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21,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Hoffmann und Campe
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Umwelt
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 07.01.2025
  • ISBN: 9783455018769
George R. Stewart

Sturm

Jürgen Brôcan (Übersetzer), Roberta Harms (Übersetzer)

Kalifornien wird seit Monaten von einer verheerenden Dürre geplagt, als ein Schiff aus dem fernen westlichen Pazifik eine ungewöhnliche Messung meldet. Ein junger Meteorologe in San Francisco nimmt die Anomalie zur Kenntnis und tauft sie insgeheim Maria.

Mit rasanter Geschwindigkeit wächst Maria zu einem gewaltigen Sturm heran, entwickelt ein Eigenleben und bahnt sich ihren Weg von der Pazifikküste in die Sierra Nevada und darüber hinaus. Meteorologen, Schneepflugfahrer, ein General, ein Liebespaar und eine unglückliche Eule verfolgen Marias zerstörerischen Weg durch die USA mit ebenso großer Sorge wie Faszination. Der Sturm fegt durch die Staaten, bringt lang ersehnten Regen, überflutet Täler, vergräbt ganze Bergketten im Schnee, und macht den Menschen unbestreitbar bewusst, wie sehr das Wetter ihr Leben bestimmt.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2025

Nicht ganz einfach

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Amerika im Winter 1940, in Kalifornien hoffen die Farmer verzweifelt auf Regen und damit auf ein Ende der andauernden Dürre. Leider deutet nichts darauf hin, das sich das Wetter bald ändern wird, täglich ...

Amerika im Winter 1940, in Kalifornien hoffen die Farmer verzweifelt auf Regen und damit auf ein Ende der andauernden Dürre. Leider deutet nichts darauf hin, das sich das Wetter bald ändern wird, täglich beobachten die Meteorologen im Wetteramt die Entwicklungen, tragen Daten zusammen, die ihnen von Schiffen und anderen Standorten gemeldet werden und erstellen damit Karten für ihre Vorhersagen. Ein Jung Meteorologe ist bereits etwas gelangweilt von seiner ereignislosen Tätigkeit und ärgert sich, nicht den Job am Flughafen angenommen zu haben, dort müsste er nicht die Anrufe besorgter Hausfrauen entgegennehmen, die wissen möchten, ob sie ihre Wäsche gefahrlos nach draußen hängen können. Nein, heute definitiv kein Regen, lautet seine eintönige Antwort. Um seine Tätigkeit etwas interessanter zu gestalten hat sich der JM angewöhnt den heranwachsenden Stürmen auf seiner Wetterkarte namen zu geben, Frauennamen, die auf ia enden. Einige davon verpuffen schon recht kurz nach ihrer Geburt über dem Meer, andere sind hartnäckig, nehmen auf ihrer Reise über das Wasser ständig an Fahrt auf und haben die Bezeichnung Sturm auch tatsächlich verdient, so wie Maria.

Maria, der Sturm, ist die ungewöhnliche und absolut einzigartige Protagonistin dieses ebenso ungewöhnlichen und einzigartigen Romans. Erst ein kleines Lüftchen irgendwo im Pazifik, nur erkennbar durch die Werte am Barometer, später ein imposanter Sturm, der Schiffe in Seenot bringt. Und neben Maria die menschlichen Protagonisten der Geschichte, die Menschen, die beruflich mit Maria zu tun bekommen, wie die Meteorologen, der Chef der Elektrizitätswerke, der Verantwortliche für die Staudämme, der Chef der Telefongesellschaft, die Mitarbeiter der Straßenmeisterei, die Fahrer von Schneefräsen und die, auf andere Weise von Maria und ihren Folgen betroffen sind.

Die Herangehensweise des Autors an dieses Buch ist wirklich sehr speziell. Unglaublich detailliert schildert er physikalische Gesetzmäßigkeiten, die Vorgänge die sie in Gang setzen und die daraus resultierenden Folgen. Der Leser begleitet so nicht nur sehr bildhaft und minutiös die Entstehung von Maria, sondern zb auch die unglückliche und letztlich tödliche Zwischenlandung einer Eule auf einer Telefonleitung, der daraus resultierenden, eigentlich unbedeutenden Beschädigung dieser Leitung bis hin zu ihrem finalen Ausfall durch weitere sturmbedingte Zufälle. Es ist wirklich unfassbar, welche Mühe hinter all dem steckt, wie der Autor so eins zum anderen bringt, vom hundertsten zum tausendsten kommt, den sogenannten Schmetterlingseffekt beschreibt. Da ist dann ein Unfall, eben nicht nur ein Unfall, sondern eine Verkettung vieler kleiner Zufälle, wie einem morschen Baum an dem ein Eichhörnchen nagt und der vom Regen unterspült wird und deshalb ein Stück verrutscht und, ach, lesen sie es doch einfach selbst.

All diese Beschreibungen sind zwar sehr kleinteilig, aber unglaublich interessant. Weniger interessant, sondern für mich eher langatmig waren hingegen die wissenschaftlichen Beschreibungen. Seitenweise darüber zu lesen, wie Luftmassen sich an Berghängen verhalten, oder welche Wetterlage bei welchem Barometerstand zu erwarten ist, ist wahrscheinlich für Leser interessant, die einen Bezug zu dieser Thematik haben, ich mochte es nur bedingt. Zum Glück waren die Kapitel von recht unterschiedlicher Länge, manchmal sogar überraschend kurz und eben immer wieder unterbrochen von den persönlichen Geschichten zu den anderen Figuren, oder auch durch Schlagzeilen aus der Tagespresse, oder Radiomeldungen. Egal aber um welche Thematik es sich handelt, George R. Stewart schreibt so wunderbar opulent, bildhaft, atmosphärisch, philosophisch und poetisch, wie ich es bisher nur selten gelesen habe. Wortwörtlich kann man hier sagen, sogar der Wetterbericht klingt bei ihm wie ein Poem. Warum, wird sich mancher jetzt allerdings fragen, habe ich das Buch dann nur mit drei Sternen bewertet? Einfach, weil ich es, trotz dieser Sprachgewalt, stellenweise als unglaublich schwer, langatmig, ermüdend und anstrengend empfunden habe. Ich glaube ich habe noch nie ein Buch gelesen, an dem ich so lange festgehangen habe. Obwohl die Kapitel oft so kurz waren, habe ich es nie geschafft längere Abschnitte zu lesen, meist war mir das Ganze schon nach zwanzig, dreißig Minuten zu viel und ich habe das Buch zur Seite gelegt und pausiert, mehr als einmal war ich tatsächlich kurz davor abzubrechen, weil ich dachte ich würde es nie schaffen das Buch zu beenden. Es war ein Kampf, anders kann ich es nicht beschreiben. Das Buch hat mich in seiner Gesamtheit an meine Grenzen gebracht, es ist auf der einen Seite ein literarischen Kunstwerk, ein gelungenes Experiment, ein Novum, aber auf der anderen Seite einfach Arbeit, richtig harte Arbeit für mich als Leser und trotzdem bin ich froh, dass ich es gelesen habe und das ist letztlich auch der Grund für nicht weniger als solide drei Sterne.

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Veröffentlicht am 03.01.2025

Der Sturm Maria

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Sturm – George R. Stewart
Mein Problem mit diesem Roman ist eindeutig die falsche Erwartungshaltung, mit der ich die Lektüre begonnen habe. Ich dachte, ich hätte es mit einem der modernen Wissenschaftsthriller ...

Sturm – George R. Stewart
Mein Problem mit diesem Roman ist eindeutig die falsche Erwartungshaltung, mit der ich die Lektüre begonnen habe. Ich dachte, ich hätte es mit einem der modernen Wissenschaftsthriller nach dem Vorbild von Schätzing etc. zu tun. Jedoch weit gefehlt. Dieses Buch kann man vermutlich gar nicht in ein Genre einordnen. Es ist weder Roman noch Thriller. Meist erinnert es eher an ein Sachbuch, aber auch das nicht durchgängig.
Ganz klare Protagonistin dieses Werkes ist der Sturm Maria. Es gibt zwar ein paar menschliche Nebenfiguren, die bleiben aber recht blass. Der Autor hat scheinbar ein Faible für meteorologische/geologische Fakten. Sicherlich über die Hälfte des Buches besteht aus Texten wie diesem:
„Bevor die Polarluft begonnen hatte, sich aus der Arktis zu ergießen, hatte eine tropische Luftmasse zwischen Hawaii und der nordamerikanischen Küste geruht. Während der Tage des polaren Ansturms blieb diese tropische Luft größtenteils intakt und unverändert. Die ungewöhnliche atmosphärische Aktivität im Norden hatte sie südwärts gedrängt,…“
„Die gewaltigen, stetigen Flüsse schneiden nur hier und da in ihre Ufer ein, andernorts schütten sie Auen auf oder strecken die langen Finger ihrer Mündungen in den Ozean.“
Auf den ersten Blick durchaus reizvoll und interessant, auf lange Sicht aber für mich persönlich zu viel. Vor allem weil ansonsten kaum etwas passiert.
Wir begleiten also Maria von ihrer Entstehung irgendwo vor Japan bis zu ihrer Entladung über dem amerikanischen Kontinent. Neben der detaillierten Erläuterung diverser Luftströme geht es hier auch noch um die Auswirkungen von Maria. Telegraphenmasten müssen regelmäßig repariert werden, der Flugverkehr hat Schwierigkeiten. Die Arbeitsbedingungen und die große Verantwortung der Meteorologen ist ebenfalls ein großes Thema. Das Problem bei all der Technik ist nur, dass diese augenscheinlich nicht auf dem aktuellen Stand ist. Erst nach einer Recherche im Internet bin ich darauf gestoßen, dass dieser Roman des bereits 1980 verstorbenen Autors im Jahre 1942 veröffentlicht wurde. Das erklärt so einiges.
Die wenigen Menschen, die auftauchen, scheinen dem Autor nicht besonders am Herzen gelegen zu haben. Einige werden gleich wieder dahingerafft, andere lässt er in keinem guten Licht erscheinen. Anfangs sind es immer nur kurze, wenige Seiten lange Schnipsel, die erst im Laufe des Romans einen Zusammenhang erkennen lassen. Aber es ist mühevoll.
Tja, möglicherweise ist dies tatsächlich der erste Klima-Roman. Ich fand es nicht uninteressant, aber mir persönlich war es doch insgesamt etwas zu trocken. Am Ende ist es wohl eine Frage der Herangehensweise. Hätte ich das Buch gleich als Klassiker eingeordnet und gelesen, wäre mein Urteil möglicherweise gnädiger ausgefallen.
3 Sterne


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