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Veröffentlicht am 16.04.2018

WUNDER

Wunder
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„Ärzte kommen aus entfernten Städten, nur um mich zu sehen, sie stehen an meinem Bett und glauben nicht, was sie sehen. Sie sagen, ich muss eins dieser Wunder von Gottes Schöpfung sein, und soweit sie ...

„Ärzte kommen aus entfernten Städten, nur um mich zu sehen, sie stehen an meinem Bett und glauben nicht, was sie sehen. Sie sagen, ich muss eins dieser Wunder von Gottes Schöpfung sein, und soweit sie sehen, können sie keine Erklärung geben. Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer. Ich wünschte, jeder Tag wäre Halloween. Wir könnten alle immerzu Masken tragen. Dann könnten wir uns in Ruhe kennenlernen, bevor wir zu sehen kriegen, wie wir unter den Masken aussehen.“

August Pullman lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Olivia in New York, in North River Heights, der äußersten Spitze Manhattans. Ein mutiertes Gen führte bei ihm zu einer bislang unbekannten Art des Treacher-Collins-Syndroms. Auggie, wie der kleine Junge von seiner Familie liebevoll genannt wird, wurde in den ersten zehn Jahren seines Lebens bereits 27 Mal am Gesicht operiert und hatte aus diesem Grund bislang auch nie eine richtige Schule besucht. Nun soll Auggie jedoch in die fünfte Klasse kommen und obgleich er große Angst davor hat, willigt er in das Vorhaben seiner Eltern ein und wird in die Beecher Prep-Schule aufgenommen. Auggie ist es zwar gewöhnt, angestarrt zu werden und es ist auch nichts Neues für ihn, dass er die anderen Schüler verunsichert, dennoch wünscht er sich nichts sehnlicher, als nicht aufzufallen, ein ganz normaler Junge zu sein, Freunde zu finden. Auggie ist großzügig, klug, witzig und hat viel Mut und Kraft, doch das „Ganz-schnell-woanders-Hinschauen“ der Menschen, die ihm begegnen, lässt ihnen kaum eine Chance, sich auf ihn einzulassen, ihn frei von Vorurteilen kennen zu lernen. Der kleine August, bislang im Schoß seiner liebevollen Familie geborgen, wagt die ersten Schritte in die Selbständigkeit. Für den Jungen sind dies Stunden und Tage voller Unsicherheit und Ängste, doch auch seiner Mutter fällt das Loslassen schwer. Die ehemalige Kinderbuchillustratorin hatte ihren Beruf an den Nagel gehängt, um sich nur noch um ihre Familie zu kümmern und fürchtet nun, dass ihr Sohn der Grausamkeit seiner Mitschüler wenig entgegen zu setzen hat. Auggies Schwester Olivia, „Via“ genannt, liebt ihren Bruder über alle Maßen. Dennoch leidet auch sie unter den oftmals brüskierenden Reaktionen der Mitmenschen auf das Äußere Auggies, nur allzu oft verteidigt sie ihren kleinen Bruder und nimmt ihn in Schutz. Auggies Start in der Schule steht unter keinem guten Stern, und die Unsicherheit vieler Mitschüler äußert sich in Hänseleien, Ausgrenzung und direkte Konfrontationen. Doch Auggie geht seinen Weg – einen Weg, der sehr viele Hürden aufweist, ihn aber stärker, weiser und zum Erstaunen aller beliebter macht, als je zuvor.

Die Geschichte dieses stark missgebildeten Kindes hat mich überwältigt. Raquel J. Palacio ist es vortrefflich gelungen, dem Leser dieses außergewöhnliche Kind in einem Balanceakt zwischen Sachlichkeit und tiefen Emotionen nahe zu bringen. Der Roman wurde in 8 Kapitel eingeteilt, in denen jeweils ein anderer Protagonist die Geschehnisse aus seiner Sicht schildert. Diese Vorgehensweise bringt klar und deutlich die Gefühle, die Motivationen und die Gedanken der handelnden Personen zum Ausdruck und man darf Auggie aus vielen verschiedenen Perspektiven kennen lernen. Die größte Aufmerksamkeit wird – natürlich – August Pullman zuteil. Die Autorin widmet sich jedoch auch sehr intensiv Auggies Schwester Olivia, die aufgrund seiner Erkrankung von jeher im Schatten ihres Bruders lebt und rasch selbständig und erwachsen werden muss. Ihre Mutter ist ihrer Ansicht nach viel zu oft „Augusts Mum“, anstatt „Vias Mum“ zu sein, sie fühlt sich vernachlässigt und entwickelt sofort darauf Schuldgefühle ob ihrer Gedanken. Via möchte von ihrer Umwelt nicht darauf reduziert werden, die Schwester eines entstellten Jungen zu sein und schämt sich oftmals für Auggie – doch auch dies bereitet ihr großes Unbehagen und stürzt sie in Gewissenskonflikte. Der flüssige Schreibstil und die spannende Art zu Erzählen brachten mich dazu, das Buch an einem Tag auszulesen, an eine Unterbrechung war nicht zu denken. Auggies Geschichte ist berührend, aber nicht rührselig. Sie erweckt Mitleid mit diesem tapferen Jungen, wurde aber nicht mitleidheischend geschrieben. Sie erzählt vom schlechten Kern der Menschen, weist aber auch auf das Gute in ihnen. Und sie erzählt davon, dass echte Größe nicht darin liegt, stark zu sein, sondern, die eigene Stärke auf die richtige Weise zu benutzen …

Dem kurzen, aber zu 100% zutreffenden Zitat des Guardian auf dem Cover kann ich nur zustimmen: es handelt sich bei „Wunder“ um ein Buch, das zum Weinen bringt. Es vermittelt Kummer, tiefe Verletzungen und ein breites Spektrum an Gefühlen. Man lacht, weint und leidet mit Auggie … aber am Ende des Buches weint man vor Freude. Die wenig ansprechende Gestaltung des Buchcovers hätte mich niemals zu dessen Lektüre bewogen. Daher freue ich mich umso mehr, mich aufgrund wunderschöner Rezensionen zum Kauf entschlossen zu haben. „Wunder“ ist ein unglaublich gefühlvolles Buch, das ich jedem Menschen ans Herz legen möchte.

Veröffentlicht am 16.02.2018

Mördersuche undercover - ein neuer Fall für Kari Blom

Sylter Blut
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Mördersuche undercover - ein neuer Fall für Kari Blom

In seiner aktuellen Neuerscheinung „Sylter Blut“ konfrontiert Ben Kryst Tomasson seine schrulligen Häkelschwestern aus Sylt gleich zu Beginn mit einer ...

Mördersuche undercover - ein neuer Fall für Kari Blom

In seiner aktuellen Neuerscheinung „Sylter Blut“ konfrontiert Ben Kryst Tomasson seine schrulligen Häkelschwestern aus Sylt gleich zu Beginn mit einer Leiche. Nach einem Nachtausflug der begeisterten Hobby-Ornithologinnen Grethe Aldag, Alma Grieger, Marijke Meenken, Witta Claaßen und Fanny Riepenhusen stoßen die fünf sympathischen alten Damen in Fannys Villa auf Spuren eines Einbruchs und entdecken kurz darauf den Schauplatz eines Mordes. Der getötete Einbrecher entpuppt sich als Angestellter der Sicherheitsfirma „Sylt Guard“, einem Familienunternehmen, dessen Eigentümer Burkhard Sievert die Zügel fest in der Hand hält. Der charismatische Mann um die fünfzig wird von seinem jüngeren Bruder Clemens Sievert, seinen beiden Söhnen Leif und Bjarne sowie drei Angestellten, die nicht zur Familie gehören, unterstützt.

Im Zuge der sofort eingeleiteten polizeilichen Ermittlungen wird unter anderem auch Kari Blom von ihrem Vorgesetzten Ole Lund zu einem weiteren Einsatz nach Sylt beordert. Die sportliche Polizistin und routinierte Undercover-Agentin soll in die Sicherheitsfirma eingeschleust werden, das Vertrauen der Vorgesetzten und Angestellten gewinnen, und die Hintergründe der Tat ans Licht bringen.

Ben Kryst Tomasson zeichnet in „Sylter Blut“ einen klassischen Mordfall, bei dem es zunächst um Einbruchsdiebstahl durch Manipulation von Alarmeinlagen und Videoüberwachung geht. Je tiefer man im Zuge der Ermittlungen jedoch in die Materie eintaucht, umso komplexer scheint dieser Fall zu werden. Nicht ist, wie es scheint, und auf irgendeine Art und Weise macht sich jede der handelnden Figuren verdächtig. Der Autor legt einige Fährten, die zu verfolgen ich als höchst anregend und interessant empfand. Der Handlung liegt ein hoher Spannungsfaktor zugrunde, der bis zuletzt aufrechterhalten wird. Eine kleine, zart angedeutete Liebesgeschichte sowie die grandiosen, humorvoll-schrägen Häkelschwestern, die Kari Blom nicht ohne Grund gerne auch als „Häkelmafia“ tituliert, runden diese einnehmende Kriminalgeschichte ab.

Die handelnden Figuren dieses Buches werden authentisch und vielschichtig dargestellt, wobei Karoline Dahl alias Kari Blom als Protagonistin die größte Aufmerksamkeit gilt. Die junge Polizistin liebt ihren Beruf über alles. Sie entpuppt sich als souveräne, professionell und geschickt agierende Ermittlerin, die in Notsituationen einen kühlen Kopf bewahrt, rasch handelt und instinktiv kluge Entscheidungen trifft. Karis Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizeistation Sylt gestaltet sich anfangs ein wenig schwierig. Mit Kriminalhauptkommissar Jonas Voss verbindet Kari nämlich mehr als nur freundschaftliche Gefühle, und bei beiden Ermittlern ist daher nun höchste Professionalität gefragt. Der Antagonist dieses Buches hält sich bis zuletzt verdeckt, und obgleich Ben Kryst Tomasson mir viele verschiedene Optionen anbot, bin ich ihm bei jeder einzelnen Fährte auf den Leim gegangen. Ich hatte bis zum Ende dieser Geschichte keine Ahnung von der Identität des Täters und ausnahmslos jeden verdächtigt. Die große Spannung wurde auf diese Weise für mich bis zum allerletzten Abschnitt aufrechterhalten.

Ein toller Schreibstil, ein anregender Plot, ausgefeilte Charaktere und ein durchgehend hoher Spannungsbogen sind die hauptsächlichen Merkmale dieses Buches, deren Protagonistin Kari Blom mir im Verlauf der Handlung ans Herz gewachsen ist. Ich bedanke mich beim Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar, das mir sehr anregende und unterhaltsame Lesestunden bereitet hat. Ich möchte nun mehr über die vorangehenden Fälle von Kari Blom und ihren Erlebnissen mit den sympathischen Häkelschwestern erfahren und werde mir aus diesem Grund auch die Vorgängerbände zu Gemüte führen. Vielen Dank für diese grandiose Neuentdeckung – ich werde den Autor Ben Kryst Tomasson auf jeden Fall im Auge behalten und hoffe auf weitere anregende Fälle mit Kari Blom.

Veröffentlicht am 02.12.2018

Gehe nicht ohne Bibel!

Jabando - Tom & Jojo
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Gehe nicht ohne Bibel!

„Wenn wir mehr aufeinander hören und es wirklich zusammen machen, dann schaffen wir es. Von jetzt an sind wir das Superbruderteam.“

Jabando ist zwar nur ein Spiel, aber dieses ...

Gehe nicht ohne Bibel!

„Wenn wir mehr aufeinander hören und es wirklich zusammen machen, dann schaffen wir es. Von jetzt an sind wir das Superbruderteam.“

Jabando ist zwar nur ein Spiel, aber dieses Spiel hat es in sich.

Die beiden Brüder neun und zwölf Jahre alten Brüder Tom und Jojo begegnen dem schrulligen Herrn Munkel, der einen Trödelladen besitzt. Als sie beobachten, wie etwas aus seinen Taschen auf die Straße fällt, folgen sie ihm kurzerhand, um ihm sein Eigentum wieder zurückzubringen. Doch der weißhaarige Alte mit den Lachfältchen und den neugierigen dunklen Augen macht ihnen diesen Gegenstand kurzerhand zum Geschenk, der sich als kleines graues Nintendo-Spiel ohne Bild und ohne Beschreibung entpuppt. Herr Munkel gibt ihnen in eindringlichen Worten die Ermahnung mit auf den Weg, auf die Bedienungsanleitung im Spiel zu achten, und niemals ohne die Bibel zu gehen. Nach anfänglichem Zögern siegt schließlich die Neugier, und den beiden Jungs öffnet sich ein Portal, hinter dem sich eine heiße, wüstenähnliche Gegend befindet. Sie nehmen ihren ganzen Mut zusammen und durchschreiten es, um sich danach im größten Abenteuer ihres Lebens wiederzufinden.

Annette Spratte hat in ihrem Jugendbuch „Jabando“ geschickt technische Errungenschaften unserer Zeit mit einer längst vergangenen Epoche verknüpft. Ihre beiden jugendlichen Protagonisten erhalten die einmalige Gelegenheit, in die Zeit von Jesu Wirken auf Erden versetzt zu werden, als Augenzeugen und Mitwirkende von beeindruckenden Szenen aus der Bibel. Nebenfiguren treten lediglich in Form der Eltern auf, ihnen wird keine allzu große Aufmerksamkeit zuteil. Bei den biblischen Figuren verhält es sich jedoch ein wenig anders. Hier erhält der junge Leser im Verlauf der Handlung ein paar Informationen zu diesen Personen, wobei auch deren Glaube, ihre Gedanken und Emotionen thematisiert werden.

Der Autorin ist ein sehr einnehmender und locker-leichter Schreibstil zu eigen. Sie vermittelt auf bildhafte und authentische Art und Weise ausgewählte Bibelgeschichten, die sie in einer der Zielgruppe angepassten Sprache erzählt. Die Handlung beinhaltet ab dem Durchschreiten des mysteriösen Portals auch einen gewissen Spannungsfaktor, und als Leser fragt man sich zum einen, was es mit diesem eigenartigen Spiel auf sich hat, und zum anderen, wie es den Brüdern wohl gelingen wird, alle Level zu bestehen, um wieder in ihre eigene Welt zurückzukehren.

Die optische Aufmachung dieses Buches fand ich hervorragend. Bereits das Cover weckt durch die farbenfrohen Illustrationen von Daniel Fernández die Aufmerksamkeit des Betrachters. Die Abenteuer von Tom & Jojo im Inhalt werden durch Schwarz-Weiß-Zeichnungen aufgelockert. Die Spielanleitungen des Nintendos sind in Form von grau hinterlegten Kästchen dargestellt, was mir ebenfalls gut gefallen hat. Die angenehme Schriftgröße und die entsprechenden Zeilenabstände machten das Lesen zu einem reinen Vergnügen.

Fazit: Annette Spratte ist in dieser Geschichte eindrucksvoll gelungen, jugendliche Leser zu einem aufregenden Abenteuer einzuladen und ihnen dabei biblische Inhalte nahezubringen. Sie weist auf den hohen Stellenwert von Gottes Wort in unser aller Leben hin und gibt kluge Lebensweisheiten mit auf den Weg.

„Überlegt gut, was ihr sagt, denn Worte sind mächtiger als man oft meint. Wer seine Zunge beherrscht, der kann auch seinen ganzen Körper beherrschen.“

„Jabando“ hat mir ausgezeichnet gefallen und ich bin schon gespannt auf die im Buch angekündigte Fortsetzung!

Veröffentlicht am 02.12.2018

Eine Schlacht um Kreuz oder Koran – verloren in der Zeit!

Schwert der Hoffnung
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Eine Schlacht um Kreuz oder Koran – verloren in der Zeit!

Edward Crowe ist Anführer einer kriminellen Jugendbande in London und soll auf dem Anwesen seines Großvaters in Frankreich ein wenig arbeiten ...

Eine Schlacht um Kreuz oder Koran – verloren in der Zeit!

Edward Crowe ist Anführer einer kriminellen Jugendbande in London und soll auf dem Anwesen seines Großvaters in Frankreich ein wenig arbeiten und wieder auf die richtige Bahn gelenkt werden. Edward versteht es meisterhaft, seine Gefühle zu verbergen – er verkörpert einen verwegenen und gutaussehenden Draufgänger und legt zudem ein überhebliches Macho-Gehabe an den Tag.

Anna Ravin verbrachte als Tochter des Gärtners ihr gesamtes Leben auf dem Landgut der Martinières. Die ruhige und friedfertige Französin mit dem dunklen Haar und den großen braunen Augen möchte Medizin studieren. Anna wird von ihrer Familie über alles geliebt, hält sich selbst jedoch für gewöhnlich und langweilig.

Als diese beiden konträren jungen Menschen zu einer gemeinsamen Entrümpelungsaktion im Schuppen von Grandpère verdonnert werden, entdecken sie in einer unterirdischen Höhle eine Truhe mit einem mit Edelsteinen besetzten Dolch, ein verrostetes Schwert sowie ein Tagebuch, das vor über 450 Jahren geschrieben wurde. Die Initialen „Jean P.V.“ auf dem Schwert deuten darauf hin, dass es einmal einem der Vorfahren der Martinières gehörte. Als die beiden jedoch das geheimnisvolle Schwert berühren, werden sie an einen anderen Ort und in eine andere Zeit katapultiert: sie finden sich im Malta des Jahres 1563 wieder. Anna und Edward müssen sich dieser völlig fremden Umgebung anpassen, sich unter den Rittern des Johanniterordens, den Schwertkämpfern und der drohenden Gewalt der Osmanen zurechtfinden und darüber hinaus nach einer Möglichkeit suchen, in ihr Leben und in ihre Zeit zurückzukehren. Dass Edward Anna als lästiges, langweiliges Mädchen und graue Maus, sich selbst auch noch als Versager betrachtet, trägt nicht gerade dazu bei, ihr Unternehmen zum Erfolg zu führen. Sie werden in aufregende, turbulente und zum Teil sehr gefährliche Abenteuer involviert und die Hoffnung auf eine Rückkehr scheint in unerreichbare Ferne zu rücken.

Mit der vorliegenden Neuerscheinung von Tanja Riegel beschäftigte ich mich nach sehr langer Zeit wieder mit dem Thema „Zeitreise“. Die Autorin siedelte ihren Roman im sechzehnten Jahrhundert an und thematisiert abgesehen von dem kurzen Einstieg sowie der allerletzten Buchseite ausschließlich Ereignisse im Malta des Jahres 1563 bis 1564. Zwei junge Menschen mit völlig unterschiedlichem Hintergrund und ziemlich konträrem Lebensplan sind durch einen Sprung durch die Zeit plötzlich aufeinander angewiesen. Während Anna ihr behütetes und geordnetes Leben im Schoß ihrer liebevollen Familie schmerzlich vermisst, gibt es in Edwards Leben niemanden, der ihm wirklich nahe ist. Im Verlauf der Handlung reflektiert er sein Leben, gewinnt tiefe Erkenntnisse und lässt nach und nach zu, dass Annas unerschütterlicher Glaube an Gott auch ihn immer mehr berührt. Edward und Anna finden in den ehrenvollen Rittern der Johanniter und deren Umfeld treue Freunde, die ihr Leben dem Kampf für den Glauben verschrieben haben. Die Autorin versteht es, historische Ereignisse auf wunderschöne Art und Weise mit einer Liebesgeschichte und der Geschichte von Kameradschaft und Freundschaft zu verweben. Die Ereignisse sowie das Leben im Malta im sechzehnten Jahrhundert wurden überzeugend dargebracht und Tanja Riegels einnehmender Schreibstil und die bildhaften Beschreibungen vermochten es, mich tief in die Handlung einzubeziehen.

Durch die drohende Gefahr eines kurz bevorstehenden Angriffs der Osmanen und der Entschlossenheit der Ritter des Johanniterordens, ihre Insel und ihren Glauben bis zu ihrem letzten Atemzug zu verteidigen, wurde ein hoher Spannungsbogen aufgebaut, der in einem Großangriff auf St. Elmo seinen Höhepunkt fand. Man bangt als Leser zudem mit den beiden sympathischen Protagonisten angesichts ihrer verzweifelten Versuche, eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Jahr 2017 zu finden.

Die Autorin beschränkt sich neben ihren beiden Protagonisten Anna Ravin und Edward Crowe alias Edward de la Martignière auf eine überschaubare Anzahl von Nebenfiguren, widmet sich dieser jedoch ausführlich und detailgetreu. Die authentische Darstellung der handelnden Figuren und besonders die charakterliche und geistliche Entwicklung des männlichen Protagonisten Edward im Verlauf dieses Buches empfand ich als sehr überzeugend. Durch die Wiedergabe historischer Begebenheiten während der großen Invasion der Osmanen sowie die Einbindung historisch belegter Persönlichkeiten wie beispielsweise den Großmeister des Malteserordens, Jean Parisot de la Valette, konnte ich für meine Person zudem auch Neues und Wissenswertes erfahren.

FAZIT: „Schwert der Hoffnung“ war ein sehr interessantes, unterhaltsames und überraschend tiefgründiges Buch, das mir ausgezeichnet gefallen hat. Die historischen Fakten um die Ritter der Johanniter sowie die große Invasion der Osmanen mit der Belagerung Maltas boten einen höchst interessanten und geschichtsträchtigen Hintergrund, der diese Lektüre zusammen mit dem hohen Stellenwert des christlichen Glaubens diese Lektüre zu einem intensiven und spannenden Abenteuer machte.

Veröffentlicht am 02.12.2018

Weil das Leben kurz, und die Zeit kostbar ist

Du bleibst an meiner Seite
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Weil das Leben kurz, und die Zeit kostbar ist

Mit dieser Neuerscheinung präsentiert Sharon Garlough Brown den dritten Band ihrer Buchreihe und führt die Geschichte der vier Freundinnen Meg Crane, Hannah ...

Weil das Leben kurz, und die Zeit kostbar ist

Mit dieser Neuerscheinung präsentiert Sharon Garlough Brown den dritten Band ihrer Buchreihe und führt die Geschichte der vier Freundinnen Meg Crane, Hannah Shepley, Mara Garrison und Charissa Sinclair fort. Seit ihrem Kennenlernen im New Hope-Einkehrzentrum sind diese so unterschiedlichen Frauen wie Schwestern füreinander geworden, eine innige Freundschaft und ihr gemeinsamer Glaube verbindet sie. Im vorliegenden Folgeband stehen den Frauen jeweils größere Veränderungen in ihrem Leben bevor und sie müssen Entscheidungen treffen. Während Maras untreuer Ehemann die Scheidung eingereicht hat und nicht davon ablässt, sie auch weiterhin klein zu machen und zu demütigen, sehnt Hannah sich nach einer Ehe mit Nathan. Megs Sorgen um ihre Tochter Rebecca sind nach ihrem Besuch in England nur noch größer geworden und sie leidet an der Entfremdung zu ihrem einzigen Kind. Meg vermisst zudem ihren in jungen Jahren verunglückten Ehemann Jim immer noch schmerzlich. Er war die Liebe ihres Lebens, durfte die Geburt seiner Tochter jedoch nicht mehr erleben. Doch auch Charissa Sinclair stehen große Veränderungen bevor. Sie ist hochschwanger und wird in Kürze gemeinsam mit ihrem Ehemann John ihr erstes eigenes Haus beziehen. Charissa kämpft gegen ihre Ichbezogenheit, ihren Perfektionismus sowie ihre Sucht nach Anerkennung und Ruhm.

Sharon Garlough Brown schreibt eindringlich, mitreißend und mit unglaublichem Gefühl, sorgt stets für starke emotionale Momente. Ein tiefer und unerschütterlicher Glaube durchdringt zudem das gesamte Buch. Die Gedanken und Gebete, die inneren Konflikte der Frauen, Tagebucheinträge und Gespräche wurden im Buch in kursiver Schrift dargestellt. Die exzellent ausgearbeiteten Charaktere weisen eine ergreifende Authentizität auf und nahmen mich ein weiteres Stück auf ihrer Reise mit, auf ihrem Entwicklungsprozess als Persönlichkeiten, deren Stärke in erster Linie in ihrem Glauben an Gott begründet ist. Zur näheren Beschäftigung mit den Gebetstagebüchern der Protagonistinnen stellt die Autorin ihren Lesern im Anhang einen Leitfaden für Gebets- und Gesprächsrunden zur Verfügung.

Fazit:

Ebenso wie die beiden Vorgänger war auch dieses dritte Buch über die Glaubensreise von Hannah, Meg, Mara und Charissa ein herausragendes und überwältigendes Lesehighlight für mich. Ich empfinde Sharon Garlough Brown bereits seit der Lektüre ihres ersten Buches als Garant für wertvolle und tiefgründige christliche Romane. Mit „Du bleibst an meiner Seite“ hat sie erneut all meine Erwartungen erfüllt. Ich kann diese gesamte Buchreihe uneingeschränkt weiterempfehlen, möchte potenziellen Lesern zum besseren Verständnis jedoch dringend die Einhaltung der Reihenfolge ans Herz legen:

1. Band – „Unterwegs mit dir“
2. Band – „Weil du mit mir gehst“
3. Band – „Du bleibst an meiner Seite“