Cover-Bild Der Garten meiner Großmutter
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9,95
inkl. MwSt
  • Verlag: Francke-Buch
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: religiös, spirituell
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 448
  • Ersterscheinung: 08.2013
  • ISBN: 9783868273908
Elizabeth Musser

Der Garten meiner Großmutter

Julian Müller (Übersetzer)

„Das Leben beantwortet dir nicht jede Frage. Manche Antworten wirst du nie bekommen, andere schon. Aber solange du die wichtigste Frage geklärt hast, kannst du es aushalten, dass andere offen bleiben.“

An dieser Aussage seiner Großmutter beißt sich Emile fast ein Leben lang die Zähne aus. Soll er wirklich einfach so hinnehmen, dass sein Vater einst auf mysteriöse Weise aus seinem Leben verschwand? Dass er sein Zuhause in Frankreich Hals über Kopf verlassen und mit seiner Mutter in die USA ziehen musste?
Gerade als Emile meint, damit leben zu können, dass er manche Antworten wohl tatsächlich nie bekommen wird, wirbelt ein hochaktueller Fernsehbeitrag die alten Fragen wieder auf. Und mit ihnen meldet sich eine Frau in seinem Leben zurück, die ihm einst alles bedeutete, die aber nie wirklich die seine war …

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2026

Das Leben beantwortet dir nicht jede Frage

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"Im Leben passen nicht immer alle Puzzleteile hübsch zusammen. Und denk dran, du brauchst nicht alle Antworten."

Dieser kluge Spruch seiner amerikanischen Großmutter versteht der junge Emile erst nach ...

"Im Leben passen nicht immer alle Puzzleteile hübsch zusammen. Und denk dran, du brauchst nicht alle Antworten."

Dieser kluge Spruch seiner amerikanischen Großmutter versteht der junge Emile erst nach sehr langer Zeit. Nachdem der dreizehnjährige Emile mit seiner Mutter Janie Hals über Kopf das elterliche Gut väterlicherseits in der Nähe von Lyon in Frankreich verlassen musste um nach Amerika zu fliehen, hat sich die vormals heile Welt des Jungen auf den Kopf gestellt. Mutter und Sohn finden Aufnahme bei Großmutter Bridgeman in der Nähe von Atlanta im Bundesstaat Georgia. Dem traurigen Jungen fällt es schwer, sich in diese neue Welt, neue Sprache, neues Essen, neue Gepflogenheiten, die so gar nichts mit seinem geliebten Frankreich zu tun haben, einzuleben. In der Schule wird er sehr oft wegen seines Akzents gehänselt und ganz langsam freundet er sich mit Eternity an, seiner stacheligen Klassenkameradin, die genauso ein Außenseiterdasein führt wie Emile.

Für Emile ist seine amerikanische Großmutter ein wahrer Ruhepol und genau so auch ihr Garten, in den sie den traurigen Jungen oft mitnimmt und ihm wichtige Lektionen über das Leben lehrt, ganz sanft und natürlich. Das hilft dem Jungen, genau wie die Erinnerung an seinen Vater Jean-Baptiste, der in Frankreich bei der Resistance aktiv war und als verschollen gilt. Jean-Baptiste hat dem Jungen eine Reihe von Gegenständen hinterlassen, die für Emile ein Rätsel darstellen und an denen er sich festhält und seinen Vater zum Helden stilisiert. Diese Entwicklung erweist sich als nicht gerade förderlich für die Beziehung mit seiner Mutter, die viele Jahre sehr angespannt bleibt. Ebenso angespannt ist aus bestimmten Gründen auch die Beziehung von Janie zu ihrer Mutter und aus ganz persönlichen Gründen waren gerade diese Passagen für mich sehr wertvoll und heilsam.

"Ich habe tief in mir an der Hoffnung festgehalten. Du weißt, was für eine Hoffnung ich meine, oder? Wenn man nicht zweifelt, obwohl man etwas noch nicht sieht. Diese Hoffnung habe ich nicht losgelassen."

"Ich beschloss also, ihr trotz aller Wunden der Vergangenheit Liebe zu zeigen."

Elizabeth Musser hat einen ganz besonders wertvollen Roman über Vergebung, Versöhnung und Neuanfang geschrieben. Sehr kunstvoll und tiefgründig versteht sie es eine Familiengeschichte in die historische Geschichte einzubinden und die Entwicklungen dieser Zeit auf beiden Kontinenten zu beschreiben. Es war sehr spannend über die Entwicklung der Resistance in Frankreich zu lesen, ganz besonders in Lyon wo der Schlächter Klaus Barbie sein Unrechtsregime genoss auszuführen. Diese ineinander verschlungenen Vorkommnisse lösen sich im letzten Teil des Buches auf und das ist einfach so gut beschrieben. Ganz besonders hat mir die Entwicklung von Großmutter Bridgeman in Atlanta gefallen aus ganz bestimmten Gründen sowie auch die von Mamie Madeleine, dem französischen Pendant. Der christliche Glaube an einen guten Gott nimmt einen großen Stellenwert ein und das, obwohl am Ende nicht alles so gut ist, wie es sich der Leser vorstellt, doch auch da zeigt sich dass Gott immer andere Pläne hat als der Mensch.

Diese Geschichte war für mich ein absolutes Highlight und ich liebe die Geschichten dieser wunderbaren Autorin.

Absolut lesenswert

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Veröffentlicht am 16.04.2018

Der Garten meiner Großmutter

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Als Emile de Bonnery erfährt, dass er mit seiner Mutter nach Amerika ziehen wird, bricht für den Dreizehnjährigen seine eigene, kleine heile Welt zusammen. Emile hat sich bereits daran gewöhnt, seinen ...

Als Emile de Bonnery erfährt, dass er mit seiner Mutter nach Amerika ziehen wird, bricht für den Dreizehnjährigen seine eigene, kleine heile Welt zusammen. Emile hat sich bereits daran gewöhnt, seinen Vater nicht allzu oft zu Gesicht zu bekommen, doch sein plötzliches endgültiges Verschwinden verunsichert den Jungen. Er hasst es, seine französische Großmutter, Mamie Madeleine, seine Freunde, die gewohnte Umgebung und das Chalet, in dem sie wohnen, verlassen zu müssen. Als der tieftraurige Junge mit seiner Mutter Janie in Amerika eintrifft, hasst er zunächst alles Fremde um ihn herum. Ihm fehlen die Freunde, das französische Leben und seine gewohnte Routine im Alltag. Am meisten aber fehlt ihm sein Vater. Jean-Baptiste de Bonnery hat Emile bereits als Kind Geschichten der Résistance erzählt, wo er als flinker, wacher Junge bereits aktiv beteiligt war. Seine eigenartigen Geschenke zu Emiles Geburtstagen haben allesamt einen tieferen Hintergrund, und Emile hütet diese Dinge wie seine kostbarsten Schätze. In Amerika wird er aufgrund seines französischen Akzents zunächst als Außenseiter behandelt, und ein Junge namens Ace McClary macht ihm zu schaffen. Als Emile auf Eternity Jones trifft, ändert sich das Leben beider jungen Menschen zum Guten, und eine lebenslange, innige Freundschaft findet ihren Anfang.

Ich möchte bewusst nicht näher auf den Inhalt dieses einzigartigen Buches eingehen, und es auf diese Weise jedem Leser ermöglichen, unbefangen darauf zuzugehen. Der Inhalt ist sehr tiefgründig, und der Ausgang sehr überraschend. Elizabeth Mussers flüssiger Schreibstil und die lebendigen Schilderungen von Orten und Personen nehmen rasch für den Roman ein. Die Geschichte wird aus der Sicht des dreizehnjährigen Jungen Emile erzählt, der in kleinen Rückblenden immer wieder Geschichten seines Vaters, Jean-Baptiste de Bonnery, einbringt. Wie diese Erzählungen aus der Vergangenheit letztendlich mit der Gegenwart verschmelzen und zum Verständnis beitragen, erzählt der vorliegende Roman in einnehmender Art und Weise.

Das erste Drittel des Buches entbehrt zwar jeglicher Spannung, ist aber für das Verständnis unbedingt erforderlich. Es bildet die Grundlage der Geschichte um Emile und seiner Familie, deren tragische Ausmaße man erst gegen Ende des Buches deutlicher werden. Wundervolle Charaktere und die Einbindung des Glaubens machen diesen Roman zu einem wahren Kleinod unter den Büchern, und ich habe jede einzelne Zeile davon genossen. Ich habe mit den Protagonisten gebangt, mit ihnen gehofft, und ich habe ihre kleinen Erfolge lächelnd mitverfolgt, und letztendlich auch geweint. Meine Sympathie für die handelnden Personen stieg mit jeder einzelnen Seite, und zum Schluss hatte ich sogar die strenge Mamie Madeleine vollends in mein Herz geschlossen. Ich habe selten ein derart berührendes Buch mit derart tragischem Hintergrund gelesen, und die Tatsache, dass die Autorin es sich nicht leicht gemacht und einfach ein kitschiges Happy end gezaubert hat, hat mich vollends von diesem Buch überzeugt. Elizabeth Musser werde ich unbedingt im Auge behalten, und ihr bewegendes Buch „Der Garten meiner Großmutter“ kann ich jedem nur ans Herz legen. Was für ein Buch!!!