Meet me in the Woods tonight...
AnathemaAnathema von Keri Lake
Huhu liebe Lesende. Als ich dieses Buch in Händen hielt, bin ich erst einmal über den Titel gestolpert, und habe mich ein wenig schlau gemacht. Anathema bedeutet als Ausdruck erstmal, ...
Anathema von Keri Lake
Huhu liebe Lesende. Als ich dieses Buch in Händen hielt, bin ich erst einmal über den Titel gestolpert, und habe mich ein wenig schlau gemacht. Anathema bedeutet als Ausdruck erstmal, dass es ein altgriechisches Wort für „Das Gottgeweihte, Verfluchung“ ist, und in etwa so viel bedeutet, dass es eine Verurteilung (einen Kirchenbann oder mit einer Verfluchung zusammen ein Bannfluch) durch eine Kirche anzeigt, die einen dauerhaft aus der kirchlichen Gemeinde ausschließt. Ursprüngliche Bedeutung des Wortes war dann noch „Aufgestelltes“, woraus „Der Gottheit im Tempel Aufgestelltes“ wurde, und letztendlich „Der Gottheit Ausgeliefertes, ihrer Gnade oder ihrem Zorn Überlassenes“. Ich bin keine Spezialistin dieser Dinge, fand aber, nachdem ich das Buch gelesen habe, diese Beschreibung wirklich treffend für das, was die Geschichte uns erzählt. Es geht um Ausschließung und einen Fluch derjenigen, die sich nicht an die Regeln der Gemeinschaft halten. Es geht um Aussonderung und Anderssein. Und es geht darum, dass man diese Menschen in einen Wald schickt, der quasi sein eigenes Urteil außerhalb der Gemeinschaft fällt, weil aus diesen im Buch „Eating Woods“ genannten Wäldern Niemand lebend zurückkehrt. Man überlässt Jemand sozusagen seinem eigenen Schicksal als verstoßenes Mitglied einer Gemeinde oder Gruppe, und nimmt in Kauf (zumindest im Buch), dass derjenige stirbt. Das klingt nun alles erstmal ziemlich grausam. Und ja, das Buch hat seine Grausamkeiten. Und das nicht nur im Umgang der Menschen miteinander. Genau deshalb fand ich toll, wie passend der Titel hier gewählt ist. Weil in unserer Gegenwart Anathema metaphorisch immer noch den Ausschluss einer Person bedeutet, die in einer Gruppe etwas Verabscheuungswürdiges getan hat. Und was das Ganze mit der Geschichte zu tun hat? Eine ganze Menge. Dazu später mehr. Hier nun erstmal die Geschichte des Buches.
Die Geschichte die das Buch erzählt:
Maeyth lebt in einem Dorf, und wird schon immer von der Gemeinschaft gemieden, weil sie anders ist. Dort lebt sie dann auch noch ziemlich genau am Rande der sogenannten Eating Woord, die angrenzenden Wälder, in die oftmals Menschen verbannt werden, die von der Gemeinschaft geächtet werden, weil sie angeblich schlimme Dinge getan haben. Das Schlimme dabei? Niemand kehrt aus diesen Wäldern lebend zurück, weil sich etwas darin befindet, das genau dies verhindert. Als das Schicksal eines Tages zuschlägt, landet Maevyth selbst in den Eating Woods. Zevander ist ein Assassine, genauer gesagt der tödlichste des Kontinents Aethyria. Auf der Suche nach einer Lösung für die Aufhebung eines Fluches, trifft er auf Maeve. Eigentlich sollte Zavender Maeve nicht helfen, um seine eigenen Ziele durchzusetzen, sollte sie nicht beschützen. Doch Dinge sind immer mal anders, als man auf den ersten Blick sieht, und Zevander braucht Maeve schließlich. Und weil auf einmal dann noch eine plötzliche Anziehung zwischen Beiden ist, spricht das Ganze für eine unheimlich spannende Geschichte durch die Düsternis eines gefährlichen Waldes, und Dingen…….. die noch viel gefährlicher sind.
Cover und Titel:
Das Cover spiegelt wunderbar die Atmosphäre des Buches wider. Dunkelheit, Düsternis, Wald der nicht sehr einladend wirkt, und genau die richtige Stimmung eines Waldes zeigt, in den man niemals gehen sollte, wenn man unversehrt wieder herauskommen möchte. Diese Stimmung ist richtig gut eingefangen. Und zum Titel des Buches habe ich anfangs in meiner Einleitung schon einiges gesagt, und finde ihn ob der Bedeutung des Wortes Anathema richtig passend zu genau allem, was in der Geschichte passiert. Fast so als ob ein Wort die Geschichte des Buches preisgibt und uns davon erzählen möchte.
Fazit und Gedankenallerlei:
Zuerst einmal: Ich würde nicht sagen, dass mich die vielen Seiten, nämlich 816, abgeschreckt haben, sondern eher die vielen Begriffe im Glossar. Aber dafür ist ein solches ja da, damit man immer weiß, worum es geht. Ich habe mich dann aber entschieden einfach los zu lesen, und vielleicht nicht so viel darüber nachzudenken, dass seeeeeeeeehr viele Wesen und Dinge vorkommen. Das hat dann auch tatsächlich geklappt, weil viele Namen und Nennungen kurz erwähnt werden, und man sich im Zusammenhang mit dem Geschichtstext dann wirklich ein gutes Bild davon machen kann, was gemeint ist. So ist zumindest mein Empfinden. Irgendwann habe ich dann auch komplett aufgehört im Glossar nachzuschlagen, und hab einfach weitergelesen. Finde aber trotzdem gut, dass es sowas gibt, denn die Welt hinter dem Steintor (und auch irgendwie manchmal davor, und wo ist überhaupt der Anfang und davor und danach und überhaupt?) ist ziemlich komplex, und für‘s Worldbuilding gab es meine volle Begeisterung. Natürlich erscheint alles sehr düster und dunkel, diesen Hauch hat man auch schon in der Leseprobe entdeckt und Gothic Vibes in Dark Fantasy lassen sowas natürlich vermuten. Das ist vielleicht nicht für Jeden etwas, zumindest für Leute, die eher im glückseligen und strahlenden Sonnenschein leben. Für Liebhabende des Genres ist es aber richtig schön atmosphärisch.
Die Charaktere im Buch ….. tjaaaaa …….. viele Menschen die richtig charmant sind……. NICHT. Da geht einem das Herz auf …… AUCH NICHT. Da war ganz schön harter Tobak im Text, den man erstmal verdauen muss. Meine feministische Seite der Seele hat wirklich dauerhaft geschrien ob der Ungerechtigkeiten, und dass das Leben einem so übel mitspielt und unfair ist. Auf der anderen Seite mag ich sowas in Büchern, weil uns die Wahrheit als Spiegelbild der Gesellschaft vorgehalten wird, und das Fantasyweltkonstrukt es schafft, dass es besser verdaulich ist. Die Welten sind männerdominiert und voller Doppelmoral, und das muss man auch erstmal ertragen, weil einem beim Lesen ab und an in den Sinn kam „Hey, das ist ja in manchen Dingen fast wie in unserer Realität auch heute noch, wir wollen es nur nicht wahrhaben.“. Teilweise hatte es anfänglich solche Vibes wie eine Mischung aus der Hexenverfolgung in Salem (wo jeder im Dorf gegen jeden war aus Angst vor Andersartigkeit) und der Inquisition (wo die „Ketzer“ dann ihre Strafe bekommen haben, wenn sie sich nicht an die Regeln gehalten haben). Überhaupt geht es viel um Regeln, sich daran zu halten, un bloß nicht aus der Schablone der Rechtschaffenheit und Normalität herauszurutschen. Zevander hat es trotz seiner Berufswahl (ähem…) als Assassine, recht schnell geschafft trotzdem Sympathien bei mir zu finden, weil es eben andere Charaktere gab, denen ich sofort abgeneigt war. Kurz dachte ich dann „Was ist mit mir los?“. Aber vielleicht ist es genau das, was die Geschichte ausmacht. Dass jeder für s ich selbst entscheiden muss, wo seine Grenzen liegen, und dass man sich Grenzen nie vorschreiben lassen sollte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn metaphorisch bilden die Eating Woods ja eine Grenze, hinter der der Tod lauert. Oder eben andere Dinge, die man beim Lesen kennenlernt. Das Ganze hat für mich die düsteren Dunkelvibes von Märchen, und zwar die, die wir nicht kennen, weil wir nur die Kinderversionen überliefert bekommen haben. In vielen Märchen und Geschichten wird es dunkel und es geht um menschliche Abgründe, nur ist das natürlich nicht für Kinder geeignet. Deshalb ist die Geschichte nicht „märchenhaft“ und trotzdem irgendwie diese Atmosphäre der Dunkelheit versprühend. Sagen wir also mal so: Zevander ist morally grey aufgrund seiner Tätigkeit, aber nicht aufgrund seines Wesens. Viele andere im Buch sind einfach pechschwarz und verdorben und das moralische Grau in weite Ferne gerückt.
Das Buch führt uns auf einen Weg, der entlangläuft an einem Abgrund aus menschlichen Abgründen. Zur Hälfte gibt es unseren moralischen Kompass, der uns beim Lesen begleitet und lenkt. Und mit der Lektüre heißt es dann zu versuchen, nicht vom Weg abzukommen und abzurutschen und in den Abgrund zu stürzen. Und das funktioniert. Vielleicht wird uns auch einfach angezeigt, wie verdorben die Welt, oder im Falle des Buches die Welten, sein können und sind. Vielleicht hat die Autorin extra all die menschlichen Abgründe eingebracht, damit wir als Lesende entscheiden, welche Vergehen für uns persönlich am schwersten wiegen, und ob es nicht immer auch Dinge gibt, die schlimmer als schlimm sind, und wo man sich für Grau entscheiden muss, wenn man nicht in die absolute Bosheit und Schwärze abtauchen möchte. Der moralische Kompass, den ich bereits erwähnte, wird in Form von Maeve dargestellt. Und auch wenn natürlich kein Mensch frei von Fehlern ist, so ist sie diejenige, die durchs Buch stolpert, durch diese Abgründe von Menschen, ohne selbst in einen zu fallen. Sie ist wie ein leuchtendes Licht, das uns durch die Dunkelheit der Geschichte führt, und steht für Weitsicht, in einer Welt, die doch g gerade sie für ihre Andersartigkeit so sehr verurteilt.
Die Geschichte des Buches ist wie ein Essensgericht, das einem gut schmeckt, weil man die Zusammenstellung genießt. Sie ist gut, neu, aromatisch und passt in ihrer Vielfalt der Themen und Genremischungen. Doch wie bei allen leckeren Gerichten, muss man kleine Pausen machen, hier dann beim Lesen. So hat die Geschichte bei mir besser gewirkt. Denn selbst, wenn man ob des Geschmacks gerne weiteressen (hier weiterlesen) will: Es ist eine mächtige Mahlzeit, die satt und glücklich macht, die man aber erstmal verdauen muss, und in kleinen Stücken genießen sollte. Ein überfülltes Menü? Nein. Doch mit Pausen besser zu verdauen. Irgendwie schlummert da auch ganz schwarzer und makabrer Humor in der Geschichte, vor allen in den Gesprächen darin. Und gleichzeitig wandeln wir durch eine Atmosphäre der Düsternis. Das Ganze ist stellenweise makaber und dunkeldüster, und man müsste sich eigentlich unwohl fühlen beim Lesen. Und trotzdem muss ich sagen ist diese Lektüre ertragbar beim Lesen, und das ist irgendwie wirklich eine Kunst, die die Autorin irgendwie beim Schreiben geschaffen hat. Man fragt sich beim Lesen ständig, was das kleinere Übel ist. Pest gegen Cholera sozusagen. Und manchmal fragt man sich, ob das moralische Grau von Zevander nicht das total verdorbene Schwarz einiger Stellen aufhebt, so dass er zwar immer noch ein Auftragsmörder ist, aber zu einer der sympathischsten Figuren im Buch wird. Das Buch lässt einem somit mit Fragestellungen zurück, was richtig und was falsch ist. Denn mit Dingen, die absolut falsch sind, die man mit sich selbst gar nicht vereinbaren kann, und wo die Alarmglocken im eigenen Gehirn schrillen, ist das Buch durchsetzt. Trotzdem, keine Angst: Irgendwie wurde hier geschafft, dass man die Geschichte in ihrer Dunkelheit ertragen kann. Denn auch hier ein trotzdem -> Es ist eines der Bücher, in denen man ich dazu rate, die Triggerwarnungen ausnahmsweise vorher zu lesen, weil ich weiß, dass es Menschen gibt, die die Thematiken nicht ertragen, und so gut wegstecken können. Denn ja, oftmals habe ich mich hier gefragt, ob die wahren Monster die Monster unserer Vorstellung sind, oder ob nicht Menschen so sehr Monster sein können, dass sie diese Bezeichnung eher verdienen.
Kommen wir mal zu den schönen Dingen: Die Anziehung und Tension die sich ganz slow aufbaut zwischen Maeve und Zevander, und die man trotzdem einfach spürt. Komischerweise ging es mir diesmal auch gar nicht auf den Keks, dass Maeve von Zevander fasziniert ist. Und noch mehr: Komischerweise geht ER mir nicht auf den Keks, obwohl er der Meuchelmörder ist, wahrscheinlich, weil ein Großteil der anderen Männer noch mehr No-Go’s sind. Mir hat der Spice wirklich gut gefallen, der Slow Burn ist hier richtig gut umgesetzt. Auch, dass nicht alles immer nur darauf hinausläuft, dass beide unbedingt und krampfhaft miteinander ins Bett müssen, mag ich. Und trotzdem ist diese Anziehung da. Man hat sie ja quasi dauerhaft gespürt, und ich fand jetzt auch NICHT, dass das damit zusammenhängt „Moah, der Kerl denkt nur an das Eine“. Ich fand es für die Geschichte stimmig, und ohne die gegenseitige Anziehung hätte mir definitiv was gefehlt.
Bekommen wir auch dieses eine Thema? Ja, natürlich! Ach so, ihr dachtet an …. Etwas Anderes? Ich meine natürlich Jemanden, der so unbedingt die absolute Macht will, dass er über Leichen geht, und sich selbst über andere Lebewesen erhebt, weil ihm nur diese Machtausübung wichtig ist.
Die Geschichte hat eine ungemeine Intensität, ist also beim Lesen sehr intensiv, und man kommt sehr schwer aus seinem Lesefluss heraus, wenn man einmal darin ist. Sie hat mich in vielen Bereichen geschockt (und trotzdem nicht vom Lesen abgehalten), aber nicht so, dass ich nicht hätte weiterlesen wollen. Es war eben diese Grausamkeit, und was man Menschen antut und antun will. Das Schlimme daran ist, dass wir denken, dass alles Fantasy ist, und dass es das zum Glück nicht in der Realität gibt, weil es ausgedacht wurde. Aber solche ähnlichen Dinge gab (und gibt es leider immer noch) es in der Weltgeschichte tatsächlich immer. Vielleicht nicht genau in der Form, aber ähnlich. Ich fand es spannend, wie die Autorin das in die Geschichte eingebaut hat, diese Fetzen und Elemente von Dingen von denen man weiß, dass es sie gab, oder in Teilen der Erde eventuell auch noch gibt. Diese Dinge, die wir heute als ganz schlimm ansehen, und mit unserem Weltbild nicht vereinbaren können, weil es falsch ist. Das ist ein wenig wie ein Spiegel der Gesellschaft, ein Spiegel in die Vergangenheit der Menschheitsgeschichte, und eben ein Spiegel in die Abgründe von Menschen, die anderen Menschen schlimme Dinge antun, aus Gründen, die man gar nicht nachvollziehen kann. Und trotz allem habe ich trotzdem die Lektüre so spannend gefunden, dass ich natürlich wissen möchte, wie es weitergeht und endet. Lust auf mehr hat die Geschichte auf alle Fälle gemacht. Ich glaub hier an eventuelle Plottwists, die mich in Band 2 dann schocken könnten, ähnlich wie der Cliffhanger es getan hat. Denn das ist gar kein Spoiler. Es wird einen geben. Das Buch ist wahnsinnig gut geschrieben in den Dingen, dass man kaum weiß, wem man vertrauen kann, und wer sich als Jemand entpuppt, dem man vielleicht vertraut hat, ohne dass man es hätte tun sollen. Die Geschichte spielt schon fast damit, wer hier wem vertraut, und bei wem man hinter die Fassade blicken sollte, weil da Vertrauen angebracht wäre, wo erst keines war. Und andersrum. Es geht im Buch also viel um Vertrauen, Andersartigkeit, Verstoßensein aber auch Grausamkeit, Doppelmoral, und eben ganz viel Düsternis und moralisches Grau. Und trotz allem schafft die Geschichte es, dem Lesenden Hoffnung entgegenzubringen. Wie auch immer sie es in ihrer eigenen Magie schafft. Mich hat das Buch und die Story um Maevyth und Zevander gefesselt. Hinzukommt, dass hier ein Buch vorliegt, bei dem wir unweigerlich Theorien über Theorien spinnen. Die kommen einfach so in den Kopf und breiten sich aus, und wollen dort verweilen bis ………… es dann in der Fortsetzung weitergeht.
Heutiges Rezensionslied? Nun, ich wollte die Wälder und ihre Dunkelheit hervorheben, die manchmal genau dort zu finden ist, und die nicht immer mit den Wäldern an sich zu tun hat.
„I have seen what the darkness does. Say goodbye to who I was. I ain′t never been away so long. Don′t look back, them days are gone.
Follow me into the endless night. I can bring your fears to life. Show me yours and I'll show you mine. Meet me in the woods tonight.“