Abgründe
UltramarinUltramarin – Ann-Christin Kumm
Drei junge Menschen mieten sich in einem Ferienhaus an der dänischen Küste ein. Unbeschwert verläuft dieser Urlaub jedoch nicht. Denn zwischen Raf, Lou und Nora entfaltet ...
Ultramarin – Ann-Christin Kumm
Drei junge Menschen mieten sich in einem Ferienhaus an der dänischen Küste ein. Unbeschwert verläuft dieser Urlaub jedoch nicht. Denn zwischen Raf, Lou und Nora entfaltet sich ein komplexes, äußerst toxisches Beziehungsgeflecht.
Raf und Lou unterhalten bereits seit Jahren eine ungleiche, queere On-Off-Beziehung. Dass die beiden Männer homosexuell sind, spielt in dieser Geschichte für mich aber eigentlich höchstens eine untergeordnete Rolle. Viel gravierender ist Rafs eklatante Persönlichkeitsstörung, die immer offensichtlicher wird, für die der hörige Lou aber völlig blind zu sein scheint. Nora hingegen ist zum ersten Mal mit den beiden auf Reisen und scheint auf unglückliche Weise zwischen die Fronten zu geraten.
Raf manipuliert, spielt seine Macht aus und testet immer weiter Lous Grenzen aus – etwas, das dieser gar nicht zu besitzen scheint. Rückblenden in die Vergangenheit und damit in die Anfangszeit der beiden zeigen bereits deutliche Warnsignale. Auch Klassenunterschiede, die das ungleiche Machtverhältnis nur noch weiter manifestieren, sind ein Thema.
Frau Kumm hat einen bemerkenswert direkten, wenn auch manchmal etwas knappen Erzählstil. Schonungslos und mit großer Nähe führt sie ihre Leser ganz dicht an ihre Figuren heran – und lässt sie fassungslos zurück. Oft arbeitet sie mit kleinen, schockierenden Andeutungen. Die Geschichte ist psychologisch äußerst tiefgründig. Sowohl Raf als auch Lou sind auf ganz unterschiedliche Art und Weise sehr interessante Charaktere.
Es entsteht ein gewaltiger Sog und eine Spannung, die sich bis zum Finale hochschraubt.
Spannend, verstörend, bedrückend.
4 Sterne