Eine Reise in die Vergangenheit
Das Erbe der Villa SanddornWir befinden uns auf der wunderschönen Ostseeinsel Rügen, im Norden, nicht weit von Kap Arkona entfernt. In diesem landwirtschaftlich geprägten Abschnitt der Insel haben sich vor einigen Jahren Ziska und ...
Wir befinden uns auf der wunderschönen Ostseeinsel Rügen, im Norden, nicht weit von Kap Arkona entfernt. In diesem landwirtschaftlich geprägten Abschnitt der Insel haben sich vor einigen Jahren Ziska und Nik einen Wunschtraum erfüllt und eine alte baufällige Villa im Bäderstil gekauft und sie wieder hergerichtet. Dort leben sie mit ihren quirligen Zwillingssöhnen, bauen eine Sanddornplantage auf und vermieten Gästezimmer. Ziska betätigt sich zudem als Coach, ein etwas abgenutztes Wort in Zeiten von SocialMedia.
Eines Tages kommt Christina aus Magdeburg als Gast in die Villa Sanddorn. Sie steht kurz vor der Rente und erhofft sich von dem Coaching mit Ziska eine sinnvolle Richtung, in die ihr Leben nach der Berentung weitergehen kann. Doch sehr bald wird dem Leser klar, das Christina aus einem ganz anderen Grund auf die Insel gekommen ist, den sie jedoch vor Ziska und Nik noch nicht ausbreiten möchte.
Zögerlich und doch entschlossen nimmt Christina den Weg in ihre Vergangenheit auf und wir erfahren einiges aus der Geschichte Rügens. Die ursprünglichen Besitzer haben in den 1920er Jahren die Villa zu einem Hotel im Stil der Bädervillen aufgebaut, und man kann diese wunderschönen Häuser und deren reichhaltige Geschichte bei einer Reise nach Rügen bewundern. Sie haben einen ganz besonderen Charme und jedes Haus hätte einen geschichtlichen Roman verdient. Doch dann kam der Krieg und nach dem Krieg war auf Rügen nichts mehr wie es einmal war. Die Hotelbesitzer wurden in den 1950er Jahren enteignet, keiner hatte mehr etwas und alle waren glücklich, ein Slogan, der auch heute gerne noch benutzt wird, besonders von Menschen, die besonders viel haben.
Auch der Gründerfamilie der Villa Sanddorn erging es so, doch die Besitzer konnten bleiben, nahmen verwaiste Kinder auf und widerstanden dem DDR-Regime auf ihre eigene Art und Weise. Nachvollziehen können das nur die Menschen, die das damals auch wirklich erlebt haben. Ich kenne es nur aus der Literatur und bin jedes Mal tief beeindruckt von der Standhaftigkeit und der Aufrichtigkeit dieser Menschen. Während des Besuchs von Christina taucht auf dem Dachboden eine Chronik auf und in Christina die Erinnerungen ans Licht....
Lena Johannson nimmt den Leser mit auf eine Reise der Vergangenheit. Das Buch habe ich mir während eines Urlaubs an der Ostsee gekauft und blätterte darin, während ich einen leckeren Sanddorntee genoss. Die Geschichte ist in zwei Zeitebenen aufgeteilt, in das Heute der Gegenwart und in die Vergangenheit zu Zeiten der DDR, wir erfahren von der riesigen Schneekatastrophe in den 1970er Jahren, die Menschen waren von der Außenwelt abgeschnitten und das Regime hatte völlig versagt. Das tut es auch heute noch, das Ahrtal lässt grüßen. Ihr gelingt wahre Begebenheiten mit Fiktion zu vermischen und dem Leser einen guten Eindruck zu verschaffen, wie es damals war, ohne dass sie näher auf die Problematik der Kinderheime eingeht, die im Osten wie im Westen, mehr als schlimm waren. Doch es gab auch immer Menschen, die Herz hatten. Ein Roman, der definitiv Lust macht, die Insel Rügen wieder zu besuchen und sich auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben.