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Veröffentlicht am 16.02.2020

Neue Freiheit

Nachbarn
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„Nachbarn“ erzählt die Geschichte von sechs Menschen aus der DDR in den Jahren 1989 bis 2006. Der Roman handelt von den spezifischen Themen, die diese Herkunft mit sich bringt, wie Flucht und Bespitzelung, ...

„Nachbarn“ erzählt die Geschichte von sechs Menschen aus der DDR in den Jahren 1989 bis 2006. Der Roman handelt von den spezifischen Themen, die diese Herkunft mit sich bringt, wie Flucht und Bespitzelung, und den allgemeinen des Menschseins, wie Liebe und Zerwürfnis.
In einzelnen Episoden des Alltags begegnen wir den Figuren immer wieder und stellen Verbindungen her, ohne dass sich die Handlung stringent vorwärtsbewegt. Lediglich zum Ende hin bricht die Autorin mit diesem Schema und erzählt nur noch eine Geschichte weiter. Diesen Bruch habe ich als irritierend empfunden, auch wenn auf letztere Weise das Verfolgen einfacher wurde, schließlich hatte ich mich auf das Kombinieren der Details aus den einzelnen Abschnitten eingelassen.
Gefallen hat mir, dass die Autorin analog zu dem Vorhaben einer ihrer Figuren, „sich nicht die wenigen Erinnerungen, die weiß waren und farbig, schwarzmalen zu lassen“, die Erinnerung an diese Epoche und an das Zurechtfinden der ehemaligen DDR-Bürger in einem neuen System hat wiederaufleben lassen.

Veröffentlicht am 09.02.2020

Ich bin ich

Gib dir die Liebe, die du verdienst
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„Gib dir die Liebe, die du verdienst“ - Wie der Titel schon sagt, setzt sich dieses Buch damit auseinander, welche positiven Effekte eine gesunde Selbstliebe mit sich bringt und wie sie erreicht werden ...

„Gib dir die Liebe, die du verdienst“ - Wie der Titel schon sagt, setzt sich dieses Buch damit auseinander, welche positiven Effekte eine gesunde Selbstliebe mit sich bringt und wie sie erreicht werden kann.
Schon die Lektüre ist ein erster Schritt auf dem Weg dorthin, gibt sie doch Aufschluss darüber, dass wir geprägt werden von alten Rollenbildern und oft zu hart zu uns selbst sind, um den Erwartungen unseres Umfelds gerecht zu werden.
Aber selbst wenn wir das Wohl der Allgemeinheit im Sinn haben, sollten wir uns endlich einmal selbst am nächsten sein. „Fürsorglich mit dir selbst umzugehen [...] heißt, dafür Sorge zu tragen, dass du gesund und glücklich bist, damit du so gestärkt diese Welt bereichern und zu einem besseren Ort machen kannst.“
Das Buch bietet viele Übungen zur Selbstreflexion, bestärkende Worte und den Ausblick auf ein zufriedeneres Selbst. Die Ideen sind nicht abgehoben und eignen sich gut für eine Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Stärken, beispielsweise in einem kreativ gestalteten Tagebuch.

Veröffentlicht am 02.02.2020

Zerbrechliche Beziehungen

Kintsugi
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Vier Personen verbringen ein Wochenende am See: Reik und Max, seit 20 Jahren ein Paar, ihr bester Freund Tonio und dessen jugendliche Tochter. Die Nähe bringt einige Dinge zutage, die zuvor unausgesprochen ...

Vier Personen verbringen ein Wochenende am See: Reik und Max, seit 20 Jahren ein Paar, ihr bester Freund Tonio und dessen jugendliche Tochter. Die Nähe bringt einige Dinge zutage, die zuvor unausgesprochen waren.
Wie bei Kintsugi, der dem Buch seinen Namen gebenden Methode, wobei die Scherben aus Porzellan neu zusammengesetzt werden, schauen wir hier auf die Bestandteile der partnerschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen und somit ins Innerste der Figuren. Jede erhält eine eigene Stimme, mit der sie ihre Sicht auf die Dinge darstellt. Jeder Abschnitt endet wie ein Akt eines Theaterstücks mit Regieanweisungen und der wechselnden Rede.
Die originelle Form wird durch eine poetische Sprache und sensible Beobachtungen ergänzt, die den zerbrechlichen Charakteren gerecht werden. „Denn wenn man vergisst, dass man die eigenen Gefühle genauso respektieren muss wie die anderer, ebenso wie man auch sich selbst respektieren muss und nicht nur die anderen, dann sind die Gefühle schnell beleidigt. Und: Sie sind nicht nur widerspenstig und sensibel, sie sind auch höchst eitel.“
„Kintsugi“ ist ein leises Buch mit einem lauten Nachhall im Kopf des Lesers.

Veröffentlicht am 26.01.2020

Unverhofft kommt oft

Das schräge Haus
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Psychologin Ella sieht sich selbst als schräges Haus. Neben den Problemen ihrer Patienten gibt es auch in ihrem eigenen Leben einiges geradezubiegen.
Wir begegnen ihr zunächst als quirliges Mädchen im ...

Psychologin Ella sieht sich selbst als schräges Haus. Neben den Problemen ihrer Patienten gibt es auch in ihrem eigenen Leben einiges geradezubiegen.
Wir begegnen ihr zunächst als quirliges Mädchen im Jahr 1986 in einer Kleingartensiedlung, verfolgen sie dann bei der Arbeit als seriöse Therapeutin und erleben sie schließlich in ihrem privaten Durcheinander. Analog zur Handlung wechselt das Buch von verrückt-sprunghaft (die Empfindungen eines achtjährigen Mädchens) über berührend (die Beziehung zur Oma) bis hin zu emotional (die neue Liebe).
Auch wenn der Einstieg ins Buch (die Kindheit) aufgrund der schnellen Gedankensprünge Konzentration erforderte, hätte ein Beibehalten dieses Stils eher meine Erwartungen an einen außergewöhnlichen Roman erfüllt. Leider flaute dies in der Jetztzeit abrupt ab, Beschreibungen wiederholten sich, und ich konnte auch nicht in jeder Situation mit der Protagonistin mitfühlen.
Gut gefallen hat mir der ruhrgebietstypische Slang („Hömma, der Junge muss unbedingt mal ordentlich wat essen, und schlafen und anne frische Luft. Dann guckt der auch nich mehr so bedröppelt!“) als realitätsnaher Hintergrund. „Das schräge Haus“ bringt neben der ungewöhnlichen „Verpackung“ (Steifbroschur) besondere Bilder mit, konnte mich aber nicht vollends überzeugen.

Veröffentlicht am 18.01.2020

Weniger ist mehr

Mein Leben in drei Kisten
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Anne Weiss erzählt, wie sie ihr Leben umgekrempelt hat, wie sie mit weniger Dingen auskommt und Manches neu bewertet.
„Mein Leben in drei Kisten“ ist ihr persönlicher Erfahrungsbericht, der aber auf dem ...

Anne Weiss erzählt, wie sie ihr Leben umgekrempelt hat, wie sie mit weniger Dingen auskommt und Manches neu bewertet.
„Mein Leben in drei Kisten“ ist ihr persönlicher Erfahrungsbericht, der aber auf dem Weg zum Minimalismus auch andere Entscheidungsmomente ihres Lebens streift. Das macht die Autorin nahbar und ermöglicht die Betrachtung der eigenen „Stehrümchen“ und Stapel, ohne dass da jemand mit dem erhobenen Zeigefinger stünde. Im Gegenteil, werden viele Ideen vermittelt, die sich aufgreifen lassen, auch wenn das Ziel gar nicht zwingend die Beschränkung auf drei Kisten sein muss, sondern vielmehr ein bewussterer Umgang mit den Ressourcen dieser Erde und das Wertschätzen der kleinen Dinge im übertragenen Sinn. Von diesem authentischen Lebensmitschnitt kann sich jeder eine Scheibe abschneiden.