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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2020

Außergewöhnlich und wunderbar

Das Meer in meinem Zimmer
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Als ihre Mutter den Tod des Ehemannes leugnet, übernimmt die 19-jährige Jolanda die Verantwortung für die Familie, zu der noch ihre 10 Jahre jüngere Schwester Lilli gehört.
„Guten Tag, mein Vater ist heute ...

Als ihre Mutter den Tod des Ehemannes leugnet, übernimmt die 19-jährige Jolanda die Verantwortung für die Familie, zu der noch ihre 10 Jahre jüngere Schwester Lilli gehört.
„Guten Tag, mein Vater ist heute Morgen hier auf der Station gestorben, und jetzt soll ich für meine Mutter nachfragen, ob er wirklich tot ist.“ Die schweren Themen Krankheit, Tod und Verlust verpackt die Autorin federleicht in mitunter skurril anmutenden Situationen, ohne dass es lächerlich wirkt. Über Rückblenden erfahren wir, dass die Familiensituation schon in Jolandas Kindheit instabil war und besondere Bewältigungsstrategien von ihr erfordert hat. Sie ist eine sympathische Protagonistin, mit der ich leicht mitfühlen konnte.
Ich habe „Das Meer in meinem Zimmer“ als außergewöhnliche Familiengeschichte empfunden, die mich noch dazu sprachlich begeistert hat.

Veröffentlicht am 02.08.2020

Der Affe tanzt

Monkey Mind
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In „Monkey Mind“ geht es in erster Linie darum, einen Umgang mit den unruhigen Gedanken während der Meditation zu finden. Dazu gehören auch praktische Übungen, die teilweise als vom Autor eingesprochenes ...

In „Monkey Mind“ geht es in erster Linie darum, einen Umgang mit den unruhigen Gedanken während der Meditation zu finden. Dazu gehören auch praktische Übungen, die teilweise als vom Autor eingesprochenes Audiomaterial auf der Verlagsseite abrufbar sind.
Ralph de la Rosa bringt seine persönlichen Erfahrungen als Psychotherapeut und Meditierender, aber auch als ehemals an Depression und Drogensucht Erkrankter in sein Buch ein. Letzteres scheint mir eine amerikanische Unart zu sein, hat es doch eigentlich mit dem Thema wenig zu tun und wäre in diesem Kontext verzichtbar gewesen.
Neben Erkenntnissen, die sich dem Leser vielleicht nicht sofort erschließen („Während wir üben, können wir plötzlich die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Aspekten unseres Lebens erkennen, die wir vorher als völlig unabhängig voneinander verstanden haben.“), bringt der Autor andererseits Aspekte, wie Selbstliebe oder den inneren Kritiker, ein, die die Betrachtung des im Kopf herumtanzenden Affen rundmachen.
Es lassen sich durchaus interessante Informationen finden, wenn man die Spreu vom Weizen getrennt hat.

Veröffentlicht am 19.07.2020

Kontrolle durch das System

Paradise City
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Während Liina für eine Story recherchiert, sterben Menschen. Nun gilt es, den Toden auf den Grund zu gehen und Zusammenhänge herzustellen.
“Paradise City” spielt in einer nicht genau definierten Zukunft, ...

Während Liina für eine Story recherchiert, sterben Menschen. Nun gilt es, den Toden auf den Grund zu gehen und Zusammenhänge herzustellen.
“Paradise City” spielt in einer nicht genau definierten Zukunft, vielleicht Ende des 21. Jahrhunderts, in einem Deutschland, in dem von Frankfurt am Main die Geschicke des Landes gesteuert werden. Fortbewegung findet mit eMobilen statt, Körperfunktionen werden mittels eines kleinen Geräts über ein Netzwerk kontrolliert.
Eine Dystopie zu lesen, die auf bekanntem Terrain spielt, hat mich an diesem Roman gereizt. Ich wurde jedoch das Gefühl nicht los, ein Jugendbuch zu lesen, weil Sprache, Dichte der Handlung und Spannung einem Buch für Erwachsene nicht ganz gerecht werden. Daher verhaltene Begeisterung.

Veröffentlicht am 13.07.2020

Eine Hamburger Familie

Die Abendgesellschaft der Quartiersleute
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John Buttger, ein Bergarbeiter aus Wales, wandert Ende des 19. Jahrhunderts nach Hamburg aus und arbeitet fortan in einem der Speicher. Der Roman erzählt seine Geschichte und die der folgenden Generationen ...

John Buttger, ein Bergarbeiter aus Wales, wandert Ende des 19. Jahrhunderts nach Hamburg aus und arbeitet fortan in einem der Speicher. Der Roman erzählt seine Geschichte und die der folgenden Generationen bis zum Jahr 2013.
Vor dem Hintergrund historischer Ereignisse (wie den beiden Weltkriegen) tauchen wir durch das Hamburger Leben in der Speicherstadt ein in die familiären Verbindungen, die diesen “Generationenroman” ausmachen. Und so sieht man, wie neben einer Taschenuhr auch gewisse Gepflogenheiten und Redensarten von einem Familienmitglied an das nächste weitergegeben werden.
Der Schreibstil ist fesselnd (von den Geräuschen eines Grubenunglücks im ersten Kapitel an) und authentisch. Die Figuren reden ungefiltert (“‘Allein die Stimme dieses Hitler. Wie ein fauchendes, schreiendes Frettchen! Was finden die Leute an diesem Rattenfänger?’”), und manchmal sterben auch einige, die man schon fest eingeplant hatte. Deshalb empfehle ich, 1. den Stammbaum am Ende nicht vorher anzuschauen und 2. dieses Buch zu lesen.

Veröffentlicht am 05.07.2020

Geduldsprobe

Der Lavendel-Coup
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Molly Preston ermittelt verdeckt in einem Fall von Wirtschaftskriminalität in einem kleinen Ort in der Provence. Sie findet dabei Spuren auf einen Schatz aus vergangenen Zeiten.
„Ihre Herkunft und ihre ...

Molly Preston ermittelt verdeckt in einem Fall von Wirtschaftskriminalität in einem kleinen Ort in der Provence. Sie findet dabei Spuren auf einen Schatz aus vergangenen Zeiten.
„Ihre Herkunft und ihre vielfältigen Fähigkeiten, zusammen mit ihrem Aussehen und ihrer Intelligenz, ermöglichten es ihr, fast jede Stelle in einem Unternehmen zu besetzen und sich schnell genug hochzuarbeiten, um an Insider-Informationen heranzukommen.“ Die in jeder Hinsicht perfekte Protagonistin wird für die Restaurierung einer kleinen Kapelle eingesetzt, hat somit nicht mal die theoretische Chance auf Erledigung ihres Auftrags und lässt sich dann auch noch durch eine Schatzsuche ablenken. Lokalkolorit wird mit fehlerhaftem Französisch vorgetäuscht; vom Lavendel im Titel fehlt jegliche Spur. Und spätestens, als Molly zum zweiten Mal auf einer Seite duschen muss, verlässt mich die Geduld mit diesem dürftigen Werk.