in den Zeitungsartikeln beschreibt, was mit der gegenwärtigen Situation zu tun hat. Dieses Durchdachte gefällt mir.

Diesmal wird weniger von der Handlung des Geschehens abgelenkt durch Beschreibungen der Dinge und Orte. Stühle werden verrückt, Schuhe stehen nicht mehr an ihrer Stelle, oder nur ein paar cm weg von dort, wo man sie abgestellt hat. Alles könnte Zufall sein. Aber auch an jemandem liegen, der möchte, dass man sich unsicher fühlt. Leise flüsternd kommt die Angst, ohne Knall. Man muss diesmal genau auf jede Einzelheit achten. Wo stand was vorher? Sind Dinge weg, wenn ja welche? Ist etwas nur schnell verrückt worden? Hier kommt es auf jede Kleinigkeit an. Bei Band 2 ist jede Kleinigkeit wichtig, sei es ein Schlüssel der im Schloss steckt, Schuhe, die an anderen Orten stehen, oder Stimmen, die in der Wohnung säuseln, ohne dass Menschen dort sind. Dabei achtet man beim zweiten Teil viel mehr darauf, was zum Beispiel die Stimme sagt, oder auch darauf, was Saras neue Kollegen sagen. DA ist jeder Satz, und jedes Wort wichtig, weil man alle 5 Minuten jemand anderen verdächtigt, oder sich denkt „Aha, warum hat der oder die jetzt gerade das gemacht, oder gesagt?“. Kurz gesagt. Man wird beim Lesen selber ein wenig paranoid, und verdächtigt alle. Für mich ist das hier bei Band 2 noch mal besser gelungen, als in Band 1.

Das Buch strahlt Unsicherheit und Verletzlichkeit aus, ja gar Gefahr. Soll aber ja auch genauso sein. Denn irgendjemand versucht just diese Dinge bei Sara. Psychospielchen, Angst einjagen. Zermürbung. Die Angstspiele gegen Sara werden hier deutlicher, ja gar persönlicher, und für mich angsteinflößender. Es ist stiller…. Stiller Terror, der mehr in der eigenen Vorstellung spielt, als dass er uns wirklich und real passiert beschrieben wird. Und genau dieses stille Unsichtbare, was dann in unserem Gehirn zu den schlimmsten Dingen anwächst, das kann manchmal angsteinflößender sein als das Offensichtliche. Das Ganze ist wie eine Schnitzeljagd. Der Worte, Andeutungen, und Symbole. Man findet nun in Teil 2 schon Dinge, so meine Gedanken, die dann wieder in Teil 3 auftauchen könnten.

Natürlich geht es auch in diesem Teil um die Mächtigen der Welt, um ihr Tun, und die Geheimhaltung aller Dinge. Aber nun kommt noch eine weitere Komponente dazu: Korruption, unlautere Geldtransaktionen und Warenschmuggel. Wirtschaftskriminalität. Die Reichsten der Reichen. Großer Einfluss, unerschöpfliche Geldmittel. Mafia Methoden. Gemauschel :D. Alles im Beisein der Verwaltungen, und manchmal sogar ohne Wissen der Regierungen. Aber definitiv IMMER ohne das Wissen der kleinen Leute. Organisationen des Staates, oder auch nicht, agieren manchmal unter einem Schirm, und ohne das Wissen der jeweiligen Regierungen, mit Geldern, eben genau DIESER Regierung, Steuern der kleinen Leute. Ja, es gibt Menschen, die nutzen andere dafür aus, um sich selbst zu bereichern, oder sich Vorteile zu verschaffen. Lassen diese Menschen nach ihrer Pfeife tanzen, wie Marionetten, und haben damit Erfolg. Weil diese Menschen leicht zu beeinflussen sind. Und irgendjemand in diesem großen Machtgebilde, wurde nun von Sara aufgescheucht und aufgeschreckt…. Und handelt. Damit nichts der Geheimnisse an die Oberfläche kommt.

Also liebe Sara, greif selber an, und lass in Teil 3 den Kampf gegen die Windmühlen beginnen. Vielleicht wird daraus ja ein Kampf David gegen Goliath, mit selbigem Endergebnis.

Willkommen also in der zweiten Runde der wilden Verschwörungstheorien der Welt, die vielleicht etwas paranoid anheimelt. Aber ist nicht in allen Aussagen immer auch VIELLEICHT ein Körnchen Wahrheit? Also. Wer ist käuflich? Wer nicht?

Dieses Buch ist politisch verschwörerisch und augenöffnend.

Mein heutiges Rezensionslied, für alle die, die sich etwas entgegenstellen, was unrecht ist. Und damit WIDERSTAND bilden und leisten:

„Raise your voice….sticks and stones may break my bones………………I'm talking loud not saying much

You shoot me down………but I won't fall……………..I am titanium.“

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  • Handlung
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