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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2026

Drei Wahrheiten

Geschwister
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Zum dritten Mal beleuchtet Moa Herngren in einem Roman die Dynamik innerhalb einer Familie, diesmal die zwischen drei Geschwistern. Der Tod ihres Vaters bringt lange Unausgesprochenes an die Oberfläche ...

Zum dritten Mal beleuchtet Moa Herngren in einem Roman die Dynamik innerhalb einer Familie, diesmal die zwischen drei Geschwistern. Der Tod ihres Vaters bringt lange Unausgesprochenes an die Oberfläche und sorgt für Spannungen. „Und Andrea begreift, dass niemand - nicht einmal Papa mit seinem Superkleber - das hier je wieder richten könnte.“
Ulrika, Andrea und Rasmus kommen in den ihnen gewidmeten Abschnitten in Erinnerungen als auch in der Gegenwart selbst zu Wort. Dadurch relativieren sich die Ansichten Andreas, die auf den ersten 300 Seiten den größten Raum einnehmen. Der perfektionistischen Andrea stehen Freigeist Ulrika und der angepasste Rasmus gegenüber. Und auch die elterliche Prägung wird durch Szenen mit Mutter oder Vater greifbar.
Die Autorin schafft es, mit alltäglichen Situationen zu fesseln: Da sind Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, Begegnungen zwischen den Familienmitgliedern und die jeweils sehr persönlichen Kommentare zum Geschehen. So entsteht in klarer Sprache das detaillierte Bild einer Familie voller Konflikte und Verletzungen. Das hat mich sogar noch mehr beeindruckt als „Schwiegermutter“, und nach „Scheidung“ werde ich nun unbedingt Ausschau halten.

Veröffentlicht am 31.05.2026

Die Suche nach dem Glück

Espresso unter Sternen
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Stefan Maiwald, der deutsche Berichterstatter aus Italien, hat für dieses Buch sein Domizil in Grado verlassen, um in Triest der Stadt und dem Glück auf die Spur zu gehen.
Als Leserin seiner früheren ...

Stefan Maiwald, der deutsche Berichterstatter aus Italien, hat für dieses Buch sein Domizil in Grado verlassen, um in Triest der Stadt und dem Glück auf die Spur zu gehen.
Als Leserin seiner früheren Werke erwarte ich eine humorvolle Verarbeitung der Begegnungen mit den Einwohnern, die gewissermaßen die Besonderheiten ihrer Stadt bezeugen. Doch solche Gespräche gibt es kaum. Da bin ich fast erleichtert, als der Schwiegervater dem Schreiber im Exil einen Besuch abstattet.
Es scheint, als ob das Buch eher aus der Konserve als aus tatsächlich Erlebtem entstanden ist. Während wir seitenweise den Café-Besuchen beiwohnen, werden die Geschichte der Stadt oder der Nudel mit Zitaten von Bekannten aus den Grado-Büchern gespickt.
„Ich dümple eine Weile herum und kann mein Glück kaum fassen, dass ich so etwas als meine Forschungsreise bezeichnen darf.“ Wie froh bin ich, als mit den Badeerlebnissen tatsächlich einmal eine für den Ort typische Situation geschildert wird.
Die Glückssuche selbst wird schließlich mit allgemeinen Weisheiten abgearbeitet, dass ich mehrfach die Hände über dem Kopf zusammenschlage. Von Maiwald als Journalisten hätte ich gezielte Verabredungen mit interessanten Personen erwartet, von Maiwald als Autor mehr als einen Aufguss gesammelter Italienerfahrungen. Bei mir stellen sich so weder Glücksgefühle noch neue Erkenntnisse über Triest ein.

Veröffentlicht am 24.05.2026

Einpendeln

Ausflippen.
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„Tadaa: nicht die Hormone, nicht die körperlichen Symptome, sondern das Maß an Selbstmitgefühl ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für psychisches Wohlbefinden in dieser Umbruchzeit.“
In dieser ...

„Tadaa: nicht die Hormone, nicht die körperlichen Symptome, sondern das Maß an Selbstmitgefühl ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für psychisches Wohlbefinden in dieser Umbruchzeit.“
In dieser Anleitung für die Wechseljahre geht es nicht in erster Linie um Hormone, sondern um das, was Frauen darüber hinaus beschäftigt: Stress, Gefühle oder Beziehungen.
Genau das empfand ich als wohltuend, denn ich möchte weder, dass dieser Lebensabschnitt ins Lächerliche gezogen wird, noch das Gefühl haben, dass ich einen Biologiekurs belegen muss, wie es manche andere Bücher suggerieren. Hier fühle ich mich auf Augenhöhe abgeholt – von Frau zu Frau, indem Dinge ausgesprochen werden, die einem in diesem Zusammenhang vielleicht nicht sofort in den Sinn kommen.
Die Autorin verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen und ergänzt diese durch Übungen zum Entspannen, Kommunizieren oder Organisieren. Damit habe ich deutlich mehr erhalten, als ich erwartet hätte. Und falls es mit dem Selbstmitgefühl doch einmal nicht klappt: „Motzen macht schmerztoleranter und erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit.“

Veröffentlicht am 22.05.2026

Mehr als Tulpen

Een zomer in Amsterdam
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Die vier Kurzgeschichten führen in verschiedene Städte der Niederlande und greifen landestypische Besonderheiten auf, etwa das organisierte Zusammenleben unter Nachbarn oder einen Stadtrundgang entlang ...

Die vier Kurzgeschichten führen in verschiedene Städte der Niederlande und greifen landestypische Besonderheiten auf, etwa das organisierte Zusammenleben unter Nachbarn oder einen Stadtrundgang entlang bekannter Sehenswürdigkeiten.
In der Reihe Sprachwelten steht vor allem das Erlernen einer Fremdsprache im Mittelpunkt, in diesem Fall Niederländisch auf dem Nivau A1+. Einige Vorkenntnisse sollten daher schon vorhanden sein, wenn man die Lektüre genießen und die Übungen bewältigen möchte. Unterstützt wird dies durch Vokabelkästen und Erklärungen direkt am Text.
Mir gefällt das Konzept, weil es bereits Anfänger dazu ermutigt, sich an ein Buch in einer Fremdsprache zu wagen und die Übung quasi nebenbei erfolgt. In diesem Fall überraschte mich, dass aus meiner Sicht einfache Dinge erklärt wurden, während schwierigere Aspekte vorausgesetzt blieben. Somit entstand der Eindruck, dass das angegebene Anfängerniveau womöglich etwas zu niedrig angesetzt wurde.
Auch wenn die Geschichten keine hohen literarischen Ansprüche erfüllen, vermitteln sie unterhaltsam Landeskunde und Sprachkenntnisse, so dass ich das Buch für einen „Sommer in Amsterdam“ gerne empfehle.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Zwischen Leselust und Listen

Eine Seite noch
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Meike Winnemuth hat es sich zum Ziel gesetzt, ein halbes Jahr lang das Lesen auf jede erdenkliche Art neu zu erleben. Sie stöbert in Buchläden und öffentlichen Bücherschränken, erkundet das Haus von Virginia ...

Meike Winnemuth hat es sich zum Ziel gesetzt, ein halbes Jahr lang das Lesen auf jede erdenkliche Art neu zu erleben. Sie stöbert in Buchläden und öffentlichen Bücherschränken, erkundet das Haus von Virginia Woolf ebenso wie ihr eigenes Gartenhaus, liest sich durch Leselisten, zuvor gemiedene Genres und umfangreiche Wälzer.
So erleben wir die Autorin authentisch als ehrfürchtigen Fan, als wissbegierige Journalistin oder als Leserin, die manchmal ein Buch abbricht, wenn es gar nicht geht. Auch wenn ich nicht alle Ansichten teile (so gibt es zur Einrichtung eines Bücherregals nun einmal unterschiedliche Methoden), habe ich mich doch als Leserin verstanden gefühlt.
Hinzu kommt die Inspiration, manches einfach anders auszuprobieren, etwa ein Buch aufzublättern und mittendrin loszulesen. Kaum jemand dürfte die Lektüre von „Eine Seite noch“ beenden, ohne dass Begehrlichkeiten für neue Bücher geweckt werden, die in den Leselisten der Autorin auftauchen.
„Lesen ist die egoistischste, luxuriöseste, trotzigste, lohnendste Existenzform, die ich kenne.“ – Wer sich in diesem Satz wiederfindet, wird auch in diesem Buch versinken und gerne mit Winnemuth über die eigenen Lesegewohnheiten ins Schwelgen geraten.