Cover-Bild Wildhof
Band der Reihe "Quartbuch"
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Wagenbach, K
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 208
  • Ersterscheinung: 20.02.2025
  • ISBN: 9783803133731
Eva Strasser

Wildhof

Selbstmitleid ist Lina fremd, denn sie hat reichlich Humor. Doch woher all die Wut kommt, die mitunter aus ihr herausbricht? Sie scheint dann ganz außer sich, völlig daneben. Weil wohl einfach zu viel zusammengekommen ist. Kein kleines Familiendrama, ein großes. Ihre Zwillingsschwester Luise ist spurlos verschwunden. Vor Jahren. Schon lange lebt Lina deshalb nicht mehr in Wildhof. Jetzt aber muss sie dorthin zurückkehren, um aufzuräumen, nachzuforschen, zu begraben und abzuschließen.
Gut dreißigjährig und frisch verwaist sucht sie nun einen Käufer für das Elternhaus und findet wieder, was auf immer versunken schien. Auch endlich eine Spur. Denn Luise hat ihr einen Wegweiser hinterlassen …
In einer Gegenwart, in der sie gehalten wird vom durchsonnten Wald und von alten Freundschaften, kratzt Lina beidhändig die vermooste Vergangenheit frei. Und damit ihre eigene Zukunft.
Ein sinnliches Buch, voller Gefühle, Gerüche und Geräusche, angespannt und spannend bis zum Schluss.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.05.2025

Der Wald

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Wildhof – Eva Strasser
Nach vielen Jahren kehrt Lina nach dem plötzlichen Tod der Eltern wieder zu ihrem Elternhaus in Wildhof zurück. Sie will das Haus ausräumen und verkaufen, die Eltern begraben und ...

Wildhof – Eva Strasser
Nach vielen Jahren kehrt Lina nach dem plötzlichen Tod der Eltern wieder zu ihrem Elternhaus in Wildhof zurück. Sie will das Haus ausräumen und verkaufen, die Eltern begraben und möglichst schnell wieder verschwinden. Zu düster sind die Erinnerungen, die damals als ihre Zwillingsschwester Luise spurlos verschwunden war, die Familie auseinandergerissen haben.
„Ich dachte irgendwie immer, deine Eltern sind schon tot.“
„Ja, das dachte ich auch.“
Eine düstere, etwas beklemmende Atmosphäre schwebt über der Geschichte. Das vernachlässigte, halb verfallene Haus mitten im Wald. Tannen, die undurchdringlich wirken, jedoch alles beobachten. Es ist eine auffallend detailreiche, poetisch schöne Sprache, die Linas Umgebung regelrecht zum Leben erweckt. Eine recht literarische Erzählweise, die den Leser durchaus fordert. Lina befindet sich mit ihren Gedanken oft in einem Bereich zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Kleinigkeiten triggern eine Erinnerung an früher, was ohne Vorwarnung auch gerne mitten im Absatz umgesetzt wird. Sehr dicht, naturverbunden, und vor allen Dingen gegen Ende wirklich spannend.
Grundthema ist das Familientrauma um das ungeklärte Verschwinden von Luise, dem sich Lina nun, nach dem Tod der Eltern, ganz allein stellen muss. Was ist damals wirklich passiert und wer trägt die Schuld daran? Man merkt schnell, dass Lina den Verlust nie verarbeitet hat – es sind nicht wenige Probleme, mit denen sie nun als Erwachsene kämpft.
Die Handlung ist raffiniert konstruiert. Man erfährt erst nach und nach, worum es damals gegangen sein könnte, jedoch werden immer wieder Hinweise und Schnipsel versteckt, deren Bedeutung man erst später erkennt.
Eine traurige, beklemmend sinnliche Geschichte, die vor allem in ihrer Erzählweise sehr speziell und besonders ist.
5 Sterne und eine dringende Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein Buch, wie es eine KI niemals schreiben könnte

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"Wildhof" ist Eva Strassers Romandebüt. Und was für eins! Das am 20. Februar 2025 im Verlag Klaus Wagenbach erschienene, 208 Seiten starke Buch ist schon jetzt mein Jahreshighlight!

In "Wildhof" geht ...

"Wildhof" ist Eva Strassers Romandebüt. Und was für eins! Das am 20. Februar 2025 im Verlag Klaus Wagenbach erschienene, 208 Seiten starke Buch ist schon jetzt mein Jahreshighlight!

In "Wildhof" geht es um Lina, die mit ihren knapp 30 Jahren schon mehrere Verluste erlitten hat. Kurz vor ihrem 13. Geburtstag verschwand ihre Zwillingsschwester Luise. Kürzlich sind Linas Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Lina steht nun vor der Aufgabe, Mutter und Vater zu begraben und ihr Elternhaus in Wildhof im Schwarzwald zu verkaufen.

Als sie nach vielen Jahren erstmals wieder in ihr Heimatdorf zurückkehrt, reißt sie damit alte Wunden auf. Kleinste Details genügen, und schon spielen sich vor ihrem geistigen Auge vermeintlich bis in die hintersten Winkel des Bewusstseins verbannte Erinnerungen ab. Das Bellen eines Hundes oder der Anblick eines alten Fußballs lösen bei Lina regelrechte Flashbacks aus, in denen die Gegenwart von Kindheitserinnerungen überlagert wird.

Lina, die als letzte Überlebende eigentlich nur ihren Pflichten nachkommen wollte, nämlich ihre Eltern beerdigen und das Haus verkaufen, wird von ihrer Vergangenheit überwältigt. Das gilt für schlimme Erlebnisse, aber auch für die schönen. Sie begegnet in Wildhof ihrer einstigen besten Freundin wieder, ihrer Jugendliebe und unverarbeiteter Trauer.

Mit ihrer wütenden und unangepassten Art ist Lina mitten in mein Herz getrampelt. Trotz ihres Schicksals strahlt die Protagonistin eine trotzige Kraft aus, die sich auf den Leser überträgt. Sie lässt sich nicht entmutigen. Da gehen Scheiben zu Bruch, da wird geflucht und es werden Türen eingetreten, aber schicksalsergebener Rückzug ist keine Option für Lina, die Kämpferin, die in Jogginghosen und mit Hut zu Beerdigungen geht.

Doch nicht nur starke Figuren sind Eva Strassers Steckenpferd. Sie hat vor allem ein Händchen für Atmosphäre! In "Wildhof" reißt sie ihre Leser schon allein durch das Setting mit: Das alte Haus am Waldrand, der Bach, die Forellen, das Mühlrad.

Dieses Buch ist angefüllt mit Gerüchen, Empfindungen und Geräuschen, die Geschichte so bildhaft erzählt, dass man als Leser zwischen die Buchdeckel schlüpft und Lina hautnah dabei begleitet, wie sie sich ihrer Vergangenheit stellt.

Ich habe dieses Buch nicht gelesen, ich habe es inhaliert. Und am Ende gedacht: Ein solches Buch könnte eine KI niemals schreiben. Denn es wäre ihr schlichtweg nicht möglich, mit der Wucht Eva Strassers zu erzählen, Linas Schmerz so authentisch zu transportieren und den Wald oder den verwilderten Garten in seiner verschwenderischen Schönheit zu beschreiben. Und auf den grandiosen Plottwist, den die Autorin im Laufe des Buchs hinlegt, wäre die KI wohl auch nicht gekommen.

Danke für dieses bildgewaltige Meisterwerk, Eva Strasser!

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Veröffentlicht am 05.12.2025

Wild und anders!

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WILDHOF
Eva Strasser
ET: 20.2.25

Die fast 30-jährige Lina kehrt nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern nach Wildhof zurück, um deren Nachlass zu regeln. Seit ihrem 18. Lebensjahr war sie nicht mehr hier ...

WILDHOF
Eva Strasser
ET: 20.2.25

Die fast 30-jährige Lina kehrt nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern nach Wildhof zurück, um deren Nachlass zu regeln. Seit ihrem 18. Lebensjahr war sie nicht mehr hier gewesen; der Kontakt zu ihren Eltern war längst abgebrochen. Ihre Mutter Henny war zuletzt schwer alkoholkrank, und auch der Vater – ein Künstler, der früher Gitarre spielte und gemeinsam mit seiner Frau Bilder malte – bot ihr keinen Grund zurückzukehren.

Nun steht sie wieder vor dem Haus am Waldrand, das fast unverändert wirkt. Kaum hat sie die Schwelle überschritten, holen sie die Erinnerungen ein. Besonders die an ihre Zwillingsschwester Luisa, die mit 13 Jahren spurlos verschwand – und deren Stimme Lina nun wieder zu hören glaubt. Bilder und Gefühle aus jener Zeit tauchen unaufgefordert auf, bedrängend und vertraut zugleich. Doch je länger sie in dem alten Haus bleibt, desto mehr wandeln sich diese Erscheinungen. Was zuerst überwältigt, wird nach und nach weicher – und Lina beginnt, Frieden mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu schließen.

Selten hat mich ein Buch trotz einer sperrigen Protagonistin so berührt. Lina ist unangepasst, wild, sensibel und zugleich unglaublich verletzlich. Eva Strasser gelingt es meisterhaft, sie und Wildhof – das Holzhaus, das Wetter, die Atmosphäre – mit eindringlichen, bildreichen Worten zum Leben zu erwecken.
Eines jener Bücher, bei denen man am liebsten jeden Satz markiert.

Beispiel: „Nie hatte Lina gedacht, dass Hanno in Wildhof bleiben würde, aber es gibt so Menschen, die haben alles in sich, die brauchen von außen gar nichts mehr, es ist egal, wohin sie gehen, weil sie in sich selbst zu Hause sind.“ (S. 69)

Fazit:
Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen. Es ist frisch, wild und etwas ganz Besonderes.
4½/5

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Atmosphärischer Roman über Trauer, Loslassen und wieder lebendig werden

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Es gibt so Romane, die sind besonders erzählt und haben eine besondere Stimmung.
Für mich war „Wildhof“ so ein Roman. Und wenn ein Roman so besonders ist, fallen auch kleinere Kritikpunkte nicht mehr so ...

Es gibt so Romane, die sind besonders erzählt und haben eine besondere Stimmung.
Für mich war „Wildhof“ so ein Roman. Und wenn ein Roman so besonders ist, fallen auch kleinere Kritikpunkte nicht mehr so ins Gewicht.

„Wildhof“ ist der Name eines kleinen Dorfes und in diesem kleinen Dorf steht abgelegen ein verwildertes Haus.

Lina ist in Wildhof aufgewachsen, war aber seit längerer Zeit nicht mehr in ihrem Heimatdorf. Nicht einmal um ihre Eltern dort zu besuchen. Vor vielen Jahren verschwand ihre Zwillingsschwester Louise. Die Eltern sind daran zerbrochen und eigentlich auch irgendwie innerlich gestorben.

»Ich dachte irgendwie immer, deine Eltern sind schon tot."
»Ja, das dachte ich auch.«


Jetzt ist bei einem Autounfall auch noch die äußere Hülle der beiden gestorben und Lina, mittlerweile 30 Jahre alt und beruflich erfolgreich, kehrt in ihr altes Elternhaus nach Wildhof zurück, um sich um den Nachlass zu kümmern.

Ich liebe die Beschreibungen des Hause und des Gartens mit seiner leicht morbiden, verfallenen Stimmung, die mir zeigt, hier lebt schon länger nichts mehr.
Aber lebt Lina eigentlich noch so richtig? Irgendwas ist mit dem Verschwinden ihrer Schwester auch in ihr gestorben.

„Die Erinnerungen wollen rein, in ihr Leben, in ihren Körper, irgendwo weiterleben, dem Nichts entkommen.“

Lina ist eine Protagonistin, die mir sehr gefällt. Sie ist wild, hat eine Bewährungshelferin wegen eines Vorfalls bei dem sie sich nicht unter Kontrolle hatte und auch in Wildhof kommt es zu …Zwischenfälle.

Mit dem Zusammentreffen von Lina und ihren Freund*innen aus Kindheitstagen kommt Dynamik in die Geschichte. Die alte Clique von damals ist wieder vereint. Bis auf Louise, was allen schmerzhaft bewusst ist.

Eva Strasser erzählt in ihrem Roman sehr atmosphärisch und auch spannend. ihre Erzählstimme hat einen etwas kindlichen, fast naiv zu nennenden Charakter, der aber nichts mit Simplizität zu tun hat. Vielmehr unterstreicht diese Stimme den märchenhaften Charakter der Geschichte, das Mystische und das Verwunschene, das dem Haus und vor allem dem Wald anhaftet.

Well, das Intermezzo mit dem englischen „Rockstar“ hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht. Aber der sich daran anschließende Schluss, der eindeutig von der Handlungsführung und stilistisch als Höhepunkt angelegt ist, gefällt mir unglaublich gut und rührt mich sehr.

Letztendlich ist es auch ein starker Roman über Trauer, Loslassen und wieder lebendig werden.

Inhaltlich erinnert mich der Roman ein bißchen an „Es gibt keine Wale im Wilmersee“ von Laura Dürrschmidt. Wenn du diesen Roman kennst und mochtest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dir auch Wildhof gefallen könnte.
Aber auch so lohnt sich ein Blick auf diese Neuerscheinung der Berliner Drehbuchautorin.

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