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Veröffentlicht am 12.11.2025

Sie flogen über die Dächer von Paris

Arvil, der kleine Falke – Die Europameisterschaft
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Sie flogen über die Dächer von Paris

„Siegen heißt nicht immer nur, einen Titel zu gewinnen. Öffne deine Augen und genieße den Moment. Momente wie dieser und das Wissen, alles gegeben zu haben, machen ...

Sie flogen über die Dächer von Paris

„Siegen heißt nicht immer nur, einen Titel zu gewinnen. Öffne deine Augen und genieße den Moment. Momente wie dieser und das Wissen, alles gegeben zu haben, machen einen zum wahren Sieger!“

Durch seinen Sieg beim Waldflugrennen qualifizierte sich der talentierte junge Rennfalke Arvil für die Teilnahme am wichtigsten Flugrennen Europas. Sein Flugtrainer Adwanagor, die pfiffige Spitzmaus Serge und die temperamentvolle Eichhörnchendame Malou begleiten ihn nach Frankreich. In Paris angekommen werden sie bereits mit der ersten Herausforderung konfrontiert: durch eine unvermutete Änderung muss Arvil nun eine Rennstrecke bewältigen, auf die er weder vorbereitet, noch trainiert ist. Um sich für die Teilnahme registrieren zu lassen, fehlen dem Team des kleinen Wanderfalken-Papageis zudem auch noch Mitglieder. Und zu guter Letzt schmieden skrupellose und hinterlistige Teammitglieder des aktuellen Weltmeisters Quintez einen bösen Plan, um ihrem jungen Konkurrenten zu schaden.
Nach einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse im ersten Band und dem Abschied in der Heimat verlegt Thomas Forat den Schauplatz der Handlung nach Paris. Er beschreibt das hektische Gewusel unter dem Eiffelturm, als die verschiedensten Tierarten emsig die letzten Vorbereitungen für die Europameisterschaft treffen. Ein Chamäleon-Zwillingspaar an der Registrierungsstelle, Heuschrecken-Reporter, ein kleiner Kolibri, der als Rennkommentator eine echte Stimmungskanone ist, eine Pandadame mit rotem Fell, eine weise Ameisenkönigin und ein einschüchternder intriganter Hornfrosch sind nur einige der Figuren, mit denen Arvil zu tun hat.

Die Ereignisse kurz vor dem Rennen münden schließlich in ein aufregendes Finale, wobei der Autor es versteht, die Spannung hochzuhalten. Intrigen und Konkurrenzkämpfe, ausgeklügelte Flugtaktiken der Teilnehmer sowie unvorhersehbare Wendungen unterhalten den Leser und zeichnen für gehörige Aufregung über den Dächern von Paris verantwortlich.

Die liebenswerten Charaktere aus dem ersten Band werden um einige Figuren erweitert, zugleich schmieden gefährliche Konkurrenten und deren Handlanger unheilvolle Pläne. Im Zuge eines Wiedersehens alter Bekannter gibt es Rückblicke auf die Ereignisse um Arvils Vater Aron, dessen Karriere als talentierter Rennfalke nach einem schlimmen Zwischenfall ein abruptes Ende fand. Der locker-leichte Schreibstil, die kindgerechte Sprache, liebevoll ausgearbeitete tierische Charaktere, ein interessanter Plot, spannende Szenen rund um das Rennen sowie humorvolle Passagen zeichnen dieses entzückende Kinderbuch aus. Eine überraschende Entwicklung Arvils großen Adoptivbruder Serge betreffend und einige kluge Einsichten werten die Geschichte zusätzlich auf.

Fazit: „Arvil, der kleine Falke – Die Europameisterschaft“ hat den mitreißenden ersten Band dieser Reihe aus meiner Sicht sogar noch übertroffen. Thomas Forat präsentiert seiner jungen Leserschaft ein weiteres aufregendes Abenteuer mit dem kleinen Rennfalken und der bereits bekannte Buchtitel vom 3. Band dieser Reihe lässt den Ausgang der Geschichte bereits ganz ohne Spoiler erahnen. Ich freue mich bereits, dem mutigen kleinen Rennflieger Arvil im Nachfolgeband „Arvil, der kleine Falke 3 – Die Weltmeisterschaft“ wieder zu begegnen.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Am Ende zählt nur, wie es um unser Herz bestellt ist

Herzensmakeover
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Am Ende zählt nur, wie es um unser Herz bestellt ist

„Das richtige Gleichgewicht zu finden, kann knifflig werden. Zu helfen, ohne Grenzen zu überschreiten. Es ist nicht einfach, echte Bedürfnisse zu erkennen ...

Am Ende zählt nur, wie es um unser Herz bestellt ist

„Das richtige Gleichgewicht zu finden, kann knifflig werden. Zu helfen, ohne Grenzen zu überschreiten. Es ist nicht einfach, echte Bedürfnisse zu erkennen und den Heilungsprozess nicht beschleunigen zu wollen.“ (Miles McKenzie)

Molly McKenzie ist ein aufsteigender Stern am Influencer-Himmel, woran auch ihr geschäftstüchtiger Freund Ethan Carrington nicht ganz unbeteiligt ist. Als Mollys ehrgeiziger Manager ist es sein vorrangiges Ziel, die Zahl ihrer Follower immer weiter zu erhöhen. Darüber hinaus hat er einen lukrativen Job als Moderatorin für seine erfolgreiche Freundin ins Auge gefasst. Eine ehrenamtliche Tätigkeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen betrachtet er als optimales Sprungbrett für Mollys Karriere und Silas Whittaker, der Leiter einer entsprechenden Einrichtung, soll Molly diesen Weg ebnen. Doch die Sache erweist sich als nicht so einfach, wie die beiden es sich vorgestellt haben…

Nicole Deese hat sich mit diesem aktuellen Thema und ihrem einnehmenden Schreibstil, der auch mit einer gehörigen Portion Situationskomik einhergeht, geradewegs in mein Herz geschrieben. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich von ihrer tief gläubigen Familie unverstanden fühlt und ihren eigenen Weg sucht, dabei aber Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren. Die Protagonistin, die sich vorrangig auf Oberflächlichkeiten - den Glamour, die Bewunderung durch ihre zahlreichen Follower und das permanente Heischen nach Aufmerksamkeit und "Likes" - konzentriert, wird unvermutet mit einer völlig konträren Welt konfrontiert. Die Jugendlichen, mit denen sie zu tun hat, schleppen zum Teil gehörige Lasten aus ihrer Vergangenheit mit sich. Sie haben mit gravierenden Problemen zu kämpfen und sehnen sich nach Annahme, Wertschätzung und Integration. Die Art und Weise, wie Nicole Deese diese beiden Welten aufeinanderprallen lässt und daraus eine zauberhafte, zugleich aber auch tiefgründige Geschichte entstehen lässt, fand ich großartig.

Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren hat mir ausnehmend gut gefallen, sowohl die Haupt-, als auch die Nebenfiguren dieses Romans vermochten mich zu überzeugen. Der Fokus liegt auf den beiden Protagonisten Silas und Molly. Mollys Assistentin Val, Mollys Bruder Miles und die Bewohner der Einrichtung „Bridge Youth Home“ nehmen aber ebenfalls Raum in der Handlung ein. Während Mollys Manager und Freund Ethan für mich rasch zum Antagonisten avancierte, wuchsen mir Silas, Wren und Val immer mehr ans Herz. Im Buch ist von Nächstenliebe, Vertrauen und zweiten Chancen, aber auch von Vergebung die Rede. Nicole Deese verstand es, dem Leser den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen bei dem Versuch, so viele Jugendliche wie möglich aufzunehmen und sie auf ihrem Weg zu begleiten, nahezubringen. Durch diese liebevoll gezeichneten Charaktere und den einnehmenden Schreibstil gelang es Nicole Deese, mich voll und ganz in die Geschichte einzubeziehen und ich habe im wahrsten Sinne des Wortes jede Seite dieses Romans genossen.

"Herzensmakeover" ist ein wundervolles und gefühlvolles Buch, das mit ganz viel Gefühl, der Einbringung des christlichen Glaubens, einer aktuellen Thematik, tiefsinnigen Ausführungen, aber auch einer guten Portion Humor punktet. Im Grunde die perfekte Lektüre. Bedauerlicherweise las ich jedoch die deutsche Übersetzung, bei welcher meine Lesefreude gehörig durch den Einzug des "Gender-Wahnsinns" getrübt wurde. Anfangs noch darauf verzichtet steigerte sich diese Überfrachtung der Sätze bis zu einer Passage, an welcher die gendergerechte Formulierung gleich vier Mal auf einer Seite angewandt wird. Eine solche Vorgehensweise betrachte ich als großes Ärgernis, es hemmt den Lesefluss gehörig, ist für mich persönlich absolut inakzeptabel und beeinflusst künftige Kaufentscheidungen gravierend. Nicole Deese hat sich durch diesen Roman zwar ganz eindeutig auf die Liste meiner favorisierten christlichen Autoren katapultiert und ich brenne darauf, weitere Werke von ihr zu lesen, aber nur noch im englischen Original.

Ich vergebe nichtsdestotrotz fünf volle Bewertungssterne und eine begeisterte Leseempfehlung - denn die Autorin kann schließlich nichts für die Übersetzung

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Seht über eure Schulter, ich bin näher, als ihr denkt!

Im Kopf des Bösen – Der Happy Face Killer
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Seht über eure Schulter, ich bin näher, als ihr denkt!

„Ich muss in die Welt der Opfer eintauchen um verstehen zu können, was der Täter in ihnen sah.“ (Sophie Kaiser)

Nach einem spannenden Auftakt mit ...

Seht über eure Schulter, ich bin näher, als ihr denkt!

„Ich muss in die Welt der Opfer eintauchen um verstehen zu können, was der Täter in ihnen sah.“ (Sophie Kaiser)

Nach einem spannenden Auftakt mit dem „Sandmann-Fall“ und dessen Nachfolger „Ken und Barbie“ setzt das Autorenduo Axel Petermann und Petra Mattfeldt die Buchreihe „Im Kopf des Bösen“ fort. Band 3 - „Der Happy Face Killer“ - befasst sich mit einer Mordserie im Umkreis von Bremen, bei der mehrere Frauen entführt, misshandelt, vergewaltigt und getötet wurden. Der Leiter der Mordkommission Bremen fordert die beiden Fallanalytiker Sophie Kaiser und Leonhard Michels an, um den sadistischen Serienkiller zu schnappen. Eine seltsame Zeugin, ein Mord, der nicht ganz ins Bild zu passen scheint und ein skrupelloser Journalist sind nur einige der vielen Hindernisse, die sich den beiden Profilern in den Weg stellen.

Der einnehmende Schreibstil, die Charakterzeichnung der handelnden Figuren und ein komplexer Fall machen auch den dritten Band dieser Reihe zu einem fesselnden Leseerlebnis. Mit Sophie Kaiser und Leonhard Michels hat das Autorenduo authentische, aber ziemlich eigenwillige Protagonisten ersonnen, die mit einer herausragenden Beobachtungsgabe und einem ungewöhnlichen Ermittlungsansatz punkten. Sophie Kaisers spezielle Fähigkeiten, ihre direkte Art, die kühle, analytische Denkweise, aber auch die Aspekte und Auswirkungen ihrer autistischen Züge haben mir ausnehmend gut gefallen.

Die beiden Autoren beleuchten abwechselnd die Arbeit der Profiler und die Aktivitäten des Mörders. Die fieberhafte Suche nach einem Anhaltspunkt bei den Ermittlungen sorgt für Spannung im Buch, die Einblicke in die Welt der Fallanalyse fand ich faszinierend. In dieser auf ein wahres Verbrechen beruhenden Geschichte bleibt die Identität des Mörders sehr lange im Dunkeln, obgleich man viel über ihn erfährt und die Ereignisse aus seiner Sicht mitverfolgen kann. Die Einzelheiten zu den Morden und zur Person des Täters werden nur langsam enthüllt, was den Spannungsbogen weiter erhöht. Nach einem aufregenden Katz-und-Maus-Spiel taucht vor dem Zuschlagen der letzten Buchseite plötzlich jemand auf, der es auf Sophie Kaiser abgesehen hat und „sie für sich haben möchte“. Ob tot oder lebendig wird derzeit noch der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. Der hochspannende Epilog zeichnet dadurch für eine hohe Erwartungshaltung und Vorfreude auf den nächsten Band dieser True-Crime-Reihe verantwortlich. Die Autoren gehen im Nachwort ausführlich auf die realen Fakten und die Person des echten Happy Face Killers ein.

FAZIT: Die fesselnde Neuerscheinung „Im Kopf des Bösen – Der Happy-Face-Killer“ aus der Feder von Petra Mattfeldt und Axel Petermann hat mich sehr gut unterhalten und für spannende Lesestunden gesorgt. Als passionierter Krimi-Fan mit einer Vorliebe für das Profiling und großem Interesse für die verschiedenen Ausprägungen des Autismus lag mein persönlicher Fokus auf der Ermittlungsarbeit von Sophie Kaiser und den faszinierenden Einblicken in die Welt der Fallanalytik. Was mich jedoch störte war die Tatsache, dass nun auch in Romanen die Schreckensherrschaft der gendergerechten, den Lesefluss enorm störenden Sprache Einzug gehalten hat (Kollegen und Kolleginnen, Täter oder Täterin). Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch, das interessante Hintergründe und Einblicke in die Ermittlungsarbeit bei der Aufklärung von Serienmorden bietet, jedem Krimi-Fan ans Herz legen.


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Veröffentlicht am 27.08.2025

Eine Liebe, die begonnen hat, als wir Teenager waren, und die niemals enden wird

Versprich mir, dass du tanzt
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Eine Liebe, die begonnen hat, als wir Teenager waren, und die niemals enden wird

„Es war lange her, dass ich mich in Josh Metcalf verliebt hatte, und eines wusste ich mit absoluter Gewissheit: keiner ...

Eine Liebe, die begonnen hat, als wir Teenager waren, und die niemals enden wird

„Es war lange her, dass ich mich in Josh Metcalf verliebt hatte, und eines wusste ich mit absoluter Gewissheit: keiner von uns beiden wollte, dass dies wieder passierte.“

Als das zwölfjährige Pflegekind Josh nach einer schwierigen Kindheit zu Gordon und Janette Baker nach Elm Close kommt, findet es zum ersten Mal in seinem Leben liebevolle Aufnahme in einem dauerhaften Zuhause. Aufgrund seiner negativen Erfahrungen fällt es dem mürrischen Jungen jedoch schwer, Beziehungen einzugehen. Es ist das naseweise Nachbarsmädchen Lily, das schließlich mit ihrer Hartnäckigkeit zu Josh durchdringt, sich nicht abwimmeln lässt und den großen Bergahorn im Garten der Bakers kurzerhand zu ihrem gemeinsamen Rückzugsort erklärt. Dank Lilys unverblümter Art und ihrem offenen Wesen werden die beiden schnell unzertrennliche Freunde. Der Umzug der Bakers ein paar Jahre später ist besonders für Lily ein schwerer Schlag. Denn sie hat zu lange damit gewartet, Josh ihre Gefühle einzugestehen, die mittlerweile längst über eine Freundschaft hinausgehen.

Jahre später fabriziert Lily als Konditorin köstliche Kreationen, liebt ihren Beruf und ihren Verlobten Adam, der sie auf Händen trägt. Kurz vor der Hochzeit mit Adam kommt es aber zwischen Lily und Josh zu einem fürchterlichen Streit und Josh verschwindet spurlos aus Lilys Leben. Als Adam Lily auf seinem Sterbebett das Versprechen abringt, sich mit Josh zu versöhnen, muss sie ihren ganzen Mut und all ihre Willenskraft aufwenden, um den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes zu erfüllen und Josh ausfindig zu machen.

Die aktuelle Neuerscheinung von Dani Atkins thematisiert das Drama eines viel zu frühen Todes und eine Teenager-Freundschaft, die zur ganz großen Liebe wurde. Den Protagonisten werden zahlreiche Hindernisse in den Weg gelegt, bereits die ersten Seiten sind von Trauer und Leid geprägt, die seelischen Qualen der handelnden Figuren setzen sich im gesamten Inhalt fort. Das Buch ist zwar in einem lockerem Schreibstil verfasst, die Grundstimmung ist aber eher traurig.

Die Protagonisten wurden gut charakterisiert, die Autorin geht auf ihre Gefühls- und Gedankenwelt sowie ihre persönlichen Entwicklungen ein. Dennoch konnte ich mich für keine der Figuren erwärmen, einige Reaktionen und Handlungen vermochten mich zudem nicht zu überzeugen. Zwar stirbt Lilys Ehemann Adam bereits auf den ersten Seiten dieses Romans, dank einiger Rückblenden erfährt man aber ein wenig über das kurze gemeinsame Leben des jungen Paares. Kapitel, welche die Ereignisse in der Vergangenheit thematisieren, sind mit der Angabe eines Zeitraums versehen und kursiv gedruckt. Die optische Aufmachung des Covers mit dem rosafarbenen Hintergrund, dem gleichfarbigen Buchschnitt, der tänzelnden Frauenfigur und den goldenen Lettern stellt einen deutlichen Gegensatz zum bedrückenden Inhalt dar.

Gedanken zum Inhalt (ACHTUNG SPOILER!):
Die Geschichte von Adam, Josh und Lily ließ mich zwiegespalten zurück. Im Grunde fand ich die Entwicklung der innigen Teenager-Freundschaft von Josh und Lily, die zur großen Liebe wurde, berührend und romantisch. Für meinen Geschmack stellen sich den handelnden Figuren aber eindeutig viel zu viele Hürden und Missverständnisse in den Weg. Es gab zudem langatmige Passagen im Buch. Die Entwicklung der Geschichte dauerte gefühlt endlos, aber die Auflösung wurde dann in rasantem Tempo innerhalb weniger Seiten abgehandelt. Als ich nach dem zähen und langwierigen Auf und Ab und dem Gefühlschaos der beiden Hauptfiguren mit diesem unerwarteten und abrupten Ende konfrontiert wurde, war ich im ersten Moment vollkommen fassungslos. Indem die Autorin das gemeinsame Leben von Josh und Lily als Ehepaar lediglich mit wenigen Worten erwähnt und mehr als vierzig Jahre überspringt, fühlte ich mich um die eigentliche Liebesgeschichte, das Happy End, betrogen. Ich erfuhr buchstäblich nichts über das Leben von Josh und Lily, nachdem sie nach über vierhundert Seiten ENDLICH zueinander gefunden hatten. Am Ende der einen Seite stand Lily noch kurz vor der Geburt ihres Sohnes und zu Beginn der nächsten Seite war sie bereits eine alte Frau über siebzig, die im Sterben liegt.

Das Buch war sehr emotional, aber insgesamt betrachtet beinhaltet es bei Weitem viel zu viele Dramen. Es gibt Bücher, die das Herz berühren, die das Innerste mit Wärme erfüllen und für Glücksgefühle sorgen. „Versprich mir, dass du tanzt“ war jedoch aufgrund seiner negativen Grundstimmung bedrückend und hinterließ lediglich einen schalen Nachgeschmack. Ich fand es schrecklich, dass die Protagonisten die meiste Zeit verzweifelt und unglücklich sind und Reue, Verlust und Trauer im Buch dominieren. Dass darüber hinaus auch noch zwei der drei Hauptfiguren sterben, veranlasst mich endgültig dazu, zukünftig von Werken dieser Autorin Abstand zu nehmen. Ich möchte beim Lesen in eine heile Welt eintauchen und furchtbare Schicksale oder tragische Todesfälle zumindest für die Zeit der Lektüre ausblenden können.

Von mir gibt es daher leider keine Leseempfehlung, ich stand hin und wieder tatsächlich kurz davor, das Buch abzubrechen. Es gibt Bücher, die mich begeistern aber es gibt auch Bücher, die mich schwer enttäuschen. „Versprich mir, dass du tanzt“ ist bedauerlicherweise eines davon.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Kopfüber in ein neues Leben - Untermieter in Notting Hill gesucht!

Neuanfang in Notting Hill
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Kopfüber in ein neues Leben - Untermieter in Notting Hill gesucht!

„Die richtige Person kann dein Leben bereichern, anstatt es einzuschränken.“

Auf Anregung ihrer Freundin Pamela entschließt sich die ...

Kopfüber in ein neues Leben - Untermieter in Notting Hill gesucht!

„Die richtige Person kann dein Leben bereichern, anstatt es einzuschränken.“

Auf Anregung ihrer Freundin Pamela entschließt sich die achtzigjährige Joan Armitage, ein Zimmer ihres Hauses im Londoner Stadtteil Notting Hill zu vermieten. Da auch ihr vielbeschäftigter erwachsener Sohn nicht mehr zuhause wohnt, führt die ehemalige Klavierlehrerin mit ihrem einzigen Mitbewohner, dem alten Labrador Humphrey, ein einsames Leben. In dem lebensfrohen Wirbelwind namens Jess Harris findet sie schließlich die passende Kandidatin – die empathische junge Frau bringt wieder Leben und Freude in Joans Alltag. Und während Joan von diesem neumodischen Kram wie Internet und Smartphone nichts wissen will, ist Jess der felsenfesten Überzeugung, offline nicht überleben zu können. Die beiden Frauen wagen schließlich ein Experiment: während Jess sich zu einem Digital Detox bereiterklärt, ist Joan gefordert, ihr Schneckenhaus zu verlassen und sich in der virtuellen Welt zurechtzufinden. Nach und nach verändern sich die Perspektiven der beiden Protagonistinnen, deren Leben durch diese ungewöhnliche Wohngemeinschaft in höherem Maße bereichert wird, als sie es je für möglich hielten.

Große Enttäuschungen im Leben, traumatische Erfahrungen und der Wunsch nach Veränderung werden in diesem Roman thematisiert. Die Autorin befasst sich darüber hinaus mit der Abhängigkeit von Smartphone und Internet sowie der zunehmenden Unfähigkeit, wirklich abschalten zu können. Die Lebensgeschichten von Joan und Jess werden behutsam aufgerollt, dem Leser nach und nach Einblicke in ihre Vergangenheit gewährt. Während Jess von ihrem Exfreund verlassen und um ihre Ersparnisse betrogen wurde, trauert Joan um die Liebe ihres Lebens, die sie vor sechzig Jahren verlor. Das Einblenden alter, handschriftlicher Briefe und einfühlsame Gespräche bilden einen atmosphärischen Hintergrund für diese Geschichte, die mit eindrucksvollen Haupt- und interessanten Nebenfiguren aufwartet. Während Jess und Joan im Mittelpunkt des Geschehens stehen, nehmen Joans Sohn Edward, ihre Nachbarin Pamela sowie Jess‘ beste Freundin Debs wichtige Nebenrollen ein. Weitere Nebenfiguren der Handlung sind Arbeitskollegen und Freunde der Protagonisten, ein pensionierter Ingenieur mit einem Faible für Oldtimer und ein charmanter irischer Journalist. Jess‘ Exfreund Liam und Joans große Liebe Joseph werden vorwiegend in zahlreichen Rückblenden thematisiert.

Die Figuren der Handlung sind liebevoll ausgearbeitet, ihre positiven Eigenschaften, aber auch ihre kleinen Schwächen und Marotten, lassen sie sympathisch erscheinen. Jess und Joan stellen sich der Herausforderung, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und eine neue Richtung einzuschlagen. Im Zuge ihres Experiments erhalten sie eine neue Sichtweise auf viele Dinge. Manche Entwicklungen wirkten auf mich nicht so ganz überzeugend und einige Zufälle schienen mir etwas zu konstruiert. Es gelang Norie Clarke auch nicht, die große Liebe zwischen den Hauptfiguren glaubhaft zu vermitteln. Liam Anderson zeichnet für das Unglück einer der Protagonistinnen verantwortlich, wurde seiner Rolle als Antagonist aus meiner Sicht aber ebenfalls nicht gerecht. Seine Reaktion während der Konfrontation mit seinen Handlungen fand ich eher befremdlich. Zusammengefasst muss ich anmerken, dass einige Szenen durchaus eine gewisse emotionale Resonanz erzeugten, doch ein paar Tränen zwischendurch wogen die Tatsache, dass ich mich nicht so ganz mit den Charakteren identifizieren konnte, nicht auf.

Der große Wendepunkt bahnt sich in dieser Geschichte nur langsam an, das Ende schien mir zu abrupt. Für mich hatte es den Anschein, als würde die Autorin innerhalb weniger Buchseiten einem äußerst konstruierten Happy End entgegenrasen. Besonders den Ausgang der Liebesgeschichte zwischen Joseph und Joan – eine Liebe, die ich vergeblich zwischen den Zeilen zu entdecken hoffte – empfand ich als ziemlich abwegig.

FAZIT: Die Geschichte hatte definitiv Potenzial und basiert auf interessanten Themen, die Umsetzung wies jedoch kleine Schwächen auf. „Neuanfang in Notting Hill“ erwies sich dank des locker-leichten Schreibstils, zahlreicher humorvoller Passagen sowie sympathischer Figuren nichtsdestotrotz als sehr unterhaltsame Lektüre. Ich empfand dieses Buch als charmante Sommerlektüre, bei dem man nicht allzu viel hinterfragt, sondern sich einfach berieseln lässt. Es mutet wie ein Märchen für Erwachsene an, welches aufgrund der flapsigen Sprache, der Einbindung diverser Kraftausdrücke und dem kleinen Mangel an Tiefgang und Glaubwürdigkeit an einer Fünf-Sterne-Bewertung vorbeischrammt.

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