Freundschaft, die stärker ist als der Krieg
Der Krieg liegt in diesem Buch nicht nur im Hintergrund, er durchzieht jede Seite. Zerstörte Landschaften, erschöpfte Menschen und eine Welt, in der Moral plötzlich keine einfachen Antworten mehr kennt. ...
Der Krieg liegt in diesem Buch nicht nur im Hintergrund, er durchzieht jede Seite. Zerstörte Landschaften, erschöpfte Menschen und eine Welt, in der Moral plötzlich keine einfachen Antworten mehr kennt. Und mitten darin vier junge Menschen, die sich eigentlich nie hätten begegnen sollen und trotzdem alles füreinander werden.
Tarek, Nata, Ren und der kleine Tuk treffen sich in den letzten Tagen eines Krieges, der ihnen längst alles genommen hat. Als sie mit Spaten bewaffnet aufs Schlachtfeld geschickt werden sollen, entscheiden sie sich für etwas, das mehr Mut braucht als jeder Angriff. Sie laufen weg. Beim Lesen dieser Szene blieb plötzlich eine Seite länger offen. Neben mir kam nur ein leises Das kann doch nicht gut gehen. Wir haben beide kurz innegehalten und weitergelesen, als müssten wir selbst wissen, ob sie es schaffen.
Was dieses Buch so besonders macht, ist nicht nur die Geschichte selbst, sondern die Nähe zu den Figuren. Ihre Angst, ihre Scham, ihre Erinnerungen fühlen sich erschreckend echt an. An einer Stelle haben wir gleichzeitig aufgeschaut, weil eine Szene so brutal ehrlich war. Ein leises Das ist schlimm kam von der Seite des Sofas, und ich konnte nur nicken. Genau solche Momente haben unser gemeinsames Lesen begleitet.
Und dann gibt es diese stillen Augenblicke zwischen den vier Freunden. Kleine Gesten, vorsichtige Gespräche, ein vorsichtiges Vertrauen, das langsam wächst. Während ich eine Passage laut vorgelesen habe, kam plötzlich ein überraschtes Aber sie beschützen sich ja wirklich. Genau in solchen Momenten merkt man, wie stark diese Geschichte von Freundschaft getragen wird.
Eva Kranenburg schreibt intensiv, ehrlich und mit einer Wärme, die selbst durch die dunkelsten Szenen hindurchscheint. Am Ende haben wir das Buch zugeklappt und noch einen Moment still dagesessen. Dann kam nur der leise Satz Das war ein richtig starkes Buch. Mehr musste eigentlich gar nicht gesagt werden.