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Veröffentlicht am 15.03.2026

Abgründe

Ultramarin
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Ultramarin – Ann-Christin Kumm
Drei junge Menschen mieten sich in einem Ferienhaus an der dänischen Küste ein. Unbeschwert verläuft dieser Urlaub jedoch nicht. Denn zwischen Raf, Lou und Nora entfaltet ...

Ultramarin – Ann-Christin Kumm
Drei junge Menschen mieten sich in einem Ferienhaus an der dänischen Küste ein. Unbeschwert verläuft dieser Urlaub jedoch nicht. Denn zwischen Raf, Lou und Nora entfaltet sich ein komplexes, äußerst toxisches Beziehungsgeflecht.
Raf und Lou unterhalten bereits seit Jahren eine ungleiche, queere On-Off-Beziehung. Dass die beiden Männer homosexuell sind, spielt in dieser Geschichte für mich aber eigentlich höchstens eine untergeordnete Rolle. Viel gravierender ist Rafs eklatante Persönlichkeitsstörung, die immer offensichtlicher wird, für die der hörige Lou aber völlig blind zu sein scheint. Nora hingegen ist zum ersten Mal mit den beiden auf Reisen und scheint auf unglückliche Weise zwischen die Fronten zu geraten.
Raf manipuliert, spielt seine Macht aus und testet immer weiter Lous Grenzen aus – etwas, das dieser gar nicht zu besitzen scheint. Rückblenden in die Vergangenheit und damit in die Anfangszeit der beiden zeigen bereits deutliche Warnsignale. Auch Klassenunterschiede, die das ungleiche Machtverhältnis nur noch weiter manifestieren, sind ein Thema.
Frau Kumm hat einen bemerkenswert direkten, wenn auch manchmal etwas knappen Erzählstil. Schonungslos und mit großer Nähe führt sie ihre Leser ganz dicht an ihre Figuren heran – und lässt sie fassungslos zurück. Oft arbeitet sie mit kleinen, schockierenden Andeutungen. Die Geschichte ist psychologisch äußerst tiefgründig. Sowohl Raf als auch Lou sind auf ganz unterschiedliche Art und Weise sehr interessante Charaktere.
Es entsteht ein gewaltiger Sog und eine Spannung, die sich bis zum Finale hochschraubt.
Spannend, verstörend, bedrückend.
4 Sterne

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2026

Geheimnisse

Kala
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Kala – Colin Walsh
Diesen Roman würde ich als literarischen Thriller einordnen. Durchaus spannend aber doch auch sehr gemächlich. Es dauert, bis sich die ersten Lösungsansätze zeigen. Dafür gibt es relativ ...

Kala – Colin Walsh
Diesen Roman würde ich als literarischen Thriller einordnen. Durchaus spannend aber doch auch sehr gemächlich. Es dauert, bis sich die ersten Lösungsansätze zeigen. Dafür gibt es relativ viel Personal, das akribisch und bis ins letzte Detail beschrieben und vorgestellt wird. Das dauert – dann jedoch wird es zum unbeschreiblichen Leseerlebnis.
Vor fünfzehn Jahre ist in der Kleinstadt Kinlough an der irischen Westküste ein Mädchen spurlos verschwunden. Zu einer Hochzeit kehren einige ihrer damaligen Freunde an den Ort zurück – andere sind nie weggewesen. Natürlich werden Erinnerungen und Schuldgefühle an die Oberfläche gespült. Es ist spannend zu sehen, welchen Einfluss dieser Schicksalsschlag auf die damaligen Jugendlichen, heutigen Erwachsenen hatte und immer noch hat.
Nach und nach kommen immer mehr Einzelheiten rund um den Vermisstenfall und die Dynamik zwischen den Freunden ans Licht. Tatsächlich werden plötzlich sterbliche Überreste im Wald entdeckt. Es gibt hier mehr als nur ein Geheimnis, das gelüftet werden will.
Man muss eine gewisse Gemächlichkeit in der Erzählweise sicherlich mögen. Anfangs fand ich auch die zahlreichen Figuren ein wenig verwirrend. Hier hilft eine Übersicht am Buchanfang. Zu allem Überfluss wird relativ häufig und abrupt zwischen den beiden Handlungszeiten hin und hergesprungen. Es kann also durchaus ein wenig dauern, bis man sich zurechtgefunden hat. Dann entfaltet sich aber eine extrem komplexe Geschichte, die es sich wirklich zu lesen lohnt und die einen gewaltigen Sog entwickelt.
Es wird aus den jeweiligen Perspektiven der verschiedenen Freunde Kalas erzählt. Auch die Sprache verändert sich bei jeder Person und ist teilweise auch recht umgangssprachlich, auf jeden Fall sehr gut lesbar. Interessant sind auch die manchmal recht unterschiedlichen Erinnerungen der erzählenden Figuren.
Ein psychologisch sehr tiefer Roman, der unter die Haut geht.
Hat mir sehr gefallen! 5 Sterne

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Veröffentlicht am 21.02.2026

Arthur und Kel

Der andere Arthur
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Der andere Arthur – Liz Moore
Von Liz Moore kenne ich bereits zwei andere Werke – ihre Geschichten sowie ihren Schreibstil mag ich sehr.
Dies ist ein sehr ruhiger Roman, der sich auf zwei verschiedenen ...

Der andere Arthur – Liz Moore
Von Liz Moore kenne ich bereits zwei andere Werke – ihre Geschichten sowie ihren Schreibstil mag ich sehr.
Dies ist ein sehr ruhiger Roman, der sich auf zwei verschiedenen Handlungsebenen langsam vorwärtsbewegt.
Der 59-jährige Arthur ist stark adipös und hat seit zehn Jahren sein Haus nicht mehr verlassen. Ein wenig Abwechslung bringt schließlich junge Putzhilfe mit eigenen Problemen in sein Leben. Etwa zeitgleich meldet sich Charlene, eine seiner ehemaligen Studentinnen bei ihm und bittet ihn um Hilfe.
Nicht weit entfernt kämpft der 17-jährige Kel um seinen Schulabschluss und darum Fuß zu fassen, in einem Leben, das es nicht gut mit ihm zu meinen scheint. Seine alleinerziehende Mutter Charlene ist krank und das Geld reicht kaum für das Nötigste.
Hier wie dort sind es Figuren, die sich am äußersten Rand der Gesellschaft befinden – das vorherrschende Gefühl ist Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Eine weiter Gemeinsamkeit ist, dass erst vorurteilsfreie, unterstützende Personen von außen kommen müssen, um neuen Mut zu fassen, das eigene Leben zum Besseren zu wenden.
Liz Moore hat einen tollen Schreibstil und erzählt die Geschichten ihrer Figuren auf wunderbar warmherzige und berührende Art und Weise, so dass kaum auffällt, dass sich die Handlung teilweise recht lange kaum weiterbewegt. Bis Arthur und Kel schließlich zueinanderfinden, ist der Roman zu Ende. Hier hätte ich mir etwas mehr gemeinsame Zeit gewünscht.
Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen, auch wenn es wohl nicht das stärkste Werk der Autorin ist. 4 Sterne.


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Veröffentlicht am 13.02.2026

Hell's gate

Heaven's Gate
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Heaven’s Gate – Daniel Faßbender
Anstatt das Heaven’s Gate, wie dieses Werk nach der großen Welle auf der philippinischen Insel Suragao benannt ist, entwickelt sich die Handlung eher in Richtung eines ...

Heaven’s Gate – Daniel Faßbender
Anstatt das Heaven’s Gate, wie dieses Werk nach der großen Welle auf der philippinischen Insel Suragao benannt ist, entwickelt sich die Handlung eher in Richtung eines Hell’s Gate.
Der ehemalige deutsche Profisurfer und Lebemann Caruso lässt sich aus Geldmangel als Privatermittler anheuern und gerät in dunkelste Machenschaften um einen internationalen Drogensumpf.
Der gute Caruso geht die Ermittlungen ein wenig blauäugig an. Zusätzlich hat er scheinbar ein Alkoholproblem (und ist noch stolz darauf, denn immerhin nimmt er ja keine Drogen). Außerdem zeigt sich zunehmend ein gewaltiges Aggressionspotential, das er nicht immer geschickt einsetzt.
Generell war mir dieser Roman zu gewalttätig. Es gibt etliche Tote und viel Blutvergießen. Vor allem gegen Ende hin häufen sich Szenen wie aus einem Actionfilm. Es wird ein wenig unglaubwürdig.
Positiv zu erwähnen ist natürlich das atemberaubende Setting. Die Surf-Szene auf den Philippinen wird mit viel Herzblut und Knowhow beschrieben. Das mochte ich sehr. Auch darüber hinaus wird die Insel bildreich und detailliert gezeichnet. Gerade auch die politischen, strukturellen und natürlich auch die Drogenprobleme fand ich sehr interessant.
Mit Caruso als Ermittler konnte ich dann leider nicht ganz so viel anfangen…
3 Sterne.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Alec und die Furyen

Furye
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Furye – Kat Eryn Rubik
Ein unheimlicher düsterer Sog ist in dieser Geschichte enthalten.
Vor zwanzig Jahren erlebten die drei Furyen – Alec, Meg und Tess – den Sommer ihres Lebens, im positiven wie im ...

Furye – Kat Eryn Rubik
Ein unheimlicher düsterer Sog ist in dieser Geschichte enthalten.
Vor zwanzig Jahren erlebten die drei Furyen – Alec, Meg und Tess – den Sommer ihres Lebens, im positiven wie im negativen Sinne. Danach zieht Alec mit ihren Eltern weg und kehrt erst zwanzig Jahre später zurück.
Erzählt wird dieser furiose Roman in zwei Zeitebenen. Einmal in der Gegenwart, in der Alec es beruflich geschafft hat, erfolgreich zu werden, innerlich aber unglücklich und einsam ist. Aus ihren Tagebucheinträgen von damals erfahren wir, was in jenem Sommer passiert ist.
Großen Raum nimmt heute wie damals die Liebesgeschichte zwischen Alec und Romain ein. Zwischendurch war ich darüber nicht ganz glücklich, weil ich Romain von Beginn an nicht mochte.
Eine Geschichte, die kraftvoll erzählt ist. Unkonventionell, feministisch, provozierend – so entwickelt sich ein gewaltiger Sog, der mich am Ende fassungslos wieder ausspuckte.
Respekt! 5 Sterne!

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