Nanning
Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. ...
Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. In seiner kindlichen Unwissenheit erzählt er seiner Mutter etwas, dass die Bäuerin betrifft. Er weiß, dass seine Mutter Nationalsozialistin ist, ebenso wie sein Vater, der eine Position in Hamburg bekleidet. Allerdings hätte er nicht gedacht, dass seine Mutter die Bäuerin denunzieren würde. Wo soll er denn jetzt, die Nahrungsmittel herbekommen, die seine Mutter braucht, die hochschwanger ist. Da muss sich Nanning wohl etwas einfallen lassen.
Der Film „Amrum“ von Fatih Akin ist möglicherweise bekannt. Hier hat der Schauspieler und Regisseur Hark Bohm seine Kindheitserinnerungen mit Hilfe seines Freundes Fatih Akin in bewegte Bilder gefasst. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit Philipp Winkler. Obwohl Nanning in einer Nazi-Familie lebt, wundert man sich, dass der im System durchaus höhergestellte Vater nicht für die Versorgung seiner Familie sorgt. Die Familie seiner Mutter stammt von Amrum, nur deshalb können sie dort leben und sind von den Auswirkungen des Krieges relativ sicher. Seine Tante Ena immerhin versucht leider vergeblich, seine Mutter zur Vernunft zu bringen. Nanning selbst durchblickt noch nicht, was Nationalsozialismus bedeutet. Ein Glück vielleicht für sein späteres Leben.
Allem Anschein nach sind Buch und Film ziemlich ähnlich. Möglicherweise bekommt man noch einen besseren Einblick, wenn man beide Herangehensweisen kennt. Allerdings hat man beim Buch durchaus den Vorteil, dass man die Lesegeschwindigkeit selbst wählt. Gerade zu Beginn wirken die Beschreibungen der Insel etwas sehr ruhig. Hat man die Strömungen zwischen den Menschen auf der Insel erstmal durchschaut, zieht einen das Buch doch in seinen Bann. Natürlich bleibt die Sicht eines Kindes, das noch nicht wie ein Erwachsener reflektieren kann. Das ist vielleicht nicht so schlecht, dann muss man diese Aufgabe selbst übernehmen und sich sein Teil denken. Wie haben es die eigenen Vorfahren gehalten? Man muss sich wohl einer Wahrscheinlichkeit stellen, dass es nicht so viele wie die Bäuerin Tessa oder Tante Ena gegeben hat. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und in Erinnerung bleibt.