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Veröffentlicht am 20.11.2022

Ein Leben für die Literatur

Das Abenteuer, eine Frau zu sein
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Ein Leben für die Literatur

„Ich möchte einen Tupfen in den Himmel setzen. Den Schlenker meiner Unterschrift. Ein Mensch sollte sich in die Sterne schreiben. Es ist mein Credo. Das Leben ist viel zu kurz, ...

Ein Leben für die Literatur

„Ich möchte einen Tupfen in den Himmel setzen. Den Schlenker meiner Unterschrift. Ein Mensch sollte sich in die Sterne schreiben. Es ist mein Credo. Das Leben ist viel zu kurz, viel zu einmalig, um es zu verschwenden.“ (Margrit Schriber)

Ich machte vor fast genau dreizehn Jahren durch das Buch „Die hässlichste Frau der Welt“ die Bekanntschaft der Autorin Margrit Schriber und setzte im Anschluss danach meine Lektüre mit den beiden historischen Romanen „Das Lachen der Hexe“ und „Die falsche Herrin“ fort. Bereits die ersten Seiten zogen mich aufgrund des exzellenten Schreibstils, einer hervorragenden Recherche sowie eines fesselnden Plots in den Bann. Historische Gegebenheiten wurden mit einer akribischen Liebe zum Detail vermittelt, bei den Protagonisten handelte es sich um starke Frauen, Persönlichkeiten, die jeweils ein Opfer ihrer Mitmenschen und der Zeit wurden. Weitere Bücher folgten, und meine Begeisterung ist bis zum heutigen Tag ungebrochen. Die Charaktere der Protagonisten sind stets in hohem Maße authentisch, die Autorin schreibt in klarer Sprache und Emotionen weckend. Ihre Werke empfand ich als tief beeindruckend, zum Nachdenken anregend, wobei ich aus jeder Lektüre immer wieder Zitate und Gedanken als „Perlen“ auf meinen Lebensweg daraus mitnehmen durfte.

Die kürzlich herausgegebene Autobiographie der Schriftstellerin weckte natürlich unverzüglich mein Interesse und bescherte mir in den letzten Tagen eine wahrhaft fesselnde und faszinierende Lesezeit. Denn Margrit Schriber präsentiert mit dieser Neuerscheinung ein äußerst persönliches Buch, in dem sie sehr viel über sich selbst preisgibt. „Das Abenteuer, eine Frau zu sein“ befasst sich mit ihrer Kindheit und ihren Werdegang, es erlaubt Einblicke in ausgewählte Werke sowie Details zu deren Entstehung und den Protagonisten – starke Frauen, die in einer falschen Zeit geboren wurden und für den Versuch, ihre Träume zu verwirklichen, bestraft wurden. Man liest darüber hinaus auch von weiteren Erinnerungen, den Motivationen, Vorlieben, Aversionen und Eigenheiten, der Gefühls- und Gedankenwelt sowie den Wünschen und Träumen der Autorin. Das Buch enthält unzählige kleine Fragmente, die diese großartige Schweizer Autorin ihrer Leserschaft vor allem aber als Mensch, und nicht nur als Schriftstellerin, nahebringen.

„Das Abenteuer, eine Frau zu sein“ schildert den Weg eines mutigen jungen Mädchens zu einer Schreibenden, die zunächst lernen musste, an sich selbst zu glauben, bevor sie ihren Traum verwirklichen konnte. Für einige Menschen war Margrit Schriber anfangs nur eine „schreibende Bankangestellte“ oder „s’Schriberli“, sie musste Missgunst und Eifersucht männlicher Kollegen, die Zudringlichkeit und Schamlosigkeit der Massenmedien und sogar erniedrigende Bemerkungen nahestehender Menschen zu ihrem Erfolg als Autorin hinnehmen. Doch den Tiefschlägen in ihrem Leben stehen auch Höhepunkte entgegen – in Form von Anerkennung, Ehrungen, Respekt der Autorenkollegen sowie die Ermunterung von Lesern, Buchhändlern und Kritikern. Margrit Schriber bringt dem Leser in dieser Autobiographie ihre Motivation nahe, ihr Leben der Literatur zu widmen und erzählt auch von den wichtigen Menschen und Meilensteinen ihres Lebens. Das Buch steckt voller kluger Lebenserfahrung und Weisheit und offenbart sehr viel Persönliches über den Menschen Margrit Schriber.

„Die Welt zu verändern, mute ich mir nicht zu. Aber ich will genau hinsehen. Wissen, wer wir sind, wie wir sind, wie wir unser Leben meistern. Ich lasse mich inspirieren von meinem Tag. Es gibt so viel, das uns aufjubeln und zu ungeahnten Höhenflügen aufschwingen lässt. Und es gibt tausend Möglichkeiten zu scheitern. In meinen Texten erzähle ich davon. Vom Lebensweg des Menschen. Seinem Mut, der Kraft, der Befähigung zu Großem, seinen Beziehungen, auch von den Grenzen.“

„Diese Tätigkeit macht mich glücklich. Sie füllt mich aus. Ich vergesse, dass ich nur ein Aufblitzen in der Geschichte der Schöpfung bin.“

„Rückblickend bedeutet Schreiben für mich der abenteuerlichste Akt meines Lebens.“


Fazit: Mit dieser beeindruckenden und faszinierenden Autobiographie hat die begnadete Autorin aus der Schweiz ihre Lebensgeschichte dargebracht, die sehr viel von der Persönlichkeit und dem abwechslungsreichen, von Höhepunkten und Tiefschlägen begleiteten Werdegang Margrit Schribers erzählt.

Begeisterte fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung, für Fans der Autorin ist dieses Buch aus meiner Sicht ohnehin ein absolutes „must read“!

Veröffentlicht am 21.10.2022

Aufwühlende Zeiten

Das Los der Männer
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Aufwühlende Zeiten

„Ich war so naiv zu glauben, uns allen stünde der Krieg von damals noch so lebendig in Erinnerung, dass wir alles tun würden, um etwas Derartiges nicht noch einmal zu erleben. Es ist ...

Aufwühlende Zeiten

„Ich war so naiv zu glauben, uns allen stünde der Krieg von damals noch so lebendig in Erinnerung, dass wir alles tun würden, um etwas Derartiges nicht noch einmal zu erleben. Es ist schon eigenartig, wie schnell manche vergessen.“ (Käthe Lehmann)

Paul-Friedrich von Falkenbachs schlimmste Befürchtungen sind eingetreten: nach Hitlers Einfall in Polen befindet sich Deutschland im September 1939 erneut im Krieg. Die Stimmung in den Familien Lehmann und von Falkenbach ist angespannt, und abgesehen von den engsten Angehörigen kann keiner mehr irgendjemandem wirklich trauen. Die einstige Entscheidung, den Forderungen des Regimes nachzugeben und in ihren Fabriken Waffen zu produzieren, könnte sich nun als kluger Schachzug erweisen. Die beiden Familien haben Geheimnisse zu wahren und um ihre Existenz zu bangen und vertrauen im Grunde allesamt auf das stets besonnene und ausgeklügelte Handeln Paul-Friedrichs.

„Das, was Hitler schon seit 1923 plant, werden wir nicht in wenigen Wochen aufbringen und zerstören können. Wir haben in dieser Sache nur einen Versuch, und der muss jede Eventualität berücksichtigen. Wenn wir versagen, wird herauskommen, dass wir mitbeteiligt waren. Und damit fällen wir nicht nur unser Todesurteil, sondern auch das unserer Familien. Aber wenn wir diesen Irren nicht aufhalten, haben unsere Frauen und Kinder auch keine Zukunft. Dann hat niemand in diesem Land eine Zukunft. Und genau deshalb dürfen wir nicht versagen.“

Der Kriegsausbruch weckt schlimme Erinnerungen in Paul-Friedrich und Wilhelm, während Ferdinand innerlich zerrissen scheint. Leopolds Charakter hat sich immer noch nicht zum Guten gewandelt, und mit der Heimkehr des beinahe zwei Jahrzehnte lang verschollenen Sohnes Johannes ist Käthes innigster Wunsch in Erfüllung gegangen. Doch es sind gefährliche Zeiten angebrochen und die Angst vor den Schergen der Nazis ist stets präsent. Beinahe jeder in den Familien hat etwas zu verbergen, und als Wilhelmine erfährt, dass ihr Geliebter Martin Reinders noch lebt, erwacht in ihr erneut die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft.

Die Mischung fiktiver und realer Ereignisse macht auch den sechsten Band dieser Familiensaga zu einer fesselnden Lektüre, in welcher sich die Dinge zu überstürzen scheinen und den Leser in das Jahr 1939 führen. Der Kriegsausbruch als dramatischer Auftakt sorgt bereits im Prolog für Aufregung, die Spannungen innerhalb der Familien sowie bestimmte Ereignisse im Leben der handelnden Figuren zeichnen darüber hinaus für einen durchgehend hohen Spannungsbogen verantwortlich. Die Handlung wird in der dritten Person aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei jedes Kapitel mit einem aussagekräftigen Zitat in kursiver Schrift beginnt. Das beiliegende Lesezeichen mit den Familienstammbäumen ist eine gefällige und äußerst nützliche Beilage und erleichtert die Orientierung im Buch ungemein.

Die Autorin versteht es gekonnt, ihren Figuren Leben einzuhauchen, sie wirken in hohem Maße authentisch. Wie gewohnt ist der Patriarch Paul-Friedrich von Falkenbach der ruhende Fels in der Brandung, als geschickter Stratege vermochte es bislang stets, das Ruder in letzter Minute herumzureißen und die Familien vor drohendem Unheil zu bewahren. Mit Hitlers enger Freundin Eleonore Baur und dem Reichsleiter Constantin Trost bringt Ellin Carsta zudem zwei neue Figuren in die Handlung ein. Tiefe Emotionen, dramatische Szenen und spannende Momente wechseln einander ab und enden schließlich in einem aufwühlenden Finale, dicht gefolgt von einem verheißungsvollen Cliffhanger. Im Nachwort geht die Autorin wie gewohnt näher auf jene Figuren ihrer Handlung ein, welche historisch belegt sind.

FAZIT: Der einnehmende Schreibstil Ellin Carstas ist mir im Verlauf dieser Familiensaga immer mehr ans Herz gewachsen. Sie vereint geschickt historische Ereignisse mit einer fiktiven Geschichte, sorgt für starke Emotionen und zieht ihre Leserschaft von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann. „Das Los der Männer“ hat mir sehr gut gefallen, mich durch die hervorragend ausgearbeiteten Figuren, eine rasante Handlung, spannende Verwicklungen und aufwühlende Ereignisse in den Bann gezogen. Eine Kenntnis der Vorgängerbände ist aus meiner Sicht zum tieferen Verständnis jedoch unabdingbar.

Ich vergebe begeisterte fünf Bewertungssterne und sehe auch dem nächsten Band mit großer Erwartungshaltung entgegen!

Veröffentlicht am 31.07.2022

Ich bin nur eine einfache Arbeiterin in Gottes Weinberg

Allzeit aus Liebe
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Ich bin nur eine einfache Arbeiterin in Gottes Weinberg

„Es war immer unser Ziel, eine Antwort der Liebe zu werden. Unser Dienst an den Kranken soll allzeit aus Liebe und nicht um Lohn geschehen.“

„Bewahret ...

Ich bin nur eine einfache Arbeiterin in Gottes Weinberg

„Es war immer unser Ziel, eine Antwort der Liebe zu werden. Unser Dienst an den Kranken soll allzeit aus Liebe und nicht um Lohn geschehen.“

„Bewahret über alles die Liebe, die Armut und die Klausur. Seid versichert, alles wird gut gehen, solange ihr dies beachtet.“


Bei Günter Kriegers aktueller Neuerscheinung handelt es sich um einen biografischen Roman über die Stifterin der Ordensgemeinschaft der Elisabethinnen. Apollonia Radermecher stammt aus begütertem Elternhaus und beschloss bereits in ihrer Kindheit, niemals zu heiraten. Obgleich ihr Jugendfreund um ihre Hand anhielt, blieb Apollonia ihrem Grundsatz treu und widmete ihr gesamtes Leben dem Dienst am Nächsten. Eine unvermutete Begegnung mit einem Sterbenden im Alter von neun Jahren prägte das mitfühlende und tief gläubige Mädchen und sie nahm sich vor, niemals wieder einen Sterbenden sich selbst zu überlassen.

Der Autor beschreibt die verschiedenen Stationen im Leben dieser tatkräftigen und starken Frau, die einen unerschütterlichen Glauben an Gott besaß und ihr Leben in den Dienst für die Armen und Schwachen stellte. Apollonia folgte erst mit etwa vierzig Jahren ihrer Bestimmung, lebte in einer Gemeinschaft mit selbst auferlegten Regeln und wirkte viele Jahre lang in ‚s-Hertogenbosch, kümmerte sich dort um Alte, Bedürftige und Kranke. Ihre Entscheidung, der Einladung des Stadtrats in Aachen zu folgen und in einer christlichen Einrichtung Arme und Kranke zu beherbergen und zu pflegen, erwies sich als schicksalhaft. Apollonia reformiert das heruntergekommene Spital, wird die neue Leiterin des Gasthauses am Radermarkt und macht es zu einem Ort der Nächstenliebe. Sie setzt all ihre Kraft und ihr Vermögen für die Renovierung ein und bleibt ihrer Berufung trotz aller Widerstände bis zu ihrem letzten Atemzug treu.

Das Leben der deutschen Ordensfrau und Gründerin des Elisabethinnenordens Apollonia Radermecher wird aus Sicht der erwachsenen Apollonia erzählt. Darüber hinaus erfährt man durch Rückblenden in die Vergangenheit, historische Fakten und Bilder im Anhang des Buches sowie ein ausführliches Personenregister zusätzliche Details über das Leben dieser großzügigen und gütigen Frau. Der Glaube und der Wunsch, ihrer Berufung zu folgen, spielen eine zentrale Rolle in ihrem Leben.

„Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

„Es war ein langer Weg. Es stimmt, die Last wiegt schwer, nicht selten gab es Tage, wo ich glaubte, darunter zusammenzubrechen. Ich fragte mich, ob ich wirklich für dieses Werk bestimmt sei. Aber inzwischen weiß ich, dass ich es fortführen muss. Es ist eine notwendige Sache.“


Die sprachliche Umsetzung (Schreibstil/gewählte Sprache) haben mir außerordentlich gut gefallen. Kapitel, die sich mit vergangenen Zeiten befassen, sind durch eine entsprechende Überschrift deutlich gekennzeichnet und sorgen für eine einfache Orientierung im Buch. Der Autor punktet zudem mit einer hervorragenden Charakterzeichnung und großer Authentizität der Protagonistin sowie wichtiger Lebensbegleiter. Durch eingeflochtene Episoden wie beispielsweise die Ankunft des kranken Franziskanermönchs Bruder Dederich mit seinem anhänglichen Ziegenbock „Judas Thaddäus“ wird auch ein wenig Humor in die Handlung eingebracht.

FAZIT: „Allzeit aus Liebe“ ist ein Buch, das sich intensiv mit dem Leben der Apollonia Radermecher befasst und auf diese Weise dazu beiträgt, eine historische Persönlichkeit „lebendig“ zu machen. Die exzellente Recherche des Autors und die Kunst, das Leben und die Leistungen dieser historischen Persönlichkeit, aber auch ihre Ängste, Hoffnungen und Wünsche authentisch darzustellen, machten die Lektüre dieses biografischen Romans zu einem Erlebnis.

Begeisterte fünf Sterne für diese bereichernde Lektüre und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 31.07.2022

Petition „Rettet die Rollschuhbahn“!

Stella rollt an
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Petition „Rettet die Rollschuhbahn“!

„Los, nichts wie rauf auf die Skates! - „Das muss man mir nicht zweimal sagen!“

Das Rollschuhfahren ist die liebste Freizeitbeschäftigung der drei Freundinnen Stella, ...

Petition „Rettet die Rollschuhbahn“!

„Los, nichts wie rauf auf die Skates! - „Das muss man mir nicht zweimal sagen!“

Das Rollschuhfahren ist die liebste Freizeitbeschäftigung der drei Freundinnen Stella, Louisa und Nelly – und gemeinsam bilden sie die „Rolling Angels“. Die elfjährigen Gymnasiastinnen üben Pirouetten, Sprünge und Drehungen und lieben den Tanz mit ihren Rollschuhen. Als sie erfahren, dass die Freiluft-Rollschuhbahn in der vielgeliebten „Bezi“ – der Bezirkssportanlage Grünheide – abgerissen werden soll, beschließen sie, sich zu wehren. Sie verbünden sich mit der hockeyspielenden Gruppe „Skating Devils“. Obwohl eine gewisse Rivalität zwischen ihnen und den drei Jungs herrscht, schließen sie sich zusammen und versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, gegen den geplanten Abriss vorzugehen. Im Laufe ihrer gemeinsamen Aktivitäten stellen die Rolling Angels nach und nach fest, dass sie in Eric, Ronni und Moritz nicht nur Gleichgesinnte, sondern vielmehr gute Freunde gefunden haben. Und zu guter Letzt wird aus den „Rolling Angels“ und den „Skating Devils“ das „Angels-Devils-Team.“

„Es geht nicht nur um mich. Es geht um die Angels, die Devils und alle Kinder, die gerne skaten. Du müsstest doch am besten verstehen, wie viel uns die Rollen bedeuten!“

Im Mittelpunkt von Angelika Hesses aktueller Neuerscheinung steht die Leidenschaft für das Skaten – sei es auf Rollschuhen, oder auf Inlinern. In einnehmendem Schreibstil und einer der jugendlichen Zielgruppe angepassten Sprache versteht sie es gekonnt, ihren Lesern die Faszination für diese Sportart zu vermitteln. Nebenbei weist sie durch den Kampf um das Weiterbestehen der Rollschuhbahn darauf hin, wie wichtig es ist, sich für ein gemeinsames Ziel zusammenzuraufen und bestehende Differenzen zu begraben. Freundschaft, Hilfsbereitschaft, aber auch Fairness und Vergebung sind wichtige Themen dieses Buches. Das verständnisvolle Verhalten, die Ermutigung und die tatkräftige Unterstützung von Stellas Eltern ist vorbildhaft, das Familiengefüge und der Alltag der Familie Vogel werden harmonisch dargestellt.

Die Geschichte wird im Präsens aus Sicht der Ich-Erzählerin Stella Vogel geschildert, ein lesefreundlicher Großdruck mit einem angenehmen Zeilenabstand und liebevollen Schwarz-Weiß-Illustrationen runden den positiven Gesamteindruck ab. Es handelt sich hierbei um den ersten Teil einer Trilogie, auf der ersten und letzten Buchinnenseite findet sich jeweils eine farbenprächtige Abbildung der sechs jugendlichen Protagonisten. Liebevoll gezeichnete Charaktere, charmante Nebenfiguren und eine interessante und abwechslungsreiche Handlung sorgen für ungetrübtes Lesevergnügen.

FAZIT: „Stella rollt an“, der erste Band der Stella-Trilogie aus der Feder von Angelika Hesse, ist ein amüsantes und abwechslungsreiches Jugendbuch, das mir sehr gut gefallen hat. Die Bemühungen von sechs Elfjährigen, die es sich zum Ziel setzen, ihre Rollschuhbahn vor dem Abriss zu retten, werden anschaulich beschrieben. Sympathische Charaktere und humorvolle Passagen bereichern darüber hinaus die Handlung, wichtige Werte im Leben werden dem jugendlichen Leser nahegebracht. Das „Angels-Devils-Team“ erkennt, dass man sein Ziel niemals aus den Augen verlieren, nichts für Unmöglich halten, und niemals aufgeben darf. Die Protagonistin Stella sieht den Wahrheitsgehalt hinter der vielzitierten Redewendung ihrer Mutter, die stets verkündet: “Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“!

Von mir gibt es für dieses schöne Jugendbuch vier Bewertungssterne und eine Leseempfehlung für alle Kinder, Jugendliche und junggebliebenen Erwachsenen, die sich für Rollkunstlauf und Rollhockey begeistern und sich der Faszination des Laufens und Tanzens in Rollschuhen bzw. Inlinern nicht entziehen können!

Veröffentlicht am 25.06.2022

Wenn aus Freundschaft Liebe wird

Rise and Fall (Faith-Reihe 1)
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Wenn aus Freundschaft Liebe wird

„Die Nacht, in der ich mich Hals über Kopf und unwiderruflich in meinen besten Freund verliebt habe.“ (Skylar)

Skylar und Carter sind allerbeste Freunde seit Kindheitstagen. ...

Wenn aus Freundschaft Liebe wird

„Die Nacht, in der ich mich Hals über Kopf und unwiderruflich in meinen besten Freund verliebt habe.“ (Skylar)

Skylar und Carter sind allerbeste Freunde seit Kindheitstagen. Sie lernten sich in ihrer damaligen Pflegefamilie kennen und ihre innige Freundschaft hielt bis ins Erwachsenenalter. Zumindest so lange, bis in einer Valentinsnacht aus ihnen ein Liebespaar wurde. Als Skylar nur wenige Stunden später durch einen tragischen Unfall eine Querschnittlähmung erleidet, verschweigt sie es Carter. Denn dieser ist im Begriff, einen sechs Monate währenden beruflichen Auslandsaufenthalt anzutreten, der ihm als Musikjournalist zum Durchbruch verhelfen soll.

Sarah Stankewitz erzählt in ihrer aktuellen Neuerscheinung „Rise and Fall“ die Geschichte einer jungen Frau, die sich in einer schicksalhaften Nacht in ihren besten Freund verliebt, ihm jedoch keine Hürden in den Weg legen möchte. Sie thematisiert die gegenseitige Anziehungskraft, die schwere Last der Lüge sowie die Emotionen der beiden Protagonisten und untermalt dies mit zahlreichen Rückblenden in deren Vergangenheit. Während die Handlung in der Gegenwart im Präsens und in der Ich-Form aus Sicht des jeweiligen Protagonisten erzählt wird, bedient die Autorin sich bei ihren Rückblenden in die Kindheit der Mitvergangenheit. Dicke Überschriften mit dem Namen des jeweiligen Erzählers zu Beginn eines jeden neuen Kapitels tragen zur raschen Orientierung bei, der Hinweis auf den Zeitraum der Handlung erleichtert den Überblick beim laufenden Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Carters Pflegeeltern Heather & Charles und Skylars Adoptivmutter Penelope sind wichtige Nebenfiguren, blieben für mich persönlich aber bedauerlicherweise ein wenig zu blass. Als Sympathieträger sind definitiv Skylars Mitbewohnerin Hazel und ihr kleiner taubstummer Bruder Jamie anzuführen. Leider war mir die männliche Hauptfigur Carter äußerst unsympathisch. Ich konnte viele seiner Handlungen weder nachvollziehen, noch gutheißen, für mich persönlich mangelte es dieser Figur auch an Authentizität. Die weibliche Hauptfigur Skylar konnte mich ebenfalls nicht überzeugen. Die rasche Akzeptanz ihrer plötzlichen Querschnittslähmung und ihr Verhalten gegen Ende des Buches, auf welches ich aufgrund etwaiger Spoiler nicht näher eingehen möchte, fand ich unglaubwürdig.

Das Buch ist in einem locker-leichten, sehr saloppen Schreibstil verfasst. Darüber hinaus beinhaltet es eine exorbitant hohe Anzahl von Kraftausdrücken. Ich hatte im Verlauf der Seiten zunehmend den Eindruck, dass speziell die Passagen mit Carter beinahe nur noch aus derben Flüchen bestehen. Ich bedaure zudem, dass die Hinweise der Autorin auf die sexualisierte Gewalt und aggressives Verhalten im Buch nicht vorab in die Leseprobe platziert wurden, sondern diese sich auf der allerletzten Buchseite befinden… zu spät, um als potenzieller Leser noch von der Lektüre Abstand nehmen zu können.

Fazit: Sarah Stankewitz erzählt die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft, die zu Liebe wird. Der Autorin gelingt es auch, ihre Leser emotional einzubeziehen. Es gab im Buch ein paar berührende Szenen, doch dann zeigten die handelnden Figuren Verhaltensweisen, die mich kopfschüttelnd bis angewidert zurückließen. Dieses Verhalten sowie der massive Einsatz von Kraftausdrücken und die verrohte Sprache schafften es, mir das Lesevergnügen gründlich zu verleiden. Die beispiellose Aggression und der völlige Kontrollverlust der männlichen Hauptperson waren zudem erschreckend. Obgleich ich den Einblick in das Alltagsleben einer Querschnittgelähmten und die Andeutung der Probleme eines taubstummen Kindes interessant fand, konnte mich der Rest des Buches in keiner Weise überzeugen.

Schade, aber dieser Roman hat meinem persönlichen Lesegeschmack absolut nicht entsprochen, ich kann ihn aus genannten Gründen auch nicht weiterempfehlen.