Der Rassismus-Begriff im diversitären Universitätskarussell
Das bunte Cover erinnert an vielfarbiges Konfetti, vielleicht die Meinungsvielfalt zu den hier angerissenen Themen repräsentierend. Der Erzählstil entpuppt sich in Form von Monologen aus Sicht fiktiver ...
Das bunte Cover erinnert an vielfarbiges Konfetti, vielleicht die Meinungsvielfalt zu den hier angerissenen Themen repräsentierend. Der Erzählstil entpuppt sich in Form von Monologen aus Sicht fiktiver Beobachter und aus Sicht der Betroffenen. Die Hauptfigur Nora Rischer, 44, Sprachwissenschaftlerin, eine lesbische Cis-Frau, entwickelt auf dem gynäkologischen Stuhl nach Erhalt einer E-Mail ein Gedankenkarussell, das sich als Minenfeld mit rhetorischen Geschützen über Diskriminierung outet. Hat sie Studierende aus China für deren schlechte Deutschkenntnisse nach deren Referat etwa zu scharf kritisiert?
Wie kompliziert ein konstruktiver gesellschaftlicher Austausch über Rassismus sein könnte, wird rhetorisch präzise unter die Lupe genommen. Indem die Autorin einem anderen Autoren die Urheberschaft zuspielt, betont sie nicht nur, was gesagt wird, sondern auch wichtig ist, wer etwas im Machtgefälle äußert. Kann es mit einer solchen verkrampften Debattenkultur insgesamt überhaupt um eine allgemeingültige, objektive Wahrheit gehen? Wo beginnt Diskriminierung? Und wer entscheidet, was dieser Begriff alles umfasst? Wie orientiert man sich, nach welchen Regeln, die fließend sein können im Spiegel politischer Korrektheit? Eingebaut werden auch Aussagen z.B. von Studierenden, ihrer Kollegen oder auch ihrer Lebensgefährtin, die weitere Themen wie Alltagsdiskriminierung oder Frauenfeindlichkeit anreißen. Das universitäre Milieu, eigentlich als weltoffen und tolerant eingestuft, entpuppt sich hier mit seiner Gesellschaftskritik jedoch eher als engstirnig und überreguliert, rücksichtslos und in der Wirkung von bitterböser Bedrängnis. Die Ironie und tiefgründige Farce wird sprachlich klar herausgestellt.
Jede Menge Denkanstöße nicht nur für Linguisten!