Profilbild von Girdin

Girdin

Lesejury Star
offline

Girdin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Girdin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2021

Obwohl die Figuren Höhen und Tiefen erleben ein Roman zum Wohlfühlen

Montags bei Monica
0

Der Roman „Montags bei Monica“ ist das Debüt der Engländerin Clare Pooley. Sie schildert darin die ungewöhnliche Verwendung eines Notizbuchs. Es wird von dem betagten Künstler Julian im Café der 37-jährigen ...

Der Roman „Montags bei Monica“ ist das Debüt der Engländerin Clare Pooley. Sie schildert darin die ungewöhnliche Verwendung eines Notizbuchs. Es wird von dem betagten Künstler Julian im Café der 37-jährigen Monica bewusst zurückgelassen. Auf die Außenseite des lindgrünen Hefts hat Julian die Worte „Projekt Aufrichtigkeit“ geschrieben, die erste Seite enthält dazu eine kurze Erläuterung. Der Künstler weist darauf hin, dass man meistens nicht die Wahrheit über die Personen erfährt, denen man im Alltag begegnet. Der Eindruck wird verzerrt, Erfahrungen und Wünsche des Gegenübers bleiben verborgen. Die Geschichten im Notizbuch sollen aufrichtig sein. Julian nimmt einen ersten Eintrag zum Thema vor und hinterlässt dazu das Resümee über sich selbst, dass er sich einsam fühlt.

Monica hat gesehen, dass Julian das Notizbuch liegen gelassen hat. Sie selbst hat nach Jahren als Unternehmensanwältin die Selbständigkeit gesucht, kämpft aber damit, das Café profitabel zu gestalten. Ihr kommt eine Idee, wie sie Julian eine Beschäftigung bieten kann, die sie direkt in die Tat umsetzt. Was sie zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß ist, dass „Montags bei Monica“ ein regelmäßiger Treffpunkt von Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften zu einem bestimmten Zweck wird. Monica schreibt ebenfalls einen Eintrag ins Heft und hinterlässt es in der Weinbar gegenüber ihrem Kaffeehaus. Von hieraus tritt es seine Reise zu weiteren vier Findern an.

Clare Pooley schaut nicht nur auf die positiven Eigenschaften ihrer handelnden Personen, sondern zeigt sie auch von einer weniger angenehmen Seite mit wechselhaften Stimmungen. Die Eintragungen im Buch sollen die Finder so abbilden, wie sie sich selbst realistisch sehen und nicht so, wie sie ihr Bild in der Öffentlichkeit hinterlassen. Die Sozialen Medien erhalten dabei eine besondere Rolle. Die Autorin verdeutlicht, was vor einigen Jahrzehnten und heute das Ansehen einer Person ausmacht. Allerdings bringen die Geschichten es mit sich, dass sie Momentaufnahmen sind und die Figuren sich im Leben weiterentwickeln. Beachtenswert ist auch die subjektive Betrachtungsweise des einzelnen beim Abfassen des eigenen Eintrags. Daraus ergeben sich gewisse Konflikte, die neben der gutgemeinten, aber nicht immer geschätzten Unterstützung durch die anderen Finder des Notizbuchs für die Leser*innen berührend sind oder auch amüsant.

Geschickt verknüpft die Autorin das Leben von sechs Personen miteinander. Ihre eigenen Erfahrungen, beispielsweise als Bloggerin, bringt sie in ihre Erzählung ein und gestaltet sie dadurch authentisch. Sie lenkt den Blick auf Probleme, denen man im Alltag begegnet. Neben Einsamkeit finden sich zum Beispiel Alkoholismus, Geldnöte und die Überforderung als Mutter. In die Geschichte ist auch eine Spur vom gesellschaftlichen Wandel zu spüren. Im mittleren Teil kommt es zu einer kleinen Länge. Das Finale kann nochmal mit einer unerwarteten Wendung überraschen.

Die letztlich miteinander verbundenen und verschiedenartig beschriebenen Figuren erleben im Roman „Montags bei Monica“ von Clare Pooley nicht nur gute Zeiten erleben. Und dennoch ist es eine Erzählung zum Wohlfühlen, weil zwischen den Zeilen immer die Hilfsbereitschaft und der Zusammenhalt der handelnden Personen zu spüren ist. Gerne empfehle ich den Roman daher weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.10.2021

Eine persönliche ehrliche Sicht auf Marokko, seine Bewohner und Traditionen

Auf Basidis Dach
0

Mona Ameziane schreibt in ihrem Buch „Auf Basidis Dach“ wie es im Untertitel heißt „über Herkunft, Marokko und meine halbe Familie“. Es ist Fakt, dass ihr Vater in Marokko geboren und aufgewachsen ist ...

Mona Ameziane schreibt in ihrem Buch „Auf Basidis Dach“ wie es im Untertitel heißt „über Herkunft, Marokko und meine halbe Familie“. Es ist Fakt, dass ihr Vater in Marokko geboren und aufgewachsen ist und daher ein großer Teil der Familie der Autorin immer noch in und um Fès lebt. Mona Ameziane setzt sich in ihrer Erzählung mit ihrer Zugehörigkeit zu zwei Staaten, mit ihren beiden Heimaten im Westen Deutschlands und Nordosten Marokkos auseinander und wählt dazu eine offene und ehrliche Sprache.

Ihren inzwischen verstorbenen Großvater hat die Autorin Basidis gerufen so wie alle Großväter in Marokko genannt werden. Auf dem Dach seines Hauses steht sie gerne und lässt ihre Blicke über die Häuserdächer der Nachbarschaft schweifen, hier treffen sich Mitglieder der Familie und hier werden aber auch während des jährlichen Aid el Kebir Schafe geopfert.

Mona Ameziane zieht Vergleiche zwischen den beiden Kulturen. Ein- oder mehrfach im Jahr verbringt sie ihren Urlaub in Marokko, als Jugendliche hat sie ein Schuljahr dort verbracht. Sie zeigt die Unterschiede im Umgang der Menschen miteinander auf und schaut auf die gesetzlichen Regelungen sowie Konventionen des afrikanischen Lands und Deutschlands. Ihr großer Wunsch ist es, den Geburtsort ihrer Großmutter aufzusuchen. Für diese Spurensuche wendet sie sich an ihren Vater, der sie auf eine gemeinsame Reise nach Nordafrika begleitet. Auf ihrem abenteuerlichen Weg konnte ich beim Lesen die beiden begleiten.

Als Journalistin kommt die Autorin immer wieder mit kritischen Themen in Berührung und auch in ihrer eigenen Auseinandersetzung mit Herkunft und Kultur wählt sie Worte der eigenen Zu- oder Abneigung mit Respekt aus. In Rückblicken schildert sie Selbsterlebtes aus beiden Ländern, ihre Beobachtungen würzt sie gerne mit einer Prise Humor.

Mona Ameziane brachte mir in ihrem Buch „Auf Basidis Dach“ aus einer ganz persönlichen ehrlichen Sicht mit ebenso privaten Einsichten das Land Marokko, seine Bewohner und seine Traditionen näher. Ihr Bericht stimmte mich nachdenklich und wird mir in Erinnerung bleiben. Definitiv ein Buch, das ich gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2021

Solide gearbeiteter Thriller mit aufsehen erregenden Morden

Trauma - Kein Vergessen
0

„Trauma – Kein Vergessen“ von Christoph Wortberg ist der zweite Band der Trauma-Trilogie. Auch diesmal ermittelt wieder die Hauptkommissarin Katja Sand von der Mordkommission München und ihr Kollege Rudi ...

„Trauma – Kein Vergessen“ von Christoph Wortberg ist der zweite Band der Trauma-Trilogie. Auch diesmal ermittelt wieder die Hauptkommissarin Katja Sand von der Mordkommission München und ihr Kollege Rudi Dorfmüller. Der Prolog deutet darauf hin, dass hier der Täter erzählt. Ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt verschweigt der Autor bewusst. Deutlich wird nur, dass die entsprechende Person niemals vergessen konnte, was mit ihr als Kind geschehen ist. Für diejenigen, die den ersten Teil nicht gelesen haben, gibt es an entsprechenden Stellen für das Verständnis Zusammenfassungen, so dass man den Band auch unabhängig davon lesen kann.

Katja Sand und Rudi Dorfmüller werden mit einem brutalen Mord an einer Rentnerin konfrontiert. Der Tatverdacht fällt auf den von ihr geschiedenen Ehemann. Die Ermittlerin zieht den Psychoanalytiker Dr. Alexander Hanning hinzu, der für seine Taten zurzeit im Gefängnis inhaftiert ist. Durch dessen Überlegungen gelingt es Katja Sand, Parallelen zu einer Serie von Morden an Frauen zu finden, die schon einige Jahre zurückliegt. Der damalige Täter wurde gerade aus der Haft entlassen. Bevor genügend Beweise gefunden wurden, um den Mörder zu überführen, geschieht ein weiteres Verbrechen. Ein älterer Mann wird auf die gleiche Weise getötet wie die Rentnerin. Der Fall passt allerdings nicht zum bisher angedachten Motiv.

Christoph Wortberg bindet in seine Geschichte ein sehr sensibles und bewegendes Thema ein. Katja Sands Privatleben ist inzwischen zur Ruhe gekommen, sowohl zu ihrer Tochter wie auch zu ihrer Mutter hat sich das Verständnis füreinander gebessert. Der Autor legt im Laufe der Erzählung ein weiteres Puzzlestück offen, welches das Bild des Traumas zusammensetzt, das die Ermittlerin aus ihrer Vergangenheit her vor allen verbirgt, sie aber emotional nicht loslässt. Katja Sand ist klar, dass Dr. Hanning Interesse daran hat, ihre schmerzhaften Erinnerungen offen zu legen. Dennoch hat sie für sich abgewogen, dass seine Hilfe bei den aktuellen Ermittlungen unumgänglich ist, was für mich nicht ganz schlüssig war.

Die Konstruktion des Thrillers finde ich gelungen, auch wenn die Fallermittlungen durch die Suche nach einem Motiv ins Stocken geraten und zu kleinen Längen führen. Katja Sand und Rudi Dorfmüller arbeiten durch ihre jahrelange Zusammenarbeit mit Vertrauen füreinander und dem Wissen und der Akzeptanz um die einzelnen Macken des jeweils anderen. In das Privatleben des Kommissars, der Anfang Dreißig ist, kommt Bewegung. Die beinhaltete Leseprobe des dritten Bands verspricht einen Abschluss der Trilogie, die die Ermittler nochmal auf besondere Weise herausfordern wird.

„Trauma – kein Vergessen“ von Christoph Wortberg ist ein solider gearbeiteter Thriller mit aufsehen erregenden Morden und einer Ermittlerin, die sich Gedanken über die Konsequenzen einer Verurteilung für den Mörder macht und ihre eigene seelische Erschütterung noch nicht überwinden kann. Der vorliegende Teils der Trilogie macht neugierig auf den abschließenden Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2021

Kriminelle Handlung überrascht mit mystischen Elementen und schrägen Figuren

The Stranger Times
0

„The Stranger Times“ des irischen Bestsellerautors und Stand-Up-Comedian Caimh McDonnell, der hier unter dem Pseudonym C.K. McDonnell schreibt, ist ein Buch, klar. Gerne nenne ich an dieser Stelle nun ...

„The Stranger Times“ des irischen Bestsellerautors und Stand-Up-Comedian Caimh McDonnell, der hier unter dem Pseudonym C.K. McDonnell schreibt, ist ein Buch, klar. Gerne nenne ich an dieser Stelle nun das Genre, aber in diesem Fall ist das nicht einfach: Komödiantische Fantasy, krimineller Schauerroman trifft es alles. Doch im Prinzip geht es um die Klärung der Frage im Untertitel „Was, wenn die seltsamsten News die wirklich wahren wären?“ Dazu lohnt sich ein Blick hinter die Fassade und damit das genauere Hinsehen auf die Umschlaggestaltung, denn innerhalb der Wiskeyflasche sind kleine Szenen zu sehen, die Bezug auf die Geschichte nehmen.

Im Prolog gibt der Autor einen kleinen Vorgeschmack auf ein mysteriöses Ereignis, eventuell ein Verbrechen, das im Folgenden von verschiedenen Gruppen aufzuklären sein wird. Zu einer dieser Ermittlungsteams gehört Hannah Willis, die nach der Trennung von ihrem gutbetuchten Ehemann auf der Suche nach Arbeit bei der Stranger Times eine Stelle als stellvertretende Chefredakteurin findet. „The Stranger Times“ ist eine Wochenzeitung in Großbritannien, die ihre Artikel wie der Name schon sagt, dem Fremden und Unbekannten in unserer Welt widmet. Zur Veranschaulichung sind zwischen einigen Kapiteln zum großen Vergnügen beispielhaft Zeitungsberichte zu lesen. Kaum hat Hannah in der Redaktion angefangen, ereignen sich dramatische Begebenheiten, die unglaubwürdig klingen, aber wahr sind.

Bereits die Jobanzeige, auf die die beruflich unerfahrene Hannah sich bewirbt, klingt anders als alle, die sie bis dahin gelesen hat und ebenso ungewöhnlich gestaltet sich ihr Bewerbungsgespräch. Doch die Not, ab sofort für sich selbst sorgen zu müssen, macht ihr die Entscheidung für eine Zusage einfach. Hannah ist eine der mit gelungenen persönlichen Eigenschaften versehenen Charaktere der Angestellten der Wochenzeitung. Dazu gehören ferner die fürsorgliche Büroleiterin Grace, die noch junge rebellische Stella, der rüpelhafte Chefredakteur und Alkoholiker Vincent und die beiden Reporter Reggie und Ox, die einander in ihrem Glauben an das Übernatürliche ergänzen. Das Figurenensemble liefert sich in Dialogen manchen amüsanten Schlagabtausch.

Die Story spielt in Manchester, einer trubeligen Stadt in der sich Arm und Reich, Einheimische und Zugewanderte aufhalten. Es geschehen seltsame Dinge, die zwar bemerkt werden, denen aber keine besondere Bedeutung beigemessen wird, was von einigen Beteiligten genauso gewünscht ist. Merkwürdige Gestalten agieren nach ihren eigenen Regeln. Die Geschichte bleibt trotz des Chaoses nachvollziehbar und entwickelt sich beständig voran mit zahlreichen kuriosen Einfällen und unerwarteten Wendungen.

Im ersten Band seiner auf drei Teile ausgelegten Serie „The Stranger Times“ zeigt C.K. McDonnell seinen Humor in Situationsbeschreibungen, Dialogen, manchmal in Übertreibungen, auch mal sarkastisch. Die Erzählung überrascht mit einer kriminellen Handlung in die mystische Elemente Eingang finden und bietet reihenweise eigenartige und schräge Figuren. Auf diese Weise sorgt der Roman für eine ungewöhnliche empfehlenswerte Unterhaltung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2021

Ideen zum Wohlfühlen für das ganze Jahr

Ein Buch, vier Jahreszeiten. Wohlfühlideen, Rezepte und Geschichten für ein ganzes Jahr
0

„Ein Buch, vier Jahreszeiten“ aus dem Verlag arsEdition beinhaltet Wohlfühlideen, Rezepte und Geschichten für ein ganzes Jahr, wie es im Untertitel heißt. Es ist ein rundum gelungenes Buch, das den Leser ...

„Ein Buch, vier Jahreszeiten“ aus dem Verlag arsEdition beinhaltet Wohlfühlideen, Rezepte und Geschichten für ein ganzes Jahr, wie es im Untertitel heißt. Es ist ein rundum gelungenes Buch, das den Leser und die Leserin in vielfacher Form mit durch die Jahreszeiten nimmt. Stimmungsvolle Fotos und bunte Illustrationen, mal klein, mal ganzseitig vermitteln mir beim Betrachten ein behagliches Gefühl. Wissenswerte Fakten, Anregungen zum Selbermachen, überlieferte Bräuche, schmackhafte Rezepte, Gedichte, Sprüche und Märchen sorgen für ein abwechslungsreiches Leseerlebnis.

Die Beiträge hat Kristin Funk zusammengestellt und einige Texte davon selbst geschrieben, das Atelier für grafische Gestaltung Eva Schindler hat die Aufmachung des Innenteils übernommen. Ein Überblick auf den ersten Seiten, sorgt unter dem Titel der jeweiligen Jahreszeit für ein schnelles Auffinden des gesuchten Inhalts. Kristin Funk hat das Besondere jeder Jahreszeit herausgearbeitet und sichtbar gemacht.

Die opulente Aufmachung mit einer durchgehend wunderschönen Seitengestaltung fordert dazu auf, immer wieder in die Hand genommen zu werden. Über das ganze Jahr hinweg finden sich Ideen, wie man selbst dazu beitragen kann, sich wohlzufühlen. Das Buch ist inspirierend und entschleunigend für Leser und Leserinnen, die sich durch eine ästhetische Gestaltung ansprechen lassen. Es eignet sich auch hervorragend als Geschenk.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere