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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2026

Zwischen Leselust und Listen

Eine Seite noch
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Meike Winnemuth hat es sich zum Ziel gesetzt, ein halbes Jahr lang das Lesen auf jede erdenkliche Art neu zu erleben. Sie stöbert in Buchläden und öffentlichen Bücherschränken, erkundet das Haus von Virginia ...

Meike Winnemuth hat es sich zum Ziel gesetzt, ein halbes Jahr lang das Lesen auf jede erdenkliche Art neu zu erleben. Sie stöbert in Buchläden und öffentlichen Bücherschränken, erkundet das Haus von Virginia Woolf ebenso wie ihr eigenes Gartenhaus, liest sich durch Leselisten, zuvor gemiedene Genres und umfangreiche Wälzer.
So erleben wir die Autorin authentisch als ehrfürchtigen Fan, als wissbegierige Journalistin oder als Leserin, die manchmal ein Buch abbricht, wenn es gar nicht geht. Auch wenn ich nicht alle Ansichten teile (so gibt es zur Einrichtung eines Bücherregals nun einmal unterschiedliche Methoden), habe ich mich doch als Leserin verstanden gefühlt.
Hinzu kommt die Inspiration, manches einfach anders auszuprobieren, etwa ein Buch aufzublättern und mittendrin loszulesen. Kaum jemand dürfte die Lektüre von „Eine Seite noch“ beenden, ohne dass Begehrlichkeiten für neue Bücher geweckt werden, die in den Leselisten der Autorin auftauchen.
„Lesen ist die egoistischste, luxuriöseste, trotzigste, lohnendste Existenzform, die ich kenne.“ – Wer sich in diesem Satz wiederfindet, wird auch in diesem Buch versinken und gerne mit Winnemuth über die eigenen Lesegewohnheiten ins Schwelgen geraten.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Transzendenz statt Therapie

Lieber ECHT kaputt als perfekt am Arsch
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Mir ist nicht ganz klar, warum ein derart humoristischer Titel gewählt wurde, geht es doch inhaltlich um das Innere, darum, sich der eigenen Zerbrechlichkeit und den eigenen Zweifeln zu stellen. Die Autorin ...

Mir ist nicht ganz klar, warum ein derart humoristischer Titel gewählt wurde, geht es doch inhaltlich um das Innere, darum, sich der eigenen Zerbrechlichkeit und den eigenen Zweifeln zu stellen. Die Autorin verspricht ein neues Verständnis für sich selbst, sobald man die „7 Schritte der Wahrheit“ durchlaufen hat.
Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil es von einer Psychologin geschrieben wurde und ich mir wissenschaftlich fundierte Impulse für meine persönliche Entwicklung erhofft hatte. Stattdessen stehen jedoch vor allem ihre eigenen Erfahrungen im Mittelpunkt, ergänzt durch den Glauben an eine höhere Kraft, mit dem ich wenig anfangen konnte. “Menschen, die die sieben Schritte gegangen sind, wissen ganz klar, dass es einen Schöpfer gibt. Sie verbinden sich mit der höheren Transzendenz, als wäre es das Normalste auf der Welt.”
Die wenigen Reflexionsübungen verpuffen und liefern kaum neue Denkanstöße. Eine tatsächliche Weiterentwicklung blieb somit für mich aus – ebenso wie der Zugang zu der beschriebenen „Transzendenz“. Insgesamt hätte ich mir von diesem Ratgeber deutlich mehr Realitätsbezug und methodische Tiefe gewünscht.

Veröffentlicht am 15.03.2026

Verfahren

Grüne Welle
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„Es dauerte noch etwas, bis sich die Frau sicher war, dass sie die falsche Straße gewählt hatte, dass also die Straße, auf der sie noch immer fuhr, nicht zur Autobahnauffahrt Nord führen würde.“ Eine Frau ...

„Es dauerte noch etwas, bis sich die Frau sicher war, dass sie die falsche Straße gewählt hatte, dass also die Straße, auf der sie noch immer fuhr, nicht zur Autobahnauffahrt Nord führen würde.“ Eine Frau verfährt sich auf dem Weg nach Hause. Während äußerlich die Orientierungslosigkeit zunimmt, gewinnt sie innerlich an Klarheit.
In distanzierter Erzählweise begegnen wir „der Frau“, „der Freundin der Frau“ und „dem Mann der Frau“ – ohne dass ihnen Namen gegeben werden. Dennoch wird durch ihre Gedanken zunehmend deutlicher, wie sie zueinander stehen.
Genau darin sah ich das große Potenzial des Romans: Ich hatte mir erhofft, durch den inneren Dialog die Frau besser kennenzulernen. Doch leider geschieht in dieser Hinsicht zu wenig. Stattdessen richtet sich der Blick immer wieder auf die Umgebung; selbst als die Frau beim Mitnehmen von Anhaltern etwas über sich erzählen könnte, erfindet sie eine ganz andere Figur.
So blieb das Buch hinter meinen Erwartungen zurück. Die Gewalt, die der Frau widerfahren ist, wird nur angedeutet und weder im Kopf noch im Handeln verarbeitet. Vielleicht soll dies ihre Sprachlosigkeit ausdrücken – doch letztlich wirkt die Fahrt dadurch fast bedeutungslos.

Veröffentlicht am 28.02.2026

Zündeln mit Argumenten

Funkenschwestern
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Schon das Cover symbolisiert den Protest gegen das patriarchale System. Und ganz nach dem Motto „Hier wird gezündelt!“ ist auch das Vorsatzpapier mit brennenden Streichhölzern übersät. Als Bettlektüre ...

Schon das Cover symbolisiert den Protest gegen das patriarchale System. Und ganz nach dem Motto „Hier wird gezündelt!“ ist auch das Vorsatzpapier mit brennenden Streichhölzern übersät. Als Bettlektüre eignet sich dieser Band kaum; zu sehr regen mich die geschilderten Ungerechtigkeiten auf, als dass ich danach ruhig schlafen würde.
Abschrecken konnte mich das natürlich nicht; schließlich ist es mir ein Ansinnen, mich für eine bessere Welt einzusetzen. Barbara Blaha tut dies auf Bühnen und nun auch in dieser Streitschrift, indem sie persönliche Erfahrungen mit recherchierten Fakten verbindet.
Diese Mischung entfaltet in gebündelter Form eine beachtliche Wucht und weckt hoffentlich ein Gefühl von Gemeinschaft und Widerstand unter den „Funkenschwestern“. „Wir können eine andere Welt schaffen. Aber wir müssen es selbst tun – so, wie es die anderen selbst gemacht haben, die vor uns da waren.“
Gern unterstütze ich dieses Anliegen, indem ich die Publikation als Augenöffner empfehle. Verständlich geschrieben, deckt sie zahlreiche feministische Themenfelder ab – vom strukturellen Kleinhalten von Frauen über Rollenzuweisungen bis hin zu Liebe und Hoffnung. Mein einziger Kritikpunkt: Da ich mich bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, waren mir viele Aspekte nicht neu. Doch aufgerüttelt bin ich allemal!

Veröffentlicht am 22.02.2026

Wort für Wort

Ich rede, also bin ich
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„Vergessen ist also kein Defekt unseres Gehirns – es ist die Grundlage dafür, dass Kommunikation funktioniert.“ Schreibt eine Neurolinguistin ein Buch über Sprache, dürfen wir erwarten, dass auch die Vorgänge ...

„Vergessen ist also kein Defekt unseres Gehirns – es ist die Grundlage dafür, dass Kommunikation funktioniert.“ Schreibt eine Neurolinguistin ein Buch über Sprache, dürfen wir erwarten, dass auch die Vorgänge im Gehirn eine Rolle spielen. Tatsächlich geht es unter anderem um Stress, Botenstoffe oder den Spracherwerb.
Doch Julia Mailänder will uns „zum Staunen, zum Nachdenken, zum Lachen“ einladen; trocken und theoretisch bleibt ihre Bestandsaufnahme also nicht. Die thematische Gliederung führt im sprachlichen Kontext durch Philosophie, Psychologie, Gesellschaft, Grenzen und Geschichte. Nach der magischen Zahl 42, die als Anzahl der Kapitel gewählt wurde, folgt mit Kapitel 42 1/2 eine Zugabe, die, ähnlich dem Bahnsteig nach Hogwarts, einen Absprung in unbekannte Gefilde wagt.
Sprache umgibt uns überall; entsprechend zahlreich sind die Anknüpfungspunkte an unsere Lebenswirklichkeit. Einige bekannte Informationen wurden mir bestätigt, doch die Autorin hielt ihr Versprechen: Ich staunte darüber, dass der Weltrekordhalter mehr als 73 Sprachen fließend spricht, gewann einen neuen Denkansatz zum Gendern und amüsierte mich über die Deutung von Namen. Ein Sachbuch nach meinem Geschmack: Wissenschaftliche Erkenntnisse zu einem faszinierenden Thema werden verständlich und ansprechend vermittelt.