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Veröffentlicht am 06.01.2021

Willkommen im Bienenstock namens Honey Springs…..

Sweet like you
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Sweet like you von Robyn Neeley

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Die einen lieben die Süße von Honig, und anderen süßen Dingen, die anderen sind eher fürs Deftige, und äh, vielleicht auch ...

Sweet like you von Robyn Neeley

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Die einen lieben die Süße von Honig, und anderen süßen Dingen, die anderen sind eher fürs Deftige, und äh, vielleicht auch Gesündere. Vielleicht ist es mit Liebesgeschichten genauso. Manche lieben dieses Zuckersüße, in unserem Fall Honigsüße, und manche brauchen deftige Reibereien zwischendurch, weil es realistischer erscheint. Ich für meinen Fall bin nicht festgelegt bei den Geschichten, wenngleich ich sagen muss, dass ich im realen Leben schon sehr dem Süßen zugetan bin :D. Geschichten müssen bei mir zur Situation im Leben passen. Und ich gebe zu, aufgrund der momentanen Lebenssituation aller Menschen, die nur so durchzogen ist von Regelungen, Gesetzgebungen, und allerlei unromantischem Zeug, da lese ich GERNE Romane, in denen alles nicht soooo real ist. Dies nur als Erklärung für meine Entscheidungen hier. Vielleicht entscheidet dann eher mein Herz als mein Kopf, den ich beim Lesen solcher Geschichten sogar ganz gerne mal ausschalte, weil ich ihn in der Realität unentwegt benutzen muss. Wovon handelt die honigsüß fließende Geschichte also? Dies ist schnell erzählt. Und wer Liebesgeschichten wie diese mag, der wird sich denken können, wie sie verläuft. Trotzdem hier eine kleine Inhaltsangabe.

Die Geschichte, die das Buch erzählt:

Cassie, Anfang 30, lebt in New York, und arbeitet in einer Werbeagentur, und dies in einem ziemlich hochgestellten Job. Doch das tat sie nicht immer. Denn für eine kurze Zeit ihres Lebens, nämlich mit 16, lebte sie mit ihrer Mutter bei ihrer Tante Etta in Honey Springs, und dort auf der Bienenfarm, die Etta gehörte. Diese ist nun, 15 Jahre später, und ohne jemals wieder Kontakt zu Cassie gehabt zu haben, gestorben. Und so muss Cassie zur Testamentseröffnung zurück nach Honey Springs, was ihr gar nicht behagt. Ist sie doch gerade auf eine Wahnsinnsbeförderung aus. Trotz aller Umstände landet sie in dem Ort, der trotz der kurzen Zeit, ihre Jugend damals geprägt hat, denn dort hat sie sich zum ersten Mal verliebt. Nick, besagter damaliger Junge, und heute eben Mann, ist natürlich nicht fern. Und dann ist da noch die Sache, dass Etta, die mittlerweile Bürgermeisterin von Honey Springs war, nun Cassie als Ersatzbürgermeisterin für den Ort eingesetzt hat, und ihr zusätzlich die die Bienenfarm vermacht hat. Für alle Seiten keine so tolle Entscheidung. Oder etwa doch? Denn Cassie hat Angst vor Bienen, kennt niemand in einem Ort, in dem ihr die Bewohner auch noch das Leben schwermachen, hat doch nun ihr Leben und einen Spitzenjob in New York. Und dann ist da auch noch Nick, ihre erste Liebe, der ihr ständig über den Weg läuft, da er der Chefimker auf Ettas Farm war. So, nun aber genug. Lasst eure Fantasie ob dem Lauf der Geschichte ruhig mal anlaufen :D.

Cover, Gestaltung, Allgemeines:

Die herausgearbeitete Biene sowohl im Cover, als auch im Buch über den Kapiteln, finde ich symbolisch sehr schön. Ebenfalls mag ich das Minimalistische, das trotzdem auch die Liebe zur Natur ausdrückt. Denn abseits der ganzen Fabriken, haben wir es im Buch mit einer Bienenfarm zu tun, und Honigherstellung ist nun mal die natürlichste Sache der Welt, und ebenso wichtig, FÜR unsere Natur und das Ökosystem. Das nur am Rande. Vielleicht gefällt mir genau deshalb dieses Cover auch so gut, und das OBWOHL es gar nicht so viel zeigt. Denn auch hinter unscheinbaren Dingen, verbergen sich manchmal große Aussagen und Sachen, gerade, wenn es um die Natur geht. Und spätestens nach der Lektüre wissen wir dann, dass sich hinter schlichten Covern viel verbergen kann, fast GENAUSO, wie Honigtöpfen ganz wunderbare Dinge enthalten. Als kleines süßes Extrabonbon gibt es im Buch gleich zu Anfang das Rezept für die im Buch erwähnten Erdnussbutter und Honig Cookies, und gar am Ende noch ein Rezept für ein……äh……Beautygeheimnisrezept :D. Die Idee hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Und wahrscheinlich auch meine Gelüste auf Honig ein wenig angeregt. Das Buch ist als Dilogie ausgelegt, und wie es oftmals der Fall bei diesen ist, so lernen wir die Protagonisten von Band 2 schon am Rande kennen, und können uns somit wohl auf ein Wiedersehen in Honey Springs freuen.

Fazit und Gedankenallerlei:

Ja, Kleinstädte haben ihr Gutes und ihre Tücken, können einen ausgrenzen, oder in ihre Gemeinschaft aufnehmen, und gegen andere verteidigen, sie können Freiheit, aber auch Einengung bedeuten, Tratsch oder Gutes und Freude bringen, oder Tratsch der hässlich ist. Hier kommt es auf den Charakter der Kleinstadt an, und Honey Springs ist eben eine Bienenkleinstadt, die sich zu wehren weiß, und wie eine Biene ihren Stachel zeigt, wenn man sie reizt. Honey Springs ist nicht ohne. Jaja, diese Stadt kann sich vordergründig von ihrer honigsüßesten Seite zeigen, und hinterrücks versuchen, dich zu stechen. Warum mir die Geschichte trotzdem gefallen hat? Wegen der Wandlung. Ganz eindeutig. Wir haben stechende Bienenköniginnen, schwärmende Drohnen, fleißige Bienchenarbeiterinnen und…….. eine liebesorakelnde Katze :D. (Und bis auf die Katze sogar alles auch in Menschenmanier. Wobei man irgendwann anfängt, die Katze auch als Person zu sehen.). In Honey Springs geht es selbst, wie in einem emsigen Bienenstock zu. Die ganze Kleinstadt ähnelt solch einem, und sogar eine Bienenkönigin gibt es. Vorsicht! Wer denkt, er hätte es hier mit der typischen harmonischen Kleinstadt zu tun, in der alle freundlich und besonnen sind, und freudig neue Menschen aufnehmen, der irrt. Denn auch hier kann man sie mit einem Bienenstock vergleichen. Die Bienen wehren sich, und fahren ihren Stachel aus, wenn der Bienenkönigin Gefahr droht, und symbolisch muss Cassie nun versuchen, die Bienen, oder auch die Menschen…… oder gar den Bienenstock, der sich Stadt nennt, als Bürgermeisterin zu besänftigen, und irgendwie auf ihre Seite zu ziehen. Nicht nur, damit am Ende süßer Honig dabei herauskommt. Oder….. naja….irgendwie doch :D

Die Geschichte schafft es, uns auf der einen Seite die heile Welt vorzuspielen, für die wir solche Romane lieben. Aber auf der anderen Seite auch Themen anzusprechen, die einen nicht in Grübeleien ausarten lassen, aber zumindest Denkanstöße geben, wie man mit seinen Mitmenschen umgehen sollte, oder könnte. Diese Mischung hat mir gefallen. Dass ich nicht runtergezogen wurde in meiner Stimmung, und trotzdem an einigen Stellen und über einiges nachdenken musste. Der Geist des lockeren Liebesromans ist aber dadurch nicht verloren gegangen, und spukt trotzdem weiter durchs Buch, so dass sich auch die Fans von Liebesgeschichten locker in die Welt von Honey Springs trauen können. Und manche Szenen sind so….äh….süß. Also passt auf, dass ihr keinen Zuckerschock bekommt. Aber auch dafür sorgt die eingebaute Insulinspritze im Buch, die dafür sorgt, dass der Zuckerschock nicht zu schnell zustande kommt. Eine Drohne, 2 Bienenköniginnen, Schwarmdenken, die Arbeit im Bienenstock …. Alles ist so schön doppeldeutig und metaphorisch ab und an. Und so wird das Buch durchweht von Wortspielen mit Bee, dem englischen Wort für Biene, das sich uns in den Geschäftsnamen öfter mal offenbart. Was zum einen zeigt, wie sehr diese Stadt ihren Stolz, die Bienenfarm von Tante Etta und ihren Honig, aufrechthält. Wir erfahren zwar nicht viel über die Produktion des Honigs, aber ein bisschen.

Man glaubt gar nicht, wieviel Zwiespalt in so einem kleinen Roman stecken kann. Die Bewohner sind nicht durchgängig hilfsbereit und freundlich, und trotzdem gut gezeichnet. Selbst in ihrer Gemeinheit (aber natürlich auch in ihrer Freundlichkeit). Das ist ein wenig neu, nicht nur heile Welt in einer heilen Welt zu haben. Dort, wo andere aufgeben und hinschmeißen, da gibt Cassie nicht auf, und macht weiter. Und damit wird dem Leser gezeigt, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen. Sie scheitert, steht immer wieder von Neuem auf, und boxt sich durch alle Anfeindungen, wenngleich sie dabei Hilfe von Nick bekommt. Ich gebe es ja zu. Cassie tritt also nicht nur in Fettnäpfchen, sondern in fast jedes Honigtöpfchen der Stadt Honey Springs, das sich ihr in den Weg stellt. Und diese mögen etwas klebriger sein als Fettnäpfe. Ich musste also während des Lesens entscheiden, ob ich gutheißen kann, dass im Buch die Menschen nicht ganz so freundlich als Gemeinschaft gegenübereiner einzelnen Person sind. Warum habe ich mich also dann doch dafür entschieden, genau diese Thematik als gut zu befinden? Vielleicht, weil ich mir gedacht habe, dass es mal etwas Anderes ist, und zweitens, weil es vielleicht einigen Lesern, die diese Geschichte lesen, mal den Spiegel vor das eigene Gesicht hält, wenn diese zu der Gruppe von Menschen gehören, die andere und Schwächere, oder auch Einzelne, ebenfalls gerne mal veräppeln, um es ihnen zu zeigen. Vielleicht ist das auch ein wenig die Lehre des Romans, dass man sich nicht unterkriegen lassen soll, selbst wenn sich einem nicht nur Steine in den Weg stellen, sondern auch stechende Bienen, in Form von Schwierigkeiten, Gegenwind und Ablehnung.

Fast scheint es einem wie das Eingreifen des Schicksals in Form von Menschen, Dinge die anders gelaufen wären, Menschen die sich nicht zerstritten hätten, zusammengeblieben wären….. aber so kommt es eben nicht immer. Und so nimmt da Schicksal einen Umweg von 15 Jahren und taucht dann wieder auf, um das zu nutzen, was die Schicksalsbehafteten in den 15 Jahren, in denen sie sich nicht gesehen haben, gelernt haben. Eine Aufschiebung sozsagen. Aber eine, die äußerst wichtig erscheint. Wenngleich ich zugeben muss, dass man nach 15 Jahren des Nichtsehens natürlich ein ganz anderer Mensch sein könnte. Gerade, oder eben auch wegen der Zeit, die vergangen ist, und die uns geprägt und mitgeformt hat. Es ist eine Zwickmühle. Cassie kommt sich sicher wie ein Eindringling vor in diesem Städtchen, in dem jeder zusammenhält. Und tatsächlich fühlt man am meisten mit ihr. Denn das Schicksal in Form einer toten Tante, die wohl mehr Weitsicht hat, als andere, schlägt sehr oft im Buch zu.

Was mir angenehm aufgefallen ist, dass Cassie als Hauptprotagonistin eine dieser angenehmen Art ist, die einen nicht nervt, weil sie ständig Dinge falsch macht, die sich nicht in den Vordergrund drängt, oder gar zu hilflos ist, damit sie ständig gerettet werden müsste. Ebenso merkt sie eine gewisse Anziehung zu Nick, ist da aber nicht wie andere, so dass sie ständig zerfließend in die Knie geht, weil sie den vor ihr stehenden Mann vergöttert. Kurz gesagt: Sie mutiert nicht zur Tussi, und ist es auch anfänglich nicht. Mit solch einer Protagonistin komme ich gut klar. Sehr schön eingebaut in die Geschichte sind die Erinnerungen. Es sind keine Rückblenden, und auch keine Extrakapitel, sondern viel mehr kleine Geschichten, die in einem Nebensatz erwähnt werden, und auf das bezugnehmen, was im Heute ist, und auch in der Vergangenheit so war. Wie ein Gedanke, der den Protagonisten kurz herausrutscht, sie an die Vergangenheit denken lässt, und sie sofort wieder in der Gegenwart hält. Diese Art der Erinnerungen gefällt mir sehr gut, ist sie doch recht menschlich und verständlich für mich. Diese bekommen wir im Buch ab und an mal von Cassie und Nick zu lesen. Tatsächlich dachte ich anfangs, dass ich mit Cassie als Hauptprotagonistin nicht klarkomme, da sie die typische berufstätige und erfolgreiche Frau ist, deren Leben aus ihrer Arbeit besteht. Sie mag zwar erfolgreich darin sein, für Privates bleibt aber nicht viel Zeit. Und dadurch geht immer auch ein wenig Empathie verloren für die Menschen um einen herum, weil man im Hamsterrad nur noch seinen Job sieht. Desto schöner fand ich dann zu sehen, dass dieser Schild von Cassie geschmolzen ist, wie goldgelber flüssiger Honig. Die Wandlung war spürbar, und mit jeder Seite ist ein Stück Kälte mehr von Cassie abgefallen, und hat sich in Wärme gewandelt. Zusätzlich hat sie nicht an Stärke verloren

Das Buch ist honigsüß, und dies meine ich wörtlich. Denn ständig werden Honig Erdnussbutter Cookies und Muffins mit Honig und Schokokuchen mit Honigsahne, und…….. andere leckere Dinge erwähnt. Für ein Süßmäulchen wie mich genau das richtige. Doch auch die Menschen im Roman sind…. Irgendwie süß (naja, können süß sein, wenn sie wollen), wenn auch etwas abseits der geordneten Normalität, wie wir sie oft in Großstädten finden. Aber natürlich geht es auch ein wenig um Kleinstadt gegen Großstadt. Um Erfolg und Geld im großen New York gegen Erfolg und Geld in Honey Springs. Ich mag Menschen die merkwürdig sind. Ganz ehrlich. Menschen die besonders sind, anders als andere, sich unterscheiden. Menschen, die Spleens haben, nerdig sind, oder auch freakig. Menschen die sich alle abgrenzen von dem, was man allgemeinhin als Normalität bezeichnet. Und ja, ich kann es nicht anders sagen. Ich denke, in Honey Springs habe ich ein paar dieser Menschen gefunden. Natürlich sind die Situationen im Buch nicht immer super realistisch, gerade auch im Hinblick auf einen Job als Bürgermeisterin. Aber ehrlich gesagt, und zugegeben: Wäre es anders, würde es mich mehr enttäuschen. Denn wer will schon ein Buch vor sich haben, welches mit realen Gesetzen und Regelungen spielt, und einem damit genau das zeigt, was wir tagtäglich im echten wahren Leben vor uns haben? Ich nicht. Zumindest momentan nicht. Und ja, ich gebe zu, momentan vielleicht eine leichte Leseliebesromanphase zu haben. Aber man möge es mir verzeihen. Die Welt in Romanen, die außergewöhnliche Situationen hervorrufen, die ist mir momentan tausendmal lieber, als die Realität dort draußen außerhalb des Buches.

Ein Buch wie ein Honigtopf. Wenn man es öffnet, wird man sehen, ob der Inhalt süß oder einfach lecker ist. Oder gar bitter. Denn mein einziger kleiner Fehler, den ich gefunden habe, der bezieht sich auf die bittere Behandlung einer großen Gruppe von Menschen, gegen einen einzelnen, über den ich nicht ganz hinwegsehen kann, weil er meinen Lesegenuss ein klein wenig getrübt hat. Oder verbittert, um es mit den Worten des Buches zu sagen. Deswegen gebe ich dem Ganzen 4,5 Sterne, die bei manchen Portalen als 5 erscheinen, aufgrund dessen, dass man keine halben Sternbewertungen geben kann.

Geschichten die von einer Liebe erzählen, die in jungen Jahren aufblüht, die mag ich sehr. Die Grundaussage ist, ob ein neuerliches Verlieben möglich ist, oder man einfach zu unterschiedlich ist, ob es als Teenager nur eine Verliebtheit war, oder wirklich die große Liebe, die sich einfach recht früh abgezeichnet hat. Und da kommen wir in dieser Geschichte zum Punkt. Denn auch wenn hintergründig da zwei Menschen sind, die sich als Teenager geliebt haben, so bleiben trotzdem noch genug andere Probleme, die in der Geschichte bewältigt werden müssen. Ich muss trotzdem sagen, dass ich trotz aller Widrigkeiten, gut in den Ort Honey Springs reingefunden, und sogar wohlgefühlt habe. Die Kleinstadtatmosphäre ist spürbar, und auch der Zusammenhalt unter den Bewohnern ist gegeben. Das würde einem ein warmes Gefühl des Miteinanders geben, wenn da nicht die Ausgrenzung von Cassie wäre. Dies gilt es ein wenig zu durchbrechen, und darum geht es auch ein wenig im Buch. Denn Cassie muss den einen Fehler, den sie gemacht hat, wieder irgendwie gutmachen. Das ist das einzig unfaire im Buch. Dass sie im Grunde für ihren Fehler nichts kann, und man für sie Verständnis haben sollte, was aber keiner hat. Ich würde es dem Buchgenuss trotzdem nicht absprechen, dass diese Szenerie dafür sorgt, dass man sich unwohl fühlt. Denn wo das Buch in anderen Dingen etwas unrealistisch erscheint, so ist das Bild, das gezeichnet wird, von jemandem, der geschnitten wird, sehr realistisch gezeichnet. Wir erleben die Geschichte im Buch trotz allem mit, in all ihrer Wirklichkeit und Unwirklichkeit, in ihrer Realität und Nichtrealität, denn die Schreibweise nimmt uns mit in die Geschichte, und lässt uns alles unmittelbar miterleben. Welch süße Geheimnisse sich in Honigtöpfen verstecken, zeigt dieser Roman. Und es ist nicht immer Honig, aber etwas, das genauso süß ist.

Heutiges Rezensionslied? Muss ja was mit Honig und einem ersten süßen Kuss sein :):

„When I kissed you, girl, I knew how sweet a kiss could be. I know how sweet a kiss can be.
Like the summer sunshine, pour your sweetness over me. Pour your sweetness over me.

Sugar, honey, honey. You are my candy girl. And you got me wanting you.“

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2020

Im Leben an allem zu scheitern ist unschön, aber dafür gibt es ja zweite Chancen.....

Auch die große Liebe fängt mal klein an
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Auch die große Liebe fängt mal klein an von Sylvia Deloy

Der richtige Mensch, mit dem wir unser Leben verbringen wollen, ist mal bei uns, manchmal wird er nie gefunden, manchmal finden wir ihn, doch es ...

Auch die große Liebe fängt mal klein an von Sylvia Deloy

Der richtige Mensch, mit dem wir unser Leben verbringen wollen, ist mal bei uns, manchmal wird er nie gefunden, manchmal finden wir ihn, doch es ist zu spät, weil wir jemanden an unserer Seite haben, der eben nicht dieser Richtige ist, manchmal finden wir ihn mehrmals, weil wir uns das Richtigsein einreden, und manchmal haben wir ihn schon längst gefunden, ihn aber wieder verloren. Und das, aus vielerlei Gründen. Denn manchmal ist es einfach nur so, dass man genau fühlt, dass nun die richtige Person vor einem steht, die uns glücklich macht, mit der wir unser Leben verbringen wollen, und die uns fast auswendig kennt. Die mit uns lebt, unseren Alltag kennt, und uns ohne zu fragen unterstützt. Mit der man ganz große Pläne hat, und die auch von der Familie heiß und innig geliebt wird. Und dann, eines Tages, ist genau dies vorbei. Alles was danach kommt, nur ein billiger Abklatsch dessen, was war. Und man weiß eigentlich nicht, warum alles so plötzlich geendet hat, denn schließlich war doch alles in Ordnung. Ich gebe zu, nun kommt der Punkt, an dem man in der ersten Liebeskummerphase wahrscheinlich genau solche Sätze loslässt wie „Man, der Kerl ist wirklich ein Vollidiot sondergleichen, und ich hasse ihn“. Aber natürlich ist der Typ, der einen verlassen hat, nicht immer ein Vollidiot. Und der Typ, den man einen Tag vorher noch geliebt hat, kann natürlich auch nicht sofort zum Vollidioten mutieren, und gehasst werden, gerade wenn man ihn wirklich geliebt hat. Aber trotzdem. Für unser Wohlbefinden und unsere Seele brauchen wir einen Abschied, und das Wissen, warum alles auseinandergegangen ist. Wenn also genau dieser richtige Mensch eines Tages verschwindet, bleiben die Fragen. Und falls uns eines Tages jener Mensch über den Weg läuft, kann das Ganze einen herben Rückschlag geben. Denn manchmal wird einem erst mit Abstand und Zeit bewusst, was man aneinander hatte. Denn wie heißt es so schön: „Du weißt nicht, was du hattest, bevor du es verloren hast.“ Warum ich das mal wieder alles erzähle? Naja, vielleicht, aber nur vielleicht, habe ich ja diese Thematik irgendwie im Buch erkannt? Das……. Oder ich halluziniere Thematiken :D. Worum geht es also?

Was das Buch uns erzählt:

Marie, unsere Hauptprotagonistin, und Anton, ihr männliches Prota-Pendant, waren mal ein Paar. Sie wohnten zusammen, und auch, wenn es mal Streitigkeiten gab, so war die Liebe zwischen ihnen doch da. Aber wie es mit der Liebe so ist, manchmal verschwindet sie, und man weiß nicht wohin. Genau wie Anton im Übrigen. Marie selbst betreibt das Petite Pauline, ein Restaurant in Köln, welches schon seit 2 Generationen mit großem Erfolg in der Familie läuft, und nach dem Tod von Maries Vater von ihr übernommen wurde. Bis jetzt! Denn die modernen Zeiten zwingen Marie einzusehen, dass sie das Restaurant finanziell nicht mehr auflassen kann. Kurz gesagt, sie ist pleite. Um ihr Restaurant nach allen Vorschriften renovieren lassen zu können, und ihren großen Traum, das Restaurant, nicht zu verlieren, nimmt die Spitzenköchin einen Job in einem Kölner Brauhaus an, weil er gutes Geld bringt. Dort angekommen in der Küche steht dann Anton……. Den sie seit der merkwürdigen Trennung, nicht mehr gesehen hat. Und hier beginnt unsere Geschichte interessant zu werden. Aber alles Weitere dürft ihr euch gerne selbst erlesen. :D

Cover und Titel:

Das Cover ist vielleicht nicht so aussagekräftig, aber es macht auf alle Fälle fröhlich, weil es irgendwie quirlig ist. Der Titel sagt schön hintergründig aus, dass große Lieben klein anfangen. Und vielleicht sind die kleinen Lieben, die wir anfänglich haben, ja unsere großen Lieben? Oder alles muss klein anfangen um groß zu werden, um zu wachsen, selbst wenn das Wachstum kurzfristig gestört ist? Man könnte fast schon sagen, dass der Titel in etwa bedeutet, dass die kleine Liebe, die Anton und Marie mal hatten, erst eine Pause gebraucht hat, um sich darüber klar zu werden, dass es am Ende im zweiten Versuch dann vielleicht die große Liebe wird. Findet eure eigene Interpretation heraus :)

Fazit und Gedankenkarussell:

Das Buch wird von kölscher Lebenslust und Atmosphäre umweht, und irgendwie spürt man die Liebe zu dieser Stadt in jeder Zeile. Wir lernen unweigerlich ein wenig „kölsche“ Lebensart kennen, wenngleich das auch nur minimal ist, da Köln eben der Handlungsort ist.

Was mir wirklich positiv aufgefallen ist, dass die Geschichte zu keinem Zeitpunkt unrealistisch rüberkommt, oder nicht authentisch. Wir haben hier keine Schmetterlinge, die sofort wieder in den Bäuchen rumrumoren, wenn man sich wiedersieht, wir haben nicht gleich wieder eine Anziehungskraft, und anfänglich sogar nicht mal direkte Sympathie. Meint man zumindest. Was viel authentischer wirkt, als die Situation, wenn man sich aufgrund von einem Wiedersehen, sofort wieder in den Armen liegt, und das OBWOHL beim ersten Mal doch auch etwas falsch gelaufen ist, sonst wäre man ja noch zusammen? Dieses Aufraffen, diesmal den anderen und sich gegenseitig besser zu verstehen, das macht als Entwicklung im Buch ungeheuren Spaß. Und bereitet einem natürlich auch ein klein wenig mehr Herzschmerz, als es das Gegenteil der rosaroten Wolke täte. Aber auch das ist okay. Denn bei manchen Büchern muss sich die Realität eben auch mal ihrem Gegenüber der Verliebtheit stellen. Und vielleicht geht ja auch beides irgendwie mit dem Fortlauf der Geschichte zusammen? Dies gilt es hier herauszufinden. Und wir haben authentische reale Probleme, Geldsorgen, Familienbelange, Menschen, die sich uns in den Weg stellen. Eine schöne Abwechslung ist es ebenfalls, auch hier keine übergezeichneten Menschen vor sich zu haben, oder eben im Buch. Alle sind normal und bodenständig, keine perfekten Übermenschen, und haben Probleme, wie sie jeder tagein tagaus hat. Nicht alle sind perfekt, oder zum Niederknien. Wobei das ja immer im Auge des Betrachters liegt. Man kann ja auch vor nette Leuten niederknien, einfach, weil sie nett sind ;). Ja okay. Das Buch mag nicht in ALL seinen Einzelheiten realistisch sein, denn ja, kurzzeitig passieren auch Dinge, die mir wahrscheinlich nicht passieren würden. Wir sind aber nicht im echten Leben, und das ist auch gut. Denn geben wir es zu, Bücher sollen uns manchmal aus genau dieser Realität entführen, und uns eine gute Zeit bescheren. Und gerade nun in diesen Zeiten, ist es vielleicht auch mal, genau aus dieser Realität entführt zu werden, die so vielen Menschen ihre Träume wegnimmt, ihnen Wünsche für das Leben verbaut, und die sich auf einmal völlig neu orientieren müssen, fernab von dem, was sie eigentlich machen möchten. Außerdem hatte ich so die Gelegenheit in zwei Restaurantküchen Einblick zu erhalten, und das nur, durch die Augen der Geschichte :D

Die Symbolik des Verlorenen gefällt mir außergewöhnlich gut. Alles droht verloren zu gehen. Marie ihr Restaurant, und Finn, Maries aktueller…äh….nicht der Rede wert :D…. verliert Marie, was irgendwie auch gut ist. Denn aus vergangenem Verlorenem, kann etwas neu Gefundenes werden. So im Falle von Anton. Der Marie wiederfindet, genauso wie Marie Anton. Nur was daraus gemacht wird, ist die Frage des Romans. Denn kann man etwas, das einmal nicht gut gegangen ist, wiederholen? Oder ist es gar nicht schlecht verlaufen, und alles war nur ein Missverständnis? Auf alle Fälle gilt es zu handeln. Denn das Buch zeigt auch, dass man den Menschen, die man verloren hat, auch bis an sein Lebensende schmerzlich hinterher trauern kann. Die Liebesgeschichte selbst drängt sich uns nicht auf, und ist trotzdem spürbar, zeigt uns dieses Gefühl von gemeinsamer Vergangenheit, gemeinsamen, oder auch einsamen Träumen, und Zusammengehörigkeit, ohne, dass beides aneinanderklebt, und ohne ins Kitschige abzudriften. Und auf einmal wandelt sich die Kälte, sie splittert von den Figuren ab, und übrig bleibt diese Wärme, die sich über den Rest der Geschichte verteilt. Ob Marie und Anton eine zweite Chance annehmen, ihre Liebe oder eine Beziehung oder was auch immer erneuern, das dürft IHR selbst herausfinden. Aber eines sei gesagt: Die Chemie stimmt, vielleicht ja sogar besser als bei Versuch 1? Und das fühlt man durch die Seiten hindurch. Doch das Buch handelt nicht nur vom Verlieren und dem Verlust, sondern auch davon, wie verloren man sich fühlen kann, ob des Verlustes, und vom Verlorensein, weil man selbst nicht weiß, was man eigentlich genau will. Verlorene Träume, verlorene Beziehung, verlorenes Restaurant, verlorene Liebe, verlorenes Selbst, verlorene Wünsche, verlorene Zeit…… oder ist am Ende gar alles noch da, oder wurde wiedergefunden? Das Ganze ist also nicht einfach nur irgendeine Beziehungskomödie, die locker leicht daherkommt, sondern beschäftigt sich mit den Ängsten des Verlassenwerdens, wie wir damit zurechtkommen, aber auch damit, dass man für jemanden nicht das sein kann, was derjenige von einem erwartet. Oder es zu spät erkennt, dass er doch genau das sein will, aber dann ist es zu spät für das Zwischenmenschliche. Denn ja, teilweise war das ganze Buch doch tiefgehender, als ich es mir vorgestellt hatte. Was gut ist, denn tiefsinnige Dinge, die zum Nachdenken anregen, die mag ich unheimlich gerne.

Was mir ungemein gefallen hat ist, dass das ganze Buch, die Geschichte, durchzogen ist vom Geist dessen, dass man mehr füreinander und miteinander arbeiten muss in einer Partnerschaft, dass man seine eigenen Träume nicht über die des Partners stellen sollte, und den Partner nicht über seine Träume. Und darüber, dass man sein Leben manchmal mit dem falschen Partner verbringt, weil man den richtigen hat gehen lassen. Das alles regt zum Nachdenken an, ohne plump und poetisch, oder kitschig zu sein. Gerade diese Authentizität und Normalität im Roman ist es, die einen unweigerlich an seine eigene Lebensgeschichte und Vergangenheit erinnert. Sein es die Träume, die man einst vom Leben hatte. Oder an verflossene Partner, und die Frage, was aus ihnen geworden ist, und wie deren Platz im eigenen Leben war, ob sie die Richtigen waren, und ob die heutigen Nachkömmlinge von etwas sind, was doch mal perfekt war, selbst, wenn es geendet hat.

Und unweigerlich muss man sich fragen, was im Leben wichtiger ist. Die Frage, mit wem ich mein Leben verbringen will? Die Frage, ob ich meine Träume ausleben möchte, und Chancen wahrnehmen kann? Ob ich es gemeinsam mit dieser Person tue, oder ohne sie? Ob es dann noch mein Lebenstraum sein kann, welchen ich verwirkliche, wenn ich dadurch meine Liebe des Lebens verliere? Ob alles gemeinsam funktionieren kann, oder eher nicht? Und natürlich die Frage am Ende des Lebens, ob man alles, so wie man es getan hat, richtiggemacht hat, oder an einigen Stellen falsch abgebogen ist, und gerne etwas geändert hätte, wenn man nur weiterhin Kontakt zu einem bestimmten Menschen gehabt hätte. Das zu lesen, macht ziemlich sentimental und nachdenklich. Denn mit höherem Lebensalter schaut man anders auf das Leben, bereut Dinge, die man getan, oder eben nicht getan hat. Von denen man weiß, dass man es als Fehler einstuft, dass man die Gelegenheiten nicht wahrgenommen hat. Sei es im zwischenmenschlichen Bereich, oder in den Träumen, die man verwirklichen wollte. Das Buch drückt wunderbar aus, wie sehr man sich im Leben manchmal in Situationen befindet, in denen ein Moment das Leben ändern kann, um in eine andere Richtung zu gehen. Wie einfach es geht, dass ein Moment dazu führt, dass wir uns einem anderen Menschen zuwenden, und dass manchmal Dinge ins Leben zurückkehren, in alter Form, in neuer Form, alt und bekannt, oder alt und völlig neu. Oder manchmal gar nicht. Ein Buch über Neuanfänge, zweite Chancen, das, was wichtig im Leben ist, aber auch, was wir uns vom Leben wünschen. Aber auch eines das anzeigt, dass man oftmals Dinge erst wertzuschätzen weiß, wenn man sie verloren hat, oder zumindest verloren glaubt. Dinge, Menschen, Restaurants. Und die Anstrengungen, das Geliebte, sei es Sache oder Mensch, zurückzubekommen. Sei es aus Egoismus heraus, oder, weil man erkennt, dass man einen Fehler begangen hat, oder einfach, weil die Liebe und Zuneigung zu groß ist, dass man erkennt, dass man ohne einander nicht sein will. Und sind es, wenn wir einst auf unser Leben zurückschauen, dann nicht eher die Menschen und vergangenen Gelegenheiten mit ihnen, die uns verfolgen bis ins hohe Alter? Oder denken wir eher daran zurück, was wir arbeits– und leistungstechnisch nicht geschafft haben? Was ist wichtiger? Die eigenen Träume zu verwirklichen, den Traummenschen des Lebens zu behalten, oder beides unter einen Hut zu bekommen? Die Balance zwischen Privatleben, beruflichen Träumen, Traummenschen, Erfolgen im Leben, Das Pflichtgefühl gegenüber Menschen, denen wir etwas versprochen haben und allem dazwischen……?

Wir haben hier ein interessantes Zusammenspiel aus Zurückhaltung und Anziehungskraft, Vertrauen und Misstrauen, und das alles gepaart mit einer gemeinsamen Vergangenheit, die nicht nur einfach eine Vergangenheit ist, sondern dazu noch eine der Art, die richtig zusammengehörig und untrennbar ist, weil die Partnerschaft so gut war, alles gepasst hat, und man am Ende dort steht, und nicht weiß, wieso es geendet hat. Und genau das ist es auch, was sich hier die Klinke in die Hand gibt. Marie, die vorsichtig geworden ist, nach der Lehre lebt, dass man die Vergangenheit ruhen lassen soll, das was einem wehgetan hat, hinter sich lassen soll, und es nie mehr zu nahe an sich ranlassen sollte, da es einen erneut verletzen könnte. Aber dann ist da noch dieses ganz leise Flüstern, das einem sagt, dass es damals vielleicht genau das Richtige für Maries Leben war. In Form von Anton eben. Die Romantik ruckelt erst, und versteckt sich unter Vorwürfen, Vorsicht, dass man nicht nochmal verletzt wird, Misstrauen, und alten Erinnerungen, die gemischt romantisch sind, sich aber auch wandeln in verletzliche Momente, die man gemeinsam erlebt hat. Doch manchmal ist nicht alles so, wie es scheint. Der Schreibstil ist locker leicht, und einige Situationen sind wirklich komisch, wenngleich der Roman auch, wenn man genau hinsieht, oder liest, ernste Untertöne hat. Das Ganze entwickelt sich im Laufe des Buches. Anfänglich meint man, es sei eine normale Liebesgeschichte. Später geht das Ganze dann etwas tiefer ins Geschehen, und wir erfahren, was damals geschehen ist. Die Emotionen zwischen Marie und Anton sind spürbar, und das, obwohl die beiden ja gar nicht mehr zusammen sind. Und trotzdem fühlt man, dass da mehr zwischen den beiden ist. Und so hat das Buch die Thematik des Gehenlassens, des Miteinanderauskommens, aber auch, wie man per Schicksal wieder aufeinandertrifft, wenn es denn dann die rechte Zeit für einen ist. Und manchmal sind auch einfach die Lebensentwürfe und – wünsche verschieden, selbst wenn die große Liebe eine Gemeinsamkeit ist. Ein Buch über Vertrauen, Ängste, dem Verschließen vor anderen, das offen sein, und darum, genau zu sagen, was man eigentlich will, und ehrlich zu sein.

Aber das Buch sagt auch aus, wie schnelllebig unsere heutige Zeit eigentlich ist. Deswegen spreche ich mich jetzt mal für die Traditionen aus, denn die Moderne mit ihren Unbeständigkeiten ist nicht so meine Welt. Wahrscheinlich kann man das nicht nur auf Restaurants, wie im Buch, schieben, sondern auch erweitern auf Menschen, die schnelllebig sind. In ihrem Tun, genauso, wie in ihren Beziehungen. Unterschwellig kann man das fast schon als Thematik des Buches sehen. Wie schade, wenn die Wegwerfgesellschaft Einzug hält, und Menschen genauso ungewollt sind, wie alte Einrichtungen oder Interieur. Es ist auch ein wenig die kühle Geschäftsmäßigkeit und Effizienz, die heute überall zählt, gegen Dinge, die wirklich mit dem Herzen betrieben werden, die aber nicht so erfolgreich sind. Und nun ja. Natürlich ist mir klar, dass sowas im echten Leben manchmal nicht passiert, diese 2. Chance, und in der Realität wirklich viele kämpfen müssen, und ihre Träume aufgeben. Was wirklich eine Ungeheuerlichkeit ist. Aber das ist ja grad das Schöne an einem Buch, dass es NICHT so ist. Und das auch noch in genau diesen Zeiten momentan, wo wirklich viele ihre großen Träume aufgeben müssen, weil sie diese Krise nicht überstehen. Das Buch handelt ja quasi von Träumen und persönlichem Glück, der Erfüllung davon, aber auch der Enttäuschung darüber, wenn es nicht klappt.

Und am Ende geht es vielleicht auch ein Bisschen darum, was und wer uns im Leben glücklich macht, und wenn es uns nicht mehr glücklich macht, darüber nachzudenken warum es dies nicht mehr tut, statt es wegzuwerfen. Und das für diverse Lebensabschnitte. Ich für meinen Fall BIN glücklich, einen kleinen Leselebensabschnitt mit diesem Buch verbracht zu haben, weil es mir eine schöne humorige Zeit beschert hat. Danke Buch für unser Zusammensein. Von dir werde ich mich nicht so einfach trennen. Oder wenn wir es in den Worten von uns Lesebegeisterten sagen müssten. Marie und Anton hatten ihr gemeinsames Lebens-Kapitel, und wir erfahren nun in den Buchkapiteln, ob es ein zweites geben wird, oder ob sich alles im Sande verläuft, weil, wenn man einmal ein gemeinsames Kapitel beendet hat, ist es nicht so einfach, ein neues gemeinsames zu beginnen. Hoffen wir auf ein HappyEnd für das Lebenskapitelbuch.

Und weil Glück, das eigene Glück, aber auch das gemeinsame, hier im Roman eine große Rolle spielt, und es zufällig um eine Marie geht, kam mir diesmal dieses Lied in den Kopf als heutiges Rezensionslied. Denn manchmal will jemand nur unser Glück, selbst, wenn er uns dafür ins Unglück stürzt, weil er denkt, dieses sei unser Glück. Ach, lest den Roman einfach selbst :D:

„Komm tanz, genau, ich will dich tanzen sehen. Marie mein Mädchen du bist wunderschön. Ich will nur, dass du tanzt zu diesem Lied. Ich will nur, dass du glücklich bist Marie. Ich will nur, dass du tanzt zu diesem Beat. Ich will nur, dass du glücklich bist Marie.“

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 23.12.2020

Die Schatzsuche nach silbernen Fährten und Schätzen, die man über alles liebt....

Reckless 4
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Reckless Band 4 – Auf silberner Fährte von Cornelia Funke

Es gibt verschiedene Reckless-Leser. Wie bei vielen Bücherreihen, die mehrere Bände und Nachfolger haben. So gibt es zum einen die, die warten ...

Reckless Band 4 – Auf silberner Fährte von Cornelia Funke

Es gibt verschiedene Reckless-Leser. Wie bei vielen Bücherreihen, die mehrere Bände und Nachfolger haben. So gibt es zum einen die, die warten bis alle Teile auf dem Markt sind, um diese dann zusammenhängend zu lesen. Es gibt die, die jeden Teil mit Erscheinungsdatum lesen, und manchmal jahrelang auf die nachfolgenden Bände warten müssen, voller Ungeduld, und zugegeben, mit nicht mehr ganz so frischem Wissen. Es gibt diejenigen, die bei jedem neuen Band einen Reread machen, so dass sie wieder im Geschehen drin sind. Zu welcher Gruppe gehöre ich also? Ich gebe es zu, zu Gruppe zwei zu gehören. Diejenigen, die alle Bände der Reihe im Erscheinungsjahr gelesen haben, um dann ungeduldig zu warten. Das Leben ist in den letzten 5 Jahren weitergegangen. Man hat viele andere Bücher gelesen. Und trotzdem weiß man unterschwellig, dass da noch irgendwas zur Vervollständigung fehlt. Man kann es vielleicht beiseiteschieben, aber niemals vergessen. Und so ist es auch mit diesem Buch. Als riesiger Cornelia Funke Fan, wartet man eben, weil man weiß, dass da noch was kommt. Kommen muss. Hat Band 3, wie auch seine Vorgänger, doch so geendet, dass es einfach so nicht enden KANN. Und nun, in diesem allzu außergewöhnlichen Jahr, geht die Reckless Reihe endlich weiter. Wir dürfen wieder in die Spiegelwelt eintauchen, hinter den Spiegel. Dürfen Märchenwelten durchwandern. Und das nicht immer so, wie wir sie kennen, immer außergewöhnlich und vielfältig, und doch immer mit einem leichten Hauch des altbekannten, welches wir mit Märchen verbinden. Und am Ende von Band 4, wissen wir dann wieder, dass auch dieses nicht so enden KANN, und wir uns nun auf die hoffentlich nicht so lange Wartezeit auf Band 5 einstellen müssen.

Was uns Band 4 erzählt:

Herein, tretet ein, mal wieder, in die wunderbar magisch mythische Märchenwelt hinter den Spiegeln. Ich habe ein Deja Vu. Fuchs und Jacob suchen sich wieder gegenseitig, weil sie sich selbst abhandengekommen sind. Doch trotzdem erscheint es diesmal anders. Denn der Band, auf den ich gewartet habe, ist nun da. Wir haben einen glücklichen Jacob, der zusammen mit Fuchs glücklich, und ein Paar ist. Doch wer die Vorgänger kennt, weiß, dass die beiden in ihr gemeinsames Glück eine Menge Probleme mitgenommen haben. Spieler ist immer noch hinter beiden her, um sich zu nehmen, was er in seinem hinterhältigen Spiel gewonnen hat. Und dann ist da auch noch Will, Jacobs Bruder, der eine ganze Menge Schuld auf sich geladen hat, indem er in Band 3 die Schwarze Fee getötet hat. Auch dies bringt Probleme, Schuldgefühle, Menschen die Rache wollen. Und Sechzehn, das Mädchen aus Glas, in das Will nun verliebt ist, und die geheilt werden muss. Will und Sechzehn werden begleitet von Nerron, dem Feind von Jacob. Klingt ja schon nach eine Menge Verwicklungen. Auf den Inseln von Nihon, in unserer Welt Japan, soll es einen Erlelfen namens Krieger geben, und kurzerhand fahren alle gemeinsam dorthin, aus verschiedenen Gründen, mit verschiedenen Fragen, und der Hoffnung auf Lösungen. Dass sie nicht unbedingt Antworten bekommen, sondern am Ende noch mehr Fragen, und dass nicht alles so glattgeht, das ist klar. Denn hoho, eine Lebkuchenbäckerin, die als magische Kopfgeldjägerin agiert? :D. Aber lest selbst, denn am schönsten ist die Geschichte, wenn man selbst auf die Reise in der Spiegelwelt geht, und die Abenteuer erlebt.

Cover und Titel:

Das Cover ist farblich, wie ich finde, sehr schön. Vielleicht etwas wuselig, aber farblich definitiv passend zu der Thematik. Denn ein Fuchs ist hier sehr im Fokus, dazu passt das fuchsrot. Oder ist es gar ein Kitsune? Das Gold könnte das Goldene Garn aus den Vorgängerbänden symbolisieren, welches auch hier eine Bedeutung hat. Das darf aber jeder selbst interpretieren. Auch die Bedeutung des Titels macht Sinn, machen sich doch fast alle auf die Suche nach Silbrigem, und anderen Schätzen (und für jeden ist etwas Anderes wertvoll. Spiegel, Welten, Menschen), und folgen dessen Fährte.

Fazit und Gedankenallerlei:

Ich gebe zu, das Buch hatte mich ziemlich schnell. Und zwar gefangengenommen. Schnell, nämlich mit dem ersten Augenblick, der einem eine kleine Szene der Ruhe bietet, und zusätzlich das, was man sich als Leser 3 Bände lange gewünscht hat. Ein Zeichen des richtigen wirklichen Zusammenseins von Fuchs und Jacob, nach all den Dingen die geschehen sind in den vorherigen Bänden. Wenn da nicht die Ahnung wäre, dass das ganze sicher im Buch nicht so bleiben würde…… Trotzdem: Ich mag diese Atmosphäre zwischen Fuchs und Jacob, die spürbare Verbindung zwischen den beiden, die man durchs Buch fühlen kann. Fuchs ist auf der Jagd nach ihrem wertvollsten Schatz, den sie wiederfinden muss. Der Schatzjäger wird hier zum wertvollsten Schatz einer Füchsin, die sich diesmal ohne ihn auf Schatzsuche begibt, um ihn zu finden. Denn: Auch Schatzjäger erkennen manchmal, dass sie sich gegenseitig der größte Schatz sind, den es zu finden gibt, auch wenn dieser Schatz mal verloren geht. Jacob sucht Fuchs. Fuchs sucht Jacob. Beide suchen sich gegenseitig. Um sich zu retten. Jaja ich weiß. Nichts Neues für die beiden. Und trotzdem irgendwie toll. Oder so :D

Reckless Band 4 spielt mit der Thematik wer man wirklich ist. Für wen man was oder wer, oder auch nichts ist. Ob man dasselbe für mehrere Personen ist. Für wen man sich selber hält. Und wen man selbst in sich sieht, und als „wer“ oder „was“ man sich fühlt. Aber auch darum geht es, wer andere Menschen und Wesen für uns selbst sind, was sie uns bedeuten, und dass jeder für jeden eine andere Bedeutung hat. Die andere Thematik ist die Liebe. Vaterliebe, Mutterliebe, begehrliche Liebe, endende Liebe, wahre Liebe, freundschaftliche Liebe, oder die Liebe, die nicht sein darf, nicht sein soll, manchmal nicht sein kann. Was ich an Cornelia Funkes Figuren mag, das ist ihre Vielschichtigkeit. Sie haben Ecken und Kanten, sie lieben, sie hassen, haben Familien, Pflichtgefühl, Emotionen, derer sie sich selbst nicht sicher sind, und das in all ihren Facetten. Sie sind böse oder gut, aber dies auch nicht eindeutig zugeordnet. Sie haben Gelüste und Vorlieben. Kurz gesagt: Sie sind menschlich, obwohl sie nicht alle Menschen sind. Und an all dieser großartigen Gefühlswelt dürfen wir teilhaben und teilnehmen.

Wahr ist auch, dass ich nun, 10 Jahre nach Band 1, die Spiegelwelt noch mehr zu schätzen weiß, als damals, wo ich jünger war. Gerade, oder weil sie einem eine wundervolle Fluchtmöglichkeit aus der Realität bietet. Und weil die Märchen so wunderbar erwachsen sind, ohne ihre Märchenhaftigkeit zu verlieren. Das gelingt nicht vielen. Diese Spiegelwelt, wo alles ein wenig unserer Welt gleicht, aber alles durchsetzt ist mit Märchenhaftigkeit, Abenteuer, Gefahren, und lauter Wundern, die uns auf der Reise begleiten, in die uns das Buch entführt. Wer der Spiegelwelt treu ergeben ist, wird es auch weiterhin nach diesem Band sein, wird ihr verzeihen, dass sie in diesem Band weniger Abenteuer hat, und dafür mehr Wissen und Hintergründe ans Licht kommen, die wiederum so spannend sind, dass man der Welt hinter den Spiegeln weiter huldigen kann. Die Reckless Bücher sind wie ein Spiegel der Märchen unserer Kindheit, die das wahre Gesicht und die Essenz genau dieser Märchen zeigen. Denn hier geht es düster zu, mordlüstern, mal blutig, grausam, und nicht so, wie wir es aus unserer Kindheit kennen. Es ist wie ein Abbild der Kindheitsmärchen, für Erwachsene erzählt. Aber wenn man so will, sind wohl eher unsere Kindheitsmärchen softere Versionen der grausamen Wahrheiten, die uns Märchen erzählen. Und diese „Erwachsenenversionen“, die spürt man in jedem Buch, so auch in diesem Band.

Das ganze Buch ist irgendwie durchzogen von diesem Hauch von Hinterhalt, Intrigen, dem Misstrauen, das sich in Vertrauen wandeln MUSS, Lügen, auch die jener Art, denen man es nicht gleich ansieht. Es ist abenteuerlich, aber nicht auf die Art von Abenteuern, die sich durch actiongeladene Spannungsszenen hervortun. Und trotzdem……. Die Spannung ist da. Weil man mit ansieht, wie sich alles ein wenig mehr fügt, was sich in den Vorgängern zusammengebraut hat. Der Blick in den Spiegel, in die Spiegelwelt, wird schärfer, und wir sehen etwas mehr an Antworten zu Dingen, die sich nun langsam beginnen, aufzulösen. Allerdings kommen auch neue Fragen dazu, durch neue Dinge, die nun erst beginnen, und wo der Spiegeldurchblick uns im Stich lässt, bis zum wahrscheinlich nächsten Band (Bitte bitte, Frau Funke, Band 5 muss her). Die Karten und das Schicksal werden neu gemischt, und so trennen sich Wege, und neue Konstellationen ergeben sich zeitweise.

Da das Ganze in Nihon spielt, dem Spiegelweltpendant zu Japan, fühlt man die Mythologie, Magie, aber auch die Traditionen und die Geschichte der japanischen Kultur regelrecht durch die Seiten. Verwebungen von realen Begebenheiten, aber auch Wesen, die in Japan der Götter- und Geisterwelt angehören, sind hier zu finden. Ein Japan, das aus Samurai, Festungen, Schreinen, und Geistwesen besteht. Ein Japan der alten Zeit, bevor der Westen Einzug gehalten hat. Ich gebe zu, dieser Band ist irgendwie besonders und anders. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass die Märchen im Buch nun der japanischen Mythologie angehören, und die ist vielleicht nicht jedermanns Sache, wenn man sich nicht damit beschäftigt. Ich selbst tue das schon lange, und auch gerne, weswegen mir der Band wohl ganz besonders gefallen hat. Wenngleich ich dazu sagen muss, dass ich alle Arten von Märchen einfach liebe, und diese Serie für mich deswegen immer mit Freude und Sehnsucht nach Geschichten verknüpft ist. So haben wir wieder eine Mischung aus der Märchenwelt eines bestimmten Landes, gemischt mit der unseren, die durch Jacob irgendwie immer symbolisiert wird. Auch wirkt die Geschichte, die Thematiken, die Personen, alles erwachsener. Es scheint, als ob alle an ihren vorherigen Erlebnissen gewachsen sind. Die zweite Besonderheit ist wohl die, dass ich, auch was Bücher angeht, wohl gerne mal meine „romantische Ader“ mit einfließen sehe. Heißt: Ich mag es einfach, wenn Figuren zueinanderfinden. Und wenn ich drei Bände darauf gewartet habe, dass es bei Jacob und Fuchs endlich ‚klick‘ macht.

Die Schreibweise ist mal wieder so bildhaft beschrieben, dass man sich direkt im Buch wähnt, mitten im Geschehen, und an all den Orten, wo es die Protagonisten hin verschlägt. Man fühlt ihre Gefühle, ist im Geschehen mit dabei. Das Buch lebt quasi von den Figuren, und ihren Erlebnissen, Gefühlen, und Wünschen. Und irgendwie wurde ich als Leserin mitgenommen auf eine Irrfahrt der Gefühle und des Vertrauens, die gar nicht so einfach zu bewältigen war. Denn auch mein Misstrauen war auf einmal da, wieder weg, und hat sich in stetigem Lauf verändert. Genauso wie die Sympathien den Figuren gegenüber, die man mal hasste, und dann wieder nicht. Eine wahre Zwickmühle. Nur meine beständigen Sympathien für Fuchs und Jacob……ähm…die sind geblieben, und haben sich nicht verändert. Seit Band 1 :D. Die gemalten Bilder im Buch bereiten einem beim Ansehen nicht nur unbändige Freude, sondern lassen einen gleichermaßen auch noch eintauchen ins Geschehen, fast wie bei einem Spiegel, in den wir reinsehen dürfen, um eine neue Welt dahinter zu entdecken. Man schmeckt fast das Silber in der Luft beim Lesen, oder gar den Geschmack von Zimt, hört das Klirren von Glas ganz deutlich bei der Lektüre. Aber auch Windrauschen fühlt und hört man, als ob er fast über die eigene Haut fahren würde. Den Vogelgesang. Versteht ihr nicht? Lest das Buch ;)

Der Clou ist dann eigentlich, wie fast immer, Cornelia Funkes Weltenbau, den ich immer grandios finde. Dazu sei gesagt, dass dies nicht nur für dieses Buch, und diese Buchserie gilt, sondern fast alles von der Autorin. Aber was will man machen?! Erwähnen wollte ich es trotzdem kurz :). Die Spiegelwelt, die Cornelia Funke erschaffen hat ist sehr komplex, detailreich, vielschichtig und vielfältig, bunt, und gar nicht immer so märchenhaft. Denn in der Erzählung verbinden sich die Märchenelemente, auch die der Mythologie, mit Figuren, die mittlerweile erwachsen sind, und meist auch so agieren. Wer die Vorgängerbände kennt, ist nicht nur mit ihnen gewachsen, ein Stück erwachsener geworden, sondern auch mit der Geschichte an sich. Man hofft und bangt nicht nur mit, man ist mittendrin im Geschehen, erlebt die Geschichte mit. Und genau diese Komplexität ist es, die die Geschichte so wundervoll macht, aber auch Schwierigkeiten bereiten kann, wenn man die Vorgänger nicht kennt. Mein Tipp wäre es, die drei Bände auf jeden Fall zu lesen, sonst kommt man aufgrund der Hülle und Fülle an Figuren, und dem Lauf der Geschichte vielleicht nicht so zurecht, da viel aufeinander aufbaut, und eines zum anderen führt, auf Geschehnisse in der Vergangenheit angespielt wird, die in den anderen Bänden stattfinden, und überhaupt, macht ja alles immer mehr Spaß, wenn man es richtig versteht, und nicht nur mit halben Herzen dabei ist. Denn tatsächlich sind die Bücher und ihre Welt so umfangreich an Inhalt, nicht im Sinne von vielen Worten, aber Worten, die viel Gewicht haben, und einem viel erzählen. Und wenn man es dann wieder hineingeschafft hat, selbst als „Altleser“, ist man nicht halb, sondern voll dabei, erinnert sich, und erlebt Neues. Denn Komplexität in Verbindung mit Detailreichtum und Vielfältigkeit, der Balance zwischen Märchenerzählung, und Erwachsenengeschichte, die Ernsthaftigkeit, das Glück aber auch Unglück, die Erzählung, die uns so real vorkommt, aber auf der anderen Seite total erzählerisch grandios märchenhaft, das will gelernt sein. Und selbst wenn ich kein großer Cornelia Funke Fan wäre, was ich aber bin, so müsste ich sagen…. Chapeau zu diesen Ideen, und zur Kreation dieser Welt mit all ihren kleinen Welten in sich, in die man jedes Mal, und mit jedem Band neu eintauchen kann, da sie sich alle unterscheiden. Jacob, Will, und natürlich auch Fuchs, sind für mich fleischgewordenes verkörpertes Märchen. Und das nicht nur wegen der Vornamen der Brüder, die auf unsere lieben Gebrüder Grimm hinweisen. Nein, fleischgeworden vielmehr deswegen, weil man sie nach 3 Bänden, und nun 4, gar nicht mehr mit Figuren vergleicht, die in einem Buch leben, sondern sie fast so lebendig sind, dass man mit jedem Band meint, zu alten Freunden zurückzukehren, so auch bei diesem.

Es gibt einige Stellen, die so voller Wahrheit, ja gar Weisheit sind, dass man entweder schmunzeln muss, oder per Zustimmung nickend vor dem Buch sitzt, während man die Geschichte und das geschriebene Wort wirken lässt. Dies ist mal wieder eines der Bücher, wo jede Einzelheit, jedes Wort, und jeder noch so kleine Satz wichtig, und mit Inhalt gefüllt ist, weil er für den Fortgang der Geschichte eine Bedeutung hat. Für mich hat das Buch einfach diesen Zauber, den ein Buch haben muss, um einen komplett einzufangen, und in seine Welt, und in die Geschichte einzuziehen, so dass man alles drum herum vergisst. Und ich kann nicht umhin, über Jahreshighlights zu sprechen, ist doch gerade am Ende des Jahres die richtige Zeit dafür. Natürlich hatte ich in jedem Genre viele wundervolle Bücher dieses Jahr, die dieses schwierige Jahr erleuchtet haben. Doch Reckless, das war wie ein kleines Nachhausekommen, ein Wiedersehen, Erinnerungen an gute Jahre, und Hoffnung, dass wieder Gutes kommt, wenn das nächste Buch dann erscheint. Diese Symbiose von Symbolik unserer altbekannten Märchen, von Legenden, von Welten und von einer neu dazugekommenen Mythologie, diese Vermischung ist einfach nur einzigartig. Die Geschichte ist philosophisch-poetisch- märchenhaft geschrieben, in genau dieser Art von Schreibweise, die uns träumen lässt.

Es gibt Bedrohungen aufgrund von alten Geschichten, irgendwie verbindet sich alles mit allem, und jede Einzelgeschichte fließt hinein ins Ganze, so dass sich alles miteinander kreuzt und überschneidet. Es gibt Schnittstellen von der Vergangenheit zur Gegenwart, von Tradition zu Moderne, von Märchen und Realität, von Gerücht zur Wahrheit, und manchmal wird die Überschneidung zur Mischung. Ein Fremder kann es gut mit uns meinen, Altbekannte uns hinters Licht führen wollen, Bekanntes kann befremdlich wirken, und Fremdes einem so nah. Für manche ist jede Täuschung ein Spiel. Können uns manchmal Leute besser kennen, wenn sie dasselbe fühlen wie wir, besser gar als unsere eigenen Familien? Wissen diese Leute besser, wer man ist? Und was genau bedeutet Familie? Man kann sich nie sicher sein, wem man hier trauen kann. Doch wer ist böse? Und wer ist gut? Wie in so vielen Geschichten, kann man auch hier nichts genau zuordnen, weil auch hier die Grautöne zwischen Schwarz und Weiß eine Rolle spielen. Man versteht, warum Dinge getan werden, und das, ohne sie zu „verstehen“.

Erzählt werden die Kapitel abwechselnd aus Fuchs‘ Sicht, aus der von Jacob, und der des Bastards Nerron, oder auch mal eines aus Wills oder Spielers Sicht. Jeder ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht, alle spielen miteinander, verbrüdern sich mit eigentlichen Feinden, hassen sich, obwohl sie vordergründig zusammenarbeiten, es gibt neue Konstellationen, und die Insel des Vertrauens in all dem Chaos und den Unsicherheiten, das sind Fuchs und Jacob. Und dann ist da noch das Herausgearbeitete „Wer bin ich eigentlich, und wer weiß, wer und wie ich bin?!“. Wills Jade, Sechzehn- das „Ding aus Glas“ ohne Seele, Nerron als Freund oder Feind, Clara, die aus sich herauskommt. Und mitten in diesen Protagonisten, sind eine Gestaltwandlerin, und ein junger Mann, die sich, trotz ihrer Unsicherheiten in den vorherigen Bänden, auf einmal näher sind, und sich selbst sicherer sind, WER sie sind, und dass sie zusammengehören.

Und weil im Buch niemand so richtig weiß, wer er wirklich ist, dachte ich bei dem heutigen Rezensionslied, dass es passt. Vielleicht wollte ich es hier aber auch nur unterbringen, weil es eines meiner liebsten ist, und es sprachlich passt:

„Nobody knows who I really am. Maybe they just don't give a damn. But if I ever need someone, to come along. I know you will follow me, and keep me strong.

Hito no kokoro wa utsuri yuku. Nukedashitaku naru. Tsuki wa mata atarashii shuuki, de fune wo tsureteku.“



  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2020

Zwei Häuser, beide an Ansehen gleich…im lieblichen Gillam…..

Wenn du mich heute wieder fragen würdest
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Wenn du mich heute wieder fragen würdest von Mary Beth Keane

Ich mag die Geschichte von Romeo und Julia. Man mag sich nun fragen, warum? Kein Happy End, zieht einen runter, und eventuell muss man sogar ...

Wenn du mich heute wieder fragen würdest von Mary Beth Keane

Ich mag die Geschichte von Romeo und Julia. Man mag sich nun fragen, warum? Kein Happy End, zieht einen runter, und eventuell muss man sogar weinen. Und trotzdem zieht mich die Geschichte schon in den Bann, seit ich sie das erste Mal las. Seitdem gab es eine Menge Adaptionen des Stoffes in Filmen, Büchern, Musikvideos und Liedtexten. Und ja, alle haben eine Gemeinsamkeit. Egal in welcher Zeit sie spielen, viele davon haben trotzdem ein tragisches Ende, weil einige meinen, dass der Reiz der Geschichte genau dieses Ende ausmacht, um aufzuzeigen, dass eine Fehde zwischen Familien nicht so sein darf. Also überlegte ich mir, dass es doch auch mal nett wäre, ein fröhlicheres Ende der Geschichte zu erleben. Und trotzdem, die Tragödie, die beide Familien auseinandertreibt, die muss irgendwie stattfinden. Doch wie schafft man es, eine völlig neue Geschichte zu schreiben, die in unserer heutigen Zeit spielt, mit unseren menschlichen Problemen, die trotzdem rüberbringt, dass es darin ein Paar gibt, dessen Liebe die Familien unbedingt verhindern wollen? Und überhaupt, würde die Geschichte gelingen, wenn die Geschichte Alltagsprobleme und andere Probleme vom Heute beschreibt? JA, das tut es. Nun will ich gar nicht vergleichen. Jede Geschichte ist eigenständig, und hat nichts miteinander zu tun. Bis auf, wie schon erwähnt, Peter und Kate, unsere Hauptprotagonisten u.a., die sich von Geburt an kennen, und immer mehr Gefühle füreinander entwickeln.

Hier also nun die Geschichte, die uns das Buch erzählt:

Ein lebensverändernder Moment? Die gibt es immer. Im Grunde genommen verändert jeder einzelne Moment und jede Sekunde unser Leben. Denn wenn wir in dieser Sekunde etwas Anderes täten, dann würden Ereignisse anders laufen. Man kann diese Momente des Schicksals in allen Bereichen des Lebens ansiedeln, aber geben wir es zu, der Bereich der Liebe ist am interessantesten und wichtigsten. Und tatsächlich ist es so: Wenn wir uns in der Liebe für jemanden entscheiden, dann ist es eine Schicksalsentscheidung. Auch wenn die Welt um uns herum uns davon abrät mit einem bestimmten Menschen zusammen zu sein, so ist es manchmal nicht zu verhindern. Und wieso sollte es das auch? Immerhin sollten wir doch in unserem Heute jeden lieben dürfen, den wir lieben möchten. Und trotzdem. Viele Geschichten und Bücher der Vergangenheit haben uns gelehrt, dass es eben nicht so ist, dass man automatisch lieben darf, wen man will, sondern manchmal dafür kämpfen muss. Kate und Peter sind solche Menschen. Von Kindheit an, erst Nachbarn, dann erste zarte Gefühle, dürfen sie diese nicht ausleben, da es zwischen den Familien einen Zwist gibt. Doch so einfach ist das Ganze nicht. Denn beide können nicht aus ihrer Haut, und erst recht nicht aus ihren Familien. Oder doch? Was noch dazukommt, ist, dass man nicht weiß, woher der Zwist rührt. Denn eigentlich sind die beiden Väter Kollegen bei der Polizei, und die beiden Mütter könnten sich ebenfalls anfreunden, da alle im selben Alter sind, jung verheiratet, nun ein Haus haben, und die ersten Kinder Einzug halten. Doch Anne, Peter Mutter, benimmt sich merkwürdig, will keinen Kontakt in dieser kleinen Vorstadt, in der sonst alle gut miteinander umgehen. Und dann, eines Abends, als Kate und Peter 14 sind, da passiert eine Tragödie, die beide Familien noch mehr voneinander zu trennen scheint. Erst recht, die beiden mittlerweile Jugendlichen. Wie das Ganze dann weitergeht, muss man selbst erlesen. Denn das Buch handelt nicht nur von den beiden, sondern führt uns tief hinein in die Vergangenheiten und die Gegenwart der Eltern (Francis und Lena bei Kate, und Brian und Anne bei Peter), so wie von Kate und Peter selbst.

Cover und Titel:

Obwohl das Cover minimal ist, und einem am Anfang nicht viel sagen mag, finde ich, dass es sehr passend ist. Und das nicht nur, weil es mich an „Zwei Häuser waren-gleich an Würdigkeit-
Hier….naja im lieblichen Gillam eben“ erinnert. Die Linie verbindet beide Häuser, und zeigt somit an, dass beider Schicksale für ein ganzes Leben miteinander verknüpft sind. Symbolisch ist das alles sehr schön. Die Fragen des Buches manifestieren sich im Titel. Es geht darum, was wir tun, wie wir uns entscheiden, und ob wir eine Entscheidung wieder so treffen würden, wenn wir das Ergebnis erahnen könnten, oder gar wissen. Das Buch ist wie eine Straße des Schicksals, die sich durch die Leben von zwei Familien windet. Und die Schicksalsfäden verbinden alle miteinander.

Fazit und Gedanken zum Buch:

Der Fokus liegt nicht nur auf der Liebesgeschichte von Kate und Peter, sondern vielmehr auch auf der Geschichte beider Familien, deren Vergangenheit und Gegenwart, was sie zu dem gemacht hat, was sie sind. Natürlich werden dabei auch Themen wie die Liebe zu seinen Eltern, das Pflichtgefühl ihnen gegenüber behandelt. Die Lieber einer Mutter zu ihrem Kind, Eltern zu ihren Kindern, dass sie wollen, dass diese das Richtige tun, obwohl es das Falsche ist. Die Liebe zur Familie, und die Liebe, die man für sich selbst empfindet, die manchmal etwas zu groß ausfällt, und manchmal auch gar nicht vorhanden ist. Und die Selbstliebe, die man erst wieder erlernen muss, nachdem einem alles genommen wurde. Geschwisterliebe. Liebe, die gar keine ist, und nur als diese verwechselt wird. Und wohl alle Facetten und Arten von Liebe, die im menschlichen Leben eben vorkommen. Im Buch gibt es ein Sammelsurium an Liebe. Aber natürlich auch Hass und Schuld und Vorwürfe. Denn wo Liebe ist, sind diese Dinge meist nicht weit, egal in welcher Form.

Das Buch zeigt einem, dass Romeo und Julia Geschichten nicht immer mit romantischen nächtlichen Besuchen und Balkonszenen zu tun haben. Nicht mit jungen Mädchen die auf den Balkonen stehen, und jungen Männern, die ihnen in Sommernächten unter den Balkonen Liebesworte zuflüstern. Nicht jede Romeo Julia Geschichte muss mit tragischen Todesfällen enden, und doch, ist jede Geschichte, die einem verbietet zu lieben, wen man will, irgendwie tragisch. Hier wird geschafft, dass uns eine Geschichte erzählt wird, die, trotz, dass sie nicht immer präzise und explizite Beschreibung hat, trotzdem sehr gut rüberkommt. Wir lesen eher Andeutungen und die reichen auch völlig aus. Das Buch kommt also ohne große Worte aus, die Liebe zwischen Kate und Peter ist trotzdem spürbar. Ganz leise schleicht sie sich ein, ist aber doch immer da, von Anfang an.

Die Protagonisten sind nicht übergezeichnet, sie sind keine Helden, sondern einfach Menschen, mit all ihren Schwächen, aber auch Stärken. Menschen, die einem in der Nachbarschaft begegnen könnten, mit Schicksalen, die genauso passieren könnten. Und ich bin sicher, das ist genau ein Teil dessen, was diese wundervolle Authentizität im Roman ausmacht, in der wir uns mal wiedererkennen, und mal nicht, oder uns abwenden, ob der Dinge, die passieren. Das Buch ist menschlich, und wenn ich das so schreibe, meine ich, es strahlt eine gewisse Menschlichkeit aus, in all ihren Facetten, in den Gefühlen und Emotionen der Protagonisten, in ihrem Tun, Wirken, und ihrem Agieren. Selbst wenn wir manche menschliche Regung manchmal nicht verstehen, so gibt es für alles Erklärungen, und wir können uns selber Gedanken machen, wie wir selbst in einigen Fällen entscheiden würden. So kann man nicht alles, aber einiges besser nachvollziehen, weil es einen an das eigene Leben erinnert. Denn die Lebensläufe sind hier nicht realitätsfremd, sondern nah an der Realität. Im Grunde genommen ist es eingeteilt in drei große Lebensabschnitte. Die Kindheit, die Jugend und das Jungsein, und das Erwachsenenleben. Und jeder Abschnitt spiegelt etwas wieder, was uns so nicht bekannt vorkommt. Kinder die zu viel nachdenken, Jugendliche die nicht fröhlich und rebellisch sind, und Erwachsene, die sich ihre Jugendlichkeit in einigen Dingen bewahrt haben, trotz der ganzen Erwachsenenbelastungen. Doch das Buch birgt auch einen steten Kampf, den wir führen müssen. Das Leben in all seinen Facetten ist nicht immer nur leicht, und manchmal muss man um die kämpfen, die man liebt. Denn im Gegensatz zu unserem Paar aus dem lieblichen Verona, geht es für Kate und Peter weiter mit einem Leben voller Schwierigkeiten, Altlasten…… und Dingen, die sich ihnen versuchen in den Weg zu stellen. Dies, und der Alltag, sind die Dinge die aufgezeigt werden, und uns sagen, dass man mit genug Kampfgeist alles schaffen kann, wenn man bloß füreinander da ist.

Meine eigens in mir konzipierte Protagonistenpsychologin, die ich ja gerne mal raushängen lasse, war auf jeden Fall dauerhaft beschäftigt, und hat irgendwie doch nicht immer Lösungen gefunden. Schwierig in diesem Buch, aber auch schön, dass es so tiefgehend ist, dass man nicht für alles eine Lösung findet, weil es ist, wie es ist, und man sich damit abfinden muss.

Ein Buch über das Leben mit allen möglichen Schicksalsschlägen und Konstellationen, Zwiespälte, Pflichtgefühl, Missentscheidungen, der Momente, die Ereignisse auslösen, wo eines zum anderen führt, vergangene und verlorene Gelegenheiten und Zeit, zu spätes Handeln, sich seine Fehler selbst zu verzeihen, Schuld, Vergebung, und darüber, dass jeder an allem Schuld hat und niemand an nichts, denn nicht immer kann man in Schuld und Nichtschuld einteilen, das es auch noch Grau gibt, wo manche nur Schwarz und Weiß sehen. Und immer wieder sind es die einzelnen Sekunden und Momente, die Auswirkungen auf unser Restleben haben, und die gibt es zuhauf im Buch. Entscheidungen, selbstgetroffene, und solche, die man uns abnimmt, und welche, über die man sich hinwegsetzt. Und Menschen die das Falsche tun, obwohl sie das Richtige tun wollen.

Es geht langsam voran, schleichend, nicht mit einem großen Knall, und trotzdem fühlt man die erwachende Liebe genauso erblühen, wie das Erwachsenwerden der beiden. Und ist es nicht auch so, dass Menschen für uns quasi wie ein Zuhause sein können? Ein Ort, an dem wir uns wohlfühlen, wenn wir mit demjenigen zusammen sind? Kate ist solch ein Ort für Peter, und das merkt er schon recht früh. Dass daraus dann Liebe entsteht, ist wünschenswert, und auch für Kate fühlt das Gleiche. Diese Atmosphäre, spannt sich über den Roman, in dem wir uns fragen, warum zwei Menschen, die sich gegenseitig guttun, nicht zusammen sein dürfen. Das Buch lässt einen zwiespältig zurück. Man versucht die Elternteile zu verstehen, kann es aber teilweise nicht, versucht zu ergründen, warum die aufkeimende Liebe von Kate und Peter schon gleich im Keim erstickt werden soll, und warum die Erwartungshaltung der Eltern so ist. Der Fokus liegt hier nicht auf der Geschichte des Paares Kate und Peter, sondern auch auf ihrer Umwelt, und den Menschen drumherum. Er liegt auf der Gesamtheit der Zusammenhänge, wie alles miteinander verknüpft ist, wie ein Moment, eine Sekunde unser Leben verändern kann, und was uns ausmacht, wie wir zu dem werden, was wir sind. Denn das Schicksal wird hier großgeschrieben.

Es ist wie als ob man mit dem Buch, im übertragenen Sinne, mitwachsen würde. Als die Protagonisten Kinder sind, ist man selbst wieder Kind, jugendlich fühlt man sich dann beim Lesen, während Peter und Kate diese Phase mitmachen. Man ist auf einmal wieder in der Schule, in Vereinen, macht seinen Abschluss, steht im Beruf, ist auf einmal selber erwachsen, und somit dort angekommen, wo man beim Anfang des Buches gestartet ist. Eine kleine Altersrundreise. Die Ereignisse durch die Jahrzehnte hindurch, die hat man auf einmal wieder direkt vor Augen, wenn sie kurz erwähnt werden, und man sie selbst miterlebt hat. Es ist ein wenig eine Selbstreflexion, die das Buch hinterlässt, es hallt in einem Selbst nach, und lässt einen all die Dinge hautnah erleben, fast so, als sei man überall selbst dabei. Das führt zu Gänsehaut, Tränen, Wut aber auch Freude, und einem Nachhall in uns. Und egal, ob man sich gerade in den 70 ern, 80 ern, den 90 er Jahren, der Jahrtausendwende befindet, oder gar im Heute, die Atmosphären der Jahrzehnte sind so toll beschrieben, dass man sich direkt in ihnen wähnt, und das, egal ob man sie schon erlebt hat, oder nur davon gehört. Die Zeit ist nicht dauerhaft chronologisch. Wir landen mal in der Vergangenheit, der Gegenwart, um dann wieder Rückblenden einer anderen Figur zu lesen. Doch alle Zeiten und Schicksale verweben sich so miteinander, dass sich daraus ein Gesamtbild ergibt, ein verwobenes Gesamtschicksal, das sie alle miteinander verbindet in dieser Geschichte. Die ganze Geschichte braucht ein bisschen, bis sie sich entfaltet und wirkt, wenn sie es dann aber tut, dann mit voller Ladung, und wenn man dann richtig in ihr drin ist, verbinden sich am Ende alle Stränge miteinander. Und trotz, dass die Geschichte einen so in den Bann zieht, dass man sie am liebsten auf einmal lesen würde, nur um zu wissen, wie alles endet und ausgeht, so ist es auch eine Geschichte deren Abschnitte Zeit brauchen.

Wie eine Perlenkette reihen sich hier Schuld und Nichtschuld aneinander, Ereignisse, die zu anderen Ereignissen führen, die dann wiederum zu erneuerten Ereignissen führen, die jemanden schuldig sprechen. Und wer ist am Ende schuld? Bei welchem Teil der Perlenkette fangen wir an, jemandem die Schuld zuzuschieben, wenn der vielleicht gar nichts dafür kann, weil seine Schuld, die Reaktion auf eine andere Schuld ist, weil ihm etwas angetan wurde, wo ein anderer Schuld dran ist? Oder ist jeder gar so sehr für sich selbst verantwortlich, dass er jede Schuld sühnen muss? Was können aber Kinder für die Schuld ihrer Eltern, und die Eltern sind vielleicht selbst Opfer von irgendwas geworden? Gar nicht so leicht und einfach. Und überhaupt. Derjenige, der ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Ist nicht jeder von uns an irgendwas schuld, weil wir etwas getan haben? Mal mit minimaler, andere vielleicht mit maximaler Wirkung. Und vielleicht hilft das Buch ja auch dabei, die Welt ein bisschen weniger Schwarzweiß zu sehen, sondern auch auf die Grautöne zu achten. Zu hinterfragen, und aufzupassen. Nicht jeden gleich zu verurteilen, weil die Lage für einen klar ist, denn man weiß ja eigentlich nie, was hinter einer Sache steckt. Das Buch zeigt, wie sehr unsere Eltern uns formen, und wie sehr sie Einfluss auf unser Leben nehmen. Eines der großen Themen im Buch ist auch die Vergebung. Und es gibt eine Menge im Buch, dass vergeben werden muss, sollte, oder so scheint, dass man es nicht vergeben kann. Wir erfahren ein Intermezzo aus richtigen und falschen Entscheidungen. Das Buch ist voll von ihnen, und man steht ständig am Scheideweg von genau diesen, um sich zu überlegen, in welche Richtung man geht. Manchmal ist das gut, aber manchmal werden wir Zeuge, wie die falschen Entscheidungen getroffen werden, von denen man sich am Ende fragt, ob sie vielleicht doch richtig waren, und man sein Ziel nicht gradlinig erreicht hat, sondern mit einer Menge Umwegen und Abzweigungen.

Ich mag dieses leise sanfte im Roman, das uns nicht mit voller Gewalt auf die Handlung mit all ihren Einzelheiten stößt, damit wir es auch wirklich wahrnehmen, sondern alles Geschehene leicht berührt, und uns so Platz für die eigenen Gedanken lässt, obwohl die Handlung im Roman doch trotzdem abläuft, und Dinge geschehen. Die Szenerien sind meist nur leicht angedeutet, wir werden nicht plump darauf gestoßen, was genau passiert, und trotzdem ist der Schreibstil genau so, dass er das richtige Kopfkino bereitet, und man genau weiß, worum es geht, und was die Charaktere machen und denken.

Was im Buch wundervoll rüberkommt ist diese tiefe Sehnsucht nacheinander, die man atmosphärisch fast die ganze Zeit fühlt. Und das schon in der Zeit der Jugend von Kate und Peter. Selbst wenn sie getrennt sind, denken sie fast immer bis sehr oft aneinander, was der andere gerade tut und macht, wie es ihm geht. Das Leben was beide ohne einander zu haben leben, ist wie eine leere Hülle eines Lebens, die erst wieder mit Leben gefüllt werden kann, wenn beide sich wiederhaben. Es ist ein Schattenleben, an dem wir teilhaben. Aber vor allem zeigt das Buch auch, wie bedingungslos eine Liebe sein kann, wie selbstlos, wie sehr man gemeinsam durch gute und schlechte Zeiten gehen kann, durch Krankheiten, und selbst durch genau die Zeiten, in denen andere es miteinander nicht mehr aushalten und sich auseinanderleben.

Ich gebe zu, bei dieser Lektüre mal wieder eine Menge Tränen vergossen zu haben. In einzelnen Szenen, ob einiger Sätze, Abschnitte oder wegen der Taten der Charaktere. Tränen der Wut, Ungerechtigkeit, des Mitgefühls, der Vergebung, des Zorns, aber auch der Hoffnung und Freude. Damit bringt das Buch einen wieder mal in ein Gefühlskarussell, zeigt aber auch auf, dass das Leben nicht nur aus Freude oder Problemen besteht, sondern dass es auch die zarten Zwischentöne der Hoffnung gibt. Und dass auch in Unglücken Glück liegen kann, das man findet, und sich manchmal gar nicht so bewusst dessen ist. Dass Vergebung manchmal nötig ist. Und damit ist die Geschichte genau so bunt wie das Leben, mit all seinen Karussellumdrehungen. Es zeigt Menschlichkeit, Fehler, Zugeständnisse, aber auch, dass Liebe eines der größten Gefühle ist, das eine Menge anderes ins Abseits drängen kann, und einem Kraft gibt. Also Vorsicht, denn mit einem großen Bäm und Wow, schleicht sich das Buch dann doch ganz langsam beim Lesen in euer Herz, und eure Gehirnwindungen und Gedanken, so dass es euch nicht mehr loslässt. Zumindest war das bei mir so.

Heutiges Rezensionslied, weil ich es passend fand:

„'Cause we were just kids when we fell in love…….not knowing what it was…..I will not give you up this time. But darling, just kiss me slow….your heart is all I own…..and in your eyes, you're holding mine.“

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.11.2020

Gelitten unter Pontius Pilatus…… oder etwa doch nicht?!

Tod in Oberammergau
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Tod in Oberammergau von Xaver Maria Gwaltinger und Josef Rauch

Heute fangen wir mal mit einer sehr essentiellen Frage an, und zwar der, nach Leben und Tod, Menschlichkeit und Göttlichkeit. Es gibt das ...

Tod in Oberammergau von Xaver Maria Gwaltinger und Josef Rauch

Heute fangen wir mal mit einer sehr essentiellen Frage an, und zwar der, nach Leben und Tod, Menschlichkeit und Göttlichkeit. Es gibt das Leben vor dem Leben, das nachdem, und das dazwischen. Irgendwie. Und wieder mal beschäftige ich mich mit dem Thema Menschlichkeit. Es geht gar nicht anders. Doch anders, als bei anderen Gedankenrunden zu diesem Thema, geht es heute wirklich um Menschlichkeit an sich, und nicht darum, was es für uns alle bedeutet. Oder vielleicht doch? Denn ja, was bedeutet Menschlichkeit eigentlich? Die meisten kennen es im Zusammenhang damit, dass man menschlich agiert, den Menschen zugewandt, ihnen behilflich ist, etwas tut, das den anderen Menschen hilft und ihnen guttut, sie versteht, und einfach empathisch ist, für jede Sorte von Mensch auf dieser Welt. Es hat was mit Barmherzigkeit und Güte zu tun. Dass man nicht handelt wie ein Tyrann, und andere unterdrückt oder ihnen gar schlimmere Dinge antut. Doch was wäre, wenn Menschlichkeit hier bei meinen Überlegungen wirklich damit zusammenhängt, ob der Mensch ein Mensch ist, oder etwas Anderes? Und ich rede hier nicht von einem Fantasiewesen oder ähnlichem. Sondern, wie in früheren Völkern durch die Jahrtausende hindurch, ein Gott, und kein Mensch. Der uns bekannteste Gott UND Mensch ist Jesus. Und um den geht es auch in vorliegendem Buch. Denn wie in fast jedem Buch von Josef Rauch und Xaver Maria Gwaltinger, welches aus dieser Reihe kommt, ist es doch so, dass wir Menschsein normal finden, und das Menschsein, und das Agieren als Mensch, mehr „vergöttern“, als das „Gottsein“. Und dieses menschlich sein nimmt dabei nicht nur Bezug auf die religiösen Themen, sondern auch auf die beiden Hauptprotagonisten Emil Bär und Philipp Marlein, die sich auch hier mal wieder in all ihrem menschlichen Dasein zeigen. Und menschlich bedeutet nicht immer perfekt, sondern eben…… menschlich, mit allen menschlichen Spleens, Gewohnheiten, und Dingen, die manche an uns so sehr lieben, und andere eher verabscheuen. Sei’s drum.

Auch der Drang zu leben ist immer natürlich beim Menschen da, verständlicherweise wird das akzeptiert. Wenn ich diesem Menschsein und Leben nun aber den Namen Jesus hinzufüge, ist es wie immer erst mal merkwürdig. Wenn man behauptet Jesus war ein Mensch, und ergänzt, dass er aber sehr wohl ein charismatischer Mensch war, der liebevoll mit Menschen umging, gutmütig, tolerant und barmherzig war, und eine Lebenseinstellung hatte, die er unter anderen verbreitet hat, und das allein schon „göttlich“ genannt werden kann, dann ist trotzdem der Aufschrei gleich groß, weil man natürlich immer behaupten muss, dass Jesus Gottes Sohn auf Erden war. Kein ganz neues Konzept, wenn man zugeben darf. Wer sich mit Geschichte beschäftigt, wird das bei den Ägyptern und ihren Pharaonen finden, genauso wie bei den Griechen, deren Helden und charismatische Menschen ebenfalls von Göttern abstammen mussten, weil man sich so erklärt hat, was diese geschaffen und geschafft haben. Und ja, ist es nicht auch heute noch so, dass wir, gerade in unserer heutigen Zeit, Sänger und Schauspieler, und neuerdings auch Twitter, Instagram und Tik Tok „Stars“ vergöttern? Okay, bei letztgenannten wird es merkwürdig und echt schräg, das gebe ich zu, ist auch nicht meine Welt, aber leider ist der Lauf der Zeit wohl nicht aufzuhalten. Und so hat jede Zeit ihre „Götter“. Lasst euch also gesagt sein, dass ich Jesus als historische Gestalt mit all seinen Taten schon immer toll fand. Selbst wenn er „nur ein Mensch“ gewesen wäre. Denn Güte und Toleranz und Herzlichkeit und alle anderen positiven Dinge…… davon kann es ja wohl nie genug geben. Und vielleicht ist es schon göttlich, wenn man einen Menschen findet, der all diese Dinge verkörpert? So könnte jeder Mensch göttlich werden :). Das nur am Rande.

Ich habe mir schon früher immer gedacht, wie praktisch es wäre, wenn man Verbündete hätte, die mitspielen, wenn man der ganzen Welt seinen eigenen Tod vorspielen will, oder müsste, weil es sonst so gefährlich für einen werden könnte, dass man….ironischer Weise…umgebracht werden würde. Nehmen wir also mal an, Jesus wäre als Aufrührer des politischen Hochverrats verurteilt worden, von Menschen die seine Lehre nicht geteilt hätten, den Pharisäern, dann wäre es doch ein toller Trick gewesen, ihnen vorzuspielen, er sei tot. Somit hätten sie ihre Ruhe und ihren Frieden zurück, weil der Aufrührer der neuen Religion aus dem Weg wäre, und wären zufrieden. Weil er nicht wiederkommen würde. Während Jesus ein neues Leben anfängt, ganz weit weg. Dort, wo später Elvis, oder gar Kurt Cobain auch ein neues Leben angefangen haben. Pardon. Das will ich mir zumindest manchmal vorstellen. So wie bei ganz vielen anderen auch. Denn irgendwo auf der Welt gibt es ein Resort für neue Lebensanfänge, und das schon ziemlich lange. Okay, nein, das dann vielleicht doch nicht. Auch wenn die Vorstellung schön wäre, sie dort alle zusammen zu wissen. Was das alles mit dem Buch zu tun hat? Na, das müsst ihr selbst herausfinden. Aber eine kleine Zusammenfassung gibt es.

Die Geschichte des Buches:

Die Morde die stattfinden gibt es diesmal gleich am Anfang, was auch nötig ist, denn so kommt der Schock sofort, und macht die Geschichte zu einer persönlichen für Philipp und Emil, da sie die beiden Opfer, zwei Damen auf einem Jesusseminar in einem Kloster, kurz vorher noch recht gut kennengelernt haben. Und wir als Leser auch. Was das Ganze gleich zu Anfang an, zumindest an meiner, Sentimentalitätsgrenze kratzen lässt. Denn die Opfer wurden einem, wenngleich nur kurz gekannt, sofort sympathisch. Und wie es immer so ist, gerät der unter Tatverdacht, der die letzte Nacht mit dem Opfer verbracht hat. Hier mit beiden Opfern. Philipp und Emil geraten also unter Mordverdacht, und müssen sich diesmal aus genau dieser Schlinge des Verdachtes herauswinden. Also tun sie das, was wohl jeder tun würde. Sie flüchten :D. Ob die Flucht gut geht, ob sie ihnen gelingt, ob sie die wahren Mörder finden, und wie viele Leichen den Weg der beiden noch pflastern, das ist die Geschichte, die es von euch zu entdecken gibt. Denn ich habe sie ja bereits in meinem Kopf :D. Alles endet im Oberammergaushowdown, und alten Bekannten der ersten Bände begegnen wir wohl auch, selbst, wenn wir diese namentlich nicht kennen. Oder sie Jesus heißen, und uns somit bekannt sind.

Cover:

Alle Bände haben eine Besonderheit, die sich auf den Inhalt bezieht, und wahrlich irgendwo zu besichtigen ist. So auch dieses Cover, das Bezug nimmt auf Jesus, und damit der Kreuzigungsgeschichte, die hier eine besondere Rolle spielt. Wer sich insgesamt für Lüftlmalerei interessiert, wird diese Art der Malerei vielleicht sogar kennen.

Fazit und Gedankenallerlei:

Wenn wir es mit Müttern und Vätern, und dann mit Beziehungen zu tun haben, so folgt nun das Buch …Richtig….des Kindes aus der Beziehung. In diesem Falle das Leben von Jesus, Sohn von Maria und…äh…..einem Vater eben. Wenn wir also das Buch des Nachkommen haben, so müssen wir uns natürlich auch um das Hauptthema kümmern. Das Leben. Es entsteht, wird gelebt, und ist irgendwann vorbei. Doch auch bei Jesus? Dieser starb am Kreuz, sagt uns die Bibel, und zwar in seinen 30 er Lebensjahren. Wie schön, hätte ich es gefunden, wenn Jesus nach der Kreuzigung weitergelebt hätte. Und zwar nicht in jenem Land, wo auch andere Berühmtheiten…..äh…. natürlich noch heute leben. Sondern einfach zu seiner Zeit. Als Mann außer Gefahr und ohne Verfolgungen. Vielleicht gar mit seiner Gefährtin und seiner Familie. Seufz. Ich habe schon wieder das Happy End vor Augen. Aber die Bibel macht mir wieder einen Strich durch die Rechnung. Da geht es um eine Kreuzigung, eine sehr grausame Todesmethode, und natürlich, das Leben danach, das aber nicht körperlich ist, sondern aufgefahren im Himmel zur rechten Gottes. Vielleicht ist es also nicht immer nur die Frage nach Menschlichkeit ODER Göttlichkeit, die uns umtreiben sollte, sondern viel mehr, ob nicht in wahrer Menschlichkeit die wahre Göttlichkeit liegt. Denn was ist göttlich? Ich müsste lügen, wenn ich unter diesen Bereich nicht meine menschlich gebackenen Plätzchen fallen lassen würde…..zu deren Herstellung ich gleich aufbrechen werde, das nur am Rande.

Das Buch ist kürzer als sonst mit knapp über 280 Seiten fast schon, wie ein kleines Zwischenspiel ob der anderen Bände, die viel länger sind. Trotzdem hat es seine Geschichte erzählt, und ich habe mich wieder heimisch in der Geschichte gefühlt. Denn man verbringt ja gerne auch wenig Zeit mit Freunden, statt gar keiner. Und so ist es auch mit Philipp Marlein und Emil Bär. Man nimmt, was man kriegt :D an Zeit mit den beiden. Bär und Marlein kappeln sich diesmal mehr, diese Plänkelei untereinander, die manchmal ruppig derb rüberkommt, zeugt aber von einem Hintergrundwissen der Figuren, und davon, wie sie eben nun mal miteinander umgehen. Und dem Wissen, dass beide nun mal so sind, wie sie sind, und sich wohl trotzdem gerne haben und schätzen. Es scheint fast wie der Abschluss einer Tetralogie. Doch das Ende ist offen. Wer sagt uns, dass nicht noch irgendeine Thematik gefunden wird, um die sich Bär und Marlein kümmern müssen? Alles ist offen. Und manchmal muss man sich wohl einfach gedulden, und hoffen, dass noch ein Band erscheint.

Wir haben natürlich auch in diesem Buch wieder unsere Ortsbeschreibungen von Flecken auf der Landkarte in Deutschland, wo sich diverse Dinge befinden. Doch diesmal sind diese gar nicht mit einer Thematik verbunden. So wie in den anderen Büchern. Wir haben hier querbeet Wallfahrtsorte von Maria, welche von Jesus, Legendenstätten des Pontius Pilatus……. Eigentlich alles quer die Bibel durch. Auch das ist anders, aber es gefällt mir sehr gut, weil die Zusammenhänge natürlich trotzdem gegeben sind, da alles immer zusammenhängt und im gemeinsamem Fluss ist. Die Geburt, das Leben, der Tod. Die Mutter, der Vater, der Verurteiler zum Tode. Alles hängt zusammen. Und an manchen Wallfahrtsorten der Erscheinungen, kommt es einem, wie ein großes biblisches Familientreffen vor, an dessen Ort sich nach Jahrtausenden alle treffen.

Einige Stellen nehmen Bezug auf die Vorgängerbände, es ist aber vollkommen okay, das Buch als Einzelband zu lesen, man würde es auch so verstehen. Mehr Spaß macht es allerdings, wenn man die ganze Geschichte rund um das Kennenlernen von Marlein und Bär kennt, denn so bekommt man die Entwicklung nicht nur der beiden Figuren mit, sondern auch die von deren Freundschaft. Und nach und nach, und mit jedem Band gewöhnt man sich dann auch an diese derbe Ausdrucksweise der Protagonisten, und gewinnt das Ganze sogar irgendwie lieb. Es ist ein bisschen wie ein kleiner emotionaler Rückblick in die Geschehnisse der vorherigen drei Bände, und die Thematiken, mit denen sich die Geschichten befasst haben. Denn auch, wenn alles erwähnt wird, und wir uns so die anderen Bände vorstellen können, oder sie eben auch lesen, so hängt einfach alles mit allem zusammen, wenn es um bestimmte Figuren aus der Bibel geht. Es ist fast ein bisschen so, als ob die Ereignisse und Themen in den Vorgängerbänden dazu geführt haben, nun auf dieses Ereignis hinzulaufen. Wir erkennen Ähnlichkeiten im Aufbau der Romane und Geschichten der vorherigen Bände, auch wenn die Thematik eine neue ist, und doch mit den anderen zusammenhängend. Was ganz einfach dran liegt, dass Maria, Josef, Maria Magdalena immer noch um eine Person ergänzt werden müssen. Nämlich Jesus. Die Geschichten überschneiden sich immer, anders geht es ja gar nicht. Die Ähnlichkeiten, dass es wieder eine Theorie gibt, die die Grundfesten der Religion erschüttern kann, und dass Marlein und Bär durch die regionale kleine Weltgeschichte reisen, das bringt eher ein Gefühl der Geborgenheit in mir hervor, was aber auch daran liegen mag, dass ich alle drei Vorgänger kenne, und jedes Rückkehren zu den beiden so etwas ist, wie das Zurückkommen zu alten Freunden. Es ist fast schon erstaunlich, wie sich dieser Band in die unterschwelligen Thematiken der Vorgänger einreiht. Hatten wir es vorher mit der Mutter, dem Vater, der Liebe in einer Beziehung zu tun, so kommt nun das Thema, was mit allem überschrieben werden kann. Denn ja, Mütter und Väter und Beziehungen zwischen Menschen….. das ist das Leben. Und um Leben geht es hier irgendwie natürlich auch.

Irgendwie läuft alles diesmal rückwärts ab, was es aber nicht unspannender macht. Der Aufbau war bekannt, und trotzdem irgendwie ganz anders. Persönlicher für Marlein und Bär. Erst der Mord, dann die Recherchen, und weitere Morde. Ich kann es mir nicht erklären, aber im Buch weht diesmal ein Wind der Andersartigkeit, ein kleiner Hauch, der das Ganze etwas ernster und persönlicher macht, aber trotzdem Altes und Gewohntes beibehält, wenn es um Humor geht, oder darum, dass die beiden Ermittler mehr Glück als Verstand haben (oder Glück und Verstand im Zusammenschluss). Diesmal haben wir definitiv mehr Krimi als Landschaftsbeschreibung, wobei das natürlich nie ganz fehlen darf, und auch hier wieder vorkommt. Sogar so weit, dass wir uns wieder einige Dinge im Internet anschauen wollen, um automatisch Bilder im Kopf zu haben, und zu vergleichen, ob die Beschreibungen stimmen. Es gibt mehr Tote, mehr Morde, mehr Flucht. Und trotzdem erkennt man das Ganze noch als das, was es ist. Nämlich ein Bär/Marlein Buch, das an völlig anderen Orten spielt, als seine Vorgänger, und sich trotzdem in deren Dunstkreis und Umgebung befindet. Das Buch ist kein Tatsachenbericht, oder eine Beschreibung der genauen Ereignisse rund um die Festspiele, und als solchen sollte man es auch gar nicht ansehen. Ja, wir befinden uns in Oberammergau zur Zeit der Festspiele. Und natürlich sind diese wunderbar, und für viele ein großes Ereignis. Auch wähnen sich vielleicht einige in Erinnerungen, wenn sie darüber lesen. Vielleicht ist dies hier der Fall, vielleicht aber auch nicht. Denn wer Marlein und Bär als Ermittler kennt, die sie ja eigentlich gar nicht sind, der weiß, dass es zur Festspielzeit in Oberammergau so abgeht, wie es normal wahrscheinlich eher nicht abgeht. Aber wieso eigentlich nicht? :D. Nein Spaß. Mir sind die Dinge zumindest noch nie so passiert, wie sie den beiden immer passieren. Aber genau das macht den Reiz an den Büchern aus. Dass die Situationen absurd komisch sind, und wir mit den beiden etwas erleben, abseits der Normalität. Und deswegen sollte man die Romane nicht ZU ernst nehmen, und das, obwohl sie von den Thematiken meist ernste unterschwellige Töne und Botschaften haben, die eingekleidet werden von dem Marleinchen und Bärischen Humor im Buch, der wohl vielleicht auch irgendwie der Humor der beiden Autoren ist. Wer weiß das schon?! :D. Hier muss ich natürlich auch die künstlerische Freiheit sehen, die in vielen Geschichten eine Rolle spielt, und die Ereignisse nicht verunglimpft, sondern sie viel mehr erwähnt, und in eine fiktiv ausgedachte Geschichte reinsteckt.

Vielleicht war Jesus Geburt auch eine Art Hoffnung für die Menschen, und er eine Art Hoffnungsträger, für Menschen die aus einer Zeit herausgeführt werden wollten, in der sie in Dunkelheit und Unzufriedenheit gelebt haben. Ähnlich der Zeit, in der ein bestimmter Ex Präsident an der Macht war, die Natur und Umwelt zugrunde geht, oder eine Pandemie herrscht hüsterchen. Denn Hoffnung zu haben ist etwas sehr Wichtiges.

Heutiges Rezilied, weil „nur„ Menschsein auch etwas Gutes sein kann:

„Take a look in the mirror….and what do you see. Do you see it clearer…or are you deceived…..in what you believe?
'Cause I'm only human after all…..You're only human after all…..Don't put the blame on me.“

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