Cover-Bild Schwimmen / Schweben
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Leykam
  • Themenbereich: Sport und Freizeit
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 144
  • Ersterscheinung: 10.03.2026
  • ISBN: 9783701184033
Jaqueline Scheiber

Schwimmen / Schweben

Über den Mut, ins kalte Wasser zu springen

Ein glasklarer Essay über den Mut, Neues zu wagen und die befreiende Kraft des Schwimmens.

Jaqueline Scheiber hat jegliche sportliche Disziplin lange gemieden. Zu groß war die Unsicherheit, zu fremd die Codes. Doch eines Tages fasst sie allen Mut zusammen und taucht sprichwörtlich ein in eine neue Welt. Sie entdeckt das Schwimmen für sich und mit jedem Zug fühlt sie sich leichter, mit jeder Bahn wächst die innere Ruhe. In ihrem Essay erkundet die Bestseller-Autorin, was Schwimmen in uns auslösen kann. Durch ihre Urgroßmutter, die nie schwimmen lernen durfte, und ihre Mutter, die für Ungarns Schwimmteam in internationalen Wettbewerben antrat, erkennt sie die politische Dimension des Schwimmens.

Dieser Essay ist eine Liebeserklärung an das Strömende in uns, an die Möglichkeit, immer neue Wege zu finden und beweglich zu bleiben in unserem Alltag und unseren Gedanken.

1. Auflage mit Farbschnitt!

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine Liebeserklärung ans Schwimmen: Kluger, persönlicher Essay

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Ich habe mich sehr auf die Neuveröffentlichung „Schwimmen / Schweben“ von Jaqueline Scheiber gefreut & genauso viel Freude hatte ich mein Lesen dieses sehr persönlichen, ehrlichen und klugen Essays.

Der ...

Ich habe mich sehr auf die Neuveröffentlichung „Schwimmen / Schweben“ von Jaqueline Scheiber gefreut & genauso viel Freude hatte ich mein Lesen dieses sehr persönlichen, ehrlichen und klugen Essays.

Der Text ist eine Liebeserklärung ans Schwimmen, aber auch eine sehr persönliche und ehrliche Beschäftigung mit Körpernormen, Unsicherheiten und Scham. Denn die Autorin hat Sport sehr lange gemieden. Aus Angst und Scham, mit ihrem Körper aufzufallen; nicht gut genug zu sein. Doch irgendwann siegt ihr Mut und sie beginnt mit dem Schwimmen. Anfangs noch unsicher, sich fremd fühlend im öffentlichen Schwimmbad:
„Wenn ich versuche, unauffällig durch einen Raum zu gehen, gehe ich immer ein wenig komisch. Zu große Schritte, steife Arme. Ich sage mir: Niemand beobachtet dich, nicht einmal der Mann mit den grau melierten Schläfen vor der Spiegelwand unter der Föhnvorrichtung. [...] Bestimmt denkt er sich nichts beim Anblick meiner Oberschenkel, die bei jedem Schritt nachbeben. Ich will nicht, dass er mich bemerkt, obwohl ich ihn und alle anderen ganz genau bemerke. Ich will nicht auffallen, obwohl ich mir bei jedem Aufeinandertreffen eine Geschichte zusammenreime, warum wer wie oft hier ist und wer wie lange bleibt.“

Doch mit jeder geschwommenen Bahn wächst die Liebe zum Wasser, sie fühlt Leichtigkeit und Glück.
„In diesem Moment nahm ich friedlich und überwältigt die Schwerelosigkeit wahr, die Stille und die Vorahnung, dass da gerade etwas entstand, was einmal mir gehören könnte. Unbeobachtet ließ ich mich treiben, probierte aus, strengte mich an, um mich nur wenig später auf den Rücken zu drehen und mir sicher zu sein gehalten zu werden. Meine Gedanken verflüchtigten sich mit jedem weiteren Abstoß vom Beckenrand.“

In persönlichen Gedanken teilt Jaqueline Scheiber ihre persönlichen Gedanken; vieles hat mich sehr berührt und/oder zum Nachdenken gebracht.

„Dieses Fahrwasser birgt allerdings nicht nur versöhnliche Verbindungen. Unter der Überschrift Sport kommen gerne auch weniger hilfreiche Botschaften mit. Geister, die man nicht rief. Die Vergleiche, all die Maßeinheiten, die ich so gut kenne, aufdringliche Gedanken um Ideale und die Frage, wo in der Vielfalt aller Körper ich mich nur einreihen soll. Gibt es eine sensible Form, über die Veränderung von Körpern zu schreiben, ohne schädlichen Narrativen einen Nährboden zu bieten? Die Auseinandersetzung mit meinem Körper, mit seiner persönlichen und politischen Dimension ist fest mit mir verbunden. Seit ich zurückdenken kann, soll etwas mit ihm nicht in Ordnung sein. Im Laufe meines Lebens werde ich immer wieder aufgefordert, etwas an mir zu ändern. Ich bin keine Ausnahme, schließlich gibt es in meinem Umfeld kaum eine Person, die nicht auf die eine oder andere Art vom Ringen um die Bedeutung der eigenen Körperform vereinnahmt wird.
Trotzdem blicke ich positiv auf die Errungenschaften der Körpervielfalt, nicht zuletzt dank der Sozialen Medien. Deren Verbreitung von Kritik an unrealistischen Idealen und der Sichtbarmachung diverser Körperformen spielten eine wesentliche Rolle für viele wie mich, die sich von dem Narrativ trennen wollten und mussten, falsch auszusehen. Zu viel zu sein und gerade deswegen als unzureichend zu gelten. Denn eines ist heute gewiss: ob sich jemand gut fühlt, lässt sich nicht am Aussehen ablesen. Im Übrigen auch nicht, ob jemand gesund ist oder nicht. Also habe auch ich mich an die Seite derer gestellt, die laut darum bitten, Körper nicht mehr zu kommentieren. Körper als Funktion und Mittel zur Bewältigung des Alltags zu betrachten. Ich habe mich für die Entstigmatisierung und die Politisierung des Körpers als feministischer Schauplatz eingesetzt. Repräsentation als Instrument. Was mir dabei geholfen hat, war die Vielfalt an möglichen Körperformen bewusst anzusehen, sie wahrzunehmen und Schönes an ihnen zu finden. Jeder Tag, an dem ich mich selbst schön fühle, ist ein kleiner Akt der Rebellion. Eine politische Auflehnung gar.“

Auch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ihrer Großmutter, die nie schwimmen lernte, und mit der Jugend ihrer Mutter als Leistungsschwimmerin in Ungarns National-Schwimmteam fand ich sehr gelungen und bewegend.

Die passend eingefügten Zitate u.a. von Paul Celan, Karen Blixen, Lidia Yuknavitch und Hilde Domin runden das Lesevergnügen noch ab: „Schwerer werden. Leichter sein.“

„Schwimmen / Schweben“ ist ein sehr kluger und lesenswerter Essay, der von mir 5 Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung bekommt!

Vielen Dank an den Leykam Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Was ich durch das Schwimmen gelernt habe

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„Vielleicht bin ich noch sechs Monate von einer wissenschaftlich gefestigten Routine entfernt, aber viel wertvoller ist die Erkenntnis, dass das Wasser auch an Land wirkt" (S. 46), mit diesem Satz trifft ...

„Vielleicht bin ich noch sechs Monate von einer wissenschaftlich gefestigten Routine entfernt, aber viel wertvoller ist die Erkenntnis, dass das Wasser auch an Land wirkt" (S. 46), mit diesem Satz trifft Jaqueline Scheiber genau das, worum es in ihrem Essay geht: nicht um Perfektion, sondern um das, was die Beschäftigung mit etwas Neuem in uns verändert, noch bevor es zur Gewohnheit wird. „Schwimmen / Schweben", erschienen im März 2026 beim Leykam Verlag, ist ihr erstes essayistisches Buch nach dem Bestseller-Roman „Dreimeterdreißig". Formal ist „Schwimmen / Schweben" ein klassischer Icherzähl-Essay mit eingestreuten Recherche-Exkursen, einer umfangreichen Literaturliste am Ende und einer Sprache, die sich immer wieder ins Lyrische hebt.

Meine Meinung

Scheiber nähert sich dem Schwimmen als jemandem, die lange keinen Zugang zu Sport hatte. Nicht aus Faulheit, sondern aus einem Körpergefühl heraus, das von Sozialisierung geformt wurde. Das ist der Ausgangspunkt. Von dort aus öffnet der Essay erstaunlich viele Türen: Körperscham und Fettfeindlichkeit, die politische Dimension von Freibädern, die Familiengeschichte ihrer Mutter als ungarische Leistungsschwimmerin und Migrationsbiografie, das Recht auf Barrierefreiheit, die Romantisierung des Meeres und die schlichte Frage, wem Wasser eigentlich zugänglich ist und warum nicht.
Was der Autorin meiner Meinung nach wahnsinnig gut kann ist das Persönliche mit dem Strukturellen zu verbinden, ohne dabei in Betroffenheitsrhetorik zu verfallen. Wenn sie schreibt, dass sie sich schämt im Hallenbad, weil ihr Körper „aus der Reihe tanzt" und dann sofort fragt, woher diese Scham stammt und wessen Normen sie eigentlich bedient, dann ist das feministische Analyse, die sich nicht wie Analyse anfühlt.
Für mich persönlich besonders spannend waren die Passagen über Zugang und Ausschluss: Scheiber stellt die Frage, ob es ein Recht auf Abkühlung gibt, ohne sie rhetorisch zu behandeln. Sie schreibt über Burkini-Debatten als das, was sie sind: rassistische Deutungshoheitsbehauptungen einer weißen Mehrheitsgesellschaft. Sie erinnert daran, dass das Mittelmeer für manche ein Sehnsuchtsort und für andere ein Überlebenskampf ist. Diese Verschiebungen, vom Persönlichen ins Geopolitische, von der eigenen Bahn im Hallenbad zu den Menschen im Schlauchboot, waren für mich mit die stärksten Momente des Buches.

Manchmal wirkt der Essay dennoch in seinen gesellschaftskritischen Passagen etwas sprunghaft. Die Kritik am neoliberalen Gesundheitsdiskurs ist treffend, aber kurz angerissen und wird nicht wirklich weiterverfolgt. Es entsteht stellenweise das Gefühl, Scheiber öffnet Türen, durch die sie dann nicht ganz hindurchgeht. Das ist vielleicht auch eine Eigenheit des essayistischen Formats, das Weite erlaubt statt Tiefe verlangt. Aber wer eine systematische Analyse erwartet, wird hier eher nicht fündig.

Fazit

„Schwimmen / Schweben" ist kein Buch, das man liest und danach weiß, wie man schwimmt, oder wie man ein besseres Leben führt. Es ist ein Buch, das man liest und danach anders durch ein Hallenbad geht. Anders auf Körper schaut. Anders über Zugang nachdenkt. Scheiber gelingt das, was guter Essay-Literatur gelingen soll: Sie macht das Private politisch, ohne dabei die Lesenden zu belehren. Dass die gesellschaftskritischen Fäden nicht immer zu Ende gesponnen werden, ist der einzige Vorbehalt, aber kein Grund, das Buch nicht zu lesen. Herzlichen Dank an den Leykam Verlag für das Rezensionsexemplar.

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