Cover-Bild Amrum
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14,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 02.05.2025
  • ISBN: 9783548070087
Hark Bohm, Philipp Winkler

Amrum

Roman | Der Stoff hinter Fatih Akins Kinofilm "Amrum": Der Spiegel-Bestseller über die letzten Kriegstage und eine Liebe, die bleibt

Über die Verbundenheit zu einer Insel, die alles überdauert: von Fatih Akin verfilmt mit Diane Kruger, Matthias Schweighöfer, Detlev Buck und Lisa Hagmeister

Zwischen Heidekrautfeldern und dem endlosen Watt ist Nanning zu Hause: Amrum, die Nordseeinsel ist alles, was er kennt. Gemeinsam mit seinem besten Freund trotzt er der kargen Natur ab, was er kann, um während des Krieges für seine Familie zu sorgen. Sie jagen Kaninchen, treten Schollen und tauschen ihre Beute gegen das Notwendigste. Wenn es hart auf hart kommt, hält die Gemeinschaft zusammen, doch Nanning spürt das Misstrauen ihm und seiner regimetreuen Familie gegenüber. Mit dem Tod Hitlers brechen neue Zeiten an, und für Nanning wird sich alles ändern.
Amrum erzählt voll wilder Schönheit davon, was Herkunft bedeutet – und wie man lernt, den eigenen Weg zu gehen. Der Roman ist ein poetisches Zeitzeugnis, in dessen Kern eine zutiefst menschliche Geschichte steht.

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»Ob als Filmemacher, Gesprächspartner oder Literat: Hark Bohm ist stets ein wahrhaft generöser Geschichtenerzähler.«
Fatih Akin


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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2026

Nanning

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Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. ...

Das Ende des zweiten Weltkrieges ist nicht mehr weit hin. Das können der Schüler Nanning und sein Freund Hermann natürlich nicht wissen. Nanning ist ganz froh, dass er bei der Bäuerin Tessa aushelfen kann. In seiner kindlichen Unwissenheit erzählt er seiner Mutter etwas, dass die Bäuerin betrifft. Er weiß, dass seine Mutter Nationalsozialistin ist, ebenso wie sein Vater, der eine Position in Hamburg bekleidet. Allerdings hätte er nicht gedacht, dass seine Mutter die Bäuerin denunzieren würde. Wo soll er denn jetzt, die Nahrungsmittel herbekommen, die seine Mutter braucht, die hochschwanger ist. Da muss sich Nanning wohl etwas einfallen lassen.

Der Film „Amrum“ von Fatih Akin ist möglicherweise bekannt. Hier hat der Schauspieler und Regisseur Hark Bohm seine Kindheitserinnerungen mit Hilfe seines Freundes Fatih Akin in bewegte Bilder gefasst. Das Buch entstand in Zusammenarbeit mit Philipp Winkler. Obwohl Nanning in einer Nazi-Familie lebt, wundert man sich, dass der im System durchaus höhergestellte Vater nicht für die Versorgung seiner Familie sorgt. Die Familie seiner Mutter stammt von Amrum, nur deshalb können sie dort leben und sind von den Auswirkungen des Krieges relativ sicher. Seine Tante Ena immerhin versucht leider vergeblich, seine Mutter zur Vernunft zu bringen. Nanning selbst durchblickt noch nicht, was Nationalsozialismus bedeutet. Ein Glück vielleicht für sein späteres Leben.

Allem Anschein nach sind Buch und Film ziemlich ähnlich. Möglicherweise bekommt man noch einen besseren Einblick, wenn man beide Herangehensweisen kennt. Allerdings hat man beim Buch durchaus den Vorteil, dass man die Lesegeschwindigkeit selbst wählt. Gerade zu Beginn wirken die Beschreibungen der Insel etwas sehr ruhig. Hat man die Strömungen zwischen den Menschen auf der Insel erstmal durchschaut, zieht einen das Buch doch in seinen Bann. Natürlich bleibt die Sicht eines Kindes, das noch nicht wie ein Erwachsener reflektieren kann. Das ist vielleicht nicht so schlecht, dann muss man diese Aufgabe selbst übernehmen und sich sein Teil denken. Wie haben es die eigenen Vorfahren gehalten? Man muss sich wohl einer Wahrscheinlichkeit stellen, dass es nicht so viele wie die Bäuerin Tessa oder Tante Ena gegeben hat. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und in Erinnerung bleibt.

Veröffentlicht am 16.07.2025

Nostalgie statt Spannung

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Hark Bohm nimmt seine Lesenden in seinem Roman „Amrum“ mit auf eine Reise auf die gleichnamige nordfriesische Insel – ein Ort, den er sichtlich liebt und kennt. Doch genau hierin liegt zugleich die Stärke ...

Hark Bohm nimmt seine Lesenden in seinem Roman „Amrum“ mit auf eine Reise auf die gleichnamige nordfriesische Insel – ein Ort, den er sichtlich liebt und kennt. Doch genau hierin liegt zugleich die Stärke und Schwäche des Buches. Denn während die Beschreibungen von Landschaft, Atmosphäre und Inselleben mit viel Gefühl und Detailreichtum gestaltet sind, verliert sich die eigentliche Handlung zunehmend in ihrer eigenen Überambitioniertheit, besonders die Verknüpfung zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

Man hat das Gefühl, als wolle der Autor unter allen Umständen sein umfangreiches Wissen über die Insel in die Geschichte einbauen. Dies geschieht jedoch auf eine Art und Weise, die häufig zulasten der Glaubwürdigkeit geht. Der Protagonist Nanning etwa wirkt weniger wie eine realistische Figur, sondern eher wie ein Träger der Botschaften des Autors. Seine Handlungen erscheinen oft überzogen und unrealistisch; beispielsweise, wenn er angeblich bei Niedrigwasser zu Fuß von Amrum nach Föhr gelangt, dort durch halb Oldsum irrt, aus einer vollen Speisekammer lediglich ein Glas Honig mitnimmt und dann denselben Weg zurück zur Insel geht. Zwischendurch vollbringt er auch noch heldenhafte Taten und all das ohne jede Pause oder gar Nahrungsaufnahme. Das wirkt konstruiert, fast märchenhaft, allerdings ohne die dafür nötige erzählerische Stimmigkeit.

Solche Szenen reißen den Lesenden aus dem Lesefluss, weil sie schlichtweg unglaubwürdig erscheinen. Statt eine stringente, nachvollziehbare Entwicklung der Figuren und ihrer Motive zu zeigen, türmt Bohm Ereignisse und Details aufeinander, sodass das Ganze stellenweise überladen wirkt. Gerade der Versuch, Spannung und Handlung des Zweiten Weltkrieges mit Informationen über die Insel zu verknüpfen, gelingt meiner Meinung nach nur bedingt.

Dabei ist das Grundpotential der Geschichte durchaus vorhanden. Die Sprache ist klar und bildhaft und Hark Bohm versteht es mit wenigen Sätzen die salzige Luft, das Dünengras und die Weite der nordfriesischen Küste zum Leben zu erwecken. Wenn es darum geht Atmosphäre zu erzeugen, dann gelingt das hervorragend. Man kann förmlich spüren, wie es sich anfühlt auf Amrum zu stehen, den Wind im Gesicht, den Blick auf die See gerichtet. Das macht den Roman – trotz seiner Schwächen – lesenswert, vor allem für Menschen, die die Insel kennen oder sich für sie interessieren, besonders in die Einordnung des Zweiten Weltkrieges.

Das Ende des Romans, das recht abrupt in ein fast zu kitschiges „Happy End“ mündet, passt sich leider der vorherigen Entwicklung an: es fühlt sich erzwungen und wenig organisch an. Auch hier hätte weniger Pathos der Geschichte gutgetan.

„Amrum“ ist in erster Linie eine Liebeserklärung an eine Insel und als solche durchaus gelungen. Wer eine atmosphärische Schilderung der nordfriesischen Landschaft sucht, wird hier fündig. Wer jedoch eine glaubwürdige, tiefgründige und gut konstruierte Handlung erwartet, könnte enttäuscht werden.

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